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Full text of "Der Fondaco dei Tedeschi in Venedig und die deutsch-venetianischen Handelsbeziehungen. Quellen und Forschungen"

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Der alte Fondaco dei Tedeschi nach dem Plane Venedigs von Jacopo de' Barbari 1500. 

a) Die alte Rialto-BrUcke. -■ b) Die Kirche S. Bartolomeo. - c) Der Fondaco selbst (das Gebäude unterhalb 
der alten Ueberschrift .Fontico dalamani'). - d) Die Kirche S. Giovanni Crisostomo. 




Der neue Fondaco nach A. Quadri, Jl Canal Grande di Venezia (1828) mit den 
damals noch vorhandenen Thürmchen. 

a) Ponte dell' Oglio mit dem Eio del Fondaco. - b) Fondamenta e Traghetto del Buso mit der Calle del Fo 
daco, wo der Eingang von der Strasse her. 



DER 



FONDACO DEI TEDESCHI 



IN VENEDIG 



UND DIE 




DEÜTSCH-VEMTIANISCHENHANDELSBEZIEHUN&Ei 

QUELLEN UND FORSCHUNGEN 



VON 




D«- HENRY SIMONSFELD, 

Dozent der Geschichte an der Universität und Sekretär an der kgl. Hof- und Staatsbibliothc 

in München. 



Mit Unterstützung der historischen Commission bei der kgl. bayerischen 
Akademie der Wissenschaften. 




STUTTGART. 
VERLAG DER J. G. COTTA'SCHEN BUCHHANDLU: 

1887. 



DER 

FONMCO DEI TEDESCHI 

IN VENEDIG 



UND DIE 



lEÜTSCH-VENETIANISCHENHANDELSBEZIEHÜN&EN. 



VON 



D« HENRY. SIMONSFELD, 

Dozent der Geschichte au der Universität und Sekretär au der kgl. Hof- und Staatsbibliothek 

in München. 



BAND II. 
/. Geschichtliches. 
II. Liste der Consuln der deutschen Kaufmannschaft im Fondaco 1402—1753, 
III. Grabschriften von Deutschen in Venedig. 

Anhang: Zur Geschichte deutscher Gewerbetreibender in Venedig. 




STUTTGART. 
VERLAG DER J. ö. COTTA'SCHEN BUCHHANDLUNG. 

1887. 



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Alle Rechte, 

insonderheit in Beziehung auf Uebersetzungen, sind von 

der Verlagsliandlung vorbehalten. 



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Druck von Gebrüder Kröner in Stuttgart. 



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Vorwort. 



iJer vorliegende zweite Band bringt, wie versprochen (cf, Vor- 
wort zu Bd. I S. XVIIl), zunächst eine zusammenfassende Dar- 
steUung der Geschichte des Fondaco und der deutsch-venetianischen 
Handelsbeziehungen (welche auch in einer Separatausgabe erscheint). 
Nachdem seit geraumer Zeit eine solche nicht mehr versucht wor- 
den ist, schien es wünschenswerth wieder einmal zusammenzustellen, 
was über das Thema aus alten und neuen Quellen zu entnehmen, um 
damit zugleich den Anstoss zu neuen Forschungen zu geben. Aus 
eben diesem Grunde habe ich ausführlicher der deutschen Theil- 
nehmer an diesem Handel gedacht, um hier Nachsuchungen besonders 
in privaten Archiven Vorschub zu leisten. Vielleicht wird man eine 
eingehendere Behandlung einzelner nationalökonomischer Punkte ver- 
missen, wie etwa eine Darstellung der Waarenpreise und der Zölle. 
Aber abgesehen davon, dass hiefür das Material noch nicht vollständig 
vorliegt, bleiben solche Fragen wohl besser Nationalökonomen von 
Fach überlassen. 

Es folgt dann die Liste der Consuln der deutschen Kaufmann- 
schaft im Fondaco 1492 — 1753, hierauf eine Sammlung Grabschriften 
von Deutschen in Venedig mit einem Verzeichniss der in S. Bar- 
tolomeo zu Venedig bestatteten Deutschen 1580 — 17G5 und einem 
Verzeichniss deutscher Fastenprediger in Venedig, über welche Ab- 
schnitte in den jeweiligen Einleitungen das Nöthige gesagt ist. 

Der sich daran anschliessende Anhang: „Zur Geschichte deut- 
scher Gewerbetreibender in Venedig" hat sich zu einer kleinen Skizze 



VllI 



Vorwort. 



über deutsches Leben in Venedig in früherer Zeit überhaupt er- 
weitert, wie auch unter den Dokumenten zum Anhang mehrere Stücke 
Aufnahme gefunden haben, die, ohne direkt Bezug auf die deut- 
schen Gewerbetreibenden zu haben, von allgemeinerem Interesse für 
uns sind. Für die Behandlung dieser Dokumente galten dieselben 
Grundsätze, wie für die Urkunden des ersten Bandes. 

Ein alphabetisches Personen- und Ortsregister zu beiden Bänden 
und ein Glossar, d. h. ein Verzeichniss der selteneren und schwieriger 
zu erklärenden lateinischen, italienischen und deutschen Wörter be- 
schliesst das ganze Werk, welches ich hiemit nochmals einer freund- 
lichen Aufnahme und einer wohlwollenden Beurtheilung empfehle. 



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München, im August 1887. 



H. Simonsfeld. 



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Inhaltsübersicht. 



Seite 
I. Geschichtliches 1—201 



Einleitendes 3—5 

Kaufhäuser im Mittelalter überhaupt 8, Etymologie des AVortes 
Fondaco 3, Fondachi im Orient 4, der Fondaco dei Tedeschi 
in Venedig im Allgemeinen: Eigenthum der Republik, Werth 
für Deutschland 5. 

Erster Theil bis zum Jahre 1505 (j— 106 

I. Das Gebäude 6 — 11 

Entstehung desselben und Beginn der deutsch-venetianischen 
Handelsbeziehungen überhaupt 6—8, älteste urkundliche 
Erwähnung des Fondaco 9, Umbauten des alten Hauses 
9—10, innere Eintheilung 11. 

II. Verwaltung des Fond., Art der Benützung; Be- 
amte und Bedienstete, Verhältniss der Regie- 
rungzudenBenützern 11 — 41 

Die deutschen Kaufleute gezwungen im Fond, abzusteigen 
12, der Fond, ursprünglich verpachtet 12, später die Kam- 
mern und Gewölbe an einzelne Kaufleute gegen massige 
Abgabe vermiethet 12 — 13, Gleichberechtigung der Kauf- 
leute betreffs der Benützung 13, Ausdehnung des Benützungs- 
rechtes für Einzelne auf längere Zeit 14 — 15; Hausordnung: 
Schliessung des Gebäudes, Durchsuchung der Kammern 16, 
Besuch der Weinschenke im Fond. 17; Beamte und Be- 
dienstete des Fond.: Visdomini mit Schreibern, Notaren, 
Dienern 18, ein Oberaufsichtsbeamter am Ende des 15. Jahr- 
hunderts 19, Barkenführer, Kärrner, Fährleute, Auktio- 
natoren, Träger, Wäger, Bleianleger 19, Ballenbinder, bilden 
eine Zunft, in welcher nur Deutsche 19 — 21; Hausmeister 
21-23; Sensale 23-28; 

Zusammenhang der Verwaltungsgrundsätze beim Fond, 
mit der venetianischen Handelspolitik überhaujit 29, fis- 
kalische Bedeutimg des Fond. 30, fiskalische und mono- 
polistische Gesichtspunkte bei der Regelung des gesammten 
deutsch-venetianischen Handelsverkehrs 31-32, Urtheil 



Inhaltsübersicht. 



Seite 
Salimbene's über die Venetianer 32, Schutzzollpolitik Vene- 
digs 33 und Freihandel 84, probeweiser Erlass der Ver- 
ordnungen 34, besondere Rücksichtnahme auf die Wünsche 
der Deutschen 34—37; Grösse des Umsatzes des deutsch- 
venetianischen Handels 37 — 39, Bedeutung Venedigs für den 
Handel: Hochschule für den jungen Kaufmann 39 — 41, 
Kredit Venedigs : Hinterlegung auswärtiger Gelder in der 
venetianischen Staatsbank 41. 

ni. DieBenützerdesFondaco 41 — 90 

Untersuchung der Frage, ob Gesuch nöthig für die Benützung 
41 — 42, Schwierigkeit einer Statistik der Benutzer wegen 
der Dürftigkeit der Quellen 42—43, Seltenheit handels- 
geschichtlicher Notizen : bei Fehden, Kriegshändeln u.dgl. 43, 
Kaiser Sigmund's Stellung gegen die Republik, dessen ver- 
gebliche Bemühungen den deutsch-venetianischen Handel 
auf Genua abzulenken 44—46, seine Handelsverbote werth- 
voll für die Kenntniss der betheiligten Städte 46; Schei- 
dung der deutschen Kaufleute im Fond, in 2 Tafeln: die 
Regensburger- und Schwaben- und die Nürnberger-Tafel 46; 
Regensburg 47—49, die österreichischen Städte: Linz, Enns, 
Steyr, Wels, Wien 49—53, Ips, Wiener-Neustadt 53 ; Steier- 
mark : Judenburg, Pettau 53 ; Kärnthen : E'riesach, Villach 
53; Krain: Laibach 54; Friaul: Pordenone, Cividale, Ven- 
zone 54; Tirol 55; Salzburg 55 — 56; Baiern: München, 
Landshut 56 — 57 ; Schwaben : Augsburg 57 — 62, Memmingen 
62, Kempten 62, Ulm 62—63, Lauingen, Hohen-Urach, 
Biberach, Kaufbeuren 63, Lindau 63 — 64, Ravensburg 64, 
Konstanz 64 — 65, Basel, St. Gallen, Schweiz, Freiburg, 
Zürich 65 — 66; Strassburg 66 — 67; Speier, Worms, Mainz 
67 ; Frankfurt 67 - 69 ; Würzburg, Windsheim 69 ; Köln 69—71 ; 
Lübeck 71 — 72; Breslau 72, Bautzen 72; Nürnberg 73— 80 ; 
Böhmen: Prag 80 — 81; Mähren: Brunn 81; Ungarn, Polen, 
Savoyen 81 — 82; Art des Geschäftsbetriebes, Vertretung 
83 — 84; Inneres Leben der deutschen Kaufleute im Fond. 
84, Gemeinsame Angelegenheiten, Gleichberechtigung aller 
Kauf leute . an den Besclalüssen 85 — 86; Innere Geschichte 
des Fond. : Streit zwischen den Regensburgern und Nürn- 
bergern im 14. Jahrhundert 86 — 87, zwischen den ober- und 
niederdeutschen Städten (1428 oder 1429) 87 — 88, zwischen 
den Nürnbergern und Augsburgern (1474) 88 — 89 ; Einführung 
einer gemeinsamen Abgabe, des Cottimo 89—90, Wahl von 
Vorstehern, Cottimieri 90. 

IV. Die Verkehrswege 90 — 101 

Entfernungen zwischen Deutschland und Venedig . . . 101 — 102 

V. Die Waaren 103—106 

Zweiter Theil von 1505 an 107 — 201 

Brand des alten Gebäudes 107, Wiederaufbau durch die 
Regierung 107 — 108, Ausschmückung durch Giorgione und 
Tizian 109 — 110, gegenwärtiger Zustand 110—112, innere 
Einrichtung des Gebäudes , Wintersaal und Sommersaal 
112 — 113, der Baumeister ein Deutscher, Namens Hierony- 
mus 113—116; 



n 



Inhaltsübersicht. XI 



Unrichtigkeit einer demonstrativen Absicht der Regie- 
rung bei dem Neubau 116 — 117, Zweck der Festhaltung 
der Deutschen in Venedig nach den neuen Entdeckungen 
117, Rückwirkung dei'selben auf Venedig und den deutsch- 
venetianischen Handel 117—119, Gefahr für diesen durch 
den Krieg zwischen der Republik und Kaiser Maximilian I. 
119 — 120, Antheil der Herren von der Leiter an demselben 
121 — 122, wohlwollendes Verhalten des Kaisers gegen die 
deutschen Städte 122—123; 

Fortdauer und Blüthe des deutsch-venetianischen Handels 
im 16. Jahrh. 123 — 124, Beweise dafür: Aufkommen der 
Zeitungen 124, Aufzeichnung der Zölle und Abgaben in 
Venedig 124, Handelbücher 124—126; 

Verwaltung des neuen Gebäudes 126, Festsetzung der 
Miethe per Jahr 126—128, Plan einer gänzlichen Abtretung 
des Benützungsrechtes des Fond, an die deutsche Kauf- 
mannschaft gegen eine Pauschalsumme (1647) 129; Selbst- 
verwaltung den Deutschen im Innern zugestanden 129 — 130, 
Aufstellung eigener Diener, insbesondere eines Thorhüters 
130 ; innere Ausschmückung des Hauses durch die Deutschen : 
Ofen, Uhr, Gemäldegallerie 131, Altartafel (Rosenkranzfest) 
von Albrecht Dürer für die Kirche S. Bartolomeo beim 
Fond., Hauptbegräbnissplatz der Deutschen 131 — 134, andere 
Begräbnissstellen 134 — 135; 

Der Cottimo zur Bestreitung der gemeinsamen Ausgaben 
135 — 136, Steigerung desselben 136, Streit über dessen Ent- 
richtung mit dem Trientiner Zilberti und Genossen (1577) 
136 — 138, Erfordemiss der Zustimmung der venetian. Be- 
hörden zur Erhöhung des Cottimo 138 ; Aenderungen in der 
inneren Verwaltung, Organisation der deutschen Kaufmann- 
schaft oder Deutschen Nation, Nazione Alemana 139, Con- 
suln, Aelteste, Generalkapitel 139; 

Zwiespalt in der deutschen Kaufmannschaft 140, Unter- 
scheidung von Berechtigten und Nichtberechtigten 140, die 
von der Regierung verliehenen Privilegien und Immunitäten 
der deutschen Kaufmannschaft 140 — 142, Anspruch der 
Oberdeutschen auf alleinigen Genuss der Privilegien des 
Fondaco und alleinigen Antheil an Kapitel, Tafel und 
Kammern des Fond, seit Ende des 16. Jahrh. 142 — 144, 
Geltendmachung dieser Ansprüche gegenüber Danzig, Trient 
144 — 145 und besonders gegenüber Köln und dem Kölner 
Abraham Spillieur (1647—1652) 145, Vorgehen der Naz. 
Alem. gegen Spillieur 146—148, Entscheidung der venetian. 
Regierung zu Gunsten Kölns (1652) 149 — 150; Untersuchung 
der Rechtsfrage : Nachweis der Grundlosigkeit der alleinigen 
Ansprüche der Oberdeutschen an den Fondaco 150—154, 
Motive der Oberdeutschen : Geschäftliche Interessen, Gegen- 
satz gegen die Han8a^l55 — 156, konfessionelle Gründe 157; 
Rückblick 'au'f das'Emdfingeri der Reformation in Venedig 
157, Antheil der Deutschen im Fondaco 158, Spaltung 
zwischen Lutheranern, Calvinischen, Reformirten 159, Bil- 
dung einer deutschen reformirten Gemeinde mit Abraham 
Spillieur als Vorsteher (1647 — 48) 160, Entstehung der 
evangelischen Gemeinde (c. 1646) 161 — 162; weitere Theilung 



XII Inhaltsübersicht. 



Seite 



der deutschen Kaufmannschaft in Venedig 162; Streit der 
Naz. Aleni. mit den nach Deutschland direkt handelnden 
venetian. Kaufleuten betreffs Entrichtung des Cottimo am 
Anfang des 18. Jahrh. 163—164, Höhe des Umsatzes in 
dieser Zeit 164, Ende des Fond, durch die französische 
Revolution 164; 

Rückblick auf die Stellung der deutschen Kauf leute in 
diesem Zeitraum 164, bescheidenes Maass von Selbstverwal- 
tung, keine eigene Gerichtsbarkeit, Unterwerfung unter die 
Entscheidung der venetian. Behörden auch bei inneren An- 
gelegenheiten 165, in Folge dessen andererseits längeres 
Bestehen des Fondaco als der anderen deutschen Handels- 
faktoreien 165, Werthschätzung der Handelsbeziehungen mit 
Venedig in den deutschen Städten 166, Erkenntlichkeit der 
deutschen Kauf leute in Venedig 166, Unterstützung der 
Regierung mit Geld 166, Freudenbezeigungen z. B. nach 
dem Sieg von Lepanto 166, Sonstiges aus dem inneren 
Leben der Deutschen im Fond. 166—167; 

Benutzer des Fond. 167 , gleiche Schwierigkeit einer 
Statistik in diesem Zeiträume 167, Quellen hiefür 167 — 168, 
Regensburg 168 — 169; die österreichischen Städte: Steyr, 
Enns, Wien 169—171, Wiener-Neustadt 172; Steiermark 172; 
Kärnthen: Villach 172, Paternion 173, Klagenfurt 173; 
Krain: Laibach 173; Tirol: Trient 173, Innsbruck 173; 
Salzburg 173 — 175; Baiern: München 175, Braunau, Lands- 
hut, Mittenwald 175, Partenkirehen, Landsberg 176; Augs- 
burg 176—182; Kaufbeuren 182—183, Kempten 183, Mem- 
mingen 184, Ulm 184—185, Nördlingen 185—186; Stuttgart 
186, Ludwigsburg 186, Schwäbiseh-Gmünd 186, Biberach 
186, Ravensburg 186—187, Leutkirch 187, Isny 187, Lindau 
187—188; Schweiz 188; Strassburg 188, Colmar 188, Frank- 
furt a. M. 188—189, Köln 189-191, Aachen 191, Hamburg 191, 
Berlin 191, Danzig 191, Breslau 191 -192, Zittau 192, Lengen- 
feld im Voigtland 192, Gräfenthal in Thüringen 192; Nürn- 
berg 192—196, Feucht 196, Wendelstein 196, Windsheim 196 ; 

Die Waaren 196—198, die Wege 198—201 ; Schluss 201. 

II. Liste der Consuln der deutschen Kaufmannschaft im Fon- 
daco 1492-1753 203—212 

III. Grrabschriften von Deutscheu in Venedig 213—246 

Beilage I: Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig 

bestatteten Deutschen 1580-1765 247—259 

Beilagell: Verzeichniss deutscher Fastenprediger in Venedig 260 — 262 

Anhang: Zur Geschichte deutscher Gewerbetreibender in 

Venedig 263-290 

Kulturgeschichtliche Bedeutung Venedigs 265, Einfluss 
auf die Geschichte der Sitte und Mode 265, Stadt der Ver- 
gnügungen 266, Lobsprüche auf Venedig 267, Fremden- 
verkehr 268, Parallele zu Rom 268, Deutsche und deutsche 
Gewerbetreibende in Venedig: Bäcker 269 — 274, Schuh- 



n 



Inhaltsübersicht. XIIT 

Seite 
macher 274—277, Wollarbeiter, Weber 277—278, Bedienstete 
im privaten und öffentlichen Leben, Boten, Ballenführer, 
Söldner, Geschützmeister 279—281, Bergleute, Ingenieure 
281, Verleihung des venetianischen Bürgerrechtes 281 — 283, 
Wirthe 283-285, Diebe 285, Juden 285-287, Aerzte 287, 
Buchdrucker und Buchhändler 287—289, Künstler, Deutsch- 
Ordens-Ritter, Kaufleute 289, Schluss 290. 

Dokumentezum Anhang 291—347 

Personen- und Ortsreg-ister 348—890 

Olossar 391—396 



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n 



Nachträge und Berichtigungen. 



Zu S. 



Zu S. 
Zu S. 
Zu S. 
Zu S. 

Zu S. 

Zu S. 

Zu S. 

Zu S. 

Zu S. 

Zu S. 

Zu S. 

Zu S. 



Zu S. 
Zu S. 



78 Z. 19 

79 Z. 8 
79 Z. 14 
81 Z. 20 



54 Z. 19 von oben ist hinzuzufügen: Ferner war vielleicht ebendorther 
Johann Stibig, 1502 Consul der deutschen Kaufmannschaft im Fondaco 
(cf. Dimitz, Gesch. Krains I, 301). 
58 Anm. 11 ist 309 zu streichen. 
62 Z. 28 von oben lies: Hieronymus statt Marcus. 
65 Z. 25 „ , „ Zili statt Cili. 

65 Z. 30 „ „ ist nach „aufgeführt" hinzuzufügen: 13) und unten 
als Anm. 13): Commemoriali lib. VII no. 436. 

68 Z.' 29 von oben ist hinzuzufügen: Aus derselben Familie war vielleicht 
Johann Heller, 1500 Consul. 

77 Anm. 6 ist hinzuzufügen : cf. Bd. I Nr. 349. 

78 Z. 4 von oben lies: Bartholomäus statt Berthold. 
„ „ Sebald statt Sebastian. 
„ „ Rieter statt Rietter. 
n „ Guido (Veit) statt Guido. 
„ „ Rainaldus statt Rein. 

82 oben. Ein Kaufmann aus Pesth, Sigmund Lorberer, wird erwähnt in 
den , Commemoriali' zum 22. Nov. 1403 ; cf. Predelli in den ,Monumenti 
della Deputaz. Veneta' vol. 9 p. 293 (Hb. IX n. 270). 

83 Z. 5 von oben lies : Thencumath statt Tenc. 

37 und 84. Das Leben und Treiben im Fondaco wird in einem Lob- 
gedicht auf Venedig, das im 15. Jahrh. in venetianischem Dialekt ver- 
fasst ist, folgen dermassen veranschaulicht (Raccolta di poesie in dialetto 
Veneziano 1845 p. 9): 

Se me domandi ancor se vende e tuole 

Ognano va e ritorna e porta 

De tante merze sorta 

Dirotel presto se el bei dir non mancha 

Da ogni parte qui se vede la branca ^) 
De marchadantie Italize e Lombardischi 
E poi molti Todischi 
Che nel fontego fano molti fati 

Chi a contadi vende e chi a barati*) 
Merze per merze vende e chi a danari 



1) ,tanta quantitä di materia quanta si puö tenere in una mano' Boerio, Dizionario del 
dialetto Veneziano (2 a ediz. 1856). 

2) Tausch. 



Kachträge und Berichtigungen. XV 

Ma ben convien che impari 

La loycha ') chi vuol uxar in tali luogi 

Li non se schriza-) li non se fa zuogi 
Anzi sempre se vede ligar bale 
Ma stu*) me di che vale 
Un trexoro de moneda a dir el vero. 

Zu S. 85 Z. 35 von oben lies : betraf statt antraf. 

Zu S. 93 Z. 14 von oben: Snieen = Schmie bei Maulbronn nach gütiger Mit- 
theilung des Herrn Oberstudienrathes Heyd (cf. Götting. Gel. Anz. 1881 
S. 138). 

Zu S. 98 Z. 7 von unten und S. 100 Z. 6 v. u. Ich werde darauf aufmerksam 
gemacht , dass der Ausdruck Fellacanal , den ich Zahn's Friaulischen 
Studien entnommen, zu der irrigen Annahme Veranlassung geben könnte, 
als handele es sich um einen wirklichen Canal, während ,Canale' nur 
das „Flussbett" selbst bedeutet; S. 98 Z. 10 von unten ist (Pols) hinter 
Knittelfeld zu stellen. 

Zu S. 122 Anm. 6 ist nach , Argentina' hinzuzufügen: (Anselm Johann cf. unten 
S. 188). 

Zu S. 148 Anm. 3 lies : Nr. 763 statt 756. 

Zu S. 153 Z. 6 von oben, S. 155 Z. 11 von unten etc. Derselbe Kaufmann 
Heinrich Helman aus Köln wird (nebst Anderen) auch in Alvise Casa- 
nova's Specchio lucidissimo, nel quäle si vedeno essere diffmito tutti i 
modi et ordini de scrittura che si deve menare nelli negotiamenti della 
Mercantia etc. (Venedig 1558), worauf Herr Dr. R. Ehrenberg mich auf- 
merks-am machte, unter dem 6. Mai 1555 und öfters (unter dem 7. Juni 
mit seinem Sohne Hieronymus) aufgeführt; und zwar einmal mit der 
Bemerkung: ,tien camera in fontego et habita in contra de Sa. Maria 
Nova in casa propria'. Aehnlich heisst es von einem, unter dem 25. Juni 
1555 genannten, Justus Buzz (in einer Bearbeitung Casanova's von 
Grisogono, il Mercante arrichito 1664 als ,Box' bezeichnet): ,Allamano, 
habita in Venetia, in contrada de S. Zuane Grisostemo e tien Camera 
in Fontego di Todeschi'. — Eine sehr werth volle Notiz zur ganzen Frage 
des Wohnens und Nichtwohnens im Fondaco gibt, wie ich gleichfalls 
erst nachträglich sehe, der alte, treffliche Le Bret in seiner „Geschichte 
von Italien" Theil IX (Halle 1787) S. 538: „Sind die Nationalen (die 
Mitglieder der Nazione Alemana) ungeheyrathet , so können sie ihre 
bequeme Wohnung im Hause (Fondaco) haben, welches, sobald sie 
heyrathen, nicht mehr geschehen kan, indem sie alsdenn 
genöthiget sind, in der Stadt Häuser zu miethen". „Eigentlich zu 
reden," sagt derselbe ferner ebendort betreffs des Benützungsrechtes am 
Fondaco, „hat jeder, wer von Geburt ein deutscher Reichsbürger ist, 
auch ein Recht sich in Venedig niederzulassen und Capitelmitglied zu 
werden, wenn er sich bey der Nation wegen seiner zur Handlung taugen- 
den und ihm Credit verschaffenden Vermögensmasse, bey der Regierung 
aber wegen seiner Geburt, seines Herkommens, seiner Absicht legitimirt 
hat". — Die bei Casanova ausserdem noch (alle zum Jahre 1555) als mit 
Venedig direkt oder indirekt in Verbindung stehend aufgeführten deut- 
schen Kauf leute sind : Matthäus Malic (Manlich) in Augsburg (cf. Augsb. 
Hochzeitsbuch S. 60 ad 1558), Joh. Amhauser (cf. unten S. 178, 179), 
Matthäus Saler, Salier in Augsb. (Schaller?), Heinrich Orth in Ulm, 
Joh. Albr. Armbruster (cf. unten S. 188), Nicolaus Sileiner, Andreas 
Suaicher (Schweiker? Nürnb.), Zorzi Offer il giovine (Gg. Hopffer a. 
Augsb., damals in Frankfurt a. M.), Christoph Reubarth in Nürnb. (oder 

1) = loica, logica. 

■^) schreien. 

3) = se tu ; di = dici ; bale = balle. 



XVI 



Nachträge und Berichtigungen. 



■ 



Zu S. 

Zu S, 

Zu S, 

Zu S, 

Zu S, 

Zu S, 



Zu S. 

Zu S. 

Zu S, 

Zu S, 

Zu S. 

Zu S, 



Augsb. ?), Joh. und Jak. Pagier (Bayer?) Gebrüder, Marcus Ulstätt 

(cf. unten S. 178), Ludw. Walther (Augsb. cf. unten S. 178), Christoph 

Mielic (Mülich) als Agent für Anton Fugger und Brüder (Augsb.), David 

Oth (cf. unten S. 173), Cornelius Copertz (bei Grisogono: Coperil), Julius 

Herbeth. 

169 Anm. 5 lies: S. 193 statt 192. 

173 Z. 1 von oben lies : Aus Paternion (St. Patemiano). 

181 Anm. 17 lies: 180 statt 178. 

189 Z. 4 von oben lies: Marcart statt Mercart; und ist beizufügen: 1646 
Thomas Sot und Söhne. 

190 Z. 20 von oben ist nach , Herrn, von Wedig' hinzuzufügen : 2a) und 
unten als Anm. 2a) : cf. Bd. I Nr. 779. 

191 Z. 8 von unten und S. 143. Die Beziehungen Danzigs zu Venedig 
hat — was auch Thomas entgangen — bereits Th. Hirsch in einem Auf- 
satz: ^Ueber den Handelsverkehr Danzigs mit den Italienischen Staaten 
zu Ende des 16. Jahrh." (Neue Preussische Provincialblätter Jahrg. 1847 
Bd. IV S. 97 u. ff., 217 u. ff.) eingehender behandelt unter Beifügung 
zweier venetianischer Originalurkunden aus dem Danziger geheimen 
städtischen Archiv, wovon die eine den von Thomas („Zur Quellenkunde 
des venezianischen Handels und Verkehrs" S. 45 in den Abhandlgn. der 
k. bayer. Akad. d. Wiss. I. KL Bd. XV Abth. I) mitgetheilten Beschluss 
des Senats vom 9. Aug. 1597 in feierlicher Form enthält. Hii-sch zeigt, 
dass diese Beziehungen bis wenigstens 1608 fortdauerten, indem die 
Danziger Kauf leute (besonders Bartholomäus Schachmann, Andreas Jasky, 
Johann Falk und David Wichmann) Schiffe mit Getreide nach Venedig 
sandten und als Rückfracht diese besonders Oel aus Candia und Wein 
mitnahmen. Er hat auch sehr hübsch auf den Einfluss dieser Beziehungen 
auf das politische, wissenschaftliche und künstlerische Gebiet hingewiesen. 

192 Z. 4 von oben lies: Daniel statt David; Z. 4 von unten lies: Ferdinand 
III. statt II. 

195 Z. 27 von oben lies : Joachim Sohn des Jesaias Clivan. 
195 Z. 34 von oben lies: Tiefferer statt Tieffrer. 

199 Z. 10 von oben lies: Spotting statt Stötting ; Z. 11: Rottenbuch statt 
Rotenbuch. 

200 Z, 17 von oben lies: Topogliano statt Opogliano. 
221 Nr. 5 Anmerkung Z. 8 lies : Trungher statt Tungher. 



I 



Geschichtliches. 



n 



3 



Viel mehr als heutigen Tages erforderte in früherer Zeit und 
insbesondere im Mittelalter der Handel die persönliche Theilnahme des 
Kaufmanns. Praktische Rücksichten, gefördert durch den korpo- 
rativen Einigungstrieb des Mittelalters, brachten es da nun mit sich, 
dass an den meisten Hauptplätzen des Welthandels der Kaufmann, 
der fremd mit seinen Waaren dorthin kam, bestimmte Gebäude 
traf, wo er nicht nur gemeinsam mit seinen Landsleuten seine Waaren 
ausbieten, sondern auch für die Dauer seines Aufenthaltes Unter- 
kunft finden konnte. Solche Kaufhäuser oder, wie sie Gengler^) 
zum Unterschied gegen die späteren Kaufhäuser „ohne Herbergs- 
Oharakter" lieber nennt, solche Kauf- oder Kauffahrerhöfe waren 
entweder von den Kaufleuten selbst errichtet oder von der Regierung 
des Landes den fremden Gästen zugewiesen worden. Hatte im letzteren 
Falle die Landesregierung natürlich auch das Recht, durch eigens 
bestellte Beamte die Verwaltung des Gebäudes zu führen, so waren 
die Kaufleute im ersteren Falle die Herren im eigenen Hause. So 
die norddeutschen Kaufleute auf dem deutschen Hof zu Nowgorod 
oder die hansischen im Stahlhof zu London, während zu den Li- 
stituten zweiter Gattung vornehmlich der Fondaco dei Tedeschi in 
Venedig gehört. 

Der Name Fondaco stammt nach der Angabe von Heyd^) 
,vom arabischen fonduk, welches selbst wieder mit dem griechischen 
-av5o'/£tov oder vielmehr mit dessen älterer Form iKxvdoyoQ oder 
n:äv5oxoi; etymologisch zusammenhängt und sowohl Magazin und 
Bude als Gasthaus bedeutet". Solcher Fondachi gab es denn auch 
im Orient für die abendländischen Kaufleute seit den Kreuzzügen 
die Menge. Namentlich Alexandria, seit dem 13. Jahrhundert mehr 
und mehr der Hauptverkehrsplatz für den Levantehandel des Abend- 
landes, hatte deren eine ziemliche Zahl aufzuweisen, die im 13. 
und 14. Jahrhundert entstanden. Die Venetianer besassen dort 
sogar ihrer zwei — und dem überwiegenden Einfluss Venedigs zu 

') Deutsche Stadtrechts-Alterthümer. Erlangen 1882 S. 330 fF. — ') Ge- 
schichte des Levantehandels im Mittelalter. 1879. Bd. II S. 430 Anm. 6, woraus 
auch die folgenden Angaben entnommen sind. (Cf. Sitzungsberichte der philos.- 
philolog. und histor. Kl. der k. bayer. Akad. d. Wiss. 1880 S. 624 ,Ueber Funda 
und Fondaco'.) 



4 Geschichtliches. 

jener Zeit entsprechend mögen die venetianischen Fondaclii Alexan- 
drias wohl auch die schönsten gewesen sein — je einen die Genuesen, 
die Pisaner wenigstens in älterer Zeit^ später die Florentiner, dann 
die Ankonitaner, endlich die Neapolitaner und Gaetaner zusammen 
einen gemeinschaftlichen. ,An die Italiener schlössen sich die Nord- 
franzosen, die Marseiller, die Narbonner, die Catalanen mit je einem 
Fondaco. Die Insel Candia, obgleich nur eine Colonie von Venedig, 
besa.ss einen besonderen Fondaco in Alexandria, ebenso das König- 
reich Cypern schon vor der Eroberung Alexandrias durch König 
Peter und später nach dem Friedensschlüsse auf's Neue. Aber auch 
die konstantinopolitanischen Griechen, die Türken, die Bewohner 
Mauretaniens, endlich die Tartaren, die in ihrem Fondaco einen stehen- 
den Sklavenmarkt etablirten." „Die Fondachi", so schildert sie Heyd, 
„waren grosse mehrstöckige Gebäude — die schönsten eben in 
Alexandria — , burgartig, im Viereck gebaut; so dass sie einen 
inneren Hof umschlossen, in welchem das Aus- und Einpacken der 
Waaren vorgenommen werden konnte. Im Erdgeschoss befanden 
sich gewölbte Waarenmagazine, in den oberen Stöcken zahlreiche 
Wohnungen für die Kaufleute. Die Fondachi wurden über Nacht 
durch einen dazu aufgestellten Mann von aussen geschlossen und 
kein Franke durfte sich Nachts ausserhalb seiner Wohnung betreten 
lassen. Auch Freitags, während die Muselmänner in ihren Moscheen 
zum Gebet versammelt waren, durften die Franken sich nicht auf 
der Strasse zeigen, wurden vielmehr auf zwei bis drei Stunden ein- 
geschlossen — immerhin ein starker Eingriff in die persönliche 
Freiheit des Kolonisten. Ein Eigenthumsrecht an die Fondachi 
hatten die kaufmännischen Niederlassungen nicht. Die Fondachi 
waren vielmehr von der ägyptischen Regierungsbehörde und zwar 
speziell vom Zollamt den fremden Kaufleuten zur Verfügung ge- 
stellt ; das Zollamt übernahm die Zahlung des Miethgelds, die Ein- 
richtung und etwaige Reparaturkosten. Die Entscheidung darüber, 
welche Personen zu dem Genuss einer Wohnung im Fondaco zu- 
gelassen werden sollten, sowie die Polizei im Innern des Hauses 
stand dem Consul zu, welcher selbst da wohnte; als Hausmeister 
fungirte der sogenannte Fundicarius. " 

Aehnliche Verhältnisse — vielleicht aus dem Orient übertragen 
— finden wir nun auch im Fondaco dei Tedeschi zu Venedig. 
Auch hier ist von einem Eigenthumsrecht der fremden deutschen 
Kaufleute an dem Gebäude niemals, von einer Selbstverwaltung in 
demselben wenigstens während des ganzen Mittelalters nicht die Rede, 
wie das unten noch im Einzelnen gezeigt werden soll : die Republik 
Venedig war die Eigenthümerin des Hauses und bei ihrem strengen 
oligarchischen Regiment und ihrer monopolistischen Handelspolitik 
gestattete sie den deutschen Kaufleuten wenig freie Bewegung, 
wie sie denn — um dies gleich hier zu erwähnen — dieselben 
während des Mittelalters durch wiederholte Gesetzesvorschrift von 
vorneherein zwang, im Fondaco abzusteigen. Dass unter solchen 




Geschichtliches. 5; 

Umständen „die deutsche Eigenart in der Weltstadt Venedig sich 
nicht so frei und kräftig hat entfalten können, wie in den nor- 
dischen Regionen, in welchen die Hansa ihre Comptoire gründete" ; 
dass hier nichts von grossen politischen Haupt- und Staatsaktionen, 
von Kämpfen und Siegen der deutschen Kaufleute zu erzählen ist, hat 
bereits Heyd sehr treffend bemerkt^). Aber er hat auch nicht ver- 
fehlt darauf hinzuweisen, welch segensreiche Thätigkeit trotzdem die 
deutschen Kaufleute für unser Vaterland hier entfaltet haben, indem 
sie einerseits der deutschen Manufaktur weite Absatzgebiete eröffnet 
und dadurch wesentlich die hohe materielle Blüthe namentlich der 
süddeutschen Städte gefördert oder eigentlich hervorgerufen haben, 
andererseits aber durch die Zurückbringung der „köstlichen" Waaren 
und Produkte des Orients aus der Lagunenstadt in ihrer Heimath 
„zu feinerem Genuss vmd reicherer Ausstattung des Lebens so unend- 
lich viel beigetragen haben". Und wie viel Anregung und Nahrung 
auf geistigem Gebiete in Bezug auf Kunst und Wissenschaft der 
deutsche Kaufmann jeweilig in der Weltstadt Venedig empfing, das 
wird sich im Einzelnen wohl nie feststellen, nicht statistisch mehr 
genau nachweisen lassen, ist aber eine so wichtige und unbestreit- 
bare Thatsache, dass sie in diesem Zusammenhange nicht über- 
gangen werden darf. Denn erst wenn man diese verschiedenen 
Momente in's Auge fasst, wird man zu einer richtigen Würdigung 
der Bedeutung des Fondaco dei Tedeschi und der deutsch-venetia- 
nischen Handelsbeziehungen gelangen, welche einzelne Forscher so- 
gar nicht anstehen, höher zu stellen als die der Hansa. So urtheilt 
Hellwald geradezu, dass sie „zur Kulturentwicklung der deut- 
schen Nation ungleich mehr beigetragen haben, als die Handels- 
thätigkeit und die merkantilen Beziehungen der Hansa" ^). — 

Wer von Norden kommend den Canal grande der Lagunen- 
stadt hinabfährt, erblickt unmittelbar vor der Rialto-Brücke linker 
Hand ein grosses, massiges Gebäude, das heutigen Tages freilich 
nur durch seine Ausdehnung und höchstens noch durch die Einfach- 
heit seines Baustiles äusserlich einen gewissen Eindruck macht. 
Das ist der Fondaco dei Tedeschi, in dessen Räumen heutigen Tages 
die Staats-Finanz-Intendantur ihren Sitz aufgeschlagen hat — ein 
Bau aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, der nach einem grossen 
Brande des Jahres 1505 an Stelle des alten Hauses aufgeführt 
worden ist. Gerade dieser Brand und die mancherlei Veränderungen, 
welche sich sonst an diesen knüpften, lassen es angezeigt erscheinen, 
diese Skizze in zwei Theile zu zerlegen, von denen der erste die 
Geschichte des Fondaco und der Handelsbeziehungen bis zum Jahre 
1 505 zu behandeln haben wird. 



'j ,Das Haus der deutschen Kaufleute* in Sybel's histor. Zeitschr. 1874 
Bd. XXXII S. 193 u. ff. — *) Kulturgeschichte in ihrer natürlichen Entwicklung 
bis zur Gegenwart. 3. Aufl. Bd. II, S. 315. 



() Geschiclitliches. 

Erster Theil. 
I. Das Gebäude. 

Einer wenig verbürgten Version zufolge sollen in früherer 
oder ältester Zeit hier die Tribunen Venedigs ihren Sitz gehabt 
haben, das heisst jene Behörde, welche vor der Einsetzung von 
Herzogen oder Dogen (duces) den Inselstaat Venetien regierten und 
die auch nachher noch geraume Zeit eine wichtige Stellung in der 
Republik einnahmen. Wir haben keine sichere Nachricht darüber, 
wann denn das Gebäude — angenommen, dass es schon längere 
Zeit bestanden — zu seiner späteren Bestimmung umgewandelt wor- 
den ist. In einer Denkschrift, welche gelegentlich eines Streites 
mit den deutschen Kaufleuten die in Venedig verkehrenden „italieni- 
schen" Kaufleute der Behörde der ,Cinque Savii alla Mercanzia' 
im November 1727 überreichten, heisst es, dass schon vor 1200 
der Fondaco dei Tedeschi eingerichtet worden sei ^). Wann dies 
aber geschehen und ob die Notiz in der That überhaupt richtig, 
dies zu entscheiden, fehlt es uns an allen genaueren Anhalts- 
punkten. 

Wir wissen ja überhaupt leider nur sehr wenig über direkten, 
aktiven Handelsverkehr deutscher Kaufleute mit Italien und speziell 
mit Venedig in früherer Zeit. Oft angeführt^) ist jene Erzählung 
des St. Galler Mönches aus dem Ende des 9. Jahrhunderts von Karl 
dem Grossen und seinen Hofleuten, welche dem Kaiser an einem 
kalten Regentage auf die Jagd folgen und dabei ihre mehr präch- 
tigen als praktischen Gewänder dem Verderben preisgeben mussten, 
die sie kurz vorher zu Pavia gekauft hatten, wohin die Venetianer 
die Schätze des Orients auf den Markt gebracht. Aber eigentlich 
beweist die Anekdote ja nichts für den direkten Verkehr mit Venedig 
— ebensowenig wie die Notiz in dem Gesandtschaftsbericht Liud- 
prands von Cremona an Kaiser Otto I. (968), dass „man" von 
venetianischen und amalfitanischen Hausirern kostbare Gewänder 
gegen Getreide eintausche^), da dieses „man" doch wohl in erster 
Linie auf Italien zu beziehen ist. Nur dies kann man aus solchen 
und anderen Angaben, wie in den Fuldaer Annalen zum Jahre 
860 ^) : das Ionische Meer sei damals so stark zugefroren , dass die 




^) Thomas, G. B. Milesio's Beschreibung des deutschen Hauses in Venedig 
in den Abhandlungen der k. bayer. Akad. d. Wiss. I. Kl. Bd. XVI, Abth. II, 
S. 88: Premetteremo che il Fontico de Tedeschi ha avuta la sua instituzione 
prima dell' anno 1200. Fu fissato in allogio de Tedeschi Mercanti che venivano 
con le loro mercanzie per condursele e compratene altre di Venezia si partivano. 
— ") Erdmannsdörfer, De commercio quod inter Venetos et Germaniae civi- 
tates aevo medio intercessit (1858) p. 8; Gfrörer, Byzantinische Geschichten 
Bd. I: Gesch. Venedigs (1872) S. 82; Heyd, Gesch. des Levantehandels im Mittel- 
alter I, 123. - 3) Kohlschütter, Venedig unter Peter II. Orseolo (1871) S. 11. 



Geschichtliches. 7 

Kaufleute statt zu Schifi' zu Pferd und auf Wägen ihre Waaren 
nach Venedig gebracht — nur soviel, sage ich, darf man hieraus 
meines Erachtens entnehmen, dass Venedig frühzeitig als ein Haupt- 
handelsplatz und als Vermittlerin zwischen Morgen- und Abendland 
auch in Deutschland galt, wie überdies aus einer Urkunde des 
Jahres 960 erhellt, dass Briefe aus Baiern und Sachsen nach Kon- 
stantinopel über Venedig befördert wurden ^). Einen bedeutenden 
Aufschwung soll nach den Ansichten Verschiedener^) der Handel 
Deutschlands mit Italien im 10. Jahrhundert und besonders nach 
der Uebertragung der römischen Kaiserwürde an die deutsche Nation 
genommen haben. , Vergebliche Mühe wäre es jedoch" , warnt 
Dümmler^), „dieser Entwicklung im Einzelnen nachspüren zu wol- 
len." Nur wenige verstreute Notizen lassen sich hiefür als Belege 
anführen. So gedenkt Ekkehard von St. Gallen in der Geschichte 
seines Klosters zum Jahre 917 der aus Italien heimkehrenden Kauf- 
leute ^). Auch die Verleihung oder Bestätigung von Markt- und 
Zollrechten für einzelne Städte, z. B. für Rorschach im Jahre 947 
.weil es für die nach Italien oder Rom Reisenden bequem gelegen" 
oder 952 für Chur hat man in diesem Sinne verwerthen zu dürfen 
geglaubt^). 

Beachtenswerth ist dann jedenfalls, dass Thietmar in Merse- 
burg zum Jahre 1017 in seine Chronik die Notiz aufgenommen 
hat, dass vier Schiffe der Venetianer mit Spezereien beladen auf 
dem Meere untergegangen seien ^). Das zeigt einmal, welches In- 
teresse man selbst im Herzen Deutschlands an den Geschicken 
venetianischer Handelsschiffe nahm, was wohl nur erklärlich, wenn 
man mit denselben in irgend einer Beziehung und Verbindung stand; 
andererseits legt die Notiz den Gedanken nahe, dass Thietmar die 
Kunde von jenem Vorfall vielleicht durch deutsche Kaufleute selbst, 
die gerade von Venedig zurückkehrten, erhalten hat. — Woher 
Ph. Vonend '') die Nachricht geschöpft hat, dass um die Mitte des 



') Kohlschütter S. 12. — '') Gfrörer a. a. 0. S. 595; Hellwig, Handel und 
Gewerbe der deutschen Städte während der sächsischen Kaiserzeit (Göttinger 
Gymnasialprogramni 1882) S. 4, der aber in nicht ganz genauem Anschluss an 
Waitz (Deutsche Verfassungsgeschichte V, ;j50) diesen Aufschwung wohl über- 
schätzt. — •'') Kaiser Otto der Grosse (Jahrbücher der deutschen Geschichte) 
S. 548. — *) Fadmannsdörfer 1. c. p. 8, Gfrörer a. a. 0. S. 595. — *) Hellwig 
a. a. 0. Hingegen behauptet Schmoller bekanntlich in seiner Rede „Strassburgs 
Hlüthe und die volkswirthschaftlichn Revolution" im 13. Jahrh. (1875) (in den 
Quellen u. Forsch, zur Sprach- und Kulturgesch. der german. Völker Bd. V) 
S. 7 im Anschluss an Nitzsch. dass das ganze Leben der deutschen Nation auch 
im 10. Jahrh. ein durchaus agrarisches geblieben, die Aenderung erst im 12. Jahrh. 
eingetreten sei. — Wenn ich hier die Verträge zwischen Venedig und den deut- 
schen Kaisern nicht erwähne (s. über sie Fanta in den Mittheiluiigen des In- 
stituts für österreichische Geschichtsforschung, J^rgänzungsheft zu Bd. 1), in 
denen beiderseits freier Handel zugesichert wurde, so geschieht dies deshalb, 
weil sie auf die Nachbarn der Venetiiiner, die italienischen Unterthanen der 
Kaiser, sich bezogen. — **) Heyd, Gesch. d. Lev.-H. I, 129. — 'j „Die Herrschaften 
des vormaligen Hochstifts Bamberg in Oberkämthen" in Hormayr's Archiv für 



I 



8 Geschichtliches. 

12. Jahrhunderts bereits „die Städte Nürnberg und Augsburg ihre 
Waaren über Villach nach Venedig geschickt hätten", ist mir nicht be- 
kannt. — Oefters citirt^) ist dann ferner die Stelle in der französisch 
abgefassten ,Chronique des Veniciens' des venetianischen , um 1275 
schreibenden, Chronisten Martino da Canale, der zur Regierung des 
Dogen Domenico Morosini (1148 — 1156) bemerkt: ,s'en aloient les 
Venisiens parmi la mer sa et la, et dela la mer et en tos leus, et 
achetoient les marchandies, et les condusoient en Venise de totes pars. 
Si les venoient acheter droitement en Venise Alemans et Baviers, 
Franceis et Lombars, Toscans et Ongres, et totes gens qui vivent de 
marchandies ; et les condusoient en lor pays' ^). Canale ist freilich 
ein x4.utor, dem man bei seiner Lust zum Fabuliren und bei seiner 
Neigung zum Romanhaften gerade in den älteren Partieen nicht 
unbedingt Glauben schenken darf ^). Er hat sich sicherlich kein Ge- 
wissen daraus gemacht, Zustände seiner eigenen Zeit auf eine frühere 
zu übertragen, zumal wenn er von derselben etwa gerade sonst 
nichts zu berichten wusste. Das sogenannte ,Chronicon Altinate' oder 
die jHistoria ducum Venetorum' *) , die Quelle , der er sonst in 
diesen Partieen folgt, erwähnt nichts hiervon. — Vielleicht darf 
man dem Friedenscongress vom Jahre 1177 und dem Aufenthalt 
Kaiser Friedrichs I. in Venedig einen gewissen Einfluss auf eine 
Zunahme des deutsch- venetianischen Handelsverkehres zuschreiben. 
Viele deutsche Fürsten waren ja damals mit zahlreichem Gefolge 
in Venedig zugegen, um der Versöhnung Friedrichs mit Alexander III. 
beizuwohnen, und konnten sich durch den Augenschein überzeugen, 
wie die Stadt, die in Folge der Kreuzzüge ihren Handel nach 
dem Orient mehr und mehr ausgedehnt hatte, im raschen Aufblühen 
begriffen war. Das musste naturgemäss zu innigeren Beziehungen 
führen. Vollends seit dem sogenannten vierten lateinischen Kreuzzug 
war Venedigs Weltstellung als Handelsgrossmacht entschieden und 
damit die Nothwendigkeit mit ihm in fortdauerndem Handelsverkehr 
zu bleiben von selbst gegeben. 

Milesio, im Anfang des 18. Jahrhunderts Archivar der deut- 
schen Kaufleute im Fondaco, schreibt denn auch^), dass ungefähr seit 
dem Jahre 1200 (sin' dalP anno 1200 incirca) der Fondaco von den 
Deutschen bewohnt worden, und setzt in die darauffolgende Zeit erst 
die weitere Ausdehnung des venetianischen Handels nach Ungarn, 
Polen, Holland, Flandern, England etc. 

Die älteste bis jetzt bekannte Urkunde, in welcher des 
Fondaco klar und deutlich Erwähnung gethan wird, datirt vom 




Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst 1826 Nr. 113 S. 602 u. ff.; cf. Raumer, 
Geschichte der Hohenstaufen Bd. V S. 340 (3. Aufl.) ; s. dagegen Fischer, Gesch. 
des teutschen Handels I, 682. — ') So bei Raumer ebendort und bei Erdmanns- 
dörfer 1. c. p. 10. — ^) Archivio Storico Italiano tom. VIII p. 310. — ') cf. meine 
Schrift: Andreas Dandolo und seine Geschichtswerke (1876) S. 111. — •*) In den 
Monumenta Germaniae historica' Scriptores tom. XIV. — ') Thomas a. a. 0. S. 19. 



Geschichtliches. 9 

5. Dezember 1228^). Es ist recht bezeichnend, dass er da noch 
jFonticum comunis Veneciaram ubi Teutonici hospitantur' heisst. Erst 
später wird der Name ,Fonticmn Theutonicorum' allgemeiner ge- 
bräuchlich. 

Nach der Angabe Milesio's war das alte Haus ein kleines 
zweistöckiges, aber , reiches" Gebäude, wobei freilich unklar ist, ob 
er es reich wegen seiner Ausstattung oder wegen des darin sich 
entwickelnden lebhaften Waarenumsatzes nennt ^). Sonst wissen und 
lesen wir nur sehr wenig von dem alten Bau. Es wird gelegentlich ^l 
nur der darin befindlichen Küche und eines eigenen zum Salzen der 
Fische"*) bestimmten Raumes auf dem Söller gedacht, welche beide 
im März des Jahres 1312 wohl in Folge der zunehmenden Frequenz 
einer Reparatur, beziehungsweise der Erweiterung bedurften. Ausser- 
dem hören wir°), dass das Haus von Besitzungen der Familien 
Polani und Justo umgeben und, wie es scheint, von einer Mauer 
eingeschlossen war ^). 

Zu Anfang des Jahres 1318, wohl im Monat ApriFj, brannte 
das alte Gebäude nieder. Sofort traf die Regierung Anstalten nicht 
blos zur Wiederherstellung, sondern auch zur Vergrösser ung des 
Fondaco. Sie trat in Unterhandlungen (die sich dann aber längere 
Zeit hinzogen) mit den beiden vorhin genannten Familien behufs 
Erwerbung ihrer Anwesen oder zweckdienlicher Umgestaltung der- 
selben ^); sie sorgte zugleich dafür, dass der Zugang zum Fon- 
daco von der Wasser- wie von der Strassenseite her offener, freier 
und bequemer wurde ^). So genau darüber die Angaben lauten ^"^), 
so schwer ist es doch von den Lokalitäten und der Topographie 
sich ein anschauliches Bild zu machen, da später noch wieder- 
holt Umänderungen stattfanden. Wie man aus den beigefügten Ab- 
bildungen ersehen kann, von denen die eine dem grossen Plane 
Venedigs von Jacopo de' Barbari aus dem Jahre 1500 entnommen 



') Sie ist in dem ,Liber communis oder L. Plegiorum' überliefert, über dessen 
Inhalt man das Vorwort in Bd. I S. XI vergleiche. In demselben L. PI. findet sich 
allerdings schon unter dem 1. April 1225 (Predelli p. 68 n. 249) ein ,fontecum comu- 
nis' erwähnt; aber, da derselbe in keiner Weise näher bezeichnet wird, ist es ebenso 
ungewiss, ob darunter der Fondaco dei Tedeschi zu verstehen ist, als wenn in einer 
anderen (ebendort überlieferten) Urkunde vom 1. Jan. 1229 (Predelli p. 165 n. 698) 
von einem ,fonticum comunis novum' und einem anderen ,quod factum est in 
domo Jo. Michaelis' die Rede ist. Mit grösserer Wahrscheinlichkeit kann man 
auf die Existenz des Fondaco dei Tedeschi im Jahre 1225 schliessen aus einer 
Urkunde vom Sept. 1225, wo Visdomini erwähnt werden, die dem Zusammen- 
hange nach kaum andere als die des Fondaco dei Ted. sein werden. Diese 
Urkunde eröffnet daher unsere Sammlung. Direkter Verkehr ungarischer Kauf- 
leute, die damals als Deutsche galten, nach Venedig im Jahre 1226 ist auch 
bezeugt durch eine Urkunde im Lib. Pleg. (Predelli p. 99 n. 39'2). — -) Thomas, 

Milesio's ßeschr. p. 20 quel piccolo, ma ricco Fontico, ch'era di due soli 

soleri. — ') Bd. T Nr. 34. — *) Gesalzene P'ische waren mit Rücksicht auf die 
Fastenzeit ein wichtiger Handelsartikel. — *) Bd. I Nr. 4. — ^') cf. Capitolare 
dei visdomini dei fontego dei Todeschi (hgb. von G. M. Thomas) p. XXI no. 2 
und Bd. 1 Nr. 14. — ') Bd. I Nr. 51. — ^) Bd. I Nr. 62, 99. - ») s. ebda. Nr. 87. 
99, 100, 102. - '0 s. ebda, besonders Nr. 102. 



10 



Geschichtliches. 



und deshalb besonders werthvoll für uns ist, weil sie den Fondaco 
vor dem Brande von 1505 zeigt, — ich sage aus dieser Abbildung er- 
hellt, dass der Fondaco gegen Norden, Westen und Süden damals schon 
wohl so ziemlich die Ausdehnung besass, die er heute einnimmt. Wie 
aus dem ,Capitolare' hervorgeht^) und auch Milesio angibt 2), er- 
streckte er sich von der Kiva del Ponte di Rialto (später Riva del 
Buso genannt) bis zum Ponte di Ca Boldü (später Ponte dell' Oglio), 
welche den Bezirk S. Giovanni Crisostomo von dem von S. Bartolomeo 
trennt, und war auf der Nord- und Westseite vom Wasser bespült. 
Anders gegen Osten. Denn hier sieht man deutlich, wie unregel- 
mässig früher die Front war, welche an der Strasse gegen S. Giovanni 
Crisostomo hin liegt. Die Strasse war krumm, winkelig, verbaut, was 
denn auch schon im Jahre 1341 Veranlassung gegeben hat, das Pro- 
jekt einer Vergrösserung und Erweiterung dieser Strasse in's Auge 
zu fassen, das aber dann nicht zur Ausführung gekommen ist ^). 

Wiederholt hat dann die Regierung noch für Erweiterung des 
Fondaco sorgen müssen*). Denn trotzdem das neue Gebäude 
56 Wohngelasse enthielt, wurden doch öfters von Seite der deut- 
schen Kaufleute Klagen laut über Mangel an Platz; die Gänge 
waren mit Kästen, Kisten und Ballen so verstellt, dass man 
bisweilen kaum durchgehen oder in den Hofraum hinabsehen 
konnte'^) — Uebelstände, denen die Regierung durch Ankauf von 
Häusern oder durch zeitweise gewährte Erlaubniss der Errichtung 
von Filialen in der nächsten Umgebung, in der ruga de ca Vidal 
z. B.^), abzuhelfen fortwährend bestrebt war. Dass übrigens jener 
Raummangel nicht blos in der zunehmenden Frequenz der deut- 
schen Kaufleute seinen einzigen Grund , sondern noch andere 
Ursachen hatte, dass daran oftmals die egoistische Rücksichts- 
losigkeit einzelner Benutzer Schuld war, die sich nicht an die vor- 
geschriebene Ordnung halten und auch während ihrer Abwesenheit 
im Besitze ihrer Kammern bleiben wollten, das hat Heyd bereits 
aus dem Capitolare nachgewiesen ''). 

Ueber das Haus selbst und dessen innere Einrichtung wissen 
wir auch aus dieser Zeit nur sehr wenig. Felix Fabri, der bekannte 
Reisende, schreibt'*), dass es aus einem „Doppelhause mit zwei inneren 
Höfen" bestand , was deutlich auch auf der erwähnten Abbildung 
erkennbar ist, auf welcher die aufgezogene (Reichs-?) Fahne noch 
besonders beachtet werden mag. Fast scheint es, als ob auch 
dieser Bau wenigstens theilweise von einer Mauer umgeben war '*). 

Auch dieses Haus hatte nur zwei Stockwerke ^^). Ausser den 
56 Kammern und den Gewölben, deren Zahl nicht angegeben, für die 



n 



') cap. 130 pag. 50. — -) Thomas p. 23. - ^) Bd. 1 Nr. 100, 102. - ") ebda. 
Nr. 220, 332, 337. - ') s. Bd. I Nr. «57. — «) Bd. 1 Nr. 212, 281. 282. — 
') Hist. Zeitschr. a. a. 0. S. 201 ; Capitol. cap. 252, 269, 276, 277 ; cf. unten S. 13. 
— **) In seinem Evagatorium (a. 1483) vol. III (Bibliothek des literar. Vereins in 
Stuttgart Bd. IV S. 432; cf. Heyd a. a. 0. S. 218). — ^) s. Bd. I Nr. 454. - ^") cf. 
Capitol. cap. 110 pag. 39. 



Geschichtliches. 1 1 

Kaufleute befanden sich darin noch ein gemeinsamer Speisesaal^), 
eine Küche, eine Weinschenke und andere Räumlichkeiten für den 
Hausmeister etc. Die Kammern scheinen theilweise eigene Namen 
geführt zu haben: von einer, welche längere Zeit von einer Nürn- 
berger Familie benützt wurde, lesen wir^), dass sie „Paradies" ge- 
heissen habe. Eine andere von einem Regensburger am Anfang 
des 16. Jahrhunderts oder von Regensburgern überhaupt benützte 
Kammer führte den Namen ,1a balta (volta?) de San Pyro' 3). Ein- 
zelne sind von ihren Besitzern und Benutzern noch besonders aus- 
gestattet worden — öfters ist solchen erlaubt, darin einen Kamin 
setzen zu lassen '^) — Marino Sanuto der Jüngere spricht gelegent- 
lich des Brandes im Jahre 1505 von ,Camere d'oro', welche bei dem- 
selben zu Grunde gingen^). 

Auf dem Söller in der Mitte des Hauses wurde im Jahre 1345 
ein kleiner Altar aufgestellt, an welchem für die Kaufleute Messe 
gelesen wurde, und obwohl dieser Altar nicht fest angemacht sein 
sollte, scheint er doch beibehalten worden zu sein; denn 1360 
hören wir, dass ein Deutscher den Kaufleuten im Fondaco den 
Gottesdienst verrichtete ''). 

Wenden wir uns nunmehr zur 

II. Verwaltung des Gebäudes 

und was damit zusammenhängt, als : Art der Benützung, Beamte und 
Bedienstete und Verhältniss der Regierung zu den Benutzern überhaupt. 
Dass die venetianische Regierung von Anfang an die Eigen- 
thümerin des Fondaco gewesen, ist bereits oben bemerkt worden 
und mag hier nur dahin ergänzt werden, dass sie bis zum Untergang 
der Republik im Jahre 1797 es immer geblieben ist. Sie war es denn 
auch, welche wenigstens während des Mittelalters die ganze Ver- 
waltung des Gebäudes in Händen hatte und bis in's Einzelne regelte. 
Es muss auch vorausgeschickt oder nochmals betont werden, dass 
sie es keineswegs dem Belieben des Kaufmanns anheimstellte, ob 
er im Fondaco wohnen wolle oder nicht. Im Gegentheil ; sie schrieb 
das ausdrücklich vor; sie zwang ihn dort abzusteigen. Sie verbot 
den Barkenführern strengstens, die Kaufleute und ihre Waaren 
irgend anderswo abzusetzen als im Fondaco; und ebenso strenge 
untersagte sie den Bewohnern der Stadt, einen Deutschen oder seine 
Waaren insgeheim bei sich aufzunehmen '') — ein Zwang, worüber am 

') of. Bd. I Nr. 357. - '-) Bd. I Nr. 362, 364. — ^) cf. Gemeiner, Regens- 
>)urgische Chronik IV, 140 n. 287 und meine Bemerkung zu der meines Er- 
achten« unrichtig datirten Urkunde unten im zweiten Theile. — ■•) Bd. I Nr. 307, 
511, 520. 544, 821; cf. unten S. 74. — *) Diarii (Neue Ausgabe durch die Depu- 
tazione Veneta di storia patria 1879 fl".) t. VI p. 126. — *') Cecchetti im Archivio 
Veneto tom. XXX pag. 143; cf. Bd. I Nr. 185a. - ') s. Capitol. p. 31 c. 90, 
p. .^0 c. 181, p. 146 c. 252, p. 223 c. 3 no. 2, p. 227 c. 13; cf. Bd. I Nr. 40. 



12 



Geschiclitliches. 



Anfang des 14. Jahrhunderts die Nürnberger sich bitter beklagten, 
mit dem sich aber offenbar später Alle befreundet haben, da nichts 
mehr von ähnlichen Beschwerden verlautet ^). 

Anfangs scheint — der Wortlaut der Urkunde -) lässt es nicht 
ganz deutlich erkennen — die Regierung die ganze Verwaltung des 
Fondaco in Pacht gegeben zu haben, im Jahre 1228 (5. Dezember) 
um die Summe von 1100 Pfund venetianischer Denare. Wenn sie 
diesen Modus später, und zwar vermuthlich nicht allzulange darnach, 
fallen gelassen hat, geschah es wohl, weil sie erkannte, bei eigener 
Führung des Hauses eine bessere Einnahme zu erzielen. Die Zim- 
mer oder „Kammern" und Gewölbe wurden nun gegen einen, der 
Regierung zu zahlenden, bestimmten Preis einzeln an die deutschen 
Kaufleute vermiethet. Wie hoch derselbe war, ist aus der ersten 
Zeit nicht überliefert; im Jahre 1354 musste für gewöhnlich jeder 
Kaufmann, der eine Nacht im Fondaco zubrachte, 12 Schillinge 
oder ,piccoli' und wenn er Nachts eine Kammer benutzte, ebenfalls 
12 piccoli an die Regierung bezahlen. Nicht anders kann ich 
die Worte an der betreffenden Stelle im Capitolare ^) verstehen : 
,che zaschun marchadante Todescho sia tegnudo ognia (sie) notte lo 
quäl abitera in lo fontego pagar pizoli XIl e simihnente per zascha- 
duna caniera la quäl lo tegneria pagar debia ogni note pizoli XII*) . . .' 

Es gab eben auch solche Kaufleute — wenn dieser Name 
für sie passend und nicht die Bezeichnung , Krämer' die richtigere 
ist — , welche im Fondaco übernachteten, ohne eine Kammer und 
ohne ein Bett zu benützen, welche — um die Miethe zu sparen — 
in den Gängen, unter dem Thore oder auf den Wollsäcken schliefen'') 
und deshalb eben wohl nur die Hälfte der oben angegebenen Summe, 
nur die einen 12 piccoli zu erlegen hatten. Eben diese waren auch 
von der Abgabe oder dem „Trinkgeld" befreit, welches die anderen 
Kaufleute, wie es in einer Verordnung vom Jahre 1437'') heisst, 
„seit langer Zeit" dem Hausmeister als Entschädigung für die von 
diesem gelieferten Geräthschaften u. s. w. zu entrichten pflegten, und 
pro Nacht 2 .soldi de' piccoli' betrug ''). Von der nämlichen Ab- 
gabe, welche in jenem Jahre 1437 (nachdem sie bis dahin, wie es 
scheint, eine freiwillige gewesen) von der Regierung den Kaufleuten 
durch Verordnung auferlegt wurde — von dieser Abgabe, sage ich, 
waren ausser jenen kleinen Kaufleuten auch diejenigen frei, welche 
von der Regierung sogenannte ,camere dade per gracia' d. h. wohl 



n 



') s. Flegler im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1867 Ö. 330. — 
") Bd. I Nr. 2. — ') p. 63 c. 149. — "*) Bei den sehr verwickelten Münzverhältnissen 
Venedigs ist es sehr schwierig, sich über den entsprechenden heutigen Werth an- 
gegebener Summen zu unterrichten ; nach einer gütigen Mittheilung des Archiv- 
beamten in Venedig Herrn V. Padovan, der als bester Kenner auf diesem Gebiete gilt, 
kämen die 12 piccoli im Jahre 1354 (= 1 soldo) c. 2V2 centesimi italiani gleich. 
— *) Capitol. p. 154 c. 259 (1437) . . . tutti quelli che dorme e dormira suxo li 
andedi e suxo per i sachi de i gottoni e sotto i portegi senza letto ... — 
') Capitol. ebendaselbst. — ') Nach Herrn Padovan = 5 centesimi italiani. 



Geschichtliches. 1 3 

Kammern für längere Zeit und gegen einen geringeren Miethzins 
aus besonderer Gnade erhalten hatten ^). Für solche Kammern 
wurden im Jahre 1487 4 Dukaten per Jahr gezahlt^). 

Eigentlich oder besser ursprünglich herrschte hinsichtlich der 
Vertheilung und Benützung der Kammern kein Unterschied. 
Es galt, wie es die Regierung selbst einmal (Januar 1445) aus- 
spricht^), der Grundsatz: Wer zuerst kam, erhielt zuerst eine 
Kammer und so der Reihe nach weiter. Hatte der Kaufmann seine 
Geschäfte erledigt — was bei vielen nicht allzulange Zeit in An- 
spruch nahm — so musste er den Schlüssel zur Kammer dem Haus- 
meister zurückstellen, damit dieser von Neuem über die Kammer 
verfügen und sie wieder an andere Ankömmlinge vermiethen konnte*). 
Wollte der Kaufmann, den seine Geschäfte voraussichtlich wieder 
nach Venedig zurückführten, bei seiner Abreise etwas von seinen 
Sachen, wie Schreibutensilien, Pult, Kassetten oder dergleichen, 
zurücklassen, um das Hin- und Herschaffen zu ersparen, so brauchte 
er es nur dem Hausmeister zu übergeben, der durch einen Erlass 
der Regierung vom Jahre 1383^) verpflichtet war, diese Sachen 
ohne Entgeld in einer eigenen verschlossenen Kammer aufzubewahren. 

Allein, wie in mancher anderer Beziehung, hielten sich unsere 
Landsleute nicht immer an diese Satzungen. Sie nahmen entweder 
die Schlüssel der Kammern; in denen sie ihre Habe zurückliessen, 
mit sich fort, oder gaben sie und damit die Kammern zur Be- 
nützung an andere ihrer Bekannten, ohne dem Hausmeister davon 
Meldung zu thun^). So kam es, dass diesem (der vielleicht durch 
ein Geschenk insgeheim gewonnen wurde, denn sonst müsste es 
ihm doch leicht gewesen sein, dagegen einzuschreiten) oftmals nur 
wenige Kammern von den 56 des Hauses — 1432 z. B. nur 18, 
1443 nur 20 — zur Vertheilung an neue Ankömmlinge übrig- 
blieben. Ein Theil derselben war in Folge dessen öfters gezwungen, 
ausserhalb des Fondaco in Gasthäusern abzusteigen '') und beschwerte 
sich dann darüber bei der Regierung, die daraufhin gegen diesen 
Missbrauch theils die alten Verordnungen wieder einschärfte, theils 
neue erliess ^). 

Freilich ist die venetianische Regierung selbst jenem Grund- 
satze von der Gleichberechtigung der Kaufleute nicht immer treu 
geblieben, wobei sie wieder nur einer auch sonst üblichen Praxis 



') Nahmen diese aber, wie ihnen erlaubt war, Gäste bei sich auf — cf. 
Felix Fabri in seinem Evagatorium Bd. 111 S. 388 — so mussten diese dem 
Hausmeister die Hälfte der sonst üblichen Vergütung entrichten; cf. Capitol. 
p. 155 c. 260. — ') Bd. 1 Nr. 557. - ^) Capitol. p. 166 c. 277. - ") cf. Bd. l 
Nr. 167. — *) Capitol. p. 84 c. 189 und 190. — «) cf. Bd. 1 Nr. 163. — /) Als 
von Pilgerreisenden besonders frequentirte zählen Röhricht und Meissner, 
Deutscht Pilgerreisen nach dem heiligen Lande S. 11 auf: den Spiegel, den 
weissen Löwen, den schwarzen Adler, das deutsche Haus, auch St. Georg, zur 
Flöten oder Pollten, zur Trinität genannt. — **) Capitol. p. 145 c. 252; p. 164 
c. 276; p. 166 c. 277. 



]4 Geschichtliches. 



folgte. Der Satz: „Keine Regel ohne Ausnahme" kam vielleicht 
nirgends mehr zur Anwendung als in Venedig ; ja man könnte fast 
sagen: die Ausnahmen bildeten hier die Regel. Das macht ja die 
Darlegung der venetianischen Verfassungs- und noch mehr der Ver- 
waltungsverhältnisse so ungemein schwierig, dass Alles in bestän- 
digem Flusse sich befand, dass man — zur Zeit der Blüthe wenig- 
stens — Gesetze und Verordnungen gleichsam nur auf Probe erliess, 
dass man sie abänderte, wenn sie sich nicht bewährten oder wenn 
andere Gründe augenblicklich gegen sie und für ihre Suspendirung 
sprachen. 

Wir haben oben gehört, dass die Regierung Kammern an 
Einzelne auf längere Zeit ,per gratiam' verlieh. Ebenso heisst es 
in einer Verordnung vom Jahre 1445, worin die Rückgabe der 
Schlüssel neuerdings vorgeschrieben wird, dass von diesem Gebot 
jene Kaufleute ausgenommen sein sollten, welche „eigene" Kam- 
mern besässen ^). Auch dies kann nur in dem oben angegebenen 
Sinne verstanden werden, dass gegen Bezahlung oder Vorausbezahlung 
des Miethzinses (vermuthlich auf ein Jahr) einzelne, in beständigem 
Verkehr mit Venedig stehende, deutsche Kaufleute eine und dieselbe 
Kammer für länger benützen konnten. Gerade hierüber enthalten 
unsere Urkunden^) sehr werthvolle Notizen. Wir sehen daraus, dass 
nicht blos einige Jahre, sondern ganze Generationen hintereinander 
Kammern im Besitze einzelner Kaufmannsfamilien waren, die sie 
denn nach Belieben besser ausstatten und verschönern lassen konnten ^). 
So gaben die Nürnberger Kaufleute Mendel im Jahre 1429 an, dass 
ihre Vorfahren seit gegen 80 Jahren im ungestörten Besitze einer und 
derselben Kammer w^aren; und in der That lesen wir ^), dass im Jahre 
1377 dem alten (berühmten, später in Venedig verstorbenen) Marcus 
Mendel und seinen Brüdern auf ihren Wunsch die von ihnen augen- 
blicklich benützte Kammer sammt Gewölbe im Fondaco dauernd 
überlassen wird, weil beständig einer von ihnen in Venedig sei 
und sie ohne dieselben ihre Geschäfte nicht besorgen könnten. — 1412 
erhalten die Nürnberger Wilhelm und Johannes Rummel, 1476 zwei 
andere Kaufleute die Erlaubniss, in der ihnen zugetheilten Kam- 
mer des Fondaco einen Kamin anbringen zu lassen^), gewiss nur, 
weil sie dieselben länger zu benützen gedachten — und 40 Jahre 
später lesen wir ^) wiederum , dass vielleicht der nämliche Wilhelm 
Rummel und ein anderer desselben Geschlechtes die venetianische 
Regierung durch den Rath ihrer Vaterstadt ersuchen, sie im Be- 
sitze der seit langer Zeit von ihnen und ihren Vorfahren gegen 
einen jährlichen Miethzins benutzten Kammer und Gewölbe auch 



n 



') Capitol. p. 167 ,tuti e chadauno marchadante Todescho che non avera 
chamera proprio' und p. 168 ,tuti i marchadanti Todeschi del fontego che non 
anno chamere proprie quando i se pai*te de Venexia . . . i debiano dar le chiave 
de le camere al nostro maser.' — ^) s. Bd. I Nr. 351, 361. 362, 363. 470. - 
'') Bd. T Nr. 511. — ■*) Bd. I Nr. 240. — ') Bd. I Nr. 307; cf. Nr. 544. — «) ebd 
Nr. 470. 




Geschichtliches. 15 

fernerhin zu belassen. Dann sah sich wohl die Regierung gelegent- 
lich durch die Klagen wegen Mangels an Raum abgewiesener 
Kaufleute veranlasst, wie z. B. im Jahre 1429, die bestehenden Ver- 
ordnungen etwas schärfer anzuwenden und auch gegen jene lang- 
jährigen, alten Gäste schärfer aufzutreten — theils in der Art, dass 
sie einen weit höheren, ja doppelt so hohen Miethzins von ihnen 
verlangte, theils dass sie ihnen das Benützungsrecht der Kammern 
geradezu kündigte oder zu kündigen drohte, was dann aber durch 
Vermittlung der heimischen Behörden wohl meist verhindert wurde. 
1432 wird wieder der Ausdruck ,camere non obligate' gebraucht, 
was vermuthlich nichts Anderes heisst, als: nicht fest vergeben^). 
Im Jahre 1439 bestimmte die Regierung, dass denjenigen 
Kaufleuten, welche zwei Jahre lang nicht in eigener Person nach 
Venedig kämen, um Kaufmannschaft zu treiben, die Kammern zu 
Gunsten Anderer entzogen werden sollten. Ebenso denjenigen, 
welche mit Hinterlassung von Schulden verschwunden wären; auch 
die Kammern verstorbener Kaufleute sollten wieder anderweitig 
verwendet werden ^). — Sehr entschieden wurde einmal im Jahre 
1453 von der Regierung gegenüber dem Rathe der Stadt Ulm (der 
sich darüber beschwerte, dass einem Ulmer, Peter Roys, seine 
Kammer genommen worden) der oben erwähnte Grundsatz aus- 
gesprochen, dass dem Gesetze zufolge Niemandem im Fondaco eine 
Kammer für immer oder auch nur für allzu lange Zeit überlassen 
werden dürfe. Alle Kammern sollten zu gemeinem Nutzen in 
gleicher Weise allen Kaufleuten offen stehen und steter Wechsel 
in der Benützung stattfinden 3). Das war 1453. Aber nicht eben 
allzulange später finden wir wiederum, dass der und der seit längerer 
Zeit im Besitze der nämlichen Kammer ist, im Jahre 1468 Johannes 
und Heinrich Rummel*), welche das ,Collegio' sogar ausdrücklich 
gegen eine gegentheilige Entscheidung der Visdomini in Schutz nahm; 
im Jahre 1483 ein Schweizer z. B. seit 26 Jahren 5), also seit 1457! 
1469 erlaubt das Collegio die Uebertragung von Kammer und Ge- 
wölbe auf die Namen des Stiefsohnes und Enkels der bisherigen 
Benutzer 6), und im Jahre 1487 wird einem Nürnberger und seinen 
Brüdern, ebenso 1489 den Brüdern Fugger die von ihnen benützte 
und ausgestattete Kammer auf ihre Bitten geradezu wieder für 
immer verliehen'^). Es erklärt sich dieses Abweichen von der 



') Bd. I Nr. 390. — *) Capitol. p. 161 c. 269-271. - =*) Schreiben des 
Dogen Francesco Foscari an den Bürgermeister und Rath von Ulm vom 23. Juni 
1453 (veröffentlicht von G. M. Thomas in den Sitz.-Ber. der k. b. Ak. d. Wiss. 
Philos.-philol. Kl. 1869 S. 302): ,Per legem cautum est, ut camera aliqua fon- 
tici Theotonicorum nemini detur aut in perpetuum aut ad longissimura tempus, 
sed omnes camere pro communi et equali omnium mercatorum commoditate 
dentur ipsis mercatoribus, quando huc veniunt, et eas tenent et utuntur, quamdiu 
hie stant et, quando eorum negotiis expeditis recedunt, dantur postea aliis 
venientibus'. — ") Bd. I Nr. .511. — ») ßd. I Nr. 557. — ") Bd. I Nr. 513. - 
') ebda. Nr. 574 u. 582. 



IQ Geschieh tliclies. 



n 



ursprünglichen Regel eben aus dem zunehmenden Verkehr, der es für 
die grossen deutschen Handlungshäuser zur Nothwendigkeit machte, 
einen Vertreter in dem grossen Welthandelsemporium ständig an 
Ort und Stelle zu haben. — 

In diesem Zeitraum, wo der Fondaco noch ganz unter der 
Verwaltung der Regierung stand, wurde von ihr strenge Haus- 
ordnung gehalten. Wie die Fondachi in Alexandria (s. oben), so 
wurde auch dieser des Nachts zu bestimmter Stunde geschlossen ^), 
aber in früherer Zeit für später Ankommende immer geöffnet. 
Das geschah eingestandenermassen schon deshalb, um zu verhindern, 
dass dieselben in einem Gasthause ihr Absteigequartier nahmen 
und dann die Regierung um die Eingangszölle u. s. w. brachten. 
Als ein Augsburger im Jahre 1330 sich deshalb mit seiner späten 
Ankunft entschuldigen wollte, wurde diese Ausrede um so weniger 
für stichhaltig erklärt, als er bereits seit 15 Jahren in Venedig ver- 
kehre und mit den Gesetzen des Landes vertraut sein könne ^). 

Später gegen Ende des 15. Jahrhunderts Avurde einmal be- 
fohlen, den Fondaco die ganze Nacht geschlossen zu halten and 
Niemandem zu öffnen, weil bei dieser Gelegenheit, da das Thor 
der ,riva' offen gestanden^), viel Unterschleif getrieben worden. 
Auf inständiges Bitten der Kaufleute wurde die Massregel aber 
bald wieder zurückgenommen*). Die ganze Nacht brannte denn 
auch im Fondaco zur Erhellung der Treppen und Gänge Licht: im 
alten Gebäude 12 Kerzen oder Lampen^). 

Ein anderer Punkt der Hausordnung betraf die Durch- 
suchung der Kammern. Die deutschen Kaufleute mussten sogleich 
nach ihrer Ankunft ihre Waffen, die sie etwa mitgebracht, dem 
Hausmeister abliefern. Aber wenigstens einmal im Monat sollten 
die Visdomini, die obersten Beamten der venetianischen Regierung 
im Fondaco, nach einer Verordnung vom 22. Oktober 1315^) die 
Kammern durchsuchen, ob nicht die Kaufleute doch Waffen darin 
insgeheim versteckt hätten. Und ebenso mussten diese es sich ge- 
fallen lassen, dass die Visdomini mit ihren Schreibern „von Zeit zu 



1) Capit. p. XVI a. 1275; p. XVIII, a. 1278 um 9 Uhr: postquam janua 
clausa erit et tercia campana erit sonata. Cf. Bd. I Nr. 185 a. — -) Minotto, 
Docum. ad Bellunum . . . spectantia vol. II Sect. II p. 27. ,Gratia fiat Henrico 
de Ausborgo qui pro eo, quod quadam nocte, cum venit Venecias tarde, non 
ivit ad hospitandum in fontico Teutonicorum , sed ivit ad hospicium Galli 
cecidit ad penam libr. C et ad penam quarti marcharum IV argenti, quas non 
presentavit, ut debebat, quod solvendo libr. X a residuo dictarum condempnatio- 
num absolvatur. Et officiales (Teutonicorum) dicunt quod per formam sui capi- 
tularis, eo quod extra fonticum hospitatus fuit, cecidit ad penam libr. C etc. 
et quod omni hora noctis fonticum forensibus aperitur et illa nocte venit de 
Mestre, et palata S. Juliani clauditur in occasu solis ; ita quod bona hora venire 
potuit ad fonticum et per pueros officialium inventus fuit in dicto hospicio et 
quod jam annis XV utitur Veneciis ita quod seit condieiones terre ... — 
=*) Capit. p. 238 e. 6 a. 1479. — *) ebda. p. 250 c. 15 a. 1483. - ^) ,lume over 
zexendeli' (?), nicht 18, wie Milesio (Thomas p. 2<i) angibt; s. Capit. p. 85 c. 190 
Verordnung vom 20. Januar 1383. — *) Capit. p. 32 c. 92. 



Geschichtliches. X7 

Zeit" Kammern und Magazine überhaupt einer Visitation unter- 
warfen, um zu sehen, ob alle Waaren richtig angegeben, verkauft, 
die vorgeschriebenen Abgaben gezahlt waren u. dergl. m. ^). 

Ein umfangreiches Kapitel in der Hausordnung nahm weiters 
die von der Regierung im Fondaco eingerichtete Weinschenke in 
Anspruch. Der Besuch derselben war eigentlich nur den deutschen 
Kaufleuten und mit Ausnahme der Festtage ^) gewissen im Fondaco 
Beschäftigten gestattet, nämlich den Sensalen, den Ballenbindern, 
dem Koch und Unterkoch, den Dienern und Trägern^); Andere, 
selbst die Visdomini, waren davon ausgeschlossen. Aber trotzdem 
wurden mehr als einmal Unberechtigte auf einem heimlichen Trünke 
betroffen*), und mehr als einmal kam es dann dort zu Streit und blu- 
tigen Händeln^), so dass die Regierung den Visdomini das Recht 
zugestehen musste, von den Waffen Gebrauch zu machen, und selbst 
wiederholt Verbote gegen den Besuch der Weinschenke erliess *'). 
Auch über die Zeit, wie lange dieselbe geöffnet sein solle, gab es 
ab und zu Differenzen, da die Deutschen, die, wie es scheint, damals 
schon gern „immer noch Eins" tranken, Tag und Nacht Zutritt dazu 
haben wollten'^). Bisweilen scheint die Regierung deshalb auch die 
Schenke ganz geschlossen und nur den Ausschank des Weines ge- 
duldet zu haben, wie es ursprünglich der Fall gewesen zu sein scheint^). 
Den Wein durfte früher (i. J. 1268 z. B.) nur der Hausmeister im 
Verein mit einem Schreiber einkaufen ^) , und der , taverner' erhielt 
seinen Grehalt wie jeder andere Beamte von der Regierung^"), die 
selbst durch die Visdomini den Wein verkaufte ^^). Später, im Jahre 
1395 z. B. und 1418^^), erscheint die ,caneva' in den Händen eines 
Pächters, der eben um seines Vortheils willen sich wenig um die 
Verordnungen der Regierung kümmerte und keinen Unterschied 
zwischen Berechtigten und Unberechtigten machte, wenn sie nur 
seinen Wein tranken, so dass die Regierung sich veranlasst sah, da- 
gegen einzuschreiten. 

Gehen wir nun aber zu den Beamten und Bediensteten 
selbst über. 

An der Spitze derselben standen die mehrerwähnten Visdomini 



^) Verordnung vom Jahre 1475 Capitol. p. 231 c. 26. — ^) s. Verordnung 
vom Jahre 1362 Capitol. p. 27 c. 74. - =*) So im Jahre 1278, s. Capitol. p. XVII ; 
Koch und Unterkoch fehlen in späteren Bestimmungen. — ■*) s. Bd. I Nr. 45, 
212 und Capitol. p. 82 und 83 c 184 und. 185. — ^) s. Capitol. p. 17 c 51. - 
") 8. Capitol. 1. c. und p. 70 c 163; p. 120 c. 232. - ^) s. Bd. I Nr. 185 a. — 

'^j s. Verordnung vom 6. November 1361 Capitol. p. 17 c. 50 und 51 che 

la dita tavema la quäl se (= si e, si trova) in lo dito fontego, sia reduta a la 
caneva, si corao era in prima, in la quäl caneva debia esser vin de Marcha e Tri- 
bian e Ribuola, und vorher (c. 50) : che non se lassa intrar alguna persona dentro 
la caneva. Cf. ibid. p. 143 c. 250 a. 1430. - ») Capitol. p. 2 c. 4. — '") Capitol. 
p. 47 c. 125, cf. Bd. 1 Nr. 31, wo der Posten einmal (1310) als Belohnung ver- 
liehen wird. — ") Capitol. p. 48 c. 127 che tuto el vin che se spende in la 
taveriia del fönt, di Tod. se debia vender per li visdomini del ditto fontego. 
— ") ibid. p. 121 c. 232 u. Bd. I Nr. 813. 

2 



1 8 Geschichtliches. 



(Vicedomini) — die Stellvertreter der Regierung, die denselben denn 
auch die ausgedehntesten Befugnisse verlieh. Zuerst, z. B. 1232, 
erscheinen deren nur zwei ^), im Jahre 1268 aber wurden drei gewählt. 
Für kurze Zeit wurde ein vierter hinzugefügt von 1293 — 1299^); 
die Dreizahl aber „blieb durch das Mittelalter hin Regel". Das Amt 
war ein jährlich wechselndes; es galt offenbar als ein angesehenes, 
da nur Nobili dazu erwählt wurden. Es ist erklärlich, dass unsere 
Urkunden-Nachlese speziell für diese Beamten nur eine geringere ge- 
wesen ist, nachdem es ja gerade ihr Kapitular, eine für sie bestimmte 
Sammlung von Verordnungen ist, welche Thomas veröif entlicht hat, 
in der das Wichtigste ja enthalten sein muss, was sich auf ihr Amt 
und ihre Stellung bezieht. Die Verordnungen im Einzelnen hier auf- 
zuführen, würde zu weitläufig sein; Heyd und Thomas haben den 
Hauptinhalt derselben in Kürze gut folgendermassen skizzirt: „Das 
Kollegium der Visdomini vertrat die Regierung zunächst als Eigen- 
thümerin des Hauses, indem es über die Räumlichkeiten des Fondaco 

disponirte, die Hausordnung regelte und aufrecht erhielt . Alle, 

die im Fondaco angestellt waren, unterstanden der Disciplinargewalt 
und der Gerichtsbarkeit der Visdomini, konnten von denselben mit 
Geldstrafen belegt oder auch entlassen werden, hatten aber das Recht, 
wenn sie sich ungerecht behandelt glaubten, an die ,Consuln der 
Kaufmannschaft' oder an die ,Proveditoren' zu appelliren — — . 
Die Visdomini führten auch die Oberaufsicht über den Geschäfts- 
verkehr der Deutschen und zogen die Gebühren ein, welche von 
jeder importirten und exportirten, gekauften und verkauften Waare 

als Zoll oder als Accise an den Staat gezahlt zu werden pflegten . 

Um die Kontrolle über den Waarenverkehr in wirksamer, jede Defrau- 
dation möglichst verhindernder Weise üben zu können, um den Inhalt 
jedes kommenden und abgehenden Waarenballens zu notiren, jeden 
Kauf mit dem Gegenstand desselben und den dabei erzielten Preis 
zu registriren, die Einnahmen und Ausgaben der Kasse zu buchen, 
bedurften die Visdomini eine Unterstützung durch geprüfte rech- 
nungsverständige Beamte, Schreiber, zwei, zuweilen auch drei an 
der Zahl, und Notare. Endlich waren ihnen Diener ^) beigegeben, 
deren Hauptaufgabe darin bestand, die im Fondaco aus- und eingehen- 
den Personen und Waarenballen mit wachsamem Auge zu mustern '^). 
Die Visdomini waren aber auch ihrerseits für ihre Verwaltung in 
allen Stücken verantwortlich, verantwortlich nach der Schärfe vene- 
tianischer Gesetze, welche bei . allen Beamten oder Betrauten jeden 
Sondervortheil in Gaben und Geschenken, jeden persönlichen Ge- 
winn oder Nutzen verboten und mit peinlicher Strenge ahndeten" ^). 

^) cf. Heyd, Hist. Zeitschr. S. 210 und Predelli, Lib. Pleg. Regesti p. 65 
n. 232. — ') Capit. p. XX und Mone in der Zeitschrift für die Gesch. des 
Oberrheins Bd. V S. 14 Nr. 72, wozu man vergleiche oben Bd. I Vorwort S. XVIIl 
n. 2. - ») ,pueri' cf. oben S. 16 Anm. 2. — ") Heyd 1. c. S. 210 ff. (Cf. Bd. 1 
Nr. 150 über die Besoldung der Diener.) S. Capit. p. 231 _ c. 28 (1475). — 
») Thomas in der Einleitung zu Milesio p. 7. Cf. Bd. I Nr. 198 u. Capit. p. 122 






Geschichtliches. 19 

Die oben genannten ,Consoli dei Mercanti' und die ,Sopra-Consoli' 
besassen das Recht, in den Verordnungen des Kapitulars zu ändern, 
zu streichen und hinzuzufügen, was ihnen gut dünkte ^). Auch finden 
wir gegen Ende des 15. Jahrhunderts theils zur Erhebung einer 
ausserordenthchen Abgabe, theils zur genaueren Ueberwachung des 
gesamniten Geschäftsbetriebes im Fondaco und behufs Abbestellung ver- 
schiedener Missbräuche einen Oberaufsichtsbeamten erwähnt, mit dem 
Titel ,deputado al fontego' oder ,sovrastante in fontego', der die 
Autorität der Visdomini wohl für einige Zeit in den Schatten stellte^). 

Von den Untergebenen der Visdomini oder Bediensteten im 
Fondaco, deten Zahl begreiflicherweise eine nicht geringe war, ge- 
denken wir nur kurz der Barkenführer ,barcharuoli', welche ebenso 
wie die Kärrner und Fährleute ,caradori e somieri' strikten Befehl 
hatten, sofort direkten Weges ,recto tramite' die ankommenden 
Kaufleute oder Waaren im Fondaco abzusetzen-'^); ferner der Auk- 
tionatoren oder Versteigerer ,incantadori', deren Zahl von 40 im 
Jahre 1335 auf 12 herabgesetzt wurde, und die Lateinisch und 
Deutsch verstehen mussten'*); weiters der Träger ,portadori' oder 
.bastaxii' '■), der Wäger .pesadori', der Blei-Anleger ,bolladori' 
und der Ballenbinder ,ligadori', die alle in gleicher Weise wie die 
Visdomini zur strengsten Pflichterfüllung und genauesten Kontrolle 
angehalten waren. Wir verweilen aber noch einen Augenblick , bei 
den zuletzt Genannten, den Ballen bindern oder Packern, den 
,llga(lorl'. 

Nicht wegen der paar Sonderbestimmungen, die sich für sie 
im Capitolare finden, z. B. dass die Waaren im Fondaco selbst 
gepackt werden sollten '') und dass dies unter Aufsicht zu g^chehen 
habe "') : sondern weil ein günstiges Geschick uns die Matrikel 
(Mariegola) der Zunft dieser hgadori aufbewahrt hat, die bisher nicht 
benützt worden ist. 

Dass die ,ligadori' eine Zunft gebildet haben, ist auch im Capitolare 
der Visdomini angedeutet, wo des Vorstandes derselben, des ,gastaldo', 
und auch der , mariegola' Erwähnung gethan wird^). Das Exemplar 
dieser mariegola, welches ich benützen konnte, befindet sich auf dem 
Museo Civico Correr in Venedig ^) und stammt aus dem IG. Jahrhundert. 
Die Matrikel enthält einmal Bestimmungen allgemeiner Art für die 
Genossen der Zunft, ferner Abmachungen der Zunft mit den deut- 



c, 235 (1406) ; über die monatliche Rechnunffsablage s. Capit. p. 179 c. 290 ; p. 12 
c. 33; p. 19 c. 53 (1279) und c. 54 (1282). - ^ s. Capit. p. 21 c. 59 (1281?) und Bd. I 
Nr. 3 u. 20. — 2) s. Capit. (p. 221 c. 2, 1471 zum ersten Mal gewählt?) p. 234 c. 7 
(1478); p. 236 c. 3 (1479); p. 249 c. 14 1482 Dec. wird als Nachfolger eines abgesetzten 
,sovrastante' Namens ,Zuan de Martin' ein neuer .Aluixe Taiapiera' erwählt, der 
auch 1484 Januar (p. 251 c. IG) in dieser Stellung erscheint; 1491 März (p. 264 
c. 28) ist als solcher Francesco de Rosso und 1492 (so ist p. 241 c. 12 wohl zu 
ändern cf. p. 247) Lazaro Rifaldelli genannt. — ') s. Capit. p. 217 c. 1 und 2; 
p. 227 c. 12; p. 8 c. 10 etc. — *) ibid. p. 41 c. 113. - =*) cf. Bd. I Nr. 45, 65, 
73. — «) Capit. p. 2 c. 7 a. 1302. — ') ibid. p. 102 c. 211 a. 1400. - ') ibid. p. 209 
u. 210 c. 324 u. 320 a. 1487. — '') Nr. 85 cf. Bd. I Vorwort S. XIV. 




') s. Bd. [ Nr. 338. — -) ebda. Nr. 322 u. 371. - ^) ebda. Nr. .523. — 
■•) Capit. p. 36 c. 103. — ") s. Bd. I Nr. 320; cf. Nr. 331, wonach die Bestätigung 
der Bruderschaft nicht vor 1423 erfolgte. - «) cf. Bd. I Nr. 320 u. 447. Dies war 



20 Geschichtliches^. 

sehen Kaufleuten ■) und drittens Vereinbarungen der Zunft mit den 
Dominikanermönchen der Kirche S. Giovanni e Paolo in Venedig. Wie 
das so üblich war, Hess nämlich die Zunft ^) in dieser Kirche eine Kapelle 
(unter dem Namen der heil. Dreifaltigkeit) für sich einrichten, worin 
eben jene Mönche an bestimmten Tagen ausser zwei gewöhnlichen 
Messen namentlich eine für die verstorbenen Genossen der Zunft 
lesen mussten, welche zuerst auf dem neben der genannten Kirche 
befindlichen Friedhof der heil. Ursula, später seit 1472^) in jener Ka- 
pelle selbst in einer eigenen Gruft bestattet wurden. Die Zunft 
übernahm die entsprechende Ausschmückung der Kapelle, die Liefe- 
rung der Gewänder für die Geistlichen u. s. w. und versprach über- 
dies die Zahlung von 12 Dukaten jährlich. 

Die Uebereinkunft, die hierüber am 3. Juli 1419 getrofiPen wurde, 
ist nun aber nicht blos wegen ihres sachlichen Inhaltes von Interesse, 
sondern ganz besonders wegen der namentlich aufgeführten Personen, 
die von beiden Seiten als den Vertrag schliessend und als Zeugen 
aufgezählt werden. Da finden wir^) unter den Zeugen einen ,Maestro 
Nicolo Paradiso depentor', unter den Brüdern des Klosters einen 
Deutschen ,Fra Corado' (Todescho); wenn wir aber die Liste der 
Ballenbinder betrachten, so werden wir erstaunt sein, darunter 
lauter Deutsche zu erkennen. Da ist neben dem Vorstand oder 
Meister (gastaldo) der Zunft — Peter Fuser (?), dessen Heimath leider 
nicht angegeben ist — ein Nikolaus von Laibach, ein Lorenz aus 
Rodinsberg oder Rotenstein (in Steiermark?), ein Angelin aus Greifen- 
berg (in Kärnten?), ein Gerhard und ein Nicolaus aus Judenburg, ein 
Paulus aus Kastelrut (in Tirol), ein Wolfard aus Villach, ein Balduin 
und Anchi(n? oder Anechinus?) aus Köln, ein Heinrich aus Nürn- 
berg (?), ein Peter aus Trient, ein Martin aus Wels ( ?), ein Angelin 
aus Preussen, ein Johann aus Ulm, ein Konrad aus Böhmen, ein Konrad 
aus Brunn — im Ganzen 17 Mann. Nachdem es jedoch im ersten 
Kapitel der Matrikel ausdrücklich heisst, dass die Zunft aus nicht 
weniger als 18 Genossen bestehen solle, wird man annehmen müssen, 
dass der Schreiber einen Namen ausgelassen oder übersprungen habe. 

Früher war die Zahl der ligadori eine grössere gewesen; im 
Jahre 1329 (oder 1319) wurde sie von 38 auf 25 herabgesetzt*), was 
übrigens keineswegs auf einen verminderten Geschäftsbetrieb zurück- 
zuführen ist, der im Gegentheil damals in stetem Wachsen begriffen 
war; und die nun im Jahre 1418 festgesetzte Zahl^) von 18 Genossen 
mag wohl als eine geringe erscheinen. Um so fester schlössen sich 
diese zusammen : ausdrücklich wird in der Matrikel festgesetzt (cap. 5), 
dass bei nothwendigen Ergänzungen in Folge von Todesfall oder sonsti- 
gem Abgang nur ein Deutscher zum Zunftgenossen gewählt werden 
dürfe '^), der dann zuerst den Kaufleuten des Fondaco behufs ihrer 



J 



Geschichtliches. 21 

Zustimmung vorgeschlagen und hierauf von den Visdomini bestätigt 
werden solle. Ein Jahr lang sollte der neu Aufgenommene auf Probe 
dienen, das erste halbe Jahr ohne jede Remuneration, den Rest des 
Jahres mit der Hälfte des Einkommens, das sich aus den von den 
Kaufleuten zu entrichtenden Gebühren ergab. — Von den übrigen 
Bestimmungen der Matrikel sei hier nur noch die hervorgehoben, 
dass sogar das Heirathen des einzelnen Zunftgenossen der Billigung 
der ganzen Zunft unterlag und Verheimlichung der Ehe mit strenger 
Strafe, ja sogar mit Ausschliessung bedroht war ^). 

Was das Verhältniss der Ballenbinder zu den deutschen Kauf- 
leuten betrifft, so gab es zwar manchmal Differenzen besonders über 
jene Gebühren ; sonst aber herrschte wohl gutes Einvernehmen, und oft 
wohl haben unsere Kaufleute bei diesen Landsleuten wirksame Unter- 
stützung gefunden. So lesen wir ^), wie der Sohn eines solchen Ballen- 
binders zur Befreiung eines wegen Schulden gefangen gesetzten deut- 
schen Kaufmannes wesentlich mitwirkt. Und im Jahre 1472 werden 
junge deutsche Lehrlinge, die nach Venedig geschickt waren, um die 
italienische Sprache und das Kaufmannsgeschäft zu erlernen, im Hause 
eines Ballenbinders — vielleicht des damaligen Zunftvorstehers — 
untergebracht, da sie augenblicklich „wegen der Zeitläufe" bei den 
Venetianern nicht, wie sonst, Aufnahme gefunden^). — 

Von den übrigen Beamten oder Bediensteten des Fondaco ver- 
dient noch eine besondere Erwähnung der Hausmeister ,fonticarius' 
oder ,massarius' , früher auch wohl gelegentlich als ,gastaldo' oder 
Jtospes' bezeichnet"^). Es ist bereits gesagt worden'), dass er den 
ankommenden Kaufleuten die Waffen abzunehmen, die Kammern an- 
zuweisen und diese zu vertheilen hatte, dass er für Beschaffung der 
Betten und des dazu nöthigen Weisszeuges *') Sorge tragen musste 
u. dergl. mehr. Die Instandhaltung des Gebäudes des Fondaco, die 
Schliessung und Ueberwachung desselben lag ihm ob '). Er schlief 
denn auch, wenigstens in früherer Zeit, mit seinem Diener oder 
Gßhülfen im Hause selbst ^) , und erhielt in demselben oder hatte 
daselbst ursprünglich eine eigene Wohnung^), die im oberen Stock- 
werk des Gebäudes sich befunden zu haben scheint ^^). Später 
scheint er eine Wohnung oder Behausung in der Nähe des Fon- 



übrigens wohl auch früher meist der Fall; cf. Bd. I Nr. 788. — ^) Bd. I Nr. 601. 
— 2j Bd. I Nr. 538. - ') s?. Bd. I Nr. 525. — ') s. Bd. I Nr. 60, 509, 610. Dass 
f<astaldo hier (Nr. 60) nicht die sonst spezifische Bedeutung eines Orts- oder eines 
(iewerbevorstehers haben kann, sondern gleichbedeutend ist mit massaio, massario 
(cf. Boerio, Dizionario del dialetto Veneziano), geht aus dem Zusammenhange her- 
vor. — ') oben S. 12 u. ft'. — *) Bd. I Nr. 509, 610, an welcher Stelle es heisst, 
dass 3 Paar Betttücher für jedes Bett bestimmt waren. — ') s. Bd. I Nr, 10. — 
') 8. Capit. p. 39 c. 110. — ") Bd. 1 Nr. 102, 342, 493. - ^o) cf. Capit. p. 167 
c. 277 a. 1445, wo es heisst, die abreisenden Kaufleute sollten, falls der Haus- 
meister gerade nicht zugegen sei, die Schlüssel zu ihren Kammern werfen ,in 
caxa (= casa Behausung) del dito niasser per el buxo (Loch) dt^ la porta de la 
chaxa del dito masser la quäl (la porta? oder la caxa?) e de sovra (— e di sopra) 
in el dito fontego'. 



22 Geschichtliches. 



n 



daco erhalten zu haben ^). — Die Wichtigkeit seines Postens , die 
ja von selbst einleuchtet, wird auch dadurch gekennzeichnet, dass 
die für ihn gültigen Verordnungen in einem eigenen Capitolare zu- 
sammengestellt waren, dessen mehrfach Erwähnung gethan wird -). 
ohne dass dasselbe bisher freilich zum Vorschein gekommen wäre. 
Im Jahre 1425, als gerade der Posten erledigt war, dachte die 
Regierung einmal daran, denselben einzuziehen und nicht wieder zu 
besetzen, da ihr zugetragen worden war, derselbe sei unnöthig. Aber 
sie überzeugte sich doch sehr bald von dem Gegentheil und von 
der Unrichtigkeit der ihr gemachten Mitfcheilung ^). Andererseits 
verlockte der Posten bei der fortdauernden nahen Berührung, in 
welche er den Inhaber mit den deutschen Kaufleuten brachte, leicht 
zu allerlei Unredlichkeiten, zu Privatgeschäften mit den Kaufleuten, 
so strenge sie auch von der Regierung verpönt waren ^). Und dies 
um so mehr, da die Besoldung, die der Hausmeister bezog, nur eine 
geringe gewesen zu sein scheint ''), und dieser wohl wesentlich auf 
den Gewinn angewiesen war, der aus der früher erwähnten Ent- 
schädigung von Seite der Kaufleute für die Möblirung der Kammern 
erzielt werden konnte''). Waren nun einmal gerade weniger Kam- 
mern vermiethet, vielleicht weil die meisten ,per grazia' in festen 
Händen sich befanden (für welche ja nichts an den Hausmeister 
entrichtet zu werden brauchte), dann konnte es wohl leicht vorkom- 
men, dass die Auslagen für die beschafften Betten u. s. w. die Ein- 
nahmen überstiegen und der Hausmeister in Bedrängniss und Noth 
gerieth. Niemand wird es ohne Bewegung lesen, wie ein im März 
des Jahres 1500 neu erwählter Hausmeister, Principalis de Spalatis, 
nicht blos sein Hab und Gut, sondern auch seine Söhne ver- 
pfändet, um die Kosten von 300 Dukaten für die Beschaffung der 
Kammerutensilien zu decken ''). Aber die Einnahmen aus den Kam- 
mern, auf die er gerechnet und rechnen musste, bleiben aus: er 
stellt daher an die Regierung das Gesuch, dass ihm der Posten 
nicht, wie sonst gewöhnlich, blos auf 4 Jahre, sondern auf Lebens- 
zeit verliehen werde, wie es auch früher schon geschehen ^), damit 
bei längerer Dauer der Ausfall vielleicht gedeckt werde. Das Gesuch 
wird am 12. Mai 1500 bewilligt, aber zwei Monate darauf wird be- 
richtet **), dass der Mann inzwischen gestorben sei mit Hinterlassung 
einer Familie von — einschliesslich der Enkelkinder — 17 Köpfen, 
die dem grössten Elend preisgegeben sind, wenn nicht einer der 
Söhne an Stelle des Vaters, wenigstens auf kürzere Zeit, den Posten 
desselben versehen darf, was ihm denn auch gewährt wird ^^). 



') s. Bd. I Nr. 610. - ') s. Capit. p. 40 c. 110 und Bd. I Nr. 10. — 
3) s. Bd. I Nr. 342, 344. — *) ebda. Nr. 71. — ^) cf. Bd. I Nr. 21, woraus wohl 
zu entnehmen, dass 1304 ein Kandidat den Posten deshalb geradezu ausschlug. 
- «) cf. oben S. 12 und Bd. I Nr. 610. — ') Bd. I Nr. 610 und 611. — 
«) Bd. I Nr. 509. — ^) Bd. I Nr. 611. — '°) Marino Sanuto, der in seinen 
Diarii III p. 485 (Neue Ausgabe) des Vorfalles gedenkt, bemerkt dazu freilich: 
,E fo mal." 



Geschichtliches. 23 

Ueberliaupt war die Regierung, wie billig, gegen ihre Beamten 
im Ganzen nachsichtig und wohlwollend. War beispielsweise ein 
solcher Hausmeister durch Krankheit an der Ausübung seines Amtes 
verhindert oder wurde er wegen der ihm ja nothwendigen Kenntniss 
der deutschen Sprache zu diplomatischen Sendungen verwendet, so 
erhielt er gerne Urlaub oder die Erlaubniss einen Vertreter zu be- 
stellen ^). — 

Die wichtigste Person für den deutschen Kaufmann unter den 
Bediensteten des Fondaco war, wie das auch Heyd hervorhebt, ohne 
Zweifel der , Makler' oder , Sensal' oder ,Unterkäufel'; ,messeta' 
oder ,missefa', auch ^sanser' und ,mezan' genannt. Denn dieser war 
es, der alle Einkäufe und Verkäufe zwischen den Deutschen und den 
Venetianern vermitteln, der den Kaufmann deshalb überallhin ge- 
leiten und allerdings auch auf Befehl der Regierung zur Ueber- 
wachung begleiten musste ^), der als offizieller Dolmetsch im gegen- 
seitigen Verkehr fungirte. Jede andere Greschäftsvermittlung war unter- 
sagt'). Natürlich, dass der Sensal zu diesem Zwecke gleichfalls der 
deutschen Sprache mächtig sein musste ^) ; erklärlich , dass er eben 
wegen dieser Kenntniss, wie der Hausmeister und zwar noch viel öfter 
als dieser, zu Gesandtschaften nach Deutschland verwendet wurde ^). 
Doch hat man zeitweilig, z. B. 1332, wie es scheint, allzu häufige 
Abwesenheit von Seite der Regierung beanstandet und verboten ^). 

Es verhielt sich nun übrigens nicht so, dass der Kaufmann 
sich beliebig einen Sensal auswählen konnte. Anfänglich, z. B. im 
Jahre 1266''), theilte der Vorstand oder das Haupt der eine Zunft 
(societas) bildenden 20 Sensale dem Kaufmann einen solchen nach 
seinem eigenen Ermessen zu^). Dann im Jahre 1268 ging, wie es 
scheint, diese Befugniss auf die Visdomini über^), wurde denselben 
aber bald wieder entzogen. Denn schon im Jahre 1277^*^) wird als 
länger bestehend ein anderer und zwar folgender Modus erwähnt: 
Die Namen der Sensale, deren Zahl übrigens im Jahre 1314 auf 
30 erhöht wurde wegen der Zunahme der deutschen Kauf leute ^ ^), 
wurden auf Zettel (tessere) geschrieben und in einer Büchse oder 
Urne von den Visdomini verschlossen. Der Kaufmann musste dann 
einen Zettel sich herausziehen und derjenige Sensal, dessen Name auf 
diesem Zettel stand, war dem Kaufmann nun für die Besorgung seiner 
Geschäfte zugetheilt. Und zwar stand in der ersten Zeit auf jedem 
Zettel nur je ein Name, später aber trat hierin eine Aenderung ein. 
Im Jahre 1385 wurde verfügt ^^), dass nur 15 Zettel (tessere) in jene 



») cf. Bd. I Nr. 189, 465, 481, 493, 534. - ^) cf. Bd. I Nr. 56, 205 und 
öfters. - ») cf. Bd. 1 Nr. 83, 108, 116, 205, 221, 222, 224, 790, 791, 808, 810. 
- *) Capit. p. 49 c. 130 a. 1346. — ') cf. Bd. I Nr. 95, 324, 370, 372, 373, 374, 
377, 437. — <*) ebda. Nr. 781. — ') Capit. p. XXII. - «) Nur bei Waaren von unter 
10 Dukaten Werth wurde von der Zutheilung eines Sensals abgesehen ; s. Capit. 
p. 122 c. 234 a. 1405. — ^) ibid. p. XV, wofern die dort angeführte Verordnung 
vollständig ist. — '") ibid. p. XVII. — ^^) Bd. I Nr. 41. — '-) cf. Capit. p. 94 
c. 203. 



24 Geschichtliches. 

Urne gelegt werden sollten, auf deren jedem zwei Sensale verzeichnet 
sein sollten. Dabei ist nun aber unklar, ob etwa der deutsche 
Kaufmann sich von den beiden Sensalen, die er nun mit diesem Zettel 
(tessera) sich erlooste, nach Belieben einen auswählen durfte. Jeden- 
falls wurde der eine von ihnen nun als ,capo di tessera' bezeichnet 
und war wohl in erster Linie ermächtigt dem Kaufmann als Be- 
gleiter, Dolmetsch u. s. w. zu dienen; doch wird ausdrücklich hinzu- 
gesetzt, dass die beiden Sensale, welche auf einer ,tessera' sich be- 
fanden, in gleicher Weise jeden Gewinn miteinander theilen sollten. 
Im Jahre 1431 wurde dieser Modus wieder geändert ^) : nun sollten 
die 30 Sensale auf 10 Zettel (also je drei auf einen) vertheilt wer- 
den^ und dies wird damit motivirt, „damit die deutschen Kaufleute 
keinen Schaden leiden" ^). Leider ist mir aber auch hier unklar, wieso 
dies bei dem bisherigen Verfahren der Fall sein konnte und worin 
die Verbesserung bei dem neuen Modus bestand. Im Jahre 1486 
endlich finden wir verfügt^), dass statt der 10 tessere es nunmehr 
nur 5 (mit je 6 Namen) geben solle '^), und die Visdomini die 5 
,capi' erwählen sollten. 

Ebenso wechselnd wird die Zeit der Amtsdauer der Sensale 
angegeben. Nach einer späteren Notiz ^) scheint ursprünglich jeder 
Sensal nur einen Monat lang diese Stelle bekleidet zu haben; im 
Jahre 1354 aber heisst es**), dass Keiner länger als drei Monate 
Sensal eines deutschen Kaufmanns solle sein dürfen, und im Jahre 
1389 wiederum ^), dass alle sechs Monate die , tessere' gewechselt 
werden sollen. Im Jahre 1479 wird verordnet ^), dass die 10 ,capi'' 
der tessere nicht mehr, wie bisher, ein Jahr lang, sondern nur 
vier Monate hindurch im Amte sein sollen; und im Jahre 1486 
erscheint^) die Amtsdauer wieder auf drei Monate herabgesetzt. 

Der Grund zu diesen vielfachen Aenderungen, wie zu den zahl- 
reichen Verordnungen der Regierung überhaupt über die Sensale, die 
wir nicht alle einzeln aufführen können, darf wohl in dem Bestreben 
gesucht werden, den vielfachen Missbräuchen entgegenzutreten, welche 
mit diesem Amt fast unlöslich verbunden schienen. Wie kein an- 
deres, bot es ja Anlass zu Betrug und Unterschleif in jeder Weise und 
nach jeder Richtung hin — sei es, dass die Sensale für Einheimische 
oder für eigene Rechnung mit den Deutschen insgeheim Geschäfte 
trieben oder dass sie mit den einheimischen Verkäufern oder auch 
mit den deutschen Kaufleuten unter einer Decke steckten, unrichtige 
d. h, niedrigere Waarenpreise angaben, um die Zölle zu erniedrigen 
u. dergl. mehr ^*'). 

Nicht blos Ein- und Verkauf der deutschen Kaufleute hatten 
sie, wie schon erwähnt, zu überwachen, sondern auch beim Ver- 




1) cf. Capit. p. 145 c. 251. — ^) ibid. ,azio che i marchadanti Tedeschi 
non possa sostegniv alcun senestro o danno'. — ^) Capit. p. 255 c. 22 n. 3. — 
") cf. Bd. I Nr. 607. - ') Capit. p. 247 c. 13 a. 1482. — ") ibid. p. 51 c. 131. 
— ') ibid. p. 95 c. 203. — «) ibid. p. 237 c. 5. - ») ibid. p. 255 c. 22 n. 3. — 
'») cf. Bd. I Nr. 165, 166, 188, 260, 262, 607. 




Geschichtliches. 25 

packen der aus Venedig nach Deutschland zu cxpedirenden Waaren 
mussten sie zugegen sein ^) und sollten darauf Acht haben, dass dabei 
nicht noch Anderes eingeschmuggelt werde — ein ja überaus wich- 
tiges Geschäft, dem gegen Ende des 15. Jahrhunderts selbst der 
ausserordentliche Oberaufsichtsbeamte des Fondaco beizuwohnen ver- 
pflichtet war^). Die Sensale hatten daher den strengsten Befehl, alle 
Kaufgeschäfte, den Preis der Waaren, den Namen des Verkäufers 
auf das Genaueste zu verzeichnen und den Visdomini anzuzeigen ^). 
Dann erst sollte der Kaufmann seinen Zollschein ,sigillum' oder ,lit- 
tera' oder ,bulleta' behufs ungehinderter Ausführung seiner Waaren 
erhalten ^). Da dies aber öfters von den Sensalen unterlassen wurde 
unter dem Vorwand, dass die Kaufleute wieder nach Venedig zurück- 
kämen, dass sie noch Waaren da gelassen hätten ^), wurde im Jahre 
1354*^) festgesetzt, dass jeder Sensal einem Kaufmann nur auf die 
Dauer von drei Monaten beigegeben sein solle '^) und nach Ablauf der- 
selben den Visdomini Rechnung abzulegen habe über alle Geschäfte 
seines Kaufmannes. Habe dann dieser seine Waaren noch nicht 
verkauft, so solle ihm ein anderer Sensal auf die nämliche Zeit- 
dauer von drei Monaten zuertheilt werden. Aus dem Jahre 1466 
findet sich eine Verfügung^), dass alle Kaufgeschäfte innerhalb dreier 
Tage aufgezeichnet werden sollten. Später im Jahre 1482 ") wurde 
verordnet, dass die Sensale Tag für Tag dem ausserordentlichen 
Oberaufsichtsbeamten des Fondaco Rechnung ablegen sollten. 

Die Sensale standen nicht eigentlich direkt unter der Kom- 
petenz der Visdomini , welche dieselben wohl überwachen und kon- 
troUiren sollten i''), sondern unter derjenigen der „Consuln der Kauf- 
leute " (Consoli dei Mercanti), welche die Kandidaten für dieses Amt 
vorzuschlagen hatten ^ ^). Ausserdem hatte aber noch ein anderes Raths- 
koUegium, das der Vierzig, die Quarantia, ein gewichtiges Wort bei 
den Sensalen mit zu reden. In diesem Kollegium fand nämlich 
nicht blos zeitweise die Bestätigung der WahP^), sondern seit Alter» 
auch die ,prova', die Prüfung statt, welcher die Sensale sich zu 
unterziehen hatten und zwar seit 1317 zweimal im Jahre: im Juni 
und im Dezember ^^) (nach einem Beschluss vom Jahre 143 P*^) vor dem 
I.April und vor Michaelis, also Ende September). Wer hiebei nicht 
bestand, „durchfiel", d. h. wem bei dieser Prüfung über seine Amts- 
führung Unregelmässigkeiten, Gesetzesvernachlässigungen etc. nach- 
gewiesen wurden, der sollte — wenigstens nach dem Beschluss 
vom Jahre 1317^^) — auf die Dauer von zwei Jahren vom Verkehr 



') Capit. p. 68 c. 1.59 a. 1299 und 1356; p. 200 c. 316 a. 1472; p. 219 c. 1 
n. 6 a. 1466; p. 225 c. 7 a. 1472; p. 231 c. 25 a. 1475. — =') Capit. p. 268 c. 32 
a. 1493. — ») cf. Bd. I Nr. 262. — '') Capit. p. XIV. — •') cf. Bd. 1 Nr. 166. — 
«) Capit. p. 51 c. 131. - ') cf. oben S. 24. - ») Mone, Zeitschrift f d. Gesch. 
d. Oberrheins V, 32. - ») Capit. p. 243 c. 3. — ") Capit. p. XIII. Im Jahre 1466 
übertragen die Visdomini einigen unter den Sensalen selbst ein gewisses Auf- 
sichtsrecht über die übrigen: s. Capit. p. 219 c. 5. — *') cf. Bd. I Nr. 248. - 
'2) cf. Bd. l Nr. 248. - ") Capit. p. .34' c. 96. — '*) ibid. p. 145 c. 251 ; cf. Bd. I 
Nr. 392. 



26 



Geschichtliches. 



mit den deutschen Kauf leuten ganz ausgeschlossen sein ^). Und das 
war immerhin ein empfindlicher Verlust^). Denn der Posten eines 
Sensals war in Folge der Gebühren, welche der Kaufmann seinem 
Unterkäufel zu entrichten hatte ^), ein einträglicher. 

Dies zeigt sich einmal darin, dass die Regierung im Jahre 1412, 
als wegen der kriegerischen Zeiten es an Geld gebrach, auch die 
Sensale des Fondaco aufforderte beizusteuern, nachdem dieselben 
durch ihre Fürsorge in den Stand gesetzt seien, mit ihren Familien 
anständig zu leben ^). Die 30 Sensale erklärten sich daraufhin bereit, 
einen Beitrag von monatlich 50 Dukaten zu liefern. Zwar be- 
merkte die Regierung, indem sie dieses Angebot mit Dank annahm, 
ausdrücklich, das jener Beitrag nur bis zum Ende des „gegenwär- 
tigen" Krieges (mit Ungarn) erhoben werden solle; allein Venedig 
kam eben aus den Kriegen in der Folgezeit nicht mehr heraus. 
Und so lesen wir denn, dass der Senat der Behörde der ,Governa- 
dori delle intrade' die Befugniss erth eilte, die Sensale im Jahre 1434 
z. B, ^) mit einem Drittel ihres 5jährigen Nutzens für den Staat 
zu besteuern! Diese Steuer blieb dann auch weiterhin bestehen. 
Im Jahre 1455 betrug sie ein Viertel), im Jahre 1487 wurde sie 
von 35 Dukaten (wohl monatlich) auf 15 für jeden Einzelnen 
herabgesetzt^). Einigermassen auffallend ist, dass in der Antwort 
der Regierung auf die Eingabe der Sensale vom Jahre 1472^), in 
welcher diese um eine Frist zur Bezahlung von 1500 restirenden 
Dukaten nachsuchten, anerkannt und zugestanden wird, dass es unter 
den Sensalen viele arme und dürftige gebe. Ob dies eine Folge augen- 
blicklichen Stillstandes der Handelsbeziehungen oder Rückganges in der 
Frequenz des Fondaco war oder etwa seinen Grund in einer ungleich- 
massigen Vertheilung der Geschäfte hatte, lässt sich nicht sagen. 
Denn dass das Makleramt, wie oben bemerkt, im Allgemeinen wenig- 
stens als ein einträgliches galt, geht zweitens auch daraus hervor, 
dass es wiederholt als Belohnung für besondere Verdienste, später 
als reine Pfründe von der Regierung verliehen wurde. 

So verfügte der Senat z. B. im Jahre 1439, dass zur Belohnung 
der langjährigen, mit grösstem Eifer und unter mancherlei Fähr- 
lichkeiten geleisteten, Dienste eines früheren Sensals, Franciscus 
Brunicardi, und behufs materieller Unterstützung desselben sein 
22jähriger Sohn Antonius als Sensal am Fondaco angestellt und 
eventuell, wenn gerade keine Vakatur vorhanden, die Zahl der 
Sensale um einen erhöht werden solle ^). Aehnliches mag noch gar 



') Dass dies der ursijrüngliche Charakter dieser ,prova' war, zeigt recht 
deutlich Bd. I Nr. 64 (cf. Nr 323) ; später scheint sie mehr zu einer Prüfung der 
Persönlichkeit vor der Wahl geworden zu sein. — '') cf. Bd. I Nr. 324, 807. 
Uebrigens scheint es bei jenen Prüfungen auch nicht an persönlichen Intriguen 
gefehlt zu haben; cf. Bd. I Nr. 392. - ^) s. Capit. p. 53 c. 134 a. 1363 (?); p. 108 
c. 219 a. 1895; p. 168 c. 264 a. 1439 und p. 267 c. 31 a. 1491. — ••) Bd. I Nr. 306. 
— ^) ebda. Nr. 410. — ") Capit. p. 188 c. 300. - ') Bd. I Nr. 575. — "") Bd. 1 
Nr. 522. — 9) Bd. T Nr. 419: cf. 456. 



Geschichtliches. 27 

oft vorgekommen sein ^), bei der Jugend und Unerfalirenheit solcher 
Begnadeter aber Missstände hervorgerufen haben. Es scheint, dass 
in Folge dessen die Regierung oder, genauer gesagt, einer der anderen 
Regierungskörper, das sogenannte ,Collegio', im Erledigungsfalle auch 
Anderen, insbesondere den sonst vorhandenen Sensalen vom Rialto, 
erlaubte auszuhelfen und die Greschäfte der Sensale des Fondaco zu 
versehen, wogegen die Visdomini jedoch unter Berufung auf ihr 
Kapitular protestirten ^). Auch im Jahre 1460 erliess der Senat wiederum 
eine Verordnung, dass die Geschäfte mit den deutschen Kaufleuten 
nur der Vermittlung der ordentlichen 30 Sensale des Fondaco über- 
lassen bleiben sollten ^). Allein sie scheint nicht allzu viel gefruchtet 
zu haben ^), und mehr und mehr gab dann die Verleihung des Makler- 
amtes Anlass zu Konflikten zwischen den einzelnen Rathskollegien 
selbst. 

Immer häufiger wurde es nämlich, insbesondere, wie es scheint, 
seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, dass Sensale sei es wegen 
hohen Alters oder wegen Krankheit oder wegen anderweitiger Gre- 
schäfte darum nachsuchten sich einen Stellvertreter bestellen zu 
dürfen, dem sie wohl eine gewisse Summe oder einen bestimmten 
Prozentsatz überwiesen, während sie selbst die Haupteinkünfte für sich 
behielten ^), den Posten gewissermassen in Pacht gaben. Die Regierung 
und zwar wieder speziell das ,Collegio' gewährte wohl ohne Aus- 
nahme dergleichen Gesuche, indem es zu solchen Stellvertretern theils 
Kollegen des Bittstellers aus derselben ,tessera' (also solche die mit 
jenem auf einem Zettel gestanden)*^) theils überhaupt Andere zuliess, 
was man ,concessio per la banca simpliciter' nannte. Die Folge 
davon war, dass die Posten ausserordentlich lange in denselben 
Händen verblieben, dass nur selten Vakaturen eintraten und dann 
wohl eben jene bisherigen Stellvertreter ein gewisses Anrecht auf 
die freigewordene Stelle geltend machten. Nun hatte aber namentlich 
der „Rath der Zehn" wiederholt eine solche Maklerstelle Leuten 
versprochen, welche sich um den Staat verdient gemacht hatten, 
oder auch etwa Jemandem auf Ansuchen einer hohen Persönlichkeit, 
der man damit einen Gefallen erweisen wollte, z. B. 1424 des Königs 
von Dacien (Serbien?) ^), 1426 und 1427 des Herzogs Ludwig III. des 

') Dass es bereits in früherer Zeit, 1356 z. B., geschah, s. Bd. I Nr. 161, 
wo auch schon auf analoge Fälle hingewiesen ist, und femer Nr. 190, 811, 812, 
S16. — 2) cf. Bd. I Nr. 455 und Capit. p. 143 c. 251 a. 1431, wo gleichfalls 
erwähnt wird, dass andere Sensale als die dazu bestimmten ,a quello depu- 
tati' sich einmischten. Dies geschah übrigens auch schon früher cf. Capit. p. 65 
c. 156 a. 136() und Bd. I Nr. 221 : Unterhändler, der deutschen Sprache kundig, 
drängten sich an den Kaufmann heran und boten ihm ihre Dienste an, welche 
billigere Preise ermöglichten. - ') Bd. I Nr. 488. - ^) Capit. p. 200 c. 316 
a. 1472 ; p. 230 c. 22 a. 1475 ; p. 247 c. 13 a. 1482. — ^) cf. Bd. 1 Nr. 294, 295, 
420. 4:56, 453, 477-479, 489, 494, 501, 502, 507, 518, 519, 521, 526, 527, 548, 
554, 555, 556, 560, 570, 578, 811, 812, 816. Nach einer Verordnung vom Jahre 
1479 (Capit. p. 237 c. 5) sollten solche Stellvertreter übrigens nicht mehr zum 
Amt eines ,capo di tessera' zugelassen werden. — *) cf. Bd. 1 Nr. 502, 555. — 
^) Bd. I Nr. 817. 



28 Geschichtliches. 

Bärtigen von der Pfalz ^), 1492 der Königin Katharina Cornaro 2). 
Trat nun in Folge der eben geschilderten Verhältnisse längere Zeit 
keine Vakatur ein, so mussten solche vom Rath der Zehn Begnadete 
oft sehr lange warten. Deshalb verfügte derselbe im Jahre 1503^), 
dass die augenblicklichen Sensale nicht (wie bisher) auf ihre Posten 
sollten verzichten oder dieselben sollten verpachten dürfen, d. h. also 
dass sie keinen Vertreter für sich sollten bestellen können, sondern 
dass sie im Verhinderungsfalle ganz zurücktreten müssten, damit 
Raum würde für jene von dem Rath der Zehn mit einer Sensal- 
stelle Begnadeten; und der Senat erliess auch seinerseits, wohl auf 
Anregung des Rathes der Zehn, ein dahingehendes Verbot *). Als aber 
die Visdomini diesem Beschlüsse des Senats keine Rechnung tragen 
wollten und jene Wahlen ,per banca' für gültig erklärten, rausste 
das Collegio diesen Entscheid der Visdomini umstossen, eine derartige 
Wahl ,per banca' kassiren, damit die Zehn einen Mann ihres Herzens 
unterbringen konnten, der diesmal ein Dragoman in Konstantinopel 
war*). Dass diese Verhältnisse übrigens zu mancherlei Uebelständen 
bei den Sensalen überhaupt führten, ist einleuchtend und wird offen 
in einer Verordnung vom Jahre 1482 ^) ausgesprochen. 

Häufig wurde mit einer solchen Sansarie — und das verleiht diesem 
Amte noch ein besonderes Interesse — hervorragende Künstler, ins- 
besondere Maler bedacht. So erhielten Gentile und sein Bruder Giovanni 
Bellini, sowie auch später Tizian nach längerem Warten '') den Posten 
eines Sensals des Fondaco und zwar auf Lebenszeit. Sie hatten da- 
gegen die Verpflichtung, das Portrait des neugewählten Dogen für 
den Dogenpalast zu malen, wofür sie nur eine geringe Entschä- 
digung von 25 Dukaten erhielten. Das Einkommen, das mit einer 
solchen Sansarie verbunden war, schätzen Crowe und Cavalcaselle 
auf 100 Dukaten jährlich*), während Thausing von 300 Scudi (Gold- 
dukaten) spricht. Jedenfalls war es gross genug, dass jene daraus 
wieder einen Stellvertreter bezahlen konnten, der für sie die eigent- 
lichen Maklergeschäfte mit den Deutschen besorgte (wozu sie selbst 
ja kaum im Stande waren) — vorausgesetzt, dass dies zu jener Zeit 
überhaupt mehr nöthig war und so verliehene Sansarien nicht von 
der Regierung selbst geradezu als reine Pfründen oder Sinekuren 
angesehen wurden. — 

So umgab ein Heer von Beamten und Bediensteten den deutschen 
Kaufmann in Venedig von dem Augenblick an, wo er mit einer vene- 
tianischen Barke vom Festland nach der Lagunenstadt übergesetzt 
wurde, bis zum Moment seiner Rückreise sozusagen auf Schritt und 



1) Bd. I Nr. 818, 819. - ^) ebda. Nr. 589, cf. 576. — ^) ebda. Nr. 620. 

- '') ebda. Nr. 625. - '') ebda. Nr. 626 und 623. — ") Capit. p. 247 c. 13. — 
'j s. darüber Giamb. Lorenz! , Monumenti per servire alla storia del Palazzo 
Ducal di Venezia p. 85 Nr. 188; p. 88 Nr. 192; p. 91 Nr. 195; ferner Crowe imd 
Cavalcaselle, Titian tom. I p. 82 und 153 ff. und Thausing, Dürer (1. Aufl.) p. 266. 

— ^) Lübke, Geschichte der italienischen Malerei Bd. 11 S. 609 auf 120 Dukaten. 



Geschichtliches. 29 

Tritt. Kaum im Fondaco angelangt, musste er, wie wir gesehen, des 
einzigen Schutzes, den er besass, der Waffen sich begeben. Dann 
musste er sogleich und ohne Verzug ^) Alles , was er an Geld und 
Geldeswerth mitgebracht, den Beamten vorzeigen, damit dieselben Alles 
fein säuberlich aufschrieben und theils sofort (von dem eingeführten 
gemünzten oder ungemünzten Baargeld) theils hernach (von den ver- 
kauften Waaren) die vorgeschriebenen Zölle erheben konnten. Ein- 
und Verkauf, Ein- und Auspacken, der Aufenthalt im Fondaco selbst: 
Alles unterlag der schärfsten Kontrolle von Seite der venetianischen 
Behörden. 

Eine solche Oberaufsicht erscheint nicht nur uns heutzutage 
unerträglich, wir wissen auch und haben es schon betont, dass die 
deutschen Kaufleute, speziell die Nürnberger, am Anfang des 14. Jahr- 
hunderts sich darüber beklagten^). Freilich ohne Erfolg. Denn davon 
ist die venetianische Regierung während des ganzen Mittelalters nicht 
abgegangen. Uebrigens findet sich Aehnliches auch anderswo. Audi 
in Florenz beispielsweise finden wir^) „jenes Institut beeidigter Sen- 
sale, ohne deren Mitwirkung Handelsgeschäfte weder rechtlich gültig 
noch überhaupt zulässig waren" und verschiedene andere Massnahmen, 
in denen der nämliche bevormundende Geist der Regierung sich offen- 
bart, wie er, nur freilich stärker und entschiedener ausgeprägt, in 
Venedig zu Tage tritt. Dies darf aber nicht Wunder nehmen, denn es 
hängt auf's Innigste zusammen mit der Handelspolitik und 
dem Charakter des venetianischen Staatswesens überhaupt. 

Es ist oft genug schon betont worden ^), dass hier in Venedig 
„die Regierung selbst den Handel unmittelbar in die Hand nehmen", 
der „alleinige Regulator" desselben sein musste, wenn sie den leiten- 
den Grundgedanken ihrer Handelspolitik: „den gesammten Waaren- 
zug zwischen Morgen- und Abendland sich zu ausschliesslicher Be- 
nützung zu monopolisiren", verwirklicht sehen wollte. Wenn nun 
aber die Regierung ihren eigenen Unterthanen gegenüber auf diesem 
(wie ja noch auf so manchem anderen) Gebiete die genaueste, 
bis aufs kleinste Detail sich erstreckende Oberaufsicht und Bevor- 
mundung ausübte — um wie viel mehr musste sie sich dazu veranlasst 
fühlen im Verkehr mit den fremden , den deutschen Kauf leuten, wo 
es sich noch um wichtige fiskalische Interessen handelte, die in 
hervorragender Weise mit diesem Verkehr verbunden waren und 
daher auch massgebend für die Verwaltung des Fondaco sein muss- 
ten ! Denn die Bedeutung des Fondaco für Venedig lag nicht nur 
darin, dass er ein willkommenes Absatzgebiet für die von den 
Venetianera selbst aus dem Orient eingeführten Produkte und für 

>) cf. Bd. I Nr. 50, 68, 69, 82, 85, 86, 115, 783, 789 (791), 793, 804, 805. 
— ^) 8. Flegler, die Beziehungen Nürnbergs zu Venedig im ,Anz. für Kunde 
der deutschen Vorzeit' 1860 Nr. 10 S. 329 if.; cf. oben S. 12. — ^) s. Pöhlmann, 
die Wirthschaftspoiitik der Florentiner Renaissance und das Prinzip der Ver- 
kehrsfreiheit. Leipzig (in den Preisschriften der Jablonowski'schen Gesellschaft) 
1878, S. 92. — '■") cf. Scherer, Allg. Geschichte des Welthandels Bd. I S. 312 ft". 







30 Greschichtliches. 

die Erzeugnisse des heimischen Gewerbfleisses war, sondern vielleicht 
in noch höherem Grade in seiner Eigenschaft als Zollinstitut. Jene 
hätten ja die Venetianer zur Noth selbst zu Wasser oder zu Land 
weiter nach Deutschland führen können; allein die Gebühren, Ab- 
gaben und Zölle, welche die Deutschen im Fondaco zahlen mussten, 
wären damit dem Staatsschatze entgangen und sie bildeten geradezu .^ 
eine Haupteinahmequelle für den Staat. ,Principalissimus nervus' .|H 
werden die ,dacii', die Zölle, geradezu gelegentlich genannt. Damit 
sie nun aber in der gewünschten Weise und wirklich ganz und voll 
eingiengen, war die strengste Ueberwachung des ganzen Geschäfts- 
betriebes der Deutschen, die genaueste Aufzeichnung des gesammten 
Waarenumsatzes und auf Grund derselben die sofortige strikteste 
Eintreibung aller Gefälle nothwendig eine Hauptaufgabe der Be- 
amten und Bediensteten des Fondaco. 

Von diesem Gesichtspunkte aus ist auch jene, schon oben ^) be- 
rührte Zwangsverordnung zu betrachten, dass (während des Mittelalters) 
alle deutschen Kauf leute im Fondaco absteigen mussten, dass kein 
Venetianer einen Deutschen oder dessen Waaren bei sich in seiner 
Wohnung oder in seinem Magazin aufnehmen durfte — Verordnungen, 
die unter Androhung schwerer Strafen — Ausschliessung vom 
„Grossen Rathe" für den „Nobile" auf 5 Jahre, vom Handel für j 
den „Populären" auf die gleiche Dauer ''^) — öfters wiederholt wurden, iH 
wiederholt werden mussten ^). Denn immer wieder reizten die Vor- 
theile, welche Käufer wie Verkäufer aus der Umgehung des Fondaco 
zogen, zum Versuche, die bestehenden Vorschriften zu übertreten. 
Brauchte der Kaufmann keine Zölle im Fondaco zu entrichten, so 
konnte er ja seine Waaren dem venetianischen Käufer eben auch 
um vieles billiger überlassen. 

Dem nämlichen Zwecke der besseren Ueberwachung ent- 
sprang die Vorschrift, dass der Geschäftsverkehr oder genauer der 
Verkauf von Seite der Deutschen auf den Fondaco beschränkt bleiben 
sollte. „Damit die Zölle," wie die Regierung selbst einmal bemerkt, 
„nicht unterschlagen würden,"'^) sollten die Deutschen ihre Waaren 
nicht ausserhalb des Fondaco feilhalten dürfen ^) oder höchstens, wenn 
es die Beschränktheit des Raumes im alten Gebäude dringend erfor- 
derte, zeitweise unter Oberaufsicht der Beamten in einem hiezu von der 
Regierung angewiesenen, in der Nähe befindlichen Lokale **). Nur jenen 
kleinen Kaufleuten oder Krämern, denen der Aufenthalt im Fondaco 
zu theuer zu stehen käme, sollten die Visdomini verstatten dürfen, 
mit ihrem Waarentand in der Stadt selbst hausiren zu gehen ''). 

Strengstens war ferner jeder Verkehr mit den deutschen Kauf- 
leuten — sowohl in dem Fondaco als ausserhalb desselben — den Frem- 



« 

4 



1) S. 8 und U. - 2) Mone, Zeitschr. V, 22 (a. 1374). — ') cf. Bd. I 
Nr. 40, 105, 228, 232. — *) Capit. p. 223 c. no. 2 a. 1475 ,aziö non sia defraudä 
i dacii nostri'. — ») ibid. 1. c. u. p. 193 c. 304 a. 1458. - «) cf. Bd. I Nr. 212, 
281. - ') Capit. p. 98 c. 207 a. 1385 (?). 



Geschichtliches. 31 

den, Nicht- Veuetianern und Nicht-Kauf leuten, selbst wenn sie Deutsche 
waren, verboten^) — übrigens, wie auch Heyd^) bemerkt, „eine im 
Mittelalter bekanntlich sehr häufige Verordnung". Der gesammte 
Nutzen sollte eben den Einheimischen, den Bürgern der Stadt, zu 
Gute kommen, wie das die Regierung selbst auch gelegentlich ganz 
unverhohlen ausgesprochen hat^). 

Wenn es dann hinwiederum den Venetianern selbst untersagt 
war, ausserhalb der Stadt mit den Deutschen zu verkehren, in Padua 
oder Treviso von ihnen Waaren zu kaufen ^), so erkennt man un- 
schwer, dass dieses Verbot von jenen fiskalischen Interessen 
diktirt war, von denen ich vorhin gesprochen. Besonders deutlich 
treten dieselben aber in jener Verordnung zu Tage, welche bestimmte, 
dass die Venetianer nicht selbst aktiv als Käufer in Deutschland auf- 
treten sollten, obschon sie dasselbe auf dem Wege nach und von 
Frankreich, Flandern oder Ungarn ja häufig passirten ^). Nur Waffen, 
Pferde und Lebensmittel sollten dort von den Venetianern selbst ge- 
kauft werden dürfen — vermuthlich um von diesen wichtigen Artikeln 
im Bedürfnissfalle rasch genügende Vorräthe sammeln zu können und 
hiefür nicht auf Gunst der importirenden Deutschen angewiesen zu 
sein •"). Die übrigen Produkte Deutschlands aber sollten die Deut- 
schen nur selbst nach Venedig bringen, dafür die vorgeschriebenen 
Eingangszölle zahlen, und dann bei der Rückkehr für die nach 
Deutschland mitzunehmenden orientalischen und venetianischen Pro- 
dukte und Waaren wieder die nöthigen Abgaben, Ausgangszölle u. s. w. 
entrichten : den venetianischen Staatssäckel somit zweimal füllen helfen. 
Denn nicht etwa mit dem haaren Erlös für das von ihnen Eingeführte 
sollten die deutschen Kaufleute Venedig verlassen dürfen, dieser 
musste vielmehr dort selbst gleich wieder in andere dortige Waaren 
umgesetzt werden ^). 

Ich sagte: „die Produkte Deutschlands" sollten die Deut- 



1) Capit. p. 90 c. 198 a. 1384; cf. Bd. I Nr. 796, 801. — ^) Eist. Zeitschr. 1. c. 
S. 213 Anm. 1. — ^) z. B. 1885 Capit. p. 98 c. 206 (cf. p. 290); über die Verbote 
des Verkehrs mit den Fremden s. ibid. p. 77 c. 177 (cf. p. 288) a. 1374; p. 90 
c. 198 u. 199 a. 1384 und Bd. I Nr. 44. — *) s. Capit. p. XXIV (a. 1272) 
und Minotto, Docum. etc. II, 1 p. 82. Im Jahre 1305 (28. Nov.) scheint dieses 
Verbot allerdings nur theilweise und vielleicht auch nur zeitweilig aufgehoben 
worden zu sein, cf. Minotto, Docum. II, 1 p. 94. 1345 bestand es jedenfalls wieder 
in vollem Umfange; cf. Bd. 1 Nr. 114. — ^) s. Capit. p. XXI a. 1279; p. 03 
c. 147 a. 1363; p. 226 c. 10 a. 1475; cf. p. 273 c. 38 a. 1494 und Bd. I Nr. 23, 
25, 26, 27, 101, 120 und öfters. Wenigstens seit der Mitte des 14. Jahrhunderts 
durften sie dabei keinen Handel mit ihren Waaren treiben, da von deutscher 
Seite dagegeiuVorstellungen erhoben worden waren. Cf. Bd. I Nr. 125, 171, 172. 
— ') Capit. p. 63 c. 147 a. 1363. Dass den Venetianern im Jahre 1475 der Besuch 
der deutschen Messen durch einen Zusatz zum ursprünglichen Verbot vom Jahre 
1363 gestattet, im Jahre 1494 aber wegen der deshalb eingerissenen Miss- 
bräuche wieder untersagt wurde, hat schon Heyd (a. a. 0. S. 214) hervor- 
gehoben; s. Capit. p. 273 c. 38. — '') s. Deutsche Reichstagsakten Bd. VII 
S. 361 Nr. 238 und unten S. 44 ; ich fijide dieses Gebot allerdings nicht im 
Capitolare, aber der Ausdruck ,investire' in unseren Urkunden (Bd. I Nr. 188, 
236, 799, 809) ist dafür eine Bestätigung. 



32 



Geschichtliches. 



sehen nach Venedig bringen — und wir werden später darauf zu- 
rückzukommen haben — nicht aber andere, beispielsweise nicht flan- 
drische oder englische Waaren. Denn diese holten die Venetianer 
selbst aus jenen Ländern: sie bildeten die Rückfracht für die vene- 
tianischen Galeeren, die mindestens seit dem Anfang des 14. Jahr- 
hunderts zu bestimmter Zeit alljährlich dorthin mit den Waaren der 
Levante kamen ^). Wären diese Galeeren leer zurückgefahren, hätten 
die Venetianer die flandrischen und englischen Waaren erst von 
den Deutschen kaufen müssen, so wäre das doppelter Nachtheil 
gewesen. Deshalb mussten die Deutschen einmal für dergleichen 
Waaren höheren Eingangszoll zahlen; die Venetianer aber, die von 
den Deutschen etwa flandrische und englische Waaren kauften, mussten 
den Befehlshabern oder Eigenthümern der flandrischen Galeeren 
geradezu eine entsprechende Entschädigung entrichten, die von der 
Regierung festgesetzt und nicht durch Privatübereinkommen beliebig 
vermindert werden durfte -). 

Dieser Verordnung, bei welcher sich fiskalische und mono- 
polistische Interessen die Hand reichten, ist eine andere an die 
Seite zu setzen, welche freilich überwiegend monopolistischer Natur 
war: nämlich die, dass es den deutschen Kaufleuten streng unter- 
sagt war, etwa übrig gebliebene, nicht verkaufte Waaren aus Venedig 
nach der Levante oder sonstwohin weiter zu führen^). Dagegen sträubte 
sich nämlich die Eifersucht der Venetianer, die das ganze Adria- 
Meer als ihr Meer, als ihr Eigenthum, den überseeischen Handel 
nach dem Orient als ihr Monopol betrachteten. Alle Waaren, die 
nach Venedig eingeführt wurden, mussten dort auch, um welchen 
Preis auch immer, und sollten, wie es fast scheint*), ursprünglich 
innerhalb einer bestimmten Zeit verkauft werden. Darunter hatten 
übrigens keineswegs blos die Deutschen, sondern alle Kaufleute zu 
leiden, weil dies eben ein Hauptgrundsatz des venetianischen Monopol- 
systems war. Wir lesen nicht blos von jenen, dass sie sich am Anfang 
des 14. Jahrhunderts über diesen Zwang beschwerten^), sondern auch 
schon der bekannte Schriftsteller Salimbene ergeht sich am Ende 
des 13. Jahrhunderts hiegegen, wie überhaupt gegen den Egoismus 
der Venetianer, in bitteren Klagen*^), die freilich um so weniger 
fruchteten, je mehr die Republik bei diesem Monopolsystem ihre 



i 



i 



') s. Heyd, Gesch. des Lev.-H. II, 708 und Fischer, Theob., Beiträge zur 
Gesch. der Erdkunde und der Kartographie in Italien im Mittelalter (Venedig 1886) 
S. 33 u. ff. - 2) Heyd, Hist. Zeitschr. S. 216; s. Capit. p. 134 c. 242 a. 1426; p. 150 
c. 256 a. 1484; p. 162 c. 274 a. 1441. — =') cf. Bd. I Nr. 39, 590. - *) cf. oben S. 25 
und unten S. 44 — '') s. Flegler im Anzeig. f. Kunde etc. 1867 Nr. If. — *) Monum. 
histor. ad Provv. Parmens. et Piacent, pertinentia tom. III pag. 252: Veneti 
avari homines sunt et tenaces et superstitiosi et totum mundum vellent sub- 
jugare sibi, si possent; et rusticiter tractant mercatores qui vadunt ad eos et 
care vendendo et multa passagia in diversis locis in suo districtu ab eisdem 
personis eodem tempore accipiendo. Et si aliquis mercator portat ibi merces 
suas ad vendendum, non potest eas secum reducere, immo oportet quod vendat 
eas ibi velit nolit. 



« 




Geschichtliches. 33 

Rechnung fand, das allerdings ohne Zweifel die Grundlage ihrer 
Grösse und ihres Reichthums war. 

Ebensowenig ist es der venetianischen Regierung zu verdenken, 
wenn sie in einzelnen Zweigen des Handels mit den Deutschen einer 
ausgesprochenen Schutzzollpolitik huldigte, welche Hand in Hand 
ging mit jenem Monopolsystem. So verbot sie z. B. im Jahre 1447 ^) 
die Einfuhr bereits verarbeiteten Kupfers, weil dadurch den heimi- 
schen Kupferschmieden und dem Fiskus beträchtlicher Schaden zu- 
gefügt wurde, während Kupfer als Rohmaterial stets ein sehr willkom- 
mener Einfuhrartikel war. Ebendahin gehört es, wenn den Deutschen 
der Detailverkauf von Tuch „im Ausschnitt" untersagt war, das viel- 
mehr im Interesse der heimischen Tuchhändler nur im ganzen Stück 
sollte verkauft werden dürfen^); oder wenn die Regierung die Aus- 
fuhr von gereinigter Baumwolle pfundweise und von Baumwollen- 
garn untersagte, da daraus in Deutschland Baumwollzeuge gefertigt 
und mit dem (Fabrik-) Zeichen venetianischer Barchentweber ver- 
sehen würden, während sie viel schlechter seien, als die in Venedig 
hergestellten ^). 

Es wäre nun aber sehr irrig zu glauben, dass die venetianische 
Regierung in unbeugsamer Starrheit immer ausschliesslich nur von 
diesen Prinzipien sich habe leiten lassen, dass sie nicht auch an- 
deren Erwägungen Raum gegeben. Im Gegentheil. 

Was Pöhlmann hauptsächlich für Florenz und für einen 
kleineren Zeitraum, für das ausgehende Mittelalter oder für die 
beginnende Renaissance, nachgewiesen*), dass es „schwer sei, für die 
allgemeine Haltung der Wirthschaftspolitik jener Zeit eine be- 
stimmte Formel zu finden": das gilt in noch viel weiterem Umfange 
für Venedig. „Eine unzählige Menge von Verordnungen," bemerkt 
schon Scherer in seiner Geschichte des Welthandels ^) sehr richtig, 
„bestimmen den Venetianer Handel je nach Einsicht und 
Bedürfniss der Zeit." Denn es war — so gibt G. M. Thomas 
diesem Gedanken weiter treffend Ausdruck^) — „es war entschie- 
dener Grundsatz der venetianischen Handelspolitik, alle Bestimmungen 
und Abmachungen, alle Massnahmen nur auf Zeit, gleichsam auf 
Probe des Erfolges zu treffen, mit der vorschauenden Absicht, ent- 
weder zu bestätigen, was frommte, oder abzuändern, was nöthig 
schien '), so dass dem Staatsschatze die ausreichende Fülle von Geld 
zuströmte, der Bürger und gemeine Mann seine Nahrung hatte, und 
dabei zugleich Käufer und Verkäufer aus aller Welt gereizt und 
angelockt wurden , ihren Markt in Venedig zu halten. Nicht nach 
Lehrsätzen ^icht nach Aufstellungen von Gruppen oder Parteien) 

') 8. Capit. p. 172 c. 282; - ') ibid. p. 220 n. 9 a. 1466; cf. Heyd, Bist. 
Zeitschr. S. 213. — ') ibid. p. 73 c. 168 a. 1373 und p. 77 c. 176. — ') Wirth- 
schaftspolitik etc. p. 136. - *) Bd. I S. 217. - ^) Zur Quellenkunde des vene- 
tianischen Handels und Verkehres. Abhandlgn. d. k. bayer. Akad. d. Wiss. I. Kl. 
Bd. XV, Abth. I, S. 190. — ') s. diesen Grundsatz deutlich ausgesprochen in 
Bd. I Nr. 260. 

3 



34 Geschichtliches. 



n 



erhöhte oder minderte man diese oder jene Zölle; das Mass der 
Zufuhr, der Ausfall der Ernten, der Wettlauf im Vorrang gegen 
andere Handelsbeflissene, das politische Gesicht der Zeit und immer 
wieder das Erforderniss des Staates bildeten den Regulator. So 
stehen denn, um es in der Sprache der Gegenwart auszudrücken, 
Schutzzoll und Freihandel friedlich gleichsam neben 
einander; es ist der Zug des Tages, es ist die Währung der 
Zeitlage, welche so gut die Valuta bestimmen als über Aufschlag 
and Abschlag bei Einfuhr und Ausfuhr entscheiden." 

Wir haben schon früher Gelegenheit gehabt, auf diese Ver- 
änderlichkeit der venetianischen Politik hinzuweisen ^), die aus dem 
praktischen Sinn der Venetianer entsprang, und wollen an < 
dieser Stelle noch einige weitere Belege hiefür beibringen. |H 

Als im Jahre 1429 die Glasindustrie von Murano in Folge der'" 
hohen Zölle so sehr zurückging, dass die Zahl der Werkstätten um 
die Hälfte sich verminderte, suchte die Regierung dem darnieder- 
liegenden Gewerbe durch Aufhebung aller Ausfuhrzölle wieder auf- 
zuhelfen ^). Dieser Beschluss wurde vom Senat am 18, April gefasst. 
Und am 6. August des nämlichen Jahres sehen Avir den Beschluss 
bereits wieder aufgehoben^), weil der Ausfall, den die Einnahmen 
des Staates hiedurch erlitten, mehr als 1000 Dukaten jährlich be- 
trage, ohne dass mit jener Massregel der Industrie selbst gedient 
sei. — Salpeter, der bis dahin zollfrei war, wurde im Jahre 1383 
aus rein fiskalischen Gründen mit einem Ausfuhrzoll belegt^). — Um 
den Seifensiedern die Konkurrenz mit den Ankonitanern zu ermög 
liehen, wurde im Jahre 1391 für die Dauer von 3 Jahren ein^ 
Ausfuhrprämie auf Seife gesetzt''). 

Keinem Zweifel kann es nun aber unterliegen, dass nament 
lieh mit Rücksicht auf die deutschen Kaufleute und ihnen 
zu Liebe derartige Aenderungen in den Verordnungen 
vorgenommen wurden. 

Nach einem früheren Beschluss des Grossen Rathes vom 
November 1277 (oder 1287?)^) mussten die Deutschen von allem 
gemünzten Geld, das sie nach Venedig brachten, ö^/o Zoll entrichten. 
Dieser Beschluss wird im November des Jahres 1332 aufgehoben, 
weil Geldmangel im Lande herrscht^), fünf Jahre später aber (1337) 
von Neuem erlassen, da augenblicklich genug Geld im Lande ^). 
Allein die Deutschen empfanden das als lästigen Druck; der Kaiser 
und der Rath von Nürnberg erhoben dagegen Vorstellungen und 
auf ihre Bitten hin wurde die Verordnung im Jahre 1358 wieder 
aufgehoben: die Deutschen sollten für geprägtes Geld nicht mehr 
zahlen als für ungemünztes ^) , auf dessen reichliche Zufuhr die 
venetianische Regierung immer besonderes Gewicht legte. Als z. B..^B 

1) s. oben p. 14. — ^) s. Capit. p. 141 c. 247. - ^) ibid. p. 142 c. 249. .. 
— ") s. Capit. p. 86 c. 194. - '*) ibid. p. 95 c. 204. — «) s. Capit. p. XVII und 
Bd. I Nr. 9, 91, 97. — ') s. Bd. 1 Nr. 91 und 97. — ') s. Bd. I Nr. 97. 
») H. Capit. p. 25 c. 72 (wo fälschlich 1355 angegeben) und Bd. I Nr. 179. 



1 



Geschichtliches. 35 

im Jahre 1441 die Deutschen wegen des hohen Einfuhrzolles nur 
wenig Silber mehr einführten, stand die Regierung nicht an, den- 
selben herabzusetzen ^). 

Einen Hauptartikel des venetianischen Handels bildete der 
Safran. Für 100,000 Dukaten wurde jährlich von Aquila, Apulien 
und Süditalien Safran nach Venedig gebracht, und die Deutschen 
waren es, welche denselben hauptsächlich ausführten. „Allein seit 
einiger Zeit," heisst es in einem interessanten und wichtigen Akten- 
stück vom November 1492 ^) , „haben die Deutschen , wegen des 
hohen Preises des Safrans und nach Art aller Kaufleute auf ihren 
Vortheil bedacht, den Weg nach Mailand eingeschlagen (wo er 
billiger zu haben ist), ja gehen sogar selbst bis dahin, wo er wächst. 
In Folge dessen ist der ganze Weg des Safranhandels verändert." 
Und obgleich bereits im Jahre 1479 den Deutschen erlaubt worden 
war, gegen eine Abgabe von 12 Dukaten per Saum (500 Pfund) 
mit dem Safran Venedig wenigstens zu passiren, und im Jahre 1481 
und darauf 1482 jede Abgabe für den Import von Safran aufgehoben 
wurde ^), wollte doch der Handelszug sich nicht wieder nach Venedig 
zurücklenken lassen, sondern behielt die Richtung auf Mailand bei. 
Das war um so bedenklicher, als im Anschluss daran sich der Handels- 
verkehr zwischen Deutschland und Mailand überhaupt mehr zu ent- 
wickeln begann. Die Deutschen brachten „Silber und andere Waaren 
mit nach Mailand" — so heisst es in jener Urkunde — »und kauften 
dort Goldfäden und Seidenzeuge in grosser Menge , die sie vordem 
in Venedig gekauft hatten" *). Darauf beschloss die venetianische 
Regierung eben im November 1492, den Export von Safran gänz- 
lich von jedem Zoll freizugeben und den Transitzoll für die Deutschen 
auf 3 Dukaten von einem Saum zu 500 Pfund herabzusetzen. 

Noch zahlreicher sind dann aber die Fälle, wo nicht durch 
allgemeine Verordnungen, sondern durch Einzel-Erlasse Aus- 
nahmen von den sonst gültigen gesetzlichen Bestimmungen zu 
Gunsten einzelner Deutscher zugelassen oder Uebertretungen durch 
Gewährung von gratiaj wie das oft in Venedig vorkam, der gesetz- 
lichen Strafe entrückt wurden. 

Da sehen wir^), wie (im Jahre 1314) einem Deutschen erlaubt 
wird, Tücher aus Frankreich, die er nach Venedig gebracht und 
nicht hat verkaufen können, wieder auszuführen, allerdings nicht 
nach Deutschland. Ein ander Mal (im Jahre 1383) wird einem 
Nürnberger verstattet, Tücher aus der Lombardei ausserhalb des 

') s. Capit. p. 164 c. 275; ausser anderen Abgaben wurden von 100 Dukaten 
Werth 17 grossi 4 piccoli, also fast ^i °/o erhoben, wenn unter diesen grossi jene 
zu verstehen, deren 24 damals 1 Dukaten ausmachten ; cf. Mone in der Zeitschr. 
f. Gesch. d. Oberrheins Bd. V S. 2ö, wo statt post ,parvi' oder piccoli zu lesen 
und hinter ducatorum ,centum' einzusetzen ist. — ^) s. Capit. p. 277 c. 42. — 
') Nur der damals allgemein gültige Zollsatz von 1 % war bestehen geblieben. 
— ■*) Ueber die 1472 geplante Errichtung eines deutschen Fondaco in Mai- 
land siehe E. Motta in der Rivista storica italiana I, 262 no. 3. — ^) Bd. I Nr. 39 
und oben S. 32 über das betreffende Gesetz. 



36 Geschichtliches. 



Fondaco in einem Magazin des Rialto, wo man sie besser sehen 
könne, zum Verkauf auszulegen ^). Da wird einem Deutschen ,gratia' 
gewährt und die Strafe erlassen, der verurtheilt war, weil er statt im 
Fondaco in einem Gasthause abgestiegen war ^). Ebenso einem oder 
vielmehr gar manchem Anderen , der seine Waaren nicht gleich 
nach seiner Ankunft oder überhaupt gar nicht vorgezeigt hatte ^). 
Wieder Andere haben es unterlassen, im Verein mit einem Sensal 
ihre Einkäufe zu machen*): sie erhalten ebenso gratia wie Jene, 
welche vergessen haben, ihren gekauften Safran schätzen oder ihre 
gekauften Waaren vor der Absendung mit den nöthigen Zollscheinen 
versehen zu lassen ^) u. s. f. u. s. f, 

Beklagten sich die deutschen Kaufleute über Neuerungen, die 
ihnen unbequem und nachtheilig waren oder so erschienen, so zeigte 
sich die Regierung wiederholt bereit, dieselben abzustellen, selbst 
wenn sie ihr selbst vortheilhaft und nutzbringend gewesen waren. So 
lesen wir, wie im Jahre 1346 der Doge Andrea Dandolo dem Kaiser 
Ludwig dem Bayern mittheilt, dass einige neue Auflagen wieder 
abgeschafft worden seien, nachdem der Kaiser im Namen der Reichs- 
städte darüber Beschwerde geführt und allerdings mit Repressalien 
gedroht hatte **). — Im Jahre 1469 war es den deutschen Kauf leuten 
untersagt worden, für den Transport ihrer Waaren, auf dem Wege von 
Venzone und Glemona bis Portogruario und umgekehrt, sich fernerhin 
neben italienischen auch deutscher Wagen und Pferde zu bedienen ''). 
Sie beschwerten sich darüber, der Kaiser intervenirte und alsbald war 
das alte Herkommen wieder hergestellt. — Als im Jahre 1486 die Vis- 
domini gegen die deutschen Kaufleute allzu strenge hinsichtlich der 
Bezahlung ihrer Rückstände vorgehen wollten, entschied die Regierung 
zu Gunsten der petitionirenden Kaufleute mit der ausdrücklichen Moti- 
virung, dass die Deutschen mit Milde und Wohlwollen zu behandeln 
seien und nicht mit rigoroser Strenge! ^) — Ein ander Mal, im Jahre 
1502, führten unsere Landsleute Klage über Unbilden, die sie von 
einem der Visdomini hatten erdulden müssen, und über ungebühr- 
liche Verschleppung in der Zollbehandlung ihrer Waaren. Ein 
scharfer, tadelnder Erlass an die Visdomini war die Antwort^). — 
Und ganz ähnlich erhielt der Podestä von Treviso (1502) einen 
Verweis, weil er den deutschen Kauf leuten Schwierigkeiten in den 
Weg legte, welche sich von der Regierung die Erlaubniss erwirkt 
hatten, ihre Tücher nur von zwei deutschen Landsleuten scheeren 
zu lassen, da diese allein dies in der richtigen Weise zu thun ver- 



hen ^^ 



1) Bd. I Nr. 247. — ^) ebda. Nr. 105. - ^) ebda. Nr. 50 und ähnlich Nr. 68, 
69, 82, 85, 86, 789, 793, 804. — ") ebda. Nr. 56, 74, 83. — ') ebda. Nr. 19, 46, 80, 
84, 802. — ®) ebda. Nr. 119. Es liegt nahe daran zu denken, dass die dem Kaiser 
vorgetragenen Beschwerden identisch sind mit jenen, welche Flegler im , Anzeiger 
f. Kunde der deut. Vorzeit", 1867, Nr. 11 veröffentlicht hat; cf. Böhmer, Acta 
imperii t. II no. 818, 820. - ') s. Capit. p. 279. - «) s. Bd. I Nr. 572. — ') ebda. 
Nr. 618; über andere Differenzen zwischen den Kauf leuten und den Visdomini 
einige Jahre vorher (1499); cf. Sanuto, Diarii 11, 718. 



Geschichtliches. 37 

ständen^). Kurz, man sieht: „nichts wurde versäumt, um die 
Deutschen durch Eingehen auf ihre Wünsche und durch 
Erleichterungen aller Art bei guter Laune zu erhalten" ^). 
Dass dies in späterer Zeit nach der Entdeckung des Seeweges nach 
Ostindien, als damit der verhängnissvolle Umschwung für den vene- 
tianischen Welthandel sich vorbereitete, erst recht geschah, begreift 
sich leicht und wird später noch weiter ausgeführt werden. 

Freilich, so weit erstreckte sich die Zuneigung und Liebens- 
würdigkeit der venetianischen Regierung gegen die Deutschen nie^ 
dass sie denselben etwa, wie dies anderswo im Ausland, z. B. in 
England, der Fall war, eigene Gerichtsbarkeit zugestanden hätte. 
Diese haben die Deutschen in Venedig niemals erlangt und damit 
waren sie ein für alle Mal zu blossen Gästen herabgesetzt. Selbst 
Streitigkeiten privater Natur unter den im Fondaco verkehrenden 
Deutschen wurden von den venetianischen Behörden entschieden ^). — 

Wir wollen hier noch einige allerdings schon anderweitig 
bekannte*) Angaben über die Grösse des Umsatzes und Aus- 
dehnung des deutsch -venetianischen Handels anschliessen, 
die das wohlwollende Verhalten der venetianischen Regierung gegen 
die deutschen Kaufleute am besten zu erklären geeignet sind. Der 
Venetianer Paolo Morosini schätzt in einem vor 1472 geschriebenen 
Briefe an Gregor von Heimburg den von den deutschen Kaufleuten 
in Venedig bewirkten Umsatz auf eine Million Dukaten jährlich. 
Der deutsche Pilgerfahrer Felix Fabri aus Ulm schreibt in seinem 
,Evagatorium', dass die Regierung von den nach Deutschland aus- 
geführten Waaren nicht weniger als 20,000 Dukaten jährlich an 
Zoll einnehme. Und der Kölner Arnold von Harff, der auf seiner 
Pilgerfahrt nach Jerusalem im Jahre 1497 im Fondaco verweilte, 
berichtet, dass nach Aussagen deutscher Kaufleute der Fondaco der 
Regierung täglich durchschnittlich 100 Dukaten einbringe ^). Mit 
gutem Grund und ohne Uebertreibung hat daher die Regierung 
selbst den Fondaco gelegentlich als „bestes Glied der Stadt" (optimo 
membro de questa zita = citta) bezeichnet ^) : er war ein stets 



^) s. Bd. I Nr. 619. — ^) Heyd, Hist. Zeitschr. S. 218 aus Marin, Storia 
del commercio dei Veneziani 8, 152. Scherer's Behauptung (Gesch. des Welt- 
handels I, 320), dass im Allgemeinen die Deutschen sehr hart und rücksichtslos 
behandelt worden seien, ist damit wohl zur Genüge widerlegt ; cf. Nr. 105, 115, 
wo überdies ausdrücklich die Rücksicht auf die Deutschen als Grund verschie- 
dener Straferlässe angegeben wird. — ^) s. Bd. I Nr. 357. — '') s. Heyd, Hist. 
Zeitschr. S. 217. — *) In einer kleinen Schrift ,Nomina . . . potestatum Patavinae 
civitatis 1174 — 1364' (handschriftlich auf der Ambrosiana in Mailand) soll sich 
nach Ceruti (Archivio Veneto tom. X p. 425) die Notiz finden: ,il doge aveva 
ogni mercoledi dal Fond. d. Ted. 100 zecchini d'oro'; ich habe die Schrift auf 
der Ambrosiana nicht finden können. — *) s. Capit. S. 166 a. 1445 c. 277. 
Dieses Werthes mögen auch die Deutschen sich wohl bewusst gewesen sein : 
Wir lesen bei Sanuto (Diarii II, 719), dass sie sich einmal, gelegentlich eines 
Streites mit den Visdomini. im Jahre 1499 zu der Aeusserung verstiegen, es wäre 
traurig um Venedig bestellt, wenn die Deutschen im Fondaco fehlten, ,Todeschi 



38 Geschichtliches. 

gefüllter, hochwillkommener Reservefonds für die Regierung, aus 
dessen Einkünften mehr als einmal auch besondere Ausgaben bestritten, 
z.B. rückständige Besoldungen u.dgl. m. befriedigt werden konnten^). 
Die Regierung war daher auch stets eifrigst darauf bedacht, dass 
der Weg nach Venedig für die deutschen Kaufleute frei und sicher 
war trotz etwaiger Kriegsunruhen benachbarter Gegenden, zu deren 
Beilegung sie — im eigenen Interesse — stets das Ihrige zu thun 
sich bemühte. „Denn das Ausbleiben der deutschen Kaufleute 
gereicht," wie sie selbst einmal es unumwunden ausdrückte^), „der 
Stadt, wie allgemein bekannt ist, zu grösstem Nachtheil und Schaden: 
denn für die Waaren, die zu Wasser in grosser Menge eintreffen, 
gibt es zur Ausführung ausser dem Fondaco nur wenig Wege.* 

Der Gewinn aber, den die Deutschen aus diesem Handel 
zogen, wird sich ziffernmässig zwar schwerlich mehr genau feststellen 
lassen; denn es fehlt hierüber fast gänzlich an statistischen Angaben 
für diese Zeit. Auch unsere Urkunden geben darüber nur ab und 
zu eine Notiz. So lesen wir z.B.^), dass im Jahre 1358 ein Venetianer 
45,000 Stück Leinwand im Fondaco kaufte, dass 1368 ein Wiener 
18,000 Pfund Kupfer nach Venedig einführte '^) , ein Nürnberger 
1424 3000 Kaninchenfelle aus Venedig erhielt^), ein Anderer 1426 
425 Stück Fuchsfelle nach Venedig sandte ^), im Jahre 1495 die 
venetianische Regierung 80,000 Pfund Kupfer von deutschen Kauf- 
leuten zur Anfertigung von Kanonen kaufte ''). 

Und nur als ein sehr dürftiger Ersatz kann es betrachtet 
werden, wenn wir hören, dass 1432 Hermann Reck aus Nürnberg 
mit einer Schuldenlast von 25,000 Dukaten aus Venedig sich ent- 
fernte^), dass 1483 die (Regensburger?) Kaufleute Limpeck und 
Zodoler mit 17,000 Dukaten ^), der Regensburger Kaufmann Thomas 
Kurz (?) mit 6200 Dukaten i«), die Frankfurter Gesellschaft Wolf 
Blum & Cie. mit 23,000 Dukaten i^), 1485 die (Baseler?) Gesell- 
schaft Hieronymus Bilia (Biler oder Viler?) und Gebrüder mit 
20,000 Dukaten ^2), 1499 die Gebrüder Stamler aus Augsburg, die 
von Sanuto unter die bedeutendsten Kaufleute des Fondaco gerechnet 
werden, mit 12,000 Dukaten fallirten ^^). Bei den Fallissements der 
venetianischen Banken Garzoni und Lippomano waren die deutschen 
Kaufleute nach Sanuto ^*) mit 30,000 Dukaten betheiligt. Im Jahre 

haveano ditto trista questa terra quando non sarä Todeschi in fontego'. — 
1) s. Capit. p. 176 c. 287 a. 1449 und Bd. I Nr. 403 u. 505. — ') s. Bd. I Nr. 300, 
S. 147. - ^) ebda. Nr. 168. — ') ebda. Nr. 216. — ■') ebda. Nr. 340. - ') ebda. 
Nr. 346. — ') ebda. Nr. 597 ; cf. das von Baader im 38. Jahresbericht des histor. 
Ver. in Mittelfranken S. 108 mitgetheilte Verzeichniss von Waarenballen, die 
1426 aus Venedig heimkehrenden Nümbergern entführt wurden. Leider heisst 
es da aber nur allgemein, dass jeder Ballen so und so viele Säcke Pfeffer u. s. w. 
enthalten habe. — «) ebda. Nr. 387. — ») ebda. Nr. 559. - i") ebda. Nr. 561. — 
'') ebda. Nr. 562. — ^^) ebda. Nr. 569. - '^) ebda. Nr. 608. Sanuto, Diarii II, 888: 
1499 Adi 4 Lujo : In questo zorno falite uno merchadante di fontego, di primi, 
chiamato Rigo, et compagni per ducati 12 milia; beim ersten Fallissement 
im Jahre 1493 ist die Schuldenlast auf ca. 20,000 Dukaten angegeben (cf. oben 
Bd. I Nr. 592). - ^*) Diarii II, 736. 



Geschichtliches. 39 

1510, also freilich zu einer Zeit, welche diesen Abschnitt eigentlich 
überschreitet, hat ein einziger Breslauer Kaufmann, Konrad Sauer- 
raann, eine Schuldforderung von 6100 Dukaten nach Venedig hin ') — 
um ganz davon zu schweigen, dass es von Johann Fugger (?) einmal 
(zum Jahre 1499) heisst, er habe eben für 60,000 Dukaten Kupfer 
in Venedig ^). Das aber ist eine längst allgemein konstatirte, auch 
oben schon ^) berührte Thatsache, dass die ganze Blüthe namentlich 
der oberdeutschen Städte auf diesem Verkehr beruhte. Und dafür, 
dass dieselben dies auch frühzeitig erkannten, ist der beste Beweis 
die Widerspenstigkeit, mit der man an diesem Verkehr selbst gegen- 
über Verboten der Kaiser festhielt*). Und spricht dafür nicht auch die 
Thatsache, dass die Stadt Ulm, als sie einmal 1432 wegen Waaren- 
aufhaltung in einen Streit mit der Republik gerathen war, von dieser 
die Erlaubniss für ihre Kaufleute sich erbat, einstweilen bis zur Ent- 
scheidung des Kaisers wieder Handel mit Venedig zu treiben?^) 
Venedig war eben damals, wie man wohl behaupten darf, der 
Haupthandelsplatz der Welt. Und es galt auch, wie dies Greiff 
treffend bemerkt*^), damals und noch lange Zeit hernach geradezu als 
„die hohe Schule der süddeutschen Kaufleute". „Man musste in 
Venedig gewesen sein, wenn man daheim was gelten wollte. Als 
der später so berühmte Handelsherr Jakob Fugger, weiland Domherr 
zu Herrieden im Bisthum Eichstädt, auf Bitten seines kinderlosen 
Bruders Ulrich (1473), schon vorgerückt in Jahren, sich entschlossen 
hatte, seine Pfründe aufzugeben und sich zum Fugger'schen Kauf- 
handel brauchen zu lassen, sehen wir ihn alsbald nach Venedig gehen, 
um dort im Fugger'schen Lager seine Lehrjahre zu bestehen. Dieser 
Schule und einigen darnach zu näherer Erkundigung des Handels 
unternommenen grösseren Reisen verdankte er den hohen Grad kauf- 
männischer Bildung, die ihn befähigte^ dem damals schon gross- 
artigen Handel des Hauses jene Ausdehnung zu geben, die es seit- 
dem weltberühmt gemacht hat." Nach Venedig wird zu gleichem 
Zwecke auch der noch nicht ganz 14 Jahre alte Lukas Rem im 
Jahre 1494 geschickt, wo er, wie er selbst erzählt^), von Be- 
kannten und Freunden, an die er empfohlen war, zuerst zu einigen 
Italienern in die Lehre gethan wird, um vor Allem sich die Sprache 
des Landes anzueignen**). Dann kommt er zu einem deutschen 



') Grünhagen, Schlesien am Ausgang des Mittelalters in der „Zeitschrift 
des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens" Bd. XVIII S. 39 aus 
Klose's Breslau in den SS. Rer. Silesiacarum tom. III p. 137. — ^) Sanuto, 
Diarii II, 1071. — ') cf. oben S. 5. - ") cf. unten S. 45. — •••) s. Bd. I Nr. 405. 

— •■') Tagebuch des Lucas Rem S. IX. — ') Tagebuch hrsg. von Greiff S. 5. 

— *) Zu diesem Zwecke gab es förmliche „Sprachf ühr er", welche das 
Wissenswertheste in deutscher und italienischer (venetiani scher) Sprache nach 
Gruppen geordnet bequem und übersichtlich zusammengestellt enthielten — ganz 
wie heutigen Tages. Einen solchen Sprachführer, von einem Nürnberger im Jahre 
1424 verfasst, der sowohl sprachlich, als inhaltlich von hohem Interesse ist, 
gedenke ich mit Herrn Prof. Brenner aus einer Handschrift der hiesigen k. Hof- 
und Staatsbibliothek (Cod. ital. 261) herauszugeben. 



40 Geschichtliches. 

a Trager" aus Augsburg. „Da lernet ich rechnen in 5^2 monet gar 
aus. Und darnach gieng ich auf ain schuol, da man biecher halten 
lernt. Das in 3 monett aus, schrib Jornal und Schuldbuch ^) ..." 
„Ich wüsste," setzt Greiff hinzu, „aus jener Zeit keinen nur halb- 
wegs namhaften Augsburger Kaufmann zu nennen, der nicht zunächst 
dort (in Venedig) seine Studien gemacht hätte." — 1488 schickte in 
ähnlicher Weise Christoph Scheurl, der selbst in Venedig die Hand- 
lung erlernt hatte, den jungen Hieronymus Haller, der ihm in die 
Lehre gegeben war, dorthin, wobei er ihm in einem „Regiment" 
wohlmeinende Rathschläge über sein Verhalten mit auf den Weg gab, 
ihm bescheidenes, freundliches Betragen, frommen, sittlichen Lebens- 
wandel, emsigen Fleiss und eifriges Studium beim „Rechenmeister", 
scharfe Beobachtung alles den Handel und seine Konjunkturen Be- 
treffenden und sofortige genaue Aufzeichnung alles in Erfahrung 
Gebrachten, Gehorsam und Treue gegen seinen Prinzipal u. s. w. 
dringend an's Herz legte ^). — Einen weiteren sprechenden Beleg 
dafür liefert jenes Dokument vom Jahre 1472, dessen wir bereits 
einmal Erwähnung gethan ^). Wir lesen da, wie im Fondaco einige 
junge Deutsche „zarten Alters" weilen, die von ihren Eltern nach 
Venedig geschickt seien, um die italienische (oder venetianische) 
Sprache und den ,abacus' d. h. Rechnen oder, wie wir heutigen 
Tages wohl sagen würden, „die Handlung" zu erlernen, wie dies 
von Alters her zu geschehen pflegte. Da sie „wegen der Zeit- 
läufe" ^) in den Häusern der Nobili und Cittadini Venedigs nicht 
wie sonst Aufnahme finden, werden ihrer sechs auf Ansuchen der 
Kaufleute bei einem (deutschen) Ballenbinder (vielleicht, wie oben 
erwähnt, dem damaligen Zunftvorstand) untergebracht. 

„Von Alters her" heisst es in diesem Dokument und als Beleg 
für die Richtigkeit dieses Ausdruckes, der keine blosse Phrase ist, 
können wir auf ein anderes Dokument^) hinweisen, aus dem er- 
hellt, dass bereits im Jahre 1308 junge Deutsche, die Söhne „trefi^- 
licher" Kaufleute, in Venedig sich aufhielten, um die Grammatik 
und das Rechnen, d. h. um Italienisch und die „Handlung" zu er- 
lernen^). Aehnliches wird zum Jahre 1342 berichtet). Dass sich 
in Folge solch eifrigen Verkehrs auch innigere Beziehungen, wahre 



*) Technische Ausdrücke. „Jornal : darinnen wirdt stan alles , was ich 
meins Herrn wegen handel, es sei Einnahmen oder Ausgaben, Schulden, Wexel 
und haaren Gelds Empfahen, Wegsenden, auch Kaufen und Verkaufen der Güter ; 
Schuldbuch : darin wirdt stan alles J]innehmen und Ausgaben haaren Geldes, 
auch alle und jede Schulden in Debito und Credito" Greiff a. a. 0, S. 81. — 
^) s. A. V. Scheurl : „Christoph Scheurl, Dr. Christoph Scheurl's Vater" in den Mit- 
theilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg Heft 5 S. 16. — 
^) s. oben S. 21; cf. Bd. I Nr. 525. — *) ,pro conditionibus temporum', womit 
vielleicht der Einfall der Türken in Friaul gemeint ist. — *) s. Bd. I Nr. 24; 
cf. auch Chroniken der deutschen Städte, Nürnberg Bd. II S. 4 (Anm. 6). — 
^) Dieselben hatten Aufnahme bei Privaten in Venedig gefunden, was aber, 
wie es scheint, damals verboten war — im Gegensatz zu später, wie aus dem 
späteren, oben citirten Dokument von 1472 zu schliessen. — ') s. Bd. I Nr. 801. 



Geschichtliches. 41 

Freundschaftsverhältnisse zwischen Deutschen und Venetianern bil- 
deten, ist leicht erklärlich ^). 

Welch besseren Beweis endlich für die kaufmännische Bedeu- 
tung Venedigs in damaliger Zeit könnte es geben, als die hoch- 
interessante Thatsache, dass man, wie von anderer fremdländischer 
Seite, so auch von deutscher wiederholt und zwar von verschiedenen 
Theilen des Reiches aus bei der venetianischen Regierung um die 
Erlaubniss nachsuchte, in der venetianischen Staatsbank Gelder auf 
Zinsen zu hinterlegen ! ^) — 

Wir haben nun aber weiter des Näheren zu untersuchen, 
welche Deutsche denn an diesem Handelsverkehr mit Venedig be- 
theiligt waren. Wir thun dies in einem neuen Abschnitte, den wir 
überschreiben : 

III. Die Benutzer des Fondaco. 

Dass es hauptsächlich die Städte Oberdeutschlands waren, 
welche von dem Handel mit Venedig profitirten und denselben also 
auch vorwiegend betrieben, ist bereits öfters angedeutet worden. 
Aber es ist irrig, wenn Elze sagt^), dass „anfänglich blos deutsche 
Kaufleute aus Oberdeutschland zu den Nutzniessern des Fondaco" 
gehört hätten. Wir finden Kaufleute aus Wien, aus der Schweiz, 
aus Breslau, aus Lübeck, aus Köln in verhältnissmässig früher 
Zeit ebenfalls in Venedig verkehrend und zwar in gleicher Weise 
aus Reichs- wie aus Landesstädten. 

Es erhebt sich im Anschluss hieran die Frage, ob hiezu, ob 
zur Zulassung zum Fondaco es für den Rath einer Stadt oder für 
den Kaiser oder den Landesherrn nothwendig war, in Venedig aus- 
drücklich die Einwilligung zu erbitten oder gar darüber förmliche 
Verträge zu schliessen. 

Wir haben nämlich aus dem Jahre 1418 ein Aktenstück, worin 
Herzog Ernst von Oesterreich für seine Unterthanen aus Laibach 
den Senat um Zulassung zum Fondaco bittet, was ihm auch ge- 
währt wird. Und Erdmannsdörfer hat^) im Hinblick hierauf die 
obige Frage bejahen zu müssen geglaubt. Hingegen meint Heyd^), 
dass diese , Erlaubnisseinholung " (die auch vom Rath der Stadt 
Laibach unterstützt wurde) „wohl aus den besonderen Zeitumständen 
zu erklären sei, indem damals zwischen Venedig und dem deutschen 
Reich (Kaiser Sigmund) eine kriegerische Verwicklung und gegen- 
seitige Handelssperre bestand". Er macht auch darauf aufmerk- 
sam, dass Herzog Ernst sich darauf beruft, dass seine übrigen 
Unterthanen bereits das nämliche Recht besässen. Aber gerade 
dieser Hinweis scheint mir doch gegen Heyd zu sprechen. Denn 



') Ein hübsches Beispiel hiefür s. Bd. I Nr. 205. - ^) ebda. Nr. 297, 329, 
414, 424. — ') Ausland 1870 Nr. 27. — ■•) De commercio etc. p. 45. — ^) Hist. 
Zeitschr. 1. c. S. 200. 



42 Geschichtliches. 

sollte das Gesuch den Zweck haben, die Handelssperre zu Gunsten 
der Unterthanen des Herzogs Ernst zu beseitigen, dann würde das 
Gesuch doch wohl für dieselben alle, nicht blos für die Bürger der 
einen Stadt gestellt worden sein. Vielleicht haben die Kaufleute von 
Laibach doch erst damals begonnen mit Venedig in direkte Handels- 
verbindung zu treten, und wurde deshalb das Gesuch um Zulassung 
zum Fondaco gestellt ^). Wir haben allerdings aus früherer Zeit für 
andere Städte keine ähnlichen Zeugnisse (vielleicht übrigens nur 
deshalb , weil wir bei keiner vorerst ganz genau den Zeitpunkt 
anzugeben im Stande sind, wo sie zuerst in Handelsbeziehungen 
mit Venedig traten); aber doch einige aus der späteren Zeit. 1381 
wird den Kaufleuten des Fürsten Heinrich von Liechtenstein — 
offenbar auf eine von diesem dahin gerichtete Anfrage — der Ver- 
kehr in Venedig zugestanden ^). Im Jahre 1427 wird das nämliche 
Verlangen, wie für die Laibacher, nun für die Unterthanen des 
Herzogs von Savoyen gestellt ^) , und da dürfte kaum eine voraus- 
gegangene Handelssperre die Veranlassung gewesen sein. 

Etwas mehr Beispiele haben wir dann dafür, dass der Rath 
einer Stadt oder auch der Kaiser^) oder der Landesfürst ^) in ein- 
zelnen Fällen, wo es sich um Uebertragung des Benützungsrechtes 
einer freigewordenen Kammer auf einen neuen Bewerber oder um 
Verlängerung des Benützungsrechtes handelte, das Gesuch desselben 
durch eigene Schreiben unterstützte ''). Und es ist nur zu bedauern, 
dass deren nicht mehr auf uns gekommen sind. Denn sie wären 
ein wesentliches Hülfsmittel für die Erkenntniss, welche Städte bei 
dem venetianischen Handel betheiligt waren. 

Das Capitolare gibt darüber ja fast gar keinen Aufschluss: 
kaum dass ein paar Städte wie Nürnberg, Villach, Laibach, Biberach 
ein- oder zweimal erwähnt werden. „Es ist auch wirklich," sagt 
Heyd mit Recht ^), „an einem Orte, wo es sich in der Hauptsache 
um Instruktionen für die venetianischen Beamten am Fondaco han- 
delt, nicht viel in dieser Richtung zu suchen." Wenn er aber hin- 
zufügt, dass hier deutsche Quellen in die Lücken treten müssten, 
so ist nur leider wiederholt zu bemerken, dass dieselben für die 
älteste Zeit uns gar sehr im Stich lassen. Kaum ein Archiv der 
hier in Frage kommenden Städte reicht ja, wie ich schon in dem 
Vorwort®) angedeutet, in seinen Beständen weit über den Anfang 
des 15. oder über den Schluss des 14. Jahrhunderts zurück. Es 



% 



^) Herzog Albrecht III. erlaubt zwar schon am 9. November 1389 den 
Laibachern, dass sie mit Venedigischer hab und all Kauffmannschafft arbeiten 
und die gefueren mugen her gegen Wien und in all ander unser Stett und 
Markht . . . (Archiv für Landesgeschichte des Herzogthums Krain Bd. II S. 247; 
s. Dimitz, Geschichte Krains Th. I S. 254), aber vielleicht erhielten die Laibacher 
diese Waaren damals erst aus zweiter Hand. — ^) s. Bd. I Nr. 244; allerdings 
ist zu erwähnen, dass kurz vorher die Republik mit dem Herzog von Oesterreich, 
dem „Herrn" des Heinrich von Liechtenstein, im Krieg sich befunden hatte. 

— ') s. Capit. p. 137 c. 248. — ') s. Bd. X Nr. 513, 582. - ^) ebda. Nr. 557, 582. 

- «) ebda. Nr. 851, 361-363, 470. — ') Hist. Zeitschr. S. 203. — «) S. VÜI. 



Geschichtliches. 43 

ist daher um so erfreulicher, dass gerade hier wenigstens für das 
14. Jahrhundert die venetianischen Quellen einigermassen als Er- 
gänzung dienen können. Freilich sind, wie im Vorwort gleichfalls 
gezeigt worden, leider auch hier nicht alle ßegisterbände der ver- 
schiedenen Rathskollegien mehr erhalten. Ueberhaupt scheint es 
fast, dass keineswegs regelmässig alle Schreiben der venetianischen 
Regierung in dergleichen Angelegenheiten in den verschiedenen 
Protokollbänden u. s, w. verzeichnet wurden. Wir haben wenigstens 
Kenntniss von verschiedenen Schriftstücken, von denen ich vergeb- 
lich eine Notiz in den erhaltenen Akten zu Venedig gesucht habe. 

Eine vollständige Statistik der Städte und ihrer Be- 
wohner, welche am Handel mit Venedig betheiligt waren, ist übrigens 
auch aus dem Grunde nicht möglich und nicht denkbar, weil, wie 
Ennen sehr richtig mit spezieller Beziehung auf Köln bemerkt^), 
der Rath der Stadt „nur dann Veranlassung nahm, sich um die in 
Venedig ihrer Geschäfte halber weilenden Bürger zu bekümmern, 
wenn sein Schutz oder seine Vermittlung in Rechts- oder Erb- 
schafts- (oder , setzen wir hinzu , in besonderen) Angelegenheiten 
angerufen wurde". Und dasselbe war natürlich erst recht in Venedig 
der Fall. Es ist nur eine zufällige Ausnahme, dass wir aus einigen 
wenigen späteren Jahren, 1508, 1647, ein vollständiges Verzeichniss 
der im Fondaco weilenden deutschen Kaufleute besitzen, deren 
Namen dann leider theilweise so verstümmelt sind, dass es kaum 
möglich ist, ihre deutsche Form und weiter die Heimath der Träger 
derselben zu ermitteln. Sonst hören wir nur immer von Einzelnen, 
die bald von der venetianischen Regierung eine besondere Gunst 
oder eine Entschädigung u. s. w. verlangten oder erhielten, bald mit 
Venetianern in geschäftlichen Angelegenheiten zu thun hatten, sei 
es, dass sie die Gläubiger und jene die Schuldner waren, oder 
umgekehrt^). 

Am lebhaftesten war der schriftliche Verkehr zwischen der 
venetianischen Regierung und dem Rathe einer deutschen Stadt etc. 
zu jenen Zeiten, wenn Kriegshändel, Fehden u. dergl. den Handel 
hemmten und störten, Beraubung oder „Niederlegung" der durch- 
ziehenden Kaufmannsgüter auf der anderen Seite Repressalien her- 
vorriefen. Freigebung der Waaren oder Anspruch auf Entschädigung 
einen längeren Schriften austau seh veranlasste ^). Daran hat es ja 
im Mittelalter nie und nirgends gefehlt: von dieser Seite drohte ja 



') Monatsschrift für rheinisch - westfälische Geschichtsforschung Bd. I 
S. 115. — ^) Im Jahre 1494 befahl der Rath der Zehn den Visdomini des Fon- 
daco, sie sollten in ein alphabetisch geordnetes Buch die Namen der Schuldner 
des Fondaco und die Höhe der Schulden eintragen (s. Bd. I Nr. 596); es ist aber 
im Staatsarchiv zu Venedig nichts dergleichen bisher gefunden worden. — 
ä) s. Bd. I Nr. 25—30, 53, 57, 58, 88, 89, 95, 120—124, 133, 134, 148, 149, 
151, 154, 155, 182, 191, 192, 204, 206—211, 213, 215, 219, 249, 250, 257, 289, 
296, 300, 308-312, 316, 333, 339, 345. 374, 377, 379, 386, 393-399, 406, 421, 
422, 425, 438-442, 476, 517, 583. 



44 



Geschichtliches. 



dem Kaufmann und seinen Waaren grössere Gefahr, als vori 
Länge oder Unwirthlichkeit des Weges. Noch schlimmer, wenn 
dergleichen Unfug, Beraubung, Niederlegung u. s. w. von oben 
herab, von den Landesherren oder dem Kaiser geduldet oder gar 
empfohlen und geboten vs^urde, wie das z. B. bekanntlich von König 
Sigmund im 15. Jahrhundert geschehen ist. 

Sigmund war als König von Ungarn mit der Republik in 
Feindschaft gerathen. Denn diese hatte bei den Thronstreitigkeiten, 
welche in Ungarn nach dem Tode der Königin Maria ausgebrochen 
waren, den einen Gegner Sigmunds, den König Ladislaus von Neapel, 
unterstützt, indem sie ihm gegen eine ansehnliche Summe Dalmatien 
abkaufte, das auf diese Weise wieder unter venetianische Herrschaft 
kam. Ueber diese Zerstückelung seines Reiches war aber Sigmund, 
der sich schliesslich als König von Ungarn behauptete, sehr auf- 
gebracht. Und als er nun 1410 nach dem Tode Kaiser Ruperts 
dessen Nachfolger in Deutschland wurde, gedachte er sich an der 
Republik zu rächen und suchte ihr auf jede Weise Schaden zuzu- 
fügen. Am empfindlichsten glaubte er sie mit zu treffen, wenn er 
ihr den Handelsverkehr mit den deutschen Städten entzog. Schon 
1415 forderte er die oberdeutschen Reichsstädte auf „die Strasse 
nach Venedig fürbass nicht zu suchen" ^). Besonders ernstlich be- 
schäftigte er sich dann in den Jahren 1417 und 1418 mit diesem 
Plan, den deutschen Handel von Venedig abzuleiten. „Zum Ersatz 
dafür verwies er die Städte einerseits auf den Weg durch Ungarn 
nach dem Osten, andererseits empfahl er ihnen fleissigere Pflege 
der Geschäftsverbindungen mit Genua und erwirkte durch einen 
Abgeordneten aus Konstanz annehmbare Bedingungen für den deut- 
schen Handel an diesem Platz. Die Genuesen stellten in Aussicht 
einmal einen reicheren Markt, da ihre Lastschiffe viel mehr fassten, 
als die Galeeren der Venetianer, sodann massigere Zölle, endlich 
freiere Bewegung im Handel und Wandel. Den deutschen Kauf- 
leuten sollte in Genua kein Anlass gegeben sein zu Beschwerden, 
wie sie solche in Venedig mit Recht führten : dass sie nämlich Nachts 
in einen Fondaco eingeschlossen seien ^); dass sie die mitgebrachten 
Waaren in einer bestimmten Zeit (und zu einem bestimmten Preis) 
verkaufen und den Erlös wieder in Waaren anlegen müssten (statt 
ihn in baarem Geld mit nach Hause zu nehmen) ^) ; dass sie mit 
ihrem Geld und mit ihren Waaren nicht auch die Schiffe besteigen 
dürften, welche von dort nach dem Orient aussegeln ^). Gleichzeitig 
versprach auch der Herzog von Mailand, die deutschen Kaufleute, 
welche auf der Reise nach oder von Genua sein Gebiet passiren, 
in Hinsicht auf Transitzölle glimpflich zu behandeln" ^). 



^) Finke, König Sigmunds reichsstädtische Politik von 1410 — 1418 (1880) 
S. 61. — 2) cf. oben S. 16. — ^) cf. oben S. 31. — ') cf. oben S. 32. - ^) Heyd, 
Gesch. des Lev.-H. Bd. JI S. 722 aus den , Deutschen Reichstagsakten " Bd. VII 
S. 359 — 361, woher auch die oben eingeklammerten Zusätze. 



Geschichtliches. 45 

So verlockend diese Anerbietungen waren, sie fanden trotzdem 
bei den betheiligten Städten wenig Anklang. Schon zu Anfang 
des Jahres 1418 finden wir, dass Ulm, Augsburg, Nürnberg Schritte 
thun, um vom Kaiser die Aufhebung des Handelsverbotes mit Venedig 
zu erwirken ^). Als dies nichts fruchtete, fügte sich wohl die Mehr- 
zahl der Städte : Augsburg warnt schon im Februar ^) und dann im 
März seine Kauf leute, beziehungsweise empfiehlt ihnen Abwicklung 
ihrer Geschäfte in Venedig u. s. w. ; ebenso dann — wohl erst nach 
den erneuten schärferen Erlassen Sigmunds im Juli und August — 
Nürnberg. Allein hier half das Verbot nicht sehr viel. Wir lesen, 
dass 15 der dortigen Kauf leute wegen Ausserachtlassung des Ver- 
botes um eine Summe Geldes gestraft wurden ^), Und auch als im 
März 1420 der Rath der Stadt allen seinen Bürgern, die „in Kauf- 
mannschaft oder Legerherrenweise'*) zu Venedig gelegen sein oder 
liegen", ernstlich befahl, innerhalb 14 Tagen zurückzukehren und 
den Verkehr mit Venedig abzubrechen, da vermochte er mit diesem 
Gebot nicht durchzudringen. Ueber 20 Bürger wurden in dem 
nämlichen Jahre wegen Ungehorsams mit dem Thurme bestraft; 
einige mussten gar ein halbes Jahr nach Augsburg ziehen und sich 
der Handelschaft ganz enthalten ^). Der Rath war aber einsichtig 
genug, zu erkennen, dass er sich damit in's eigene Fleisch schnitt, 
und bemühte sich nun um so eifriger, im Bunde mit anderen, gleich 
interessirten Städten, wie z. B. Ulm, den Kaiser zur Zurücknahme 
des lästigen Verbotes zu vermögen (1420 und 1423) '^). Wirklich 
kann der Rath den befreundeten Städten Ulm und Konstanz am 
24. November 1423'') mittheilen, dass Sigmund unter Ausstellung 
eines Gnadenbriefes (wovon Abschrift beigelegt wird) „die Strasse 
gegen Venedig wieder geöffnet und erlaubt hat" — vielleicht aller- 
dings eben nur im Gnadenwege, ohne Aufhebung der allgemeinen 
Handelssperre. Im Jahre 1426 wenigstens wird dieselbe als noch 
fortdauernd erwähnt*), und im März des folgenden Jahres 1427 
beklagt sich der Rath von Nürnberg bei Sigmund, dass Hans von 
Vilibach und Andere — offenbar auf Grund des Handelsverbots — 
aus Venedig zurückkehrende Kaufleute mit ihren Waaren nieder- 
gelegt habe^), und sucht im Herbst desselben Jahres 1427 den 
Rath von Ulm zu einer gemeinsamen Vorstellung bei Sigmund 
zu bewegen 10). Endlich 1428 im Herbst und 1429 am 24. Sep- 
tember gestattet dieser wiederum den Handel mit Venedig ^i) — 



') Deutsche Reichstagsakten Bd. VII S. 347 Nr. 232 und S. 370 Nr. 248; 
cf. Finke a. a. 0. S. 63. - ') s. Bd. I Nr. 319 und Reichstagsakten Bd. VII 
S. 370. — ^) Roth, Geschichte des Nürnbergischen Handels Bd. I S. 111. Wenn 
Finke S. G3 sagt: ^Nürnberg scheint das Verbot vorläufig umgangen zu haben", 
80 ist das nicht geschickt ausgedrückt. — *} Legerherre, „der ein grosses 
Waarenlager hat" Lexer, Mittelhochd. Handwörterb. I, 1859; cf. Reichstagsakten 
1. c. S. 417 Nr. 288. - ') Roth 1. c. S. 112. — «) cf. Finke S. 64 und Bd. I 
Nr. 334, 335. — ') ebda. Nr. 336. — ^) Aschbach, Geschichte Kaiser Sigmunds 
Bd. III Beil. Nr. 8. - ') s. Bd. I Nr. 348. — ^°) ebda. Nr. 350. — ^') ebda. 
Nr. 352 u. 359. 



46 Geschichtliches. 

um zwei Jahre später , 1431 , als er neuerdings aus politischen 
Gründen mit der Republik auf gespanntem Fuss stand, den Verkehr 
wieder zu untersagen ^). Hingegen hat er im letzten Jahre seiner 
Regierung, 1437, als zwischen der Republik und dem Patriarchen von 
Aquileja Streit ausbrach und der letztere vom Baseler Concil sogar 
das Interdikt gegen Venedig erwirkte, worauf dieses an den Papst 
appellirte, für die Republik Partei ergriffen und den Handel mit 
derselben bis zur Entscheidung des Papstes rückhaltlos erlaubt^). 

So waren diese kriegerischen Verwicklungen nicht im Stande 
gewesen, die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Venedig 
auf längere Zeit za unterbrechen oder ganz aufzuheben. Für uns 
aber haben sie einen Vortheil : nämlich den, dass wir durch einzelne 
kaiserliche Erlasse über die wenigstens zeitweise Handelsverbindung 
einiger deutscher Städte mit Venedig, wie z. B. von Worms, Speier, 
Mainz im Jahre 1418 ^), unterrichtet werden, von welcher wir sonst 
keine Kunde besitzen. 

Wir kehren damit zu der früher aufgeworfenen Frage, 
welche Städte und Landschaften Deutschlands an diesem 
Handel betheiligt waren, zurück. 

Aus einem werthvoUen Dokument, auf welches wir später noch- 
mals zurückkommen werden, wissen wir, dass im Jahre 1474 und 
offenbar schon seit längerer Zeit die im Fondaco weilenden deutschen 
Kaufleute zwei Tafeln (Gruppen) bildeten, denen die Leitung der 
gemeinsamen Angelegenheiten zustand. Die eine dieser Tafeln — 
der Name beweist, dass diese Gruppirung auf die Scheidung bei den 
Mahlzeiten zurückzuführen ist — wurde durch Regensburg und die 
Schwaben, die andere durch Nürnberg gebildet. Heyd versucht 
im Anschluss hieran'^) nun folgende Gruppirung der am venetia- 
nischen Handel betheiligten Städte, die wohl im Wesentlichen richtig 
sein dürfte. 

Der Regensburger- und Schwaben-Tafel weist er zu: 
Regensburg, Augsburg, Ulm, Biberach, Ravensburg, Konstanz, Wien, 
Enns, Linz, Gmunden, Salzburg, Laibach; der Nürnberger Tafel 
dagegen: ausser Nürnberg Köln, Basel, Strassburg, Speier, Worms, 
Mainz, Frankfurt, Lübeck. 

Wir lesen nun allerdings auch von einer anderen Eintheilung: 
dass am Anfang des 15. Jahrhunderts z.B. an einer Tafel die Kauf- 
leute der Reichsstädte, an der anderen jene aus Landesfürsten unter- 
gebenen Städten sassen^). Ein ander Mal hören wir gar von vier 
Tafeln^); und noch einfacher wäre vielleicht die Scheidung in Kauf- 
leute aus ober- und in Kaufleute aus niederdeutschen Städten. Wir 
wollen aber der von Heyd vorgeschlagenen Gruppirung folgen und 
nun im Einzelnen die Städte betrachten, die wir in Handelsbeziehung 
mit Venedig finden. 



1) Aschbach Bd. IV S. 53. — ^) s. Bd. I Nr. 413. - ^) Reichstagsakten VIT, 
S. 370 Nr. 249. — ') Hist. Zeitschr. a. a. 0. S. 203. — ^) s. Bd. I Nr. 357. - «) ebda. Nr. 524. 



Geschichtliches. 47 

Da ist nun also an erster Stelle Regensburg zu nennen: 
an erster deshalb, weil es, wie glaublich berichtet wird, am frühesten 
mit Venedig in Handelsbeziehung getreten ist. In den Beschwerde- 
punkten, welche der Magistrat von Regensburg um 1462 Herzog 
Ludwig dem Reichen von Landshut in Betreff einer zu Oetting 
geforderten Maut hatte übergeben, und wozu er einiger Kaufleute 
Aussagen hatte sammeln lassen, heisst es nämlich ^), dass die Regens- 
burger Kaufleute „als lang man sein gedenkt und länger wann (denn) 
Gedächtniss ist" gewisse Zollermässigung genossen: „wann (denn) 
sie waren die ersten aus diesen Landen, die dy Strassen 
gen Venedig hinein baueten, nach der Zeit, und (als) die 
Walhen gewönlich hie zu Regensburg mit ihrer Kaufmannschaft 
gelegen waren." Es stimmt damit, wenn wir lesen ^), dass die 
Regensburger von Alters her den obersten Platz im Fondaco (ver- 
muthlich eben an den Tafeln) einnahmen und dass ihr Wappenschild 
daselbst zu oberst angebracht war^). Einen genaueren Zeitpunkt 
aber für den Beginn dieses direkten Handelsverkehrs von Regens- 
burg nach Venedig vermögen wir ebensowenig anzugeben, als früher*) 
für den deutsch-venetianischen überhaupt. Nicht einmal aus dem 
13. Jahrhundert können wir dafür ein direktes Zeugniss beibringen. 
Nur aus dem Umstand, dass Pelzwaaren, deren in einer venetiani- 
schen Urkunde vom Jahre 1242 Erwähnung geschieht, damals ein 
Haupthandelsartikel der Regensburger waren, zieht Erdmannsdörfer 
wohl mit Recht einen Schluss auf die Existenz des Regensburgischen 
Handels nach Venedig bereits in jener Zeit. 

Erst im 14, Jahrhundert tauchen dann Personen auf, die als 
Vertreter dieser Beziehungen erscheinen: zuerst meist nur mit Vor- 
namen^) genannt, da die Familien- und Geschlechternamen erst später 
üblich werden. Da finden wir nun folgende erwähnt: 

1 322 einen Conradus, einen Otto, einen Andreas und einen Mari- 
nellus, die vielleicht in einer Gesellschaft vereinigt waren ^); 

1330 Berthold Sinzenhofer ^) ; 

1331 und 1341 einen Leopardus*); 

1342 einen Georgius und Johannes ^) ; 

1343 einen Altemannus ^^) und einen Conradus ^^); 
1345 Wolfhard Stral und Ulrich Vallei^^); 
zwischen 1345 und 1354 Weymar Davit ^^); 

zwischen 1355 und 1388 Markus Prunnhofer und Franziskus 
Furtrer ^*). 



') Gemeiner, C. Th., Ueber den Ursprung der Stadt Regensburg S. 49 
Anm. 74; cf. Erdmannsdörfer, De commercio etc. p. 12. — ^) Gemeiner, Regens- 
burgische Chronik Bd. II S. 205 Anm.; cf. Heyd, Hist. Zeitschr. S. 203. — 
') Hierüber , sowie über Streitigkeiten , die daraus entsprangen , siehe weiter 
unten. — *) cf. oben S. 6. — *) Ich lasse hier im 14. Jahrh. die lateinische 
Form, da die entsprechende deutsche öfters ungewiss ist. — *') Bd. I Nr. 69. — 
') ebda. Nr. 86. — ") ebda. Nr. 88—89, 799. -- ») ebda. Nr. 801. - '") ebda. 
Nr. 804. — ") ebda. Nr. 805. - '^) ebda. Nr. 110. - ^^) ebda. Nr. 124. — 
'*) ebda. Nr. 257. 



48 Geschichtliclies. 

Ausserdem gedenkt Gemeiner noch zu folgenden Jahren dieses 
14. Jahrhunderts des Handels mit Venedig: 1359^), in welchem 
Warnungsbriefe auf alle Strassen , darunter auch nach Venedig, 
wegen verschiedener Fehden abgeschickt wurden; 13G2 ^) Aufhaltung 
der aus Venedig kommenden Fuhrleute und Wegnahme aller Güter, 
die den Regensburgern gehörten^ durch Herzog Meinhard von Tirol; 
1364^): der Rat lässt sich von Herzog Stephan von Bayern eine 
Verschreibung ertheilen, dass „die Güter der Regensburger Kauf- 
leute in dem Krieg mit den Herzogen von esterreich die Strasse 
von Venedig her mit aller trockner Kaufmannschaft und mit Vastmus, 
mit Malvasier und mit Chriechel durch Ober- und Niederbayern sicher 
und unbesorgt fahren könnten"; 1386^): , blühender Handel noch nach 
Venedig"; 1391^): „der Pfleger (Pfalzgraf Ruprechts des Jüngeren 
von Bayern?) Seitz Puchberger nimmt dem Kaufmann Zierenschaub 
auf der Strasse von Landshut all sein von Venedig mit sich geführtes 
Gut weg." Zwischen 1376 und 1400 zur Regierungszeit König 
Wenzels werden Matthäus Rantinger und Franz Putreich aus 
Regensburg in Venedig erwähnt *"). 

Ebenso wie im 14. dauerten im 15. Jahrhundert Handel und — 
Plackereien fort. So berichtet Gemeiner zum Jahre 1409 von der 
Unsicherheit der Strasse gen Venedig ^). „Im Jahre 1457 nöthigten 
die Herzoge Albrecht und Ludwig von Landshut die Handelsleute 
von Regensburg, ein neues ungewöhnliches Geleit zu lösen, sobald 
sie Venedigisches und anderes beschlagenes Gut geführt" ^). Die 
Regelmässigkeit dieses Handelsverkehrs in dieser Zeit geht aber 
besonders daraus hervor, dass im Jahre 1464 unter dar Amtsführung 
Lucas Pfisters (Kamrer in der 1. Hälfte) und Erasmus Trainers 
(Kamrer in der 2. Hälfte bis Michaelis) und Leonhard Grafenreuters 
(Schultheiss) „zum Bau der Pulten (volta, Gewölbe) im Deutschen 
Hause zu Venedig acht ungrische Dukaten angewiesen und auch 
Bettgewand nach Venedig Übermacht wurde" ^). 

An Namen begegnen aus dem 15. Jahrhundert: 
1403 eine Wittwe Katharina Krähberger mit ihren Söhnen Ulrich' 

und Jakob, die von ihrem Gatten noch eine in Venedig einzu- 

kassirende Schuld erhalten hatte ^'^); 
1476 Andreas Feldner i^); 
1483 und 1486 Thomas Curth oder Curtus (Kurz?) — vielleicht 

derselbe, der bereits 1468 genannt wird^^) — der im Jahre 

1483 mit einer Schuldenlast von 6200 Dukaten in Venedig 

fallirte^s). 

Vielleicht waren auch die 



1) Chronik II, 108. - ') ebda. II, 123. - ^) ebda. II, 133; cf. oben 
Bd. I Nr. 202. — *) Chronik II, 228. — ^) ebda. II, 280. — ^) cf. Heyd, Hist. 
Zeitsehr. a. a. 0. S. 208 ; cf. später unten. — ') Gemeiner II, 388. — **) ebda. 
III, 266. — ») ebda. III, 389. — '") s. Bd. I Nr. 284. - '') ebda. Nr. 539, 542, 
543. - 12) ebda. Nr. 512. — ^^) ebda. Nr. 561, 571, 573. 



Geschichtliches. 49 

1483 erwähnten ^) Johannes Limpech und Johannes Zodoler Regens- 
burger, da in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Wolf- 
gang Lympeck in Regensburg erwähnt wird ^) ; 
1487 wird ein Juwelenhändler Justus aus Regensburg als Zeuge 
in Venedig genannt^). 

Ausserdem erscheint ein Konrad Gruber ohne weitere Be- 
zeichnung und ohne Jahreszahl, ein Johannes Speringer, „Bürger" 
von Regensburg (gestorben 1450), und ein Stephan Landolt von 
Regensburg (gestorben 1471), der als (venetianischer?) ,tabellio' 
bezeichnet ist, unter den in Venedig bestatteten Deutschen*^). — 

Gehen wir von Regensburg die Donau hinab, so ist zunächst 
Passau zu erwähnen, über dessen Handel nach Venedig bis jetzt 
freilich nur wenige Notizen vorliegen. 

Ausser der immerhin nicht unwichtigen Erwähnung der Kauf- 
leute aus Passau 1375^), welche für den Weg über Latisana nach 
Venedig eintraten, ist mir nur ein hierauf bezügliches Aktenstück 
vom 3. Dezember 1490 bekannt ^) : ein Schreiben des Dogen Augustinus 
Barbadico an den Bischof (Christophorus) von Passau, worin diesem 
der Venetianer Johannes Belforte empfohlen wird, der in Passau 
Schulden einkassieren will. — 

Wir gelangen dann weiter zu den österreichischen Städten 
Linz, Enns, Steyr, Wels u. s. w., an deren Spitze wir füglich 
Wien stellen. 

Schwerlich viel später als die Regensburger werden diese Städte 
den Weg nach Venedig gefunden und ,bebaut' haben. „Kaufleute 
von Venedig, die nach esterreich kamen, werden in einer Urkunde 
genannt, welche Herzog Friedrich der Streitbare 1244 den Bürgern 
von Neustadt verliehen hat" ''). „Dann," klagt Kurz weiter, „schwei- 
gen die Urkunden langer als hundert Jahre von dem Handel nach 
Venedig; und machen sie in der Folge von ihm wieder eine Er- 
wähnung, so geschieht dies nur eines Streites halber, welchen die 
Wiener zur Einschränkung des freien Handels der Bürger von 
Pettau angefangen und siegreich ausgefochten haben. Die letzteren 
behaupteten nämlich das Recht zu besitzen, über den Karst nach 
Venedig Handel zu treiben. Da die Bürger von Linz, Enns, Steyr, 
Wels, Freystadt, wie auch die Wiener auf Befragen des Herzogs 
Albrecht dieses Recht bestritten, entschied derselbe im Jahre 1368 
gegen die Pettauer ^). — Doch gab es schon etwas früher, in den 
50er und 60er Jahren, über den Weg nach Venedig Streitigkeiten 
zwischen den Wienern und den Kaufleuten anderer Städte ^), wobei 
die Wiener von den österreichischen Herzögen wiederholt begünstigt 

') s. Bd. I Nr. .559. — ^) s. Verhandlungen des historischen Vereins von 
Obei-pfalz Bd. XXXVIT S. 231. — ^) s. Bd. I Nr. 577. - ") bestattet in S. Giovanni 
e Paolo, cf. später bei den Grabschriften. — *) s. Bd. I Nr. 231. — ®) s. Monumenta 
Boica tom. XXXI p. 052. — ') Kurz, Oesterreichs Handel in älteren Zeiten 
S. 187. — ") ebda. S. 35. - *) s. Weiss, Geschichte der Stadt Wien 2. Aufl. 1881 
Bd. I S. 416 ff. 

4 



50 Geschichtliches. 

wurden, indem ihnen z. B. 1351 und 1361 verstattei wwrdeT die 
Strasse über „die Zeiring" in Steiermark nach Venedig und jene nach 
Laibach mit ihren Pflegern zu besetzen und die Waaren derjenigen 
jiKaiufleute zu konfisziren, welchen die Benützung dieser Strasse yer- 
, boten war. Im Jahre 1362 dürfen sie einen Pfleger in Yenzone 
.oder Peuscheldorf aufstellen zur Ueberwachung, damit kein Kauf- 
mann nach Venedig auf einer anderen als der von den Wienern 
benutzten Strasse über den Semmering fahre. Und zur Bestreitung 
der Kosten dieser Aufsicht hatten sie seit Rudolf IV. das Recht. 
<von den Kaufleuten zu Wiener-Neustadt, Judenburg, Friesacb und 
AViUach für jeden nach Venedig fahrenden und von dort kommenden 
\Wagen 32 Pfennige einzuheben — ein Recht, das ihnen Albrecht IIL 
am .5. Oktober 1366 bestätigte" ^). 

.^Ebensowenig erfreulich," iahrt Kurz fort^), „für die Beför- 
dernswag des Handels nach Venedig waren die späteren Verordnungen 
unserer Herzoge," Und er erinnert an die wiederholten Befehle^ 
dass es Niemandem, als nur den Bürgern gewisser privilegirter Städte 
i(Wiip4 wenigen Begünstigten, die „ein eigenes Befugniss" erhielten,, 
.gestattet werden sollte, nach Venedig zu handeln. „Waruna verbot 
man .denn nähere und für verschiedene Gegenden sehr gelegene 
^Strassen und nöthigte sie, mit Zeitverlust und grösserem Kosten- 
aufwand weite Umwege zu machen?" Um eben einzelnen Städten 
alle die aus solchem Strassenzwang entspringenden Lokal- Vortheile 
zuzuwenden! So erhielten die Bürger von Steyr im Jahre 1370 von 
Herzog Albrecht die Aufsicht darüber, dass venetianische Waaren 
jiicht auf verbotenen Strassen über den Pyrn, über Rastadt oder durch 
:3,ndere Orte, sondern allein über Zeyring eingeführt würden^). 
IJ^nen zu lielj wurde 1410 den Kirchdorfern der „Vorkauf und die 
Verführung" venetianischer Waaren über Zeyring und überhaupt auf 
allen Strassen, sowie auch des Eisens über die Burchau und über 
den Pyrn bei Strafe der Konfiskation verboten. Den Bürgern der 
^tadt Waidhofen war schon 1372 und wurde dann in den Jahren 
1443 und 1460 der Handel nach Venedig nur mit der Einschränkung 
verstattet, dass sie nicht mehr nach Hause bringen durften, als ihr 
eigener Bedarf erforderte. Erst im Jahre 1501 wurde ihnen der 
Handel mit venetianischen Waaren innerhalb eines Bezirkes von drei 
Meilen erlaubt"^). 

Zu Gunsten der Wiener verbot Herzog Albrecht im Jahre 
1386 und 1389 neuerdings den Kaufleuten, die nach Venedig Handel 
trieben, sich der Strasse über den Karst und nach Pettau zu bedienen, 
und befahl, dass sie sowohl hinein nach Venedig als auch von dort- 
her zurück nach esterreich über den Semmering und durch Villach 
reisen sollten. Nur den oben genannten Städten Linz, Enns, Steyr, 




1) Weiss a. a. 0. — 2) a. a. 0. S. 187. — ') Kurz S. 53; cf. Urkunden- 
buch des Landes ob der Enns Bd. VIII Nr. 501, 508, 628. — *) Kurz S. 54, 
55. 58; cf. Urkundenbuch des Landes ob der Enns Bd. VIII Nr. 627. 




Geschichtliches. 51 

Wels, Freystadt war vermöge früherer Privilegien der Weg über 
die Zeyring erlaubt^) — , lauter Massregeln, " urtheilt Kurz ^), „die 
dem Staat nichts eintrugen, den Handel nach Venedig erschwerten 
und nur darauf ausgingen, einige Stapelstädte, nämlich Wien, Steyr 
und Enns auf Kosten Anderer zu bereichern." „Anstatt die öster- 
reichischen Unterthanen auf alle mögliche Weise aufzumuntern, die 
einheimischen Erzeugnisse in's Ausland und vorzüglich nach Venedig 
zu verführen, wohin für ausländische Waaren jährlich grosse Suramen 
Geldes aus unseren Provinzen wanderten, hielt man sie vielmehr 
durch unkluge Verbote davon ab" ^). Den Bürgern von Krems 
und Stein wurde der Handel mit Venedig erst am 30. Dezember 
1462 von Kaiser Friedrich HL als Belohnung für die ihm gegen 
die aufständischen Wiener geleisteten Dienste verstattet '*^). 

Höchst sonderbar ist auch die Grenze, welche betreffs des 
venetianischen Handels zwischen Krämern und Kaufleuten in Wien 
gezogen war oder wenigstens im Jahre 1432 durch eine Verordnung 
Herzog Albrechts gezogen wurde. Nach derselben durften die Krämer, 
d. h. die Handelsleute, welche Waaren im Kleinen nach der Elle 
und nach dem Pfunde verkauften, nicht selbst nach Venedig fahren, 
reiten oder Jemand um Waaren dahin schicken. Was sie von 
venetianischen Waaren, die ihijen zu verkaufen erlaubt waren, nöthig 
hatten, mussten sie von den privilegirten Kaufleuten (Grosshändlern) 
in Wien einhandeln. Wollte ein Krämer selbst nach Venedig fahren 
und sich dort Waaren einkaufen, so musste er aus der Krämerzunft 
austreten, ein Kaufmann werden und auf die Kramerei Verzicht thun. 
Ebenso musste der Kaufmann, der nicht nach Venedig reisen und 
sich mit dem Kleinhandel abgeben wollte, die Kaufmannschaft auf- 
geben und ein Krämer werden^). »Die nothwendige Folge davon 
war eine Vertheuerung dieser ausländischen Bedürfnisse, welche durch 
das Monopolium der Grosshändler erzeugt wurde. Das Unschickliche 
dieser Handelsverordnung erregte endlich eine so grosse Unzufrieden- 
heit und so laute Klagen, dass sich Herzog Albrecht bewogen fand, 
den Krämern 1435 die Befugniss einzuräumen, selbst nach Venedig 
zu reisen und sich von dorther ihre Waaren kommen zu lassen" ''). 
Die Ueberlieferung von Namen Wiener, mit Venedig handelnder, 
Kaufleute beginnt erst im 14. Jahrhundert und zwar im Jahre 

1301 mit einem gewissen Henghelprettus (Engelbrecht?) und Fri- 
dericus '^) ; dann folgt 

1313 ein Conradus, der auch 1316 und 1329 genannt wird ^). Im 
nämlichen Jahre 

1316 und dann 1319 erscheint ein Henricus ^), vielleicht derselbe, 
der in einer anderen Urkunde vom Jahre 1319 Henricus Sandoli 
genannt wird ^"). Es folgen 

') Kurz S. 35, :W. - ^) ebda. S. 188. — '') ebda. S. 189. — ') cf. Chmel, 
Regenten Friedrichs III. S. 398 Nr. 3959. — ') Kurz S. 105. — *) ebda. S. 188. 
— ') Bd. 1 Nr. 16. — '') ebda. Nr. 37, 42, 85. - ») ebda. Nr. 46, 56. - 
^") cf. später bei den Urkunden zum , Anhang". 



52 Geschichtliches. 



1322 ein Christian i) ; 

1339 ein Nicolaus ^), vielleicht identisch mit dem 1359 genannten 
der in Venedig stirbt ^) und über dessen Hinterlassenschaft, wie 
besonders über die des Johannes Schraanzer (Smanzarius) ^) aus 
den Jahren 1360 — 1362 mehrere Schriftstücke überliefert sind, 
die zwischen Venedig und den österreichischen Herzogen u. s. w. 
gewechselt wurden^). Weiter werden genannt 

1367 ein Henichinus mit seinem Diener (oder Geschäftsführer) 
Nicolaus und als seine Mandatare ein Fridericus , Sohn eines 
Martinus, und ein Thomas (1368) *"); 

1368 ein anderer (oder derselbe?) Nicolaus ^); 
1376 Konrad Gensceler^); 

1390 und 1391 Heinrich und Johannes Rock (Rochus)^); 

1391 ein Martinus Teraza^*^), ferner ein Bofardus (Wulfhard) und 
ein Stephanus ^ ^) ; 

1403 ein Henricus^^); 
1418 Matthäus Bister 13); 

1430 Nicolaus Fenaver (Vanaver) und (vorher) Nicolaus Granata '^'^); 
1432 Simon Putel und Ulrich Carner, Theilhaber der Handels- 
gesellschaft ,Subelbissar' 1°); 
1438 und 1440 Heinrich Haiden (Enricus Paganus) ^ ^) ; 
1447, 1461, 1463 und 1469 Simon Putel oder Puotel (Poetl)i^), 

derselbe, der schon 1432 genannt worden; 
1463 ferner und 1469 Ulrich (oder Heinrich) Perman^^) und 
Christoph (oder Christian) Chorinfail (Karnfail) ^^) (Stiefsohn und 
Neife Simon Puotels); 
1469 ausserdem noch Heinrich Carner ^'^). 

Ob der 1476 erwähnte Marcus Carne^^) ebenfalls ein Wiener 
und aus demselben Geschlechte, wie der ebengenannte Heinrich 
Carner oder vielleicht aus Laibach gewesen ist, muss dahingestellt 
bleiben ; ebenso ob der 1488 genannte Busfardo Cronier da Jenum^^) 



1 




^) Bd. I Nr. 68. — ^) ebda. Nr. 794. — ^) I libri Commemoriali (Regesti von 
Predelli in den Monumenti der Deputazione Veneta) lib.VI no. 154. — ^) Nach Lazius, 
Wienerische Chronik (Deutsche Ausg. v. 1619) Buch IV S. 39 war ein Joh. Smanzarius 
in den Jahren 1357 — 59 Stadtrichter in Wien. — ^) Commem. lib. VI no. 154, 
155, 167, 211; 190, 192, 194, 196, 199, 221, 232, 286, 309, 352, 353 354; cf. Bd. 1 
Nr. 182 u. 184. — ^) Commem. lib. VII no. 385 u. 386, wo ein auf jenen Thomas 
bezüglicher Passus fehlt. - ') Bd. I Nr. 216. — ') ebda. Nr. 237. - «) ebda. 
Nr. 263-265; cf. Lazius a. a. 0. IV, 17. — ">) Bd. I Nr. 264. — ") ebda. Nr. 266. 
- 1-) ebda. Nr. 815. - '=*) ebda. Nr. 820. - '*) ebda. Nr. 821. - '^) ebda. 
Nr. 390; cf. Anm. 17. — >") cf. Lazius a. a. 0. IV, 22 und oben Bd. I Nr. 416, 
420. — ") Bd. I Nr. 423, 492, 495; cf. Birk, Urkundenauszüge zur Gesch. Fried- 
rich's III. in den Jahren 1452 — 1467 im Archiv für Kunde Österreich. Geschichts- 
quellen Bd. XI S. 161 Nr. XV ad a. 1463; Wiener Copey-Buch in den Fontes 
Rer. Austr. Abth. II Bd. VII S. 206 und Lazius a. a. 0. IV, 17. — '«) Lazius 
a. a. 0. IV, 20. - '^) Bd. I Nr. 495, 513 (cf. 574); s. Archiv f. K. ö. G. Bd. XI S. 162 
Nr. XVI. — 20) ebda. Nr. 513. — "'') ebda. Nr. 544. — ^^) ebda. Nr. 581; 
Jenum statt Vienna? oder = Jenua, Janua, Genf? 



Geschichtliches. 53 

vielleicht ein Glied der Wiener Familie Chronp erger i) oder etwa 
ein Genfer gewesen ist. 

Aus den übrigen oben erwähnten österreichischen Städten finden 
sich nur wenige Theilnehmer mit Namen genannt. Aus Enns war 
wohl der 1390^) genannte Peter Gramer (Croma); wenigstens war 
ein Mann gleichen Namens 1384 und 1386 daselbst Stadtrichter ^). 

Aus Ips werden ein Henricus und ein Guarnerius (Werner) 
zum Jahre 1342 genannt*). 

Gehen wir von Wien südwärts, so gelangen wir zunächst nach 
Neustadt, noch im Herzogthum Oesterreich, von wo ein ,Rodulfus 
super Foncam' im Jahre 1376 als mit Venedig in Handelsverbindung 
stehend erwähnt wird''), und weiter dann nach Steiermark. 

Hier erscheint namentlich die Stadt Judenburg an diesem 
Handel betheiligt. Wir finden von dort im Jahre 1432 einen 
Roschof und einen Leonardus, die wenigstens in Conegliano Geschäfte 
trieben •"), erwähnt; und aus einer späteren Urkunde vom Jahre 1484 
ersehen wir, dass die Stadt oder eine Handelsgesellschaft im Fondaco 
eine eigene Kammer für ihre Angehörigen inne hatte oder richtiger 
inne gehabt hatte , da , wie es ebendaselbst heisst , seit mehreren 
Jahren Niemand mehr von Judenburg nach Venedig gekommen war, 
weshalb die Kammer provisorisch anderweitig vergeben wurde '^). 

Dass die Stadt Pettau in Steiermark mit Venedig in Handels- 
beziehung stand, geht aus dem oben angeführten Streit mit den 
Wienern in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hervor; Namen 
sind uns hier nicht überliefert. — 

In sehr regem Handelsverkehr mit Venedig standen dann, 
schon in Folge ihrer geographischen Lage, die beiden Landschaften 
Kärnthen und Krain. Von den kärnthnerischen Städten mögen 
wohl alle: Friesach, Gmünd, Spital, Villach, St. Veit, Klagenfurt, 
Völkermarkt mehr oder minder an diesem Handel betheiligt gewesen 
sein^). Friesach war um die Mitte des 15. Jahrhunderts Nieder- 
lagsstätte der venetianischen Waaren, welche nach einem Erlass 
Kaiser Friedrichs HL vom 30. Oktober 1458 „hinfür zu ewigen 
Zeiten daselbs beleiben und nicht gen dem Neuenmarkt gelegt 
werden sollte" ^). Namentlich aufgeführt finden wir: 

1318 einen Nicolaus aus Friesach'"); ferner aus Villach: 

1316 einen Gimeterius (Gimbert?) ^'); 

1332 einen Nicolaus de Oseleto^^); 

1345 einen Dyatrichus (Dietrich) und Albertus ^^); 

1376 einen Conradus^^); 

1377 einen AdamitC; Martinus, Georgius und Petrus ^^). 



') Lazius a. a. 0. IV, 22. — "") Bd. I Nr. 263. — ^) s. Oberleitner, Die Stadt Enns 
im Mittelalter im Archiv f. K. ö. G. Bd. XXVII S. 60. — ") Bd. I Nr. 802. — *) ebda. 
Nr. 236. — ") ebda. Nr. 391. - ^) ebda. Nr. .568. — ^) s. Ankershofen, Handbuch der 
Gesch. von Kämthen II. Abth. Bd. I S. 550 — 559 u. Aelschker, Gesch. Kärnthens (1885) 
Bd. I S. 778 ff. — *•) Chmel, Regesten Nr. 3648 ad 1458. - ^o) Bd. I Nr. 54. — ' ') ebda. 
Nr. 48.— '2) ebda. Nr. 782. — ") ebda. Nr. 109. - »') ebda. Nr. 234. — '^) ebda. Nr. 289. 



54 



Geschichtliches. 



Für die Regsamkeit des Verkehrs zwischen diesefr Stadt (Villach) im 
Venedig spricht auch der Umstand, dass ihrer mehrmals im Capi- 
tolare dei Visdomini ausdrücklich gedacht wird : so zum Jahre 
1337 0, 1494 und 1495 2). 

Ausserdem werden Kauf leute aus Kärnthen im Allgemeinen 1322 
erwähnt^). Nicht ersichtlich ist, woher jener Hans und sein Sohn 
Niklas Kaltenhauser waren, denen 1492 (7. Juni) auf 5 Jahre aus- 
schliesslich der freie Handel mit Vitriol, „so man nennt Kupfer- 
wasser " , aus Kärnthen nach Venedig gegen die jährliche Abgabe 
von 100 fl. rheinisch verliehen wurde ^). — 

Von Krain dürfte wohl die Hauptstadt Laibach (Lubiana) 
hier besonders in Betracht kommen. Nach dem, was wir oben über 
die Urkunde vom 5. September 1418 bemerkt haben''), mag es 
füglich bezweifelt werden, ob die Stadt schon vor diesem Jahre 
direkt und selbständig Handel mit Venedig trieb. Unter den in 
unseren Urkunden vorkommenden Kaufleuten sind vielleicht aus 
Laibach: der 

1475 genannte Georg Ciler (Ziller ?)") und . 

1476 Marcus Garne (Kharner?'). 
Ein Larius aus Krain, der aber nur als Krämer bezeichnet 

ist, wird 1356 erwähnt*). — 

Sehr eifrig und alt war gewiss dann weiter der Handelsverkehr 
zwischen Friaul und Venedig. Aber freilich war Friaul daran wohl 
mehr nur passiv betheiligt, da Venedig wegen der Nähe selbst aktiv 
auftrat. Dies geht schon aus den verschiedenen Handelsverträgen 
vom Jahre 1206, 1222, 1248 u. s. w. hervor, welche Venedig mit 
dem Patriarchenstaat , abschloss ^). Gab es doch in Venedig einen 
eigenen Consul (vicedominus) , der über die Aufrechthaltung der 
Rechte der Republik und der Venetianer im Patriarchate zu 
wachen, Klagen wider Venetianer zu entscheiden und für Venetianer 
zu führen hatte. In vmseren Urkunden wird sehr früh, 1225, der 
Kaufleute aus Pordenone gedacht, die mit Venetianern in Geschäfts- 
verbindung standen ^''). Dann werden namentlich aufgeführt aus 
Cividale: 

1362 ein Benvenuta ^0; 

1469 Ludwig Pigliolii2); 

1494 ein Mianus (?) mit seinen Söhnen Johannes und PauP^); 

1497 ein Emilianus (wohl identisch mit dem vorhergehenden)^^); 

1414 ein Antonius, Sohn eines Daniel^''), aus Venzone. — 



1 



') pag. 42 cap. 116. — -) pag. 273 u. 275 cap. 38 u. 40; cf. Ankershofen 
und Aelschker a. a. 0. — ') Bd. T Nr. 67. — *) Muchar, Urkunden-Regesten für die 
Gesch. Inner-Oesterreichs 1312—1500 im Archiv f. K. österr. Gesch. Bd. II S. 495 
Nr. 424. - *) cf. S. 42. — *) Bd. I Nr. 540. Ein Christoph Ziller war 1438—1439 Stadt- 
richter in Laibach; s. Dimitz, Gesch. Krains 1, 301. — ') Bd. I Nr. 544; s. Archiv 
für Krain I, 110. — *) Bd 1. Nr. 162. — ') s. J. v. Zahn, Friaulische Studien im Archiv 
für österr. Gesch. Bd. LVIT S. 354 ff. — '") Bd. I Nr. 1. — '») ebda. Nr. 194. - 
.'2) ebda. Nr. 514. — '^) ebda. Nr. 595. — '*) ebda. Nr. 602. — ''') ebda. Nr. 317. 



Geschichtliches. 55 

Dasselbe wie von Friaul gilt wohl auch von Tirol. Wenig- 
stens fehlt es hier, soweit ich sehe, fast ganz an Nachrichten über 
direkten Verkehr mit Venedig aus dieser Zeit — ein Nicolaus aus 
Bruneck (?) ist der einzige , der aus unseren Urkunden hier zum 
Jahre 1334 zu nennen ist^) — , während wir andererseits z. B. 
wissen, dass die ersten, welche sich bei Herzog Sigmund um die 
Erlaubniss meldeten, Alaun in der Grafschaft Tirol zu suchen und 
zu bauen, zwei Venetianer — Pilgrin Vittori und sein Sohn Marcus — 
waren, denen 1461 ein Privilegium hierüber ertheilt wurde ^). Eifrig 
wurde Tirol auf dem Wege nach Flandern und Frankreich von den 
dahin ziehenden Venetianern besucht^). — 

Wir gehen zu dem benachbarten Salzburger Land über. 
Die Salzburger haben wohl auch schon ziemlich früh den Weg nach 
Venedig gefunden und, wie auch aus unseren Urkunden erhellt, 
ziemlich eifrig an dem Handel dahin direkt Theil genommen. 
L. Hübner in seiner Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen 
Haupt- und Residenzstadt Salzburg *) leitet gerade von diesem Handel 
den blühenden Zustand der Stadt am Anfang des 14. Jahrhunderts 
ab, der sie in den Stand gesetzt, dem Kaiser und anderen Fürsten 
in Kriegszeiten Geld zu borgen u. s. w. Wir finden von dort erwähnt: 
1328 einen Conradus^); 

1340 einen Petrus*^); 

1341 einen Henricus^); 

1409 Ulrich Samer, der „für das Bürgerspital in Salzburg eine 
jährliche Dotation aus den Fonden stiftete, die er bei der 
Commune Venedigs liegen hatte" ^), und im nämlichen Jahre 

1419 Johannes Hoder^); 

1429 Ulrich Elsenhaimer, , wahrscheinlich am lebhaften Speditions- 
handel von Venedig her theilnehmend" ^^); 

1445 Michel Stumpf und Bartholomaeus Tartafer (P)^^); 

vor 1449 wohl auch Leonhard Podmayr^^); 

gegen Ende des 15. Jahrhunderts aber besonders die Familie 
Käser oder Kaserer, über deren namentlich durch den Kaufmann 
Stephan Käser oder Kaserer mit Venedig unterhaltene Handels- 
beziehungen Zeugnisse aus den Jahren 1499^^), 1501^*) (und 
1508^'') vorliegen. 

^) s. Bd. I Nr. 786. — ^) s. Alb. Jäger, Beiträge zur tirolisch-salzburgischen 
Bergwerksgeschichte im Archiv für österr. Gesch. Bd. LIII S. 348. — ') Bd. I Nr. 25, 
27, 28, 386. — ") Theil I (1792) S. 37. - ^) Bd. I Nr. 80. — ") ebda. Nr. 796. — 
') ebda. Nr. 798. — *) ebda. Nr. 297 ; cf. Spatzenegger, Beiträge zur Geschichte 
der Pfarr- oder Franziskanerkirche in Salzburg in den Mittheilungen der Gesell- 
schaft für Salzburger Landeskunde Bd. IX S. 21 und Zillner, Gesch. der Stadt 
Salzburg (1885) I, 347. - ») Erdmannsdöi-fFer, De commercio p. 31. — '°) -T. E. 
V. Koch-Stemfeld, ,Die Elsenhaimer" im Oberbayerischen Ai-chiv Bd. Y S. 184. — 
") Chrael, Regesten Friedrich IV. Nr. 1982. — ^^) cf. A. v. Scheurl in den 
Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg Heft 5 S. 15. — 
'*) Spatzenegger a. a. 0. — ^*) s. Bd. 1 Nr. 615, wo ,Stefano Caiserer* als 
Gläubiger genannt ist; im gleichen Jahre und vorher schon war er Consul der 
deutschen Kauf leute in Venedig ; cf. später die Consuln-Liste. — '*) s. Bd. I Nr. 653. 



56 Geschichtliches. 

Ferner gehört hieher aus der Zahl der in Venedig bestatteten 
Deutschen der 1459 oder 14G9 verstorbene Friedrich Tunckel (Tun- 
chel) ^); 1475 starb ebendaselbst aus Salzburg Michael Holczhauser^). 

1480 (6. Dez.) verlieh Friedrich III. der Stadt das Privileg, 
„auf der Donau mit Venedigischer Wahr in esterreich Kaufmann- 
schaft zu treiben"^). 

Aus dem Salzburger Land finden wir ferner 1343 einen Conradus 
aus Radstadt*). — 

Wir wenden uns nun von Salzburg westlich nach dem eigent- 
lichen Herzogthum Baiern, dessen Haupthandelsplatz Regens- 
burg wir schon oben behandelt haben. Daneben finden wir noch 
München und Landshut in direktem Verkehr mit Venedig, 
obgleich freilich nicht zu verkennen ist, dass derselbe nur ein 
massige» gewesen sein dürfte. Im Jahre 1331 werden einem Hen- 
ricus von München^) und 1337 einem Friedrich Rabenskopf von 
Landshut Waaren auf dem Wege von Venedig heraus geraubt^). 
Bei der Schlussverhandlung über die Entschädigung des Letzteren, 
welche im Fondaco selbst stattfand, wird ausser den Söhnen des 
Beraubten, Berthold und Hermann, noch ein Münchener Richard, 
Sohn eines Conrad, unter den Zeugen aufgeführt. 1333 wird ein 
Ulrich von München in Venedig erwähnt, der aber vielleicht nur 
ein Sensal war '). Weiter lesen wir, wie im Anfang der 70er Jahre 
des 14. Jahrhunderts (vor 1373) Hermann Pütrich in Belluno eine 
Quantität Eisen als Guthaben erhalten hat, welches nach seinem 
Tode (1373) seine Schwiegersöhne Heinrich Diener und Peter Gross 
nunmehr im März 1375 nach Venedig schaffen lassen wollen und 
dürfen, um es da zu verkaufen ^). Und endlich hören wir — dies 
sei mehr nur der Vollständigkeit halber angeführt — , dass Gabriel 
Angler in den Jahren 1434 und 1435 „Varb und Lasur" in Venedig 
gekauft hat zu seinem „Werk" in der Lieb-Frauenkirche Münchens ^). 

Aus Niederbaiern ist vielleicht noch die Straubinger Gegend, 
das Pflegamt Mittervells, anzuführen, wo 1429 ein Heintz Murr, 
Vetter eines Peter Schweinfurter, mit Venedig in direkter Handels- 
verbindung gestanden zu haben scheint ^*^). 

Andere Notizen beziehen sich dann auf den Verkehr der 
Venetianer in Baiern, welches sie auf dem Wege nach Flandern 
u. s. w. in früherer Zeit, z. B. im 14. Jahrhundert, häufig passirten. 
Im Jahre 1 340 (März) erlaubte Kaiser Ludwig IV. Venetianer Kauf- 



^) bestattet in S. Giovanni e Paolo; cf. später bei den Grabschriften. — 
■■') Walz, Die Grabdenkmäler von St. Peter und Nonnberg zu Salzburg (Beigabe 
zu den Mittheilungen etc. 1867) S. 466. — ^) Mittheil, der Gesellschaft für Salz- 
burger Landeskunde Bd. V S. 200. - ") Bd. 1 Nr. 104. - *) ebda. Nr. 88, 89 ; 
vielleicht ein Sohn dieses Henri cus ist der Sensal im Fondaco Marcus, der am 
14. Juli 1358 das Bürgerrecht in Venedig nach ISjährigem Aufenthalt erhält; 
s. Comniem. lib. VI no. 28. — ^) Commem. Hb, III no. 396, 398, 412, 413, 414: 
s. Riezler, Gesch. Baierns Bd. II S. 526. — ') s. Bd. I Nr. 785. — «) ebda. Nr. 226 
u. 227. — ^) Monumenta Boica vol. XX p. 264 u. 267. — '") s. Bd. I Nr. 354. 




Geschichtliches. 57 

leuten, 200 Waarenballen von Venedig aus durch seine Länder über 
München zollfrei nach Brügge zu führen ^). Ob Ludwig wirklich, 
wie Wolf meint ^), auf diese Weise den levantinischen Handel nach 
München und durch München zu ziehen beabsichtigte, mag dahin- 
gestellt bleiben. München begegnet uns dann aber auch öfter in 
unseren Urkunden als Station der Venetianer auf dem Wege von 
oder nach Flandern ^). Von einer gewissen Intimität der gegen- 
seitigen Beziehungen zeugt es jedenfalls, wenn wir hören, dass im 
Jahre 1365 Wilhelm Ligsalz (der in diesem Jahre dem äusseren 
Rathe der Stadt angehörte) ^) , von der venetianischen Regierung 
als ,hospesS als „Geschäftsfreund" (?) der venetianischen Kaufleute 
bezeichnet wird ^), der es sich, wie auch die Stadtgemeinde selbst, 
sehr angelegen sein lässt, Strassenräuber, die sich an venetianischen 
Kauf leuten vergrij0Fen hatten, zur Rechenschaft zu ziehen, ja sogar 
sie hinterlistig aus dem Wege räumen zu lassen sich bereit zeigt! 
Im Ganzen musste freilich der Handelsverkehr zwischen Baiern und 
Venedig unter der Rivalität und Konkurrenz der schwäbischen 
Städte empfindlich leiden. 

Unter diesen steht natürlich voran Augsburg. 

Wenn auch die oben^) citirte Behauptung, dass die Augsburger 
bereits im 12. Jahrhundert ihre Waaren über Villach nach Venedig 
gesandt, urkundlich sich vorerst nicht begründen lässt, so reicht 
doch gewiss der Verkehr zwischen Augsburg und Venedig in eine 
hohe Zeit, wenigstens in das 13. Jahrhundert zurück. Dies geht 
unzweifelhaft aus dem ganzen Tenor jenes Aktenstückes vom 
17. Oktober 1308 hervor*^), worin mit Rücksicht auf die alte 
Freundschaft den Augsburger Kauf leuten Indemnität wegen Auf- 
haltung venetianischer Waaren bei Füssen ertheilt und die Abschaffung 
eines deshalb eingeführten neuen Strafzolles zugesichert wird. Alle 
gegentheiligen Behauptungen eines Stetten, Fischer oder Hüll- 
mann, dass der Handel Augsburgs nach Venedig erst später be- 
gonnen habe, sind damit, wie schon Erdmannsdörfer bemerkt hat ''), 
widerlegt und hinfällig. Uebrigens kann man hiefür auch ein noch 
älteres urkundliches Zeugniss anführen: jene Vereinbarung des 
Bischofs Hartmann von Augsburg mit den Bürgern der Stadt vom 
(c.) 28. .Juli 1282 über einen neuen Zolltarif an der Wertach- 



^) Jos. Heinr. "Wolf, Urkundliche Chronik von München Bd. I S. 606; 
s. Riezler a. a. 0. JI, 526. Gg. Westermayer, Chronik der Burg und des Marktes 
Tölz (1871) S. 167 ist geneigt anzunehmen, dass die Venetianer dabei die Wasser- 
strasse der Isar benützten , weil die betreffende Urkunde im Kloster Schäftlarn 
aufbewahrt wurde, das einst einen "Wasserzoll dort eingenommen. — ^) Bd. I 
Nr. 192, 249—251. — ^) Monum. Boica Bd. XXXVb p. 116. - ") s. Bd. 1 Nr. 209; 
ebenso 1366 bei Pelzel, Kaiser Karl IV. Bd. II Urkundenbuch S. 367 Nr. 332, wo 
er für die Venetianer, welche in Böhmen vielleicht durch den auch in obiger 
Urkunde genannten (Sbaicar) Smerther beraubt worden waren, die zurück- 
kommenden "Waaren in Empfang nehmen soll. — '') S. 8. — *) Erdmannsdörfer. 
De conimercio p. 15; cf. Bd. I Nr. 26. — ') Erdmannsdörfer 1. c. p. 14. 



58 Geschichtliches. 

brücke^), in welcher es wörtlich u. A. heisst: Ist aber ein ande: 
Burger, der gen Venedic nicht vert u, s. w. 

Als Träger dieser Verbindungen finden wir dann folgend 
Augsburger genannt: 

1328 Johannes Apothecarius (Hans der Apentecker, Appothecker) ^) ; 

1338 ein Johannes, Sohn eines Bartholomäus, und Johannes Alchi- 
maister ^) ; 

1342 Berthold Winkler ^). Derselben Familie , darf man wohl 
vermuthen, gehörte an und gleichfalls in Handelsbeziehung mit 
Venedig stand der 

1370 genannte Ulrich Winkler, der von seinem Neffen Sebastian 
Rem den Auftrag erhalten hatte (zugleich mit dessen Neffen 
Johannes Rem), das von dessen (des Sebastian Rem) verstor- 
bener Gattin Thomasia Rem in Treviso hinterlassene Erbe 
zu erheben^). Ob dieser Johannes Rem identisch ist mit dem 
Ahnherrn des Lucas Rem, Hans Rem (geboren 2. Februar 1340), 
der nach der Aussage Lucas Rem's gerade durch den Handel 
mit Venedig, das Herausführen der „ersten BomwoU" reich 
geworden ist*^), vermag ich nicht zu entscheiden. Weiter sind 
aber zu nennen: 

c. 1371 Johannes Buser und Heinrich Bach''); 

(1388 nahmen Herzog Stephan von Baiern und Bischof Burkhart von 
Augsburg „den von Augspurg 60 Fass Welschwein und 20 Ballen 
zu Füssen weg, die waren herauss kommen von Venedig"**); 

1393 zwei Brüder Marcus und Conradus^); 

1413 Sigmund Gossenprot aus dem bekannten alten Geschlechte ^"); 
ferner zu demselben und dem folgenden Jahre Nicolaus Winter ^ ^), 
Georg Tänndrich (Dendrich) ^^), Leonhard Pfister^^), Paul 
Lang(en)i4); 



1 



1) Monum. Boica Bd. XXXIIIa S. 161. — -) Bd. I. Nr. 76-78, 81; 1317 
Stadtpfleger; cf. Stetten, Geschichte der adeligen Geschlechter in Augsburg S. 49. 
— ^) Als Zeugen erwähnt bei der oben erwähnten Schadenersatzverhandlung 
zwischen der venetianischen Regierung und der Familie Rabenskopf. Com- 
memoriali lib. III no. 414. — '') ibid. no. 576, 581. — ^) Sebastian Rem war 
selbst ,hospes' (Wirth ?) in Treviso, heirathete nach dem Tode seiner Frau noch- 
mals eine gewisse Lucia, welche nach dem Ableben des Sebastian ein Kind 
gebar, dem von Seite jenes Johannes Rem das Erbe streitig gemacht wurde; 
cf. später im Anhang und GreiiF in den Anmerkungen zu Lucas Rem 's Tagebuch 
S. 80 Nr. 14. — ^) cf. Lucas Rem's Tagebuch, hrsg. von GreifF, S. 1. — ') Bd. I 
Nr. 217, 218; der letztere war 1368 im Rath, s. Stetten, Gesch. der adeligen 
Geschlechter S. 85 ; cf. Chroniken der deutschen Städte (hrgb. von der hiesigen 
Histor. Commission), Augsburg, I, 133 und wird 1374 genannt in den Monum. 
Boica Bd. XXXIII b p. 472. - «) Chroniken d. d. St., Augsburg, II, 39. — ') Bd. I 
Nr. 275. - '") ebda. Nr. 308, 309; Stetten, Gesch. der adel. Geschl. S. 80: s. auch 
Chroniken der deutschen Städte, Augsburg, Bd. II S. 349 ad a. 1416. — i') Bd. [ 
Nr. 309, 310, 316, 318; Stetten S. 62. - '^) Bd. I Nr. "308, 310, 312, 316; 
Bürgermeister aus der Cramer-Zunft in Augsburg 1427 und 1429; Stetten S. 61. — 
'») Bd. I Nr. 310, 316; Stetten S. 170; stirbt 1434, 25. Januar; cf. Prasch, 
Epitaphia Augustana (1624) Bd. I S. 243. - '^) Bd. I Nr. 308-311, 316: 1426 
Bürgermeister; Stetten S. 121. 



Geschichtliches. 51^ 

1414 Ulrich Prun (Braun?) ^), der wenigstens nach Treviso 
Handel trieb, wie vielleicht auch der dorthin zur Erhebung 
von dessen Hinterlassenschaft gesandte Kraemser ^), der vielleicht 
identisch ist mit dem um diese Zeit öfters genannten Jodocus 
Kramer. 

Dieser selbst erscheint bei uns unter dem Jahre 1420 ^) und 
ist derselbe, zu dem Burkard Zink 1419 in die Lehre oder inV 
Geschäft trat^). 

Jakobi 1424 wird Zink von seinem Herren nach Venedig 
geschickt, um Baumwolle zu kaufen '^), und von da an war Zink 
ein häufiger Gast in der Lagunenstadt. Im Jahre 1430 musste 
er im offiziellen Auftrage daselbst eine grössere Menge Sal- 
peter einkaufen'^), imd im nächsten Jahre 1431 »füegt es sich . . 
dass Peter Egen, den man seit nennt Peter von Argun, des 
auch die wag, kain wegmeister hett; der schickt zu mir . . . 
mit kurtz versprach ich mich zu im und ward sein Diener . , 
und ist zu wissen, dass er mir gen Venedig erlaubet zu reiten^ 
wann ich wolt, also rait ich alle jar auf das minst ainest 
(einmal) oder zwirend (zweimal) gen Venedig" *^). Und er 
verzeichnet dann selbst noch öfter, so zu den Jahren (1434) 
1438, 1445, 1446, 1447, 1448 seine Reisen nach und von 
Venedig ''). Aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts sind dann 
noch zu erwähnen: 

1415 Nicolaus Winter (cf. oben 1413) als Vertreter des Bürger- 
meisters Lorenz Egen^) und Hans von Hoy, der einer Chronik 
zufolge 1423 oder nach der Angabe des Clemens Sender 1455 
in Folge einer verfehlten Woll-Spekulation fallirte ^) ; 

1425 und 1429 (Ulrich Plattner und) Johannes Herwart, der 
letztere in Verbindung mit Ulrich Artzt (?)^^); 

1429 Ulrich Rehlingerii); 

1431 Hans Endorffer der Aeltere^^); 

1437 die Warruss und die Mutting^^) und ein Johannes Mau- 
rinus (?) ^*); 

1441 Lorenz Welser ^^); 

(1458 Hermann Ramung^*^), Martin Lauginger ^ '') ; 



') Bd. 1 Nr. 314. — ') ebda. Nr. 326. — *) Chroniken etc., Augsburg, Bd. TI 
S. 128 „er treib kaufmannschaft", sagt Zink von ihm, „mit gefiell (= Fell oder 
Pelzwerk) von der Steiermark, auch ander kaufmannschaft von Venedig als wol 
etc." - *) ebda. S. 132. - ^) ebda. S. 333. — «) ebda. S. 133. - ') ebda. 
S. 187, 155, 179, 181, 188. - «) ebda. Nr. 318. — ») Greiff in den Anmerkungen 
zu Lucas Rem's Tagebuch S. 79. Beide Quellen stimmen darin überein, dass 
Hans von Hoy zum Nachtheil der Anderen alle Wolle in Venedig um hohen 
Preis aufkaufte, um eine Steigerung des Preises zu erzielen. — '") s. Bd. 1 Nr. 341, 
355, 356 und Chroniken, Augsburg, II, 72 Anm. 4; cf. Thomas in den Sitz.-Ber. 
der k. b. Akad. d. W. 1869 Bd. I S. 285. — '') Der später wiederholt Bürger- 
meister der Stadt war, s. Stetten S. 90; cf. Bd. I Nr. 356. — ^^) s. Stetten 
S. 163 und Bd. I Nr. 369. — '») Chroniken, Augsburg, I, 204. — '') s. Bd. I 
Nr. 414. — '*) ebda. Nr. 422. - •*) Von Zink freilich nur als „pallenfürer" 
bezeichnet; s. Chroniken, Augsburg, II, 216 ad a. 1458. — ") s. Bd. I Nr. 497. 



60 Geschichtliches. 

1465 Peter Schneider^), Ludwig Mewtting' und (Lucas Kem- 
nater ?) ^) ; 

1468 Claus Lederer s); 

1469 Hans und Ulrich Peutinger '^) ; 

1470 Claus und Peter die Friesen^); 

1475 Thomas Rem (?)«); 

1476 Jörg Hyller'); 

1484 Heinrich Stamler und Gebrüder, die dann noch öfters, zu 
den Jahren 1490, 1494, 1499 und 1501 genannt werden^), in 
welch' letzterem (1501) nach ihrem Fallissement die von ihnen 
bis dahin innegehabte Kammer sammt Gewölbe an Georg 
Höchstetter und Gebrüder überwiesen wird ^) ; 

1490 wird ferner genannt Heinrich und Baltassar Wolf^^); 

1494 Lucas Rem, der bis 1498 in Venedig geblieben zu sein 
scheint, freilich nur als „Lehrling, um die Sprache und die 
Kaufmannschaft zu erlernen", zu welchem Behufe er zwei Fak- 
toren der Welser: Hans Stebehaber und Hans Lauginger „be- 
fohlen" d. h. empfohlen wurde ^^). Der den Lucas Rem nach 
Venedig „hineinführende" Hans Pfister war, wenn nicht ein 
Brief-Postbote, vielleicht aus der gleichnamigen mit Venedig in 
Verbindung stehenden Kaufmannsfamilie ; 

1495 Philipp Adler, wohl der aus Speier gebürtige „Hofdiener" 
Maximilians I. und Grossvater mütterlicherseits der Philippine 
Weiser^'''), deren Grossvater von des Vaters Seite, der bekannte 
Anton Welser, zugleich mit seinem Compagnon (und Schwager) 
Konrad Vöhlin übrigens ebenfalls um diese Zeit und zwar 
zum Jahre 1498 als im Fondaco verkehrend erwähnt wird^-''). 
Nennen wir dann noch den 

1504 (und 1508) erwähnten Bruder des Bischofs Mathäus Lang 
von Gurk, Johannes Lang, Juwelenhändler, der wegen Zahlungs- 
unfähigkeit gleichfalls genöthigt war, mit seinen venetianischen 
Gläubigern ein Abkommen zu treffen ^'^), um endlich mit den 
bedeutendsten Augsburger Handelsherren, den Fuggern, zu 
schliessen. 



I 



I 
I 

II 
1 



1) s. Bd. I Nr. 498. 500; cf. Stetten S. 442. - ') s. Chmel, Regesten 
Friedrich IIJ. Nr. 4171. — ^) s. Bd. I Nr. 508. — ^) Chroniken, Augsburg, II, 394. 

- 5) s. Bd. I Nr. 517. — «) ebda. Nr. 533. — ') ebda. Nr. 536. — «) ebda. Nr. 565, 
583, 591, 59'2, 608, 609, 613—616. ~ ») ebda. Nr. 616. — >«) ebda. Nr. 583. 

— 11) s. Tagebuch S. 5, 81 Nr. 20—25. — '^) Bd. I Nr. 598; s. Stetten S, 442; 
Prasch I, 77; stirbt 1532, 71 Jahre alt. — i') Bei Marino Sanuto in seinen 
,Diarii' tom. II p. 283. — '') Bd. I Nr. 627, 663; Sanuto V, 327 sagt darüber: 1503, 
16. Nov. (Sier Alvixe Mocenigo orator), scrive (dil di 6) che domino Matheo Lanch, 
secretario regio li ha ditto haver uno fratello, nominato Zuan Longo zoielier, quäl 
fallite di Veniexia e portö via ducati 2000, e voria un salvoconducto per mexi 
4 comenzando el primo di Dezembrio, et che '1 porterä qualche danar e si acor- 
derä con li soi creditori dicendo haver speso ducati 6000 in la sorella che lui 
ha maridato questo anno nel fiol di domino Paris di Lodron et fvi bellissime 
noze, dove etiam lui orator vi i'u. 



Geschichtliches. Gl 

So merkwürdig es klingt: wir besitzen weder von diesem 
Geschlecht überhaupt oder, genauer gesagt, von den ältesten Gliedern 
desselben, noch speziell von dem Beginn ihres Handels nach Venedig 
genaue Kunde ^). Aus einem handschriftlichen Fugger- Buch, welches 
vor nicht langer Zeit aus dem K. Allgeroeinen Reichsarchiv dahier 
in die K.Hof- und Staatsbibliothek transferirt wurde ^), entnehme 
ich, dass bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts die 
Fugger nach Venedig zu handeln begannen — zuerst wohl jener 
Matheus Fugger, der ein Sohn des „stolzen" Andreas (1406 — 1456) 
und ein Enkel des Ahnherren Hans (oder Johannes) Fuggers (f 1409) 
war. Glücklicher als dieser Matheus war sein Bruder Lucas bei 
diesem Handel. Vielleicht hat er gerade das „Gleger" in Venedig 
eingerichtet, in welches dann beispielsweise Andreas (geboren 1443), 
ein Enkel des Ahnherren Hans von dessen zweitem Sohn Jakob 
(dem eigentlichen Begründer der noch lebenden Fugger'schen Fa- 
milie), und ebenso der Bruder dieses Andreas, Hans (geboren 1445), 
in jungen Jahren gesandt wurden. Beide sind daselbst in Venedig — 
der letztere im Jahre 1461 — gestorben und begraben. — Auch 
deren jüngster Bruder Jakob, der frühere Domherr zu Herrieden, 
der sich, wie erwähnt^), erst in vorgerückterem Alter (1473) auf 
Bitten seiner Brüder Ulrich und Georg entschloss, dem Handel sich 
zu widmen, und der nachmals ,der Reiche' genannt wurde, machte 
dort seine Lehrzeit durch. Dann finden wir noch folgende Glieder 
des Geschlechtes als am Handel mit Venedig betheiligt in unseren 
Urkunden aufgeführt: 

1484 und 1489 Heinrich (oder Ulrich?) Fugger mit Brüdern'*); 

1490, 1494, 1497 Lucas Fugger mit seinem Sohne Marcus, 
welcher mit seiner Gesellschaft ebenfalls gezwungen war, sich für 
fallit zu erklären ^) ; 

1499 Hans (oder Johannes) Fugger*'), wohl ein Sohn* und Ver- 
treter Ulrich's ; 

1503 Ulrich selbst mit seiner Gesellschaft, als deren Vertreter 
Johannes Cheler (= Keller?) fungirte ''). 

Wir wollen hier nicht die öfters angeführten Angaben über 
die Reichthümer der Fugger wiederholen ^) — dass Hans Fugger im 
Jahre 1499 Kupfer im Werthe von 60,000 Dukaten im Land hatte, 
ist bereits früher erwähnt worden — welche sie ja mehr als einmal 
in den Stand setzten, unseren Kaisern, einem Max I. und Karl V., 
unter die Arme zu greifen. Nur auf eine von Marino Sanuto über- 
lieferte Notiz möchte ich hinweisen, welche von diesem Reichthum 



') Auch Kleinschmidt, Augsburg, Nürnberg und ihre Handelsfürsten im 
15. u. 16. Jahrh. (Kassel 1881) enthält nichts darüber. — -) Auslieferungsnummev 
773. — ^) cf. oben S. 89. — ") Bd. I Nr. 568. 582. — '") ebda. Nr. 583, 594, 603, 
604,606; cf. Sanuto 11,10. — •) Bei Sanuto 1499 tom. U p. 1071. — ') s. Bd. I 
Nr.^ 622; cf. Sanuto II, 736. 1499, Adi 20 Mazo : Zuam de Cheler fa i fati per 
i Focher. — *) s. Kleinschmidt a. a. 0. ; cf. Dobel in der Zeitschr. des histor. 
Vereins f. Schwaben 1879 S. 33 ff. 



^2 Geschichtliches. 



gleichfalls ein beredtes Zeugniss ablegt. Dieser getreue Bericht- 
erstatter erzählt ^), wie im Jahre 1509 — das freilich über unseren 
Zeitraum hinausliegt — die Fugger einen Diamant um 20,000 Dukaten 
kauften, der früher im Besitz der venetianischen Familie Augustini 
gewesen war. Ein Jahr später ging er in jenen des Papstes über, 
der den Stein um 18,000 Dukaten von den Fuggern erstand 2). Die 
Fugger aber zahlten jene Summe statt mit baarem Gelde — mit 
Kupferbarren und zwar im Betrage von 500,000 Pfund. Wie bei 
jedem anderen Kaufgeschäfte, waren auch hier, was Sanuto nicht zu 
erwähnen vergisst, Sensale zum Abschluss des Kaufes nothwendig 
und betheiligt, und sie mögen über den ihnen dabei zugekommenen 
Antheil wohl zufrieden gewesen sein. — Dass unter solchen Um- 
ständen die Fugger wohl die erste Rolle im Fondaco gespielt haben, 
ist leicht zu vermuthen und geht auch ziemlich deutlich aus den 
Diarien Sanuto's hervor, in denen sie wiederholt an der Spitze der 
deutschen Kauf leute, gewissermassen als deren Repräsentanten genannt 
werden ^). 

Von den übrigen schwäbischen Städten wollen wir zuerst nennen 
Memmingen wegen des engen Zusammenhanges, der zwischen 
dieser Stadt und der obengenannten Augsburger Handelsgesellschaft 
Anton Welser, Konrad Vöhhn & Cie. bestand. Waren doch die 
Vöhlin's ein Memminger Geschlecht; Anton Welser selbst war 
, Bürger wie Stadthauptmann " in Memmingen geworden und gab 
auch nach seines Vaters Tod sein Bürgerrecht in Memmingen nicht 
auf, obgleich er nach Augsburg zurückkehrte ^). 

Vielleicht gehörte auch der als Vertreter der Fugger oben 
erwähnte Johannes Cheler der Memminger Familie Keller an; und 
wiederum vielleicht ist hinter dem etwas räthselhaften Marcus 
Siaorle ein Glied der wenigstens im 17. Jahrhundert in Memmingen 
lebenden Familie Stierle ^) zu suchen. Weitere Namen , die hier 
zu nennen wären, sind mir aus diesem Zeiträume nicht bekannt; 
der Verkehr der Memminger mit Venedig ist aber noch besonders 
durch die Schreiben der venetianischen Regierung von 1432 und 1433 
bezeugt, worin dieselbe mit Repressalien droht, wenn dort auf- 
gehaltene Waaren venetianischer Bürger nicht freigegeben werden ''). 

Dasselbe gilt von Kempten''). 

In derselben Weise suchte die venetianische Regierung um 
dieselbe Zeit auf Ulm einen Druck auszuüben^), das durch seine 
W^ebereien auf eifrigen Verkehr mit Venedig angewiesen war. Wann 
derselbe seinen Anfang genommen, wissen wir nicht. Aus dem 15. Jahr- 
hundert aber können wir — besonders aus den von G. M. Thomas 
veröffentlichten Ulmer Archivalien'') — folgende Namen anführen: 



ren ^ 



^) Sanuto, Diarii tom. VIII p. 87 zum 14. April. — ^) ibid. tom. X 
p. 283. - ^)cf. ibid. tom. II p. 1067, 1075, 1121; V, 195. - ^) s. Kleinschmidt 
a. a. 0. S. 136. — *) s. Bd. I Nr. 544; cf. Schorer, Chronik von Memmingen (1660) 
S. 11. — «) s. Bd. I Nr. 393, 396, 399. — ') ebda. Nr. 393, 896, 445, 448, 
449. - «) ebda. Nr. 395, 402, 404, 405. - ») Sitz.-Ber. d. k. bayer. Akad. d. 
Wiss. 1869 Bd. I S. 281 u. ff. 



Geschichtliches. 63 

1420 Johannes Diether(r?) und Sohn; 

1427 und 1437 Heinrich Glich oder Clinch; 

1430 und 1431 Peter Weiss^); 

1441 Johannes Moche; 

1446 Ott Ruland und Konrad Kemmlin^); 

1453 Peter Roys; 

1464 ein Angelinus, dessen Bruder in Treviso ansässig war; 

1476 Heinrich Low (Lion)^); 

1482 und 1489 Otto Roth; 

1483 Ytel (Eitel) Rentz, der Vertreter der Ulmer Gesellschaft 
Rottengetter , der den aus dem heiligen Land nach Venedig 
zurückkommenden Felix Fabri gastfreundlich in seiner Kammer 
im Fondaco aufnahm*). Dem ausführlichen, so überaus werth- 
vollen Reisebericht Fabri's danken wir dann noch die Namen 
zweier damals in Venedig weilender Ulmer Kaufleute, Johannes 
Müller, mit welchem Fabri in die Vaterstadt Ulm zurückkehrte ^), 
und Stoffel Schleicher*"). Es darf noch erwähnt werden, dass 
Fabri bemerkt, es seien damals bei seiner Rückkehr viele 
Kaufleute aus Ulm in Venedig gewesen. 

Ob der 1420 genannte Johannes Aysslinger aus Lauingen') 
direkt in Verbindung mit Venedig stand oder aus zweiter Hand von 
dort Waaren bezog, ist nicht ganz klar. 

Ebenso ist unsicher, ob unter den zum 8. Dezember 1366 
erwähnten^) Kaufleuten von ,Hohenoro' solche aus Hohen- Urach 
gemeint sind, das allerdings „schon von alter Zeit her eine ange- 
sehene Fabrikstätte der schwäbischen Leinwand war" ^) — oder, 
wie man von anderer Seite gemeint hat, aus Hagenau ^^). — 

Aus Biber ach wird ein gewisser Rigo S(ch)noper genannt, 
der im Jahre 1 423 mit Erfolg in Venedig sich über eine neue Steuer 
auf die von ihm importirten Hornwaaren beschwert ^^); von Kempten 
und Kaufbeuern sind mir aus dieser Zeit keine Namen bekannt, 
ebensowenig aus Lindau, von dem Carl Jäger behauptet ^^), dass 



^) s. Bd. I Nr. 364, 365. — ^) Ruland's Handlungsbuch (Bibl. des liter. 
Ver. in Stuttg. Bd. I) S. IX und 6. — ») s. Bd. I Nr. 537, 538, 546; cf. Dieterich, 
Beschreibung der Stadt Ulm (1825) S 194. — '') s. dessen Evagatorium vol. ITI 
(Bibl. d. liter. Ver.) Bd. IV S. 388 . . . quidam mercator juvenis , Ytel Rentz, 
vir juvenis et humanus, procurator illius magnae societatis, quam nominant 
Rottengetter, duxit me in cameram suam, nolens me manere in hospitio, sed 
clavem ad cameram thesaurorum dedit, ut in eam meam suppellectilem ponerem 
et in ea dormirem et in refectorio communi dominorum mercatorum manducarem, 
quamdiu ibi mansurus essem, quod et feci. — *) a. a. 0. IV S. 436. — ') Dieser nur 
in der deutschen Bearbeitung (in Feyerabend's Reisbuch 1584 f. 186') genannt. — 
') s. Bd. I Nr. 326. Dass er übrigens in Nürnberg den ihm zugeschickten 
Safran untersuchen Hess, hängt wohl damit zusammen, dass seine Tochter Martha 
sich 1397 mit Jörg Stromer, dem Sohne Ulman Stromers, verlobt hatte; cf. Chroniken 
d. d. St., Nürnberg, I, 69. — *) Commemoriali lib. VII no. 314. — ^) Memminger, 
Beschreibung des Oberamtes Urach (1831) S. 87. — **') s. Winckelmann, Acta II 
no. 903. — ") s. Capitolare p. 133 cap. 240. — ^^) Geschichte der Stadt 
Heilsbronn und ihres ehemaligen Gebietes (1828) Bd. I S. 84 ff'. 



Q4 Geschichtliches. 

es beinahe den ausgedehntesten (?) Handel unter den schwäbischen 
Städten im Mittelalter gehabt und eigene reitende Boten nach Venedig 
unterhalten habe. Als Durchgangspunkt für die Venetianer Kauf- 
leute erscheint es 1309 (Febr. 6.) ^), aus welcher Urkunde man zu- 
gleich sieht, dass Lindauer damals mit Mailand in direktem Verkehr 
standen. 

Dann erscheint Ravensburg am Ende des 14. Jahrhunderts 
ziemlich lebhaft am Handel nach Venedig betheiligt ^). Es werden 
genannt: 

1390 (oder 1394) Konrad, Johannes und Ulrich Wirt, von denen 
der zweite Johannes auch 1403 in unseren Urkunden erscheint^); 
ferner als Diener und Geschäftsführer der Wirt Martin Roeggli; 
ausserdem ein gewisser Husler und Konrad Segelbach. 

Der letztere wird mit seinem Bruder Johann dann noch in 
anderen Urkunden vom Jahre 1391 und 1399 erwähnt, aus denen 
erhellt, dass sie ihren früher, im Jahre 1388 oder 1389, in Ve- 
nedig eingegangenen Verpflichtungen nicht pünktlich nachkommen 
konnten ^). Wie das in solchen Fällen häufig geschah , hielten 
sich die Gläubiger in Venedig dann an andere Waaren, die eben aus 
Ravensburg ankamen , um damit ihre Guthaben zu decken , in der 
Voraussetzung, der schuldige Ravensburger könne Theil an diesen 
Waaren haben. Das gab dann wieder Anlass zu Reklamationen von 
Seiten der wirklichen Besitzer, deren Namen uns dabei wenigstens 
überliefert werden, wie beispielsweise in dem vorliegenden Falle 1391 
der eines H(einrich) Rengger^) und eines Heinrich von Waise, 
genannt Manz ^) , deren Leinwand -Ballen für die Schulden der 
Gebrüder Segelbach hätten haften sollen. — Ob der 1392 genannte 
Ravensburger Heinrich EkoPj ein Kaufmann oder ein in Venedig 
ansässiger Gewerbetreibender gewesen, wage ich nicht zu entscheiden. 

Nicht blos räumlich, sondern auch geschäftlich standen wohl 
Ravensburg und Konstanz einander nahe. Wenigstens finden wir, 
dass im Jahre 1404 ein Johannes Muntbrat, wohl ein Glied dieser 
alten Ravensburger Familie, der freilich als ,concivis' von Konstanz 
bezeichnet wird, als Bevollmächtigter zweier Konstanzer Kaufleute 
mit deren Wechseln zur Einkassirung nach Venedig geschickt wird ^). 
Uebrigens stand Konstanz auch direkt mit Venedig in Verbindung 
und zwar wenigstens schon seit der Mitte des 14. Jahrhunderts, 
abgesehen davon, dass Konstanz für die Venetianer Durchgangs- 
station war ^). 

Es werden genannt: 
1341 ein Thomas und Matthaeus ^<^); 
1366 Konrad Bader und Johannes Cumpast (= Gumpost)^^); 



') s. Bd. I Nr. 30. — -) s. Mone in der Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrheins 
Bd. IV S. 24 ff. — ') s. Bd. I Nr. 280. — ^) ebda. Nr. 258, 259, 267—270, 
271, 278. — ^) ebda. Nr. 267. — ") ebda. Nr. 268, 270, 271. — ') ebda. Nr. 274. 
- 8) Mone, Zeitschr. IV, 28. — ') s. Bd. I Nr. 23. — ^") ebda. Nr. 800. — 
") Commemoriali lib. VII no. 314, 324, 325 ; cf. Winckelmann, Acta II no. 903. 




Geschichtliches. tJ5 

1368 Heinrich Flauer und Walter Aufert^); 
1404 Johannes Slatter und Lutfried Bettminger ^) , der letztere 
auch 1407, wo ferner die Brüder Albert Kirchherren, Burkart 
Wiener, Wernlin Aenslinger als in Handels Verbindung mit 
Venedig stehend erwähnt werden; 
1410 Johannes Wagenmann ^). 

Dass diese Verbindung im 15, Jahrhundert noch fortdauerte, 
erhellt übrigens auch aus den Notizen über die Botschaften, welche 
den Konstanzern von Augsburg und Nürnberg über die von Kaiser 
Sigmund verhängte Strassensperre zugiengen ■*). 

Zu den dort erwähnten Städten, welche diese Sperre berührte, 
gehört auch Basel, das übrigens schon seit dem 14. Jahrhundert 
an diesem Handel Theil nahm. Es sind da zu nennen: 

1338 Johannes Motozer (Muttentzer) , der als Zeuge in einem 

Aktenstück fungirt^); 
1355 — 1363 Burkhard Münch (Monacus) zu Landskron^); 
1355 Johannes Vilicus (? Wiler) ') , wohl aus dem Geschlechte 

der Wiler, aus welchem dann besonders noch zum Jahre 
1433 und 1434 Andreas Viler erscheint, zuletzt als Geschäfts- 
führer für die Gesellschaft Guarnerius de la Chiesia ^). Ob der 
1485 genannte Hieronymus Bilia^) derselben Familie angehörte, 
wage ich nicht zu entscheiden. — 

Aus St. Gallen scheint ein gewisser Johannes gewesen zu 
sein, der zum Jahre 1362 als in Venedig verkehrend erwähnt wird'^^); 
wohl auch ein Johannes Cili^^), der 1483 nach dem Tod eines anderen 
Deutschen dessen Kammer 26 Jahre lang im Fondaco benützte und 
sie schliesslich auch förmlich von der venetianischen Regierung für 
sich und seine Erben zugewiesen erhielt, da er grosse „Geschäfte" 
treibe. Ferner 1491 Christian Wetter und Jacob Hezer^^). Ausser- 
dem werden noch in einem Dokument des Jahres 1368 unter den 
Zeugen aufgeführt ein Henricus Spiser und ein Gualterius Plorer 
,aus Alemanien ", von denen aber, wie aus dem Register zu dem 
von Boos herausgegebenen „Urkundenbuch der Landschaft Basel" 
hervorgeht, der erstere, Spiser, einem Rheinfeldener , der zweite, 
Plorer (Blorer?) einem Baseler Geschlecht angehört haben dürfte. 
Mit ,Alemania' bezeichnete man eben damals und später, z, B, 
1409, auch die Schweiz. Es ist sehr charakteristisch und interes- 
sant, wie gerade in diesem Jahre 1409 der Ausdruck gebraucht 



') Commemoriali lib, VII no. 435 — 439, wo beide ausdrücklich als ,Theo- 
tonici mercatores in funtico' bezeichnet sind. — ^) s. Mone, Zeitschr. IV, 29, — 
') s. Bd. I Nr. 302. — •») s. Deutsche Reichstagsakten Bd. VII, S. 370 Nr. 248. 
— *) Commemoriali lib. 111 no. 414; vielleicht derselbe, der 1371 Amtmann 
zu Basel war ; s. Boos, Urkundenbuch der Landschaft Basel S. 412. — ®) s. Com- 
memoriali lib. V no. 103, 113; VI no. 132, 197, 210, 236, 240, 260, 283, 293; 
VII no. 141 und Winckelmann, Acta II no. 804, 856, 860, 873, 878, 880. 883, 
1203; cf. Bd. 1 Nr. 182, 197, 200, 204. — ') Commemoriali lib. V no. 113. — 
") Bd. I Nr. 401, 409. — ») ebda. Nr. 569. — '") ebda. Nr. 193. - ") ebda, 
Nr. 557. — '^) s. Sammlung der eidgenöss. Abschiede III, 1 S, 384 Nr, 412, g. 

5 




QQ Geschichtliches. 

wird : partes Alemanie qui vocantur Sbaycer (=: Svaycer = Schweizer ^). 
Erst später wird dann der Name Helvetia angewendet, so in jenen 
wichtigen Aktenstücken aus den Jahren 1490, 1494, 1496, welche 
von dem fortdauernden Handel der Schweizer Kantone mit Venedig 
werth volle Kunde geben. Ein venetianischer Gesandter nach Burgund 
war auf der Durchreise in Wesen ^) aufgehalten und mit seinen 
Begleitern festgenommen und nur gegen ein hohes Lösegeld frei- 
gelassen worden. Dieses Attentat beschloss die venetianische Re- 
gierung nicht ungeahndet zu lassen. Sie verbot zuerst, wie es 
scheint^), den schweizerischen Kaufleuten überhaupt den Verkehr, 
und als diese dagegen remonstrirten , verfügte sie 1490, dass alle 
von Wesen eingeführten Waaren in Zukunft noch einen besonderen , 
Eingangszoll von 1 '/2 °/o zahlen sollten , bis genügende Satisfaktion t 
geleistet sei ^). Als die Massregel wegen des geringen Ertrages den 
gewünschten Erfolg nicht hatte, folgte 1494 eine Verschärfung der 
Massregel ''), indem bestimmt wurde, dass nun alle übrigen Schweizer 
Kantone, Zürich, Bern, Luzern, Schwyz, Unterwaiden, Uri, Zug, 
Glarus, Freiburg, St. Gallen, Solothurn, Appenzell, von ihren nach 1 
Venedig eingeführten Waaren (Tuch und Leinwand) eine Extra- 
steuer von 2 "/o zahlen müssten. Dagegen Hessen Freiburg und Bern 
durch eine Gesandtschaft vom Bürgermeister Freiburgs, Johannes 
Techtermann, und vom Berner Propst Johannes Ballistarius um 
Indemnität in Venedig nachsuchen und erhielten sie auch*^). 1 

Von Freiburg ist noch speziell ein Jacob Perremann zu 
nennen, der 1431 mit Venedig direkt in Handelsverbindung ge- 
standen zu haben scheint), und 1441 ein Peter Argentus (Silber?) ^). 

Züricher (jüdische) Kaufleute werden bereits 1329 als in 
Venedig verkehrend genannt^), ferner 1339 ein Rigus aus Zürich ^^). — 1 

Nach Heyd würde Basel schon zur Nürnberger Tafel gehört ' 
haben, was mir jedoch fraglich erscheint; denn Basel war doch 
gewiss eine alamanische Stadt, so gut als Strassburg, zu welchem 
wir nun übergehen wollen. 

, Strassburg war der Ort, wo der Handelsweg von Venedig 
nach den Niederlanden den schiffbaren Rhein erreichte, also ein 
natürlicher Stapelplatz für den Wassertransport abwärts und für die 
Landstrasse aufwärts. Es war der rheinische Ausgangspunkt des 
italienischen Handels ^^).'' 

') s. Bd. I Nr. 296; cf. 300. — '^) von „Etlichen von Schwyz und Glarus"?; 
cf. Sammlung der eigen. Absch. IIl, 1 S. 312 Nr. 341. d. — *) s. Sammlung III, 1 
S. 78 Nr. 210, b; S. 222 Nr. 251, a; S. 286 Nr. 319, c; S. 312 Nr. 341, d: S. 329 
Nr. 355, e; S. 330 Nr. 356, c; S. 332 Nr. 357, h; S. 350 Nr. 384, e; S. 358 Nr. 391, o ; 
S. 861 Nr. 392, 1; S. 380 Nr. 409, f. — "•) s. Bd. I Nr. 584. — '") ebda. Nr. 593. - 
«) ebda. Nr. 599 ; cf. Sammlung III, 1 S. 472 Nr. 496 (wo zu lesen 1496 ; cf. Vor- 
wort S. XXII und Bd. I Nr. 599) ; S. 486 Nr. 508, c - ') s. Bd. I Nr. 379. - 
*) ebda. Nr. 424, 557 : am Anfang des 16. Jahrh. wird ein Fran9ois Arsent aus 
Freiburg nach Venedig gesandt; cf. Berchtold, Hist. du canton de Fribourg 
tom. II p. 37. — 9) 8. Bd. I Nr. 82. — '») ebda. Nr. 793. - '') Zeitschr. f. 
Gesch. d. Oberrheins VIII, 163. 



II 



Geschichtliches. 67 

Unter solchen Umständen wird auch Strassburg bald selbst 
den Weg nach Venedig gefunden haben, wie es z. B. gleichfalls 
unter den Städten genannt ist, die an der Handelssperre König 
Sigmund's betheiligt waren. Sonst sind uns aus dieser Zeit freilich 
nur wenig Nachrichten darüber erhalten. In einem Aktenstücke 
vom 6. Juli 1355 werden mehrere Strassburger als Zeugen in Venedig 
aufgeführt ^) : ,Voalcherus de Muluocheim, Eberlinus de Mulucheyn, 
Nicolaus de Crostein und Johannes Tronger oder Troynger oder 
Tiringer'. A. Schulte^) erklärt dieselben als einen „Waltherus (?) 
und Eberlinus de Mülnheim, Nicolaus de Grostein und Johannes 
Twinger, der dreimal Strassburger Stättmeister gewesen und 1370 
starb", und weist auf die interessante Erscheinung hin, dass Mit- 
glieder der alten Geschlechter Strassburgs noch 1360 so am Handel 
betheiligt gewesen, dass zugleich drei von ihnen in Venedig sich 
aufhielten". Doch scheint es mir keineswegs ganz sicher, ob jene 
wirklich zu Handelzwecken in Venedig weilten. Es wird dies wenig- 
stens nicht deutlich gesagt; im Gegentheil werden die ersten aus- 
drücklich als ,milites' (Tiringer-Twinger als civis) bezeichnet, die 
aus ganz anderen Gründen damals in Venedig gewesen sein kön- 
nen — entweder als Truppenführer im Dienste der Republik 
oder vorübergehend etwa auf einer Fahrt nach dem heiligen Land 
begriffen. 

Zu der Nürnberger Tafel würden nun wohl aber sicher die 
weiteren rheinischen Städte zu rechnen sein: Speier, Worms, 
Mainz, über deren Handelsbeziehungen zu Venedig — was wenigstens 
die beiden letzten, Worms und Mainz, betrifft — wir bisher nur 
aus dem mehrerwähnten Verbot König Sigmund's vom Jahre 1418 
Kenntniss haben. 

Von Spei er dagegen sind uns einige Namen überliefert, wenn 
anders der 1378 genannte ^) Nicolaus (de Spiera) und die mit ihm 
erwähnten Johannes Ainsunber oder Ainflenger und Karulus Temphel 
wirklich aus Speier gewesen. Ferner waren vielleicht aus Speier 
die 1465 genannten"*) Henricus (de Spera) und Matheus Geder, die 
wie viele Andere gezwungen waren, mit ihren venetianischen 
.Gläubigern sich zu vergleichen. — 

Des Weiteren ist dann Frankfurt zu nennen, ebenfalls vom 
Handelsverbot des Jahres 1418 betroffen. Venetianische Kaufleute 
bezogen, wie Kriegk bemerkt-^), schon im 14. Jahrhundert die 
Frankfurter Messe, wie denn bereits 1367 der „Venediger Gäste* 
gedacht wird. Ob der 1336 erwähnte ,Rigus da Fansifor' (?) aus 
Frankfurt gewesen, wage ich nicht zu entscheiden*"). 

„Die früheste Erwähnung eines Frankfurtischen Geschäftes zu 



') s. Commemoriali lib. VI no. 210 und Winckelraann, Acta II no. 860. — 
'^} Jahi-buch der Görresgesellschaft VIll, 117 (Besprechung von Winckelmann's 
Acta). - *) Bd. l Nr. 241. - ") ebda. Nr. 499. — ^) Deutsches Bürgerthum im 
Mittelalter. Neue Folge, S. 442 Anm. - «) s. Bd. I Nr. 789. 



68 Geschichtliches. 



Venedig", bemerkt Kriegk^), „fällt in das Jahr 1449, in welchem Hans 
Bromm seinen Schwager Karl Stalburg dahin schickte, um „„sin 
gewerbe und keuffehandelunge ußzurichten"". Es geht nun zwar 
allerdings auch aus diesen Worten nicht sicher hervor, ob Bromm 
und Stalburg schon damals ein förmliches Geschäft in Venedig hatten 
oder, wie wir es ausdrücken würden, auf längere Zeit Kammer und 
Gewölbe im Fondaco gemiethet hatten. Aber der Beginn des direkten, 
aktiven Handels von Frankfurtern mit Venedig ist jedenfalls — 
schon mit Rücksicht auf das Jahr 1418 — früher anzusetzen. 

Es wird erwähnt^), dass 1410 der Frankfurter Paul Feczbrij 
venetianische Wolle, d. h. wohl, wie Kriegk richtig bemerkt, Baum- 
wolle aus Cypern, gekauft und sie zum Verkauf nach Augsburg und 
Ulm gebracht habe. Da den Venetianern der Import nach Deutsch- 
land ja nicht gestattet war, wird man wohl annehmen müssen, dass 
er diese Baumwolle, wenn nicht etwa aus den Niederlanden, direkt 
aus Venedig bezogen habe. 

Und wenn im Jahre 1442 der Handelsherr Wolf Blum(e) im 
Auftrag des Rathes aus Venedig einen grossen Waagenbalken 
kommen lässt, auf welchem man ganze Fuhrwerke wiegen konnte, 
so zeugt das gleichfalls für den direkten Verkehr zwischen beiden 
Städten. Die Blum's finden wir dann auch später an demselben 
betheiligt. Es ist bereits früher erwähnt worden , dass die Gesell- 
schaft Wolf Blum und Cie. im Jahre 1483 in Venedig mit einer 
Schuldenlast von ca. 23,000 Dukaten faUirte ^). Ein Bruder des 
damaligen Geschäftsinhabers und Sohn des alten Wolf Blum, Georg 
Blum (Plun), wird unter den in der Kirche S. Giovanni e Paolo in 
Venedig bestatteten Deutschen erwähnt^) — zugleich mit einem 
Gaspar Helier, wofür wohl zu lesen Heller, ein Bruder wohl des 
zu Siena im Jahre 1495 ermordeten Wolff Heller^). 

In der nämlichen Kirche S. Giovanni e Paolo liegt begraben 
der Frankfurter Johann Rauchfass ^) , Geschäftsführer der oben ge- 
nannten Handelsgesellschaft Stalburg und Bromm, über deren bis 
in's 16. Jahrhundert hinein wohl ununterbrochen fortdauernde Han- 
delsbeziehungen zu Venedig Kriegk sehr werthvoUe urkundliche 
Nachrichten veröjBfentlicht haf). Ich will hier daraus nur noch 
erwähnen, dass an Stelle jenes Johann Rauchfass ein Wolff Kem- 



ans H 



') a. a. 0. — ■-) s. oben S. 38 u. Bd. I Nr. 562. Der alte Wolf Blum war übrigens 
1471 gestorben ; sein gleichnamiger Sohn heirathete 1477 Lysa die Tochter Con- 
radi Hulczhusen's ; s. Archiv für Frankfurts Gesch. und Kunst, Neue Folge, Bd. III 
S. 162. (Nach Grotefend, Quellen zur Frankfurter Gesch. Bd. I S. 417 fand die 
Heirath 1476 statt.) — ^) Nach Grotefend, Quellen I, 417, gestorben 1491 ; cf. später 
bei den Grabschriften. — *) Archiv etc. III, 175 u. Grotefend, Quellen I, 423, wo als 
Todesjahr Kaspar Heller's 1502 angegeben. — *) gestorben 1478; s. Kriegk a. a. 0. 
S. 441. — •) a. a. 0., Deutsches Bürgerthum im Mittelalter. Neue Folge, III, 
439 u. fF., „grösstentheils aus Kopien von Urkunden, welche Fichard in seinen 
Manuskripten hinterlassen hat, und die theils aus patricischen Familienarchiven, 
theils aus dem Archiv der Patriciergesellschaft Limburg entlehnt sind. Die 
Gesellschaft scheint sich übrigens später getrennt zu haben, da die Stalburg und 



Geschichtliches. 69 

merer von Augsburg, der bereits 1474 „als Commis" im Stalburgi- 
schen Geschäft erscheint, Geschäftsführer in Venedig wurde. 

1502 wird ein Friedrich Heyde (gebürtig aus Bar in Lothringen) 
als Handlungsdiener der beiden Hans Bromm, des Aelteren 
und Jüngeren, genannt. 
1490 verweilte der junge Johann Heise im Dienst von Johann 
Güldenschaff in Venedig^) und der junge Conrad Rohrbach 
verbrachte als Commis wohl mehrere Jahre (1493? — 1498) in 
der Lagunenstadt^). 
1499 wird Loysius Justenhofer mit seiner Gesellschaft als mit 
Venedig in Geschäftsverbindung stehend erwähnt ^) — ein Ver- 
wandter des öfters genannten Frankfurter Peter Ugelheimer, der 
eigentlich der Wirth einer deutschen Herberge (Deutsches Haus 
oder St. Georg, zur Flöten, auch zur Trinität genannt) in Venedig 
war*), später aber auch Geschäfte, vielleicht besonders Buch- 
handel, getrieben zu haben scheint, und 1488 gestorben ist^). — 
Ob auch Würzburg wegen eines gelegentlich erwähnten 
Jodocus Eckhard 1427 hier aufgeführt werden darf, ist zweifelhaft*'); 
hingegen erscheint auch Windsheim unter den 1418 vom Ver- 
bote Sigmund's betroffenen Städten. — 

Verhältnissmässig sehr gut sind wir über die Handels- 
beziehungen Köln's zu Venedig unterrichtet — Dank vornehmlich 
den archivalischen Mittheilungen L. Ennen's^). Es geht daraus her- 
vor, dass nicht blos die Venetianer in der ersten Hälfte auf ihrem 
Wege nach Flandern Köln besuchten ^), sondern dass zur nämlichen 
Zeit auch Kölner bereits in Venedig verkehrten. Sander unter 
(der?) Lauben aus Köln verzichtet am 19. März 1336 ausdrücklich 
auf jeden Ersatz, den er wegen des zu Venedig erlittenen Schadens 
fordern könnte ^). Vielleicht allerdings war er nur der Bevoll- 
mächtigte oder Geschäftsführer zweier anderer Kaufleute, des Engel 
von Florenz und des Heinrich von Lindau, welche einige Tage 
zuvor eine ähnliche Erklärung abgegeben hatten, dass sie nämlich 
wegen der 36 Gulden, die jenem Sander von ihnen gegeben und 
dann in Venedig genommen worden waren, die Stadt Köln nicht 
ansprechen würden ^"). Aber wenn wir im Mai 1337 von Repres- 



die Bromm später je allein genannt werden". — ') Grotefend, Quellen I, 234, 
Z. 7. — ^) ebda. 237, 435 ; cf. K. Bücher, Die Bevölkerung von Frankfui't a. M. 
im 14. und 15. Jahrh. (1886) 1, S. 245, wo jedoch einige unrichtige Citate. — 
') Bd. 1 Nr. 605 und ,Addenda'; cf. Grotefend, Quellen I, 243. — *) Röhricht 
u. Meissner, Pilgerreisen, S. 11; cf. Meerfahrt Herrn Johann Grafen zu Solms 
1483 im Reyßbuch deß heyligen Landes 1584 f. 50'. — ^) cf. E. Motta in der 
Rivista storica italiana I, 252 u. ff. und Hans Reininger (1483) in Vulpius, 
Kuriositäten Bd. VI S. 332. - •) s. Bd. I Nr. 347, 349. — ') theils in seinem 
Aufsatze: „Die Stadt Köln und das Kaufhaus der Deutschen in Venedig* in 
der „Monatsschrift für rheinisch -westfälische Geschichtsforschung und Alter- 
thumskunde' Bd. I 8. 105 ff., theils in seinen „Quellen zur Geschichte der Stadt 
Köln". — «) s. Ennen, Quellen Bd. IV S. 232 Nr. 213, Urkunde vom 22. Februar 
1335. — ") ebda. S. 2.36 Nr. 219. — '*>) ebda. S. 235 Nr. 218. 



70 Ueschichtliches. 

salien lesen ^), welche die Venetianer gegen die Kölner verhängten 
(von denen vorübergehend auch ein Brüsseler, Giovanni de Nebiet, 
zu leiden gehabt hatte), so muss man doch daraus den Schluss ziehen, 
dass eine solche Massregel die Anwesenheit, den Verkehr von Kölnern 
in Venedig nothwendig zur Voraussetzung hat. Ebenso erhellt der- 
selbe daraus, dass im Januar 1373 der Kölner Rath neben anderen 
Städten auch Venedig anzeigt ^), an welchen Merkmalen das ächte 
Kölner Goldschläger- und Golddrahtwerk erkannt werden könne. 

Im Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der Handelsverkehr 
zwischen Köln und Venedig eine Zeit lang durch eine Fehde des 
Marschalls von Pappenheim mit Venedig unterbrochen •^). Da Kölner 
Kaufleute hiebei im Pappenheimer Gebiet angehalten und der aus 
Venedig mitgebrachten Habe beraubt worden waren, untersagte der 
Kölner Rath im August 1407*) seinen Bürgern jeden Verkehr mit 
Venedig. — Einige Monate zuvor finden wir einen Kölner, Johannes 
Retchir, Sohn eines Hermanns aus Köln, als Zeugen in einer Urkunde 
vom 2. Juni 1407 aufgeführt^), der vermuthlich ein Kaufmann war. — 
Das Handelsverbot König Sigmund's vom Jahre 1418 mag dann neuer- 
dings lähmend auf diese Beziehungen gewirkt haben. Doch wird 
bereits 1423 ein Kölner, Simon de Sessalinis '^) , als in direktem 
Verkehr mit Venedig stehend erwähnt. Und dass Kölner Kaufleute 
damals und schon vorher ständige Gäste im Fondaco waren, geht 
deutlich aus dem interessanten Aktenstück vom 6. Juli 1429 (oder 
1428) hervor^), auf welches wir in anderem Zusammenhange zurück- 
kommen werden. Namentlich aufgeführt werden dann noch^): 
1430 Lorenz Stalen, der in Venedig stirbt; 

1444 Johann von der We als Vertreter der Gesellschaft Anton 

Paffendorf, Heinrich Gerlaci (Gerlach ?) und Johann von der We ; 

1464 Heinrich von der kalten Herberge (? de frigido hospitio), 

in Venedig gestorben; 
1460 Heinrich Koevoet (Kuhfuss); 

1467 Philipp Well von St. Goar und Heinrich Lovenberg, in 
deren Interesse der Kölner Rath gegen eine von der venetia- 
nischen Regierung beschlossene Erhöhung des Eingangszolles 
auf deutsche Waaren protestirte ^) ; im nämlichen Jahre 1467 
verwendet sich dann aber der Rath zu Gunsten eines anderen 
Kölners, Heinrich Sass, gegen jenen Philipp WelP"); 
1469 Arnold von Birgel, Goldschmied, gleichfalls in Venedig 
gestorben ; mit Erhebung seines Nachlasses wird Johann Sieger 
(Schläger?) beauftragt; 
1481 Johann von Wangen, in Venedig gestorben, dessen „nicht 



') Commemoriali lib. III no. 400. — -) s. Ennen, Quellen Bd. V S. 6 Nr. 4 
und , Mittheilungen aus dem Stadtarchiv in Köln", hrsg. von K. Höhlbaum, Heft I 
S. 80. — ^) Ennen in der , Monatsschrift" S. 114. — ') ebda. S. 122. — ^) Commem. 
lib. X no. 47. — *) Ennen a. a. 0. S. 115. — ') Bd. I Nr. 3.37. — *) Ennen 
a. a. O. S. 115 ff. — ') ebda. S. 116. — ^") ebda. S. 124. 



Geschichtliches. 7 1 

unbeträchtliches Vermögen von dessen damals in Venedig woh- 
nendem Freunde Huygelhanner in Obhut genommen wurde" ^); 
(c. 1482) hat Johann Rummel einen Diener oder Geschäftsführer 
in Venedig, der mit jenem des Frankfurter Hauses Stalburg 
in Streit gerieth ^) ; 
1487 wird ein gewisser Gottschalk (?) aus Köln in Venedig als 

Zeuge genannt ^) ; 
1490 Gerardus und Henricus Justus^); 

1497 finden wir ein anderes Glied der Familie Rummel, Namens 
Heinrich^), im Besitz einer Kammer im Fondaco, die ihm 
von Anderen streitig gemacht wird, worauf später gleichfalls 
noch zurückzukommen sein wird. 

Und endlich haben wir zu erwähnen, dass der Ritter Arnold 
von Harff, als er sich auf dem Wege nach Jerusalem 1497 in 
Venedig aufhielt, im Fondaco in der Kammer des Anton Paffendorf 
(cf. oben zum Jahre 1444), wie er selbst erzählt*'), freundliche 
Aufnahme fand. 

Arnold von Harff beschreibt uns in seiner inhaltsreichen 
, Pilgerfahrt" **) sehr anschaulich, aber freilich nur viel zu kurz das 
Treiben der Kaufleute im Fondaco und am Rialto. Für uns ist 
hier von besonderem Interesse und bemerkenswerth, dass er schreibt: 
jeder Kaufmann habe im Fondaco seine eigene Kammer, sowohl der 
von Köln, als von Strassburg, Nürnberg, Augsburg, Lübeck und 
anderen Städten des Reiches. 

So stand also auch Lübeck mit Venedig in direkter Handels- 
verbindung? Allerdings. Wir finden''), dass bereits im Jahre 1376 
Wechsel auf Venedig für Lübecker ausgestellt wurden: von einem 
,Hinricus Korsnere de Bauenberghe' für ,Sigbot Crispin'; für den 
ersteren stand gut Petrus Cuper. Pauli meint zwar, dass dieser 
Wechsel nicht ,a drittura' , sondern durch Vermittlung Nürnberger 
Häuser gezogen wurde. Allein wir lesen dann z. B. ferner®), dass 
1378 ein Lübecker Jordanus Kubbeling in Venedig 10 Falken 
(die dann nach Alexandria weiter gingen) verkaufte, so dass an 
einem direkten Verkehr nicht gezweifelt werden kann. Dass der- 
selbe nicht sehr rege gewesen sein wird, begreift sich ja. Wir finden 
daran betheiligt: 

1405 Wernher Ducker«); 
1410 Petrus Carbo^'^); 



') Ennen a. a. 0. S. 117. Sollte dieser „Huggelhanner" nicht vielleicht mit 
dem oben (S. 69) genannten , Peter Ugelheimer" aus Frankfurt identisch sein? — 
'') Kriegk a. a. 0. S. 444. — =*) Bd. I Nr. 577. — ") ebda. Nr. 583. - ') Ennen, 
Monatsschrift S. 127. - «) Ausgabe von E. von Groote (Köln 1860) S. 41. - ') Codex 
diplom. Lubecensis tom. IV no. 287, und C. W. Pauli, Lübeckische Zustände im 
Mittelalter Hft. II S. 103 u. S. 141 Nr. 43. — «) Codex diplom. 1. c. Anm. 1. — 
*) Bd. I Nr. 291. - '") ebda. Nr. 301. Dass die Familie der Carbo öfters in 
Venedig verkehrte, geht auch daraus hervor, dass ein Nicolaus Carbo 1421 
als Bevollmächtigter der Stadt Stralsund erscheint, um für dieselbe eine Art 
Bündniss oder Vertrag mit Venedig abzuschliessen , der den Stralsundern , wenn 



72 Geschichtliches. 

1424 Cornelius Veckinghausen ^) ; 
1467 Hans Schinkell, Hans Vogede und Peter Vrouwdenbergh ^) ; 
1472 Heinrich Drosedouw^); 

1473, 1478, 1482 Hans Bückinck und (Geverde?) Heynecke, 
welche in Venedig eine Handelsgesellschaft (1473) begründet 
hatten, bei der auch ein Lübecker Heinrich Prume betheiligt 
war. Im Jahre 1478, als Heinrich Prurae bereits todt war, 
betrug dessen Vermögen in der Gesellschaft 15,108 Mark und 
vermehrte sich dann noch weiter*). — 

In einem ziemlich regen Verkehr mit Venedig stand Breslau 
und zwar nachweisbar seit der zweiten Hälfte oder dem Ausgang 
des 14. Jahrhunderts. Im Jahre 1397 kam ein Bevollmächtigter 
des venetianischen Geschäftshauses Paruta nach Breslau, um dort 
von Franz Dumloz Schulden einzutreiben, die dessen Geschäfts- 
führer Nickel in Venedig selbst nicht hatte bezahlen können^'). 
Breslau war ja „seit alten Zeiten der grosse Stapelplatz, wo die 
Rohprodukte des Ostens, Salz, Pelzwerk, Häute und Leder umge- 
tauscht wurden gegen die Produkte des Welthandels, der Spezereien 
und Gewürze , welche aus den niederländischen Hafenplätzen , aber 
auch aus Venedig bezogen wurden" . . . „Im 15. Jahrhundert ist 
sicher der grössere Theil der überseeischen Artikel auf diesem 
Wege (über Venedig) nach Breslau gekommen ..." "). Namentlich 
aufgeführt finden wir da: 

1410 Johannes Grofener (Groschener?)'') und seinen Geschäfts- 
führer (?) Nicolaus Chever; 
1429 und 1440—1441 Johannes Banch (Bänke?)«); 
1436 Georg Bauliaw, in Venedig gestorben und bestattet^); 
von 1449 an Albrecht Scheurl^"); 
1466 Niklas Tinzmann, Hans Gebauer u. Cie. ^^); 

1481 Niklas Kurn, Hieronymus Scheuerlein u. Cie.^^); 

1482 (Okt. 10) stirbt Marcus Kurn in Venedig und wird im Kloster 
des h. Salvator daselbst begraben ^^). 

Von den übrigen Städten Schlesiens finden wir nur Bautzen 
mit einem Johannes, Sohn eines Petrus, im Jahre 1429 vertreten^*). 



sie auf dem Wege nach Rom Venedig passirten, gute Aufnahme zusichern sollte ; 
s. Erdmannsdörffer, De commercio etc. S. 36 — 38. — ^) s. Codex diplom. Lubec. 
tom. VI no. 633. — 2) Pauly a. a. 0. Hffc. II S. 140 Nr. 41. - ') ebda. S. 141 
Nr. 43. — ^) ebda. Hft. III S. 36. — '*) Hüllmann, Städtewesen des Mittelalters 
Bd. I S. 362 aus Klose, Dokumentirte Geschichte und Beschreibung von Breslau 
Bd. II Thl. II S. 353. — ®) Grünhagen, C, Schlesien am Ausgang des Mittelalters 
in der Zeitschr. des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens Bd. XVIH 
S. 39; cf. zur Bestätigung Bd. I Nr. 434. - ') Bd. I Nr. 303. — «) cf. Hüllmann 
a. a. 0. S. 363 und Bd. I Nr. 358, 367, 368, 434. — ») in S. Giovanni e Paolo; 
cf. später bei den Grab Schriften.^ — ") A. v. Scheurl, Christoph Scheurl etc. in 
den Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg Heft 5 S. 15. 
— '^) Grünhagen a. a. 0. aus Klose's Darstellung der inneren Verhältnisse der 
Stadt Breslau 1458—1526 in Bd. III der Script, rerum Silesiac. p. 137. — 
^2) Grünhagen ebda. - '^) Scr. rer. Siles. III, 401. - '*) Bd. I Nr. 358. 



Geschichtliches. _ 73 

Der Handel Schlesiens hatte eben in Breslau seinen „natür- 
lichen und anerkannten Mittelpunkt" ^). „Nach Westen zu aber 
war für Breslau Nürnberg die Hauptstation. Vielfach sind Kauf- 
mannsfamilien von daher nach Breslau übergesiedelt"^); und da 
wir öfters sehen ^), wie Kaufmannsgüter von Breslau über Nürnberg 
nach Venedig gehen und umgekehrt von Nürnbergern Venetianer 
Waaren weiter nach Breslau befördert werden, schhessen wir wohl 
passend hier die Betrachtung des Antheils von Nürnberg an dem 
Handel nach Venedig an. 

Den Beginn desselben genau festzusetzen ist wiederum nicht 
möglich. Dass er kaum schon in das 11. oder 12. Jahrhundert fällt, 
ist theils schon oben theils von Anderen mit dem Bemerken zurück- 
gewiesen worden, dass sich wenigstens bisher dafür keine Beweise 
aus den Quellen anführen lassen ^). Im Gegenthei] : es liegen viel- 
mehr Zeugnisse vor, dass erst am Ausgange des 13. oder im An- 
fange des 14. Jahrhunderts die Nürnberger begonnen hätten, nach 
Venedig Handel zu treiben. Das Letztere wenigstens sagt geradezu 
Sigmund Meisterlin in seiner Chronik von Nürnberg ^), während 
nach Joh. Perd. Roth's Angaben *') die Ebner und Behaim bereits 
in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch den Handel nach 
Venedig reich geworden wären, so dass z. B. Konrad Ebner dem 
Kaiser Rudolf I. im Jahre 1276 in Folge dessen eine ansehnliche 
Summe Geldes habe leihen können. Jedenfalls aber war das 14. Jahr- 
hundert erst die Zeit, wo der Verkehr lebhafter wurde, der ja dann 
so mächtig — ja vielleicht mehr als sonst etwas — zu dem Auf- 
blühen Nürnbergs beigetragen hat. Es ist wohl als sehr zutreffend 
zu bezeichnen, wenn die venetianische Regierung einmal bemerkt '), 
dass durch den Handel mit Venedig die Nürnberger „gewissermassen 
von Nichts zu den grössten Reichthümern gelangt seien". 

Anfangs scheinen die Nürnberger auch nicht gar zu grossen 
Gefallen an demselben gefanden zu haben. Die Beschwerden, welche 
am Ausgang des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts gegen das 
Institut des Fondaco überhaupt, wie gegen die mancherlei Beschrän- 
kungen und Besteuerungen des deutschen Handels in Venedig erhoben 
wurden und derer wir mehrmals gedacht haben ^) — sie sind zweifels- 



') Grünhagen a. a. 0. S. 39. — ^) Grünhagen ebda. Umgekehrt haben sich 
geborene Breslauer auch in Nürnberg niedergelassen, wie der bekannte Christoph 
von Scheurl , der in der Geschichte Nürnbergs eine so bedeutende Rolle gespielt 
hat; cf. A. v. Scheurl a. a. 0. — ') cf. Bd. I Nr. 368, 412 und Baader im 
38. Jahresber. d. bist. Ver. f. Mittelfranken S. 112. - *) s. oben S. 8 und Kief- 
haber, Ueber die Handelsverbindung Teutschlands mit Italien in den Zeiten 
des Mittelalters in der „Zeitschrift für Baiern und die angrenzenden Länder" 
2. Jahrg. 3. Bd. 1817 S. 348—349. - ") II, c. 6; s. Chroniken d. d. St., Nürn- 
berg, Bd. III S.;.220 ,erigebatur tunc (zur Zeit König Albrecht's 1.) civitas 
paulatim in emporium Francorum et Noricorum, et cives allecti dulcedine questus 
Veneciis et Alexandrie coramercia ceperunt exercere.' — ^) Geschichte des Nüm- 
bergischen Handels Thl. I S. 52 ff.; s. auch Erdmannsdörffer a. a. 0. p. 23. — 
') Bd. I Nr. 127. — ') cf. oben S. 12, 29, 32. 



74 . Geschichtliches. 

ohne von Nürnbergern ausgegangen. In den vierziger Jahren des 
14. Jahrhunderts drohte dann ein ernsterer Zwist wegen Aufhaltung 
venetianischer Waaren in Nürnberg, die gedeihliche Entwicklung 
der gegenseitigen Beziehungen zu hemmen und zu stören ^). Doch 
wurde das gute Einvernehmen schliesslich wieder hergestellt und 
hat sich dann mehr und mehr gefestigt und bis zu wahrer Freund- 
schaft ausgebildet. Ein Beweis dafür , für die Innigkeit der Be- 
ziehungen , liegt in der gleichfalls schon erwähnten Thatsache ^), 
dass in den Jahren 1418 und 1420 eine Reihe Nürnberger Kaufleute 
lieber sich bestrafen Hess, als König Sigmund's Befehlen, von dem 
Handel nach Venedig abzustehen, Folge leistete. So sehr war dieser 
damals für sie bereits eine Lebensfrage geworden. 

Es ist denn nun auch eine erkleckliche Anzahl von Namen, 
die wir an demselben betheiligt finden und darunter die Namen der 
ersten hervorragendsten Geschlechter Nürnbergs. Ausser den schon 
erwähnten Behaim und Ebner, welche während dieses ganzen 
Zeitraumes fast ununterbrochen nach Venedig und Italien Handel 
getrieben zu haben scheinen ^) , ohne dass jedoch genauere Zeitan- 
gaben im Einzelnen hiefür aus Urkunden bekannt wären, und ausser 
der Familie Mendel und Koler, welche gleichfalls schon seit der 
Mitte, beziehungsweise zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts an 
diesem Handel Theil genommen haben '^), sind noch folgende Nürn- 
berger einzeln anzuführen : 

1331 Marquard Tockler''), vielleicht allerdings auch nur ein 
Vertreter der Behaim; 

1333 ein Fredericus ") ; 

1334 ein Henricus''); 

1344 ein Henricus, vielleicht identisch mit dem vorhergehenden^); 
1348 ein Conradus Leo (Konrad Low?), der es freilich bestritt 
ein Nürnberger zu sein ^) ; 

1356 ein gewisser Andreas, dem Seidenwaaren im Werthe von 
300 Gulden beschlagnahmt worden waren, die er, unkundig 
der inzwischen in Venedig erlassenen Verbote, dorthin gebracht 
hatte ^^); wie für diesen, trat der Kaiser 

1357 für zwei andere Nürnberger Kaufleute ein: Ulrich und 
Konrad Botenstein ^ ^) (Potestain), deren Geschäftsführer übrigens 
jener Andreas gewesen zu sein scheint; 

1358 Marcus Pfinzing, der als ,hospes' bezeichnet wird^^), von 
dem es also zweifelhaft, ob er in Venedig selbst verkehrt; 
ferner ein gewisser Paulus ^ ^) ; 



') Bd. I Nr. 120-123, 127—132, 135. 136, 138, 140—144, 147. — ') cf. oben 
S. 45. — ^) s. Roth a. a. 0. S. 51 ff. — -■) cf. Bd. I Nr. 362, 351. — "') Lochner, 
Geschichte der Reichsstadt Nürnberg zur Zeit Kaiser Karl's IV. (1873) S. 161. — 
«) Bd. I Nr. 784. — ') ebda. Nr. 787. — **) ebda. Nr. 106. - ") ebda. Nr. 145. 
— ^'') Commemoriali lib. V no. 185 und Winckelmann, Acta imp. II no. 817. — 
") ibid. p. 264 no. 239. Winckelmann, Acta II no. 839 und Bd. 1 Nr. 164. — 
»2) Bd. I Nr. 177. 



(ieschichtliches. 75 

1359 ein Armanus ^); 

1360 Brant Gross (Prandus Grossus), ein Sohn Philipp's Gross ^) ; 
1364 ein Marcus und sein Bruder Conradus^); 

1377 wird Marcus Mendel als ein „grosser Kaufmann" gerühmt '*), 
der — vielleicht einer der ersten — die von ihm und seinen 
Brüdern bisher benützte Kammer sammt Gewölbe im Fondaco 
auf unbestimmte längere Zeit zur Benützung zugestanden 
erhält, da er derselben nothwendig bedürfe, auch für die In- 
standhaltung derselben bereits viel aufgewendet und um die in 
Nürnberg verkehrenden (oder aufgehaltenen?) Venetianer sich 
verdient gemacht habe; 
c. 1377 — 1379 Konrad Behaim, von dessen Schulden in Venedig 
das Testament seines Vaters Erwähnung thut^). 
Seit dem Ende der 70er Jahre des 14. Jahrhunderts ver- 
kehrten in Venedig auch die Familien Koler und Füchsel, Kress 
(besonders Fritz Kress) und Rummel (besonders Heintz Rummel*^). 
Ferner werden genannt: 

1383 Philipp Grandis (Gross ?)^); 

1385 Marquard Mendel, der am 4, Juni d. J. in Venedig stirbt^); 

1386 Philipp Strucius '■») ; 

1387 Rudolf Gundelfinger und Bernhard Lang(?)i''); 
1392 Wilhelm Mendel ^i); 

1396 stirbt Konrad Imhof in Venedig ^^); 

1397 stirbt Sigmund Schopper in Venedig ^^); 

1398 Berthold Fosse (?)i*); 

1401 und 1402 W^ilhelm Rummel und sein Schwager Andreas 

Heller, Konrad Sailer, Hans Kress ^^); 
(1402 Ulrich Semler der Junge, Wilhelm Rummel, Hilpolt Kress, 

Hans Birkheimer, Ecke vom Sterne, Konrad Seyler, Andres 

Haller, Kunz Haller, Jacob Ortlieb, Fritz Schurstab, Jacob 

Granetl, Sebold Ellwanger ^ *^) ; 
1404 Konrad Pirkheimer und Heinrich Imhof ^^); 



') Bd. I Nr. 180. — "-) ebda. Nr. 183; Verwandter Ulman Stromer's, 
s. dessen Gedenkbuch II c. 28 in den Chroniken d. d. St., Nürnberg, I, 72; 
Brant Gross, welcher 1380 im Rath sass und zu den „Alten Genannten" gehörte 
(s. Roth, Geschichte der Nürnb. Karthause, S. 29), starb im Jahre 1393 (s. Ulm. 
Stromer ebda. IT, c. 32; Chron. I, 89). — ^) ebda. Nr. 201. — ') ebda. Nr. 240. 
- ') Lochner, Gesch. d. Stadt Nürnberg etc. S. 161. — ") cf. Bd. 1 Nr. 351, 
363 und (Kress) Beiträge zur Nürnberger Handelsgeschichte aus den Jahren 1370 
bis 1430 in den , Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg" 
2. Heft S. 187. — ') Bd. I Nr. 247. - «) der berühmte Stifter des Karthäuser- 
Klosters in Nürnberg; s. Roth, Gesch. der Nürnb. Karthause, S. 59. — ') Bd. I 
Nr. 254. — ">) ebda. Nr. 256. — ") ebda. Nr. 273. — '^) s. Ulman Stromer's 
,Püchel von meim geslechet^ ... II c. .32 (Chroniken der deutschen Städte, 
Nürnberg, I, 95); bestattet in der Kirche S. Giovanni e Paolo; cf. später bei 
den Grabschriften. — '^) Ulman Stromer a. a. 0. Chroniken I, 87. — '*) Bd. I 
Nr. 279. — '*) Deutsche Reichstagsakten Bd. IV S. 427 Nr. 357 § 11 und Bd. V 
S. 216 Nr. 37, 58, 60. — '«) ebda. Bd. V S. 217 Nr. .50 Anm, 6 , Gläubiger Kaiser 
Ruprechts". — ") Bd. I Nr. 288. 



76 Geschichtliches. 

1405 stirbt Peter Haller in Venedig^); 

1406 die Söhne des verstorbenen Johannes Imhof, Erhard, Sebald 
Johannes, Pankratz, Paul ^) ; ferner Heinrich Imhof und Rudolf 
Gundelfinger (wiederum) ^) ; 

1407 Johannes Kress, Sohn des Kraft Kress*), Heinrich Rummel 
und Ulrich Imhof, beide Söhne gleichnamiger Väter ; 

1410 Ulrich Hirschvogel und Franziscus Pfinzing^); Wilhelm 
Rummel, Konrad Pirkheimer und Rudolf Gundelfinger **) ; 

1412 Wilhelm und Johannes Rummel'); 

1416 Christoph Eisenhuter stirbt zu Venedig^); 

1418 Fritz und Kunz Pirckamer (Pirkheimer), Hans Teuffei, Peter 
Pfinzing, Seiz Schmelzing, Ulrich Hirschvogel, Hermann 
Reinsperger, Hans Rab, Georg Lohner, Jakob Auer, Ulrich 
Ebner, Hermann Schedel, Wilhelm von Castell, Rudolf Gundel- 
finger, Jobst Schnödt: alle wegen Uebertretung oder Miss- 
achtung des von König Sigmund erlassenen Handelsverbotes 
bestraft^). Dasselbe widerfuhr 

1420 Peter Neumeister, Hermann Vohenstein, Sebald Halbach 
(Halbwachsen?), Endres Gewein (Cleewein?), Hans Ottnant, 
Barthl Ziegler, Hermann Reck, Seiz esterreicher, Hans 
Sigwein, Sigmund Pfinzing, Osswald Tillinger, Niclas Kauf- 
mann, Heinrich Hainzerlein, Barthl Zeichenmeister (Zeichen- 
macher), Lorenz Nördlinger, Hans Hirschvogel. Und zum 
zweiten Mal wurden aus dem näinlichen Grunde bestraft: 
Hans Teufel, Peter Pfinzing, Seiz Schmelzing, Hans Rab, 
Jakob Auer, Ulrich Ebner, Hermann SchedeP^). Ferner sind 
zu nennen : 

1421 Hermann Reck^^) und Nicolaus Halbwachsen, der wenigstens, 
aus Nürnberg ausgewiesen, in Venedig seinen Aufenthalt nahm, 
wo er wohl schon früher verkehrte ^^); 

1422 Johannes Daga (Pstatt Auer?)^^); 

1423 Wilhelm Rummel wiederum^*); 

1424 Stephan und Johannes Koler ^^); ferner Konrad Reck a 
Vertreter der „Konrad Kress und seiner Brüder etc." Gesell- 
schaft^*'). „Auch seinen ältesten Sohn zweiter Ehe, Fritz, sandte 
Konrad Kress nach Venedig und Hess ihn bei seinem Geschäfts- 
freunde Franzesco de Amado zwei und ein halbes Jahr die Lehre 
durchmachen, wogegen der Sohn des Letzteren während der 

') cf. Chroniken I, 89 ; bestattet in der Kirche S. Giovanni e Paolo, s. später 
bei den Grabschriften. — ^j Bd. I Nr. 292. - =*) ebda. Nr. 293. — ") (Kress) a. a. 0. 
S. 188; cf. Commemoriali lib. X no. 47 (Monum. III p. 322, wo statt Giovanni Cresso 
figlio di Crest. di Norimberga mit der Handschrift (fol. 38) zu lesen ist : ,testibus 
Johanne Cresso, filio Crost (verschrieben statt Croft) de Norimbergo.' — 
") Bd. I Nr. 298. — *') ebda. Nr. 304, 305. — ') ebda. Nr. 307. — «) Be- 
stattet in S. Giovanni e Paolo ; cf. unten. — ®) Roth, Gesch. des Nürnb. Handels, 
I, 112. — ^«) Roth a. a. 0. - ") Bd. I Nr. 327. - i^) ebda. Nr. 328. — ^*) ebda. 
Nr. 329. — ^*) ebda. Nr. 330. — '^) ebda. Nr. 340. — ^®) s. (Kress) Beiträge etc. 
a. a. 0. S. 188 u. 190. 



dd, ■ 
lolf j| 



4 

als 




Geschichtliches. 77 

gleichen Zeit bei ihm in Nürnberg sich aufhielt. Ebenso hatte 
er den Sohn eines verstorbenen Vetters, Albrecht Kress, nach 
Venedig geschickt^)." Konrad Kress selbst starb 1430; über 
seinen Nachlass erhoben sich nicht nur zwischen der Wittwe 
und den erstehelichen Kindern Streitigkeiten, sondern es mel- 
deten sich auch venetianische Gläubiger, um sich daraus be- 
friedigen zu lassen, was zu einem eifrigen Briefwechsel zwischen 
dem Nürnberger Rath und der venetianischen Regierung Anlass 
gab ^). Vorher aber sind noch zu erwähnen : 

1425 Franz Stromeier (Stromer) 2); 

1426 Jacob Tetinger, Seiz Schmelzing *) ; ferner Konrad Baben- 
berger, Paul Teufel, Nyklas Granetl, Ludwig Gruber, Konrad 
Kugler, Hans Waltstromeyer und Konrad Paumgartner, Seytz 
Oesterreicher, Ulrich Hirschvogel, Bartholomeus Knebel, Kunz 
Imhof, Nyclas Jacob, denen allen von zwei Adeligen aus 
Schwabenland, Hans von Vilibach und Konrad von Magenbuch, 
Waaren auf dem Wege aus Venedig weggeführt wurden-^); 

1427 Friedrich Usmer«); 

1427 und 1428 Stephan Koler wiederum und sein Schwiegervater 
Heinrich Füchsell ') ; 

1428 die Söhne der Wittwe Schopper^); 

1429 Rudolf Gundelfinger, Georg Pirkheimer, Marcus und Peter 
Mendel, welch' letztere alle seit längerer Zeit im Fondaco zu 
verkehren angaben ^) : 

1431 Hermann Reck^'^j, Burkhard Mufflinger ^ i), Jacob Auer, Hans 
Sigwein^^); 

1432 Johannes und Heinrich Rummel, Konrad Paumgartner, Kon- 
rad Eysfogel, Paul Teufel und Konrad Tetzel: alle Gläubiger 
des nach Venedig entflohenen Seiz Schraelzing ^ ^) ; 

1436 Johannes Swob (Schwab) als Diener der Brüder Erkem- 
brecht, Johannes und Georg Koler, nach dessen Ableben sein 
(Stief-)Bruder Peter sowohl gegen die Koler als gegen seinen 
Schwager Studenecker lange Zeit prozessirte ^*); 

1437 Endres (Andreas) Tucher, aus welcher Familie bereits seit 
Anfang des 15. Jahrhunderts Einzelne in Venedig „in der Lehre" 
gewesen waren ^ ^) ; 



*) Kress aus dem , Schenkbuch einer Nürnberger Patrizierfrau (Walpurg- 
Kressin) von 1416 — 1438" im , Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit", 1876. 
Bd. 23 S. 70. — 2) (Kress) Beiträge S. 191 und Bd. I Nr. 372, 373, 375, 376, 378, 
380, 381, 382, 383, 388. - ') Bd. I Nr. 343. — *) ebda. Nr. 346, 353. — ') Baader 
im 38. Jahresber. des histor. Ver. für Mittelfranken (1871 — 1872) S. 108; cf. Bd. 1 
Nr. 348. — ") erwähnt in den Chroniken der deut. St., Nürnberg. II, 86 und 
Monum. Boica V, 212; XXV, 64. — ') s. Zeitschr. f. Baiem, II. Jahrg., 3. Bd. 
1817 S. 357 und Bd. I Nr. 351. — *) Bd. I Nr. 354. - ») ebda. Nr. 361, 362. — 
»•) ebda. Nr. 369, 370; cf. 387, 407. - '^) ebda. Nr. 379, 384. - '^) ebda. 
Nr. 366. — '^) ebda. Nr. 388, 389 ; cf. Chroniken d. deut. St., Nürnberg, I, 373 : 
IV, 144. — *^) ebda. Nr. 411. — ") Endres Tucher's Memorialbuch in den Chron. 
d. d. St., Nürnb., II, 4, 5, 26. 



78 Geschichtliches. 



n 



1440 Konrad Imhof, Anton und Herdegen Tucher (Brüder), Ulrich 
Stark 1); 

1441 Georg Mendel, Georg Lengfelder, Anton Rigler, Wilhelm 
(oder Berthold) Hirschvogel ^) ; 

1442 Fritz Ulrich^); Konrad Paumgartner , Hans Gruber, Fritz 
Hiltprand*); Ulrich Herl, Diener des Martin Pregler und 
Johannes Gruber, Nicolaus Koler ^); 

1443 Nicolaus Streber ''); 

(1444 Lienhard Hirschvogel und Heinrich Rummel)^); 
1448 Cyriacus Hofmann*'); 

vor 1449 Konrad, Hans and Ludvrig Gruber''); 
(1449 Marcus Landauer?) i«); 
1451 Ulrich Michel ^^), als dessen Bürge in einem lang andauernden 

Prozess gegen einen Arnold von Seeland ein Birkenfeld genannt 

wird ^ ^) ; 
1453 Wilhelm und Sebald Rummel wiederum ^ ^) ; 
(1454 Nicolaus Mis und sein Vertreter Johannes Gebitzer?)^^); 
1456 Konrad Paumgartner^^); 
1460 Sebastian Rummel, Martin Paumgartner, Heinrich Eber- 

hardt^*"); ferner Heinrich Meischner und seine Gesellschaft, als 

deren Vertreter Konrad Stetbeck genannt wird ^ ') ; 
1465 Anton Paumgartner (früher 1460 Vertreter des Konrad 

Paumgartner und seiner Gesellschaft) ^ ^) ; 

1467 und 1469 Hanns Gruber; ferner Paul Imhof i^); 

1468 Johannes und Heinrich Rummel, als deren Vertreter ein 
Regensburger (?) Thomas Curtus (= Kurz?) genannt wird^"): 

1471 Konrad Imhof nnd seine Brüder ^^); 

1466 — 1473 verkehrte in Venedig Endres Tucher ^^); 

1475 Johannes Winter ^^) und Christoph Scheurl, der wiederholt 
in Handelssachen nach Venedig reiste und selbst wieder junge 
Patriciersöhne, die ihm in die Lehre gegeben wurden, dorthin 
schickte ^^); 

1) Baader a. a. 0. S. 111. — ^) Bd. I Nr. 421, 428—433. - ^) ebda. 
Nr. 438. - ■•) ebda. Nr. 439. — *) ebda. Nr. 443. - ") ebda. Nr. 444. — ') ebda. 
Nr. 450; ich schliesse die Namen ein, weil es fraglich, ob die Beiden wirk- 
lich nach Venedig gegangen. — *) Bd. I Nr, 457. — *) cf. A, v. Scheurl in 
den Mittheilungen des Vereins f. Gesch. der Stadt Nürnberg Heft 5 S. 15. — 
'") Bd. I Nr. 458. - ^^) ebda. Nr. 460—463, 466-469, 471-474. - '2) ebda. 
Nr. 466, 468. - '^') ebda. Nr. 470. — '') ebda. Nr. 475. Miz kommen in 
Nürnberg im 17. Jahrh. vor; s. Roth, Gesch. des Nürnb. Handeis, II, 256. 
Statt Gebitzer ist vielleicht zu lesen Schlebizer, die am Anfang des 15. Jahrh. 
in Nürnberg erwähnt werden. (Oder Gaubitzer? die es im 14. Jahrh. in Wiener- 
Neustadt gab; s. Gleich, A., Gesch. der Stadt W.-N. S. 157.) — ^') Bd. I Nr. 480, 
482, 485, 491. — '*) von denen freilich der Eath behauptete, dass sie nicht oder 
nicht mehr Bürger der Stadt seien; s. Bd. I Nr. 490. — '') Bd. I Nr. 491. — 
^*) ebda. Nr. 491, 498. - »») ebda. Nr. 504, 512, 510. — 2") ebda. Nr. 511; oder 
Kölner? cf. oben S. 71. — '') ebda. Nr. 520. - ") s. Anton Tucher's Haus- 
haltbuch (1507 — 1517), hrsg. von Wilh. Loose in der Bibliothek des literar. Ver. 
in Stuttgart Bd. 134 S. 60 Anm. 2. — -=*) Bd. I Nr. 535. - ^') cf. A. v. Scheurl 



I 



Geschichtliches. 79 

147G und 1478 Johannes Magnus (Gross?) ^); 

1479 Johannes Stoler ^); ein gewisser Hermann, Pferdehändler 
in Conegliano (auch 1484 erwähnt)^); Hans Tucher, Peter 
Imhof, in dessen Kammer im Fondaco Sebald Rieter der Jüngere, 
wie er erzählt, auf seiner Reise nach Jerusalem Aufnahme 
fand, wobei er bemerkt, dass diese Kammer früher die der 
Mendel gewesen sei ; Hans Knewssel (= Kneissel ?) und Peter 
Schneyder (Augsburger?) nennt gleichfalls Rietter als damals 
in Venedig anwesend'^); 

1484 Melchior Tochauer (Tücher?)^); Paul Colb (?)«): 

1487 Lorenz Angeli (wohl Engel?)'') und Brüder, denen ihre 
Kammer auch ,für immer" zur Benützung überlassen wurde ^); 

1491 Johannes Paumgartner (?)^); 

1492 Lorenz und Albert Haller ^''); Guido Imhof, der erste Consul 
der deutschen Kaufmannschaft im Fondaco, dem aus demselben 
Geschlechte in diesem Amte folgten ^ ^) : 

1493 Sebastian Imhof; 

1494 Jeremias Imhof; 

1495 Guido Imhof, vielleicht einer der unter dem nämlichen 
Jahr genannten ^ =^) Brüder des Johannes Imhof; in demselben 
Jahre wird ferner erwähnt Leonhard EysfogeP^); 

1496 Johannes Prewnlein (Bräunlein), „in Genua genannt Ange- 
linus Borlinus" ^^): 

1498 Franz Imhof, Consul ^i); 

1499 Peter Imhof, ConsuPi); 

1501 Leonhard Eysfogel wiederum ^^). Ob der in dem nämlichen 
Jahre in Venedig sich aufhaltende Hans Koberger auch, wie 
0. Hase meint, im Fondaco verweilte, ist mir zweifelhaft^^). 
In demselben Jahre war Marcus Milic Consul ^^), der vielleicht 
auch der Nürnberger Familie Mülich ^ ^) angehörte ; 
1505 Franz Hirschvogel, Consul ^^). 

Man sieht schon aus dieser Zusammenstellung, die ja aus den 
mehrfach angegebenen Gründen nicht Anspruch auf Vollständigkeit 
machen kann, wie gross die Betheiligung Nürnberg's am venetiani- 
schen Handel gewesen ist. Es kann keinem Zweifel unterliegen — 
und wir werden später noch Gelegenheit haben, dies zu konstatiren — 
dass die Nürnberger Kaufherren im Fondaco alle Zeit eine hervor- 
ragende Rolle gespielt haben, was sich ja auch schon in der bereits 

in den , Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg" , Heft 5 
S. 13 u. ff.; cf. oben S. 40. - ') Bd. I Nr. 540, 547. — ^) ebda. Nr. 551. 

— ') ebda. Nr. 553, 558, 56G. — *) s. das Reisebuch der Familie Rieter in 
der Bibliothek des literar. Vereins in Stuttgart Bd. 168 S. 37. — '') Bd. I 
Nr. 564. — «) ebda. Nr. 567. - ') cf. Roth. Gesch. des Nürnb. Handels, I, 
316. — «) Bd. I Nr. 574. — ») ebda. Nr. 586. — '">) ebda. Nr. 590; cf. Chro- 
niken d. d. St.. Nürnb., IV, 344, wo z. J. 1475 Lorenz Haller genannt wird. 

— ^>j cf. später die Consuln-Liste. — '») Bd. I Nr. 598. - ''') ebda. Nr. 600. — 
'') ebda. Nr. 615 (S. 338). — '*) „Die Koberger", 2. Aufl., S. 293. — '«) s. Roth 
a. a. 0. T, 346 und Anton Tucher's Haushaltbuch a. a. 0. S. 210. 



80 Geschichtliches, 



erwähnten Thatsache ausspricht, dass sie den Vorsitz an einer 
Tafel geführt haben. Irrig aber scheint es mir, von einer förm- 
lichen Nürnberger Gemeinde in Venedig oder im Fondaco zu 
sprechen^). Vielleicht hat zu diesem Irrthum der Umstand Ver- 
anlassung gegeben, dass in der Bartholomäuskirche zu Venedig es 
eine auf den Altar des h. Sebald gestiftete Messe gab. Sie wurde 
nach den Angaben des Nürnberger Chronisten Müller im Jahre 1434 
von den nach Venedig handelnden Nürnberger Kaufleuten gestiftet. 
„Heinrich Rummel, Kunz Imhoff, Erkenbrecht Koler und Fritz Kress 
waren die ersten Verwalter und haben die Hauptsumme in die 
Losung-Stube zu Nürnberg gelegt." Sie betrug zuerst 20 fl. und 
wurde dann bis 44 fl. erhöht 2). Möglich auch, dass im Anschluss 
daran die Nürnberger Kauf leute eine Bruderschaft unter sich errichtet 
hatten, deren später 1517 Anton Tucher zu gedenken scheint^), 
wenn anders nicht eine allgemeine Brüderschaft der deutschen Kauf- 
leute in Venedig darunter zu verstehen ist. Im Uebrigen nahmen 
die Nürnberger in Venedig und im Fondaco — insbesondere in 
diesem Zeiträume — durchaus keine Sonderstellung ein. — 

Sehr alt ist dann weiter die Handelsverbindung zwischen 
Böhmen und speziell Prag und Venedig, Nach F. L. Hübsch'^) 
standen die Prager Kaufleute am Ende des 13. Jahrhunderts in 
direktem Verkehr mit den ersten Handlungshäusern damaliger Zeit 
in Florenz, Venedig und Pisa. Wenn er freilich als Beweis dafür 
anführt, dass Papst ürban IV. im Jahre 1262 in Venedig Beschlag 
legen liess auf das Geld, welches König Ottokar für Waaren, die 
er für seinen Hof verschrieben haben mag, dahin remittirt hatte — 
so wird mancher vielleicht diesen Beleg nicht für sehr vollgültig 
zu halten geneigt sein. Beweiskräftiger ist jedenfalls der Schutzbrief 
„ohngefähr vom Jahre 1303", den Herzog Rudolf von Oesterreich für 
die durch sein Land nach Venedig reisenden Prager Kaufleute er- 
liess^). Oder die Statutensammlung von Alt- und Neuprag ,de 
hospitibus mercimonia adducentibus', welche König Wenzel im Jahre 
1304 bestätigte**). Oder die kurze Notiz in unserem Aktenstücke 
vom 4, Februar 1302 ''), wo von Repressalien der Venetianer gegen 
die Unterthanen des Königs von Böhmen die Rede ist. Vielleicht 
noch häufiger allerdings als Prager nach Venedig, kamen umgekehrt 
damals am Anfang des 14. Jahrhunderts Venetianer nach Prag, 
wofür Erdmannsdörffer ^) und Tadra ^) mehrere Zeugnisse beigebracht 



i 



^) Wie dies z. B. Hermann Grimm, Ueber Künstler und Kunstwerke 1. Jhrg. 
(1865) S. 147 thut. - ^) Roth, Gesch. des Nümb. Handels, 1, 113, 114; cf. Bd I Nr. 701. 
— ä) Haushaltbuch a. a, 0. S. 154: ,1517 beczalt dem Jörg Spengler, für das er mich 
czu Venedig in der prüderschaft, darinn ich daselbst pin, gelediget und gelost hat, 
nemlich 41 jar, die ich dahin schuldig pin gewest , . ." — '^) Versuch einer Ge- 
schichte des böhmischen Handels (1849) S. 112 ff. - *) Palacky, Ueber Formel- 
bücher 3. 323 Nr. 120. — ^) Erben, Regesta Bohemiae et Moraviae H p. 868. — 
') Bd. I Nr. 18, — *) De commercio p. 33 aus dem Jahre 1308 und 1348. — 
^) Summa Gerhardi, ein Formelbuch aus der Zeit des Königs Johann von Böhmen 



I 



Geschichtliches. 81 

haben, und wozu auch wir in der Notiz vom Jahre 1337 (28. März) ^), 
dass über 20 Jahre schon ein gewisser Petrus Vulpe nach Böhmen 
reise, einen Beitrag zu liefern im Stande sind. 

Wir haben ferner zu gedenken der Verfügung des Herzogs 
Rudolf von Oesterreich vom 25. Februar 1364, durch welche der- 
selbe den Pragern den Weg über Wien nach Venedig gestattete ^) — 
eine Erlaubniss, die Herzog Albrecht am 12. Mai 1366 dahin erwei- 
terte, dass die Prager dabei für die nächsten 4 Jahre nicht gezwungen 
sein sollten, ihre Waaren in Wien „niederzulegen" ^). Später, ca. 
1386, „legten die Wiener Kaufleute dem Handel der Böhmen mit 
Venedig grosse Hindernisse in den Weg, weshalb Wenzel gegen- 
seitige Repressalien nahm und im Jahre 1387 den Wiener Kauf- 
leuten den Handel nach Böhmen formlich untersagte. Im Jahre 1388 
erliess Wenzel ein Mandat, worin er sich aussprach, dass die 
Breslauer (?), die aus Polen und Böhmen nach Venedig zu Wasser 
und zu Land Handel treiben, darin weder gestört noch aufgehalten 
werden sollen" ^). 

Namentlich aufgeführt finden wir: 

1341 einen Johannes^); 

1363 einen Reinaldus, der die Hinterlassenschaft eines bei Mestre 
erschlagen gefundenen Christoph Payer (ob Kaufmann, wird 
nicht gesagt) in Empfang genommen hat*"); 

1399 und 1404 einen Petrus Cochus (Peter Koch?, Sohn eines 
Boschus Koch) ''). — 

Nur dürftig sind die Nachrichten über Handelsbeziehungen 
des benachbarten Mähren zur Lagunenstadt. Nach Weiss*) ge- 
stattete erst (oder wieder?) in den Jahren 1462 und 1463 Kaiser 
Friedrich IV. den Brünnern die Handelsverbindung mit Venedig, 
als die Wiener sich gegen ihn empörten. In unseren Urkunden 
werden bereits zum Jahre 1337 ein Conradus aus Brunn und ein 
Corradus aus Mähren als in Venedig Handel treibend erwähnt ^). — 
Wie aus dem Capitolare dei Visdomini hervorgeht, wurden 
auch die Ungarn und Polen ^^) und selbst die Unterthanen des Her- 
zogs von Savoyen ^^) damals als Angehörige des deutschen Reiches 
betrachtet, und wenn sie nach Venedig mit Waaren kamen, den 
übrigen Deutschen gleichgestellt. Aber ich glaube, wir können 
füglich von diesen Ländern hier abstrahiren — abgesehen davon, 

(c. 1336-1345) herausg. von F. Tadra im Archiv f. österr. Gesch., Bd. 63 S. 540 
Nr. 199: König Johann befreit den Kaufmann ßaldevin Valaster aus Venedig von 
sämmtlichen Mauth- und Zollabgaben in Böhmen; cf. Tomek, Gesch. der Stadt 
Prag S. 353. — ') Bd. I Nr. 94. — ^) Pelzel, Kaiser Karl IV. Bd. II Urkundenbuch 
S. 336; cf. auch S. 367. — ') Pelzel a. a. 0. Urkundenbuch S. 308. — ") Hübsch, 
Versuch S. 264. - ■*) Bd. I Nr. 799. — «) ebda. Nr. 196. — ') ebda. Nr. 290. — 
8) Geschichte der Stadt Wien Bd. I S. 213. — ») Bd. I Nr. 96. - ^«) s. pag. 227 
cap. 3 no. 13 Verordnung vom 31. August 1475 (abgedruckt auch von Ennen in 
der Monatsschrift etc. I S. 126; cf. Bd. I Nr. 139, wo ein Johannes und ein Theo- 
doricus aus Polen im Jahre 1348 ausdrücklich als Deutsche bezeichnet werden. 
— ^') cap. 243 p. 137 Verfügung vom 3. Januar 1427. 

6 



82 



Geschichtliches. 



dass uns über ihre Handelsbeziehungen zu Venedig nichts Näheres 
bekannt ist. Dass die ungarischen Kaufleute frühzeitig, z. B. schon 
in den Jahren 1224, 1226 und 1227 nach Venedig gekommen sind, 
erhellt aus einzelnen Angaben im Liber Plegiorum ^). 

Somit hätten wir unsere etwas anstrengende Rundreise durch 
die verschiedenen Länder und Städte unseres deutschen Vaterlandes 
und, wie wir vielleicht hinzufügen dürfen, durch einen grossen Theil 
der einschlägigen Literatur beendet. So sehr wir uns dabei bemüht 
haben, die Träger der deutsch-venetianischen Handelsbeziehungen 
in diesem Zeiträume, soweit sie namentlich in unseren Urkunden 
vorkommen, in Reih und Glied zu stellen, ihnen ihre Heimaths- 
stätte anzuweisen — leider bleibt noch eine freilich verhältnissmässig 
geringe Zahl solcher übrig; die wir bisher nicht oder nicht sicher 
unterzubringen im Stande gewesen sind. Ich will sie hier wenigstens 
in alphabetischer Ordnung aufführen: 

Adguil, Albert 1495 2); 

Athemannus 1317^) (vielleicht identisch mit dem 1343 genannten 
Altemannus aus Regensburg) ^) ; 

Ganter, Johannes 1355'^); 

Garne, Marcus 1476 (Wiener? Laibacher?) ^); 

Giler, Georg 1476 (Laibacher?) «^); 

Gonradus und Gon^olinus 1329 ''); 

Gonradus 1345^); 

Gronier, Bulfardo 1489 (Wiener? oder Genfer ?)'^); 

Curatiis, Paulus 14631"); 

Diatrichus de Bangha 1356 ^i); 

Gebizer, Johannes 1454 (Nürnberger? Wiener - Neustädter ?) ^ 2); 

Gualterius (Walter) 1329 1^); 

Henricus de Matho 1319 i'^); 

Jacobus 131615); 

Justus de Orlinger (Nördlingen?) 14761*^); 

Leonardus 1355 i''); 

Leonardus de Lancoleto 1364 1^); 

Limpech, Johannes 1483 (Regensburger?) 1^); 

Luchinius, Johannes 1350 2^); 

Magnus, Johannes 1476 (Nürnberger?)^!); 

Mis, Nicolaus, Sohn des Petrus Mis 1454 (Nürnberger?) ^ 2); 

Morretus 1327^3); 



1) Predelli, Regesti p. 68 no. 189; p. 99 no. 392 und p. 121 no. 502; s. auch 
Minotto, Documenta ad Bellunum etc. spectantia. Sect. I p. 71 ad a. 1286, 20 Mai u. fF. ; 
cf. oben S. 9. - ') Bd. I Nr. 598. - ') ebda. Nr. 50 ; cf. 804. — ■•) Commemoriali 
lib. V no. 100, 111. — ') Bd. 1 Nr. 544. - '') ebda. Nr. 540. — ') ebda. Nr. 83. — 
») ebda. Nr. 113. — ^) ebda. Nr. 581. — '') ebda. Nr. 496. — ") ebda. Nr. 163. 

— 12) ebda. Nr. 475; cf. oben S, 78. — ") ebda. Nr. 83. — '*) ebda. Nr. 61. - 
") ebda. Nr. 43. — '') ebda. Nr. 545. - ^'] ebda. Nr. 158. - ^^) ebda. Nr. 205. 

— 1») ebda. Nr. 559. — '») ebda. Nr. 152. - ^') ebda. Nr. 540, 547. — ^^) ebda. 
Nr. 475. — 2*) ebda. Nr. 75. 




Geschichtliches. 83 

Pichel, Johannes 1467^); 

Rigus 1363 2); 

Siaorle, Marcus 1476 (Memrainger ?) 2) ; 

Staynsulzer, Peter 1439*); 

Tencumath, Peter 1346 5); 

Tochauer, Melchior 1484 (Nürnberger?)^); 

Varnerius (Werner) de Cono 1343^); 

Zodoler, Johannes 1483 (Regensburger?) ^). 

Welch' eine stattliche Reihe von Namen erscheint hier als 
Träger der deutsch-venetianischen Handelsbeziehungen ! Zwar nicht 
Alle, die wir hier aufgeführt, mögen oder sind gewiss nicht in eigener 
Person nach der Lagunenstadt gekommen — durch Vertreter u, s. w. 
konnten sie, wie wir sogleich näher erwähnen werden, ihre Geschäfte 
dort führen lassen ; und namentlich im späteren Mittelalter und von 
Seite derjenigen Kaufleute, welche seit längerer Zeit mit Venedig 
in, Geschäfts Verbindung standen, wird das vorzüglich geschehen sein. 
Aber andererseits müssen wir bedenken oder uns daran erinnern, 
dass die von uns oben aufgeführten Kaufleute nur einen kleinen — 
wir wissen leider nicht den wievielten — Prozentsatz aller derer 
bilden, die mit Venedig in Geschäftsverbindung standen, die eben nur 
deshalb in Urkunden nicht erwähnt werden, weil ihnen weder auf der 
Reise noch in Venedig etwas widerfuhr, was Anlass zu Reklamationen 
hätte geben können. Wenn nun aber jährlich so und so viele unserer 
Landsleute nach der Lagunenstadt kamen — welch' eine Menge von 
Eindrücken, Erfahrungen und Anschauungen wurde da zugleich ge- 
wonnen! und in welch' unermesslicher Fülle musste da venetianische 
Kultur und Gesittung nach Deutschland zurückströmen! 

Ich habe eben der Vertreter der Kaufleute gedacht und 
mehrere solcher ja bereits mit Namen zu nennen Gelegenheit gehabt. 
Nach den Bemerkungen von Kriegk ^) , die anderweitig ihre Be- 
stätigung finden, haben wir da zu unterscheiden zwischen den Hand- 
lungsdienern oder Commis, ,famuli, servitores', und den Geschäfts- 
führern, den ,actores, factores, negotiorum gestores'. Die ersteren 
mögen wohl nur seltener, in einzelnen Fällen, von ihren Herren zur 
Wahrung ihrer Interessen u. s. w. mit einem bestimmten Auftrag nach 
Venedig geschickt worden sein. Die ,factores' hingegen waren gewiss 
für längere Zeit die (ständigen) Vertreter des betreffenden Hauses, 
das sie nach Venedig gesandt ^*'j. Namentlich Handelsgesellschaften, 
die sich gerade für den auswärtigen Handel leicht bildeten und 
deren frühzeitig mehrere genannt werden ^^), pflegten in dieser Weise 
eich vertreten und ihre Geschäfte führen zu lassen. Natürlich, dass 



1) Bd. I Nr. 506. - -) ebda. Nr. 199. — ^) ebda. Nr. 544. — ") ebda. Nr. 418. 

— •') ebda. Nr. 115. - ") ebda. Nr. 564. - ') ebda. Nr. 105. — «) ebda. Nr. 559. 

— ®) Deutsches Bürgerthum im Mittelalter, Neue Folge, S. 443 Anm. — 
">) s. Bd. I Nr. 164, 409, 491, 622. - '>) s. Kriegk a. a. 0. S. 439; Mone, Zeitschr. 
f. Gesch. d. Oberrheins IV, 244 ff.; Heyd, Oberschwäbischer Handel mit Italien 



84 Geschichtliches. 

dieser ,factor' dann noch Untergebene, „Lehrlinge", famnli u. s. w. zu 
seiner Unterstützung hatte, dass so in der That eine förmliche Filiale, 
ein „Gleger" des Hauses oder der Gesellschaft in Venedig entstand, 
wie wir beispielsweise von dem „Gleger" der Fugger gehört haben. 
— Wie aus dem Capitolare ^) erhellt, wurden unter dieser Maske 
aber auch oft Betrügereien verübt: da kamen Leute nach Venedig, 
die sich als Vertreter einer der grossen deutschen Handelsgesellschaften 
ausgaben, in deren Namen grössere Käufe auf Kredit abschlössen 
und beim Zahlungstermin — verschwunden waren. Die Regierung 
beschloss daher im Jahre 1448, in Zukunft Beglaubigungsschreiben 
und Zeugnisse zu verlangen. 

In der Regel wurde wohl bei Kauf und Verkauf baar bezahlt; 
wir sehen aber schon aus dem eben angeführten Aktenstück , dass 
auch das Kreditgeschäft in Anwendung kam, und dann weiter gewiss 
überhaupt alle Arten des damaligen Geschäftsverkehrs, wie das ja 
vom Wechsel — bekanntlich einem italienischen Produkt — von 
Schuldscheinen u. s. w. genügend bezeugt und auch durch ein- 
zelne unserer Urkunden zu belegen ist^). Nach dieser Richtung 
hin und überhaupt für das venetianische Handelsrecht belehrend 
scheinen mir da die Verhandlungen vor dem Gericht der .Giudici 
di Petizion', die ich deshalb ausführlich mittheilen zu sollen ge- 
glaubt habe. Auch die Vergleiche, welche zwischen falliten oder 
zahlungsunfähigen deutschen Kaufleuten und ihren Gläubigern in 
Venedig getroffen wurden, beanspruchen unser volles Interesse ^). Ich 
möchte hier nur noch speziell darauf aufmerksam machen, wie eifrig 
sich die venetianische Regierung um das Zustandekommen solcher 
Vereinbarungen bemühte und oftmals, über den Widerspruch einzelner 
Gläubiger sich hinwegsetzend, das getroffene Uebereinkommen billigte 
und für perfekt erklärte — ein neuer Beweis für die wohlwollende, 
wenn auch von selbstischen Interessen gewiss nicht freie, Gesinnung 
der venetianischen Regierung gegen die deutschen Kaufleute. 

Am meisten würde es uns nun aber interessiren, über das 
innere Leben der deutschen Kaufleute im Fondaco, über 
die innere Geschichte dieser deutschen Kolonie in Venedig, wenn 
man so sagen darf, etwas Genaueres zu vernehmen. Leider sieht 
es hier aber mit unserer Kenntniss für das ganze Mittelalter nicht 
eben besonders gut aus. Dem Wenigen, was Heyd hierüber zusam- 
mengestellt hat, vermögen wir nicht viel Neues hinzuzufügen. 



und Spanien in den Württemberg. Vierteljahrsschriften f. Landesgeschichte 1880 
S. 147 aus der Chronik des Ladislaus von Suntheim; cf. Bd. I Nr. 247, 361, 363, 
390, 409, 491, 526, 594, 598, 605, 606, 622. — ') pag. 174 c. 283 a. 1448. — 
■') s. Bd. I Nr. .30, 533; 76, 77, 2.S3, 258, 259, 268, 271, 278, 290, 301, 303, 512; 
cf. 0. Ruland, Haushaltbuch a. a. 0. S. IX, femer Zeitschr. f. d. gesammte Handels- 
recht Bd. VI, 540; VIII, 37 mit Rücksicht auf das von Mone a. a. 0. Bd. IV 
S. 24 ff. publicirte Material. - ^) s. Bd. 1 Nr. 286, 559, 561, 562, 564, 569, 573, 
591*, 592, 594, 595 (598), 602-606,- 608, 609, 613—615. 



I 



Geschichtliches. 85 

So lange die venetianische Regierung die Verwaltung des 
Fondaco in Händen hatte — und das war, wie früher erwähnt, ja 
bis zum Ende des 15. Jahrhunderts ganz und gar der Fall — , so 
lange sie, wie Heyd es ausdrückt ^), die Beschaffung und Erhaltung 
der Wohngelasse, Magazine und Verkaufslokale besorgte, die Polizei 
im Hause übte, den Verkehr der Deutschen mit den Venetianern, 
das Verfahren bei Kauf und Verkauf u. s. w. regelte, so lange blieb 
den Deutschen wenig zu verwalten übrig. Das Wichtigste, was es 
da gab, betraf ihr leibliches Wohl. Verköstigen nämlich mussten sie 
sich selbst — meint Heyd. Das scheint mir aber nicht ganz richtig. 
Dass die Regierung den Wein selbst z. B. beschaffte, der in der Schenke 
verabfolgt wurde, hebt auch Heyd hervor. Was aber die deutschen 
Kaufleute bei ihrem gemeinsamen Mahl assen und tranken, meint 
er, das mussten sie selbst beschaffen. Nur das Geschirr für die 
Küche habe die Regierung gestellt. Allein in dem betreffenden 
Aktenstück vom Jahre 1474 ^) heisst es, dass die venetianische Re- 
gierung auch „anderer Notdurft den deutschen Kaufleuten — gegen 
Bezahlung — Fürsehung gethan"; und in einem späteren Dokument 
lesen wir^), dass die Kaufleute bis zum Jahr 1510 für Beschaffung 
der für die Küche nöthigen Sachen, Wasser, Oel u. s. w. monatlich 
acht ,grossi' in Gold (= ^s Dukaten) per Mann der Regierung 
zahlten, was im Jahre 1510 geändert wurde, worauf wir später in 
einem anderen Zusammenhange zurückkommen werden. 

Sicher hingegen ist, dass die Deutschen das Personal der 
Küche, zwei Köche mit ihren Gehülfen, selbst wählten*). „Ferner 
bedurften sie zu ihrer Bedienung, zur Krankenpflege, zu Gängen 
in die Stadt Diener (Knechte oder Junckherren), Auch diese, im 
Jahre 1474 vier an der Zahl, stellten sie selbst an. Endlich bestand 
ein Botendienst zur Verbindung der Kolonie mit der deutschen 
Heimath ^). Die Wahl der (reitenden) Boten und die Beaufsichtigung 
derselben war Sache der Insassen des Fondaco." So weit schon Heyd^). 
Wir können noch hinzufügen, dass auch die Aufnahme in die Zunft 
der Ballenbinder, die ja, wie früher erwähnt, Deutsche waren, von 
der Zustimmung der deutschen Kaufleute abhängig war ''). So gab es 
immerhin Manches zu berathen, was die „gemeine Notturfft" antraf. 

Abgestimmt wurde ,in der Regel in denselben (zwei) lands- 
raannschaftlichen Gruppen, welche auch für die Sitzordnung bei 
Tische massgebend waren und eben deshalb Tafeln genannt wurden; 
als Beschluss galt, was in beiden Tafeln die Mehrheit der Stimmen 
auf sich vereinigt hatte. Konnten sich die Tafeln über etwas nicht 
einigen, so wurde die Entscheidung einer Generalversammlung (einem 



') Hist. Zeitschr. a. a. 0. S. 206. — ^) s. Flegler im Anzeiger f. Kunde etc. 
1867 S. 334. — '} ebda. S. 365 u. Thomas, Milesio S. 50. — *) Ob der mehrmals 
erwähnte Unterkoch identisch ist mit dem 1474 genannten „Kellner" ist nicht 
ganz klar. — ^) cf. unten S. 88. — ®) Heyd, Hist. Zeitschr. a. a. 0. p. 207 aus den 
von Flegler a. a. 0. mitgetheilten Dokumenten, besonders S. 337. — ') s. Bd. I 
Nr. 320, 524 und oben S. 20. 



86 Geschichtliches. 

,geTnain Kapitel') anheimgegeben, welche in der Regel zu solchen 
Zeiten stattfand, wo besonders viele deutsche Kautleute beisammen 
waren, an Weihnachten oder an Jacobi" ^). In diesen Kapiteln — dies 
verdient noch hinzugefügt ^) und besonders hervorgehoben zu werden 
— sollte „jeder gelenndter Kaufmann ain Stymm und Waal 
haben", gleichwie jeder, der am gemeinsamen Mahle auf seine 
Kosten sich betheiligen wollte, an den Tafeln Platz nehmen durfte, 
da, wie ausdrücklich betont wird, „Nyemand sunnder (besondere) 
öerechtigkait da hatt" : ein rechter Kaufmann galt so viel als 
der andere. Die gemeinsam gefassten Beschlüsse aber wurden in 
der „gemainen Truchen" , also in einer Art Archiv sorgfältig auf- 
bewahrt, damit sie für spätere Fälle und Vorkommnisse als Richt- 
schnur dienen könnten. Leider ist sie im grossen Brande vom 
Jahre 1505 mit dem alten Gebäude zu Grunde gegangen. Ich sage 
„leider" und kann hier mit Heyd nicht übereinstimmen, der meint, 
dass der Verlust wegen der geringen Wichtigkeit der Berathungs- 
gegenstände vielleicht nicht zu beklagen sei. Allein auch die kleinste 
Notiz, meine ich, müsste uns für diese frühere Zeit willkommen sein 
zur Vervollständigung des dürftigen sonstigen Materiales ; und viel- 
leicht erführe auch die „innere Geschichte" der Deutschen im 
Fondaco in diesem Zeitraum doch noch einige weitere Beleuchtung. 
Auch hiefür hat bereits Heyd das, was die bisher bekannt 
gewordenen Quellen berichten, geschickt zusammengestellt^). „Dass es 
bei der Rivalität unter den einzelnen Städten nicht ohne Misshellig- 
keiten und Kämpfe abging, lässt sich denken und dies ist eigent- 
lich das Einzige, was wir auch aus Geschichtschreibern belegen können. 
Zuerst melden diese einen Konflikt zwischen den Regensburgern und 
Nürnbergern. Der (im 15. Jahrhundert lebende) Regensburger Pres- 
byter Andreas erzählt in seinem Chronicon Generale^) nach dem 
(mündlichen) Bericht eines Mithandelnden Folgendes: Zur Regie- 
rungszeit Kaiser Karl's IV. rissen die Nürnberger den ersten 
Platz (locuni supremum) im Fondaco an sich, welchen die Regens- 
burger von Alters her inne gehabt hatten. Als die Regensburger 
dies hörten, schickten sie eine grosse Summe Geldes nach Venedig 
und Hessen durch ihre Kaufleute so viel Waaren auf einmal an- 
kaufen, als die Nürnberger im Laufe eines Jahres zu kaufen pflegten 
und zwar gegen baar, während die Nürnberger Vieles auf Rechnung 
kauften. Daraufhin bestätigte die venetianische Regierung die 
Regensburger in ihrem alten Recht. Später, unter König Wenzel's 
Regierung, wollten die Nürnberger jenen Platz neuerdings in An- 
spruch nehmen; zwei Regensburger aber, Matthäus Rantinger und 
Franz Putreich (dies der Gewährsmann des Andreas), wehrten sich 
für das Recht ihrer Stadt mit den Stöcken in der Hand. Die Sache 



') Heyd, Hist. Zeitschr. a. a. 0. p. 207. — ^) gleichfalls aus Flegler a. a. 0. 
— ^) a. a. 0. S. 208. — *) bei Pez, Thesaurus anecdotorum tom. IV p. 3 
col. 606 C; Heyd hat die Stelle fast wörtlich wiedergegeben. 



Geschichtliches. 87 

wurde vor den Dogen gebracht; dieser wollte insgeheim den Regens- 
burgern wohl, während die zahlreich in Venedig anwesenden Nürn- 
berger viele Gönner sonst in der Stadt hatten. Franz Putreich führte 
vor dem Senat ^) die Sache seiner Mitbürger — unter Hinweisung 
auf jenen starken Einkauf — so kräftig, dass er ein Senatsdekret 
erwirkte, welches den Regensburgern den ersten Platz im Fondaco 
,für immer" zutheilte ^). Er und sein Genosse Rantinger brachten 
dies Dekret selbst in die Heimath". Dort hat es Gemeiner noch ge- 
sehen^), dann aber ist es spurlos verschwunden. In den venetianischen 
Akten aber hat sich, so viel ich bisher habe sehen können, über 
den ganzen Streit nichts erhalten. Allerdings sind gerade für diese 
Zeit in den Registerbänden der in Frage kommenden venetianischen 
Kollegien Lücken vorhanden. Um was es sich übrigens bei dem 
ganzen Streit handelte, ist nicht recht klar; noch weniger sieht man 
ab, wie Heyd mit Recht bemerkt, „inwieweit jener Vorrang wirkliche 
Vortheile in sich schloss , die einen so hartnäckigen Kampf recht- 
fertigen konnten". Vorausgesetzt, dass es schon damals General- 
versammlungen (gemaine Kapitel) gab, könnte man an den Vorsitz in 
denselben (und ebenso an den Tafeln) denken, was jedoch nur ein 
Ehrenamt gewesen sein dürfte. 

Ein anderer Streit, von dem wir bisher keine Kenntniss 
hatten und erst aus unserer Urkundensammlung erfahren, entspann 
sich am Anfang des 15. Jahrhunderts zwischen den Städten ber- 
und Niederdeutschlands*). An der Spitze dieser stand Köln, jener 
Nürnberg. Die Nürnberger Kaufleute behaupteten, dass von Alters 
her es in der Küche des Fondaco zwei Herde für zwei Köche ge- 
geben habe, von denen der eine das Mahl für die Kaufleute der- 
jenigen Städte bereitete, welche Fürsten oder Herren untergeben 
waren, der andere für die Kaufleute, welche den (freien) Reichs- 
städten angehörten. Ferner habe es ebenso zwei Tafeln bei Tische 
gegeben, an deren einer eben die Kaufleute aus Herren-Städten 
(um es kurz so auszudrücken) sassen, während an der anderen jene 
aus den Reichsstädten. Beide Theile hätten dem entsprechend die 
Kosten zu tragen gehabt. Die Kölner Kaufleute aber behaupteten, 
das sei nicht richtig : sie hätten nicht an der Tafel, sondern für sich 
in ihren Kammern gespeist, und weigerten sich, zu den Kosten 
der einen Tafel (jener der Reichsstädte, zu der sie selbst gehört 
hätten) ihrerseits beizutragen. Nachdem auf Befehl der venetiani- 
schen Regierung die Visdomini des Fondaco die Voruntersuchung 
geführt, kam der Streit zur Entscheidung vor das zuständige Kolle- 
gium der ,Proveditori di Comun' und ,Consoli dei Mercadanti'. 
Diese bestimmten nun, dass alle Kaufleute an den Tafeln speisen 



') ,in publice Consilio'. — ^) ,Consules considerato jure et veritate decemunt 
bullam Ducis continentem quod Ratisponenses perpetuo locum supremum in dicta 
domo debeant obtinere.' — ^) Regensburgische Chronik Bd. II S. 220 Anm. — 
■•) s. Bd. I Nr. 357. 



Ges chichtliches . 



und nur diejenigen von dieser Verpflichtung ausgenommen sein 
sollten, die entweder durch Krankheit daran gehindert wären, oder 
wegen ihrer Mittellosigkeit die Kosten nicht erschwingen könnten. 
Wie früher solle es zwei Herde und zwei Köche geben, einen 
für die Kaufleute aus den Herren- , den anderen für die aus den 
Reichsstädten, gleichviel ob aus Ober- oder aus Niederdeutschland. 
Weiters bestimmten sie — zu Gunsten der Nürnberger — , dass 
die Kosten für den Koch und seinen Gehülfen, den Unterkoch, 
sowie für die Tafel der Reichsstädte nicht allein von den Nürn- 
bergern und Oberdeutschen getragen werden sollten, sondern zu 
gleicher Hälfte von den Kölnern und Niederdeutschen und zwar 
abwechselnd einen Monat von diesen, den folgenden von jenen. 
Auch die Kosten für Bekleidung des Koches und Unterkoches, sowie 
andere etwaige Geschenke an dieselben sollten in gleicher Weise 
getheilt werden: die Nürnberger blieben also Sieger in diesem 
Streite, bei dem es sich vorwiegend um materielle Interessen 
handelte. 

Nicht ganz 50 Jahre später finden wir die Nürnberger im 
Streit mit den Augsburgern. »Die Nürnberger klagten im Jahre 
1474 in einem Bericht an den Rath ihrer Heimathstadt über den 
Eigennutz der Augsburger. Früher seien alle die Boten, die „auf der 
Strassen auss oder ein geloffen" ^), gewöhnlich Nürnberger gewesen, 
die unparteiisch ohne Bevorzugung der Einen oder Anderen ihren Dienst 
versehen hätten. Jetzt aber würden Augsburger als Boten benützt, 
und deren Reise werde heimlich unterwegs (in Mestre oder Treviso) 
und dann namentlich in Augsburg aufgehalten, so dass die Nürnberger 
Kaufleute ihre Briefe und Botschaften um mehrere Tage später 
erhalten und die Antwort darauf in gleicher Weise sich verzögere. 
Als Beispiel führen sie dann noch nachträglich an, dass jüngst um 
Ostern ein Nürnberger Bote in 10 Tagen von Venedig hinausgeritten 
sei, während die Augsburger Boten sich oft 13 — 14 Tage auf der 
Strasse aufhalten. Auch sei diesem Nürnberger Boten von den 
Augsburgern mit höhnischen Worten die Wegzehrung verweigert 
worden, wie sie sich denn überhaupt im weiteren Verlaufe ihres 
Berichtes vornehmlich über das rücksichtslose und parteiische Be- 
nehmen der Augsburger besonders bei Anstellung und Verwendung 
der gemeinsamen Diener beklagen. 

Einmal würden dieselben von den Augsburgern eigenmächtig 
verwendet und ausgeschickt, ohne dass diese davon dem anderen 
Theil, der anderen Tafel, Meldung thäten oder sie gar, wie sonst 
üblich, um Erlaubniss dazu fragten. In Krankheitsfällen ferner 
Hessen die Augsburger ihren Kranken durch die Diener grössere 
Sorgfalt angedeihen als denen der anderen Tafel. Wenn ein Diener 
abgegangen oder entlassen worden, sei gewöhnlich an dessen Stelle 



^) d. h. den Briefdienst von Deutschland nach Venedig versahen und um- 
gekehrt. 



Geschichtliches. 89 

wieder einer aus der nämlichen Stadt oder Tafel gewählt worden. 
Das geschehe auch jetzt noch sofort von Seite der Augsburger; 
ihnen, den Nürnbergern, würden dagegen Schwierigkeiten in den 
Weg gelegt, werde die Wahl hinausgeschoben. 

Wieweit diese Klagen begründet waren, müssen wir mit Heyd 
sagen, steht dahin. Die Augsburger behaupteten in ihrer Recht- 
fertigungsschrift, sie hätten nie für sich allein und blos zu ihrem 
Nutzen, vielmehr immer im Einklang mit der gesammten Kauf- 
mannsgemeinde gehandelt, und es sei eine ungebührliche Ueber- 
hebung der Nürnberger, wenn sie Anspruch auf besondere Berück- 
sichtigung ihrer Vorschläge und Wünsche machten. Denn (wie schon 
oben erwähnt worden) alle Kaufleute besässen gleiche Rechte, Nie- 
mand besondere „Freiheiten" oder Privilegien: nur die Stimmen- 
mehrheit entscheide, der sich die Minderheit zu fügen habe, in der 
sich die Nürnberger eben jeweilig befänden. — Hinsichtlich der 
Boten steht die Behauptung der Nürnberger, dass früher alle ge- 
wöhnlich Nürnberger gewesen, im Widerspruch mit der Angabe 
Greiff's^), dass „schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts zwischen 
Augsburg und Venedig ein regelmässiger Verkehr bestand , der 
durch ,Ordinari-Postboten' unterhalten wurde, an den sich die dahin 
handelnden Kaufleute als Reisegefährten anschlössen". 

Auch über diesen Streit findet sich nichts und kann sich wohl 
schwerlich etwas in den venetianischen Akten finden. Die paar 
Dokumente, die in einem der Brief bücher des Nürnberger Rathes dar- 
über verzeichnet sind, enthalten nichts Wesentliches und geben uns 
nur einige Daten an die Hand zur genaueren Bestimmung der Zeit 
des Streites ^). Dass derselbe aber keine ernstere Differenz zwischen 
den beiden Reichsstädten selbst hervorzurufen im Stande war, bezeugt 
ein anderes Schriftstück aus der nämlichen Zeit (Juni 1476), worin 
der Nürnberger Rath dem von Augsburg Nachricht gibt von den 
Umtrieben und Anschlägen zweier Widersacher beider Städte gegen 
die aus Italien zurückkehrenden Kauf leute ^). 

In der That „sieht man auch aus dem Gegenstande dieser kleinen 
Reibereien, wie wenig Bedeutendes inmitten dieser kaufmännischen 
Genossenschaft berathen und beschlossen wurde" ^). 

Das änderte sich nun freilich bereits am Ausgange des 
15. Jahrhunderts. 

Auf einem am 2. April'*) 1492 gehaltenen General-Kapitel wurde 
nämlich der Beschluss gefasst, dass zur Bestreitung der „gemein- 
samen Ausgaben" jeder deutsche Kaufmann einen kleinen Geld- 
beitrag je nach dem Umfange seines Waarenumsatzes leisten sollte. 
Dieser Beitrag wurde der Cottimo genannt — ein Name, der auch 



*) Anmerkungen zum Tagebuch des Lucas Rem S. 77 Nr. 2. — ^) s. Bd. I 
Nr. 528-530, 532. — ') ebda. Nr. 541. - •») Heyd, Hist. Zoitschr. S. 209. - 
■'■) Nach Elze, Der Cottimo der Deutschen Nation in Venedig (Beilage zu Milesio 
bei Thomas S. 75) am 2. Februar. 



90 



Geschichtliches. 



sonst als Bezeichnung für eine solche Quote öfters vorkommt \). Wir 
werden über denselben und über die „gemeinsamen Ausgaben", für 
welche er verwendet werden sollte, im nächsten Theile ausführlicher 
zu handeln haben. Hier sei vorläufig nur noch erwähnt, dass zur 
Erhebung und Verwaltung dieser Umlage aus dem Kreise der Kauf- 
leute zwei Männer gewählt wurden, welche ,Cottimieri' hiessen 
und erst später (1578 oder 1587) ^) offiziell von der venetianischen 
Regierung den Namen ,Consoli', Consuln der deutschen Kaufleute 
erhielten^). Anfänglich wurden sie, wie Milesio angibt'^), nur auf 
die Dauer von 6 Monaten gewählt: wie aus einigen Aktenstücken, 
die ich selbst gefunden, ersichtlich ist^), erfolgte die Wahl immer zu 
Ende April oder Anfang Mai und Ende Oktober oder Anfang 
November. — 

Ehe wir die Geschichte des Fondaco weiter verfolgen, haben 
wir zuvor noch über zwei Punkte zu handeln: über die Strassen, 
welche die deutschen Kaufleute nach oder von Venedig einschlugen, 
und über die Handelsartikel, welche sie entweder nach Venedig 
brachten oder von dort mitnahmen. 



IV. Die Verkehrswege. 



Es ist natürlich nicht möglich; hier in dieser Skizze über ein 
Thema erschöpfend zu handeln , welches den Gegenstand einer 
eigenen Monographie bilden könnte und wozu es noch, namentlich 
bezüglich der Verkehrsstrassen in Deutschland selbst, der umfassend- 
sten Vorarbeiten bedürfte. Was sich aus unseren Urkunden hiefür 
anführen lässt, ist nicht eben sehr viel. Im Zusammenhang und 
ausführlich mit Angabe aller Stationen wird keine einzige Strassen- 
route mitgetheilt; nur ganz kurz und im Allgemeinen wird ein paar 
Mal einer Route und zwar häufiger von Venedig heraus als hinein 
gedacht oder einzelner Punkte gelegentlich Erwähnung gethan. 

So ist öfters von dem ,caminum', der ,via' oder ,strata Ale- 
manie' die Rede ^) oder vom ,caminum Basle' "') und ,Usburgi' ^) (Augs- 
burg) oder der ,via Nurimbergi' **) nach Flandern, wobei bald der eine, 
bald der andere Weg von der venetianischen Regierung als derjenige be 
zeichnet wird, den die venetianischen Kauf leute mit Vorliebe benutzten^ 
Oder es wird erwähnt^"), dass die Regierung den Deutschen de: 
Verkehr über Treviso statt über Latisana erlaube. Oder wir lesen,^ 
dass Kaufleuten aus München und Regensburg W^aaren bei Treviso 



I 



^) cf. Boerio, Dizionario del Dialetto Veneziano. — ^) Elze a. a. 0. S. 75 
,am 23. August 1578", Milesio bei Thomas S. 66 ,am 13. Juli 1587". — ^) In 
einem Schriftstücke vom 15. Dezember 1539 werden sie als ,Deputati al Cothimo' 
bezeichnet; cf. später Consuln-Liste. — *) bei Thomas S. 61 ad a. 1492. — 
") cf. später Consuln-Liste. — «) s. Bd. I Nr. 101, 120, 123. - ') ebda. Nr. 133, 
200, 204, 207. - «) ebda. Nr. 204, 207. — «) ebda. Nr. 215. — i») ebda. Nr. 49. 



Geschichtliches. 91 

geraubt wurden^), dass um 1375 die Kaufleute aus Nürnberg u.s.w. 
meist über Serravalle und durch das Gebiet von Treviso ^), die aus 
dem Erzbisthum Salzburg, aus Böhmen, Passau und Niederbayern 
meist über Latisana nach Venedig zogen. Die ,via Latisana' wird 
sonst noch erwähnt^), wo zugleich des Wasserweges dahin durch die 
Lagune, den Kanal Poveglia und dell' Arco (la Cava Zuccarina 
heutigen Tages) gedacht wird^). Von den Augsburgern lesen wir, 
dass sie den Weg über Schongau an den Gardasee ^) oder über 
Spital und Serravalle nach Venedig einschlugen ^). Auch die Nürn- 
berger versicherten 1458 ^), den Weg über Schongau einem anderen 
vorzuziehen. 

Von einzelnen Punkten finden wir sonst noch erwähnt — und 
ich . schliesse hier auch die von den Venetianern berührten Punkte mit 
ein — das Schloss Lichtenberg bei Augsburg ^), Murnau, Weilheim ^), 
Füssen 1^), Innsbruck ^^), Lavant (in Tirol) ^^), die Zollstätte an 
der TöU bei Meran ^^), Toblach i^), Amsee bei Höhlenstein (Landro) 
im Ampezzaner ThaP^), zu den Haiden (= Ampezzo) ^**), die Val- 
sugana^^), Lovadina und Ospitale an der Piave^^), Caneva bei 
Sacilei9), Conegliano ^ ") , LaMotta^i), Treviso 22)^ Villach ^s), Spital 
und den Kreuzberg (in Kärnthen)^*) und einige andere, die uns 
als Belege für die uns anderwärts überlieferten Nachrichten über 
die benützten Strassenwege dienen können. 

Hauptquelle hiefür sind die ausführlicheren Reiseberichte 
namentlich nach dem heiligen Land ziehender Pilger, von welchen 
Einzelne — freilich bis gegen Ende dieses Zeitraums, des 15. Jahr- 
hunderts, nur Wenige — alle Orte verzeichnen, durch welche sie ge- 
kommen, wo sie sich etwa Mittags aufgehalten oder Nachtquartier 
genommen haben. So besonders der mehrfach genannte Felix 
Fabri, dessen Evagatorium auch nach dieser Richtung hin Unschätz- 
bares bietet; ferner der gleichfalls schon erwähnte Ritter Arnold 
von Harff und einige Andere aus früherer Zeit, wie z. B. Albert 
von Stade, der 1236 selbst eine Romreise unternahm und in seine, 
wohl wenig später begonnene Chronik mehrere sehr genaue Itinerarien 
eingeschaltet hat. Nicht minder wichtig sind die Reiserechnungen 
des früheren (1191 — 1204) Bischofs von Passau und nachherigen 
(1204 — 1218) Patriarchen von Aquileja, Wolfger von Ellenbrechts- 
kirchen, den diplomatische Geschäfte wiederholt über die Alpen 
führten. — Auf Grund dieser und anderer zerstreuter Nachrichten 
und insbesondere der Nachrichten über die Römerstrassen, welche 
vielfach oder meistens auch später benützt wurden, hat in letzter Zeit 



1) s. Bd. I Nr. 88, 89. - ') ebda. Nr. 230, 231. — *") ebda. Nr. 252, 276, 
786. — *) ebda. Nr. 325. — *) ebda. Nr. 503. - «) ebda. Nr. 439, 508. - 
') ebda. Nr. 486. — ») ebda. Nr. 348. - ») ebda. Nr. 486, 503. — '") ebda, Nr. 26. 
— 1') ebda. Nr. 386. — '^) ebda. Nr. 508. - >^) ebda. Nr. 517. — '') ebda. 
Nr. 422, 431. - '') ebda. Nr. 452. — '") ebda. Nr. 498. - '') ebda. Nr. 583. - 
>8) ebda. Nr. 451. — '«) ebda. Nr. 506. - ^o) ebda. Nr. 148, 444. — ^i) ebda. 
Nr. .343. - ") ebda. Nr. 799. - ^^) ebda. Nr. 438. — 2") ebda. Nr. 439. 



92 Geschichtliches. 

E. Oelilmann eingehender über „die Alpenpässe im Mittelalter' 
gehandelt ^), dem wir bei dieser Uebersicht uns anschliessen wollen. 

Wir glauben hier absehen zu können von den westlichsten 
Alpenpässen, dem Mont Cenis und Mont Genevre, die höchstens für 
die gewiss nur selten nach Venedig wandernden Unterthanen des 
Herzogs von Savoyen in Betracht kommen könnten. Ebenso wird 
der Grosse St. Bernhard schwerlich von deutschen Kaufleuten benützt 
worden sein; auch der Gotthard war gewiss wegen seiner Höhe und 
Unwirthlichkeit keine sehr betretene Verkehrsstrasse, wiewohl seit 
dem Ende des 13. Jahrhunderts, wie Oehlmann nachweist^), ein Saum- 
pfad über denselben erwähnt wird, der übrigens naturgemäss mehr 
dem Handel (der Schweiz) mit Mailand diente. Viel häufiger benützt 
war der Bernhardin und besonders der Septimer, von welchem Oehl- 
mann geradezu und, wie es scheint, mit gutem Grund behauptet^), 
dass er im 13. Jahrhundert in jenem Theil der Alpen die wichtigste, 
ja die einzige vom Handel und grossen Verkehr aufgesuchte Strasse 
gewesen. Zunächst freilich ebenfalls wieder für den Verkehr mit 
Mailand, Genua u. s. w. ; nach Venedig werden wohl nur die Schweizer 
diesen Weg eingeschlagen haben. Denn wenn auch die verschiedenen 
Wege aus dem südlichen Deutschland im Mittelalter bei Bregenz 
am Ostende des Bodensee's zusammenliefen*), bequemer und näher 
war doch auch für die Kaufleute West- und Südwestdeutschlands, 
sowie selbst der Schweiz nach Venedig der Weg über den Brenner 
oder durch eines der zu seinem Strassensystem gehörigen Thäler. 

Oehlmann theilt dieses letztere selbst in folgende Abtheilungen: 

1. Von Norden: die Hauptstrasse von Augsburg nach Verona, 

2. Von Osten: das Pusterthal. 

3. Von Südosten: das Brentathal. 

4. Von Südwesten: die verschiedenen durch das Val di Non, 
Val Camonica und über Riva gehenden und westlich vom 
Gardasee ausmündenden Wege. Dazu 

5. als Transversale die Strasse von Meran über Landeck 
nach Feldkirch, welche das Brennersystem mit dem cur- 
rätischen verband. 

Um mit der letzten zu beginnen, so scheint sie im Mittel- 
alter ziemlich belebt und im Gebrauche gewesen zu sein — viel- 
leicht mehr als Oehlmann anzunehmen geneigt ist. In einem 
Wallfahrtsbüchlein des 15. Jahrhunderts (in der ehemaligen Strass- 
burger Bibliothek C. m. 458) ist ein Wegweiser von Strassburg 
nach Italien enthalten^), worin als „Propinqua via zu dem Arie- 
berg über die Etzge" eben diese Route angegeben ist: Strass- 
burg — Oflfenburg — Gengenbach — Haslach — Hornberg — Villingen — 



1) Im „Jahrbuch für Schweizerische Geschichte" Bd. III u. IV (1878—79); 
vgl. auch Mone a. a. 0. IV, 8 u. ff. — ^) ebda. Bd. III S. 285. — ') ebda. 
S. 201. — *) ebda. Bd. IV S. 167. — ^) Von Mone in der Zeitschr. für Gesch. des 
Oberrheins Bd. IV S. 17 veröffentlicht und von Oehlmann nicht berücksichtigt. 



Geschichtliches. 93 

Geisingen — Engen — Radolfzell am Untersee — Konstanz-r-Rheineck — 
Feldkirch — Bludenz — Klösterle (bei Stuben) — Arlberg^) — Landeck — 
Prutz im Oberinnthal— Finsterraüntz — Nauders — Mals— Schlanders — 
Meran — Kaltem — Tramin — S. Michele — Trient u. s. w. 

Den nämlichen Weg zum Theil — mit Umgehung des Brenners 

— ist auch der Ritter Arnold von Harff auf seiner Pilgerreise 1496 
gezogen. Er nennt ^) folgende Orte, durch die er auf derselben ge- 
kommen, die uns zugleich die wohl gewöhnlich von den Kölnern 
eingeschlagene Route bezeichnen dürften: Köln — Bonn — Wynteren 
(Königs -Winter) — Remagen — Breisach (Breissig) ^) — Andernach — 
Coblenz — Rense — Boppard — Hirtzenau — St.Goar — Wesel — Bacharach 
— Dreckshausen (Trechtlingshausen) — Bingen — Ingelhausen (Ingel- 
heim) — Mainz — Oppenheim — Worms — Speyer — Bruessel (Bruchsal) 
— Breyten (Bretten) — Smeen (?) — Vaihingen — Swepertingen (Schwie- 
berdingen) — Canstatt — Esslingen — Göppingen — Geisslingen — Ulm ^) 

— Mem mingen — Kempten — ISI esselwang — Fijls (Füssen) — Reutte — 
Lermoos — Fernpass — Sigmundsschloss(burg) — Nassereit — Eyms (Imst) 
— Landeck — Prutz — Reet (Ried) — Föns (Pfunds) — Nauders — Mals — 
Schlanders — Letz (Latsch) — Turnot (Naturns?) — Meran — Eppan — 
Kalters — Tramin — Lome (Salurn) — S. Michele — Nevus (Lavis) — Trient. 

Wenden wir uns nun zu der Hauptstrasse über den Brenner 
selbst, so wollen wir unsere Reise nicht erst von Augsburg antreten, 
sondern weiter droben im Norden und zwar an der Hand des Albert 
von Stade, der neben Wolfger im früheren Mittelalter diesen Weg am 
ausführlichsten beschrieben, in Stade. Denn ähnlich mag die Route 
gewesen sein für den Kaufmann, der aus Lübeck nach Venedig 
zog. Da begegnen wir nun folgenden Stationen^): Stade — Celle — 
Rietze in der Gemeinde Wipshausen — Braunschweig— Hornburg — 
Wernigerode — Hasselfelde — Nordhausen — Langensalza — Gotha — 
Schmalkalden — Meiningen an der Werra — Neustadt an der Saale — 
Münnerstadt — Schweinfurt — Würzburg — Ochsenfurt amMain — Aub — 
Rothenburg an der Tauber — Dinkelsbühl — Offingen — Donauwörth — 
Augsburg. 

Von Augsburg an entwirft Oehlmann auf Grund der Berichte 
Albert's und Wolfger's, sowie anderweitiger Angaben folgendes ge- 



') üeber die Umgehung des Arlbergs in früherer Zeit, dessen Strasse am 
Ende des 14. Jahrhunderts zwar begangen und zu Pferde zurückgelegt wurde, 
aber noch nicht fahrbar war, s. Bidermann, Herrn. Ign., Verkehrsgeschichte des 
Arlbergs in der Zeitschr. des deutschen und österreichischen Alpenvereins 1884 
S. 408 u. ff., worin derselbe nachweist, dass man von Landeck aus lieber den 
Umweg über Imst (Telfs), Nassereit, Lermos, Reutte, am Gachtpass vorüber in's 
Tannheimer Thal, Hindelang, Sonthofen, Immenstadt zum Bodensee einschlug. — 
^) Ausgabe von Groote S. 5. — ^) Die Namen modernisirt und rectifizirt nach 
L. Ravenstein, Spezialkarte des Deutschen Reichs (Leipzig 1883). — ■*) Von hier 
bis Nassereit stimmt auch das Itinerar Fabri's mit diesem überein. — ^) Albert 
führt sie freilich in umgekehrter Reihenfolge auf, da er von Italien nach 
Deutschland reist ; cf. Oehlmann a. a. 0. Bd. IV S. 207 und die Ausgabe Albert's 
von Lappenberg in den Monum. Germ. hist. Script, t. XVI p. 339. 



tf 



94 Geschichtliches. 



nauere Itinerar über den Brenner: Augsburg — Igling — Schongau- 
Peiting— Oberammergau ^) — Partenkirchen — Mittenwald — Scharnitz 
— Seefeld — Zirl — Innsbruck — Wilten — Matrey — Brenner— Gossen- 
sass — Sterzing^) — Franzensfeste — Brixen — (Säben) — Klausen — Leng- 
stein auf dem Ritten - Plateau — Botzen — BranzoU — Tramin — Neu- 
markt — Salurn — Trient — Volano — Roveredo — Lizzana — Ala — Rivoli 
— Chiusa an der Veroneser Clause — Volargne — Verona. 

,^ Daneben gab es nun aber streckenweise noch andere Wege, 
die auf dieser Route eingeschlagen werden konnten und benutzt 
wurden. So von Augsburg statt über Schongau und Peiting über 
Mehring — Inning — Polling nach Oberau auf die Hauptstrasse. — Bei 
Zirl vereinigte sich die Hauptstrasse mit der anderen, theilweise 
schon oben angegebenen, welche von Ulm her über Kempten — 
Füssen — Reute und den Fernpass führte und in Nassereit ebensogut 
wie gegen Südwesten nach Landeck, so gegen Osten nach Zirl 
und Innsbruck eingeschlagen werden konnte. 

Eine besonders wichtige Strasse traf in Innsbruck von Norden 
her mit jener anderen zusammen: die von Regensburg längs des 
Inns über Rosenheim und Hall her führte und (über Wasserburg) 
wohl auch von München aus benützt wurde ^). 

Ehe wir von Innsbruck den Weg weiter nach Süden fortsetzen, 
müssen wir uns noch einmal auf jene Hauptstrasse von Augsburg 
nach Innsbruck zurückbegeben, um an einem der wichtigsten Punkte 
derselben noch einen Augenblick zu verweilen, in Mittenwald, dessen 
hervorragende handelsgeschichtliche Bedeutung J. Baader in seiner 
„Chronik des Marktes Mitten wald" ^) in ein helles Licht gesetzt 
hat. Was nämlich an Kaufmannsgütern aus Italien und Tirol einer- 
oder aus Süddeutschland oder dem „Reiche" andererseits kam, musste 
in Mittenwald „niedergelegt" werden und Niederlagegeld bezahlen. 
Und zwar besass das ausschliessliche Recht der Erhebung dieses 
Niederlagegeldes, sowie der „Verfrachtung" der Kaufmannsgüter 
ein wohlorganisirter Verein bürgerlicher Fuhrleute, welcher den 
Charakter einer Innung hatte und die „Rott" hiess. Davon wurde 
die ganze Strasse auch die „Rottstrasse" genannt. Dieselbe führte 
übrigens nicht blos über Partenkirchen und Schongau nach Augs- 



^) Daisenberger, Gesch. des Dorfes Oberammergau im Oberbayer. Archiv Bd. 20 
S. 83 „Die Ammergauer fanden durch Fuhrwerk, welches sie übernahmen, vielen 
"Verdienst. Sie führten die Güter, die aus Italien kamen, gewöhnlich bis nach 
Schongau, wo sie abgelöst wurden; die Güter, die von Augsburg kamen, nach 
Partenkirch en" allerdings nach Daisenberger besonders erst seit der Gründung 
des Klosters Ettal (1330), da „früher des Reiches Strasse von Au am Hengenstein 
gen Eschenloh und Murnau nach Weilheim führte". — ^) Fabri a. a. 0. IV, 455 
nennt als Stationen zwischen Matrey und Sterzing ,Im Lug' (Zollstation) ,ubi 
sunt gravia telonea omnium rerum quae a Venetiis in Sueviam ducuntur estque 
ibi culeum grande cum magnis catenis, in quo librantur gravissimi currus cum 
Omnibus oneribus suis' und ,St. Valentin' (Wasserscheide zwischen Donau und 
Etsch). — 3) s. Lori, Gesch. von Baiern II. Tbl. (von K. H. v. Lang 1816) S. 351. 
— *) Nördlingen 1880. 



Geschichtliches. 95 

bürg, sondern dazu gehörte auch der früher ziemlich häufig, im 
15. Jahrhundert aber wegen des schlechten Zustandes der Strasse 
wohl weniger benützte Arm Partenkirchen — Murnau — Weilheim — 
München^). „Verfrachtet durfte in der Regel nur bis zur nächsten 
Rottstation werden, z. B. (von Mittenwald aus) nach Partenkirchen 
baierischer-, nach Seefeld tirolerseits. Brachten dagegen die Rott- 
leute Kaufmannsgut von weiter Entfernung, z. B. aus Augsburg 
oder Botzen, auf eigenen Gefährten durch ^ie Rottstationen, so 
waren sie zur Niederlage nicht verpflichtet; sie konnten ohne die- 
selbe ihr Gut bis an seinen Bestimmungsort führen, entweder nach 
Botzen einer- oder nach Augsburg andererseits. Die Rottleute wech- 
selten mit der Verfrachtung der ankommenden Güter, so dass 
immer einer nach dem anderen an die Reihe kam." — Man kann 
sich denken , was das einbrachte , wie der Wohlstand des Platzes 
und der ganzen Gegend in raschem Aufblühen begriffen war. Und 
wie stark der Verkehr hier war und wie sehr er zunahm, geht am 
besten auch daraus hervor, dass am Anfange des 15. Jahrhunderts 
die Rottfuhren zu Lande für die Weiterbeförderung nicht mehr 
ausreichten und die Mittenwalder daher im Jahre 1407 auch eine 
Rottfuhr auf dem Wasser der Isar errichteten, an welcher nament- 
lich die Nürnberger Kaufleute, wie überliefert wird, grosses Interesse 
nahmen. Denn durch diese Wasserrott „dirigirten sie ihre Waaren 
durch Baiern und vermieden die Strasse durch Schwaben und 
Franken (?), wo ihnen zahlreiche Placker auflauerten" '^). Aber die 
Mittenwalder verlangten anfangs so hohe Frachtgebühren und stellten 
so harte Bedingungen, dass erst nach einigen Jahrzehnten — Baader 
gibt die genaue Jahreszahl nicht an — zwischen 1431 und 1450 
eine Uebereinkunft erzielt wurde. Immer mehr steigerte sich so 
der Verkehr. Im Jahre 1470 bauten Richter, Rath und Gemeine 
zu Mittenwald ein Waarenhaus, worin die ankommenden Güter 
niedergelegt und verwahrt werden konnten. Und als nun vollends 
im Jahre 1487 in Folge eines Streites zwischen dem Erzherzog 
Sigmund und Venedig der grosse Botzener Markt nach Mittenwald 
verlegt wurde, erreichte der Ort den Gipfel seines Glanzes. Denn 
diese Botzener Märkte waren (nach Baader) ein „Brennpunkt des 
Handelsverkehrs zwischen Deutschland und Italien gewesen; die 
Kaufleute beider Länder rechneten dort auf den Messen mit einander 
ab, zu welchem Behufe der Stadt auch ein schnelleres Rechtsver- 
fahren in Schuld- und Wechselsachen verliehen war". Nachdem nun 
in dem genannten Jahre 1487 Erzherzog Sigmund 130 Venetianer 
Kaufleute in's Gefängniss hatte werfen lassen^), „beschloss die stolze 
Lagunenstadt die Niederlage ihrer Waaren und die Abrechnung 
mit ihren deutschen Geschäftsfreunden von Tirol weg nach Mitten- 

1) cf. Bd. I Nr. 486, 503 und Töpfer im Oberbayerischen Archiv VIII, 286. 
— ^) Baader a. a. 0. S. 171. — ^) cf. A. Jäger, Gesch. der landständischen Ver- 
fassung Tirols Bd. II Thl. 2 S. .322 und Primisser im „Sammler f. Gesch. und 
Statistik von Tirol" Bd. II S. 97 ff". 



Qß Geschichtliches. 

wald zu verlegen, und 192 Jahre lang wurden dann die Botzener 
Märkte hier abgehalten." — Dieser Verlegung des Botzener Marktes 
verdankte die Strasse München — Benediktbeuern — Kochel — Kessel- 
berg — Walchensee — Wallgau — Grün — Mittenwald ihre Entstehung. 
Denn gerade mit Rücksicht auf die gesteigerte Bedeutung von 
Mittenwald, um seine Hauptstadt mit diesem Orte in nähere Ver- 
bindung zu bringen, hat Herzog Albrecht von Bayern im Jahre 
1492 diese Strasse ai?legen lassen, welche der einige Stunden weiter 
westwärts ziehenden grossen Rottstrasse parallel lief ^). — 

Von sehr untergeordneter Bedeutung waren, wie Oehlmann 
wohl mit Fug und Recht sagt, die Strassen westlicli vom Garda-See, 
die an irgend einem Punkte des Trieuter Thaies dahin abbogen, da 
ohne besondere Veranlassung sich niemand seitwärts in das Gebirge 
geschlagen haben wird, während ihn die gerade Strasse über Verona 
schneller und leichter seinem Ziele zuführte. Da aber doch gelegent- 
lich von Ileberfällen und Beraubungen die Rede ist, die in der Nähe 
des Garda-Sees stattfanden ^), mögen kurz auch diese Wege genannt 
werden. Es sind nach Oehlmann drei Linien, die hier in Betracht 
kommen konnten: 1. die von Trient oder Roveredo nach Ripa am 
Gardasee, 2, von Trient über Steuico im Sarcathale den Chiese ent- 
lang nach Brescia, 3. durch Val di Non, Val di Sole und Camonica. 

Hingegen von der grössten Wichtigkeit für den deutsch- 
venetianischen Handelsverkehr und von diesem wohl fast noch mehr 
benutzt als die Hauptstrasse Trient — Verona waren die beiden 
nach Osten und Südosten vom Brenner abzweigenden Strassen durch 
das Pusterthal und durch das Brentathal. 

Was die erstere betrifft, so gedenkt ihrer bereits Albert von 
Stade, aber freilich nicht in sehr schmeichelhaften Ausdrücken. 
„Im Pusterthal, " sagt er, „ist es sehr theuer, und die Wirthshäuser 
sind schlecht." Und selbst noch über 200 Jahre später klagt P'elix 
Fabri, der auf der Rückreise von Venedig diesen Weg einschlug, 
über einzelne schlechte Gasthäuser und besonders über den schlechten 
Zustand der Strasse, an welchem freilich die Jahreszeit — Fabri pas- 
sirte die Strasse im Monat Januar — und die Schnee- und Eismassen 
wesentlich mit schuld gewesen sein mögen. Sie führte von der 
Brennerstrasse bei der heutigen Franzensfeste weg und ging über 
Bruneck — Toblach (wo in südöstlicher Richtung ein Weg über den 
Kreuzberg nach Venzone abzweigte ^) — Niederndorf — Holenstein '^) — 
Peutelstein (wo Venedigs Gebiet anfing und eine Zollstation errichtet 
war) — Cortina oder Ampezzo (oder Prata, zum Heyden) — Cadore 
(Kadober) — Ospitale — Capo di Ponte (Plassprugg von den Deut- 
schen genannt) — Serravalle (Spervall ^) — Conegliano — über die Piave 

') Baader a. a. 0. S. 184. — -) Bd. I Nr. 316. - ^) s. unten - ■•) Diesen 
Ort als Nachtquartier nennt auch Burkhard Zink zum Jahre 1446 ; s. Chroniken 
der deutschen Städte, Augsburg, Bd. II S. 181. — ') Diese Strecke von Capo 
di Ponte bis Seravalle beschreibt genauer Marino Sanuto in seinem ,Itinerario 
per la Terra ferraa Veneziana nell' anno 1483' (veröffentlicht von Rawdon 



■^ 



Geschichtliches. 97 

nach Treviso — Mestre, wo die Pilger die Pferde zu verkaufen pflegten 
und die Kaufleute ihre Waaren auf die Barken umluden, mit denen 
man nach Venedig hineinfuhr. — 

Die Strasse durch das Brentathal oder die Val Sugana zweigt 
von Trient ab. Als Stationen auf diesem Wege nennt schon Albert 
von Stade (jedoch in umgekehrter Reihenfolge) : Pergine — Levico — 
Borgo (di Val Sugana) — Grigno (Primolano) — Kofel mit einem wohl 
befestigten Schloss , das zugleich die von hier nach Feltre — Quero 
(Owero) an der Piave — Treviso abzweigende, sogar häufiger betre- 
tene Strasse beherrschte, ferner Solagna und Bassano. Die weiteren 
Stationen bis Venedig wären Cittadella — Rimine (Limena?) — Padua — 
Lizzafusina — Venedig. 

Von Interesse und mit den vorausgehenden Angaben ziemlich 
übereinstimmend ist die Route, welche der letzte Graf von Katzen- 
ellenbogen auf seiner Pilgerreise (1433 — 1434) einschlug, deren 
Beschreibung jüngst Röhricht und Meissner herausgegeben haben ^). 
Er reiste von Darmstadt über Zwingenberg — Sinsheim — Marbach — 
Stuttgart — Nürtingen — Blaubeuern — Ulm — Memmingen — Kempten 

- -Vils — Lermoos — Telfs — Innsbruck— Matrey — Sterzing — Mühlbach 
— Brunneck — Toblach — Ampezzo — S. Martino — Ospitale — S. Croce — 
Serravalle — Conegliano — Treviso — Mestre nach Venedig. 

Den Rückweg nahm er von Venedig über Mestre — Treviso — 
Conegliano — Serravalle — Capo di Ponte — Toblach — Bruneck — 
Sterzing — Matrey — Innsbruck — Heiligenblut — Seefeld — Mitten wald 
— Ammergau — Schongau — Augsburg — Wembding(en) — Schwabach 

— Nürnberg — (Forchheim — Bamberg — Koburg — Gräfenau a. Um — 
Erfurt — Rossla — Naumburg — Halle — Calbe — Magdeburg — Tanger- 
münde — Wilsnack — Magdeburg — Halle — Naumburg — - Erfurt — 
Eisenach — Cassel — Trey sa — Marburg — Hachenburg — Cöln — Aachen 
— Jülich — Cöln — Poppeisdorf — Andernach — Boppard — Rheinfels). 

Wenden wir uns nun zu dem Gebiet der Ostalpen, das theils 
wegen der Configuration des Bodens, der reichen Gliederung der 
Oberfläche und der früher vielfach unstäten Besitzesverhältnisse ein 



Brown 1847) p. 124. Er nennt noch S. Croce, Vigo und il castello di Caxaniata, wo 
in den Berg ein Loch (Tunnel oder Gallerie) gehauen war, um die Waarenballen 
nach Deutschland durchzulassen (dove e uno buso taiato in la montagna tanto 
quanto e le balle (che) si liga in fontego per andar in Elemagna le quäl 
tutte convien passar di li). Desselben Tunnels gedenkt auch Felix Fabri mit 
dem Bemerken, dass schon in Venedig beim Ballenbinden auf diesen Tunnel 
Rücksicht genommen wurde (Evagatorium a. a. 0. IV, 446: venimus in locum 
ubi ingens petra de pariete rupis protensa objicit se viae regiae; hanc petram 
antiqui perforaverunt, maximis non dubito laboribus, ita quod per foramen 
illud equites et onerarii currus transeunt cum omnibus Venetiarum mercibus. 
Ad quantitatem autem illius foraminis colligantur fardella vel ballae aut sacci 
mercium in fontico Venetiis, nee sinunt aliquid transire, quod latera foraminis 
tangit, nee permittunt quod foramen amplietur ferro, ut semper eadem magnitudo 
ballarum maneat. YA hoc rationabiliter faciunt, quia, si mercatores possent ad 
suum libitum onera facere, multa bona perirent). — ') Zeitschr. f. deutsches 
Alterthum Bd. XXVI S. 348 ff. 

7 



98 Geschichtliches. 

ziemlich komplicirtes Strassennetz aufweist. Indem Oehlraann hier 
den Angaben aus der Römerzeit und Wolfger's von Passau u 
folgt, zerlegt er dieses Netz ebenfalls — in der Richtung von Süden 
nach Norden — in fünf Abschnitte : a) von Aquileja über den Pass von 
Pontebba bis Tarvis, b) von Aquileja oder Cividale über den Predil- 
pass dahin , c) die gemeinsame Strasse von Tarvis über Friesach 
bis an die Mur, d) von der Mur über die Sölkscharte nach Lorch^ 
e) von Unzmarkt über den Semmering nach Wiener-Neustadt. Wir 
werden dieser Eintheilung uns nicht anschliessen , da es uns doch 
mehr darauf ankommt zu wissen, welchen ^^ eg unsere Landsleute 
nach Venedig hinein als heraus eingeschlagen haben. Beginnen 
wir da mit Wien, das ja überdies mit am frühesten zu Venedig in 
Handelsbeziehung getreten ist. 

Als östlichster Verbindungsweg hätten wir hier zu nennen die 
von Wien über Baden — Wiener -Neustadt — Oedenburg — Stein am 
Anger — Körmönd — über die Raab — Martyancz — Radkersburg— (über 
die Mur) — nach Pettau führende Strasse. Von hier ging dieselbe weiter 
nach Ober-Pulsgau — Windisch-Feistritz — Cilly — Franz (Vransko) — 
St. Oswald — Laibach — Sta. Croce— Ober-Laibach — Loitsch — über den 
Birnbaumer Wald nach Wipbach — über den Isonzo — Palma Nuova — 
Aquileja. Von hier aus benützte man wohl früher den Wasserweg 
nach Venedig; später, als Aquileja sank, schlug man wohl von 
Palma Nuova den Landweg über Latisana — Portogruaro — Oderzo 
nach Treviso u. s. w. (cf. oben) ein. Ueberhaupt scheint diese ganze 
Route, die hauptsächlich in früherer Zeit dem Verkehr zwischen Un- 
garn und Venedig gedient hat, später weniger benützt worden zu sein. 
Der Verbote österreichischer Herzoge im 14. Jahrhundert gegen 
diesen Weg über Pettau haben wir schon früher gedacht^). 

Von Wien schlug man in Folge dessen öfter, wenn nicht sogar 
ausschliesslich, den Weg über den Semmering ein, der schon aus 
Wolfger's Reiserechnungen ^) und den Angaben Anderer, z. B. Ulrichs 
von Lichtenstein, sich so feststellen lässt: Wien — Traiskirchen — 
Neustadt — Neuenkirchen — Glocknitz— Semmering— Mürzzuschlag — 
Krieglach — Kindberg — Kapfenberg — Brück — Leoben — Pols — Knittel- 
feld — Judenburg — Unzmarkt — Scheif ling — Neumarkt — Friesach — 
Treibach — St. Veit (in Kärnthen) — Feldkirch — Villach — Tarvis — 
Pontebba — den Fellacanal entlang über Chiusa — Resiutta — Venzone — 
Ospedaletto — Gemona. Von hier aus konnte man^) (südöstlich über 
Udine nach Aquileja oder) südlich über S. Daniele und Codroipo 
nach Latisana, Portogruaro u. s, w. (s. oben) oder vom Tagliamento 
bei Casarsa ab entweder über S. Vito — Portogruaro u. s. w. oder 
endlich (wie z. B. Ulrich von Lichtenstein) über Pordenone — Sacile — 
Conegliano — Treviso den Weg nach Venedig einschlagen. 



ier 1H 

en j| 



^) cf. oben S. 49 u. fF. — ^) s. die Ausgabe derselben von J. Zingerle 
(Heilbronn 1877). — ^) s. Zahn, Friaulische Studien im Arch. für österr. Gesch. 
Bd. 57 S. 364 ff. 



% 



Geschichtliches. 99 

Von dieser Hauptstrasse zweigten dann aber noch mehrere 
andere Routen ab, deren wir hier noch zu gedenken haben. So 
von Brück an der Mur eine in südöstlicher Richtung nach Graz — 
Leibnitz, welche besonders dein Verkehr mit Ungarn diente, also 
hier strenge genommen nicht in Betracht gezogen zu werden braucht. 
In Folge des von Herzog Albrecht HI. 1386 verhängten Strassen- 
zwanges zu Gunsten von St. Veit und Villach, dem Klagenfurt und 
Völkermarkt zu entgehen suchten, gewannen die Wege über den 
LoibI und durch die Eisenkappel über den Seeberg und den Kanker- 
pass ^eine stetig wachsende Bedeutung" ^). — Im Jahre 1380 wurde 
von Cividaler Kaufleuten die Strasse über den Predil, von Tarvis 
nach Flitsch, angelegt^). 

Besonders wichtig sind die von Norden oder Nordwesten her 
auf diese Hauptstrasse (Wien — Semmering — Villach — Gemona) 
treffenden Routen. Da kam zwischen Judenburg und Unzmarkt die 
Strasse her, welche aus Oberösterreich über Zeyring führte. Oehl- 
mann hat dieselbe nicht berücksichtigt. Aber wir wissen von früher 
her^), dass den fünf Städten Wels, Linz, Enns, Steyr, Freistadt dieser 
Weg gestattet oder vorgeschrieben, anderen Städten aber verboten 
war. Also musste er doch ein öfters benutzter sein. Er wird von 
Enns und Steyr der Enns entlang gegangen sein bis über Admont, 
dann über Rottenmann und den Rottenm anner Tauern nach Zey- 
ring geführt haben. — Oder er führte — und dies gilt besonders 
für die Kaufleute von Linz und Wels — auf einer alten Römer- 
strasse ^) — über Kirchdorf — Windischgarsten — den Pyrnpass nach 
Lietzen — Rottenmann u. s. w. oder — dies allerdings wohl nur ein 
Samweg ^) — von Lietzen südwestlich über Irdning durch das Gr. Sölk- 
thal nach dem Katschthal über S, Peter — Oberwölz und erreichte bei 
Scheifling die Hauptstrasse Wien — Friesach. 

Etwas weiter hinter Scheifling bei Teufenbach kam eine andere 
gleichfalls^) alte Römerstrasse heran, die, wenn wir sie rückwärts 
verfolgen, über Murau — Tamsweg — Mauterndorf — Tweng— den Rad- 
städter Tauern — Untertauern — Radstadt— Bischofshofen - Werfen — 
durch den Pass Lueg — über Golling — Küchel — Hallein nach Salzburg 
führte : eine der Hauptstrassen für den Handel zwischen Salzburg 
und Venedig^). — Näher war es für die Salzburger wohl von 
Mauterndorf statt östlich über Tamsweg südlich den Weg über den 
Katschberg nach Gmünd^ — Spittal und von da die Drau entlang nach 
Villach einzuschlagen *^) oder auf einem Samweg über Windisch- 
Feistritz nach Tarvis zu ziehen ''). Und noch eine andere Route 
(ebenfalls zum Theil Samweg) führte von Salzburg — Bischofshofen 
über Gastein und den Malnitzer Tauern nach Ober-Vellach im Möll- 



') s. Aelschker, Geschichte Kärnthens (1885) Bd. I S. 783. - ^) cf. oben 
S. 50 u. ff. — ') cf. Aelschker a. a. 0. S. 71. — ") cf. Zahn a. a. 0. S. 365. — 
*) cf. Aelschker a. a. 0. S. 71 und Koch-Sternfeld, Die Tauern (1820) S. 231 u. ff. 
— ®) cf. Aelschker a. a. 0. S. 784 und Ankershofen, Handbuch der Gesch. des 
Herzogthums Kämthen Abth. II Bd. I S. .556. — ') s. Koch-Sternfeld a. a. 0. 



100 



Geschichtliches. 



thal und von da an die Drau nach Spittal und südöstlich nach Villach 
oder südwestlich gegen Ober-Drauburg u. s. w. (cf. unten). 

Dann traf vor Venzone noch eine Strasse auf jene Hauptlinie, 
welche sich (rückwärts verfolgt) bald bei Tolmezzo („dem deutschen 
Schönfeld ") ^) selbst wieder theilte. Von hier aus konnte man in 
nordwestlicher Richtung durch den Canal di Gordo über „die uralte 
deutsche noch heute bestehende Colonie" ^) Sappada (Bladen) - Comelico 
— den Kreuzberg (Monte Croce) — Sexten — nach Innichen in's Puster- 
thal u. s. w. gelangen; und für den Verkehr etwa zwischen Augsburg 
und Aquileja war diese alte, schon 1184 erwähnte, obwohl „müh- 
same" Strasse^) in der That der nächste Weg^). — Wandte man 
sich aber von Tolmezzo direkt nördlich, so führte eine alte Römer- 
strasse ^) über Zuglio (Julia Carnica) — Paluzza — durch den Canal 
di S. Pietro nach Timau und über den Pleckenpass nach Mauthen 
und über den Gailberg nach Oberdrauburg. — Von Osten her 
mündete hier in Oberdrauburg eine der Drau entlang führende 
Strasse von Spittal ein (cf. oben), während in nördlicher Richtung der 
(Sam-)Weg über Capaun — Winklern — Döllach — Heiligenblut— den 
Tauern — durch die Fusch oder Rauris nach Brück — Zell — Saal- 
felden oder in nordwestlicher Richtung der Weg über Lienz — 
Windisch-Matrey und den Velber Tauern nach Mittersill in's Salz- 
burgische weiter führte *). — Der eben erwähnte Pleckenpass 
hiess auf älteren Karten, wie Ficker betont, gleichfalls der , Kreuz- 
berg' und wird heutigen Tages noch auf der italienischen (Friauler) 
Seite , Monte Croce' genannt. Und Ficker hält wohl mit Recht ^) 
gegen Meiller ^) und gegen Zahn '') eben diesen (Flecken) Kreuzberg 
und nicht jenen bei Innichen, für denjenigen ,Mons Crucis', dessen 
in einem Vertrage zwischen dem Patriarchen Bertold von Aquileja 
und dem Grafen Meinhard von Görz vom 27. November 1234 Er- 
wähnung geschieht. Der Graf hatte das ausschliessliche Geleitsrecht 
„auf der Strasse über den Kreuzberg" beansprucht; der Patriarch 
dagegen behauptete , dass ihm dasselbe nur zustehe gegenüber den 
„Baiern" , die von den Tauern, und Allen, welche aus Gegenden 
von Niederwelz aufwärts — d. h. aus dem Salzburgischen — kämen ; 
nicht aber gegenüber Denjenigen, die aus Steiermark, Kärnthen und 
esterreich kämen. Diese hätten gewöhnlich seit langer Zeit den 
Weg über Chiusa und den Fella-Canal eingeschlagen; um aber der 
Mauth bei Chiusa zu entgehen , nähmen sie jetzt auch den Weg 
über den Kreuzberg, weshalb er nun die Mauth eben da am Kreuz- 
berg erheben wolle. Schliesslich wurde durch schiedsrichterlichen 
Spruch bestimmt, dass der Patriarch in der That von diesen Letz- 
teren, wenn sie über den Kreuzberg zögen, an irgend einem Orte 




^) Zahn a. a. 0. S. 367. — ^) Ficker in den Mittheilungen des Instituts 
f. österr. Geschichtsforschung Bd. I S. 299. — =*) Ficker ebda. S. 301. — ") Koch 
a. a. 0. — ') Babenberger Regesten 222. — ") Urkundenbuch des Herzogthums 
Steiermark Bd. II S. 419 u. 631 und Friaulische Studien a. a. 0. S. 367. 



Geschichtliches. 101 

seines Gebietes die Mauth erheben dürfe, aber sie müsse um ein 
Drittel erraässigt werden. 

Damit hätten wir auch diese Seite der Alpen für unsere Zwecke 
erledigt. Es erübrigt nur noch einen kurzen Blick auf das innere 
Deutschland, so weit es noch nicht berührt wurde, zu werfen und zu 
sehen, auf welchen Wegen man von hier aus nach Venedig gelangte. 
Für die Prager war, abgesehen vom Weg über Wien, wohl die nächste 
Verbindung die über Budweis durch den Böhmerwald nach Linz. Die 
Breslauer konnten zuerst die Oder hinauffahren, mussten dann wohl zu 
Lande bis Olmütz reisen und konnten von da wiederum den Wasser- 
weg auf der March und zuletzt auf der Donau bis Wien benützen. 
Die Nürnberger aber zogen wohl entweder über Augsburg oder über 
München auf den oben verzeichneten Strassen nach Venedig. — 

Im Anschluss hieran mögen einige Notizen über die Ent- 
fernungen zwischen Deutschland und Venedig beigefügt werden. 
Wie lange freilich der Kaufmann (oder sein Vertreter) mit seinen 
Waaren unterwegs war, darüber fehlen alle Angaben. Nur über die 
Zeit, in welcher der Weg zu Pferd von Reisenden und Brief-Boten 
zurückgelegt wurde, sind wir, allerdings leider auch nur dürftig, unter- 
richtet. So brauchte der früher erwähnte letzte Graf von Katzen- 
ellenbogen auf seiner Pilgerreise^) 1433—1434 von Ulm bis nach 
Venedig 10 Tage, von Venedig heraus nach Augsburg 11 Tage, und 
weiter bis Nürnberg 14 Tage, die Markgrafen Johann und Albrecht 
von Brandenburg 1435 von Nürnberg bis Venedig nur 9 Tage 
(31. März bis 8. April) ^), Stephan von Gumppenberg 1449 von 
Würzburg bis Venedig 13 Tage ^). 

Johannes Schedel, ein älterer Bruder des berühmten Humanisten 
Hartmann Schedel*), reiste nach seiner eigenen Angabe am 27. April 
1459 in Nürnberg ab und langte — in 13 Tagen — am 9. Mai in 
Venedig an. Den Rückweg legte er in gleicher Zeit vom 13. bis 
26. Februar 1461 zurück^). 

Hans von Radwitz ging am 3. April 1467 von Bamberg über 
Nürnberg nach München und traf am 19. April in Venedig ein*"); 
Graf Eberhard von Württemberg im Bart brach am 10. Mai 1468 
von Herrenalb auf und kam 20. Mai in Venedig an; den Rückweg 
von Venedig nach Urach legte er in gleich kurzer Zeit vom 
25. Oktober bis 4. November zurück "'). 



•) cf. Zeitschr. für deutsches Alterthum Bd. XXVI S. 348 ff. - ') Röhricht 
und Meissner, Pilgerreisen etc. S. 472—473. — ^) ebda. S. 478. — ■*) s. Watteu- 
bach in den Forschungen zur deutschen Geschichte Bd. XI S. 352. — *) Cod. 
germ. der hiesigen Staatsbibliothek 409 fol. 306' heisst es : ,Item io Zuan Schedel 
andava a Venesia con ser Lorenczo Memminger e si rivassemo a Venesia adi 9 
de Mazo 1459 e si andessemo via a Nurembergo adi 27 de Avrilo, e son sta 
con m" Pi(e)ro Chogo 21 mesi, 2 duc(ati) al niesi, che val 42 duc(ati). E si 
andessemo via a Venesia adi 13 del Fevrer 1461 e si venissemo a Nur(embergo) 
adi 26 del Fevrer 1461.' — *) Röhricht u. Meissner, Pilgerr. S. 485. — ') ebda. 
S. 486. 



102 



Geschichtliches. 



Johannes Tucher brauchte 1479 von Nürnberg nach Venedig 
gleichfalls 13 Tage i), Felix Fabri 1483 ebensoviel (17.— 29. Januar) 
zur Rückreise von Venedig nach Ulm ^). 

Darnach ist es also gar nichts so Besonderes, wie Greiflf meint, 
wenn der junge Lucas Rem 1494 in 10 Tagen ^) (vom 6. — 15. Oktober) 
von Augsburg nach Venedig hineinreitet. Und was will das erst be- 
sagen gegen einzelne, wirklich staunenswerthe Leistungen von Brief- 
Boten? Erst in jüngster Zeit hat Hans Bosch unter dem Titel „Eil- 
post im 15. Jahrhundert" im „Anzeiger des germanischen National- 
museums " '^j eine Urkunde aus dem Scheurl'scheu Archiv im Germani- 
schen Museum mitgetheilt, aus welcher hervorgeht, dass der Nürnberger 
Bürger Jakob Krauss, „wahrscheinlich ein Bote", im Jahre 1494 inner- 
halb 4 Tagen und einiger Stunden — von Freitag dem 14. Februar 
Nachmittags 4 Uhr bis Mittwoch Früh 2^J4 Uhr — über Augsburg 
nach Venedig geritten „respektive gereist" ist. Und er hatte dabei 
noch 10^/4 Stunden länger gebraucht, als er beabsichtigt hatte. Denn 
er hatte sich, wie es ausdrücklich in der Urkunde heisst, verbindlich 
gemacht, in 4 Tagen nach Venedig zu reisen! 

So unglaublich dies auf den ersten Anblick erscheinen mag, 
es steht doch nicht ohne Analogie da! In der Antwort, welche die 
Augsburger Kaufleute des Fondaco im Jahre 1474 auf die von uns 
früher berührte^) Beschwerdeschrift der dortigen Nürnberger Kauf- 
leute erliessen, heisst es unter Anderem^): „wol hatt es die gestallt, 
das in verganngner zitt ain gemainer (= gemeinsamer) diener, on 
vnnser wort wissen vnnd willen, durch sich selbs vnnd vnns ze 
schaden ainen oder mer mit briefen, die kauifmanschafft berurten, 
eylennts geschickt hätt, der nacher dann in fünnff tagen hinuß gen 
Nüremberg kommen ist . .!" Jedenfalls musste da Tag und Nacht 
durchgeritten und durchgereist werden. Sonst brauchten die Boten, 
wie wir aus der nämlichen Beschwerdeschrift erfahren, von Venedig 
heraus nach Nürnberg 10 — 13 oder 14 Tage, über welch letztere 
Zeit aber eben als eine zu lange die Nürnberger Kaufleute sich 
darin beklagen. 

Von Augsburg bis Venedig rechnete man wohl auch damals 
schon ^) für die gewöhnliche Bestellung der Briefe eine knappe 
V^oche, nämlich von Samstag Abend bis wieder Samstag Früh und 
umgekehrt von Freitag Abend bis zum andern Samstag „bei 
guter Zeit". — 

Wir betrachten endlich die Gegenstände des deutsch-venetiani- 
schen Handels: 




1) Röhricht u. Meissner a. a. 0. S. 499. - ^) ebda. S. 502. — ^) nicM 
in 8, wie GreifF sagt (Tagebuch des Lucas Rem) S. X; cf. S. 5. — ^) 1886 S. 255. 
— *) cf. oben S. 88. — ") Flegler im Anzeiger f. Kunde der deut. Vorzeit 1867 
Nr. 11 S. 336. — ') cf. die „erneuerte" Augsburger Botenordnung vom Jahre 1555 
bei Greiff, Tagebuch des Lucas Rem S. 77, auf welche ich im zweiten Theile 
nochmals zurückkomme. 



\ 



G eschichtliches. 103 



V. Die Waaren. 

Kurz, aber ziemlich treffend hat schon Mone als Hauptartikel 
der deutschen Einfuhr nach Venedig , Leinwand und Wolle", als jene 
der Ausfuhr aus Venedig „Spezereien, Seide und Wein" bezeichnet^). 
Vollständiger sind darüber die meist aus dem Capitolare^) geschöpften 
Angaben Heyd's in dem mehrerwähnten Aufsatz ^). Die deutschen 
Kaufleute, sagt er, brachten nach Venedig: 

1. die Ausbeute der deutschen Bergwerke: Metalle: Gold, 
Silber, Eisen, Kupfer, Blei, Zinn und zwar besonders aus 
den österreichischen Landen; 

2. Pelzwerk aus den nördlicher gelegenen Theilen Deutsch- 
lands, vielleicht auch aus Russland her; 

3. die Manufakturerzeugnisse der deutschen Lande: Leder, 
Hornwaaren, Zeuge aus Wolle, Leinwand und Baumwolle. 

Aus Venedig aber holten unsere Kaufleute für die deutsche 
Heimath : 

L die Waaren der Levante, des Morgenlandes: Spezereien 
aller Art, Pfeffer, Zucker, griechische Weine, Rohseide, 
Baumwolle; 
2. die Erzeugnisse des venetianischen Gewerbefleisses: der 
Glasfabrikation in Murano und der sehr vorgeschrittenen 
Textil-Industrie Venedigs für die feineren Zeuge aus Seide 
und Baumwolle, die Sammte, Tafte, Schleier, Goldbrokate, 
Kamelotte, Boccasini u, s. w. 
Vergleichen wir damit unsere Urkunden, so finden wir fast 
alle diese Artikel auch in ihnen gelegentlich erwähnt: als deutsche 
Einfuhrartikel : 

a) Gold und Silber, gemünztes und ungemünztes ''^), Messing^), 
Eisen '^), Kupfer^), Zinn ^), Bernstein^); 

b) Pelzwerk, Häute, Felle i«); 

c) Deutsche Manufakturerzeugnisse: Zeuge (Tücher, Gewebe, 
Kleider) aus Wolle und Leinwand, wie diese selbst auch 
in unverarbeitetem Zustand ^^), Schleier und Hüte^^), kirch- 
liche Ausstattungsgegenstände ^^), ferner Paternoster^'^). 
Ausserdem bezog aber Venedig aus deutschen Landen 

>) Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrheins Bd. IV S. 8. — ^) cf. p. XII; XV; 9 c. 29; 
29 c. 86; 37 c. 105, 106; 53 c. 134; 73 c. 168; 74 c. 169; 83 c. 187; 86 c. 194; 
95 c. 204; 100 c. 208; 103 c. 213; 116 c. 228; 133 c. 240; 141 c. 247; 153 c 258; 
164 c. 275; 168 c. 278; 172 c. 282; 193 c. 305; 209 c. 325; 224 c. 4; 253 c. 21; 
263 c. 27 ; 266 c. 30; 274 c. 39. — ■') S. 214 u. ff. ; cf. auch dessen Gesch. d. Lev.-H. II, 
550 u. flf. - ") s. Bd. I Nr. 9, 50, 68, 69, 86, 91, 96, 97, 162, 173, 179, 265, 298, 
798. — •') ebda. Nr. 487, 491. — ") ebda. Nr. 98, 109, 510, 782. — ') ebda. 
Nr. 15, 16, 54, 216, 236, 360, 590, 597, 617. — «) ebda. Nr. 15, 16, 229, 
2:36. — ") ebda. Nr. 212, 488. — '«) ebda. Nr. 59, 114, 281, 301, 346, 367, 
488, 789. - ") ebda. Nr. 63, 106, 137, 163, 168, 181, 212, 267, 268, 270, 488. 
- '2) ebda. Nr. 212. — ") ebda. Nr. 483. — '*) ebda. Nr. 298. 



1Q4 Geschichtliches. 



(besonders den angrenzenden österreichischen Gebieten) noch 
Holz ^), Getreide ^ ), auf dessen Einfuhr mitunter sogar eine 
Prämie gesetzt wurde ^); dann ab und zu andere Lebens- 
mittel: Mehl, Nüsse, Kapaunen (?)"*), und namentlich Pferde 
und sonstige Zugthiere ^) nebst Rosshaaren *'). 

Unter den Ausfuhrartikeln der Deutschen aus Venedig finden 
wir erwähnt: 

1. Specereien im Allgemeinen'') und speziell: Pfeffer^), 
Ingwer^), Kümmel ^^), Zimmt ^^), Rhabarber i^), Safran ^^), 
Cochenille ^^), Brasilienholz ^^), Räucherwerk ^'^); ferner 
Mandeln ^^), Feigen und Rosinen'^), Johannisbrod^^), 
Zucker 20), Wachs 21), OeP^), Seife ^ 3), Salpeter 2*); ferner 
Fische (besonders getrocknete) 2^), Fastenspeisen 2*^), Weine 
(Malvasier und Chriechel) 2''); 

2. venetianische Fabrikate : Stoffe aus Seide, wie diese selbst '"* ^), 
aus Sammt 2") und Baumwolle, wie diese selbst ^*^), 
Barchent 31), Flachs ^ 2), Goldfäden oder Golddraht 3«), 
Glaswaaren 3"*), Waffen (Panzer, Kürasse, Sturmhauben)^^), 
Schleifsteine^^), Papier^''), Kaninchenfelle^*^) (die damals 
in Deutschland also noch selten gewesen zu sein scheinen), 

womit natürlich die Zahl der ein- und ausgeführten deutsch- 
venetianischen Handelsartikel keineswegs erschöpft ist. Auch hiefür 
bedarf es noch vielfacher Vorarbeiten. 

In einem Friesacher Mauthtarif vom Jahre 1425 werden als 
vorzüglichste Artikel, welche man aus Venedig (nach Kärnthen) 
herausführte, genannt ^^): Salpeter, Schwefel, Alaun, Oel, Weinbeeren, 
Mandel, Reis, Feigen, Seife, Lorbeeren, Boxhorn (Johannisbrot), Glas, 
Paradiesäpfel, Malvasier und andere griechische und italienische 
Weine, dürre (getrocknete) Fische, feines Tuch (aus Florenz und 
Verona), Seidenzeuge, Sammt, Schleier, Strohhüte, Farbwaaren, 
Gold- und Silbergeschmeide, alle Gattungen Gewürze, besonders 
Pfeffer und Ingwer u. a. „Dafür hatte Kärnthen einen sichern Ab- 
satz jener Produkte nach Venedig, welche dasselbe zur Ausrüstung 
und Proviantirung seiner Arsenale und Schiffe und für seinen 



n 



') Bd. I Nr. 246. — =) ebda. Nr. 203, 563, 565. - ') ebda. Nr. 563. - *) ebda, 
Nr. 194. — *) ebda. Nr. 345, 406, 549, 553, 558, 566. - ') ebda. Nr. 224. - ') ebda. 
Nr. 75, 522. - «) ebda. Nr. 75, 236, 338, 440, 444. - «) ebda. Nr. 222. - 
1") ebda. Nr. 234, 338. — ") ebda. Nr. 338. — ^^) ebda. Nr. 164. — ") ebda. 
Nr. 11-13, 19, 326. — '") ebda. Nr. 88. — '*) ebda. Nr. 88. — 1«) ebda. Nr. 338. 
- ") ebda. Nr. 221, 223. — '') ebda. Nr. 338. - '^) ebda. Nr. 787. — 2") ebda. 
Nr. 75, 273, 338. — ^') ebda. Nr. 75. ~ ^^) ebda. Nr. 17, 49, 65, 108, 786. - 
2«) ebda. Nr. 193, 338, 787. — '") ebda. Nr. 241, 283, 318, 327, 450, 552. — 
2-^) ebda. Nr. 579, 580. — '") ebda. Nr. 202. - ") ebda. Nr. 202, 338. - '») ebda. 
Nr. 43, 46, 61, 80, 83, 88, 89, 205, 423, 793, 794. — '») ebda. Nr. 205. — ^"j ebda. Nr. 56, 
273, 338, 498, 522, 800. — "^) ebda. Nr. 236. - ^^) ebda. Nr. 194. — ^^) ebda. 
Nr. 43, 158, 810. - ^*) ebda. Nr. 201, 256. — ^''•) ebda. Nr. 36, 37. — '«) ebda. 
Nr. 113. — ") ebda. Nr. 266. — ^*) ebda. Nr. 340. — »') s. Aelschker, Gesch. 
Kärnthens I, 778 — 781; Ankershofen, Handb. der Gesch. von Kärnthen II, 1 S. 550. 



1 



reschichtliches. 105 

sonstigen Bedarf und Handel, als damals reich bevölkerte Stadt, 
bedurfte. Die vorzüglichsten Artikel der Art waren: Leinwand 
(und Hanf: Garn, Zwillich, Segeltuch oder Plahen), Tuch (Loden 
aus der Wolle der zahlreichen Schafherden) , Pferde , Rindvieh 
(Wallachen, Stuten, Hornvieh), Eisen und Blei, Getreide und Holz"^). 
, Ausser diesen grösseren Artikeln kommen in dem oben erwähnten 
Mauthtarife nocli folgende Waaren theils als Landesprodukte (Kärn- 
thens) theils als Durchfuhrartikel vor: Honig, Meth, Bier, Hopfen, 
Speck, Wachs, Parchant, Wolle, Flachs, Ross- und Rinderhaare, alle 
Gattungen gearbeitete Häute, Stiefeln und Schuhe, Schweine, Ziegen, 
Unschlitt, Schmalz, Käse, Federn, Filzhüte, Kotzen (grober wollener 
Mantel), dann alle Gattungen Wilddecken und Rauchwerke, Yrch 
oder gearbeitete Bockhäute, Kitzfelle, Kupfer und Zinn, Wasserblei, 
Hüttenrauch (künstlich verfertigter Arsenik), Schwert- und Messer- 
klingen, Gloriät oder Lörgat (Lärchenharz), Farbwaaren, Mehl, 
Nürnberger Waaren, Zwirn, leinene Bänder jeder Gattung, Passauer 
Geschirr, Quecksilber u. dgl. mehr" ^). 

Aehnlich werden in einem Seitenstetter Codex aus dem (ausgehen- 
den?) 15. Jahrhundert folgende Waaren als Ausfuhrartikel aus Oester- 
reich nach Venedig angegeben ^) : Leinen, Quecksilber, Wachs, Garn, 
Zwillich, Plahen, Federn, Schmer (Fett), Unschlitt, Felle, Irich, Kupfer, 
Zinn, Tegel (Lehm?), Blei, Speck, Tücher (graue und weisse), 
Hüttenrauch, Häute, Hausen (Fischart), Hering, Salz, Schwert, 
Prennt (?) ; dagegen als Einfuhrartikel : Weinbeeren, Safran, Feigen, 
Welscher Wein, Terrant (Weinsorte?), Cotpoln (= Kotbuckeln? 
eine Art Fische), Glass, Poxhörnl (Johannisbrot), Oel, Seife, Sammt, 
Baldachin (Baldekino, Seidenstoff), Zugatoni (?), Kamacka (Camocato, 
Seidenstoff), Corosyn (?), Spintel (?), Purpur, Maromat (Maramato, 
Goldbrokat), Taffata, Sarassmat (?), Zenndel, Sandelin, Parchant. 

Die Menge der Tauschgegenstände zwischen Deutschland und 
Italien hat Baader in seiner „Chronik des Marktes Mittenwald" durch 
folgende Aufzählung der in den Waarenhäusern Mittenwald's in da- 
maliger Zeit „niedergelegten* Waaren zu veranschaulichen gesucht^): 
„Aus der Levante und Italien waren aufgestapelt alle Gewürze und 
Südfrüchte, Ballen mit Baumwolle, Pfeffersäcke in grosser Anzahl, 
Lagein mit Kamlit (Kamelot, Wollenzeug), Säcke mit Zitwar (bittere 
Wurzel), Büschel Filetseide (gedrehte Seide) in Löschen (eine Art 
Leder), Truhen mit Kanel (Zimmt), Säcke mit Johannisbrot, allerlei 
Ballen mit Baumwolle umschlagen, Büsche] mit Löschen, schwarze und 
weisse Poccaschyn enthaltend. Lagein mit Muskatblumen, Säcklein 
mit Safran, in Lösch zusammengebundene Büschel mit Seide, Säcke 
mit allerlei Gewürzen und Fastenspeisen, mit Wolle beschlagene 



I 



') Ankershofen a. a. 0. — ^) Kurz, Oesterreichs Handel in älteren Zeiten 
S. 485; cf. S. 327 u. ff". — ^) S. 178 auf Grund archivalischer Aufzeichnungen; 
cf. 38. Jahresbericht des hist. Ver. für Mittelfranken S. 108 u. ff. Die oben 
eingeschlossenen Erklärungen sind von mir aus den Wörterbüchern von Grimm, 
Lexer, Schmeller etc. beigesetzt. 



106 Geschichtliches. 

Ballen, Säcke mit Ingwer, Nägelein und Zibeben, Büschel mit Taffata 
und Joppenseide, Scharnitzen mit Nägelein, Ballen mit Schreibpapier, 
Lagein mit Weihrauch, Säcklein mit Muskat, Löschbüschel mit Gold- 
tafehi und Töckelseide (Docken- d. i. gehaspelte Seide?) von allerlei 
Farben, Wollenballen mit Silber- und Goldtafeln, Zockeln (Holzschuhe) 
und Schreibtafeln, Senftsäcklein, grosse Schachteln mit Konfekt, 
Schachteln mit Borten, Schleierlein, in Bretter gebundene Büschel mit 
rothem und schwarzem Sammt und mit Tüchern von Damasko, Büschel 
mit Gold- und Silberfellen, Büschel mit Stückbörtlein, Schachteln mit 
Gold und Silber, Schachteln mit Zitronato, Wachsscheiben, Pome- 
ranzen und andere Südfrüchte, Löschbüschel mit Zendel, Krüge 
mit Sabaina (Sabina? Sade- oder Sevenbaum), Oelfässer, Lösch- 
büschel mit Sturzhauben (Schleierart), Fässer mit Feigen, Zucker 
und Palmatseide (weiche Seidenart), Lagein mit Feigen, mit Wein- 
beeren, zahllose Fässer mit Wälsch- und Etschwein, Lagein mit 
Malvasier, Säcke mit Mandeln und viel anderes Kaufmannsgut des 
Südens und Ostens. 

Aus Schwaben, Franken, Bayern, Sachsen und den Rhein- und 
Niederlanden wurden nach Tirol und den angrenzenden Landen, 
desgleichen nach Venedig und noch weiter verladen: Fässer mit 
Kupferdraht, Viertelfässer mit weissen Blechen und Messing, Boden- 
fässer mit schwarzem Eisen, Schocke (Büschel) mit Sturzhauben, 
Säume mit Gewand, Tüchern von Aachen und Butzbach, rothen und 
blauen lundischen Tüchern, weissen englischen Tüchern, dann mit 
Tüchern von Frankfurt, Friedberg und Seligenstadt (Hessen), Säume 
Kyrsaten („ein alter schwieriger Zeugname"), Doppel- Arras und mit 
grauen englischen Tüchern, Säume mit Gewand von Köln, blauen 
Tüchern, rothen und weissen Kyrsaten, dann hinwieder mit Trautner 
und roth und kornblauem Teurner Gewand , Säume mit blauem 
Herrnthaler und Speyrer Tuch, Kyrsat- Umschlägen und blauen 
Guglern (Art Leinenzeug), Ballen und Fässer mit Barchant, Panzern, 
Hundskappen (Art Visier oder Sturmhaube), Haarbändern, Nadeln, 
Fingerhüten und Messern, Ballen mit Dorneckischen (Tournay) Tüchern 
und Hosen, Packe mit Biretlein, Papierballen, Ballen und Truhen 
mit Buchsbaumkämmen, Künlein (Kaninchenfelle), Kröpf- (Halsstück 
von Pelz), Geis- und Luchsfellen, Lädlein mit Gold und Silber und 
Heftlein, mit Abenteuer (Kleinodien) gezeichnet, Ballen mit Trusein- 
hosen, mit Gewand von Löwen, grünem und rothem Tuch von 
Löwen, mit schwarzem und lichtem Herrnthaler Tuch, mit schwarzem 
und rothem Bursat (halbseidener Zeug), mit lichten Tüchern von 
Aachen, mit rothem Frankfurter und rothem Gebershausener Tuch, 
mit Lyrichhosen (Larichhosen? von Leinwerch, feinerem Werch), 
mit grobem englischem und Akaley-Tuch, verschiedenes Kemlin- 
Gewand (Zeug aus Kameelhaaren), Ballen mit Tafelmessing (in 
Platten) und viele andere Handelsartikel der süd- und norddeutschen, 
rhein- und ausländischen Industrie." 




Geschichtliches. 107 



Zweiter Theil. 



Der grosse Brand, dessen wir öfters gedacht, brach in der 
Nacht vom 27. auf den 28. Januar^) des Jahres 1505 im Fondaco 
selbst aus. Erst am darauffolgenden Tage ^) konnte dem wüthenden 
Element, das den ganzen Bau verzehrte, mit Hülfe der im Arsenal 
Bediensteten Einhalt gethan werden, die für ihre Mühewaltung ein 
Geldgeschenk erhielten ^). 

Noch am nämlichen Tage, also am 29. Januar (und nicht erst 
später), trat die Regierung in Berathung über den Wiederaufbau 
des Fondaco. Der Gewinn, den die Republik aus demselben wie aus 
dem Handel mit den Deutschen überhaupt bisher gezogen, war ja zu 
augenscheinlich, als dass man auch nur einen Augenblick hätte Bedenken 
tragen können, auf Staatskosten einen Neubau aufzuführen. Der Rath 
der Zehn ertheilte sogleich einem der Beamten des Salzamtes, aus dessen 
reichen Einkünften derartige Ausgaben damals gedeckt wurden, dem 
Francesco di Garzoni, Vollmacht, für die nächsten dringendsten Be- 
dürfnisse die Summe von 500 Dukaten auszugeben'^). Die Regierung 
erklärte sich auch alsbald (am 6. Februar) bereit, zu den Kosten für 
den interimistischen Aufenthaltsort der deutschen Kaufleute, welche 
zu diesem Zwecke den Palast der Brüder Lippomano (bei S. Sofia) 
mietheten, die grössere Hälfte (^/s oder 600 Dukaten für zwei Jahre) 
beizusteuern •''). — Jene ersten 500 Dukaten waren freilich rasch 
verbraucht. Am 19. April mussten weitere 1000 Dukaten bewilligt 
werden**), und nachdem man sich im Laufe des Juni entschlossen 
hatte, behufs Vergrösserung und Verschönerung des Gebäudes noch 
mehrere der anstossenden Anwesen anzukaufen'^), belief sich der 
Kostenvoranschlag, den der genannte Francesco di Garzoni auf 
Befehl der Regierung Ende Juli entwarf, bereits auf 11,250 Dukaten^). 
Und schliesslich, als auch noch die künstlerische Ausschmückung des 
Neubaues durch einen Giorgione und Tizian hinzukam, überstiegen — 
wie der Doge Leonardo Loredano in einem Schreiben an den Rath 
von Nürnberg vom 6. Dezember 1508 selbst angibt^) — die Kosten 
die Summe sogar von 30,000 Dukaten. 

Freilich bildete dann auch das Gebäude in seiner neuen Gestalt 
eine Zierde, eine Sehenswürdigkeit der Stadt, auf welche auch die 
Reisebeschreibungen der Folgezeit nicht verfehlen aufmerksam zu 
machen; und nicht mit Unrecht nennt es der venetianische Geschicht- 
schreiber Francesco Sansovino selbst eine kleine Stadt ^*'). Es ist 



') Nicht Juni, wie es bei Conrady, 4 rheinische Palästina-Pilgerschriften, S. 196, 
Anm. 34 irrig heisst; cf. Sanuto, Diarii (Neue Ausg.) t. VI p. 126 und bei Thomas, 
Zur Quellenkunde etc. S 39. — ^) Sanuto t. VI p. 128 und bei Thomas a. a. 0. 
- ') s. Bd. I Nr. 629. - ") ebda. Nr. 628. - ») ebda. Nr. 630 ; Sanuto VI, 131 
sagt fälschlich ,die Hälfte^ — «) Bd. I Nr. 634. — ^) Thomas, Quellenkunde, 
S. 39-41 ; Sanuto VI, 175; cf. Bd. I Nr. 636, 637, 646—650. - ') Bd. I Nr. 636. — 
») s. Flegler im Anzeiger f. K. d. d. V. 1867 Nr. 12 S. 364. — i°) In dem Schriftchen 



108 Geschichtliches. 



n 



« 



in der Form eines Quadrats gebaut mit einem Hofe in der Mitte 
und fällt auch heute noch, obwohl seines früheren Schmuckes zum 
grössten Theil entkleidet, durch die Grösse des Umfanges, welche 
nach verschiedenen Angaben 512 Fuss beträgt, sowie durch die be- 
deutende Höhe des Baues, der sich bis zu drei Stockwerken erhebt, 
und durch seine Massigkeit überhaupt in die Augen. 

Ich gehe hier weder auf die Baugeschichte noch auf den Bau 
selbst im Einzelnen genauer ein. Was die erstere betrifft, so sei hier 
nur erwähnt, dass der Neubau von der Regierung möglichst beschleunigt «h 
wurde ^) und in der That rasch beendigt war. Am 1. August 1508 — 11 
also nach etwas über 3 ^2 Jahren — war der neue Fondaco im Grossen 
so weit fertig, dass er eingeweiht werden konnte. Es wurde, wie 
Sanuto erzählt, zu dieser Feier im Hofe des neuen Gebäudes eine 
Messe gehalten ; dann begaben sich die Visdomini in ihr Amtszimmer, 
die deutschen Kaufleute begannen ihre Ballen binden zu lassen, wäh- 
rend freilich noch innen und besonders aussen an der Vollendung des 
Baues gearbeitet werden musste ^). Die Fresken scheinen aber doch 
auch im- Jahre 1508 noch fertig geworden zu sein, da wir wissen, 
dass dem Giorgione durch den Spruch dreier von der Regierung 



II 



, Delle cose notabili che sono in Venetia' 1561 p. 28, in welcher Sansovino nur im 
Vorwort sich genannt hat. Da später das Büchlein anonym erschienen ist und dann 
von Nicolö Doglioni Zusätze etc. erhalten hat, mag dies der Grund sein, warum 
Milesio für die obigen Worte ,una piccola cittä' eben den Letzteren, N. Doglioni, 
irrig als Gewährsmann nennt (Thomas, Beschreibung S. 29). Cf. Hans Gg. 
Ernstinger's Raisbuch, hrsg. von Ph. A. F. Walther in der Bibliothek des 
liter. Ver. in Stuttgart (1877) Bd. 135 S. 47 (Reise nach Venedig 1593): „fontico 
dei Todeschi oder das teutsche hauss ain schönes grosses gebey am grossen 
canal gelegen, mit ainem schönen gevierten hoff', glegsamben zimmern und ge- 
wölbern, auch ainer gueten cistern versehen"; ähnlich Hans Chilian Neumaier 
von Ramssla, Reise durch Welschland (1622) S. 27: „Nicht weit von der 
Brücken ist der Deutschen Kauffhauls . . . stehet am Canal grande, ist ein vier- 
eckicht grosses schönes Palatium, hat inwendig einen gevierdten Hoff vnd zween 
gewölbte Gänge vber einander, sollen 80 Losament darinnen seyn . . ."; cf. auch 
Joh. Henr. a Pflaumern, Mercurius Italiens (1625), p. 15 u. A. Die deutschen 
Kaufleute selbst rühmen in einem späteren Dokument vom Jahre 1652 (cf. Bd I. 
Nr. 773 S. 462) den Fondaco als eine ,fabbrica, e per la isquisitezza del sito, che la 
rende conspicua, e per l'artificio dell' architettura , che la singolarizza nelle 
qualitä, e per la grandezza della machina, che altamente la contradistingue, 
e per l'effusione del dispendio, che la constituisce maravigliosa , ben degna di 
quella mano, dalla quäle prendono le attioni Tattributo di illustri'. 

^) Bd. I Nr. 631, 634, 640. - ^) Marino Sanuto, Diarii t. VII p. 597 : Adi 
primo (dil mexe di Avosto 1508) marti. Fe cantä una messa, preparato in corte 
dil fontego di Todeschi, fabrichato novamente ; opera bellissima, nel qual si ä 
speso fin qui da ducati . . . milia. Et ä (:= ha) la cura di la expeditione sier 
Alvise Sanudo, provedador al sal. Hör contato una solenne messa. Et introno 
dentro li vicedomini a Tofficio, la nome di qual sarä qui sotto scripti, et li 
Todeschi comenzono a intrar et ligar balle; e tutavia dentro si va compiando 
et depenzendo di fuora via, tamen non li core fitto si non al primo di Marzo 
1509 si comenzerä; et le bottege di sotto fonno affitade, e si trarä di fitto di 
piü al' anno ducati . . . Hör li vicedomini che comenzono, fonno sier Zuan 
Augustin Pizamano, quondam sier Fantin, sier Hieronimo Malipiero, di sier 
Piero, et sier .... 



II 

I 

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Ü 

li 



Geschichtliches. 109 

ernannter Schiedsrichter am 11. Dezember 1508 für , Bemalung des 
Fondaco'' die Summe von 150 Dukaten zuerkannt wurde ^). 

Dieser hatte ja, wie bereits oben angedeutet, wie auch Tizian, 
von der Regierung den Auftrag erhalten ^), die Aussenseite des Fondaco 
und den inneren Hofraum mit Fresken zu schmücken. Ich sage „von 
der Regierung" und betone dies gegenüber der Darstellung Thau- 
sing's in seinem ^ Albrecht Dürer". Es ist unbegreiflich, wie der- 
selbe behaupten kann^), die Vertrauensmänner (d. h. die Cottimieri 
oder Consuln) der deutschen Kaufherren hätten die Aussenmauern 
des Fondaco von Giorgione und Tizian ganz mit Fresken bedecken 
lassen zum Ersatz dafür, dass die Regierung verboten hatte, beim 
Neubau etwas von Marmor oder in erhabener oder gebrochener Arbeit 
herzustellen und anstatt dessen die Verwendung von „Roh-Bruchstein" 
vorgeschrieben hatte. Dieses letztere Verbot ist allerdings richtig^). 
Aber nichts kann gewisser sein, als dass die Regierung selbst, und 
nicht die deutschen Kaufleute, die beiden genannten Maler mit jener 
Aufgabe betraute. Und zwar wurde Giorgione die Bemalung der 
West- und der Nordseite, d. h. der gegen den Canal grande und 
der gegen den Rio del Fontico zugewandten Fa9aden nebst dem 
Hofraume, Tizian dagegen die der Süd- und Ostseite, d.h. derFa9ade 
des Haupteinganges von der Strasse aus und der über der heutigen 
,Salizzada del Fondaco' liegenden Fa^ade übertragen, die als eine 
Hauptverbindungsstrasse vom Campo di S. Bartolomeo (dem Ende 
der Merceria) nach dem Ponte dell' Oglio und weiter nach S. Giovanni 
Crisostomo führt. „Giorgione malte an den unteren Flächen statt- 
liche Reiterfiguren in Colonnaden, an den Friesen, durch welche er 
die Stockwerke abtheilte, Trophäen, nackte Figuren und steinfarbige 
Köpfe als Consolen ; an den abgestumpften Ecken des Gebäudes 
Geometer mit der Messung der Erdkugel beschäftigt; endlich theilte 
er den oberen, die Fa9ade abschliessenden Fries in Nischen, welche 
einzelne Gestalten enthielten" °). Im Hofe malte er in Chiaro-oscuro 
über den Bogengängen der drei Stockwerke Friese, „Arabesken, 
welche in gleichen Zwischenräumen mit Landschaften, Köpfen 
römischer Imperatoren, Fratzengesichtern u. a. untermischt waren" ^). 
Auch Tizian, scheint es, erledigte seine Aufgabe in ähnlicher Weise, 
nur vielleicht in anderer Anordnung, indem er neben oder über den 
einzelnen Figuren einen Fries in Chiaro-oscuro von Arabesken, Thieren 
und sonstigen Phantasiegebilden anbrachte. Unter den Einzel-Figuren 

') Crowe u. Cavalcaselle, History of Painting in North-Italy t. II p. 142 
nota; cf. Gualandi, Memorie originali italiane risguardanti le Belle Arti. 
Bologna l.«40 — 1842, Serie 111 p. 90. — Giorgione begnügte sich dann mit 
130 Dukaten. — ^) Gegen Crowe und Cavalcaselle's Annahme (Life of Titian 
vol. I p. 93) , dass Giorgione zuerst allein den Auftrag erhalten und ihn dann 
aus freien Stücken mit seinem Schüler Tizian getheilt habe, wendet sich, wie 
ich glaube mit Recht, neuerdings Lübke in seiner „Geschichte der italienischen 
Malerei" Bd. II S. 487. - ^j (1. Aufl.) S. 256-257; der Fehler ist auch in der 
2. beibehalten. — *) cf. Thomas, Quellenkunde, S. 42. — *) Lübke a.a.O. II, 486. 
— *) Elze, Ausland, 1870, S. 627. 



110 Geschichtliches. 



aber wird besonders einer Judith, einer Eva, einer Venus, eines 
Orientalen und eines jungen venetianischen Nobile in der Tracht 
der Ritter ,della Calza' gedacht, welche im Jahre 1715 noch erhalten 
waren und die Bewunderung der Beschauer erregten ^), Der Venetianer 
Kunsthistoriker Zanetti rühmt bei Giorgione die glühende und 
originale schöpferische Kraft, die Neuheit und Lebendigkeit der 
Motive , die Meisterschaft in Abstufung und Vertheilung von Licht 
und Schatten, an Tizian den grösseren, ruhigeren und weiseren 
Genius, der das grosse Feuer Giorgione's in den tiefen Schatten und 
den glühenden Fleischton zu einem Stil von vollkommener Schönheit 
zu mildern gewusst ^). 

Heutzutage ist von diesen Fresken in Folge von Wind und 
Wetter und der Venedig eigenthümlichen salzigen feuchten Luft so 
gut wie gar nichts mehr vorhanden: „die Wände haben," wie Elze 
treffend bemerkt^), „einen trostlosen modernen Anstrich". 

Anderes ist durch Menschenhand am Bau geändert und be- 
seitigt worden. So namentlich die beiden kleinen Thürmchen, welche 
ehedem sich an den beiden Hauptecken der dem Canale grande 
zugekehrten Fa^ade erhoben. „Dieselben waren einerseits mit 
marmornen Marciislöwen und der Inschrift ,Principatus Leonardi 
Lauredani inclyti Ducis anno sexto', d. h. ,im sechsten Regierungs- 
jahre des Dogen Leonardo Loredano' (1508) verziert*), auf der 
anderen Seite aber mit Malereien Giorgione's und Tizian's ge- 
schmückt''). „Im nordwestlichen Thurm (gegen den Rio) befanden 
sich zwei Glocken von mittlerer Grösse, deren Geläute nach Hospiz- 
sitte die Hausbewohner zu Tische rief." Diese Thürmchen wurden 
erst in neuerer Zeit unter der österreichischen Herrschaft abgebrochen 
und nicht zum Vortheil des Gebäudes durch Zinnen, gleich den 
schon von Anfang an vorhandenen, ersetzt. 

Noch erhalten ist die in der Mitte dieser Fa9ade gegen den 
Canale grande angebrachte marmorne Trophäe in Basrelief mit der 
ebenerwähnten Inschrift ,Germanicis D(icatum)', „den Deutschen 
gewidmet". „Unter derselben über dem Spiegel des Wassers tragen 
sechs grosse Pfeiler von istrischem Stein eine fünfbogige Landungs- 
halle. Rechts im Eingange derselben befand sich ehemals das Amt der 
Visdomini, darüber^) ein Marcuslöwe und die noch vorhandene Jahres- 
zahl 1559 '^) nebst der Inschrift ,Respice finem' (Bedenke das Ende). 
Diesem gegenüber auf der linken Seite des Canaleinganges lag die 
Dogana (das Verzollungslokal), ein geräumiges Lokal mit zwei 
Thüren und einem grossen eisenvergitterten Fenster, welches zur 






1) Elze a. a 0. aus Milesio (cf. Thomas, Beschreibung, S. 44). — ^) Lübke 
a. a. 0. II, 487. — ^) a. a. 0. S. 627. — ^) Wozu als Ergänzung die unten zu 
erwähnenden Worte Germanicis d(icatum), „Den Deutschen gewidmet", gehörte. 

— ^) Elze a. a. 0. S. 628 , woher auch das Folgende. — ®) So Elze a. a. 0. 
S. 627; Milesio (bei Thomas, S. 30) sagt etwas genauer ,über der Eingangsthür'. 

— ■') „In welchem das Amt dorthin verlegt wurde" Milesio ebda. 



Geschichtliches. 1 1 1 

Empfangnahme der Waaren in Pestzeiten und zur Austheilung des 
Almosens der Panada ^) diente." 

Des Weiteren ist dann noch gut erhalten das ansehnliche 
„Eingangsportal auf" der Süd-(oder Strassen-)Seite mit marmornen 
Säulen auf gleichen Piedestalen und mit einem Basrelief im Schluss- 
stein der Bogenwölbung, das einen Putten mit Füllhorn darstellt. 
Im Fries ist die (nämliche) Inschrift eingehauen (die früher an den 
beiden Thürmchen angebracht war) ,Principatus Leonardi Lauredani 
inclyti Ducis anno sexto'. In der Nische über dem Thor befand 
sich ein geflügelter Löwe in Halbrelief ^). Unter dem Thore an 
der rechten Wand liest man noch auf einer Marmortafel ein Verbot 
vom Jahre 1670, im Hofe weder zu fluchen noch zu spielen, noch 
zu rauchen, noch viel weniger sich zu prügeln oder Lärm zu machen, 
um die Ruhe der Bewohner des Hauses nicht zu stören. 

Das Thor führt in den (einzigen) Hof, einen „einfachen Pfeiler- 
hof mit 20 Bogen im Erdgeschoss und je 40 (darüber) in den drei 
Stockwerken, also zusammen 140 Bogen, hinter welchen in allen 
Stockwerken regelmässige Korridore (und im Erdgeschoss ein Säulen- 
gang) den Hof umgeben". „In demselben zu ebener Erde befanden 
sich die Dienstzimmer des Pförtners (dessen eigentliche Wohnung 
im obersten Stock war) oder des Hausmeisters, wie wir wohl heut- 
zutage sagen würden^), dann der Ballenbinder, der Träger^), der 
Wäger, dann zweier „Fattori" (Diener) der Deutschen; ferner die 
Weinschenke •^) und 25 grosse Gewölbe (volte) **), welche als Magazine 
zur Aufbewahrung der Waaren dienten." Auf der Aussen- oder 
Strassenseite waren im Erdgeschoss 22 Verkaufsläden angebracht, 
die von der Regierung an einzelne Private (Venetianer) vermiethet 
wurden. 

Zwei grosse Treppen, die eine im nördlichen, die andere im 
südlichen Flügel, führen in vier Armen vom Hofe zu den Kammern 



') cf. darüber weiter unten. — ^) Elze a a. 0. S. 629—30. Derselbe ist 
in jüngster Zeit wieder angebracht worden. Unterhalb desselben hatten die 
ersten Leiter des Neubaues des Fondaco, wie es scheint, ihre Wappenschilder 
anbringen lassen, was aber dann von den drei Häuptern des Rathes der Zehn 
nicht als statthaft erachtet wurde. Sanuto schreibt nämlich (Diarii t. VII 
p. 589): 1.508 Luglio 21. Noto che il fontego di Todeschi fabrichato era a 
bon termine. La cura dil quäl primo sier Piero Lando , poi sier Marco Tiepolo, 
ultimo sier Alvise Sanudo, provedadori al sal, per il consejo di X l'ä a(v)uta. 
Et havendo tutti li provedadori stati, maxime li passati, fato meter le soe 
arme di marmoro soto San Marco su la porta dil ditto fontego, et de prae- 
senti sopra l'officio dentro, parse a sier Marco Antonio Loredan, cao di X, 
con li compagni, sier Nicolö di Prioli , sier Alvise Emo , atento e certa parte 
vechia non si pol meter arme, di farle levar via; et cussi mandono comanda- 
mento al sal, fusseno statim levate. Et ita factum fuit, et perhö ne ho voluto 
far memoria. — ^) Milesio a. a. 0. S. 33 nennt ihn ,Scoador' , was identisch 
sein dürfte mit ,Scoazzer' fcf. ßoerio ,Scoadura' = Spazzatura) und den Mann be- 
deutet, der für die Reinhaltung eines Ortes zu sorgen hat. Elze hat das Wort 
nicht übersetzt. — *) ,Bastasi' bei Milesio, was Elze wohl nicht richtig mit 
„Sattler* wiedergegeben hat, — ^) Auch hier kann ich mit Elze's Uebersetzung 
des Wortes ,Caneva' als , Keller" nicht einverstanden sein. — *) s. Bd. I Nr. 658. 



112 Geschichtliches. 



und mit 94 Stufen bis in's oberste Stockwerk. Ursprünglich waren 
nur die Stufen bis in's erste Stockwerk von Stein, die übrigen von 
Holz, die erst nach einem in der Nähe ausgebrochenen Brand in den 
Jahren 1587 — 1595 durch steinerne ersetzt wurden^). — Was die 
Zahl der Kammern betrifft, so wird dieselbe verschieden angegeben. 
Im Jahre 1508 bei der erstmaligen Vermiethung waren es 7(5 Kam- 
mern^), im Jahre 1576 gab es nach Elze^) 72 „bewohnbare"^) 
Zimmer und im Jahre 1646 wird die Zahl der vermietheten Zimmer 
oder Kammern auf 80^2 angegeben, wobei schon der Bruchtheil 
darauf hinzudeuten scheint, dass diese vermehrte Zahl vermuthlich 
durch Theilung und Zerlegung einzelner, ursprünglich besonders 
geräumiger Wohngelasse entstanden ist. Dabei ist noch zu bemerken, 
dass (damals) einige dieser Gelasse nicht an einzelne Kauf leute, sondern 
an die deutsche Kaufmannschaft als solche vermiethet waren. „In einem 
Zimmer (das die Nummer 55 trug) des obersten Stocks befand sich 
nämlich^) seit 1575 das Archiv, in welchem die Bücher und Schriften 
der deutschen Kaufmannschaft in guter Ordnung aufbewahrt wurden 
unter der Aufsicht eines eigenen Archivars *")." „Seit dem 17. Jahr- 
hundert (Mitte) dienten auch einige Zimmer (Nr.Slund 82) im obersten 
Stockwerk als Versammlungslokal für den evangelischen Gottes- 
dienst und als Wohnung des evangelischen Geistlichen'').'' 

Ausser diesen Kammern enthielten die drei Stockwerke noch 
die Lokalitäten für den Wirthschaftsführer ^), den Schenkmeister ^), 
den Koch und Unterkoch, die Küche selbst u. s. w., insbesondere 
aber noch im ersten Stock zwei grosse Säle auf der dem Canale 
grande zugekehrten Seite. Sie dienten den deutschen Kaufleuten 
als Speisesäle, zu Versammlungen, Berathungen u. dgl. und hiessen 
zunächst von der Zeit der Benützung der „Winter-" und der „Sommer- 
saal". Der Wintersaal führte dann aber auch noch den Namen 
,Sala della Stua' von dem darin befindlichen grossen prächtigen Ofen, 
welcher in den Jahren 1587— 1588 von den Deutschen auf eigene Kosten 
errichtet wurde und ein wahres Kunstwerk, einzig in seiner Art, 
gewesen sein solP^). — Der Sommersaal dagegen hiess auch 
„Gemäldesaal" (,Sala dell' Estate' oder ,Sala delle Pitture') 
von der reichen Gemäldesammlung, welche unsere Landsleute von 
berühmten venetianischen Meistern, wie Tizian, Palma Vecchio, Paolo 
Veronese u. A., gleichfalls auf ihre Kosten anlegten. Ich darf auch 
hiefür auf Elze und Milesio verweisen, welche sowohl diese Gallerie, 



n 



') Elze a. a. 0. ; Milesio S. 33 und 53. — ') Bd. I Nr. 653. - ') Ausland 
S. 628. — *) vielleicht richtiger , bewohnte". — '^) Elze a. a. 0. S. 628; cf. Milesio 
S. 45 und oben Bd. I Nr. 748. — **) Leider ist davon heute nicht mehr viel 
vorhanden. Die in der Vorrede S. Xlll und XIV verzeichneten Kapitularien 
im Besitz der evangelischen Gemeinde und einzelne Archivalien im Museo Civico 
Correr sind die einzigen bisher wenigstens bekannten Ueberreste dieses Archivs. 
— ') cf. darüber weiter unten und Bd. I Nr. 748. — **) ,Spenditore' bei Milesio 
S. 33, von Elze gewiss nur aus Versehen mit , Spediteur" übersetzt. — ^) ,Canever', 
Elze „Kellermeister". — ^'*) Siehe die detaillirte Beschreibung desselben bei 
Milesio S. 34 u. ff. 



Geschichtliches. 113 

als auch die Anlage und Ausschmückung der beiden Säle im Einzelnen 
genau beschreiben. Leider ist ja auch davon heute fast nichts mehr 
erhalten: aus der Gallerie nur ein Christusbild von Tizian, das sich 
jetzt im Besitze der Evangelischen Gemeinde in Venedig befindet. 
Die beiden Säle aber, wie überhaupt die Dispositionen im Innern 
des Fondaco, sind durch Um- und Neubauten kaum mehr zu er- 
kennen. Dagegen sind noch jetzt vorhanden die beiden marmornen 
Balkone (pergoli), auf welche man noch heute aus jenen beiden 
ehemaligen Sälen treten kann, um dem Spiel der Wellen und dem 
Leben und Treiben auf dem Canale grande zuzuschauen. Wie ganz 
anders freilich muss das Schauspiel gewesen sein, als man von hier 
aus noch auf die zahlreichen Barken blicken konnte, welche die ' 
kommenden und gehenden deutschen Kaufleute mit ihren Waaren 
zur Landungshalle des Fondaco brachten und von da fortführten! 

Hier nur noch ein Wort über den Baumeister. Man hat 
früher lange Zeit den in Verona geborenen Fra Giocondo für den 
eigentlichen Erbauer des neuen Fondaco gehalten, gestützt auf das 
Zeugniss eines Zeitgenossen, des Pietro Contarini, der einmal in 
einem Distichon den Fondaco als ,fratris Jucundi nobile opus' und 
in einem anderen Werk als ,gloria de Jucundo geometra' bezeichnet ^). 
Doch hat schon Selvatico in seinen ,Studi sulla architectura e sulla 
scultura in Venezia^) und 0. Mothes in seiner „Geschichte der 
Baukunst und Bildhauerei Venedigs"^) darauf hingewiesen, dass 
nach urkundlichen Zeugnissen ein Deutscher, Namens Hieronymus, 
der „Architekt" des Werkes gewesen sei. Elze, Heyd und Andere 
haben dann auch stillschweigend diesen letzteren als den Erbauer 
des neuen Fondaco angenommen. Anders Crowe und Cavalcaselle 
in ihrem „Leben Tizian's". Auf Grund ihrer archivalischen For- 
schungen behaupteten sie, dass der deutsche Baumeister Girolamo 
Todesco einen gefährlichen Konkurrenten an Giorgio Spavento ge- 
habt habe, der damals „Protho von S. Marco" und gewisserraassen 
offizieller Stadt-Architekt gewesen sei und ebenfalls einen Plan für 
den Neubau eingereicht habe. Lange Zeit sei es zweifelhaft ge- 
wesen, wessen Plan acceptirt würde. Schliesslich habe die Rück- 
sicht auf die Wünsche der deutschen Kaufleute, die lebhaft für 
ihren Landsmann eingetreten, zu Gunsten des von Girolamo Todesco 
eingereichten Planes entschieden. Im Juni 1505 habe der Senat 
beschlossen, dass der Bau mit geringen Modifikationen nach dem 
Modell des Hieronymus auszuführen sei. Zwei Tage hernach aber, am 
20. Juni 1505, sei an Stelle des bisherigen Vorstehers des Salzamtes 
und des mit der Ueberwachung des Neubaues betrauten Francesco di 
Garzoni ein Anderer, Alvise Emo, getreten, und dessen erste Sorge 
sei es gewesen, den Girolamo Todesco zu entfernen, der eine Stelle 



') s. Thomas, Quellenkunde, S. 42 und 43 ; und Bulletino di arti, industrie 
e curiositä Veneziane, Jahrg. I (1877) S. 24. — ^) (Venedig 1847) S. 166. — 
») Bd. II S. 25. 

8 



1 14 Geschichtliches. 



4 



bei dem Artillerie- Wesen in Cattaro erhalten habe. Alvise Emo 
habe dann den Antonio Scarpagnini (am 16. August 1505) zum 
General- Oberaufseher gemacht unter dem Kommando so zu sagen 
oder der Oberleitung des Giorgio Spavento, und so sei der Bau bis 
auf unsere Tage ein Zeugniss für die Geschicklichkeit des Girolamo 
Todesco und des Giorgio Spavento ^). 

Inzwischen erhellte aus den von Thomas^) veröffentlichten Aus- 
zügen aus Marino Sanuto, dass in der That die Regierung Anfangs 
die Absicht gehabt zu haben scheint, dem Spavento den Neubau zu 
übertragen^); dass aber am 19. Juni*) 1505 der Senat auf den Wunsch 
der deutschen Kauf leute dem eingereichten Modelle des deutschen 
Baumeisters Hieronymus vor dem des Spavento den Vorzug gab*). 
Zur Motivirung der Entscheidung wird namentlich auch angeführt, 
dass zwischen den beiden Modellen kein grosser Unterschied bezüg- 
lich der Kosten bestehe ^). Ueber den weiteren Verlauf der An- 
gelegenheit wird hier nichts Weiteres beigebracht; Crowe's Aus- 
führungen scheinen Thomas unbekannt geblieben zu sein. 

Es war meine erste Aufgabe, in den Protokollen des Rathes 
der Zehn nachzusehen, ob wirklich, wie auch Sanuto angibt^), am 
20. Juni 1505 Alvise Emo mit der Leitung des Baues betraut worden. 
In den ,Misti' fand sich darüber nichts, wohl aber die Bestätigung 
dieser Angabe in dem Protokollbuch des ,Collegio' '). Hingegen ist 
es irrig, dass Alvise Emo der Nachfolger des Francesco di Garzoni 
geworden. Dass dieser am 20. Juni nicht mehr ,Proveditore al Sal' 
war, geht aus einer Notiz hervor*), wonach er am 29. April 1505, 
weil seine viermonatliche gesetzliche Dienstzeit um war, einen Nach- 
folger in der Person eines Andrea Magno erhielt, wie er sich denn 
auch später^) selbst als ,gewesenen' (fo) Proveditore bezeichnet. 
Und dieser nämliche Andrea Magno erscheint am 25. August 1505 
ausdrücklich mit der Leitung des Baues betraut, ,deputado sopra la 
fabrica dil fontego'^"), so dass man annehmen müsste, jener Alvise 
Emo sei entweder inzwischen gestorben oder zurückgetreten oder 
abgesetzt worden. Die Sache dürfte aber einfach so liegen, dass 



^) Life of Titian I, 83. - ") Quellenkunde etc. S. 39. — ") Diarii t. VI 
p. 85 (?): 6. Febbrajo 1505. Da poi disnar fo colegio di la Signoria per la materia 
dil fontego di Todeschi, che lo uoleno refar presto e bellissimo e al ditto Zorzi 
Spauento, protonotario di la chiesia di San Marco. Et poi fo terminato dar 
principio et comesso a ser Francesco di Garzoni, prouedador al sal, la cura. Aus 
der neuen Ausgabe (t. VI p. 131) geht aber hervor, dass statt des unverständ- 
lichen ,al ditto' zu lesen ist aldito = udito: ,man vernahm den Spavento*. — 
■*) Thomas, Quellenkunde S. 41 ; nicht am 18. Juni, wie man aus Crowe's ,two days 
after' meinen könnte. — ^) ,non esser gran differentia de spesa da luno et laltro'; 
das ,de spesa' hat Thausing (in seinem „Dürer") einfach gar nicht übersetzt! 
und diesen Fehler auch in der zweiten Auflage (Bd. I S. 346) beibehalten. — 
«) Diarii t. VI p. 188 (Thomas a. a. 0. S. 40). - ') Bd. I Nr. 635. — «) Venedig, 
Staats- Archiv. Cons. X. Misti t. 30 f. 129' : Depositarius officii salis loco s. Fran- 
cisci de Garzonibus qui complet electus per menses quatuor juxta formam legis 
s. Andreas Magno. — ») s. Bd. I Nr. 636. — ^o) ebda. Nr. 637. 



Geschichtliches. 115 

die einen, Francesco di Garzoni und Andrea Magno, mit der 
finanziellen , Alvise Emo hingegen wirklich mit der technischen 
Leitung des Baues betraut war. 

Was sodann die Angaben Crowe's über des Hieronymus Ent- 
fernung und Anstellung in Cattaro anlangt, so habe ich darüber aus 
dieser Zeit, d. h. aus dem Jahre 1505, in den Akten der einschlägigen 
venetianischen Kollegien nichts finden können. Hingegen wird über 30, 
ja 40 Jahre später in Depeschen der Befehlshaber von Cattaro zu den 
Jahren 1538 und 1544^) allerdings ein ,maestro Hieronymo Todescho' 
als ,bombardiero' in venetianischen Diensten genannt und wegen sei- 
ner Geschicklichkeit und Brauchbarkeit besonders gerühmt. Da auch 
gesagt wird, dass er der Republik schon seit langer Zeit seine 
Dienste gewidmet, und da er offenbar schon in höheren Jahren 
steht, indem sein Sohn ebenfalls bereits zu den ,bombardieri' 
gehört, so wäre es der Zeit nach nicht unmöglich, dass dieser 
maestro Hieronymo Todescho und der beim Neubau 1505 genannte 
eine und dieselbe Person seien. Aber man darf wohl aus inneren 
Gründen schon daran zweifeln, den Erbauer des Fondaco zu 
Venedig mit jenem Vorstand der Artillerieschule in Cattaro zu iden- 
tificiren. Es wäre doch sonderbar, wenn die deutschen Kaufleute 
selbst dies zugegeben hätten. Dass Deutsche im Solde der Republik 
dienten, ist ja oft genug vorgekommen: so können und werden die 
beiden Hieronymi doch zwei ganz verschiedene Personen sein. Milesio, 
dessen Angaben man freilich nicht immer unbedingt vertrauen darf, 
sagt ausdrücklich, dass am 9. März 1508 der Bau beendet wurde 
„unter der beständigen Leitung des Girolamo Todesco" ^). Hätte es 
seine Richtigkeit mit jener Entfernung, so wäre wohl auch anzu- 
nehmen, dass Spavento seinen eigenen Plan zur Ausführung gebracht 
hätte, was übrigens ohne Einwilligung und neue Verfügung der 
Regierung wohl gar nicht hätte geschehen können. Von einer 
solchen ist aber durchaus nichts bekannt. 

So darf man, glaube ich, mit ziemlicher Sicherheit behaupten, 
dass Crowe's ganze Aufstellung nur auf einer Kombination beruht 
und nichts mehr ist, als eine kühne Hypothese. — 

Was für ein Landsmann dieser Hieronymus gewesen, wird 
nicht berichtet. Thausing möchte auf Grund „der Verhältnisse des 
Baues" ihn für einen Augsburger Baumeister halten, und Andere 



') cf. später bei den Urkunden im Anhang. — '^) Bei Thomas S. 42 : ,Del 1508, 
9. Marzo fu terminata la fabbrica del nuovo descritto fontico de Tedeschi, sempre 
con la sopraintendenza del giä detto Girolamo Todesco Protto e del jjur nominato 
N. H. S. Marco Tiepolo a ciö deputato'. Dass Girolamo ^Proto" (nach Boerio 
,il primo in alcuno arte, ma specialmente in quella de' Muratori') gewesen sei, 
ist freilich sonst auch nicht überliefert; und wenn Milesio vorher (S. 29) be- 
richtet, Marco Tiepolo habe schon am 19. Juni 1505 die ,8opraintendenza alla 
detta fabbrica' erhalten, so steht das mit unseren obigen Angaben ebenfalls 
im Widerspruch, während aus anderen Aktenstücken (Bd. I Nr. 646 S.) aller- 
dings hervorgeht, dass mindestens seit April 1507 Marco Tiepolo die (finanzielle?) 
Leitung des neuen Hauses erhalten hatte. 



116 Geschichtliches . 



n 



haben daraufhin den Hieronymus ohne Weiteres als Augsburger 
erklärt. Wenn aber Tbausing meint, diese Annahme finde darin 
eine Unterstützung, dass „die Augsburger und Nürnberger Kauf- 
leute den Vorsitz an den beiden Tafeln im Fondaco geführt und 
somit an der Spitze der deutschen Kolonie in Venedig gestanden," 
so ist das, wie wir oben gesehen, nicht richtig. Denn nicht die 
Augsburger, sondern die Regensburger standen wenigstens im Jahre 
1474 an der Spitze der einen Tafel. Und darauf, dass die Augs- 
burger Fugger die zwei ersten „Gewölbe" (sie!) im neuen Hause 
erhielten, möchte ich auch kein so grosses Gewicht legen, wie es 
Thausing that. Uebrigens muss ich es Kunstkennern überlassen zu 
entscheiden, ob der Neubau etwa Augsburger Reminiscenzen aufweist; 
ich möchte hier nur noch mit einem Worte auf die Uebereinstim- 
mungen hinweisen, welche Mothes zwischen dem neuen Fondaco in 
Venedig und dem bekannten Bau der ,Procuratie vecchie' aufgedeckt 
hat ^). Freilich fällt der Vergleich mehr zu Gunsten des letzteren Baues 
aus, der einen leichteren, gefälligeren Eindruck macht als der Fon- 
daco. Doch darf dabei nicht vergessen werden, dass auch der Zweck, 
dem beide Bauten dienten, ein ganz verschiedener war. Und man 
muss sagen, dass dem Zwecke eines Kaufhauses der Neubau des 
Fondaco sehr wohl entsprach. Auch heute noch wird jeder Besucher 
des Hauses, namentlich wenn er den Hofraum betritt, den Eindruck 
gewinnen, dass es ein kräftiger, gediegener und namentlich sehr 
geräumiger Bau ist, in welchem sich bald ein reges neues Leben 
entfalten konnte ^). 

Die Regierung sorgte übrigens auch noch durch eigene Vor- 
schriften dafür (1508 März 9 und Mai 12), dass die Gänge in den 
einzelnen Stockwerken nicht mehr, wie früher, durch Kisten und 
Kästen eingeengt und kaum passirbar, sondern stets frei gehalten 
würden u. dgl. mehr^). — 

Noch muss ich hier einer Ansicht entgegentreten, welche 
Ennen ausgesprochen hat. Er ist der Meinung*), der prachtliebende 
Doge Loredano habe deshalb den Fondaco „in erweitertem Umfange 
und mit erhöhter Pracht" wieder aufbauen lassen, „um der Welt zujj 



^) Gesch. der Bildhauerei u. Baukunst in Venedig II, 49 — 51. — ^) Durch 
Herrn Prof. A. Thiersch dahier wurde ich nachträglich darauf aufmerksam ge- 
macht, dass Weinbrenner in dem Aufsatz „Die Fugger'sche Grabkapelle bei 
St. Anna zu Augsburg" („Entwürfe und Aufnahmen von Bauschülern der Gross- 
herzoglich technischen Hochschule in Karlsruhe", Jahrg. 1884, Heft 1) im Hin- 
blick auf die „innere Verwandtschaft" zwischen dieser, 1509 gestifteten 
und 1512 vollendeten, Kapelle und den Bauformen des Fondaco den Hieronymus 
für den Erbauer dieser Kapelle hält (zustimmend äussert sich R. Vischer in 
der „Allgemeinen Zeitung" 1886 Nr. 74 S. 1088 und in seinen „Studien zur 
Kunstgeschichte" 1886 S. 585), womit ein weiteres Moment gegen Crowe's Aus- 
führungen gewonnen wäre. Was Weinbrenner über die bevorzugte Stellung der 
Fugger im Fondaco vorbringt, beruht auf den irrigen Angaben Thausing's. — 
^) Bd. I Nr. 657. — *) „Die Stadt Köln und das Kaufhaus der Deutschen in 
Venedig" in der „Monatsschrift für rheinisch-westfälische Geschichtsforschung" 
Jahrs. I S. 112. 



m 




Geschichtliches. 117 

zeigen, dass der seit der Entdeckung von Amerika im Welthandel 
eingetretene Umschwung noch nicht im Stande gewesen war, das 
Vertrauen auf die dauernde Sicherheit der Handelsherrschaft Venedigs 
zu erschüttern". Ich glaube, dass ein solcher demonstrativer 
Gedanke der venetianischen Regierung — und diese, nicht der 
Doge , hatte ja eigentlich über die Ausschmückung des Baues zu 
entscheiden — ziemlich ferne lag, dass es ihr viel mehr, ja vorzugs- 
weise darum zu thun war, die deutschen Kaufleute in Venedig 
festzuhalten, wozu, wie sie wohl glauben mochte, ein geräumigeres, 
prächtiger ausgestattetes Gebäude und mancherlei Vergünstigungen 
(von denen später noch die Rede sein wird) ein Wesentliches 
würden beitragen können. 

Es war das ja damals, um dies hier einzuschalten, eine ernste, 
schwere Zeit, eine Zeit bedenklicher Krisis für Venedig. 
Allerdings nicht gleich im ersten oder zweiten Jahre nach der Auf- 
findung des Seeweges nach Indien durch die Portugiesen machte 
sich der damit verbundene Umschwung auf dem Gebiete des Levante- 
handels geltend. Allein bald genug verspürte man in Venedig doch 
die Folgen dieses Ereignisses. Marino Sanuto verzeichnet schon 
am 1. März 1501 in seinen Diarien^) ein Sinken des Preises des 
Pfeffers von 130 auf 102 Dukaten ,el cargo'^), weil die Deutschen 
seit einem Monat keinen mehr kauften. Und wenige Monate später, 
im Juli 1501, füllt Girolamo Priuli'^) die Blätter seines kostbaren 
Tagebuches mit düsteren Betrachtungen über die aus Portugal ein- 
treffenden Nachrichten. Er sieht es voraus, wie Ungarn, Deutsche 
u. s. w. statt nach Venedig, nunmehr nach Lissabon gehen werden, 
um dort ihren Bedarf an Spezereien einzukaufen. Das liege ihnen 
näher (!) und sie könnten dort dieselben billiger bekommen als in 
Venedig. Denn die Zölle, Abgaben und Steuern in Syrien und im 
Reiche des Soldan vertheuerten die Waaren in solchem Masse, dass, 
was in Colocut einen Dukaten koste, bis es nach Venedig gelange, 
auf 60 — 100 Dukaten zu stehen komme, während der König von 
Portugal nur die Kosten für Ausrüstung der Schiffe zu tragen habe. 
Daher werde der Handel mit diesen Spezereien für Venedig ab- 
nehmen, und das bedeute für den venetianischen Handel gerade 
so viel, als wenn einem Säugling Milch und Nahrung fehle. Geht 
aber der Handel zurück, dann wird auch das Geld, der Reichthum 
sich mindern, und der Ruin der Stadt ist Priuli dann unausbleiblich ^). 

*) t. III p. 1480. — ^) ^ carico, Ladung, Fracht. — ^) Geboren 26. Januar 
1476, gestorben 6. Juli 1547, hielt er sich, um die Kaufmannschaft zu erlernen, 
1493 — 1498 in London auf und begann schon hier seit 1494 Tag für Tag zu 
verzeichnen, was ihm wichtig und bemerkenswerth schien, eine Gewohnheit, die 
er dann auch als Kaufmann und Bankier in Venedig bis 1512 fortsetzte. Aus- 
züge aus diesen Diarii hat Fulin veröffentlicht in seiner Festschrift zum 3. allgem. 
Geographen-Congress ,Diarii e Diaristi Veneziani'. (Aus dem Archivio Veneto 

tom. XXII.) — ^) Bei Fulin p. 160. manchando questo trafego de mar- 

chadantia a Venetia se pol reputar manchar il lacte et nutrimento ad uno 




118 Geschichtliches. 

Dieselbe unheilsvolle Prophezeiung wiederholt er dann zum 
Jahre 1506, nachdem er wiederholt (so zum Februar 1502^), März 
und August 1503 2), Juli 1505 ^) das Sinken des Preises vom Pfeffer, 
Ingwer u. s. w., die Flauheit im Geschäftsverkehr und speziell die 
geringe Kauflust, die Zurückhaltung der deutschen Kaufleute notirt 
hat, die im Vergleich zu früheren Jahren fast gar nichts mehr 
einkaufen wollten, was für den venetianischen Handel einen beträcht- 
lichen Ausfall bedeutete. Es war natürlich in Venedig nicht un- 
bekannt geblieben, dass schon im Jahre 1503 eine grosse deutsche 
Handelsgesellschaft, an deren Spitze die Augsburger Anton Welser 
und Konrad Vöhlin standen, mit König Manuel von Portugal einen 
günstigen Handelsvertrag über direkten Handelsverkehr mit Portugal 
und direkten Bezug von Spezereien, Brasilienholz und anderer indi- 
scher Waaren aus Lissabon abgeschlossen hatten^). Welche Be- 
stürzung musste es erst in Venedig hervorbringen, als man erfuhr, 
dass diese nämliche deutsche Handelsgesellschaft, zu der dann auch 
die Fugger, die Höchstetter, die Gossembrot, die Imhof, die Hirsch- 
vogel und Andere gehörten, im Jahre 1505 selbst drei grosse Schiffe 
ausrüstete und sich damit an der Expedition nach Indien betheiligte! ^) 

Allein es trat dann doch bald wieder ein wenigstens theilweiser 
Umschwung zu Gunsten Venedigs ein. Die deutschen Unternehmer 
bei dieser Expedition geriethen mit König Manuel nach ihrer Rück- 
kehr, „sei es*^) wegen der an diesen zu entrichtenden Abgaben, sei 
es wegen des ihnen vorenthaltenen Antheils an der Beute der 
eroberten Städte Quiloa und Mombasa" in einen Streit, der schliess- 
lich, nachdem die Waaren in Antwerpen verkauft waren, immer 
noch einen Reingewinn von 150 — 175 Prozent übrig Hess, aber drei 
Jahre hindurch währte. Die Preisschwankungen ferner, welche 
durch die von König Manuel 1504 angeordnete Fixirung des Preises 
und Concentration der Spezereien in Lissabon im Gegensatz zu der 
früheren Handelsfreiheit hervorgerufen wurden, hatten mehrere Fal- 
lissements zur Folge. Und schliesslich fand man auch an der Qualität 



putino. Et per questo vedo chiaramente la ruina di la citade Veneta, perche 
manchando il trafego mancharanno li denari, da li quali e proceduta la 
gloria et riputatione Veneta. — ') Fulin p. 165: — pocho si faceva. Et questo 
perche principiava a manchar li marchadanti Todeschi et de Alemagna, che 
solevano venir a comprar a Venetia le spetierie, andavano in altri loclii a 
comprare et in Portogal et Lisbona, che ne era molto miglior merchato. — 
^) Eulin p. 167. — ') Fulin p. 188: La fiera consueta de li Todeschi de san 
Jacomo di questo mexe havea facto pochissimo, rispecto a li anni passati .... 
Et Todeschi non volevano comprar, et maxime piper ad niun pretio, rispecto a 
queste charavelle di Portogallo, quäle metevano il mondo in grande expectatione 
et dubio a comprare et fare marchadantia. — *) Sanuto verzeichnet in seinen 
Diarii t. V p. 319 aus einem Schreiben des Genuesen Cazano Negri an seinen 
Bruder Hieronymus, Lissabon 29. Aug., folgende Stelle: Et giä sono qui alcuni 
Alemani de la compagnia grande de Alemani li quali se hanno obligä a questo 
serenissimo re, de meter qui casa et lui li ha dato libertä et ha li facto de boni 
partiti, adeo che harano bon star ; cf. Heyd, Gesch. des Lev.-H. Bd. 11 S. 522. 
— ") Heyd a. a. 0. S. 523. - «) Heyd a. a. 0. S. 524. 



Geschichtliches. 119 

des von den Portugiesen importirten Pfeffers und namentlich Ingwers 
Manches auszusetzen, fand, dass die Venetianer doch besseren brach- 
ten als jene. Ueberhaupt „fehlte doch noch viel daran, dass die 
Portugiesen den ganzen Waarenstrom, welcher von Indien aus nach 
dem Occident gieng, durch ihre Hand geleitet hätten. Ausser Pfeffer 
brachten die den portugiesischen Schiffen zugänglichen Küstenstriche 
nur noch Ingwer und Zimmt, jedoch in ungleich geringerer Qualität 
und Quantität hervor" ^). 

Die von Priuli in sein Tagebuch eingetragene Liste ^) der 
Spezereien und Waaren, welche von den Deutschen in der Zeit vom 
1, Juli bis 8. August 1506, wo der neue Fondaco also noch nicht 
fertig war, aus Venedig ausgeführt wurden, zeigt denn auch schon 
wieder ganz erhebliche Posten. An Pfeffer freilich kein einziges 
Pfund, dagegen an Ingwer 111,800 Pfund, Gewürznelken 5271, 
Muskatnuss 7192, Macis (Muskatblüthe) 1085, Baumwolle 22,200, 
Indigo 3855, (Gummi-) Lack 3542, Cappelletti (Köpfchen der Ge- 
würznelken) 909; Galanga (Kalmuswurzel) 927, gefärbter Baumwolle 
2200, Semenzina (Wurmsamen) 316, Inzenso (Weihrauch) 1146, 
langem Pfeffer 446, Rhabarber 40, Rohseide 700 Pfund, ferner 594 
Stück Zambellotti (Kamelotte) und Kramerei waaren im Betrage von 
3686 Dukaten. — 

Dann aber drohte dem eben wieder aufblühenden Handels- 
verkehr^) (um auch dies sogleich hier einzufügen) eine neue 
Gefahr von einer ganz anderen Seite: der Krieg zwischen der 
Republik Venedig und dem Kaiser Maximilian I. Der äussere 
Anlass zu demselben ist bekannt: es war die Weigerung der Re- 
publik, Maximilian den Durchzug durch ihre Staaten nach Rom zur 
Kaiserkrönung zu gestatten. Es darf auch als bekannt vorausgesetzt 
und soll daher nur kurz hier erwähnt werden, wie Maximilian sich 
am 4. Februar 1508 in Trient selbst zum „römischen Kaiser" erklärte, 
dann den Zug nach Italien über das Gebirge antrat, aber nach wenigen 
Tagen plötzlich umkehrte und nach Deutschland zurückeilte, den 
Kampf mit der Republik seinen Truppen überlassend, die dann im 
Cadore von dem siegreich vordringenden venetianischen Befehlshaber 
Alviano zurückgeschlagen wurden. Als hierauf auch Görz, Triest, 
Fiume in die Hände der Venetianer fielen, schloss Maximilian am 
20. April 1508 einen dreijährigen Waffenstillstand mit der Republik, 
der aber durch die am 10. Dezember des nämlichen Jahres 1508 
geschlossene Liga von Cambray ausser Kraft gesetzt wurde. 

Der Krieg, der sich nun entspann und bis in das Jahr 1517 
sich hinzog, führte nun zwar nicht zu einer vollständigen Handels- 

') Heyd a. a. 0. S. 525 u. 526. — ^) s. Fulin p. 203. - ^) Unter dem 
12. August 1508 bemerkt Sanuto in seinen ,üiarii' t. VIT p. 608: In questi 
zorni Todeschi, ritornati in fontego nuovo a far le so merchadantie, quäl perhö 
si va lavorando, feno assa' merchadi con nostri per la fiera, maxime di zenzari 
e altro. 



120 Geschichtliches. 

sperre, wie sie einst Sigmund angeordnet hatte, der „an den Pässen, 
die nach Venedig führten, Posten aufstellte und die Anwohner er- 
mächtigte, alle nach Venedig gehenden oder daher kommenden 
Waaren wegzunehmen, die Kaufleute selbst gefangen zu setzen" ^). 
Im Gegentheil: Maximilian benahm sich, wie sogleich näher gezeigt 
werden soll, im Ganzen sehr loyal gegen die Kaufleute. Allein behindert 
und gehemmt, bisweilen ganz unterbrochen war der Handelsverkehr 
natürlich doch — namentlich in der ersten Zeit, wo der Krieg noch 
energischer geführt wurde — und man empfand den Stillstand in 
Venedig wie auch in Deutschland in gleich unliebsamer Weise. 
Die Deutschen — führt Priuli einmal zum Jahre 1509 aus — trauten 
sich nicht, mit Geld nach Venedig zu kommen, aus Furcht, unter- 
wegs ausgeplündert zu werden. Dadurch aber entstand Geldmangel 
in Venedig zu einer Zeit, wo man desselben gar sehr bedurfte. 
Andererseits musste man in Deutschland deshalb der Spezereien 
und Waaren entbehren, die man sonst aus Venedig bezog, da man 
sie anderswo nicht so bequem und nicht so billig bekommen konnte ^). 
Daher, fährt Priuli fort, , beklagten sich Venetianer und Deutsche in 
gleicher Weise über den Krieg, da sie wegen der alten Handels- 
verbindung, die zwischen ihnen bestand, gleichsam eine Seele geworden 
waren" ^). 

Wie innig diese Beziehungen in der That waren , geht auch 
aus der Thatsache hervor, dass die venetianische Regierung im 
Juli 1509 die Reichsstädte geradezu zur Vermittlung des Friedens mit 
Kaiser Maximilian aufforderte, nachdem sie vorher schon gelegentlich 
diesen gegenüber ihre Anhänglichkeit an Kaiser und Reich ausge- 
sprochen, auch durch feierliche Verkündigung ihres Schutzes die 
deutschen Kaufleute zur Fortsetzung der Handelsbeziehungen auf- 
gefordert hatte "^j. 

Seit dem Jahre 1511 beschränkte sich übrigens der Krieg 
zwischen der Republik und dem Kaiser mehr auf Grenzräubereien 
und Streifzüge, ohne zu grösseren blutigen Ereignissen zu führen. 
Und eine Notiz bei Marino Sanuto zeigt, dass der Verkehr sich 
damals bereits wieder zur alten Blüthe entwickelt hatte. Er be- 




') Heyd, Gesch. des Lev.-H. I, 722. — ') Fulin p. 205. Et etiam il 
paexe pativa grandemente di Alemania, perche haviano debisogno grande di 
tute le sopradicte robe quäle se consumavano et manzavano in tuta la Germania, 
ne potevano esser forniti di questi loro bisogni in altri lochi piui comodamente 
et a meglior marchato cha in la citade Veneta, antiquissima loro consuetudine. — 
^) — — etiam li populi Germanici molto se lamentavano di questa guera cum 
Venitiani, per essere Venitiani et Todeschi quasi una cossa medema per l'anti- 
quissimo comercio et consuetudine fra loro sempre stato. — ^) s. Bd. I Nr. 670, 
674, 681 und das von Thomas mitgetheilte Schreiben des Dogen Leonardo 
Loredano vom 16. Juli 1509 in den Sitz.-Ber. d. k. bayer. Akad. d. Wiss. philos.- 
philol. Klasse 1869 S. 313. Ueber Unterhandlungen zwischen der venetianischen 
Regierung und dem Kaiser oder Schritte zu solchen durch Vermittlung beson- 
ders deutscher Kauf leute im Fondaco siehe Marino Sanuto, Diarii t. VllI p. 440 ; 
IX, 257, 258, 268, 270, 382, 429. 



I 



Geschichtliches. 121 

richtet nämlich, dass die Deutschen während des einzigen Monats 
Januar des Jahres 1511 Spezereien, Zucker und Anderes für nicht 
weniger als 140,000 Dukaten eingekauft hätten^). 

Dann haben wir, wie schon angedeutet, auch bestimmte 
Beweise dafür, dass Maximilian trotz des Krieges, ja trotz der zeit- 
weise gegen Venedig verhängten Acht, dem Handel dorthin seinen 
Schutz hat angedeihen lassen — allerdings aus eigenem Interesse, 
das von einer schroffen Verletzung der freien Reichsstädte abrieth und 
eine nachgiebige, zuvorkommende Haltung gegen dieselben dringend 
erheischte. Denn diese traten für den unloehinderten Handel mit 
Venedig in der energischsten Weise ein — zugleich ein sprechen- 
der Beweis für die Vortheile, die sie aus demselben noch immer 
müssen gezogen haben. In keinem grösseren neueren Geschichts- 
werke, soviel ich sehe, sondern nur in einem Aufsatze von 
Theodor Herberger: , Konrad Peutinger in seinem Verhältniss 
zum Kaiser Maximilian I." ^) wird der Rolle gedacht, welche in 
dieser Zeit die „Gebrüder von der Leiter, Herren zu Bern (Verona) 
und Vicenz" gespielt haben — Nachkommen jenes Paolo della 
Scala, der nach dem Verlust der Herrschaft über Verona dies alte 
Geschlecht nach Deutschland verpflanzt und von Kaiser Sigmund 
den leeren Titel eines kaiserlichen Vikars von Verona und Vicenza 
erhalten hatte. Während der Kriege zwischen Maximilian und der 
Republik — es ist nicht ganz klar, wann zuerst — erhoben diese 
Herren „von der Leiter", Johannes der Aeltere und Johannes der 
Jüngere, Anspruch auf Zurückerstattung ihrer früheren Besitzungen 
und erwirkten vom kaiserlichen Kammergericht die Aussprechung 
der Acht gegen Venedig. , Dadurch waren die Kaufleute der 
Reichsstädte und namentlich Augsburgs, in grosser Gefahr, alle 
Güter, welche sie in Venedig hatten oder von da herausführen 
wollten, zu verlieren. Sie zu schützen hatte Maximilian allein die 
Macht und auch die Theilnahme. Schon früher, beim Beginn des 
Krieges, hatte er den Kriegsleuten und Hauptleuten im Gallian 
(Calliano an der Etsch) und zu Trient befohlen, dass sie behülflich 
sein sollten, die Güter, welche die Städte Augsburg, Nürnberg, 
Ulm und Memmingen zu Venedig hatten, durch den Kadober 
(Cadore) herauszubringen". Dies war am 26. März 1508 noch vor 
dem Abschlüsse des ersten Waffenstillstandes mit Venedig ge- 
schehen ''), hauptsächlich eben freilich, weil Max auf die finanzielle 
Unterstützung der Städte angewiesen war^). Bald nachdem der 
Waffenstillstand zu Stande gekommen war, am 6. Juni 1508, erliess 
der Kaiser dann sogar Schutzbriefe für die eigenen wie für die 
venetianischen Kaufleute, denen der ungehinderte Verkehr in 
des Kaisers Landen wie vor dem Kriege zugesichert wurde ''). 

') t. XI p. 720. — ^) Im 16./16. Jahresbericht des historischen Vereins von 
Schwaben und Neuburg für 1849/50 (1851) S. 31 ff. - ^) s. Bd. I Nr. 656. — 
*) ebda. Nr. 651 und 655. — *) ebda. Nr. 659. 



^ 




122 Geschichtliches. 

Und als dann der von den Herren von der Leiter angestrengte 
Prozess gegen die „Herrschaft Venedig" seinen Fortgang nahm, 
da gebot Maximilian auf dringendes Ansuchen der Städte des 
schwäbischen Bundes^) dem Kammergericht, mit der Vollstreckung 
des gefällten LJrtheils, d. h. mit der Ausführung der Acht „und 
anderen mit ihr in Verbindung stehenden Prozessen stille zu stehen" 
(I.März 1509)^); musste es aber erleben, dass das Kammergericht 
in der Antwort sich unter Wahrung seiner Kompetenz auf des Kaisers 
eigene Reichsordnung von Worms und Konstanz berief (19. März) ^). 
Dies und Anderes*) bewog wohl den Kaiser hernach, dem Rechts- 
verfahren freien Lauf zu lassen. Aber er unterliess es dann nicht, ein- 
zelne Gesellschaften von Kauf leuten, „namentlich auf Konrad Peutingers 
Betrieb, die Gesellschaft der Welser und Vöhlin" zu schützen, denen 
er z. B. (Januar 1510)^) gestattete, eine grössere Menge Freiburger 
Tücher nach Venedig hinein- und andere Waaren dafür heraus- 
zuführen — trotz der Liga von Cambray^). Auch forderte er das 
Kammergericht auf, eine Deklaration zu fertigen, dass jene Kauf- 
mannsgüter der schwäbischen Bundesstädte, welche unter seinem, 
des Kaisers, Geleit von Venedig herausgeführt würden, die Acht 
nicht treffen solle'') (11. Oktober 1510), und eine Mahnung gleichen 
Inhalts richtete er an die Herren von der Leiter am nämlichen 
Tage. Allein diese kehrten sich nicht sehr viel daran und küm- 
merten sich ebensowenig darum, dass sie in einem Vertrag vom 
1. November 1510 mit dem schwäbischen Bund auf vier Monate 
und dann weiter hinaus bis zum Palmsonntage (13. April) 1511 
gegen die Summe von 800 fl. sicheres Geleit für die Kaufleute 
versprochen hatten *). Sie Hessen trotzdem aus Venedig kommende 
Waaren Augsburger Kaufleute zu Schongau niederlegen, worüber 
es dann zwischen beiden Parteien zu längeren Auseinandersetzungen 
kam, und auch Maximilian nochmals zu Gunsten der Kaufleute 
eintrat^). Erst im Jahre 1513, als der Kaiser, in einem „trefflichen 
Fürnehmen" begriffen, den Krieg gegen Venedig zu beenden hoffte, 
lesen wir, dass der Kaiser strengen Befehl gab, die Pässe gegen 
Italien zu sperren und „keinen Kaufmann noch ander unser Unter- 



1) Bd. I Nr. 664-669. — 2) ebda. Nr. 671. — ') ebda. Nr. 672. — *) s. Schreiben 
des kaiserlichen Statthalters in Tirol, Paul v. Lichtenstein, vom 20. März 1509. 
Bd. I Nr. 673. — *) ebda. Nr. 676. — *) Aehnlich einem Strassburger ; cf. Marino 
Sanuto, Diarii t. Xll p. 351 : 1511 adi 11 Agosto. (In colegio.) Etiam gionse 
uno Zuam di Argentina, marchadante di fontego, venuto con salvoconduto dil 
imperador a marchadantar con robe ; dice, spera le cose si acorderano . . . cf. auch 
vorher t. IX p. 365—866: 1509 adi 5 Dicembre. In questa matina veneno alcuni 
Todeschi (che) stanno qui, dicendo cinque merchadanti Todeschi voleno venir 
qui a comprar merchadantie, et ha a(v)uto licentia di re condurle in Alemagna 
per la via dil Friuli, et volse salvoconduto di la Signoria. Et cussi, libentissime 
li fo fati cinque (salvoconduti) et ogi si dovea dar principio a ligar balle in 
fontego, che in questo tempo nulla in ha fatto. Und dann p. 381 : adi 10 Dicembre. 
In questo zorno, in fontego di Todeschi novo fu ligato balle per mandarle in 
terra Todescha, ch'e molti zorni non si ha ligato. — ') Bd. I Nr. 678. — ^) ebda. 
Nr. 680, 682, 684, 688. - ») ebda. Nr. 685—689. 



Geschichtliches. 123 

thanen mit Kaufmannsgütern, Proviant, Wein, Getreide noch Anderem 
durchfahren, handeln oder wandeln zu lassen", was der Kaiser, wie 
er selbst zugesteht, bisher — obwohl die Venetianer seine Feinde 
waren — genediglich habe geschehen lassen ^) : fürwahr ein greller 
Unterschied gegenüber dem Verhalten König Sigmund's I.! — 

Schon aus dem bisher Gesagten wird erhellen, wie irrig die 
Annahme ist, die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien und 
Amerika habe sogleich den ganzen Handel besonders der ober- 
deutschen Städte mit Venedig aufgehoben und vernichtet. Im Gegen- 
theil: man darf die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts geradezu 
als die Blüthezeit dieses Handels bezeichnen, wie dies insbesondere 
auch von J. Falke in einem beachtenswerthen Aufsatz , Ober- 
deutschlands Handelsbeziehungen zu Südeuropa im Anfang des 
16. Jahrhunderts" ^) überzeugend dargelegt worden ist^). 

,So lange Venedig", sagt Falke ^), „noch im Gewürzhandel mit 
dem Orient gegen Spanien und Portugal und den neuen Seeweg 
kräftig die Konkurrenz aufrecht erhielt — und wir haben hievon 
immer noch zu Ende des 16. Jahrhunderts die sichersten Nach- 
richten — solange wurden auch die vortheilhaften Verbindungen 
mit den Oberdeutschen, den Hauptabnehmern ihrer morgenländischen 
Waaren, möglichst lebhaft erhalten; und ausserdem hatte Italien selbst 
Reichthum an Natur- und Kunsterzeugnissen genug, welche das der- 
malige Deutschland bei seiner weit vorgeschrittenen Bildung und 
seinem reich entfalteten gesellschaftlichen und politischen Leben 
nicht zu entbehren vermochte. Dahin gehörten alle Arten italienischer 
Südfrüchte, getrockneter und eingemachter, feinere Arten von 
Tüchern, namentlich das vielgesuchte und gebrauchte Purpur- oder 
phönizische Tuch, das vornehmlich in Venedig verfertigt und ge- 
färbt wurde , dann alle Arten von Seidenwebereien, mit Gold und 
Silber durchwirkter und gestickter Stoffe, dann das Geschmeide und 
die feinen kostbaren Glaswaaren Venedigs .... Auch die zu Ende 
des 15. und Anfang des 16, Jahrhunderts ausserordentlich lebhafte 
politische, kirchliche und soziale Verbindung zwischen Deutschland 
und Italien, welche durch Max' I. und Karl's V. Streben nach der 
Oberherrschaft jenseits der Alpen, durch den in Deutschland herrschen- 
den Humanismus, der die Grundlage aller Bildung im klassischen 
Alterthum erkennend, von Italien und Rom seine Hülfsmittel bezog, 
die häufigen Reisen und längere Anwesenheit von Fürsten und Ad- 
ligen, von Kaufleuten und Gelehrten in Italien und über Italien 
hinaus, dazu die Studienreisen deutscher Studenten — alles dieses 



') Bd. I Nr. 691— 69.3. — «) Zeitschrift für Kulturgeschichte, 4. Jahrg., 1859, 
S. 601 li'. — ') Auf diese Zeit wird auch die von L. v. Ranke „Zur Venezianischen 
Geschichte" S. 28 u. 29 citirte Stelle des Paolo Paruta zu beziehen sein, der 
seine ,historia Venetiana' als offizieller Historiograph 1580 begann und in lib. XI 
zum Jahre 1546 schreibt: ,Tiene la cittä di Venetia con la Provincia (sie) di 
Germania grandissimo e continuo commercio etc." — *) a. a. 0. S. 610. 




124: Geschiclitliches. 

trug dazu bei, einen Handelsverkehr zwischen den Ländern diesseits 
und jenseits der Alpen in ungeschwächter Lebhaftigkeit und Frische 
zu erhalten. Italien war damals noch für Deutschland das Land 
des Geschmacks und der Mode, die Quelle aller wahren und ein- 
gebildeten Bildung, und hauptsächlich im oberen Theile des deutschen 
Reiches, soweit der Handel der süddeutschen Städte der herrschende 
war. Jenseits der Alpen war für diesen Verkehr Venedig der 
eigentliche Geldmarkt und Wechselplatz. Wir haben sogar Bei- 
spiele, dass deutsche Studenten eigens von Bologna nach Venedig _ 
reiten, um ihre mitgebrachten Wechsel in Geld umzusetzen^)." ■■ 

„Ein weiterer Beweis, wie ausgebildet der Verkehr zwischen ' 
Italien und Deutschland geworden war und welche Aufmerksamkeit 
darauf gerichtet blieb, geben uns die Nachrichten, welche sich die 
Kaufleute namentlich zwischen Venedig und Genua auf der einen 
und Nürnberg, Augsburg und Wien auf der anderen Seite, ur- 
sprünglich in Briefform mittheilten, und welche von den Konjunk- 
turen des Handels, von den politischen Verhältnissen, der Sicher- 
heit und Gefahr der Wege und Meere, von der Ankunft der Frachten 
und ähnlichem für den Kaufmann Wissenwerthem Kunde gaben. 
Solche Briefe, worin zuerst die politischen und kommerziellen Nach-"" 
richten nur die Anhängsel, die Postscripta bilden, die dann aber 
immer wichtiger und umfangreicher werden, bis sie den Charakter 
geschriebener Zeitungen annehmen, finden sich aus diesem Zeitraum 
zwischen allen deutschen Städten und den ihnen verbundenen fremden 
Marktplätzen, bei den Kaufleuten der Hansa, zwischen dem ober- und 
niederdeutschen Handelsstand und besonders zwischen jenem und 
Italien. In Nürnberg enthielten vor Allem die Familiensammlungen 
der Imhof und Ebner dergleichen handschriftliche Zeitungen^)." 

Einen weiteren sprechenden Beweis für die ungeschwächte 
Fortdauer dieser Handelsbeziehungen zu Venedig darf man auch 
darin erblicken , dass man jetzt noch oder jetzt erst genau die 
Zölle und Abgaben aufzeichnete, die in Venedig beim Ein- 
und Ausgang zu zahlen waren — förmliche Tarife für den prak- 
tischen Gebrauch^). Dem nämlichen Zweck dienten die „Handel- 
bücher, darin angezeigt wird, welcher gestalt inn den fürnembsten 
Hendelstetten Europe allerley Wahren anfencklich kaufft, dieselbig 
wider mit nutz verkaufft; Wie die Wechsel gemacht, Pfund, Ellen 



^) Falke a. a. 0. S. 612 Anm. : , Brief eines Behaim im Archiv des ger- 
manischen Museums, aus der Mitte des 16. Jahrhunderts". — ^) Falke S. 614. — 
^) Dies betont auch Ranke a. a. 0.; ich bin unabhängig davon darauf aufmerk- 
sam geworden durch eine wenigstens vor 1567 geschriebene Handschrift der 
hiesigen k. Hof- und Staatsbibliothek Cod. germ. 4032 „Zoll- und andere Ab- 
gaben etc.", welche vielfach übereinstimmt mit einer gedruckt vorliegenden 
„Tariffa oder Vncostbüchlein von allen Wahren in Venedig | So auß vnd ein 
gefürt mögen werden | durch Teutsche ] und andere Nationen. Auch was breuch 
und Zoll in Venedig darinn gebraucht werden | Alles fein fleissig und ordenlich 
in ein gute Ordnung gebracht. Durch S. V. Gedruckt zu Nürnberg | bey Chri- 
stoff Heußler 1572". 

\ 



Geschichtliches, 125 

vnnd Müncz vberal verglichen, vnd zu welcher zeit die Merekten 
gewönlich gehalten werden, Sampt anderen mehr nutzungen dar- 
zu gehörig. Allen Hanthierern, vnd Jungen Kauffleuten gantz 
nützlich vnd dienstlich", wie ein solches „Handelbuch" z.B. der Nürn- 
berger Lorenz Meder 1558 in Nürnberg im Druck hat erscheinen 
lassen. Die „Venediger Handlung" aber nimmt darin den ersten Platz 
und den meisten Raum ein, und genau finden wir verzeichnet: „Wann 
die Schiffart mit Wahren ankommen vnd abgehen. Bescheyd der 
Mass vnd Elen. Was man den Vnterkeuffeln gibet von allem gut, 
so per Teutschlandt gefüret wirdt. Was man gibet den Vnter- 
keuffeln von allem gut das man hinein bringt vnd verkaufft; Was 
man in Venedig den Herrn in Officio alla Cassa zalt von allerhand 
specerey per Teutschland. Was das gut zalt in Officio, das man 
auff gnaden füret etc. Venediger Negel prob. Bescheyd der Tarra 
(Abzug) der Venediger Negel. Bescheyd der Franchita in Venedig. 
Bescheyd der Denari Franchi^) in Venedig. Ein Wahr in wirden zu 
halten. Gebrauch mit einem Sanser Specerey zu sehen. Bescheyd der 
Wag vnd Gewicht in Venedig. Bescheyd der leufftigen Müntz in 
Venedig, Bescheyd der Bezalung in Venedig. Bericht, so man in 
Venedig halb gut heyst. Gantz gut genandt. Was man in Venedig den 
Tragern zalt zu Garbulieren (Sieben, Durchseihen). Was man in 
Venedig Tragerlohn zalt. Was man den Trägern gibet von dem Gut, 
so auß Teutschland kompt. Was man den Trägern gibt von allem 
gut anzulegen, so man hinauß füret. Was man im Teutschenhauß 
Bindion zalt. Den Glaßbindern von Muran. Was man in Venedig 
Wegerlohn zalt, Bindterlon in Venedig von Ballen so zweimal ein- 
genehet vnd in stro gebunden. Was Plahen vnd Strick auff einen 
Ballen gehen. Bescheydt mehrerley Sort specerey von Venedig per 
Teutschlandt gelegt. Was 100 Pfund Venediger Negel in Antorff 
(Antwerpen) am Garbuliern thun. Was 100 Pfund Venediger Nüß in 
Antorff am Garbuliern thun. Was vnkost auff einFardel von 300 Pfund 
roher Seiden gen Cöln gelegt gehet. Venediger Gallus (Galläpfel) 
per Nürnberg gelegt. Venediger Saiffen per Nürnberg gelegt. Vene- 
diger Zenzero per Nürnberg. Venediger Zenzero (Ingwer) per Antorff. 
Wachß von Nürnberg per Venedig gelegt, Vnkosten auf Wachß von 
Porto auf Venedig. Zucker von Nürnberg per Venedig. Ochssen- 
brückisch leinwat per Venedig. Arbruische Seiden per Venedig. 
Zimat, Saffron von Adler (Aquila) per Venedig". 

Dergleichen „Taschenbücher für Kaufleute" wie man sie 
wohl bezeichnen kann, hätten keinen Sinn gehabt, wenn man ihrer 
nicht für den praktischen Gebrauch bedurft hätte. Und sehen wir 
nicht in der That^), wie ein Paul Tucher im Jahre 1575 von 
Antwerpen Waarenballen über Nürnberg und Salzburg nach Venedig" 
schickt? Und spricht nicht für die Fortdauer des Waarenzugs von 



») cf, später. — 2) Bd, I Nr. 710 



126 Geschichtliches. 



n 



Venedig nach Deutschland jene Beschwerde Augsburger Bürger bei 
der Venetianischen Regierung im Jahre 1616, dass ihnen eine grosse 
Menge verschiedener in Venedig gekaufter Waaren zu Gemona auf- 
gehalten worden seien, die für die bevorstehende Frankfurter Messe 
bestimmt seien ^). Das war fast gerade hundert Jahre später, als 
wegen „gleicher Zurüstung zur kommenden Frankfurter Herbst- 
messe* der Augsburger Rath beim kaiserlichen Regiment in Inns- 
bruck Schritte gethan hatte, um eine Verlängerung der von Kaiser 
Maximilian gewährten Frist für Herausbringung der Waaren aus 
Venedig zu erwirken^). Und dergleichen Belege werden sich gewiss 
noch ausserordentlich viele beibringen lassen. — JB 

Doch kehren wir nunmehr zum neuen Hause oder besser in 
dasselbe zurück, um zu sehen, wie dasselbe verwaltet wurde. 

Als einen Hauptunterschied gegen früher müssen wir da 
bemerken, dass die Kammern oder Zimmer und Gewölbe nun von 
vorneherein von der venetianischen Regierung auf längere Zeit 
an die deutschen Kaufleute vermiethet wurden, indem die Miethe 
sogleich pro Jahr festgesetzt wurde, worauf ich später nochmals 
zurückkomme. Was diese selbst betrifft, so begreift es sich, wenn 
die Regierung in Folge der bedeutenden Ausgaben, welche ihr aus 
dem Neubau erwachsen waren, nun auch eine Erhöhung des Mieth- 
zinses eintreten Hess oder lassen wollte. Denn es kam darüber 
zu Differenzen mit den Kaufleuten, von denen besonders ein 
Schreiben des Dogen Leonardo Loredano an den Rath von Nürn- 
berg vom 6. Dezember 1508 ^) Kunde gibt. Wir entnehmen daraus, 
dass die Deutschen über diese Frage selbst uneins waren und des- 
halb schliesslich an die Regierung das Ansuchen stellten, es möchten 
die Räumlichkeiten im neuen Hause unter ihnen versteigert 
werden. Darauf ging jedoch die Regierung mit Recht nicht ein, 
da dieser Modus gewiss nur Streit und Zank unter den Kaufleuten 
hervorgerufen haben würde und, wie die Regierung selbst sehr richtig 
bemerkt; den Preis der Kammern und Gewölbe wesentlich erhöht, 
dieselben überhaupt vielleicht in den Händen einzelner Weniger 
konzentrirt hätte. So setzte denn die Regierung im Mai 1508 den 
Jahreszins für eine Kammer im ersten und zweiten Stock auf 
12 Dukaten, im dritten auf 8 Dukaten fest^), während die Gewölbe 
(nach Grösse und Lage?) zu verschiedenen Preisen zwischen 6 und 
20 Dukaten, meist jedoch zu 12 Dukaten, vergeben wurden^). 
Dabei bestimmte sie aber zu gleicher Zeit, dass die Deutschen 
ausserdem, wie früher, alle die Ausgaben für die Verköstigung an 
die Regierung — monatlich 8 grossi in Gold = ^/s Dukaten per 
Mann, wie früher erwähnt^) — und ebenso dem Hausmeister für 



1) Bd. I Nr. 733. — ') ebda. Nr. 692. — ^) Flegler im Anzeig. f. Kunde 
der deutschen Vorzeit, S. 368. — *) s. Bd. I Nr. 657. - ^) ebda. Nr. 658. - 
«) cf. oben S. 85. 



Geschichtliches. 127 

Beschaffung der Betten u. s. w. die bisherigen Spesen zu entrichten 
hätten. Auch die etwaige Herstellung eiserner Fenstergitter für 
die Kammern sollte von den einzelnen Kaufleuten, die solche 
wünschten, selbst bestritten werden^). 

Die Deutschen haben dem Anfangs zugestimmt, wie die so 
überaus schätzbare Liste der ersten Miether im neuen Hause beweist^). 
Aber nicht allzu lange hernach müssen sie Reue bekommen und den 
Miethzins für zu hoch, vielleicht auch die Fortdauer der mittelalter- 
lichen Oberaufsicht über die Küche u. s. w. als zu lästig befunden haben. 
Sie wandten sich — wenigstens von den Nürnbergern wissen wir 
das ^) — an den Rath ihrer Vaterstadt, damit dieser der venetianischen 
Regierung Vorstellungen darüber mache. Dieselbe erklärte sich 
daraufhin bereit'^), eine Verminderung des Miethzinses eintreten lassen 
zu wollen; allein es dauerte dann noch zwei volle Jahre, bis eine 
schliessliche Vereinbarung zu Stande kam. Wir lesen z. B. bei 
Sanuto unter dem 16. Juni 1509, dass die Deutschen, obwohl sie 
die Kammern im neuen Fondaco bereits „genommen", dieselben 
doch noch nicht bezogen hätten, sondern noch in der ,cha' Lippo- 
mano' wohnten, weil sie eben den hohen Zins nicht zahlen wollten ^). 
Am 8. März 1510 berichtet er^) von Verhandlungen mit einigen 
Kaufleuten (vielleicht den damaligen Cottimieri) im „CoUegio" in 
derselben Angelegenheit. Dass dieselben noch nicht zu einer Ver- 
ständigung geführt, zeigt seine weitere Notiz zum 19. März 1510 ''): 
Es seien einige deutsche Kaufleute angekommen, um Spezereien zu 
kaufen. Aber sie „kauften" d. h. machten ihre Geschäfte ausser- 
halb des Fondaco. Die Regierung, um den Handel wieder in den 
Fondaco zu zwingen, befahl hierauf, dass Keinem, der ausserhalb 
des Fondaco bleibe, die nöthigen ,bollette' oder Zollscheine verab- 
reicht werden sollten. Wenn Sanuto zu dieser Verordnung den Kopf 
schüttelte^), so hatte er Recht. Am 24. Mai 1510 schreibt er in 
sein Tagebuch^), dass den wegen des Krieges nach Venedig ge- 
flüchteten Bewohnern von Vicenza unter anderen Lokalitäten der 
neue Fondaco als Wohnort angewiesen worden, da derselbe leer 



>) Bd. I Nr. 657. - ^j ebda. Nr. 653. - ^) Flegler a. a. 0.; s. Bd. I Nr. 662. 
— *) Flegler a. a. 0. in dem dort mitgetheilten Schreiben vom 6. Dezember 
1508. — ') t. VIII p. 408. Ozi zonse in questa terra forzi 16 Todeschi per 
marchadantar , e come intenderano il levar di la scomunicha, ne vegnirano di 
altri assa' con haver. Hanno per ancora la habitatione in cha' Lippomano, ne 
sono venuti a star in fontego nuovo, licet habino tolto le camere, perche non 
voleno pagar tanto fitto quando havia messo ser Marco Tiepolo , provedador 
olim al sal , et deputato a questo. — ') t. X p. 24. 1510 Adi 8 Marzo la 
matina in colegio nulla da conto, solum alcuni Todeschi marchadanti fonno 
a Ja Signoria perche si aspetta bon numero zercha le camere di fontego per 
quello (che) dieno pagar; et fo poi alditi aier Marco Tiepolo e sier Alvise 
Sanudo, fo proveditori al sal, i quali tratono tal materia, e ordinato tra Ihoro 
la conzano. — ') t. X p. 51. — •*) ibid. : unde per la Signoria col Colegio fo 
mandato comandaniento non fosse fato bolette a niun se non le feveno in 
fontego di Todeschi, et questo feno per far facende de li, nia meo judicio 
fu tropo presto. — *) ibid. p, 415. 



128 Geschichtliches. 

stehe ^). — Ein weiteres Pressionsmittel versuchte die Regierung 
einige Monate später. Sie hatte den fremden Kaufleuten eine Steuer 
(wohl als Eingangszoll) von 2 grossi vom Dukaten (= 8^/3 ^/o) auferlegt, 
gegen welche die Deutschen als eine neue Abgabe unter Berufung 
auf die ihnen zugestandene Immunität protestirten. Die Regierung 
erklärte nun, dass von dem Tage an, wo die Deutschen den für sie 
bestimmten Fondaco wirklich bezögen, um dauernd darin zu bleiben, 
diese neue Auflage von 2 grossi auf sie keine Anwendung finden 
solle. Diejenigen Kaufleute aber, die sich etwa weigerten, im 
Fondaco zu wohnen, sollten von dieser Vergünstigung ausgeschlossen 
und verpflichtet sein, wie alle übrigen fremden Kaufleute, die 
2 grossi zu zahlen ^). 

Endlich am 8. Dezember 1510 kann Sanuto melden, dass die 
Deutschen wieder im Fondaco Geschäfte treiben^), und am 19. De- 
zember wurde alsdann durch ein Dekret der Regierung folgende 
mit allen damals in Venedig weilenden deutschen Kaufleuten ge- 
troffene Uebereinkunft verkündigt. Der jährliche Miethzins für eine 
Kammer des ersten und zweiten Stockes wurde auf 10 Dukaten, des 
dritten Stockes auf 8 Dukaten, für ein Gewölbe oder Magazin (ohne 
Unterschied) auf 6 Dukaten festgesetzt^). Hingegen wurden die Kauf- 
leute aller jener weiteren Abgaben sowohl an den Hausmeister wie 
an die Regierung, deren wir oben gedacht haben, ledig gesprochen. 
Der Hausmeister hinwiederum brauchte in Zukunft die Betten und 
das sonstige Hausgeräth nicht zu beschaffen. Dafür, sowie auch 
für die Küche u. s. w., hatten die Deutschen nun selbst zu sorgen, 
worauf wir weiter unten nochmals zurückkommen werden. Die 
Fenstergitterangelegenheit wurde in der Weise beglichen, dass die 
Kaufleute dazu das Eisen liefern sollten, während die Regierung 
die Herstellungskosten tragen wollte. 

In dieser Weise blieb die Vermiethung des Hauses in der 
ganzen folgenden Zeit geregelt. Der Miethzins blieb immer der- 
selbe; nur im Jahre 1587 wurde, wie Milesio berichtet, wegen der 
Herstellung der steinernen Treppen im zweiten und dritten Stock 
eine kleine Erhöhung eingeführt^). 



1) ,il fönt, de Tod. nuovo ch'e vuodo'. — ^) Bd. I Nr. 679. — ^) t. XI 
p. 672. ,In questo presente mexe, al principio, vene alcuni merchadanti Ale- 
mani, Todeschi, in questa terra, per comprar merchadantie , il quäl haveano 
salvoconduto libero di la Signoria; e tanto steno in fontego, et comprono, 
che si dice lassö in questa terra contadi, la piü parte Raynes, ducati 130 
milia, che fo una optima cossa.* Aehnlich schreibt er (t. XI p. 720): 1511 adi 
9 Zener. In questo mexe Todeschi veneno a comprar in questa terra specie, 
zenzeri e altro per ducati 140 milia; si che a furia si liga balle in fontego di 
Todeschi per mandarle in Alemagna. — ■*) s. Flegler a. a. 0. S. 365 und Milesio 
bei Thomas S. 49. Wie Helianus auf dem Reichstag zu Augsburg (10. April 1510) 
behaupten konnte : „Die Venetianer vermietheten den Deutschen ein Haus für 
130 Dukaten nicht jährlich, wie man etwa denken könnte, sondern täglich, 
welches ein Tribut von 50,000 Dukaten wäre," ist mir unerfindlich — wofern 
er nicht die Einnahmen aus den Zöllen hinzugerechnet (s. Hegewisch, Ge- 
schichte der Regierung Kaiser Maximilians I. Bd. II S. 117). — '^) Thomas 



II 




Geschichtliches. 129 

Nur einmal, finde ich dann, nämlich im Jahre 1647 ^), war man 
nahe daran, hierin eine prinzipielle Aenderung eintreten zu lassen. 
Es war die Zeit der Türkenkriege, wo die Regierung Geld brauchte 
und zu verschiedenen ausserordentlichen Mitteln greifen musste, um 
solches zu beschafi'en. Sie verkaufte deshalb die Prokuratorenwürde 
und die Aufnahme in das „Goldene Buch" und damit in den Adel ^) 
und war nun zu demselben Zwecke auch bereit, den Fondaco oder 
genauer die Benützung und ganze Verwaltung desselben — unter 
Wahrung ihres Eigenthumsrechtes am Gebäude selbst — den deut- 
schen Kaufleuten gegen eine Pauschalsumme für immer abzutreten. 
Unsere Landsleute erklärten, 20,000 Dukaten dafür bezahlen zu 
wollen. Sei es, dass der Regierung diese Summe zu niedrig schien 
oder dass es sie überhaupt gereute — das Projekt wurde wieder 
fallen gelassen und kam nicht zur Ausführung. 

Stets blieb also die venetianische Regierung die Herrin auch 
des neuen Hauses bis zum Untergang der Republik im Jahre 1797 
durch die Franzosen. Sie war es denn auch, welche die Kammern 
und Gewölbe vertheilte und in allen hier einschlägigen Fragen, wie 
wir später noch sehen werden, die letzte Entscheidung hatte. Nach 
wie vor führten auch die von ihr bestellten Beamten, die Visdomini, 
die, wenn ich so sagen darf, gesammte äussere Verwaltung, soweit 
sie sich namentlich auf die Abgabe der Zölle, auf den Verkehr mit 
den Venetianern u. s. w. bezog. Nur findet man wiederholt^), dass 
auch andere Kollegien, wie die ,cinque Savii sopra la Mercanzia' 
oder die ,Governadori delle intrade', wichtige Verordnungen und 
Entscheidungen über den Fondaco treffen. Dies, sowie die Aende- 
rungen, welche die den Visdomini beigesellten oder untergebenen 
Beamten, z. B. die Sensale, durchgemacht haben '^), im Einzelnen zu 
verfolgen, muss späteren Nachforschungen überlassen bleiben. 

Dagegen hatte sich, wie schon erwähnt, die Regierung im 
Innern des Hauses grösstentheils der Verwaltung begeben und ent- 
äussert, hatte den Deutschen, wie man es ausgedrückt hat, „Selbst- 
verwaltung" — freilich nicht in allzu grossem Umfang, wie 
wir hinzufügen müssen — gewährt, die in erster Linie die mittel- 
alterliche Oberaufsicht und polizeiliche Ueberwachung der Kaufleute 
durch die Regierung im Inneren des Hauses beseitigte. 

Wir haben gehört, dass unsere Landsleute sich nunmehr gänz- 
lich selbst verköstigten, zu welchem Behufe sie nach Milesio's An- 



Beschreibung, S. 66. Aus den Worten Milesio's : ,Per detta spesa delle scale fu 
cresciuto il dazio sudetto sopra gli affitti alla N, A.' lässt sich nicht entnehmen, 
worin diese Erhöhung bestanden. Nach unseren Dokumenten (Bd. I Nr. 712 
cf. Nr. 748) handelte es sich vielmehr um einen Zuschlag, der, wie ich ver- 
muthe , durch die Münzverhältnisse hervorgerufen war. — ^) Bd. I Nr. 749. — 
*) s. Lebret, Staatsgeschichte der Republik Venedig, Thl. III S. 441 ff. — 
ä) cf. Bd. I Nr. 731, 738, 739 ff. — *) Ich verweise nur auf Bd. I Nr. 695, wo 
der Rath der Zehn nun selbst wieder — entgegen seinen früheren Verfügungen 
— die Verpachtung der Sensalposten zuliess! 

9 



130 Geschichtliches. 



gäbe ^) alljährlich zwei aus ihrer Mitte mit dem Titel „Oberauf- 
seher über die Küche" (Proveditori sopra la Cucina) wählten, 
denen die Zurüstung des gemeinsamen Mahles oblag. Schon damit 
wurde der Wirkungskreis des von der venetianischen Regierung 
bestellten Hausmeisters, des massarius, nicht unwesentlich ein- 
geengt. Noch mehr war dies der Fall, als die deutschen Kaufleute 
einen eigenen Portier, Portiner (Portinaro) oder „Thorhüter" 
anstellten. Wann dies zuerst geschehen, vermag ich nicht anzugeben. 
Aus dem Jahre 1567 ist uns durch einen glücklichen Zufall ein 
Vertrag erhalten, den Jakob Wernle von Delfs bei Innsbruck mit 
der deutschen Kaufmannschaft im Pondaco eingeht, die ihn auf die 
Dauer von 15 Jahren als „Thorhüter" in Dienst genommen^). Er 
erhält dafür alljährlich 24 Dukaten, die aus dem Cottimo bestritten 
werden, und „gepürliche Mundkost"; auf sonstige Geschenke an 
besonderen Festtagen, Neujahr, Himmelfahrt u. s.w. erklärt er keinen 
Anspruch erheben zu können. Dagegen verspricht er treuen Ge- 
horsam, willige Dienstleistung und dergleichen mehr. Milesio setzt 
den Portinaro dem Masser förmlich gleich ^) und vielleicht hat es 
zu seiner Zeit, d. h. am Anfang des 18. Jahrhunderts, auch nur 
noch den einen gegeben; in einer Verordnung des Jahres 1564 und 
dann von 1595 für den Fondaco finde ich noch einen ,masser' 
erwähnt^). 

Im Jahre 1576 erhielt die deutsche Kaufmannschaft oder 
, Deutsche Nation" (Nazione Alemana), wie sie sich nun vorzugs- 
weise nannte, von der Gesundheitsbehörde, dem ,Magistrato della 
Sanita', die Erlaubniss, auf ihre Kosten einen Beamten aufzustellen, 
der den Zugang zum Fondaco bewachen und Niemand eintreten 
lassen sollte, der nicht Geschäfte in demselben habe. Es geschah dies 
allerdings zunächst nur aus Gesundheitsrücksichten, um die Ein- 
schleppung der damals wüthenden Pest möglichst zu verhüten, zu 
welchem Z-v^eck auch noch einige andere Verordnungen erlassen 
wurden, wie z. B. die, dass die Packträger, wenn sie nicht beschäftigt, 
ausserhalb des Fondaco auf dem ,Campo S. Bortolamio' sich auf- 
halten, die Barkenführer, sobald sie die Waaren ausgeladen, sich 
sogleich wieder entfernen sollten ^). Man weiss ja aber, wie es mit 
derlei Verfügungen zu gehen pflegt. Für den Augenblick und für 
ein ausserordentliches Bedürfniss erlassen, bleiben sie auch nachher 
bestehen und bürgern sich für immer ein. War dies auch hier der 
Fall — ganz sichere Kenntniss besitzen wir davon vorerst nicht — 
so war damit ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Gebiete der 
Selbstverwaltung gethan, die Polizei- Aufsicht der venetianischen 
Behörden neuerdings geschmälert — wie es die deutschen Kauf- 



n 



Thomas S. 33. — ^) s. Bd. I Nr. 707. — ') Thomas S. 20 : il Publico 
Governo manteneva salariati un Masser (sive Portinaro) ... — *) Thomas, 
Register zum Kapitular des deutschen Hauses in Venedig . . . (Abhandlgn. d. k. 
bayer. Akad. d. Wiss. I. Kl. Bd. XIV, Abth. I.) S. 65 und , Quellenkunde" S. 43. 
- ») Milesio S. 32. 



Geschichtliches. 131 

leute auch schon im Jahre 1544^) von der Regierung erwirkt hatten, 
-dass Schergen nicht in den Fondaco sollten kommen dürfen. — 

Je mehr so die Deutschen die Herren im — freilich nicht 
eigenen — Hause wurden, desto mehr waren sie zugleich bestrebt, 
sich im Fondaco häuslich einzurichten. Ich erinnere daran ^), dass sie 
im Jahre 1587 im grossen Wintersaal den kolossalen, meisterhaften 
Ofen auf ihre Kosten setzen Hessen. Vorher schon, im Jahre 1571, 
hatten sie an der Südseite des Nordflügels im Hofe mit Erlaubniss 
des ,Magistrato del Sal' unter Hinzuziehung des berühmten Erbauers 
der Rialto-Brücke , Antonio dal Ponte, eine grosse Uhr anbringen 
lassen^). Und über diesen mehr praktischen Einrichtungen vergassen 
unsere Landsleute, angeregt gewiss durch das Vorgehen der Re- 
gierung und unter dem Einfluss der ganzen Umgebung, auch der 
künstlerischen Ausstattung nicht. Sie waren es, welche den 
Fondaco (nicht aussen, sondern) innen auf das reichste und herr- 
lichste mit Kunstwerken schmückten. Wie früher der Einzelne seine 
Kammer nach Belieben verschönerte und verzierte — was übrigens 
auch jetzt noch geschah, namentlich die Kammer der Fugger rühmt 
Sansovino wegen ihres reichen Schmuckes^) — so sorgte jetzt die 
Kaufmannschaft als Ganzes für eine würdige Ausstattung der ge- 
meinsam benützten Räume. Ich verweise nochmals auf die genaue 
Beschreibung des „Sommer- oder Gemäldesaales " bei Milesio und 
Elze, in welchem nicht blos die von einer Marmorsäule getragene 
Decke von Schülern Tizians bemalt war, sondern sogar eine förm- 
liche Gemäldegallerie Platz gefunden hatte. — Sie ist übrigens nicht 
das einzige Zeugniss für die Kunstliebe und den Kunstsinn der 
deutschen Kauf leute. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass sie noch 
in demselben Jahre, wo der Fondaco niederbrannte, bei dem damals 
gerade in Venedig weilenden Albrecht Dürer eine Altartafel, wahr- 
scheinlich für die in der Nähe des Fondaco gelegene und gleichsam 
dazu gehörige Kirche San ßartolomeo (Bartolamio) bestellten, welche 
im September des folgenden Jahres 150(3 fertig wurde und die Ver- 
herrlichung der h. Maria im Rosenkranzfest zum Gegenstand hatte. 
Dass dieses Werk erst Dürer, wie er selbst angibt, die gebührende 
Anerkennung als Maler bei den Italienern verschaffte, die in ihm 
bisher nur den Stecher bewundert hatten, darf gleichfalls als bekannt 
vorausgesetzt werden ^). 

Die Tafel, später von Kaiser Rudolf II. angekauft und heute 
im Besitze des Prämonstratenser-Stifts Strahow in Prag, enthält 
ausser den Porträts von Maximilian L, Julius IL, Dürer und Anderen, 
wie Thausing ansprechend vermuthet, auch das des Hieronymus, 



') Milesio, S. 64. — ^) cf. oben S. 112. - ^) Milesio, S. 26 und 65. - 
"•) Venezia descritta (Ausg. von 1663, p. 366 : ,fra le quali (camere e stanze) 
era altre volte molto notabile la camera dei Foccari , dove con ordine pur 
troppo maraviglioso si contenevano tante soppellettili e massaritie ehe hareb- 
bono addobbato ogni gran casa*. — *) Thausing, Dürer (1. Aufl.) S. 259. 



132 Geschichtliches. 



des Erbauers des neuen Fondaco ^). Hingegen glaube ich nicht, wie 
Thausing es gethan, dass Dürer eben wegen dieser Tafel nach Venedig 
gereist sei. Die Art, wie er seinem Freunde Pirkheimer in seinem 
ersten Briefe aus Venedig (am 6. Januar 1506) davon Mittheilung 
macht: „ich habe den Deutschen eine Tafel zu machen," spricht 
dafür, dass er erst dort den Auftrag erhielt^). Leider gibt Dürer 
selbst in seinen Briefen keine näheren Aufschlüsse über den 
Auftrag: weder nennt er irgend welche Personen, mit denen er 
darüber verhandelt, noch bezeichnet er den Gegenstand der Tafel 
irgend genauer, noch sagt er deutlich, für welchen Ort oder für 
welchen „Altar" dieselbe bestimmt gewesen und ob sie wirklich 
dort aufgestellt worden. Das hat denn Anlass zu mancherlei Kontro- 
versen und wunderlichen Aufstellungen gegeben. Die eben ange- 
führte Monographie von Jos. Neuwirth überhebt mich der Aufgabe, 
dieselben hier einzeln vorzuführen und zu erörtern. 

Grosse Verwirrung hat namentlich angestiftet und einige 
Schwierigkeit in der That macht die Angabe des Schriftstellers 
Sansovino^); dass „vor wenigen Jahren Christophorus Fugger ein 
Marien-Altarbild von der Hand Albrecht Dürers nach der Kirche 
San Bartolamio gebracht oder geschenkt habe" *). In Folge dessen 
hat man — ohne Rücksicht auf die in Sansovino's Worten liegende 
Zeit-Differenz — gesagt^), Christoph Fugger sei der Besteller des 
„Rosenkranzfestes" gewesen, weil „er, als Dürer in Venedig war, 
an der Spitze der dortigen Kaufmannschaft stand und als solcher 
wahrscheinlich den grössten Beitrag gegeben hat." Das lässt sich 
aber durchaus nicht beweisen. Als Vorsteher (,Cottimieri') der 
deutschen Kaufleute zur Zeit von Dürer's Aufenthalt in Venedig 
werden ganz andere Männer genannt^), ein Christophorus Fugger 



n 



*) s. die Abbildung in Thausing's , Dürer" und des Hieronymus Bildniss 
separat nach einer Originalzeichnung Dürer's im k. Kupferstichkabinet zu Berlin 
bei Lippmann, Zeichnungen von Albrecht Dürer (Berlin 1882), Blatt Nr. 10. — 
^) Dieser Ansicht pflichtet auch Jos. Neuwirth in seiner kürzlich (Leipzig 1885) 
erschienenen Monographie: „Albrecht Dürer's Rosenkranzfest" (gleichfalls mit 
Abbildung) bei, in welcher alle auf das Bild bezüglichen Fragen eingehend 
behandelt und auch Thausing's Irrthümer über den Fondaco schon (hauptsäch- 
lich auf Grund der von mir gemachten Mittheilungen) berichtigt sind ; cf. auch 
dessen Abhandlung: ,Zur zweiten Reise Dürer's nach Italien" in Lützow's Zeit- 
schrift für bildende Kunst (Jahrg. 21) 1886 S. 87 u. ff. - ^) in der ersten 
Ausgabe seines Buches ,Venetia citta nobilissima' 1581 f. 48. — ■*) ,Fu nobili- 
tata (die Kirche) pochi anni sono da Christo foro Foccari Tedesco, il quäle vi 
condusse una palla di Nostra Donna, di mano d'Alberto Duro, di bellezza 
singolare per disegno , per diligenza et per colorito'. Wahrscheinlich hieraus 
stammt die fast ganz gleichlautende Notiz bei Milesio (Thomas, S. 46) : ,L'anno . . . 
(fehlt) fu nobilitata da Christofforo Foccari Mercante Todesco, che donö la 
palla fatta da Alberto Durero Tedesco famoso Pittore et intagliatore di stampe, 
di singolar bellezza, in cui vi e dipinta la Madonna.' — ^) so Waagen im 
.Deutschen Kunstblatt" 5. Jahrg. 1854 S. 200. - «) s. Milesio (Thomas, S. 62) : 
1505 Gio. Mossanner (unrichtig statt Mosauer aus Regensburg s. unten) e Fran- 
cesco Hirschfegl (Hirschvogel aus Nürnberg); 1506 Gio. Mossanner e Sinibaldo 
Kneissel (aus Nürnberg); 1507 die nämlichen. 



Geschichtliches. 133 

wird zu jener Zeit überhaupt nicht in Venedig erwähnt. Erst im 
Jahre 1520 wird von einem daselbst weilenden Christophorus Fugger 
berichtet. Marino Sanuto erzählt unter dem 26. Januar dieses Jahres, 
dass derselbe die Schwester eines Pasqual Gradenigo geheirathet habe^). 
Wie es scheint, Hess sich derselbe auch in Venedig in der Kirche 
San Bartolomeo beisetzen oder hatte wenigstens eine Grabstätte 
für sich darin ^): auf ihn würde also am besten jene Notiz des Sanso- 
vino von der Stiftung des Dürer'schen Bildes in die genannte Kirche 
passen^). Hingegen stimmt die Zeitangabe Sansovino's ,pochi anni' 
durchaus nicht mit den übrigen Notizen, vorausgesetzt, dass man 
es immer mit einem und demselben Bilde zu thun hat. Denn 
wenigstens um 1550 befand sich nach dem Zeugniss Vasari's ,una 
tavola d'Alberto Duro . , . cosa rara e piena di molte figure fatte 
a olio' in der Kirche San Bartolomeo"^); und 1552 rühmt Doni in 
einem Briefe an Simon Carnesecchi als eine Sehenswürdigkeit Venedig's 
,una tavola d'altare d'Alberto Duro'^). 

Namentlich diese letztere Angabe, zusammengehalten mit 
früheren und späteren Nachrichten^), lassen kaum einen Zweifel 
übrig, dass in der That das von den deutschen Kaufleuten bestellte 
Bild eben das ^Rosenkranzfest" gewesen, dass es für den Altar der 
deutschen Kaufleute in S. Bartolomeo bestimmt gewesen und nicht 
erst von einem Christophorus Fugger später dorthin gebracht 
worden ist. 

Dann ist es allerdings das Einfachste, die ganze Nachricht des 
Sansovino für einen Irrthum zu erklären und als unrichtig bei 
Seite zu lassen, wie Neuwirth es thut. Oder man kann annehmen, 
dass ein Christophorus Fugger — und zwar am ehesten jener, der mit 
der Schwester des Gradenigo verheirathet war — ein anderes Bild 
als das Rosenkranzfest vielleicht doch von der Hand Dürers in die 
Kirche San Bartolomeo geschenkt habe, ein Bild, das vielleicht ein 



') Thomas, Milesio's Beschreibung, S. 100 aus den ,Diarii' des Sanuto t. 28 
f. 114. — '') Sansovino sagt a. a. im Anschluss an die obigen Worte : vi fu anco 
dipinto SU la sepoltura del de tto Foccari alcune figure da Battista Franco; 
und Hieronymus Megiserus, Paradisus deliciarum, Leipzig 1610, p. 61 (ßriefl. Mit- 
theilung des Herrn Dr. J. Neuwirth) sagt geradezu: „S. Bartholme ... Es liegt 
Herr Christofif Fucker, ein Deutscher, darin begraben", vielleicht allerdings wieder 
nur auf Grund der Angabe des Sansovino. Unter den von Cicogna gesammelten 
Inschriften dieser Kirche (cf. später) findet sich keine auf einen Christoph Fugger. 
— ^) Ein anderer Christophorus Fugger, ein Sohn Raimunds, erst 1520 geboren und 
2. April 1579 gestorben, wurde nach seinem eigenen Willen in der Dominikaner- 
kirche in Augsburg begraben; s. ^Contrafehe der Herrn Fugger* 1620 S. 17. — 
*) Le Vite de' piü eccellenti scrittori ... ed. Milanesi Bd. 7 S. 433 bei Neuwirth 
S. 16. — *) Tre libri di lettere, lib. II p. 185; Neuwirth, S. 17. — «) cf. Neuwirth, 
S. 15 — 17. Namentlich sagt Christoph Scheurl (der Jüngere) in seinem bereits 
1508 erschienenen ,libellu8 de laudibus Germaniae et ducum Saxoniae', dass auf 
dem von Dürer „für die Deutschen" gemalten Bild ein vollendetes, lebenswahres 
Portrait des Kaisers (Max) sich befunden habe, wie dies eben auf dem „Rosen- 
kranzfest" der Fall ist; Scheurl gibt aber nicht an, wo das Bild aufgestellt 
gewesen. 




134 Geschichtliches. 

anderer Fugger von Dürer bei seinem Aufenthalt in Venedig für 
die von den Fuggern benützten Kammern im Fondaco hatte malen 
lassen und jener Christophorus eben später der Kirche S. Bartolomeo 
schenkte — dass also Sansovino dann beide Bilder vermengte. Einen 
schwachen Anhalt findet diese Hypothese vielleicht in einem Aus- 
drucke Dürer's, den man vielleicht hierauf beziehen darf. Dürer 
schreibt^) am 23. September 1506 an Pirkheimer: „Wisset auch, 
dass meine Tafel fertig ist; auch ein anderes Quadro, dessgleichen 
ich noch nie gemacht habe ..." Er spricht da offenbar von zwei 
Bildern, wovon das eine (über welches selbst wiederum die An- 
sichten der Kunsthistoriker auseinandergehen) recht wohl im privaten 
Auftrage entstanden sein konnte. 

Absolut Sicheres lässt sich darüber mit dem bis jetzt bekannten 
Material nicht feststellen. Den besten Aufschluss könnten wohl 
archivalische Nachrichten über den Erwerb des „ Rosenkranzfestes " 
durch Rudolf IL geben, die bisher leider ganz fehlen. Nicht einmal das 
genaue Jahr, wann dieser statthatte, ist bekannt; sicher nur, dass er 
zwischen 1593 und 1603 erfolgte. Denn unter dem ersten Jahre 
berichtet (worauf ich Herrn Dr. Neuwirth aufmerksam machte) noch 
Hans Georg Ernstinger in seinem Raisbuch^): „S. Bartholomeo da 
predigt man teutsch; ist auch ein schöner Altar darinnen, den Albert 
Dierer vonNüernberg gemalt." Im Jahre 1603 aber wird das „Rosen- 
kranzfest" bereits als in Prag befindlich erwähnt ^). An seine Stelle 
kam*) auf den der deutschen Kaufmannschaft gehörigen Altar in San 
Bartolomeo, der in der ,capella alla sinistra della maggiore' stand ^j, 
später (vielleicht im Jahre 1610*^) eine „Maria- Verkündigung" von 
der Hand des baierischen Malers Johann Rottenhammer, „eines 
gelehrten Schülers des Tintoretto, der sich nach den besten Bildern 
seiner Zeit gebildet hat" '^) — ein Bild, das sich angeblich heute noch 
dort befindet. — 

Thausing bezeichnet S. Bartolomeo als die „Begräbnisskirche" 
der Deutschen Nation. Dies ist nur zum Theil richtig. In früherer 
Zeit wurden unsere in Venedig verstorbenen Landsleute, wie aus den 
von verschiedenen Venetianern und insbesondere von Emanuele 
Cicogna gesammelten Grabschriften ersichtlich, vielleicht grössten- 
theils, aber keineswegs ausschliesslich in S. Bartolomeo, sondern 
vielmehr auch in anderen Kirchen Venedigs bestattet*). Im Jahre 

*) cf. Neuwirth in der Zeitschrift etc. — ^) Herausg. von Ph. A. F. Walther 
in der Bibliothek des literar. Ver. Bd. 135 S. 48. — ^) Het Schilder-Boeck . . . 
door Carel von Mander 1604 f. 209 a; Neuwirth S. 20. — ") s. Neuwirth, S. 17. — 
') ebda. S. 18. — *) Diese Zahl fand sich (wenn ich Cicogna's Bemerkung recht 
verstehe, cf. später bei den Grabschriften Nr. 6) auf einem Gemälde in der oben 
erwähnten Kapelle der „Deutschen Nation" in S. Bartolomeo und bedeutete wohl 
die Zeit der Stiftung. Nur stimmt Cicogna's Bemerkung, dass das Gemälde 
die Geburt der heil. Jungfrau dargestellt habe, nicht mit den sonstigen An- 
gaben über Rottenhammer's Bild. — '') Joh. Christ. Maier, Beschreibung von 
Venedig (1795), Bd. I S. 304; Neuwirth, S. 17. - ^) cf. später; die Träger (bastiizi) 
des Fondaco hatten mindestens seit 1625 in S. Bartolomeo eine Gruft. 



Geschichtliches. 135 

1565 erhielt dann die Deutsche Nation in Folge eines Privilegs 
(vom 8. März) des damaligen Patriarchen Giovanni Trevisano das 
Recht, alle ihre Angehörigen in S. Bartolomeo auf Kosten der 
dortigen Geistlichkeit begraben zu lassen^). Erst im Jahre 1649 
(25. November) erwarb dieselbe dann in S. Bartolomeo eine gemein- 
same Gruft (arca) neben dem Hauptaltar für ihre Verstorbenen ^), 
nachdem früher schon 1624 — 1625 ebendaselbst, wie es scheint 
allerdings nicht auf Kosten der „Nation", sondern einer „deutschen 
Bruderschaft zum Rosenkranz (von Bäckern?) und anderer in Venedig 
wohnender Deutscher" ein Altar (für die Deutschen überhaupt oder 
für die deutschen Bäcker?) errichtet worden war^). Doch finden 
sich auch nach dieser Zeit noch Grabschriften von Deutschen in 
anderen Kirchen*). (Im Jahre 1719 erwarben die protestantischen 
Mitglieder der „Nation" einen eigenen Friedhof auf der kleinen 
Insel S. Cristoforo della Pace zwischen Venedig und Murano^). — 

Die Kosten für alle diese Ausgaben wurden — wenigstens 
wohl zum grössten Theile und in erster Linie — aus jener 
gemeinsamen Abgabe bestritten, welche, wie früher erwähnt, im 
Jahre 1492 eingeführt worden war: aus dem Cottimo, der, wie es 
Milesio ausdrückt ^), für ordentliche und ausserordentliche Ausgaben 
bestimmt war. Dahin gehörte nun also eben die Instandhaltung 
des Gebäudes, soweit die Regierung dafür nicht Sorge trug, des 
Brunnens, der Uhr, die Kosten für das Oel der 24 Lampen, welche 
die ganze Nacht hindurch im Gebäude brannten ''), die Besoldung der 
von den Deutschen angestellten Bediensteten, wie des Thürhüters 
u. s. w. , der Aggenti, Fattori und Avocati, deren man namentlich 
später bei verschiedenen Rechtsstreitigkeiten öfters bedurfte. Dahin 
gehörte ferner die Instandhaltung der Verkehrsstrassen nach Deutsch- 
land , die Besoldung von Wächtern , welche zur Sicherung der 
Waarentransporte an die Grenze geschickt wurden — in Cadore 



^) 8. Milesio bei Thomas S. 47 und Gallicciolli , Memorie Venete t. III 
p. 349, welch' letztere Stelle zeigt, dass dieser Erlass (von Gall. fälschlich in's 
Jahr 1567 gesetzt) hervorgegangen ist aus einem Competenzconflikt zwischen 
dem Kapitel der Hauptkirche von Castello und den Pfarreien der Stadt, welch' 
letztere das Recht in Anspruch nahmen, die in ihrem Bereich wohnenden Fremden 
zu begraben. Davon wurden „die Deutschen des Fondaco" ausgenommen, die 
stets zu S. Bartolomeo gehören sollten. — ^) aus Veroneser Stein mit einem 
Bronze-Schild, worauf der Reichsadler und eine Inschrift; s. Milesio bei Thomas 
S. 46 u. 69 ; Th. Elze , Geschichte der protestantischen Bewegungen und der 
deutschen evangelischen Gemeinde in Venedig (Bielefeld 1883), S. 52; bei 
den Grabschriften Nr. 27. — *) s. Grabschriften Nr. 5 und die Anmerkung 
Cicogna's, die aber nicht recht stimmt mit der Inschrift selbst, in welcher eine 
deutsche Bruderschaft genannt wird, deren Vorstandschaft besonders deutsche 
Bäcker bildeten. Vielleicht sagt deshalb auch Murr im Journal zur Kunst- 
geschichte Bd. X (1781) S. 5 Anm., Dürer's Bild (das er als die Marter des 
heil. Bartholomäus bezeichnet) habe „in der Beckerkapelle " gehangen. Ihre 
Gruft hatten jedoch die deutschen Bäcker, wenigstens 1511, in S. Stefano; 
cf. später im Anhang. — *) s. später, — ') s. Elze, Geschichte etc. S. 67. — 
') Thomas S. 26. — ^ Milesio S. 26 ; cf. S. 84. 



136 Geschichtliches. 



wurde hiefür ein eigener Beamter aufgestellt — ; dann die Remu 
neration für die Benützung der Kirche S. Bartolomeo, ferner die 
besonderen Ausgaben bei Ankunft fürstlicher Persönlichkeiten oder 
eines neuen kaiserlichen Gesandten und bei anderen ausserordent- 
lichen Gelegenheiten; ausserdem aber wurden — und zwar von 
Anfang an — aus dem Cottimo die Kosten für die sogenannte 
,Panada' (eine Art Brodsuppe) bestritten. 

Seit dem Jahre 1490 nämlich — im vorhergehenden Jahre 
hatte die Pest in Venedig stark gewüthet — wurden alltäglich 
(mit Ausnahme von Montag) Morgens die Speiseüberreste an Brod, 
Fleisch, Suppe u. s. w. der im Fondaco speisenden deutschen Kauf- 
leute und ihrer Diener den Armen der Stadt dargereicht. Es ge- 
schah dies (in dem neuen Gebäude) von einem vergitterten Fenster 
des zu ebener Erde befindlichen Zolllokales aus, zu welchem Zweck, 
damit die Armen Venedigs dorthin gelangen könnten, ohne den 
Fondaco selbst zu betreten, die Kaufleute mit Genehmigung der 
Behörden später, im Jahre 1630, eigens einen hölzernen Steg bis 
zum Traghetto del Buso bauen Hessen; ,über welchen jeden Morgen 
beim Andämmern des Tageslichtes die Armen herbeiströmten" ^). 
Zu Weihnachten und Ostern wurden überdies an die Armen noch 
besondere Almosen ausgetheilt. 

Man begreift daher leicht, dass die Summe von 2 Gazette = 
4 soldi (der venetianischen Lira) auf je 100 Dukaten Waarenumsatz, 
die anfänglich als Cottimo von jedem Deutschen zu entrichten war 
= c. V^o'/o, auf die Dauer nicht ausreichte und daher später wieder- 
holt erhöht werden musste. Im Jahre 1577 z. B. betrug sie 2 grossi 
auf 100 Dukaten = 1/12 >• 

Bis zu diesem Jahre war der Cottimo ohne spezielle Geneh- 
migung der venetianischen Regierung erhoben und, wie es 
scheint, ohne Widerspruch von den Einzelnen gezahlt worden. 
Wenn sich bei einem späteren, sogleich zu erwähnenden Streit (1717) 
die deutschen Kaufleute auf einen früheren Erlass der Regierung 
vom Jahre 1541 beriefen, welcher die Expedirung der Waaren 
aus dem Fondaco verbot, wenn zuvor nicht alle „Rechte" oder 
Gebühren (diritti) des Fondaco entrichtet seien ^), so ist da doch nicht 
ausdrücklich vom Cottimo die Rede. Ebensowenig ist es klar er- 
sichtlich, ob etwa im Jahre 1546 gegen den Cottimo ein Protest 
laut wurde , da es in einem späteren Schriftstücke heisst ,che sino 
all' anno 1546 fu imperturbamente e con non interrotta serie sopra 
tutti rascosso' ^). 

Dies fand nun aber sicher im Jahre 1577 statt, und darüber 
sind wir etwas genauer unterrichtet^). Ein gewisser Domenico 






') Elze, Ausland 1870, S. 628. — ^) Elze bei Thomas, Milesio S. 81. — 
') ebda. S. 95 ; ferner Thomas, Beiträge aus dem ülmer Archiv zur Gesch. des 
Handelsverkehrs zwischen Venedig und der deutschen Nation (Sitz.-Ber. d. k, 
bayer. Akad. d. Wiss. 1869 S. 71 ff.)- 



Geschichtliches. 137 

Ziliberti, ein Trientiner von Geburt und '„kürzlich gewester Vachin, 
jetzo aber etlicher Deutschen Faktor, samt anderen vier oder fünf 
Eisenkrämern und Vachini, so er an sich gehängt", weigerte sich 
den Cottimo zu entrichten, da er als „nicht geborener, nicht achter" 
Deutscher von der Versammlung und dem Kapitel der „Deutschen 
Nation" ausgeschlossen worden war. Um diesen Vorfall zu ver- 
stehen, müssen wir Folgendes erklärend einschalten. 

Wir erinnern uns ^) , dass im alten Hause Kauf leute , die mit 
Kleinigkeiten handelten, oder besser gesagt, Krämer, die sich nur 
ganz kurze Zeit aufhielten, theils wegen der Beschränktheit des 
Raumes , theils um ihnen die grösseren Kosten zu ersparen , die 
Erlaubniss besassen, nicht in eigenen Kammern wohnen zu müssen, 
sondern in den Gängen ihr Nachtquartier aufzuschlagen. Im neuen 
Gebäude wurden nun von vornherein von der Regierung dieser 
Klasse von Handeltreibenden ausdrücklich sechs Kammern im 
dritten Stock reservirt^), welche nicht an Einzelne abgegeben 
werden, sondern für diese ab- und zugehenden kleineren Kaufleute 
und Krämer überhaupt bestimmt sein sollten. Von diesem Ab- 
und Zugehen erhielten diese Kaufleute denn auch den Namen 
,Viandanti', oder man nannte sie mit Rücksicht auf die Artikel, 
^panni grisi (graue Tücher) di vilissimo prezzo', mit denen sie haupt- 
sächlich handelten, ,Grisolotti', oder später, da es vorzugsweise 
Trientiner waren, auch wohl ,Mercanti Trentini' ^). 

Wie die Krämer im alten Hause, dürften auch diese ,Vian- 
danti' eben wegen ihres kürzeren Aufenthaltes nun aber schwerlich 
als Voll- und Gleichberechtigte mit den anderen, länger verweilenden 
Kaufleuten im Fondaco gegolten und deshalb auch keinen Antheil 
an deren berathenden Versammlungen oder General-Kapiteln gehabt 
oder erhalten haben. Da sie aber, wie keinem Zweifel unterliegen 
kann , trotzdem ebenso , wie die anderen Kauf leute , den Cottimo 
entrichten raussten, so ist es leicht erklärlich, dass mit der Zeit in 
ihnen der Gedanke reifen konnte: „gleiche Pflichten, gleiche Rechte" — 
oder, wie es in einem späteren Schriftstück der Deutschen Nation 
vom Jahre 1717 heisst: ,dall' aver commune il foco, pretesero 
aver commune anche il titolo ed essere in tutto pareggiati ä 
nazionali'*). 

Diesen Anspruch erhob nun also Ziliberti und , da er damit 
abgewiesen wurde, verweigerte er mit seinen Genossen, deren Zahl 
übrigens verschieden angegeben wird, die Entrichtung des Cottimo. 
Während es nach einem Schreiben des General-Kapitels der Deutschen 
Nation'') vom Jahre 1577 nur 4 oder 5 Eisenkrämer und Vachini 
gewesen sein sollen, waren es nach einem Schriftstücke der ,Nazione 
Alemana' vom Jahre 1717 (in welchem dieses Streites gedacht wird)^) 



l 



') cf. oben S. 12. — ^) s. Bd. I Nr. 657. — ») Elze bei Thomas, Milesio 
S. 91. - ") Thomas, Milesio S. 81. — >) Thomas, Beiträge S. 71. — ") Elze 
bei Thomas, Milesio S. 82. 



138 Geschichtliches. 

4 — 6 Trientiner und an 4ie 40 (venetianische) Eisenhändler, die 
Ziliberti in dem Streite vertrat, der sich nun zwischen ihm und der 
Deutschen Nation entspann. Denn diese hatte nach der Weigerunp^ 
des Ziliberti von der Behörde der ,Governadori dell' intrade' ein Mandat 
an die Visdomini des Fondaco des Inhalts erwirkt ^), dass denjenigen, 
welche die ,Dazi' oder den Cottimo nicht entrichteten, auch keine 
Zollscheine, keine ,Bollette' sollten ertheilt werden, mit anderen 
Worten, dass ihnen somit die Ausfuhr ihrer Handelsartikel sollte 
verweigert werden. Dagegen protestirte denn nun Ziliberti, indem er 
der Nation überhaupt das Recht bestritt, ohne Genehmigung eines 
(venetianischen) Magistrats von den im Fondaco verkehrenden Kauf- 
leuten eine solche Steuer zu erheben und gar noch zu erhöhen, die, 
wie er behauptete, nicht dem Handel im Allgemeinen, sondern 
nur den Sonderinteressen Einzelner zu gut komme. Die Nation 
hinwiederum berief sich auf das« Herkommen und legte zugleich 
dar, wozu der Cottimo wirklich verwendet werde. Das Kollegium 
der ,Governadori delle intrade' und der ,Cinque Savii sopra la mer- 
cantia', vor welchem auf Wunsch beider Parteien der Streit dann 
zur Verhandlung kam, traf am 6. September 1577 folgende Ent- 
scheidungen: 1) dass Ziliberti und seine Genossen den Cottimo zu 
entrichten hätten, die Nazione Alemana mit ihrem Verlangen im 
Rechte sei, 2) dass die Nazione den Cottimo im bisherigen Betrage 
von 2 grossi auf je 100 Dukaten wie bisher erheben und verwalten 
könne; dass aber zu einer Aenderung oder Erhöhung des- 
selben in Zukunft die Zustimmung der Majorität des ge- 
nannten venetianischen Kollegiums erforderlich sein solle. 
Als dann 14 Tage darauf, am 18. September 1577, die Nation die 
Erhöhung des Cottimo um 2 weitere grossi von 100 Dukaten, also 
auf das Doppelte beantragte, weil der frühere Betrag nicht mehr 
ausreiche, namentlich die Kosten der ,Panada' zu bestreiten, da wurde 
ihr dieses Gesuch abgeschlagen. Den von Thomas publizirten Akten- 
stücken ^) zufolge wandte sich das General-Kapitel daraufhin an den 
Rath der Städte Ulm, Augsburg, Nürnberg, um diese zu einer Eingabe 
an den Dogen in dieser Angelegenheit zu bewegen. Eine solche 
ging dann auch mit dem Datum des 31. Januars 1578 und, da wegen 
des inzwischen eingetretenen Ablebens des Dogen eine neue Adresse 
nothwendig wurde, mit dem Datum des 5. Mai 1578 versehen nach 
Venedig ab , worin vorzugsweise und wohl nicht ohne Absicht die 
Unmöglichkeit, die Panada fernerhin zu spenden, betont wurde, 
wenn die Erlaubniss zur Erhöhung des Cottimo verweigert werde. 
Wissen wir auch nicht, welche Wirkung diese Eingabe hatte, sicher 
ist, dass in der folgenden Zeit der Cottimo immer mehr gesteigert 
wurde. Im Jahre 1631 wurden 10 grossi von 100 Dukaten = 
•'ji 2 ^/o erhoben, und im Juni dieses Jahres suchte die Nazione wegen 
der schlechten Geschäfte bei den Governadori delle intrade und den 



*) Thomas, Beiträge S. 72. — ^) a. a. 0. 



Geschichtliches. 139 

Ginque Savii um die Erlaubniss nach, den Betrag auf 12 grossi = 
^/2 ^j'i zu erhöhen, die ihr auch zunächst auf die Dauer von 6 Monaten 
ertheilt wurde ^). Im Jahre 1691 betrug die Steuer 24 grossi = 
1 Dukaten ^ P/o, die höchste Höhe, die sie überhaupt erreichte; 
dann sank sie wieder etwas herab und betrug im Jahre 1717 
20 grossi = 5/6 > 2), 

In dieser Zeit entbrannte ein neuer grosser Streit über den Cot- 
timo , dessen Betrachtung wir jedoch besser auf später versparen. 

Wir müssen uns vorerst nochmals in das lÖ. Jahrhundert und 
speziell in das Jahr 1578 zurückversetzen. Vermuthlich in Folge der 
Streitigkeiten mit Ziliberti und seinen Genossen wurden nämlich, 
wie es scheint, gerade in diesem Jahre einige Aenderungen von 
der Deutschen Nation in Bezug auf ihre eigene innere Verwaltung 
getrofPen. Milesio verzeichnet zum Jahre 1578^) den Beschluss eines 
General-Kapitels betreffs der Wahl der beiden Cottiraieri oder, wie sie 
von da oder von etwas später an^) heissen, der beiden Consuln, ohne 
jedoch den Inhalt dieses Beschlusses näher anzugeben. Es scheint nicht, 
dass über die Amtsdauer der beiden Consuln eine Aenderung getroffen 
wurde, die vorerst noch 6 Monate betragen zu haben scheint und 
erst später — nach Milesio im Jahre 1604 5) — durch Beschluss 
eines Generalkapitels auf 2 Jahre festgesetzt wurde und im 18. Jahr- 
hundert noch erhöht worden sein mag, wenn nicht dieselben Persön- 
lichkeiten mehrmals hintereinander wiedergewählt wurden. Aber 
was Milesio als schon seit Einsetzung der Cottimieri bestehend 
hinstellt 5), dürfte erst jetzt 1578 eingeführt worden sein: das ist 
die Scheidung der Consuln nach (Geschäft und) Wohnung. 
Der eine nämlich von ihnen erhielt den Titel ,Console Seniore*^ 
(konnte dem Alter nach aber der Jüngere sein) und wohnte 
ausserhalb des Fondaco, der andere hiess ,Console Cassiere Juniore' 
und hatte seine Wohnung im Fondaco. Vielleicht wurden damals^ 
1578, auch die 6 Aeltesten, ,Segretieri' genannt, eingesetzt, welche 
den Consuln zur Seite standen und alle Gegenstände vorher durch- 
zuberathen hatten, ehe sie an das General-Kapitel gingen, welches 
nach wie vor die letzte oberste Entscheidung in allen Angelegenheiten 
der Nation besass und nun nicht mehr blos an den beiden früher ange- 
gebenen Terminen (Jakobi und Weihnachten), sondern jeden Augen- 
blick im Bedürfnissfalle zusammentrat. Man sieht: es war eine 
republikanische Verfassung, die sich die Deutsche Nation hier gab 
oder die sich hier herausbildete im Anschluss wohl an die Vorbilder 
der heimischen Städte -Verfassungen. 

Je mehr sich so die in Venedig im Fondaco verkehrende 
deutsche Kaufmannschaft zu einem ,Corpo politico' , wie es Milesio 
bezeichnet**), oder wie wir lieber sagen würden, zu einer fest ge- 



') Bd. I Nr. 736, 737. - ^) Elze bei Thomas, Milesio S. 83. — ») bei 
Thomas S. 65. — ■•) cf. oben S. 90. - ") Thomas S. 67. — *) ebda. S. 25. 



140 



Geschichtliches. 



gliederten Korporation, welche nun meist den Namen , Deutsche 
Nation" oder „Nazione (Natione) Alemana" führte, zusammenschloss — 
desto mehr bildete sich aber in ihrem Inneren ein eigenthümlicher 
Zwiespalt und Gegensatz aus, der in der folgenden Geschichte 
des Fondaco eine • grosse Rolle gespielt hat , und den wir daher 
näher betrachten müssen. 

Wir haben schon früher hervorgehoben ^) und müssen es an 
dieser Stelle nochmals nachdrücklichst thun, dass in der älteren 
Zeit bis zum Ausgange des 15. Jahrhunderts (und wohl auch noch 
bis in den Anfang des 16. Jahrhunderts hinein) unter den im 
Fondaco verkehrenden deutschen Kaufleuten — von den Krämern 
abgesehen — keinerlei Unterschied bestand, keiner besondere 
Rechte besass, keiner mehr galt als der andere, speziell der Ober- 
deutsche nicht mehr als der Niederdeutsche, der aus einer freien 
Reichsstadt nicht mehr als der aus einer Fürstenstadt. Jeder , ge- 
lernte" Kaufmann hatte gleiches Anrecht auf Antheil an der Tafel 
und am Kapitel und in diesem gleiche Stimme. Anders im aus- 
gehenden 16. und besonders im 17. Jahrhundert. 

Da lesen wir auf einmal von „Privilegirten" und ,Nicht- 
Privilegirten", von „Berechtigten" und „Nicht-Berechtigten", von 
ernsten Streitigkeiten, die sich über die Berechtigung, am Fondaco 
und den damit verbundenen Privilegien Antheil zu nehmen, zwischen 
den ober- und niederdeutschen Städten erhoben. Um es kurz zu 
sagen: die oberdeutschen Städte nahmen am Ende des 16. und am 
Anfang des 17. Jahrhunderts den Fondaco für sich allein in Anspruch. 
Sie oder vielmehr ihre Kaufleute in Venedig behaupteten allein die 
ächten, rechten Deutschen zu sein, die allein als ,antichi Todeschi 
natural i' das Anrecht auf Benützung der Kammern, auf Theilnahme 
an der gemeinschaftlichen (Mittags-)Tafel und an den Kapitelsitzungen 
besässen. Diese drei Momente wurden dann meist als die ,3 requi- 
siti' zusammengefasst und dann weiter behauptet, dass nur der Besitz 
dieser 3 requisiti auch zum Antheil an den von der Regierung 
für den Fondaco gewährten Privilegien und Immunitäten 
berechtige. 

Was zunächst diese letzteren betrifft, so findet sich eigentlich 
nirgends eine zusammenfassende, übersichtliche Aufzählung derselben. 
In dein Dekrete der venetianischen Regierung vom 19. Dezember 
1510, welches die Miethe für die Kammern und Gewölbe im neuen 
Hause u. s. w. endgültig festsetzt^), heisst es am Anfang nur ganz 
allgemein, dass die Regierung die deutschen Kaufleute bei den Privi- 
legien, Immunitäten und Exemptionen belassen wolle, die sie bisher 
genossen; dass sie ihnen insbesondere keine neue Auflage oder 
Steuer auferlegen wolle, welche die Kaufleute nicht bisher gemäss 
ihrer alten Privilegien entrichtet hätten. Dazu würden nun also 




1) cf. oben S. 86. - ^) s. Thomas, Milesio S. 49 und Flegler im An- 
zeiger etc. S. 365. 



Geschichtliches. 141 

einmal alle die Vergünstigungen gehören, die wir oben gelegentlich 
aufgeführt haben ^) und die wir hier nicht nochmals zu wiederholen 
brauchen. Ferner jenes auch von Milesio^) erwähnte Privilegium 
vom Jahre 1507, worin der Doge und die Regierung den deutschen 
Kaufleuten im ganzen Gebiete der Republik freien Handel und 
Wandel und Sicherheit der Person und der Waaren zusagt ^). Wenn 
Milesio behauptet"^), dass dieselben darin sogar zu „Bürgern Venedigs" 
erklärt worden seien, so ist das nicht richtig und wieder eine jener 
Uebertreibuugen und falscher Urkunden-Interpretationen, deren sich 
Milesio öfters schuldig gemacht. Es heisst nämlich in dem Aktenstücke 
nur: „wir haben die deutschen Kaufleute wegen der alten gegen- 
seitigen Handelsbeziehungen stets so geliebt (mehr als andere Kauf- 
leute), dass wir sie für unsere Landsleute ansehen, und zwischen 
unseren Bürgern und Einwohnern und ihnen bei uns kein Unter- 
schied besteht*. Das ist aber doch etwas Anderes als eine förmliche 
Bürgerrechtsverleihung. In dem Privileg vom 30. Dezember 1510, 
das nochmals den deutschen Kaufleuten mit allen ihren Bediensteten 
freien, ungehinderten, sicheren Verkehr gewährleistet^), fehlt ein 
Hinweis auf eine solche venetianische Bürgerschaft der deutschen 
Kaufleute ganz und gar; und auch sonst ist, wie mir Professor Predelli 
versichert, über eine derartige Verleihung im venetianischen Staats- 
archiv nichts überliefert oder bekannt. — Unwesentlich erscheint, 
was Milesio sonst noch als Privilegien der Nazione Alemana ver- 
zeichnet*^), dass sie Kuriere nach Rom spediren durfte, dass die jungen 
Deutschen an der Universität Padua in Philosophie und Medizin und 
später auch in der Jurisprudenz doktoriren durften. — Von erheblich 
grösserem Belang war es, dass unseren Landsleuten im Jahre 1510 
bei Festsetzung der Miethe die Zahlung der kurz vorher den Frem- 
den aufgelegten Einfuhr-Steuer von 2 grossi vom Dukaten erlassen 
wurde ^). Das war eine sehr wesentliche Vergünstigung und be- 
deutete für unsere Kaufleute einen ganz ausserordentlichen materiellen 
Gewinn. Und von nicht geringem Werthe waren einige weitere 
Zollvergünstigungen, die denselben von der Regierung darnach noch 
gewährt wurden. Mindestens schon im Jahre 1557 bestand für sie 
das Privilegium der ,Denari (Danari) franchi' : eine Einfuhrprämie, 
wie man es modern ausdrücken würde , indem jedem deutschen 
Kaufmann, welcher Waaren in Venedig kaufte und nach Deutsch- 
land ausführte, am Zoll ,12 grossi 20 piccoli' (also etwas über 
V« Dukaten) von 100 Dukaten abgezogen wurden, wofern er vorher 
Waaren aus Deutschland eingeführt hatte ^). — Ferner finden wir. 



') S. 34-36. — 2) Thomas S. 62. - ^) Bd. I Nr. 652. - ") Thomas S. 24, 62. 
- 5) Bd. I Nr. 681. - ') Thomas S. 24. - ') Bd. I Nr. 679; cf. oben S. 128. Das von 
Milesio zum Jahre 1509 angeführte Privileg wird wohl das unserige Bd. I Nr. 674 
sein. — ") Meder, Handelbuch f. IV' : , Was Wahr einer aufs Teutschland gen Venedig 
bringt, vnd da verkaufFt, und im Officio sein Messetaria davon bezalt, so hat 
er allweg von 100 Duc, so er dann gelöst hat am VerkauflFen, V^ Duc. 20 p(ic- 
coli) gut, di heyst man Denari Franchi. Was denn einer kaufft, es sey was es 



142 Geschichtliches. 



•i 



wenigstens bereits im Jahre 1572, ausserdem die sehr beträcht- 
liche Zollermässigung von 15 ^/o für eingeführte deutsche Waaren, 
,so man an dem Zoll wigt' und von 10 ^/o ,an all Wahren, so man 
an dem Zoll zeit, so die Herrschaft schenckt und nachlest' ^). Und 
ebenso von 10 ^/o bei der Ausführung venetianischer Waaren, wenn 
deren Preise genau angegeben 2). — Desgleichen wurde die Naz. Alem. 
im Jahre 1630 von einer ausserordentlichen Steuer befreit^) und am 
Ende des 17. Jahrhunderts noch weiter mit Steuernachlässen q. s. w. 
begnadet"*), die wir hier vorläufig übergehen können. Andere 
gelegentliche Privilegien oder Vergünstigungen betreffen die Art 
des Transportes oder gewähren Erleichterung des Verkehrs: z. B. 
vom Jahre 1521, dass die Deutschen mit jeder beliebigen Barke 
sollten ihre Waaren herbeischaffen lassen können ^) ; vom 1 7. Mai 
1531, dass die Felleisen deutscher Brief-Boten nicht geöffnet und 
durchsucht werden sollten''); vom 22. März 1539, dass die Ballen 
der Deutschen in Verona nicht geöffnet werden sollten') u. dgl. mehr. 
Nur die ächten Deutschen sollten also, sagten wir, nach 
der Meinung der Oberdeutschen im Vollbesitze aller dieser Privi- 
legien sein. Wer genauer unter jenen ächten Deutschen gemeint 
sei, erfahren wir aus späteren Schriftstücken: es sind die Kaufleute 
aus den Städten Augsburg, Nürnberg, Ulm, Strassburg, 



wöU, vnd di Messetaria dauon zalen wil, so zeucht man im ab den V2 Duc. 
"20 p., so vil einer derselben Denari Franci hat eingenommen. Allein am Piper 
lest man darumb niemand nichts abgehen. Item wenn derselben Franchi Denari 
mehr werden denn einer im Officio schuldig were, von dem was er gekauflFt 
het, so gehet im ab, so vil es trifft, vnnd was vberbleybt, darumb geben ihm 
di Schrivani ein Boleta. Hat er aber allein verkauflFt vnnd nichts gekaufft, 
vmb wievil Ducaten sein Rechnung im Officio innen helt, so vil Denari Franchi 
hat er gut, als V2 Duc. 20 p. per 100; da gibt man dir ein Boleta für, die 
magst du bezalen, vnd stund es zweintzig jar an. Vnd wenn einer wider kompt 
vnnd die Boleten weyset, so zeucht man im ab, wie oben stehet. Man kan 
auch keinem die Denari Franchi verkauffen noch abschreyben, so lest man sie 
keinem von deiner wegen abgehen, dann dem Namen der sie im verkauffen 
gemacht hat. Allein mit dem kauften mufs maus also heraufs ziehen'. — Aehnlich 
in der ,TarifFa' von 1572, f. 4': So dir Güter herein kommen, so magst vmb 
souil werth wider her gegen Güter hinaufs binden, daran hast du vortheil an 
dem Zoll grosch. 12 piceli 20 per Duc. 100 die valuta, so man minder zoll 
zalt, als wenn du kein Gut herein hast: das heist man Danari franchi . . . 
cf. Thomas, Milesio S. 90. — ^) Tariflfa f. 1'— 2, 27 u. öfters. — 2) ebda. f. 40' : 
,So man die Keuff justo in notta geit von all Wahren, so Teutsch hinaufs binden, 
vnnd der KauflFmann oder Sansser schwert, das so vil kost haben, so schlecht 
man ab an dem zoll 10 per cento di valuta, das man minder davon zoll zalt, 
dann das Gut kost, so die Herrschafft schenckt vnd nachlest. So man aber nicht 
schweren wil, so schlecht man die 10 per cento nit ab, vnd schlagen es die 
So(p)rastanti oder aufseher an, so es in nota nemen, nach dem sie für gut 
ansieht. Sollichs ist erstlich nur 6 per cento gewest. So hat man aber den 
zoll, der s(oldi) 3 per lira auflf das Zollgelt gerait, in dem 1561. Jar cressiert, 
vnd hergegen der teutschen Nation mehr 4 per cento abzuschlagen vergünt, 
per Conpenso . . .' cf. Thomas, Register zum Kapitular . . . 1. c. S. 42 zum 17. Sept. 
1551 und S. 63, 64 zu den Jahren 1560-61. — ^) s. Bd. I Nr. 735. - *) Elze bei 
Thomas, Milesio S. 90. — ^) Bd. I Nr. 696; Milesio S. 63; fälschlich zum Jahre 
1515. - «) Milesio S. 63. - ') ebda. S. 64. 



Geschichtliches. 143 

Frankfurt, Regensburg, Wien, Steyer, Salzburg^) und des 
von diesen Städten umschlossenen Territoriums, die sich als die 
einzigen vollberechtigten Insassen des Fondaco hinstellten, die allein 
im Besitze der ,drei Requisiti' seien. 

Es ist mir bisher nicht gelungen, einen Anhaltspunkt dafür 
zu finden, wann zuerst denn diese 3 requisiti erwähnt oder 
formulirt wurden. Ganz falsch ist es, wenn Milesio behauptet^), 
es hätte dieses Privilegium oder Vorrecht schon im Jahre 1418 
bestanden, indem der venetianische Senat auf Ansuchen des Herzogs 
Ernst von esterreich damals den Bürgern von Laibach dasselbe in 
gleicher Weise, wie es die Anderen besessen, eingeräumt habe. Es 
steht davon nicht eine Silbe in dem noch erhaltenen Aktenstück^) 
und kann auch nichts davon darin stehen, weil von einem solchen 
Privileg damals überhaupt noch keine Rede war, da ja vielmehr 
damals alle Kaufleute gleiche Rechte besassen. — Die Naz. Alem. 
selbst sagt in einem Schriftstücke vom Jahre 1652*), dass vor dem 
Jahre 1505 von den 8 requisiti keine Rede habe sein können, weil — 
freilich ein fadenscheiniger Grund! — erst damals die camere gebaut 
worden seien. Als ob es früher nicht auch solche gegeben! Ob etwa 
bei Einrichtung des neuen Hauses, vielleicht im Hinblick auf die 
,Viandanti', diese 3 requisiti aufgestellt worden, wird nicht angegeben. 
Wahrscheinlicher ist es mir, dass dies wenigstens entschiedener erst 
etwa 1578 nach dem Streite mit Ziliberti geschehen sein wird, 
wo wir auch zuerst von dem Unterschied zwischen ächten und nicht 
rechten Deutschen lesen ^), den damals allerdings wohl nur erst die 
deutsche Kaufmannschaft selbst aufstellte. Von Seite der Regierung 
wurde dann zuerst, soviel ich bis jetzt sehe, im Jahre 1597 ein 
solcher Unterschied gemacht. 

In diesem Jahre nämlich stellte der Rath der Stadt Dan zig 
schriftlich und mündlich durch einen Abgesandten an die venetianische 
Regierung das Ansuchen um Zulassung zum Fondaco^), indem sie 
zugleich die Naz. Alem. selbst bat ^), eine ihrem Vorhaben günstige 
Erklärung durch das General-Kapitel abgeben zu wollen. Wohl im 
Einvernehmen oder nach Anhören der Naz. Alem. erstattete der Senat 
dann den Danzigern folgenden Bescheid ^). Sie sollten in Bezug auf die 
Behandlung und Expedirung ihrer Waaren dieselben Vorrechte und 
Freiheiten u. s. w. gemessen, wie die übrigen im Fondaco wohnenden 
Deutschen; sie sollten überdies, worum sie ferner noch nachgesucht 
hatten, befreit sein für ihre Schiffe vom Ankerzoll, den andere fremde 
Schiffe entrichten mussten; sollten ferner Oel ausführen dürfen mit Be- 
zahlung der gewöhnlichen Zölle. Aber die Befreiung von der neuen 
Auflage wurde ihnen nicht gewährt, und ebenso nicht das Recht, im 
Fondaco selbst wohnen zu dürfen. Und zwar wurde diese abschlägige 



') s. Bd. I Nr. 761 S. 453. - ') Thoraas p. 61. — ') Capitolare p. 120 
c. 231. — *) Bd. I Nr. 773 S. 462. — *) cf. oben S. 137. - «) Thomas, Zur 
Quellenkunde S. 45—47. — ^) s. Bd. I Nr. 713. 



144 



Geschichtliches. 



Antwort damit motivirt, dass dies letztere Recht ,den Deutschen" 
eingeräumt sei und sich daher die Sache nicht ,in integro' befinde. 
Ohne den Vorrechten derer, denen schon früher jenes Wohnungs- 
privilegium ertheilt worden, entgegenzutreten, könne man in dieser 
Beziehung den üanzigern nicht gefällig sein. Sie müssten da mit 
dem guten Willen vorlieb nehmen. Ob die Danziger sich damit 
zufrieden gaben oder dagegen protestirten, vermag ich nicht an- 
zugeben. 

Aus dem Jahre 1601 ist uns ferner ein Schreiben des Nürnberger 
Rathes an die venetianische Regierung überliefert^), worin jener 
mittheilt, die in Venedig weilenden Nürnberger Kaufleute hätten 
sich darüber beschwert, dass in den Fondaco auch Kauf leute „anderer 
— welcher, wird nicht gesagt — Nationen" aufgenommen würden, 
and um Massregeln dagegen nachsucht. 

Des Weiteren ist dann einer Entscheidung zu gedenken, welche 
im ,Collegio' unter Zuziehung der ,Governadori delle Intrade' und 
der ,Cinque Savii alla Mercanzia' am 31. Januar 1605 getroffen 
wurde ^). Es hatten sich — offenbar mit Rücksicht auf jene ein- 
getretene Unterscheidung zwischen ächten und nicht ächten deutschen 
Kaufleuten — Zweifel erhoben, wo die letzteren ihre Zölle ent- 
richten sollten, ob im Fondaco (wo sie nicht wohnten) oder im ,Datio 
della intrada di terra', d. h. im Zollamt für alle sonstigen vom Festland 
eingeführten und dorthin auszuführenden Waaren — in welch' letz- 
terem Falle sie der mit dem Fondaco verknüpften Zollvergünstigungen 
nicht theilhaftig wurden. Nun wurde bestimmt, dass nur die 
,naturali Todeschi' des Fondaco, d. h. diejenigen, welche am 
Kapitel, an den Kammern und an der Tafel des Fondaco Antheil 
hätten, und ausserdem diejenigen, welche vom Senat besonders 
damit begnadet würden, ihre Zahlungen im Fondaco sollten ent- 
richten und dabei also der verschiedenen Vergünstigungen theil- 
haftig werden dürfen; alle anderen Kauf leute aber ihre Zölle im 
,Datio della intrada da terra' entrichten müssten. Als einige Monate 
später (im Juli 1605) zwei Brüder, Namens Holländer, aus Köln 
das Ansuchen stellten, dass ihre Waaren im Fondaco behandelt 
würden, wurde ihnen dies abgeschlagen, weil sie nicht im Besitze jener 
3 requisiti und den Consuln der Deutschen Nation im Fondaco über- 
haupt nicht bekannt seien ^). Möglich, dass diese Beiden oder dass 
Andere sich darüber beschwerten: genug, wir finden zum 15. Sep- 
tember 1607 eine neue Verhandlung und eine neue Entscheidung 
über diesen Punkt im venetianischen Senat*). Da wurde nun sehr 
richtig geltend gemacht, es sei nicht zweifelhaft, dass der Fondaco 
ganz allgemein für alle jene deutschen Kaufleute errichtet 
worden, welche Waaren aus Deutschland nach Venedig 
brächten und bringen könnten. Wenn lediglich diejenigen, 



1) Bd. I Nr. 714. — "") ebda. Nr. 719. — ^) ebda. Nr. 721. — ") ebda. 
Nr. 722. 



Geschichtliches. 145 

welche augenblicklich im Besitze der 3 requisiti (oder ,prehe- 
minenze') seien, des Benefiziums des Fondaco theilhaftig sein 
sollten, alle anderen deutschen Kaufleute aber, welche (weil nur 
vorübergehend in Venedig sich aufhaltend) keine eigene Kammer 
und keinen Antheil am Kapitel und an der Tafel besässen, vom 
Fondaco ausgeschlossen sein sollten: dann könnte und werde der 
Fall eintreten, dass, wenn einmal die augenblicklichen Besitzer aus- 
stürben, auch das Benefizium des Fondaco erlösche und der Fondaco 
überhaupt aufhöre. Nicht blos die augenblicklichen Be- 
nutzer, sondern überhaupt alle deutschen Kaufleute, welche 
nach den Vorschriften (welche eheliche Abstammung im dritten 
Glied verlangten) im Stande seien, die 3 requisiti zu erhalten, 
sollten ihre Waaren im Fondaco behandeln lassen dürfen. 

Dieser Entscheidung gemäss erhielten dann z. B. einige Wochen 
hernach, am 6. November 1607, und ebenso später am 30. April 1608 
die Beamten des Fondaco von den ,Cinque Savii sopra la mercanzia' 
den Auftrag, die Waaren zweier ehelich geborener Kölner Kauf- 
leute, eines Baptist Bergis und eines Jakob Hootschliger, im Fondaco 
abzufertigen — in derselben Weise wie am nämlichen Tage (und 
später am 17. Juni 1609) die von geborenen Nürnbergern ^). Und 
dasselbe Recht der Behandlung ihrer Waaren im Fondaco wurde 
mehreren Aachener Kaufleuten im Januar 1611 zuerkannt, die 
schon Ende 1607 darum nachgesucht hatten^), und mehreren 
Trientiner Kaufleuten am 30. Dezember 1618 von Neuem be- 
stätigt; den letzteren dabei zugleich der Antheil an Kammern, 
Tafel und Kapitel verweigert^), während wir Aachener dann auch 
im Besitze von Kammern im Fondaco finden^). 

Nichts Näheres ist mir über das Ansuchen der Stadt Wesel 
im Jahre 1644 bekannt, von welchem in einem Dokumente des 
Jahres 1649 die Rede ist^). Besser sind wir dann aber unterrichtet 
über einen grossen Streit zwischen der Nazione Alemana und einem 
Kölner aus den Jahren 1647 — 1652, der sich dann zu einem 
principiellen Streit über die Antheils-Berechtigung Kölns 
und der Niederdeutschen am Fondaco überhaupt erweiterte. 

Es war im Jahre 1644 ein in Köln (1626?) , ehelich und 
ehrlich geborener" Kaufmann, Namens Abraham Spillieur*^), in 
den Fondaco aufgenommen worden — wie später von oberdeutscher 
Seite behauptet wurde, weil man damals seine Vaterstadt nicht 
gekannt. Denn als es sich nach 3 Jahren herausstellte, dass Abraham 
Spillieur ein Kölner sei, erhielt er von den damaligen, inzwischen 
neu gewählten, Consuln den Befehl, den Fondaco zu verlassen, weil 
Köln in Niederdeutschland lieffe und kein Anrecht an den Fondaco 



') Bd. I Nr. 723, 728, 729. - ^) ebda. Nr. 724-727, 730, 731. — ^) cf. unten 
S. 151, 152. — *) Bd. I Nr. 771; cf. Thomas, Milesio S. 67. - *) ebda. Nr. 759. — 
**) Der Name wird sehr verschieden angegeben : Spillieur, Spillieurs, Spilleurs etc. ; 
ich wähle die erste Form mit Rücksicht auf die Unterschrift in Bd. I Nr. 779. 

10 

% 



146 Geschichtliches. 



habe. Der äussere Anlass und der ganze Hergang der Vertreibung 
Spillieurs war, wie Herr Pfarrer Elze mir aus den darüber noch 
erhaltenen Sitzungsprotokollen der Nazione Alemana mitzutheilen die 
Freundlichkeit hatte, folgender. 

In einem am 15, August 1647 gehaltenen Kapitel der 6 Aelteren 
wurde vorgebracht, dass Abraham Spillieur eine Partie Ebenholz 
diPonente empfangen und dieselbe, obschon in der Dovana(= Dogana) 
dimar spedirt, gleichwohl in denFondaco unter die portichi habe legen 
lassen. Es wird verfügt, dass er es wiederum aus der Corte räumen, 
und hinfür Keiner Waaren unter die Portichi legen soll, die ausser 
dem Fondaco spedirt (d. h. ausserhalb des Fondaco behandelt) 
werden. Weil ferner „gemeldter Spillieur vor diesem etliche Mal 
seinen Jungen (giovine, d. i. Diener) an die Tafel geführt und nie 
bewiesen, ob er ein recht geborner Hochdeutscher sei, soll den 
Küchenherren auferlegt werden, die längst begehrte fede (Geburts- 
schein) von ihm abzufordern und solche in's nächste Kapitel zu 
bringen, damit es der Nation zu praejuditio nit weiter verschoben 
werde". Da aber Spillieur sich weigerte, das Ebenholz aus dem 
Hause zu führen, wenn es ihm nicht von einem General-Kapitel 
auferlegt werde, wurde er am 20. August 1647 in das Kapitel der 
6 Aelteren gerufen und ihm schliesslich bis ultimo Frist zur Weg- 
führung des Holzes sowie bis Ende des Jahres zur Beschaffung der 
fede für seinen Jungen gegeben. 

Aber schon am 10. September 1647 fand in dieser Angelegen- 
heit ein General-Kapitel statt, und da wurde nun vorgebracht: Herr 
Anton Hopfer, als gewester Küchenherr, habe vor etlichen Tagen 
einen Forestiere, so Abraham Spillieur zu Gast geladen und ein 
Kölner sein solle, an die Tafel gehen lassen, das ihm doch vorher 
(von den Consuln) untersagt worden und das Kapitular vorgelegt 
worden, dass die Kölner als Niederdeutsche an ansre Tafel keinen 
Zugang haben können; gleichwohl nichts geholfen, sondern vorgeben, 
er als „Consolo sogenannter Küchenherr liesse sich von den Consoli 
nichts einreden, sondern er wolle denjenigen per forza an die Tafel 
gehen lassen". Zur Strafe für seinen Ungehorsam wurde er auf 
2 Monate „bandisirt", d. h. von Tafel, Küche, Keller und Kapitel 
ausgeschlossen. Ausserdem wurde aber zu gleicher Zeit in dem 
nämlichen General-Kapitel gegen Spillieur vorgegangen. „Nachdem 
sich vermög unserer Capitulary befindet, dass keiner von Colin in 
,Niderteutschlandt ligent' die Freiheiten des Deutschen Hauses 
gemessen kann, wie andere Hochdeutsche, ausser was die Spedition 
der Güter anlangt, daher wir keinen von selbigem Ort zu admittiren, 
sondern vielmehr zu trachten, da disordini bei der löblichen Nation 
eingeschlichen, solchen nunmehr vorzukommen, und weil (wir) sehen^ 
dass H. Abraham Spillieur seit Anno 1644 das Deutsche Haus 
besitzet, da er doch bisher die gebräuchlichen requisiti nit gewiesen, 
noch durch Ballotation von dem Capitel approbirt worden, wann (da) 
nun dergleichen inconvenienti um mehrerer consequenz länger nit 



n 



Geschichtliches. 147 

zu gedulden: als (so) ist determinirt, dass detto H. Spillieur, da er 
seine rechte requisiti nit aufzuweisen, soll er ferner unsere Freiheiten 
des Deutschen Hauses nit geniessen, wie andere rechte natürliche 
Deutsche und wie sie von den legge ,abraciert' werden, doch mit 
der condition, da er länger die beneficii der Nation geniessen will, 
soll er in den nächsten 3 Monaten uns ausführlich beweisen, dass 
er vom dritten Glied ein recht geborner Hochdeutscher sei, wie 
gebräuchig von denjenigen, so vorher bei uns nit fähig erkannt 
worden. Unterdessen soll er die Kapitel, Tafel, Küche und Keller 
nit geniessen, da es ihm aber beliebt, die 3 monate über in der 
Kammer zu wohnen, soll es dem freistehen; da er aber die begehrte 
requisiti nit auflegen wird, hat er solche gleichfalls zu räumen" ^). 
Allein Abraham Spillieur war nicht gewillt, dieser Entscheidung 
sich ohne Weiteres zu fügen; er wandte sich durch seinen Mit- 
bürger Johann Pelser ^) schutzflehend an den Rath seiner Vaterstadt. 
Und dieser beschloss, für dessen und der eigenen Stadt Recht voll 
einzutreten. Er protestirte in einem Schreiben (vom 7. August 1648)^) 
an den Dogen entschieden gegen eine solche Vergewaltigung. 
Abraham Spillieur sei in den Fondaco aufgenommen worden, 
nachdem bezüglich seiner Herkunft und ehelichen Geburt die 
nöthigen Zeugnisse beigebracht worden, und unter Zustimmung 
des General-Kapitels. Die von dem neuen Consulat statuirte Schei- 
dung zwischen Ober- und Niederdeutschland sei ganz unstatthaft 
und habe nicht im Sinne der Gründer und Stifter des Fondaco 
gelegen. Auch seien früher und erst jüngst Kaufleute aus ihrer 
Nachbarstadt Aachen in den Fondaco und zum vollen Genuss von 
dessen Privilegien zugelassen worden, welche demselben Westfälischen 
Kreise angehöre und ebenfalls in Niederdeutschland liege, wie Köln, 
das doch nicht geringer zu achten sei, als die Nachbarstadt. Der 
Kölner Rath ersuchte daher den Dogen am Schlüsse, nicht blos dem 
Spillieur zu seinem Rechte zu verhelfen, sondern auch ein für alle 
Mal zu erklären, dass die Kölner befähigt und berechtigt seien, im 
Fondaco sowohl zu handeln als auch zu wohnen und an allen Pri- 
vilegien, Immunitäten u. s. w. Antheil zu haben, die damit verbunden 
seien. — Vorher schon (am 3. und 10. April 1648)*) hatte sich der 
Kölner Rath an den von Augsburg mit der Bitte gewendet, er möge 
in Venedig die Rückgängigmachung des gegen Spillieur erlassenen 
Ausweisungsbeschlusses erwirken, da der Rath von Augsburg selbst 
dem von Köln mitgetheilt hatte, er weigere sich der Ausschliessung 
zuzustimmen. Auch der Rath von Nürnberg scheint nach einer 
gelegentlichen Notiz zuerst für die Berechtigung der Kölner eine 
Erklärung abgegeben zu haben ^). Dann aber lesen wir bald darauf, 

') cf. Bd. I Nr. 779 S. 471. — ") ebda. Nr. 754, 755. - ') Ennen, 
,,Die Stadt Köln und das Kaufhaus der Deutschen in Venedig", in der Monats- 
schrift für rheinisch-westfälische Geschichtskunde, Jahrg. I S. 1.S3. — *) s. Bd. I 
Nr. 753, 754; Ennen S. 119 gibt fälschlich den 10. August an. - *) Bd. I 
Nr. 750 u. 779, S. 472 



148 Geschichtliches. 



n 



dass die RathskoUegien der oberdeutschen Städte, deren Kaufleute 
den Hauptbestandtheil der Nazione Alemana im Fondaco ausmach- 
ten, auf Bitten ebenderselben zu deren Gunsten gegen die Nieder- 
deutschen auftraten. Wenigstens von den Nürnberger, Ulmer und 
Kegensburger Kaufleuten können wir es ganz bestimmt nachweisen, 
dass sie bei dem Rath ihrer Vaterstadt anfragten, was dort über 
das Verhältniss Köln's zum Reiche und über dessen Anrecht an 
den Fondaco bekannt sei. Die Antwort (vom 2., 10. und 12. März 1648) 
lautete^): Köln gehört wohl zum Reiche, aber zu Niederdeutsch- 
land; die Privilegien des Fondaco sind aber nur für die Oberdeutschen 
erlassen — daher sind die Kölner auszuschliessen ! Ob auch die 
übrigen oberdeutschen Insassen des Fondaco sich von ihren Heimaths- 
städten Aufschluss erbeten, ist zwar bis jetzt nicht erwiesen, aber 
sehr wahrscheinlich. Hingegen scheint es nicht richtig, dass, wie 
Ennen meint^), „inFolge solchen Ansuchens am 14, September 1649 
in Nürnberg Abgeordnete der Städte Augsburg (Christoph von Stetten), 
Frankfurt (Franciscus^) Steinglinus), Ulm (Syndicus Dr. Sebastian Otto) 
und Nürnberg (Senator Georg Imhof) zusammengetreten seien, um 
durch ein gemeinschaftliches Anschreiben an den Dogen die An- 
erkennung des ausschliesslichen Anrechtes der süddeutschen Städte 
an den Fondaco zu erwirken". Wie wir aus den im Nürnberger 
Kreisarchiv darüber vorhandenen Materialien ersehen, war der 
unmittelbare Anlass zu dieser Konferenz ein anderer. 

Mit dem Fall Spillieur vermengte sich nämlich ein anderer, 
über welchen Herr Pfarrer Elze mir gleichfalls einige Notizen zu- 
kommen zu lassen die Güte hatte. Ein geborener, ächter Hoch- 
deutscher, Caspar Mangolt, aus Kaufbeuern war von da aus- 
gewandert und Bürger in Basel geworden. Es wurde nun in Venedig 
die Frage aufgeworfen, ob er trotzdem noch das Benützungsrecht am 
Fondaco besitzen solle und könne oder ob er desselben als nun- 
mehriger Bürger von Basel nicht verlustig gegangen sei*) — womit 
sich natürlich weiter die Frage nach dem Anrecht Basels an den 
Fondaco überhaupt verknüpfte. In dem Schreiben vom 14. oder 
20. September 1649, welches die Vertreter jener oberdeutschen Städte 
an die venetianische Regierung richteten ^), wurde diese Frage für 
die ganze Schweiz verneint, da dieselbe erst neuerdings durch den 
Friedensschluss von Münster und Osnabrück dauernd vom Reiche 
getrennt worden sei. Dabei wird dann allerdings zu gleicher Zeit 
in dem nämlichen Schreiben auch den niederdeutschen Städten jedes 
Anrecht an Mitbenützung des Fondaco abgesprochen und die Be- 
hauptung aufgestellt, dass „nach altem Herkommen und dem gelten- 
den Brauche zufolge nur die Bewohner des durch die Städte Augs- 
burg, Strassburg, Regensburg, Nürnberg, Frankfurt, Ulm und Lindau 
umschlossenen Distriktes zur Benützung des Fondaco berechtigt seien". 



») Bd. 1 Nr. 751. - ') a. a. 0. S. 119. - ^) nach Bd. I Nr. 756: Zacharias. 
*) Bd. I Nr. 756—764 — ^) ebda. Nr. 763, 764, 756; cf. Ennen a. a. 0. S. 120. 



Geschichtliches. 149 

Ueber den weiteren Verlauf des Falles Mangolt theilt mir 
dann Herr Pfarrer Elze mit, dass am 1. August 1650 vom General- 
Kapitel in Venedig der Beschluss gefasst wurde, Herrn Caspar 
Mangolt die Privilegien wie früher geniessen zu lassen, doch ohne 
Präjudiz für seine Kinder, welche keineswegs ihrem Vater gleich 
admittirt werden sollen. In einem General-Kapitel vom 26. August 
1653 ersuchte hierauf Mangolt schriftlich und mündlich, seinen Kindern, 
obwohl in Basel geboren, nicht als Schweizern, sondern als Nach- 
kommen einer alten hochdeutschen Familie die vollen Rechte des 
Fondaco zuzuerkennen, wie es auch in anderen ähnlichen Fällen 
geschehen sei. Dieselben wurden dann zugelassen. 

Was aber die Kölner Streitsache betrifft, so hatte der Doge 
das Schreiben des Kölner Rathes vom 7. Augast 1648 dem Kollegium 
der Cinque Savii zur Begutachtung übergeben und in gleicher Weise 
die Visdomini des Fondaco aufgefordert, „über das wirkliche oder 
vermeintliche Vorrecht der Oberdeutschen Bericht zu erstatten" ^). 
Das Gutachten der Visdomini lautete zu Gunsten der Oberdeutschen ^). 
Der Kölner Rath aber hatte sich inzwischen an andere niederdeutsche 
Städte um Auskunft gewendet. Namentlich der Aachener Rath 
bestätigte in seiner Antwort vom 24. Mai 1650^), dass aus der 
Stadt Aachen Mathias Van-CöUn 1624, Caspar Ingelbrecht 1632, 
Paulus Ramaecker 1645 und Jodocus Pelsser 1648 Kammern im 
Fondaco innegehabt hätten. So berief sich denn der Kölner Rath 
in einem neuen Schreiben vom 29. September 1651 an den Dogen*) 
ausdrücklich auf das Beispiel der Aachener, um gegen das ausschliess- 
liche Anrecht der Oberdeutschen zu protestiren und die Berechtigung 
der eigenen Stadt an den Fondaco zu erhärten. Wie schon Ennen 
berichtet hat, ist es dann zu einem förmlichen „Prozess" in Venedig 
gekommen, wobei „das Interesse der Stadt Köln" durch den Agenten 
Dr. juris Faustus de Nigris vertreten wurde ^). Es gelang dem- 
selben, sich die Abschrift eines (oder wie wir, denen es ja be- 
kannt ist, sagen dürfen) des Statuts vom 31. August 1475*^) zu ver- 
schaffen, in welchem allen Einwohnern des gesammten deutschen 
Reiches, Ober- wie Niederdeutschlands, das Recht zuerkannt wird, 
die Vortheile des Fondaco zu geniessen". Gerade unter Berufung 
auf jenen Erlass vom 31. August 1475 hat dann, nachdem der Streit 
lange Zeit unerledigt und unentschieden geblieben — beide Theile 
boten, wie ersichtlich. Alles auf, um eine für sich günstige Ent- 
scheidung herbeizuführen '') — der Senat Venedigs am 5. Oktober 
1652 zu Gunsten der Auffassung Köln's entschieden, dass sowohl die 
Ober- wie Niederdeutschen und unter den letzteren speziell die 
Kölner Zutritt zum Fondaco und das Recht auf Antheil an den 



') Ennen a. a. 0. S. 120; cf. Bd. I Nr. 765. — ^) Dasselbe ist leider undatirt; 
8. Bd. I Nr. 771. - ') Bd. I Nr. 767. - ") Ennen a. a. 0. S. 135. - ') cf. Bd. I 
Nr. 768, 769. - •"') s. Ennen S. 126 und Capitolare p. 227 c 13. — ') Bd. I 
Nr. 770 ff. 



150 Geschichtliches. 



Kammern, an der Tafel und am Kapitel besässen und besitzen sollten 
Dieser zunächst an die Cinque Savii und an die Visdomini gerichtete 
Bescheid wurde unter dem gleichen Datum vom Dogen dem Kölner 
Rath mitgetheilt, worauf dieser am 6. November mit einem Dank- 
schreiben erwiderte ^). 

Allein die Oberdeutschen im Fondaco gaben sich damit nun 
ihrerseits nicht zufrieden und protestirten gegen diese Entscheidung. 
Sie wiesen in einer Eingabe, welche zwischen 5. Oktober und 
16. November 1652 fallen muss, namentlich daraufhin^), dass Köln 
zu den Hansastädten gehöre und dass, was der einen zugestanden 
worden, den anderen nicht werde abgeschlagen werden können. So 
werde es dahin kommen, dass, um für die , Fremden" Platz zu 
schaffen, ihre eigenen Nachkommen würden ausgeschlossen werden 
müssen, ungeachtet dessen, dass sie, die Oberdeutschen, doch so oft 
freiwillig der Republik Beihülfe mit Geld und Gut geleistet hätten. 

Daraufhin beschloss der Senat am 16. November 1652, seine 
jüngst getroffene Entscheidung zwar nicht gänzlich umzustossen, aber 
etwas zu modifiziren. „TJm die Nazione Alemana, die stets so viel 
Ergebenheit gegen die Republik an den Tag gelegt, einigermassen 
zu befriedigen" ^), sollten Niederdeutsche — mit Ausnahme der 
Kölner — in Zukunft nicht ohne Weiteres zum Fondaco zugelassen 
und in denselben aufgenommen werden; sondern es sollte, wenn ein 
derartiges Ansuchen von einem Niederdeutschen gestellt würde, die 
Nazione Alemana, d. h. prägnanter also die oberdeutsche Kaufmann- 
schaft des Fondaco, vorher darüber vor dem Senat ihr Gutachten 
abgeben, und dann erst, also gewissermassen ,von Fall zu Fall", 
entschieden werden. — 

Nachdem wir so den Verlauf des Streites dargelegt haben, mag 
es gestattet sein, auf die Rechtsfrage noch etwas näher einzugehen. 
Eines darf jedenfalls von vorneherein als sicher bezeichnet werden : 
Ganz unrichtig und falsch ist es, wenn der Ulmer, Nürnberger und 
Regensburger Rath im Schreiben vom März 1648 behauptet hat*), es 
seien gar niemals Niederdeutsche in den Fondaco zugelassen worden. 
Um vom alten Gebäude nicht zu reden, wo nach dem unanfechtbaren 
Augenzeugniss Arnolds von Harff^) noch 1497 Ober- und Nieder- 
deutsche in gleicher Weise Kammern im Hause inne hatten: auch die 
Liste der Miether vom Jahre 1508 und selbst die vom Jahre 1646/47 
zeigt Ober- und Niederdeutsche im Besitze von Kammern und 
Gewölben^). Wir wissen nicht, ob man in Ulm und Regensburg 
eingehender über die ganze Frage verhandelt hat; jedenfalls fehlt 
in dem berührten Schreiben jede nähere Begründung der aus- 
gesprochenen Ansicht. Ernst nahm man die Frage, Avenigstens den 



4 



1) Bd. I Nr. 772, 774; 775 und Ennen a. a. 0. S. 137. - ^) ebda. Nr. 773. 
— ^) ,Converiiente si riconosce il render in qualche parte consolata la natione 
Alemana^ Bd. I Nr. 776 S. 466. — ") Bd. I Nr. 751. - *) cf. oben S. 71. - 
«) Bd. I Nr. 653, 658, 748. 

¥ 



Geschichtliches. 151 

oben erwähnten, mit hineinspielenden Fall Mangolt, offenbar in 
Nürnberg, wo verschiedene Rathsherren darüber ihre Gutachten 
abzugeben hatten und dies in eingehender Weise thaten^). Wir 
ersehen daraus, dass es eigentlich ein Privileg vom Jahre 1507 war, 
worauf man sich von oberdeutscher Seite berief, um das alleinige 
Anrecht an den Fondaco zu erweisen. Das war nun freilich unglück- 
licherweise damals in Nürnberg gar nicht zur Hand, und mit Recht 
warnte daher einer der Rathsherren vor einer Uebereilung, damit 
man nicht wie in einem früheren Falle (betreffs der Stadt Wesel) 
hinterdrein zum Eingeständniss eines Irrthums sich genöthigt sehe ^) : 
ein Rath, der aber schliesslich ebensowenig beachtet wurde als die 
vorgebrachten Bedenken, warum man denn jetzt gerade jenes Privi- 
legium so eng „restringiren" wolle und dass man doch nachforschen 
müsse, ob nicht früher auch Andere zum Fondaco zugelassen wor- 
den. So bewegt sich denn auch das Gutachten der vier Städte an 
den Dogen vom September 1649 ^) nur in allgemeinen Ausdrücken. 
Wir aber kennen das Privileg vom Jahre 1507''^), und da ist nicht 
im Geringsten die Rede von einem Unterschied zwischen 
Ober- und Niederdeutschen, sondern vielmehr von allen Kauf- 
leuten deutscher Nation überhaupt. Es haben auch weder die Vis- 
<iomini noch die oberdeutschen Insassen des Fondaco hernach in 
ihren Gutachten und Eingaben irgend darauf Bezug genommen. 

Was aber diese selbst nun vorbringen, kann meines Erachtens 
ebenfalls in keiner Weise als stichhaltig bezeichnet werden. Wenn 
die Letzteren, die Oberdeutschen, in ihrer Eingabe gegen die Ent- 
scheidung der Regierung vom 5. Oktober 1652 protestirend bemerken^), 
dass in den früheren Verordnungen aus dem 15. Jahrhundert vom 
Jahre 1418 für die Laibacher oder vom Jahre 1426 für Savoyen 
oder in jener vom Jahre 1475 nicht vom Antheil an Kammer, Tafel 
und Kapitel die Rede sei, so ist das sehr erklärlich. Denn das 
verstand sich eben damals ganz von selbst. Wer zum 
Fondaco von der Regierung zugelassen wurde, trat (abgesehen von 
den Krämern) damit zugleich in den Genuss aller dieser mit dem 
Fondaco verbundenen Rechte. Denn, wie es ja noch 1474 aus- 
drücklich von Seite der Augsburger betont wurde: es bestand 
keinerlei Unterschied zwischen den deutschen Kaufleuten; 
jeder, wer ein gelernter Kaufmann war, hatte gleiche Rechte u.s.w.*^). 

Wenn die Oberdeutschen und die Visdomini sich dann weiter 
auf das Beispiel der Danziger (1597) und der Trientiner (1618) 
berufen '') , denen nur das Recht der Behandlung ihrer Waaren im 
Fondaco zugestanden worden sei, nicht aber die Theilnahme an 
Kammern, Tafel und Kapitel im Fondaco, so ist das wohl richtig. 
Aber es muss doch bemerkt werden, dass jene ausdrücklich 
darum gar nicht nachgesucht — die Ersteren vielmehr nur allgemein 



') s. Bd. I Nr. 756-764. — ') ebda. Nr. 759. - ') ebda. Nr. 763. - *) ebda. 
Nr. 652. - **) ebda. Nr. 773. — «) s. oben S. 86. — ') Bd. I Nr. 771 u. 773. - 



} 



152 Geschichtliches. 

um Zulassung zum Fondaco, die Letzteren um Bestätigung der 
früher schon erhaltenen Vergünstigung, , hinsichtlich der Waaren 
und Personen, wie die übrigen Deutschen, behandelt zu werden" ^). 
Die venetianische Regierung hat dann, weil die Oberdeutschen in 
ihrem Gutachten mit Bezug auf den eben erwähnten Ausdruck „Per- 
sonen" sogleich vorsorglich gegen die Ausdehnung jener Bewilligung 
auf Kammern etc. protestirte, einen diesbezüglichen Passus hinzu- 
gefügt, ohne jede nähere Begründung und ohne einen Gegensatz 
zwischen Ober- und Niederdeutschen auszusprechen. Gegenüber den 
Danzigern konnte die Naz. Alem. ihren Protest damit rechtfertigen, 
dass dieselben wohl damals erst überhaupt mit Venedig in Handels- 
beziehungen treten wollten; den Trientinern gegenüber mag die 
Erinnerung an den Streit mit Ziliberti nachgewirkt haben. 

Von Seite der Visdomini ist dann aber gerade auch noch das 
Beispiel der Kölner gegen die Berechtigung der Niederdeutschen 
angeführt worden, indem sie behaupteten, dass die ,Cinque Savii 
sopra la mercanzia' durch eine Entscheidung vom 28. Juli 1605 
(unter Berufung auf eine frühere vom 31. Januar 1605) die Kölner 
nicht für ächte (naturali) Deutsche gehalten und deshalb bestimmt 
hätten, dass ihre Waaren im ,Datio delP Intrada' und nicht im Fondaco 
behandelt werden sollten^). Hier sind wir nun in der Lage, etwas 
schärfere Kontrolle zu üben. 

Dass die Kölner im 15. Jahrhundert, wie alle anderen Deutschen, 
den Fondaco benützten, haben wir früher gesehen. Desgleichen aller- 
dings auch, dass sie schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts mit den 
oberdeutschen Städten in Streit gerathen waren ; und dieser Gegensatz 
tritt auch später noch öfters zu Tage. Am Ende des 15. Jahrhunderts 
lesen wir von Differenzen zwischen Kölnern und den Oberdeutschen, 
welch' letztere einen gewissen Heinrich Rummel aus seiner Kammer 
im Fondaco zu vertreiben suchten, so dass der Kölner Rath am 
3. Oktober 1497 sich mit der Bitte um Schutz an den Dogen wandte^). — 




^) Die Bemerkung Predelli's zu Milesio's ganz irriger Notiz (Thomas S. 67) 
scheint nach dem Wortlaut der mir durch Herrn Dir. Cecchetti gütigst in Ab- 
schrift übersandten Eingabe der Trientiner (im Venet. Staatsarchiv ,Cinque 
Savii alla Mercanzia, busta ,Fondego dei Tedeschi' no. 70 parte 4') nicht ganz 
richtig. Ich entnehme daraus, dass mehrere in Venedig wohnende Trientiner Kauf- 
leute um diese Bestätigung nachsuchten, weil in Folge eines Irrthums der Kardinal 
von Trient bei der venetianischen Regierung Schritte gethan hatte, dass seine Unter- 
thanen ihre Zahlungen nicht im Fondaco zu entrichten hätten. — ^) Bd. I Nr. 771. 
— ^) Ennen a. a. 0. S. 127. Pro parte fidelis nobis dilecti civis nostre civitatis 
Coloniensis Henri ci Rummel gravi cum querela extitit publicatum, quod licet 
ipse Henricus unacum patre, fratribus et parentibus suis dudum et ad plures annos 
fuerit in possessione pacifica ac quieta cujusdam camere cum quadam testudine 
ac aliis commodis et pertinentiis ejusdem in domo Alamanorum infra inclitam 
civitatem Venetiarum sitis, .... niehilominus nonnulli alii ex Alamania alta 
etiam Venetiis negotia sive mercimonia sua exercentes nullo jure ad hanc cameram 
suffulti, quo tarnen spiritu ducti nesciatur, eundem Henricum civem nostrum 
hujusmodi camere cum suis testudiue et pertinentiis nituntur atque nisi sunt 
possessione privare. 



Geschichtliches. 153 

Auch im neuen Hause finden wir unter den ersten Miethern Köl- 
ner : den Antonius PafiFendorf, einen Gotthard Michercheni und noch 
zwei Andere ohne Familiennamen ^). Desgleichen 1562—1563, wo es 
wiederum Reibereien zwischen den Kölnern und Oberdeutschen gegeben 
hat 2). Als damals der Kölner Rath die bis dahin von dem Kölner 
Heinrich Helman im Fondaco innegehabte Kammer den Brüdern Wein- 
hold und Johannes Moer (Moir, Mohr?) und jhrer Gesellschaft zur Be- 
nützung sammt dem Genuss aller Privilegien überweisen lassen wollte» 
wurde von einigen Insassen des Fondaco (vermuthlich oberdeutschen) 
dagegen geltend gemacht, Helman habe seinen Platz bereits früher 
,quibusdam nepotibus suis ex filio Norimbergio oriundis' abgetreten. 
Das ersehen wir aus einem Schreiben des Kölner Rathes an die vene- 
tianische Regierung vom 10. August 1562 und 28. Januar 1563, 
worin zugleich bemerkt wird, die Gegner der Moer hätten ausser- 
dem noch „Manches nicht zur Sache gehöriges" vorgebracht, wo- 
gegen eben der Kölner Rath protestirt, indem er sich zugleich 
nochmals für die Brüder Moer verwendet. 

Was aber weiter die von den Visdomini angeführte Entschei- 
dung der ,Cinque Savii' vom 28. Juli 1605 betrifft: was besagt die- 
selbe denn eigentlich ^) ? Am 31. Januar war entschieden worden: nur 
die ,naturali' Thodeschi d. h. diejenigen, welche Antheil am Kapitel, 
an den Kammern und an der Tafel des Fondaco haben, und ausser- 
dem diejenigen Kaufleute, welche vom Senat damit begnadet würden» 
sollen der Vergünstigung theilhaftig sein, dass ihre Waaren im Fondaco 
(statt im Zollamt ,della Intrada') behandelt würden, d. h. dabei alle 
Vorrechte und Vergünstigungen geniessen, welche hiermit verbunden 
waren ; alle Anderen aber sollen ihre Zahlungen dem Datio d'intrada 
da terra entrichten (d. h. ohne die Vergünstigungen des Fondaco 
geniessen zu können) '*). . Nun kommen zwei Brüder Thomas und 
Alexander Holländer , geborene Kölner , und verlangen , dass ihre 
Waaren im Fondaco behandelt und sie dabei aller Privilegien 
theilhaftig werden sollen, welche die ,Nazione Alemana' geniesst. 
Dies wird ihnen abgeschlagen. Und wie motiviren die Cinque Savii 
ihr ablehnendes Votum vom 28. Juli 1605?^) ,non vedendosi il detto 
comparente haver li requisiti (sopradetti) , non essendo neanche 
conosciuto dalli SSri. Capi sive Cottimieri di esso fontego' — weil 
die Petenten die 3 requisiti nicht besitzen (wie es die Entscheidung 
vom 31. Januar 1605 verlangt) und sie überhaupt den Cottimieri 
nicht bekannt seien. 

Steht hier nun irgend etwas von dem, was die Visdomini 
darinnen erblickten? War dies eine prinzipiell gegen die Kölner als 
Nicht-Deutsche gerichtete Entscheidung? Keineswegs, sondern ledig- 
lich die Abweisung zweier einzelner Kölner, welche die festgesetzten 
Bedingungen nicht besassen — vermuthlich, nachdem sie gar nicht darum 



') Bd. I Nr. 653. — ^) Enn6n a. a. 0. S. 128-131. — ') Bd. I Nr. 721. 
") ebda. Nr. 719. 




154 Geschichtliches. 

nachgesucht und überhaupt erst kurz vorher nach. Venedig gekommen 
waren. Es ist gewiss sehr charakteristisch, dass die Oljerdeutschen 
in ihrer späteren Eingabe von diesem Argument gar keinen Gebrauch 
machten, weil sie wohl selbst fühlten, dass es nicht stichhaltig sei. 
Und was noch als bedenklicher bezeichnet werden muss, ist dies, 
dass diese Entscheidung vom 31. Januar 1605 durch die spätere vom 
15. September 1607 ^) vollständig aufgehoben worden ist, und 
davon sagen die Visdomini keine Silbe! Es begreift sich daher 
wohl, dass die Regierung auf dieses einseitige, den Thatbestand 
geradezu verdunkelnde und entstellende Gutachten ihrer Beamten 
bei ihrer endgültigen Entscheidung kein Gewicht legte, demselben 
keine Rücksicht schenkte. Im direkten Gegensatz zu den Visdomini 
haben überdies auch die Oberdeutschen, die ,Nazione Alemana', selbst 
in dem General-Kapitel vom 10, September 1647 ausdrücklich zu- 
gestanden^), dass die Kölner das Recht der Expedirung ihrer 
Waaren im Fondaco besässen, was die Visdomini den Kölnern ja 
gleichfalls nicht hatten zuerkennen wollen. Die Nazione Alemana aber 
hat sich gegen den Anspruch der Kölner auf die 3 requisiti lediglich 
auf ihre — Kapitularien berufen, „vermöge deren sich befinde, 
dass keiner von Köln in Niderdeutschland ligent, die Freiheiten des 
deutschen Hauses ausser der Spedition geniessen könne, wie andere _^ 
Hochdeutsche". Auch das ist unrichtig. Hätte die Nazione ihre jfll 
Kapitularien genauer angesehen, so würde sie nicht blos den i 
entgegenstehenden Beschluss vom 15. September 1607, sondern auch 
gefunden haben, dass in der Liste von 1508 gleichfalls Kölner als 
Miether von Kammern aufgeführt werden; und ebenso wird in der 
von 1640 ein Vertreter des Balthasar Van-Cöllen aus Köln als im 
Fondaco wohnend bezeichnet^). 

So liegt, soweit ich auf Grund des bis jetzt bekannten Materials 
zu urtheilen vermag, durchaus keine, irgend näher zu bezeichnende, 
rechtlich gültige Entscheidung der venetianischen Regierung vor, 
welche gegen das Anrecht Kölns und der Niederdeutschen auf den 
vollen Genuss des Fondaco mit allen Privilegien hätte geltend 
gemacht werden können oder geltend gemacht worden wäre; und 
meines Erachtens war es ganz zutreffend, dass die Regierung zuletzt 
auf ihren Erlass vom Jahre 1475 zurückgrifi", der durch keinen 
anderen aufgehoben war. Es ist ja auch bezeichnend, dass der 
Rath von Augsburg und Nürnberg (1648) dieses Recht Kölns ur- 
sprünglich anerkannte und wohl erst auf Weisung seiner Kaufleute 
im Fondaco diese Ansicht änderte. 

Von den Oberdeutschen im Fondaco also ist, wie früher 
gesagt*), diese Scheidung ausgegangen. Was konnte denn nun aber 
diese dazu berechtigen, einen solchen Gegensatz aufzustellen? In 
erster Linie wohl das numerische Ueberge wicht, in welchem sie 



1) Bd. I Nr. 722. — -) cf. oben S. 14ß. — ') Bd. I Nr. 743. — ") cf. oben 
S. 143. 

jr 



Geschichtliches. 155 

sich den Niederdeutschen gegenüber im Fondaco stets befanden. 
Vielleicht hat dazu auch beigetragen die Veränderung, die in der 
Benützungsart des Fondaco nach dem Brande eintrat, deren wir 
früher gedacht ^). Dadurch, dass Kammern und Gewölbe im neuen 
Hause nun von Anfang an pro Jahr vermiethet wurden, fand ja 
wohl kein so häufiger Wechsel mehr statt als früher im alten Hause, 
wo die Mehrzahl nur vorübergehend sich aufhielt. Mehr und mehr 
konnte und mochte sich deshalb hier ein fester Stamm von Benutzern 
bilden, welcher nach den allgemeinen Verhältnissen überwiegend aus 
Oberdeutschen bestand und mehr und mehr den ganzen Fondaco 
besetzte. Und was geschah denn überhaupt mit jenen deutschen 
Kaufleuten, die da etwa neu nach Venedig kamen und nicht auf ein 
Jahr die Miethe zahlen, überhaupt nur kürzer verweilen wollten? 
Im Mittelalter hatte die Regierung jeden Kaufmann behufs 
besserer (Jeberwachung gezwungen, im Fondaco abzusteigen, und 
schon deshalb für raschen Wechsel in der Benützung der Kammern 
im Allgemeinen Sorge tragen müssen^). Das scheint in der neuen 
Zeit seit dem Brande auch anders geworden zu sein. Vielleicht hat 
man gleich bei Einrichtung des neuen Hauses von jenem Zwang ab- 
gesehen, vielleicht erst später. Aus einer Verordnung vom Dezember 
1528, die im Februar 1531 wiederholt wurde ^), ist mit Sicherheit 
nur zu entnehmen, dass den Deutschen das Wohnen bei Privatleuten 
in Venedig damals noch strenge untersagt war. Hingegen scheint es 
mir ungewiss, ob die später im ,Capitolare della Nazione Alemana' 
hinzugefügte Ueberschrift Recht hat, wonach es damals schon im Be- 
lieben der deutschen Kaufleute gestanden hätte, im Fondaco in oder 
den anderen von der Regierung bestimmten Gasthäusern S. Zorzi, 
Leon Bianco, Peter Pender u. s. w. abzusteigen. Der Ausdruck 
,li altri veramente oltramontani forestieri' kann sich auch nur auf 
die deutschen Pilger und sonstigen Besucher der Lagunenstadt aus 
Deutschland beziehen. Hingegen wird man allerdings sagen dürfen, 
worauf Herr Pfarrer Elze mich aufmerksam machte, dass 1556 und 
1557 zur Zeit, als dies Kapitular von Lucas Linder*) zusammengestellt 
wurde, schon die Auffassung herrschend war, dass es im freien Be- 
lieben der Deutschen stehe, ob sie im Fondaco wohnen wollten oder 
nicht. — Deutlicher ist im Dezember 1570 in einer Verordnung der 
Regierung die Rede von deutschen Kaufleuten, die nicht im Fondaco 
wohnten ''). Herr Pfarrer Elze theilt mir ferner mit, dass im Jahre 
1582 (im zweiten ,Capitolare della Naz. Alem.') ein Kaufmann Leon- 
hard Hermann erwähnt wird, der „in der Contra SS. Apostoli wohnte 
und doch Kaufmann im Fondaco war". Es wurde bereits früher 



') cf. oben S. 126. — "'') cf. oben S. 13 u. ff. - =>) s. Bd. I Nr. 698, 700. - 
*) 8. Vorwort zu Bd. I S. XIV. — *) Ven. St.-A. Capitolare dell' officio del fönt. de. 
Tod. f. 144 (cf. Thomas , Register" f. 69) : 1570 Dec. 22 ,Tutti et cadauno marcante 
(sie) Alemano nemine excepto et sii chi esser si voglia cosi habitante in 
fontico come fuori . . . .' 




i 



156 -Geschichtliches. 

gesagt^), dass später sogar der eine der Consuln immer ausserhalb 
des Fondaco wohnte, so dass hierin gegenüber der älteren Zeit eine 
völlige Wandlung der Verhältnisse eingetreten ist, die noch genauerer 
Untersuchung bedarf. Vielleicht war auch hiefür das Jahr 1578 
von eingreifender Bedeutung ^). 

Man kann sich nun wohl vorstellen, wie von diesem Rechte^ 
ausserhalb des Fondaco wohnen zu dürfen, die Kaufleute derjenigen 
Städte besonders Gebrauch machten, die nicht in fortwährender 
ununterbrochener Handelsverbindung mit Venedig standen. Und dazu 
werden ihrer ganzen Lage nach, sowie auch in Folge des veränderten 
Ganges des Welthandels eben hauptsächlich die niederdeutschen Städte 
gehört haben. Ihnen gegenüber beanspruchten dann eben wohl die 
beständig in Venedig und speziell im Fondaco vertretenen Ober- 
deutschen grössere oder ausschliessliche Rechte hinsichtlich der Be- 
nützung und Verwaltung des Fondaco : mehr auf Grund der allmählich 
gewordenen Verhältnisse als einer ursprünglichen Berechtigung. — 
Fragt man aber nach den Gründen, warum die Oberdeutschen so eifer- 
süchtig über jede Einmengung „fremder Nationen" in den Mitgenuss 
der Privilegien des Fondaco wachten, so wird man in erster Linie 
an die Rivalität in geschäftlicher Beziehung überhaupt zu denken 
haben. Ferner wohl auch an den Gegensatz zwischen den ober- 
deutschen Reichsstädten und der Hansa, der ja eigentlich auch offen 
von den ersteren zugestanden wurde ^). Verschärft aber wurde 
diese, bei den Deutschen ja leider nicht seltene, Zwiespältigkeit,^ 
wie es scheint, noch durch ein anderes Moment. 

Denn was nun weiter die Rechtsfrage im Fall Spillieur 
anlangt, so stehen sich hier zunächst zwei Aussagen direkt gegen- 
über. Das General-Kapitel vom 10. September 1647 besagte, das&_y 
Abraham Spillieur seit Anno 1644 das deutsche Haus besessen^BB 
„da er doch bisher die gebräuchlichen requisiti nit gewiesen, " 
noch durch Ballotation von dem Kapitel approbirt worden". Der 
Kölner Rath dagegen in seinem Schreiben vom 7. August 1648 ver- 
sicherte, dass derselbe aufgenommen worden sei — nachdem vorher 
betreffs seiner ächten deutschen (ehelichen) Herkunft das Nöthige 
beigebracht worden, und unter Zustimmung des General-Kapitels 
,praeviis circa legitimationem personae et natalium Teutonicorum 
debitis necessariis iisque sufficientibus requisitis accedente communi 
eoque capitulari concluso' '^). 



') cf. oben S. 139. — ^) Eine Schilderung der verschiedenen Arten deut- 
scher Kaufleute in Venedig um hundert Jahre später siehe weiter unten S. 162; 
wie weit dieselbe etwa auch für diese Zeit, für das 16. Jahrhundert zutrifft, 
muss vorerst dahingestellt bleiben. — ^) s. Bd. J Nr. 763 u. 773 ; cf. Sartorius, 
Geschichte des hanseatischen Bundes Thl. III S. 527. — *) Ennen a. a. 0. S. 133; 
cf. Bd. I Nr. 754. Ich habe längere Zeit gehofft, diesen Punkt in's Reine zu 
bringen. Denn nach Ennen's Worten, S. 119, müsste man annehmen, dass der Be- 
schluss des General-Kapitels vom Jahre 1644 im Kölner Stadtarchiv noch vorhanden 
wäre. Er citirt dafür ,Copienbücher, 1688 (statt 1648?) 10. April" ; allein Herr 
Stadtarchivar Dr. Höhlbaum in Köln hat die Urkunde bisher nicht finden können. 



11 



Geschichtliches. 157 

Die Visdomini in ihrem mehrerwähnten Gutachten behaupteten 
ferner, man habe den Spillieur bei seiner Aufnahme in den Fondaco 
für einen ächten, rechten (Hoch-)Deutschen gehalten und erst später 
seine wahre Heimath Köln erfahren (worauf er den Fondaco habe 
verlassen müssen). Das aber, scheint mir, ist doch ganz unwahr- 
scheinlich. Möglich immerhin, dass man bei seiner Aufnahme, wenn 
ich mich so ausdrücken darf, den Abraham Spillieur nicht nach seinem 
Tauf- oder Heimathschein gefragt. Aber dass der Mann an die drei 
Jahre im Fondaco verweilt habe und habe verweilen können, ohne dass 
man ihm den durch Sprache und Gesittung sich gewiss unter- 
scheidenden Kölner und Niederdeutschen angemerkt habe, halte ich 
für ganz unglaublich. Ebensowenig kann wohl die Partie Ebenholz 
der wahre Grund gewesen sein, dass man von Seite der Nazione 
Alemana nun auf einmal in so energischer schroffer Weise gegen 
ihn auftrat und ihm den Stuhl vor die Thüre setzte. Ich habe es 
daher als eine sehr ansprechende Vermuthung betrachtet, 
welche Herr Pfarrer Elze einmal mündlich und schriftlich mir 
gegenüber geäussert hat : dass dahinter vielleicht noch andere, tiefere 
Gründe steckten — Gründe religiöser, konfessioneller Art, 
zu deren Konstatirung, wie mir scheint, es denn auch nicht an 
einigem Beweismaterial fehlt. 

Aus den jüngsten Publikationen von Th. Elze ^) und G. M. 
Thomas^) ist ersichtlich, wie rasch die Reformationsbewegung 
Luthers nach Italien und speziell nach Venedig drang. „Im 
Juli 1520," schreibt Elze ^), „kamen die ersten Schriften Luther's nach 
Venedig; es waren nur zehn Exemplare, die sofort verkauft wurden, 
ehe noch hervorragende hier lebende Deutsche davon erfuhren". 
Unter dem 26. August 1520 berichtet alsdann Marino Sanuto^), dass 
der Stellvertreter des Patriarchen von Venedig im Rathe der Zehn 
die Erlaubniss erwirkte, im Hause eines deutschen Buchhändlers 
Jordanus (der bei San Maurizio wohnte) Nachforschung nach den 
durch päpstliche Bulle excommunicirten Schriften Luther's halten 
und dieselben mit Beschlag belegen zu lassen. Dies geschah, aber 
Sanuto wusste sich doch ein Exemplar zu verschaffen und es seiner 
Bibliothek einzuverleiben. Wollten dann wirklich, wie Elze ausführt^), 
die Buchhändler aus Furcht keine anderen Exemplare mehr kommen 
lassen, so waren es die deutschen Kaufleute, durch welche Luther's 
Schriften nach Venedig gebracht und hier verbreitet wurden ^). Ein 
grosser Theil, ja vielleicht der grössere Theil derselben kam aus 
jenen Städten, wo Luther's Lehre am ersten Eingang gefunden hatte, 
aus den freien Reichsstädten Nürnberg, Augsburg, Ulm, Strassburg, 
Xördlingen, Memmingen u. s. w. So kann es nicht Wunder nehmen, 

') Geschichte der protestantischen Bewegungen und der deutschen evange- 
lischen Gemeinde in Venedig, Bielefeld 1883. — ^) Martin Luther und die Re- 
formationsbewegung in Deutschland vom Jahre 1520 — 1532 in Auszügen aus 
Marino Sanutos Diarien. Ansbach 1883. — ') a. a. 0. S. 2. — ■*) Thomas S. 4. 
*j Gesch. S. 3 u. 45. 



158 Geschichtliches. 



dass wir bei Sanuto schon zum Jahre 1524 von geheimen Zusammen- 
künften lutherisch Gesinnter im Fondaco lesen ^), auf welche der 
Gesandte des Papstes und der Patriarch aufmerksam machen. Die- 
selben fordern zur Vorsicht auf, man solle die Bücher Luther's nicht 
verkaufen lassen u. s. w. Unter dem 14. April 1525 bemerkt Sanuto^)^ 
ein Dominikanerprediger in Venedig habe die deutschen Kaufleute 
des Fondaco beschuldigt, dass sie zur Fastenzeit Fleisch gegessen 
hätten — was gleichfalls als Zeichen des Lutheranismus galt — 
und noch einige Male erwähnt dann Sanuto ^), wie Nachrichten über 
den Stand und Fortgang der Bewegung Luther's durch Vermittlung 
der deutschen Kauf leute, durch Briefe an diese nach Venedig gelangten. 
Doch hielten die Anhänger der Reformation im Fondaco offenbar sehr 
zurück mit ihren Ansichten, trugen dieselben nicht offen oder prahlerisch 
zur Schau — wir hören dann nur sehr wenig darüber, wenn anders 
nicht weiteres Material noch durch genauere Nachforschung hiefür 
zu Tage gefördert werden wird. Ob man die Notiz in einem Be- 
richt des Gesandten Johann Friedrich's des Aelteren von Sachsen, 
Minkwitz, an seinen Herrn vom 5. Juni 1552: ,Alhie sind sonderlich 
die kaufleute im Teutschen haus gut herzog Moritzen teils und er hat 
alhier seine Verräter" ^) — in diesem Zusammenhang verwerthen darf, 
will ich dahingestellt sein lassen ^). — Im Jahre 1555 unterstützten 
deutsche Kaufleute des Fondaco den eingekerkerten Anhänger und 
später ersten Märtyrer des Evangeliums Fra Baldo Lupetino aus Albona 
in Istrien durch ihren Agenten Joh. Baier auf geheimem Wege mit 
Geld ^), und das lenkte die Aufmerksamkeit der Regierung respektive 
der Inquisition neuerdings auf diesen Herd des Lutheranismus. »Um 
dem evangelischen Wesen und Treiben der deutschen Kaufleute im 
Fondaco, das im Prozesse Lupetino's offenbar geworden war, entgegen 
zu wirken, ward für dieselben in der dem Deutschen (Kauf-) Hause 
nächstgelegenen Kirche S. Bartolomeo 1556 ein deutscher Gottesdienst 
eingerichtet"; bemerkt Elze '') wohl mit Bezug auf einen Brief des 
Joh. Aurifaber, herzoglich sächsischen Hofpredigers in Weimar, an 
den König von Dänemark aus dem Jahre 1556. Allein, wie sich 
Aurifaber eines Irrthums schuldig gemacht hat, indem er schreibt, 
dass die deutschen Kaufleute eine eigene (!) Kirche bekommen hätten^ 
wo das reine Evangelium deutsch gepredigt werde und die Sakramente 
nach Christi Einsetzung gereicht werden — ebenso ist es nicht richtig, 
dass erst 1556 in S. Bartolomeo ein deutscher Gottesdienst ein- 
gerichtet worden. Denn aus einer handschriftlich überlieferten Liste ^) 
deutscher Prediger in S. Bartolomeo ist zu entnehmen, dass schon vor 1556 



•I 



^) Sanuto bei Thomas S. 36 : che si fa conventicole di Todeschi in fontego, 
perhö che le terre franche molte e con Lutherio. — ^) Thomas S. 61. — 
^) ebda. S. 148, 218. — '') DrufFel, Briefe und Akten zur Geschichte des 16. Jahrh. 
Bd. II S. 564 Nr. 1509. — *) Wahrscheinlich ist sie nach der mündlich geäusserten 
Ansicht des Herrn Prof. von Druffel vielmehr politisch als Beweis der anti- 
kaiserlichen Gesinnungen der Kaufleute aufzufassen. — ") Elze, Gesch. S. 21 
u. 45. - ') ebda. S. 21. - *) cf. später. 



Geschichtliches. 159 

dort deutscher Gottesdienst stattfand. Es scheint mir daher, nebenbei 
bemerkt, auch fraglich, ob erst aus dieser Zeit jene kirchlichen 
Ceremonien datiren, welche der Vikar von S. Bartolomeo mit seiner 
Geistlichkeit alljährlich an den Abenden vor Weihnachten, vor Neujahr 
und Epiphanias im Fondaco vornahm^). Derselbe begab sich da nämlich 
in Prozession in den Fondaco, zog ^psalmodirend" in den Wintersaal und 
hielt ihr vor einem von Tizian (1555) gemalten Bilde des segnenden 
Erlösers eine „Funktion" mit einer gelehrten Anrede an die deutschen 
Kaufherren ab und ertheilte denselben den Segen. Die Deutsche 
Nation im Fondaco machte sowohl hierfür dem Vikar und seinem Kapitel 
eine jährliche Verehrung in Geld, als auch dem deutschen Fasten- 
prediger in S. Bartolomeo ein Jahresgeschenk von 20 Dukaten — 
eine Sitte, die sich, wie Elze hinzusetzt, erhielt, auch als schon 
längst alle Mitglieder des Fondaco Protestanten waren. 

Von grossem Interesse und speziell für unsere Frage von be- 
sonderer Wichtigkeit ist aber, was der geheime Agent der prote- 
stantischen Fürsten in Venedig, Johann Baptist Lenk (Linke), 
unter dem 19. Oktober 1609 dem Kurfürsten Friedrich IV. von der 
Pfalz über die Religionsverhältnisse in Venedig mittheilte. Für 
uns ist speziell der Passus von Interesse, wo er von den Deutschen 
in Venedig spricht. Er schreibt wörtlich^): , Zweckdienlich (für 
die Sache des Protestantismus) wäre es gewesen, wenn die im 
Deutschen Hause alhier befindlichen Deutschen die Erlaubniss, 
darin predigen zu dürfen, von dem Senate verlangt hätten. 
Aber weil der eine Theil katholisch, der andere lutherisch und 
kalvinisch, und die Lutherischen und Kalvinischen unter 
sich selbst mehr uneins als mit anderen sind, ist's bisher 
ersitzen geblieben, was sonst nicht fehlgeschlagen, und den Nieder- 
ländern eine Anleitung gegeben haben würde, ebenfalls ein Fon- 
dego zu errichten und von der Regierung einen Prediger zu be- 
gehren." 

Also die im Fondaco weilenden evangelischen Deutschen spalten 
sich in Lutheraner und Reformirte und sind unter sich uneiniger 
als gegen die Katholischen! Und dies wird bestätigt durch einen 
Ausspruch Sarpi's vom Jahre 1608 in einer Relation des Burggrafen 
Christoph von Dohna, Gesandten des Fürsten von Anhalt in Venedig, 
vom 4. August und durch Dohna's Bericht selbst ^). Fragen wir aber, 
in welchen deutschen Städten wir die Lutheraner, wo die Reformirten 
zu suchen haben, so wird es keiner spezielleren Nachweise bedürfen. 



^) cf. Elze, Gesch. S. 23 und , Ausland" 1870 S. 629; Milesio bei Thomas 
S. 47, 55. — ') Zeitschr. für Baiem und die angrenzenden Länder, Jahrg. 2 Bd, 3 
(1817) S. 355 aus P. Ph.Wolf s Geschichte Maximilian's 1. (Bd, II S. 97—102 Note). 
Ritter (Briefe u. Akten z. Gesch. des 30jährigen Krieges Bd. II S. 465) scheint die 
Autorschaft dieses Berichtes einem gleichzeitig in Venedig weilenden Agenten 
des Herzogs von Neuburg, Daniel von Hatten, zuschreiben zu wollen. — ^) Ritter, 
Briefe etc. II, 81 : ,Poi c'e quel fondaco de Todeschi. Se que' mercanti fossero- 
uniti, che gl' impedirebbe di teuere un ministro ?' 



160 Geschichtliches. 



^ 



dass die Lutherischen aus den oberdeutschen Reichsstädten Augsburg, 
Nürnberg u. s. w. kamen. Was aber die Reformirten betrifft, so 
werden wir sie allerdings nicht zunächst in den niederdeutschen 
Städten, nicht in dem katholischen Köln suchen. Aber zu unserer 
Ueberraschung finden wir, dass dem doch so gewesen. Wir lesen 
nicht blos, dass jener Abraham Spillieur der Sohn oder Enkel 
eines der reformirten Kirche angehörigen Kölners ') , sondern damals 
selbst sogar der Vorsteher einer reformirten Gemeinde unter 
den deutschen Kaufleuten in Venedig war. Schon im Jahre 1624 
nahmen Deutsche, vermuthlich Kaufleute vom Niederrhein, etwa aus 
Köln und Aachen, wie Elze bemerkt^), Theil an dem reformirten 
Gottesdienst, welcher im Palast des niederländischen Gesandten 
in Venedig gehalten wurde. Die Generalstaaten hatten nämlich, 
einem Rathe Paolo Sarpi's folgend, 1622 ihren ersten ständigen 
Oesandten dorthin geschickt und demselben zugleich in der Person 
eines Andreas Colvius einen evangelischen Gesandtschaftsprediger 
mitgegeben, gegen den man von Seite der venetianischen Regie- 
rung nicht vorgehen konnte. Elze nennt als des Colvius Nach- 
folger einen gewissen Volcker Alberti, der von 1627 — 34 den Posten 
eines niederländischen Gesandtschaftspredigers bekleidete. Sei es, 
dass derselbe keinen Nachfolger erhielt, oder dass der Besuch des 
evangelischen Gottesdienstes im Palaste der Gesandtschaft mit zu 
grossen Umständlichkeiten verbunden war: genug, die Reformirten 
ergriffen eine günstige Gelegenheit, um sich selbst einen Prediger 
zu bestellen und eine Gemeinde zu organisiren. Hören wir darüber 
Elze, der dies zuerst aus Akten des Züricher Staatsarchivs kon- 
statirt hat ^). „Im Winter 1647 — 48 kam ein reformirter Candidat 
der Theologie, Namens Räbmann, auf seiner Rückreise aus Candia, 
wo er Feldprediger des in venetianischen Diensten stehenden Grafen 
Ernst Casimir zu Solms gewesen war, nach Venedig und hielt hier 
während eines längeren Aufenthaltes einigen reformirten deutschen 
Kauf leuten Gottesdienst mit deutscher Predigt. Dadurch wurden diese 
zu dem Entschluss ermuthigt, sich ein stetiges ,Religions-Exercitium' 
einzurichten. Sie traten zusammen, wählten aus ihrer Mitte die Herren 
Ambros Sneider und Abraham Spillieur aus Köln zu Gemeinde- 
vorstehern und den Candidaten Räbmann zu ihrem ersten ordentlichen 
Pfarrer." Räbmann wurde dann mit einem Schreiben vom 18. April 
1648 nach Zürich geschickt, um sich dort ordiniren zu lassen, von wo 
er aber zum gleichen Zwecke in seine Heimath Bern entsendet wurde 



^) Ennen, Geschichte der Stadt Köln Bd. V S. 341 : Nicolaus Spillers 
erklärte am 14. März 1594: „er glaube die 12 Artikel des christlichen Glaubens, 
sei nicht papistisch, auch nicht römisch-katholisch, sei auch nicht von der 
Augsburgischen Konfession , sondern er sei von der reformirten Kirche und 
glaube, was die Propheten und Apostel gelehrt hätten, sei nicht von den Täufern, 
auch nicht Zwinglisch, auch nicht vom Hause der Liebe, halte von Calvin nichts, 
desgleichen halte er auch von Luther nichts*. — ^) Geschichte etc. S. 38. — 
^) ebda. S. 39. 



M 



I 



Geschichtliches. 161 

Diese Ereignisse fallen also gerade in die Zeit, wo von 
Seite der Oberdeutschen Spillieur's Verweilen im Fondaco beanstandet 
und seine Ausschliessung gefordert wurde. Es scheint mir schwer, 
hier keinen ursächlichen Zusammenhang finden zu sollen. Elze 
freilich meint, das Umgekehrte habe stattgefunden. Er sagt^): 
„Abraham Spillieur aus Köln kam 1644 in den Fondaco, aus dem er 
aber 1647 als unberechtigt (weil Kölner) ausgeschlossen wurde. Die 
Austreibung Spillieur's aus dem Fondaco (1647) dürfte zur Begründung 
der reformirten Gemeinde (1648) mitgewirkt haben." Aber erinnern 
wir uns aller der früher geltend gemachten Momente, welche das 
Vorgehen der Oberdeutschen oder der Naz. Alem. meines Erachtens 
als rechtlich unbegründet erscheinen lassen; erinnern wir uns ferner 
der charakteristischen Aussprüche Sarpi's und Lenk's über die 
Gegnerschaft zwischen Lutheranern und Reformirten im Fondaco, 
dann muss man es meiner IJeberzeugung nach wenigstens als höchst 
wahrscheinlich bezeichnen, dass religiöse Differenzen bei dem 
Vorgehen gegen Spillieur mitgewirkt haben. Dass diese 
nicht in den Schriftstücken und Verhandlungen erwähnt werden, ist 
begreiflich, da öffentlich von den evangelischen Gesinnungen so vieler 
deutscher Kauf leute im Fondaco überhaupt nichts verlauten durfte ^). 
Wenn man dagegen noch etwa anführen wollte, dass die Gründung 
der reformirten Gemeinde erst 1648, die Austreibung des Spillieur 
aber schon (im Herbst) 1647 erfolgte, so muss ich bemerken, dass nach 
Elze ^) der Graf zu Solms bereits im April und Mai des Jahres 1647 
wegen Regelung der Soldzahlung in Venedig gewesen sein soll. Es 
können also schon damals Verhandlungen zwischen den reformirten 
deutschen Kaufleuten und dem Grafen zu Solms gepflogen worden 
sein. Weiter ist zu erwähnen, dass der Nachfolger des im August 
1649 nach der Schweiz zurückberufenen Räbmann, der schweizerische 
Prediger Nicolaus Zaff, der bis 1652 als reformirter Prediger in 
Venedig weilte, einmal am 9. Juni 1651 an den Antistes Joh. Jak. 
Ulrich in Zürich geradezu schreibt, die evangelischen deutschen 
Kauf leute Augsburger Bekenntnisses, die in grosser Anzahl im 
Fondaco wohnten, hätten es nicht länger geduldet, dass von den 
Reformirten Gottesdienst im Fondaco gehalten werde, da sich die- 
selben inzwischen selbst ihren Gottesdienst mit eigenem Prediger ein- 
gerichtet hätten^). Es ist nicht ganz sicher, wann dies letztere zuerst 
stattgefunden. Wenn aber die Naz. Alem. bereits 1646 im Besitze 
der beiden Kammern im Fondaco erscheint^), in denen später der 
evangelische Gottesdienst gehalten wurde, dann wird man wohl den 
Beginn der evangelischen Gemeinde auch etwa in diese Zeit ver- 

') Geschichte S. 39 Anm. — 2) ob in den Worten des Kölner Rathes 
in einem Schreiben vom 10. April 1648 an den von Augsburg „der privat 
dabei unterlaufender Passionen und Affekten zu geschweigen" (Bd. I Nr. 754 
S. 444) eine Andeutung hierauf zu erblicken, wage ich nicht zu entscheiden; 
doch halte ich es für wahrscheinlich. — ^) Geschichte S. 39 Anm. 1. — *) ebda. 
S. 42 Anm. 2. — ») Bd. I Nr. 748 S. 439. 

11 



162 Geschichtliches. 



n 



legen dürfen, was die Spannung nur noch erklärlicher macht. — Der 
evangelische Gottesdienst ist dann bis auf den heutigen Tag bestehen 
geblieben und von einer ununterbrochenen Reihe von Predigern 
gehalten worden, während die reformirten deutschen Kaufleute nach 
Elze bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts bei französischen refor- 
mirten Predigern und Gemeindeältesten ihre Erbauung gefunden zu Jl 
haben scheinen ^). «■ 

Abraham Spillieur aber kam nach der Entscheidung der 
venetianischen Regierung vom 5. Oktober 1652 wieder in den Fondaco, 
nahm daselbst am 7. April 1653 wieder an einem General-Kapitel 
Theil und lebte noch am 23. September 1655. 

Faktisch scheinen freilich die Niederdeutschen von dieser Zeit 
ab, wie überhaupt den Handel mit Venedig, so auch den Fondaco 
immer weniger frequentirt zu haben. Die Zersetzung oder Scheidung 
der deutschen Kaufmannschaft in Venedig mag aber in Folge dieser 
Vorgänge noch weitere Fortschritte gemacht haben. In einer Ein- 
gabe der ,Naz. Alem.' auf einen Erlass des Senats vom 25. Mai 1675 
betreffs des ,Dazio' werden folgende Gruppen von deutschen Kauf- 
leuten in Venedig unterschieden ^) : 

1. solche, die wirklich im Fondaco wohnen und der drei 
requisiti ,tavola, camera et capitolo' fähig sind; 

2. solche, die in Venedig wohnen, der tavola u. s. w. fähig 
sind, auch Kammern im Fondaco haben und am Kapitel 
theilnehraen, aber nicht im Fondaco wohnen; 

3. solche, die in Venedig wohnen, der drei requisiti fähig 
sind, aber keine Kammern miethen und am Kapitel nicht 
theilnehmen wollen, um zu den Lasten des Fondaco nicht ^ 
beisteuern zu müssen; fll 

4. solche, die als „ächte Deutsche" der drei requisiti fähig "^ 
wären, aber nur durch Vertreter mit Venedig in Ge- 
schäftsverbindung stehen, welch' letztere der ,requisiti' 
nicht theilhaftig werden können. — 

Eine ähnliche Wandlung gegen früher trat dann mit der Zeit 
noch bezüglich eines anderen Punktes ein, die gleichfalls noch 
der näheren Untersuchung bedarf und daher nur kurz hier erwähnt 
werden soll. ■ 

1) s. Elze, Gesch. S. 43 u. ff. - 2) Capitolare della Naz. Alem. 3 fol. 143' ■■ 
,Sono varie sorti di Tedeschi, cioe altri habitanti in questa cittä che attual- 
mente habitano nel fontico et sono capaci di tavola, camera et capitolo nel 
medemo; altri sono pur habitanti in questa cittä, capaci delli tre sudetti 
requisiti e che tengono camere in fontico et partecipano del capitolo, ma no 
habitano attualmente in esso ; altri pure habitano in questa cittä, sono national; 
e capaci delle tre requisiti, ma non vogliono pi-ender camera in fontico ne entran 
nel capitolo per non sottomettersi a gli aggravii con la natione. Altri finalmenti 
sono veri nationali, capaci delli tre requisiti, ma che stando alle loro ca* 
in Germania negotiano col mezo de loro procuratori, quali non sono capaci deU 
privileggi . . .' 



Geschichtliches. 163 

Wir erinnern uns^), dass früher den Venetianern der 
direkte Handelsverkehr mit Deutschland aus finanzpoliti- 
schen Gründen untersagt war — nur einige Artikel, wie Pferde, 
Waffen und Lebensmittel durften direkt von den Venetianern dorther 
geholt werden. Dieses Verbot bestand, wie es scheint, selbst noch 
im Jahre 1558^). Aber vielleicht schon damals und jedenfalls später 
scheint eine andere Praxis Platz gegriffen zu haben, scheinen die 
Venetianer auch andere Waaren direkt aus Deutschland bezogen und 
solche direkt dahin spedirt zu haben. Diese Waaren zahlten aber 
nicht bei der Behörde des Fondaco, sondern bei derjenigen der 
,Intrada da Terra' die vorgeschriebenen Zölle. Erst im Jahre 1671 
(und 1675) wurde nach der Behauptung betbeiligter venetianischer 
Kaufleute von der Regierung bestimmt, dass diese mit Deutschland 
in Verbindung stehenden venetianischen Kaufleute ihre Waaren 
gleichfalls in der Dogana des Fondaco verzollen lassen sollten^). 
Daraufhin verlangte die Naz. Alem. im Jahre 1717, dass diese 
Venetianer auch den Cottimo entrichten soUten, damit sie nicht bloss 
die Wohlthaten des Fondaco genössen, sondern auch zu dessen 
Lasten beitrügen*). Aber dagegen sträubten sich diese sehr heftig, 
nicht ohne sich zugleich über die vielen Privilegien zu beschweren, 
in deren Genuss die Naz. Alem. sich befand^). 

Denn zu den früher erwähnten**) waren neue hinzugekommen: 
sie hatte nun 20 "/o Zollermässigung für ihre Waaren überhaupt '^) 
und eine besondere Vergünstigung hinsichtlich des Ausfuhrzolles ^), 
was allerdings eine erkleckliche Summe ausmachte. 

Die Naz. Alem. brachte zur Rechtfertigung ihres Verlangens 
vor, dass nicht erst seit 1671, dass vielmehr schon seit dem 
Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts und zwar seit zwei 
Erlassen der Regierung vom Jahre 1492 und 1508 alle Waaren, 
welche von Deutschland, von welcher Person, auf welchem Wege 
und auf welche Weise immer nach Venedig eingeführt würden, in 
den Fondaco behufs Zahlung der Zölle gebracht werden müssten. 
Sie berief sich ferner darauf, dass unter den ,Mercanti di Ferrarezze', 
den „ Eisenkrämern ", die im Jahre 1577 als Genossen Ziliberti's 
zur Bezahlung des Cottimo verurtheilt wurden, eben auch venetia- 
nische Kaufleute verstanden gewesen seien. Ohne genaue Kenntniss 
der einschlägigen Dokumente ist es nicht thunlich, in diesem Streite 
ein Urtheil zu fällen. Hier nur so viel, dass der Jahre lang dauernde 
Prozess, der sich daran knüpfte, nicht zu Gunsten der Naz. Alem. 
endigte. Im ,Collegio' wurde, wie ich durch gütige Vermittlung des 
Herrn Pfarrers Elze höre, am 5. September 1729 zu Gunsten der 
venetianischen Kauf leute gegen die Naz. Alem. entschieden, so dass die 



1) 8. oben S. 31. — ^) Elze, Der Cottimo bei Thomas, Milesio S. 88. — 
^) ebda. S. 87. — '') ebda. S. 76. - '') ebda. S. 86 u. fF. — «) cf. oben S. 141 u. 
142. — '') s. Milesio S. 70 und Elze ebda. S. 80 und 90. — ') .pagano Dazio 
per Uscita sul piano della prima stima d'Intrata senz' aggionti' Elze ebda. S. 90. 



154 Geschichtliches. 



n 



ersteren am 29. September 1729 auf Rückgabe des inzwischen erhobenen 
Cottimo (im Betrage von 3000 Dukaten) durch die Naz. Alem. bei 
den Cinque Savii alla Mercanzia drangen. Am 12. März 1731 kam 
dann zwischen der Naz. Alem. und den venetianischen Kaufleuten 
ein Vergleich zu Stande: die letzteren verzichteten auf die Rück- 
erstattung jener Summe, da die Naz. Alem. versprach, in Zukunft 
den Cottimo von ihnen nicht mehr zu verlangen. — 

Wir heben aus den von Elze hierüber veröffentlichten Schrift- 
stücken noch einige Notizen hervor, welche namentlich für die 
Geschichte des Cottimo von Interesse sind. Da lesen wir z. B. ^), 
dass die Einnahmen aus dem Cottimo damals, zu Anfang des 
18. Jahrhunderts, in zwei Kassen vertheilt wurden: in die eine, 
Cassetta genannt, kamen die Beiträge der „nicht deutschen" Kauf- 
leute, die auch gehalten waren, zur nämlichen Zeit, wo sie die 
vorgeschriebenen Zölle zahlten, sogleich auch den Cottimo zu ent- 
richten. Die „ächten" Deutschen hingegen konnten, wie mit den ^ 
Zöllen, so auch mit dem Cottimo einen Monat warten; die Kasse, ■■ 
wohin ihr Betrag floss, hiess ,Cassa grande'. 

Werthvoll sind ferner die Angaben über die Höhe der 
Einnahmen aus dem Cottimo, die pro Jahr von beiden Seiten 
auf ca. 2350 Dukaten angegeben werden, was bei einem Prozentsatz 
von ^/e ®/o einem Umsatz von 280,000 Dukaten entspricht, der 
immerhin noch ziemlich ansehnlich genannt werden kann. 

Freilich, die Blüthezeit des Fondaco war dahin: im Jahre 1723 
betrug die Zahl der (vollberechtigten) deutschen Kaufleute nur 35, 
während im Jahre 1717 bereits 92 venetianische Kaufleute mit 
Deutschland in Handelsverbindung standen^). Im Jahre 1770 war die 
Zahl der Mitglieder der Naz. Alem. auf 30, im Jahre 1800 auf 
12 herabgesunken ^). Der Sturmwind der französischen Revolution 
hat dann auch diesem Institute des Mittelalters ein Ende gemacht^). 
Nachdem im Mai 1797 die „Republik" Venedig ihr Ende gefunden 
hatte, nahmen am 18. Januar 1798 nach halbjährigem Regiment der 
Franzosen die esterreicher Besitz von Venedig. Durch den Frieden 
von Pressburg am 24. Dezember 1805 trat esterreich Venetien an 
das neue Königreich Italien ab und damit war die Todesstunde des 
Fondaco gekommen: denn die neue Regierung verlegte die Zoll- 
behörde in das Gebäude, die Deutsche Nation wurde deshalb Anfangs 
Juli 1806 aufgefordert, das Haus zu verlassen, dessen Privilegien 
wurden zu gleicher Zeit für erloschen erklärt — fast genau 300 
Jahre nach Begründung des neuen Gebäudes. 

Ueberblicken wir nochmals diesen Zeitraum und fragen wir 
nach der Stellung, welche die deutsche Kaufmannschaft innerhalb 



II 



') Elze bei Thomas, Milesio S. 93 und 94. — ^) ebda. S. 85 und 78. — 
Elze im Ausland S. 628. — ') Elze, Geschichte etc. S. 84-87. 



Geschichtliches. 165 

desselben in Venedig und im Fondaco eingenommen hat, so werden 
wir sagen dürfen, dass im Vergleich zum Mittelalter diese Stellung 
sich 3,llerdings in manchen Punkten zu Gunsten der Deutschen ver- 
ändert hat. Kein Zweifel, dass ihnen vielfach freiere Bewegung im 
neuen Hause eingeräumt war, dass sie befreit waren von der 
strengen, polizeilichen Oberaufsicht des Mittelalters, dass sie mehr 
wie unsere Landsleute anderwärts, z. B. im Stahlhof zu London, eine 
eigene Gemeinde unter selbstgewählten Vorstehern bilden konnten. 
Aber freilich zu völliger Selbstständigkeit und Unabhängigkeit haben 
sie sich auch in diesem Zeitraum nicht durchzuringen vermocht — 
von dem Mangel jedes politischen Einflusses gar nicht zu reden, 
so angesehen auch ihre äussere merkantile Stellung in der Lagunen- 
stadt geworden war. Denn als die hervorragendsten Träger des 
Bank- und Börsengeschäftes, als ,principal membro delle faccende 
de' Banchi e della Piazza', werden die Deutschen (Consuln) einmal 
geradezu 1567 von den venetianischen Behörden bezeichnet ^). Ge- 
rade aus jenen Streitigkeiten im 16., 17. und 18. Jahrhundert geht 
deutlich hervor, dass unsere Landsleute selbst bei inneren wich- 
tigeren Angelegenheiten, wie betreffs des Cottimo und der Benützung 
der Kammern, in letzter Linie dem Urtheile der venetianischen 
Rathskollegien nach wie vor sich fügen mussten ^). Von eigener 
Gerichtsbarkeit nach heimischem Recht ist auch in dieser Zeit keine 
Rede; es war mehr nur eine disciplinäre Polizeigewalt, welche von 
den Cottiraieri etc. gegen die einzelnen Glieder der Naz. Alem. durch 
zeitweise Ausschliessung von Kapitel, Tafel und Kammer ausgeübt 
werden konnte. Es war also doch eigentlich, wie bereits gesagt, nur 
ein bescheidenes Mass von Selbstverwaltung, welches die Regierung 
den deutschen Kaufleuten im neuen Hause zugestanden hatte. Kein 
Zweifel aber andererseits auch, wie mir scheint, dass gerade dieses 
Moment, diese allezeit bescheidenere Stellung — im Verein allerdings 
mit dem allmählichen Niedergang der venetianischen Republik — die 
Ursache davon gewesen ist, dass das Institut des Fondaco in Venedig 
sich länger erhalten konnte, als unsere mittelalterlichen Handels- 
colonien oder Faktoreien in Russland, Dänemark, den Niederlanden, 
England u. s. w. , und dass unsere Landsleute hier in Venedig ver- 
schont blieben von all den Reibereien und Anfeindungen, denen sie 
in jenen Ländern später von Seite der einheimischen, aufstrebenden 
und gegen „die Monopole der Fremden" eifersüchtigen Bevölkerung 
und der diese nationalen Regungen benützenden Landes-Regierung 
mehr und mehr bis zu ihrer definitiven Verdrängung ausgesetzt 
waren ^). 

Die nämlichen Streitigkeiten zeigen aber noch eines: sie bestä- 
tigen, welches Gewicht man immer noch auf den Handel mit Venedig 
in jenen deutschen Städten legte, und wie zufrieden man im Ganzen 



') Milesio S. 24. - ^) cf. Bd. I Nr. 703, 711, 738-741. — ') s. meine 
Schrift: Die Deutschen als Colonisatoren in der Geschichte (Hamburg 1885) S. 36. 



166 Geschichtliches. 



mit dem Institut des Fondaco war. Von dieser Zufriedenheit und zu- 
gleich von der Dankbarkeit der Bewohner des Fondaco, wie von ihrem 
guten Einvernehmen mit der venetianischen Regierung überhaupt 
zeugen übrigens ferner ausser den vielfachen Almosen, welche sie, 
wie die Panada, an die Armen Venedigs spendeten ^), besonders ihre 
freiwilligen Anerbietungen von Geldsummen zur Unterstützung der 
Regierung im 17. Jahrhundert, wie z.B. im Jahre 1646^), oder die 
Theilnahme der Bewohner des Fondaco an dem Siege von Lepanto 
im Jahre 1571, der, wie Sansovino berichtet, gerade hier im Fondaco 
zuerst durch Beleuchtung, Feuerwerk und Musik in glänzender 
Weise gefeiert wurde ^). 

Nicht allein bei so aussergewöhnlichen Anlässen war übrigens 
der Fondaco die Stätte und der Mittelpunkt allgemeiner Lust und 
Fröhlichkeit. Alljährlich ward hier, und zwar „in den Jahrhunderten 
vor 1600", wie Milesio berichtet*), in dem „ Wintersaal " oder der 
,Sala della Stua' in den drei Tagen vor Beginn des Karnevals mit 
Erlaubniss der venetianischen Behörden auf Kosten der Deutschen 
Nation ein grosses öffentliches Ballfest gehalten, zu welchem «von allen 
Seiten die Masken herbeiströmten, um sich des Vergnügens eines 
drei Tage lang dauernden, ununterbrochenen (?) Balles zu erfreuen, 
mit welchem die deutsche Nation jährlich die Gastfreundschaft der 
Venetianer vergalt." 

Andererseits fanden in dem nämlichen Saal, wie bereits 
erwähnt^), alljährlich am Weihnachtsabend, am Sylvesterabend und 
am Vorabend vor dem Feste der „heiligen drei Könige" jene merk- 
würdigen kirchlichen Feierlichkeiten ernsten Charakters statt, über 
welche ausführlicher Milesio und nach ihm Elze berichtet hat^). — 
Ausführlich beschreibt Milesio auch '') das Ceremoniell, womit die 
„Deutsche Nation" sich am Empfang eines in Venedig einziehenden 
neuen kaiserlichen Gesandten des Reiches bei der Republik betheiligte. 

Kurz mag endlich noch bemerkt werden, dass die Säule, welche 
in der Mitte des „Sommer" -Saales dessen Decke trug, alljährlich 






1) cf. Milesio S. 26 u. 27. — ^) ebda. u. Bd. I Nr. 746. — ^) Venezia descritta 
(1663) p. 415: Belle et honorate furono le dimostrationi singolari di allegrezza, 
che si fecero l'anno 1571 per la vittoria che si hebbe del Turco. Et lasciando 
l'altre cose a dietro che si vedero in questa materia, due furono gli apparecchi 
principali : glorificandosi tuttavia in cosi fatte feste et trionfi la sua divina bontä. 
II primo fu de i Tedeschi, i quali rallegrandosi con la Signoria della vittoria, 
hebbero licenza di poter festeggiare, fatte che fossero prima le solennitä spiri- 
tuali. — Essi adunque per tre sere continue acconciarono il fontico di razzi et 
accomodarono di dentro et di fuori per diversi gradi lumiere dal primo corri- 
dore fino alla sommitä del tetto, che rendevano dalla lunga una veduta quasi di 
un cielo stellato. Da pi'ima sera fino alle 5 höre di notte si udi continuo suono 
di tamburi, di pifFeri et di trombe squarciate, et sopra i pergoli del fontico si 
fecero diversi et rari concerti di musica con spessi tiri d'artigliarie , di modo 
che il luogo rassembrava la casa et il palazzo della gioconditä et dell' allegrezza 
insieme. Questo fatto incitö il popolo a far il medesimo per la cittä. — 
*) Thomas S. 25; cf. Elze, Ausland S. 629. — ^) cf. oben S. 159. - ") Milesio 
bei Thomas S. 55 ; Elze S. 629. — ') S. 56 und darnach Elze S. 636. 



Geschichtliches. 167 

am 1. Mai mit frischem Grün und Blumen umwunden wurde, um 
nach deutscher Weise den Frühlingsanfang zu feiern *), 

Dies ist zugleich Alles, was wir über das innere Leben der 
Deutschen im neuen Fondaco, ihre Sitten und Gebräuche vorerst 
mitzutheilen in der Lage sind. Doch mögen die noch vorhandenen 
imd noch zu durchforschenden Archivalien auch hiefür noch manche 
schätzbare Notiz enthalten. 

Zum Theil verschmilzt und verwächst die Geschichte des 
Fondaco in späterer Zeit mit derjenigen der deutschen evange- 
lischen Gemeinde, die ja, wie wir gesehen, aus ihm hervor- 
gegangen ist. Daher darf hier nochmals ausdrücklich auf die Dar- 
stellung der Geschichte dieser Gemeinde verwiesen werden, welche 
der von uns so oft erwähnte gegenwärtige Pfarrer derselben, Theodor 
Elze, vor einiger Zeit veröffentlicht hat. 

Aber auch bezüglich der Frage nach den Benutzern oder 
Bewohnern des Fondaco ist, was die spätere Zeit betrifft, in erster 
Linie auf diese Schrift zurückzugreifen : denn im 18. Jahrhundert war 
wohl der grösste Theil der Insassen protestantisch, und die 79 Kauf- 
herren, welche vom Jahre 1704 ab die evangelische Kirchenordnung der 
Gemeinde unterschrieben haben und von Elze namentlich aufgeführt 
werden 2), dürfen wohl als der Stamm der,NazioneAlemana' in jener Zeit 
betrachtet werden, und viele von ihnen werden bei Milesio als Consuln 
der Naz. Alem. aufgeführt. Leider ist es auch Elze nicht bei allen 
geglückt, ihre Heimath angeben zu können, so dass schon deshalb eine 
genaue Statistik über die Betheiligung der einzelnen Städte am Handel 
mit Venedig in diesem Zeitraum noch nicht möglich ist. Und noch 
viel weniger, was die vorhergehende Zeit von 1506 an, das 16. und 
17. Jahrhundert; betrifft. Die umfassendsten Studien und Nach- 
forschungen in den Archiven Venedigs und der deutschen Städte sind 
hiezu noch nöthig. Von besonderer Wichtigkeit wäre hiefür die Auf- 
findung verschiedener offizieller Verzeichnisse: so erstlich mehrerer 
alphabetischer Listen über die Erhebung des Cottimo von 1492 — 
1546—1577—1603—1679, deren in jenem Streite vom Jahre 1728' 
gedacht wird^), und zweitens der Verzeichnisse über die Miether der 
Kammern und Gewölbe, welche, einer Verfügung des Senates zufolge, 
erst vom 1. September 1636 an im Bureau der Visdomini geführt 
werden sollten *). Uns stehen nur vier solcher Verzeichnisse zur Ver- 



') Milesio S. 41 ; Elze S. 630. - ') Geschichte S. 62 ff. — ^) Elze bei Thomas; 
Milesio S. 93 : ,Tutti li libri che saronno qui sotto per nominarsi, tutti abbracciano 
le riscossioni del Cottimo ... Li primi cinque libri, scritti in carattere Alemano, 
abbracciano dal 1492 sino al 1546 ... Li secondi alfabettati comprendono il corso 
degl' anni 1547 sino all' anno 1577 ... Li terzi corrono dal 1580 sino al 1G03. Li 
quarti abbracciano dal 1604 sino al 1679. — *) Milesio bei Thomas S. 31 (cf. 68) — 
l'ufficio di detto Magistrato (dei Visdomini), nel quäle del 1636 primo Settembre 
per Public! Decreti, si principiö a teuer Libro Maestro, sive Quaternio e Giomale 
per gli affitti delle Camere e per li Conti del Dazio dei Privileggiati. 



168 Geschichtliches. 

fügun^: eines vom Jahre 1508, die ersten Miether im neuen Hause 
enthaltend^), ein zweites vom Jahre 1640^), das dritte wahrscheinlich 
vom Jahre 1646 (oder 1647)^) und ein weiteres vom Jahre 1723*) 
(wozu noch ein gelegentliches ^) Verzeichniss deutscher Kauf leute in 
Venedig von 1573 gerechnet werden mag). 

Sehen wir nun, so weit es möglich ist, wie sich die Zahl der 
Miether auf die einzelnen Städte vertheilt, und versuchen wir auf 
Grund anderer Quellen, wie z. B. der Liste der Consuln der Kauf- 
mannschaft im Pondaco, der Grabschriften in Venedig bestatteter 
Deutscher, der Liste der in S. Bartolomeo beigesetzten Deutschen 
u. s. w., überhaupt zu konstatiren, welche Städte und in welcher 
Ausdehnung sie in der Zeit nach 1506 noch an dem Handel mit 
Venedig betheiligt erscheinen ''). 

Beginnen wir wie früher mit Regensburg. In der Liste von 
1508 finden wir bei den Magazinen einmal die Stadtgemeinde selbst 
als Mietherin eingetragen und daneben einen ßegensburger als Ab- 
nehmer, wie es scheint, des grössten Gewölbes (Nr. 21): Zan Musauer 
= Johannes Musauer (oder Mosauer) — derselbe, der nach Milesio 
1505 und 1506, also gerade zur Zeit des Brandes, Consul der deutschen 
Kaufleute war. Eine Kammer scheint die Stadt anfangs nicht ge- 
miethet zu haben, wohl aber Musauer. Denn er ist höchst wahrschein- 
lich hinter jenem ,Zanin Usana' versteckt, der die Kammer Nr. 27 
und vielleicht auch Nr. 26 im 2. Stock miethete''). Denn in einem 
Dokument vom S.Mai 1510 wird gesagt^), Johannes Musauer habe 
ein grosses Gewölbe und 1 ^2 Kammern im 2. Stock gemiethet, 
deren Benützung ihm und seinen Nachkommen auf seine Bitten für 
immer zugestanden wird, da er seit vielen Jahren in Venedig Ge- 
schäfte treibe und zu den ersten Miethern im neuen Hause gehört 
habe. — Damit stimmt nun nicht recht überein, wenn Gemeiner in 
seiner Regensburgischen Chronik^) zum Jahre 1508 erzählt, der 
Hausmeister des Fondaco habe „die Regensburgischen Kauf leute aus 
dem Besitz der Vulten zu setzen und dieselbe anderen Kaufleuten 
einzuräumen gesucht, welches Waarengewölbe (volta) gewiss schon 
im grauesten Alterthum ein Besitzthum der Regensburgischen Kauf- 
leute und (wegen des früher^*') erwähnten Vorranges von Regens- 
burg im Fondaco) wahrscheinlich auch eines der bequemsten und 
schönsten Gewölbe gewesen sei. Der Rath habe sich nachträglich 
beim Dogen und beim Senat in Venedig darum verwandt und ein 
Schreiben dahin geschickt, das ein Kaufmann Hans Schönhofer über- 
bracht habe, der in seinen eigenen Angelegenheiten den Weg hinein 
machte". Aus dem von Gemeiner mitgetheilten Schreiben ist zu 




1) s. Bd. I Nr. 653 u. 658. - ') ebda. Nr. 743. - ') ebda. Nr. 748. - 
*) Elze bei Thomas, Milesio S. 85. — ^) Bd. I Nr. 709. — ®) Ich muss hier noch- 
mals ganz besonders betonen, dass diese Zusammenstellung keinen Anspruch auf 
Vollständigkeit machen will, sondern nur ein erster derartiger Versuch sein 
und zu weiterer Forschung anregen soll. — ') Bd. I Nr. 653. — **) ebda. 
Nr. 677. — *•) Bd. IV S. 140 und Anm. 287. — '") cf. oben S. 47. 



\ 



Geschichtliches. 169 

entnehmen (was Gemeiner nicht angibt), dass eben Joh. Musauer 
diese ,camera sive habitaculum', welche den Namen ,1a balta (= volta?) 
de San Piro (oder Pjro)' geführt habe, von der Stadt zur Benützung 
erhalten hatte, und der Regensburger Rath ersucht eben die venetia- 
nische Regierung, den Joh. Musauer im Genüsse dieser ,camera' zu 
belassen. Dieses Schreiben ist nun aber datirt vom 4. März 1508, 
während die neuen Kammern ja bereits im Februar 1508 vergeben 
wurden und Musauer bereits im Besitze jener Kammern sich befand. 
Auch ist von derartigen Namen der neuen Kammern oder Gewölbe 
sonst nichts bekannt. Das ganze Schreiben passt offenbar viel besser 
in die Zeit vor als nach dem Brande, in welche es auch Gemeiner 
verlegt, da er — freilich irrthümlicherweise — sagt, der Brand scheine 
sich zwischen 1512 und 1518 begeben zu haben. Ich vermuthe 
daher, dass das Datum des Schreibens nicht richtig ist, statt 1508 
vielleicht 1503 oder 1505 zu lesen ist. 

Was aber die spätere Zeit betrifft, so meint Gemeiner, die 
Stadt scheine seit dem (von ihm also in die Jahre 1512 — 1518 ver- 
legten) Brande ihre „Vulten", wofür sie jährlich einen (sie!) Dukaten 
Zins bezahlt, nicht mehr behauptet zu haben. Wir vermögen in der 
That aus der unmittelbar folgenden Zeit keinen weiteren Regens- 
burger hier zu nennen, wofern nicht Thomas Karg, der 1586 und 
1587 Consul war, der gleichnamigen Regensburger Familie angehörte^). 
Aber 1648 gibt doch auch der Rath dieser Stadt seine Ansicht in 
dem Streit über das Benützungsrecht am Fondaco ab — ein Beweis 
dafür, dass Regensburger noch immer in Venedig und im Fondaco ver- 
kehrt haben. Aus dem 18. Jahrhundert führt dann Elze noch fol- 
gende Regensburger auf, welche die evangelische Kirchenordnung 
in Venedig unterzeichnet haben: 

1721 Joh. Christ. Esterlin, der 1716 in das „Verzeichnis der jungen 
Leute" siVh eingetragen und noch 1723 im Fondaco war^); und 

1751 Gg. Zach. Hagen, 1786 im Verzeichniss der jungen Leute 
aufgeführt und 9. Februar 1768 im 58. Jahre in Venedig ge- 
storben ^). — 

Unter den Städten, die 1648 als mit Venedig in Handels- 
beziehung stehend genannt werden, banden sich auch Enns und 
Steyr. 

In der That wurden Steyr noch 1640 die alten Privilegien 
wegen des Handels mit venetianischen Waaren von Kaiser Ferdinand II. 
bestätigt"*). Aus Steyr stammte die später nach Nürnberg über- 
gesiedelte und wohl von dort aus mit Venedig Handel treibende 
Familie Gutbrod •^). Vielleicht war ebendorther der in der Liste von 



') cf. Siebmacher's Wappenbuch, hrsg. von 0. T. v. Hefner V, 2, p. 27, 
— 2) Elze S. 63 und bei Thomas, Milesio S. 86. - ^) Elze S. 64, bestattet auf 
der Insel S. Cristoforo. — ^) Pritz, Beschreibung und Gesch. der Stadt Steyr 
(1837) S. 291. - ^) cf. unten S. 192. 



170 Geschichtliches. 

1646/47 aufgeführte Joachim Endeil oder Hendel, da ein Joachim 
Händl 1619 — 24 Bürgermeister zu Steyr war^). Ob Sebald Hendell 
(1557 und 1558 Consul) und Adam Hendell (1610—1611 Consul) der- 
selben oder einer anderen, in Nürnberg vorkommenden Familie an- 
gehören, weiss ich nicht ; in Steyr selbst stellte jene Familie schon im 
16. Jahrhundert Bürgermeister ^). — Ferner war aus Steyr Georg 
Auracher, geb. 5. Okt. 1605, gest. 10. April 1628 zu Venedig und 
dort bestattet ^). 

Wie Regensburg, erscheint auch die Stadt Wien 1508 als 
Mietherin eines Gewölbes und einer Kammer im neuen Fondaco. 
,Wir sehen auch," sagt J. Falke in seinem bereits erwähnten Auf- 
satz über „Oberdeutschlands Handelsbeziehungen zu Südeuropa im 
Anfang des 16. Jahrhunderts" •''), „dass Wien, sobald es sich von den 
Belagerungen und der Einnahme erholte, welche es durch die feind- 
selige Stellung gegen das Haus Habsburg, besonders gegen den Kaiser 
Friedrich, sich zugezogen hatte, und unter Max I. wieder zu neuer 
schöner Blüthe als Residenz erhoben wurde, auch sogleich durch 
den Rath und die Bürgerschaft als eine erste Bedingung ihres Wohl- 
standes begehrte, dass die durch Zollstätten und jede Art von Er- 
pressung und Gewaltthätigkeit verlegte und niedergehaltene Strasse 
von Venedig wieder eröffnet werde. Kaiser Friedrich hatte aus 
Politik gegen das widerstrebende Wien mehreren Nachbarstädten 
auf Wiens Unkosten Freiheiten und Niederlagsrechte ertheilt; Mürz- 
zuschlag und Neustadt, auf solche Privilegien sich stützend, strebten 
auf's Begehrlichste darnach, für sich Niederlags- und Stapelrechte an 
der Strasse nach Italien zu behaupten. Auch Max I. hatte noch 
eine gewisse Vorliebe für Neustadt . . . Dennoch aber, trotz der 
Ungunst der Kaiser und der Verhältnisse, war die Lage Wiens als 
Knotenpunkt für Italien, Deutschland und die östlichen Donauländer 
von der Natur zu sehr begünstigt, als dass auf die Dauer der Handel 
der Stadt unterdrückt und seiner natürlichen Richtung hätte entrückt 
werden können. Die Klagen über den in Wien herrschenden Luxus, 
die Verordnungen Maximilians I. gegen denselben, worin er vor allem 
die Perlen, die Gold- und Silberstoffe, die Kleider von Sammt und 
Seide mit kostbaren Stickereien den unteren Ständen verbot, beweisen, 
in welcher Menge damals diese Stoffe aus Italien bezogen wurden. 
Auch finden wir in Wien seit dem Ende des 15. Jahrhunderts die- 
selben kaufmännischen Nachrichten und Zeitungen, wie in Nürnberg 
und Augsburg, welche ebensowohl über die Zustände Italiens und 
den Gang des venetianischen Krieges, wie über die niederländischen 
Unruhen Bericht erstatten. Wien, durch die Verhältnisse und Ver- 
bindungen seines Kaiserhauses mit Italien und den Niederlanden 
zugleich begünstigt, trug am meisten im Laufe des 16. Jahrhunderts 
zu der Ausbildung dieses Zeitungswesens bei, stellte auch um diese 




') Pritz, a. a. 0. S. 384. — ') in S. Lio. - ^) Zeitschrift für Kultur- 
geschichte 1859 S. 621. 



• Geschichtliches. 171 

Zeit eine besondere Botenverbindung mit Venedig her, obwohl auch 
hier wieder begünstigte, an der italienischen Strasse liegende 
steirische Orte: Neustadt, Mürzzuschlag, Brück, Leoben und Pettau, 
die alle am deutsch-italienischen Handel theilnahmen, oft genug aus 
Eifersucht hindernd einwirkten. Eine vollständige (?), für den vene- 
tianischen Handel aufgerichtete Zollordnung, die Hormayr in seiner 
Geschichte der Stadt Wien hat abdrucken lassen, gibt einen weiteren 
Beleg für die ununterbrochene Wichtigkeit des Waarenzuges von 
Venedig auf Wien, deren Hauptzollstätte in Wien das Mautneramt 
am rothen Thurm war . . . Die häufig wiederkehrende urkundliche 
Erwähnung der Zölle der östlichen italienisch-deutschen Strasse, deren 
jährliche Erträge gegen oft sehr bedeutende Schuldsummen verpfändet 
wurden, geben einen weiteren Beleg für die Mächtigkeit des hier statt- 
findenden Waarendurchzuges. Solche Zölle waren zu Rottenmann^ 
Judenburg, Neumark, Gratz, Leoben und an vielen kleineren Orten." 
Namentlich aufgeführt werden folgende Wiener: 
1508 Gabriel Traie (= Troy?)^); vielleicht war auch Georg 

Prasteter (= Prantstetter) aus Wien 2); ferner der 
1566 (30. März im 17. Jahre) in Venedig verstorbene Vitus (Veit) 

Lagkhner^), Sohn des Patriziers Franciscus L.^); 
1567, 1573 und 1581 werden genannt die Brüder Andreas und 
Sebastian Haisler ^) ; derselben Familie gehörte vielleicht an der 
1605 (3. oder 8. März im 40. Jahre) in Venedig verstorbene Carl 

Haisler ^) ; 
1663 (13. Nov.) stirbt ebendort (24 J. alt) der Wiener Hermann 
RaidideP). — Ferner stammte aus Wien die später in Venedig 
ansässige (protestantische) Familie Pommer*"), aus welcher 
Joh. Christ, schon 1661 im Fondaco, 1670—72 Consul, 1671 auch 

schwedischer Consul '') und 
Joh. Jak. „aus Wien gebürtig % 1713—14 Consul, 1717 in Venedig 

gestorben ist ^). Ob der 
1808 (13. April, 70 J. alt) in Venedig gestorbene^) Franz Georg 
May ein Kaufmann gewesen, muss dahin gestellt bleiben. 



') cf. Lazius, Wienerische Chronik (Deutsche Ausg.) Buch IV S. 14 u. 33. 
— ^) Wiewohl der in den Jahren 1558, 1559 etc. als Bürgermeister von Wien 
(cf. Lazius a. a. 0. S. 52) genannte Georg Prantstätter nach Ernst von Hart- 
mann-Franzenshuld (Archiv f. österr. Gesch. Bd. 49 S. 473) erst 1508 geboren 
wurde. Wahrscheinlich ist der 1508 in der Liste der Miether aufgeführte aus 
Salzburg und vielleicht der Vorfahr des Wiener Pr. — ') bestattet in S. Bar- 
tolomeo. — *) der 1557 Oberstadtcammerer von Wien war; cf. Lazius a. a. 0. 
S. 65. — ") Bd. I Nr. 709 u. 711; Stockbauer, Die Kunstbestrebungen am bayer. 
Hofe unter Albert V. und Wilhelm V. in den Quellenschriften zur Kunstgeschichte 
Bd. VIII S. 57 ; cf. Archiv f. österr. Gesch. Bd. 49 S. 492 und Siebmacher V, 
2 p. 14, wo ein Seb. Eyssler 1530 als Bürgermeister von Wien erwähnt wird. — 
«) cf. Elze, Geschichte S. 63 u. ff. — ') Elze a. a. 0. S. 60 Anm. 6. — ") Sieb- 
macher V, 1 S. 13; bestattet in Memmingen?, wo seine Wittwe ihm ein Grab- 
mal setzte; s. Karrer, Memminger Kronik (1805) S. 131. — ') bestattet in 
S. Fosca. 



172 Geschichtliches. 

Aus Wiener-Neustadt war vielleicht der in der Liste von 

1508 aufgeführte räthselhafte Christoph Chelbit (Chebe), wenn man 
dahinter einen Kelbel suchen darf, deren Einer, Jacob K., 
1483 Bürgermeister in Wiener-Neustadt war ^). 
Steiermark stellt diesmal keinen Namen ^), Kärnthen, 
speziell Villach, nur wenige: 

1508 (aber nicht in der Liste genannt) verkehrte ein gewisser 
Codel aus Villach in Venedig ^) ; 

1594 (7. März, 49 J. alt) starb in Venedig der Villacher Kaufmann 
Christoph Hoffer*), vermuthlich identisch mit dem 1573 und 
1574 genannten, der 1574, 1578, 1579 auch Consul war. Ob 
der 1584, 1590, 1591 als Consul aufgeführte Joh. Hopffer der- 
selben Familie angehörte, oder der schwäbischen, von Kauf- 
beuren nach Augsburg eingewanderten Familie Hopffer, ist 
zweifelhaft. Sicher stammte dorther die angesehene Familie 

Vidman (Widmann)-Rezzonico, deren Stammvater Johann, bürger- 
licher Herkunft, Faktor (Greschäftsführer) im Fondaco wurde 
und hier den Grund zu dem späteren Reichthum und Glanz 
des Geschlechtes legte. Wiederholt ist er 1601, 1613, 1618 
— 1619, 1623 — 1625 Consul der Deutschen Nation gewesen 
und, wie es scheint, dort 1634 gestorben^). Seine Söhne 
Johann Paul (von Manchen für zwei gehalten, was ich nicht 
entscheiden kann), Martin, Ludwig, Berthold, Christoph, David 
blieben dann, scheint es, in Venedig*') und erlangten hier 1646 
für die der Republik im Candianischen Krieg geleisteten grossen 
Geldvorschüsse das adelige Patriziat und den Grafentitel, nach- 
dem bereits früher die Grafschaft Paternion (1639?) und Orten- 
burg (1640) in Kärnthen sammt dem österreichischen Frei- 
herrntitel in den Besitz der Familie gekommen waren ''). 

1653 (5. Aug.) starb in Venedig, 27 J. alt, ein Leonhard Ghigen 
aus Villach ^). Ebendaher stammte die nach Nürnberg über- 
gesiedelte Familie Tiefferer, aus welcher 

1689 Hans Tiefferer nach Venedig in die „Schreibstube" von 
Hans Wolff und Emmerich Auracher aus Nürnberg gieng ^). 

1695 starb in Venedig, 44 J. alt, der Villacher Kaufmann Johann 
Georg Regatsnig^''). Ein Matthias Ferdinand Regatsnig wird 
noch 1723 im Fondaco genannt ^^). 




1) cf. Gleich, Gesch. der Stadt Wiener-Neustadt (1808) S. 69. — ^) wenn 
nicht der 1678 8. Aug. in S. Bartolomeo bestattete ,Gotfredo Adamo Maichel' 
ein Kaufmann war. — ^) cf. Sanuto, Diarii VIT, 690. — ^) best, in S. Bartolomeo. 

— ^) bestattet in S. Canciano; s. Grabschrift Nr. 37; cf. Aelschker, Geschichte 
Kärnthens Bd. III S. 903 (aus Ankershofen, Handbuch der Gesch. des Herzogth. 
Kärnthens Abth. II Bd. II Hft. 2 S. 85), wo aber der alte Johann Vidm. noch 
1649 als lebend bezeichnet wird. — ") s. Grabschrift Nr. 36. — ') s. Kneschke, 
Neues allgem. deutsches Adelslexikon Bd. 9 (1870) S. 564. — *) bestattet in S. Bar- 
tolomeo. — *) s. Roth, Gesch. des Nürnb. Handels II, 104; Zeitschr. für Baiern 
Jahrg. 2 Bd. 3 (1817) S. 357; cf. unten S. 195. — '») bestattet in S. Canciano. 

— ") Elze bei Thomas, Milesio S. 85., 



Geschichtliches. 173 

Aus St. Paterniano in Kärnthen war nach Elze ^) der noch 
1723 im Fondaco weilende Kaufmann Jacob Miller; 

aus Klagen fürt: Franz Christoph Ambtmann (mindestens 
1705 — 1710 in Venedig^), der — oder dessen Vorfahr gleichen 
Namens — bereits 1659 — 1662 und wiederum 1682 — 1688 Consul 
war. — 

Aus Krain, dessen Handel mit Venedig am Anfang dieses 
Zeitraums noch ungeschwächt, später aber sehr vermindert fort- 
dauerte^), speziell aus Laibach, werden genannt: 

1508 Johann Stantener und Johann Kleinhoffer; vielleicht war eben- 
daher Wolfhard Puller*): sämmtliche Miether im neuen Hause. 
Mit TJebergehung von Friaul, das damals nicht als deutsch 
gelten konnte, da es venetianisch geworden war, gelangen wir nach 
Tirol. 

Aus Trient werden (unter den in S. Bartolomeo Bestatteten) 
genannt : 

1586 (5. Aug., 40 J. alt) der öfters erwähnte^) Domenico Zilberti; 
1622 (25. Dez.) Alessio de Alessii; 
1649 (20. Juni) Christofalo Baiardi; 
1654 (17. Juni) Giacomo Briö. 

Aus Innsbruck war Georg Reiter, 1637 (29. Okt. im 65. J.) 
gestorben^), 1620 — 22 und 1628 — 29 Consul; ferner stammte von 
dort nach Cicogna's Angaben '^) die Familie Ott, aus welcher beson- 
ders David Ott, der oft erwähnte Faktor der Fugger in Venedig ^), 
wiederholt 1546—48, 1554 — 55, 1579 (in welchem Jahre er in Venedig, 
72 J. alt, gestorben) ^) Consul war, wie aucb andere dieser Familie 
diese Würde öfter bekleideten: Hieronymus Ott 1582—83, 1589, 1600, 
1626—27, 1643, oder Christoph 1586, 1594, 1605—06; Octavius 
1630 — 32, ein anderer David 1635 — 36. In der Liste von 1646 
erscheinen Hieronymus und Christoph Ott. — 

In regem Verkehr mit Venedig treffen wir in dieser Zeit 
Salzburg. Unter den ersten Miethern von 1508 befinden sich 
folgende Salzburger: 

Stephan Käser (oder Kaserer), der schon früher^*') erwähnt ward; 
Sebastian Tunkel (Tonchel), „einer der vornehmsten Bürger Salz- 

burg's" (1514, 5. Sept. gestorben) ^ i) ; 
Johann Matschperger (Mazzenperger) (1511 Bürgermeister von 
Salzburg; gestorben 1514)^^); ein Erasmus Mazzenperger war 
1541—1545 Consul; 
Ruprecht Lasser, dem berühmten Geschlecht der Lasser angehörig, 



') Bei Thomas, Milesio S. 85. — '^) s. Elze, Geschichte S. 109—110. — 
ä) cf. Dimitz, Gesch. Krains II, 49, 290; III, 224, 448. — ") Ein Geschlecht 
Püller in Laibach verzeichnet Dimitz a. a. 0. IV, 88. — ') cf. oben S. 137. — 
®) bestattet in S. Bartolomeo ; cf. Grabschriften und Sterberegister. — '') In- 
scrizioni Veneziane t. VI p. 359. — *) cf. Stockbauer, Die Kunstbestrebungen etc. 
a. a. 0. Bd. VIII S. 25 u. ff. — ») bestattet in S. Canciano. — '") cf. oben S. 55. 
— ") cf. Walz, Grabdenkmäler S. 157. - '') ebda. S. 156. 



174 Geschichtliches. 

wie schon aus der Zusammenstellung mit Matschp erger hervor- 
geht, der 1526 für sich und seine Söhne Wolfhard und Christoph 
ein besonderes Privileg für den Verkehr mit Venedig von der 
venetianischen Regierung erhielt ^). 

Als unbestimmt, ob nicht auch Salzburger, nenne ich aus der 
Liste von 1508: 

Sebastian und Wenzel Wagner ^) ; 

Georg Prantstätter, welche Familie Ende des 15. Jahrhunderts in 

Salzburg vorkommt ^) ; 
Wolfhard Puller '^) ; ein Salzburger war ferner wohl Berthold Wid- 
mann, 1580 ConsuP). 

In der Liste von 1646/47 finden wir folgende Salzburger: 
Wolfhard Paurnfeind '') und den mit ihm genannten Emmerich 

Lugistan = Lugenstein '); 
Johann Stainhauser aus einer bekannten Salzburger Familie*), 
welche schon 1573 in Georg Birchil einen Vertreter in Venedig 
hatte ^). 

Ob der 1640 und in der Liste von 1646 genannte Mathaeus 
Pirchell mit diesem Letzteren verwandt und auch ein Salzburger 
oder anderswoher, vermag ich nicht zu entscheiden. Sicher hingegen 
gehört nach Salzburg noch 

Maximilian Han (Haan), 1639—41 Consul, der 1647 (10. Nov., 
45 J. alt) in Venedig starb ^°) und in S. Bartolomeo bestattet 
ward, gleichwie (sein Bruder?) 
Andreas Han, gestorben 1653 (9, Aug., 45 J. alt). 

Ob der in der Liste von 1646 genannte Alessandro Fux identisch 
ist mit dem Salzburger Alexander Fux oder der Nürnberger Familie 
Fuchs angehört, ist unbestimmte^). 

Ausser den oben genannten liegen in Venedig noch folgende 
Salzburger Kaufleute begraben: 

Ludwig Alt^^), Sohn L. Alfs des Jüngeren e^), gest. 18. Januar 

1585, 19 J. alt; 
Georg Elsenhaimer^^), gest. 1577, 18 J. alt, Sohn Johanns Eis.; 



^) Rupr. L. war bereits 1514 Bürgermeister von Salzburg; cf. Zillner, Gesch. 
der Stadt Salzburg I, 356 no. 4. Ferner s. Walz S. 179, 180 ; Mittheilungen der 
Gesellschaft für Salzburger Landeskunde XI, S. 40 u. ff.; Prasch, Epitaphia 
Augustana I, 280. — ^) cf. Mittheilungen XVI, S. 448. — ^) ebda. XV, S. 159 
(oder Wiener? cf. oben S. 171 Anm. 2). — ■») Ein Wolfgang Pulcher wird 1513 
in Salzburg begraben; cf. Walz S. 507 (oder Laibacher?) cf. oben S. 178. — 
5) cf. Walz S. 267; gestorben 7. Juni 1594. - «) cf. Zillner I, 272, 317, 319; Herr 
Geheimrath von ßauernfeind, Director der hiesigen Technischen Hochschule, 
hatte die Güte, den Salzburger Ursprung seiner Familie zu bestätigen. — ') ebda. 
S. 273 — ^) ebda. S. 273 u. Walz S. 213, 339, 524. - ») Bd. 1 Nr. 709. - '") nicht 
1648, wie Zillner I, 329 angibt. — ^') besonders auch deshalb, weil der Salz- 
burger Fux „des inneren Rathes und Handelsmann" angeblich schon 1632 
gestorben ist, was freilich Walz S. 389 als eine Verwechslung mit 1662 an- 
zweifelt. — ^^) in S. Giovanni e Paolo ; über den 1586 gest. Vater cf. Walz, 
S. 266. — ^^) in S. Sebastiano ; cf. Cicogna, Inscrizioni IV. 222. 



Geschichtliches. X 7 5 

Thomas Unterhölzer^), gest. 26. März 1568 im 43. J. und 
Isaak Unterhölzer^), Sohn Georgs Unterholzer, gest. 15. Dez. 

1572 im 21. J.; 
Mathäus Spangler, gest. 23. Aug. 1767 ^) und 
Johannes Spangler, gest. 9. Aug. 1783 im 68. J.*), wenn beide 

wirklich aus dem gleichnamigen Geschlecht in Salzburg **). — 

Die eben genannte Familie Unterholzer bietet uns den Ueber- 
gang zu Baiern-München. Denn der gleichfalls in Venedig (19. Nov. 
1564 im 21. J.) verstorbene*') Sebastian Unterholzer war der Sohn 
des gleichnamigen Vaters, welch' letzterer vor seiner Uebersiedelung 
nach Nürnberg Bürger zu München war '); und zwar finde ich^), dass 
derselbe noch 1550 und 1555 hier in München gewesen ist. Von hier 
aus dürfte er also schon seine geschäftlichen Verbindungen mit 
Venedig unterhalten haben, wo er früher 1536 und 1538 im Fon- 
daco die Würde eines Consuls bekleidete. 

Dasselbe Amt hatte inne 1533 und 1535 ein anderer Münchener, 
Achatius Tegernseer ^). Ob derselben Familie der in der Liste von 
1508 aufgeführte Zan Tegesser angehörte, wage ich nicht zu ent- 
scheiden. 

Vielleicht war auch Hans Maroldt, der 1559 (und 1560?) 
Consul war, ein Münchener, da ein Stadt-Unterrichter gleichen 
Namens hier 1648 erwähnt wird^*^). — Im Uebrigen gab die Kunst- 
liebe der bayerischen Herzoge des 16. und 17. Jahrhunderts Anlass 
zu fortdauernder Verbindung mit Venedig. Albrecht V. und Wil- 
helm V. Hessen wiederholt Kunstgegenstände dort einkaufen und 
hatten ihre ständigen Agenten daselbst, die dann durch die deutschen 
Kauf leute die erworbenen Gegenstände heraussandten ^^) ; Maxi- 
milian I. liess 1603, 1604 und später gewirkte Tapeten daselbst in 
dem hohen Betrag von 1981, 4215 und 1940 fl. ankaufen u. s. w. ^^). 
— Münchener Leinwand wird ferner besonders unter den nach 
Venedig eingeführten Waaren erwähnt ^^). 

Desgleichen solche aus Braun au ^'^). Ferner finden wir noch 
am Handel in Venedig unter den bayerischen Städten betheiligt 
Landshut ^^), woher vielleicht Abraham Gigler (= Ziegler?) 1563 
ConsuP*^); Mittenwald, das noch am Anfang des 18. Jahrhunderts 
Durchgangsstation der „Venediger" Güter war und selbst aktiv an 



') Cicogna ebda. 221. — ^) ebda. ; über die Familie s. Zillner 1, 328 u. 333. 

— ') bestattet in der Confratemitä delle Stigmate di Francesco. — *) bestattet 
in S. Canciano. — *) Zillner I, 328. — *) und ebenfalls in S. Sebastiane bestattet ; 
cf. Cicogna IV, 221. — ') cf. Roth, Gesch. d. Nürnb. Handels 1, 387. — «) im 
Oberbayer. Archiv XI, 273. — ") cf. über ihn Oberbayer. Arch. Vll, 105; XI, 121; 
XXV, 291. — '") Oberbayer. Arch. XXV, 3.36. — ^') s. Stockbauer a. a. 0. 
S. 25 u. fF. — ") 8. Freyberg, Pragmatische Gesch. der bayer. Gesetzgebung und 
Staatsverwaltung seit den Zeiten Maximilian's 1. Bd. II (1836) S. .384 Anm. — 
") in der oben (S. 124 n. 3) erwähnten ,TarifFa'; cf. unten S. 197. — ^*) ebda.; 
cf. Freyberg a. a. 0. S. 391. — '•') s. Thomas, Sanuto etc. p. 138 Nr. 236 (1528). 

— '*) cf. Chroniken der deutschen Städte, Baierische St. S. 365. 



176 Geschichtliches. 



^ 



diesem Handel Theil nahm^). Sonst erscheint von baierischen Städten 
noch Partenkirchen durch die Familie Melling^), aus welcher ver- 
mutlich der Consul Lorenz Jakob Mehling 1740 — 47^) und Lands- 
berg durch den 1616 erwähnten Erhard Erhardt^) am venetianischen 
Handel betheiligt, dessen Brüder oder Verwandte uns den Uebergang 
vermitteln zu Augsburg. 

Wie innig Augsburg die Verbindung mit Venedig fortsetzte, 
geht schon daraus hervor, dass im Jahre 1555 die „ Botenordnung " 
erneuert wurde, aus welcher Greiff in den „Anmerkungen zu Lucas 
Rem's Tagebuch"^) folgende Bestimmungen mittheilt: „Es soll alle 
Samstag Abends ein Bot zu Augspurg die Brief einsammeln und 
damit auf sein, und den nächst darnach folgenden Samstag bei 
guter Tagszeit die Brief zu Venedig überantwurtten. Dessgleichen 
soll auch in Venedig ein anderer Bot, aus genanter der Augsburger 
Gesellschaft, am Freitag zu Nachtz die Brief einsammeln und am 
anderen Samstag darnach dieselben bei guter Zeit in Augsburg über- 
antwurtten, wie dan ain Zeitlang ist beschehen und die Post ver- 
pracht hat. Und sullen die Boten am Herkommen vom 1. Merz an 
bis auf Michaelis am Freitag zu Abend oder am längsten am Samstag 
bis zu 8 Uhr hier sein, dessgleichen zu Venedig bis Mittag auch da 
sein. Hernach von Michaelis an bis wieder primo Merz sollen sie 
die Brief Vormittag hie und in Venedig auch antwurtten zu 20 Uhr." 
„Diese Boten," fügt Greiff noch hinzu, „bildeten eine Zunft, oder 
Gesellschaft unter sich und erhielten ihre Anstellung und Ordnung 
vom Rathe der Stadt, der darüber genaue Aufsicht führte" ^). 



^) s. Baader, Chronik des Marktes Mittenwald S. 90. — '^) Deutinger, Beiträge 
zur Gesch. . . . des Erzbisthums München und Freising VI, 501. — ^) Elze bei 
Thomas, Milesio p. 100 ; Gesch. S. 64 u. 82 verzeichnet Elze einen Matth. Meilin aus 
Kempten (1729—57). — ■*) Bd. I Nr. 732. - *) S. 77. — «) cf. hiezu Bd. I Nr. 704. 
Wie ich nachträglich sehe, ist diese ,Venediger Potenn-Ordnung' von 1555 in der 
Zeitschr. des hist. Ver. f. Schwaben 1876 S. 303 u. ff', von Kränzler „Die Augs- 
burger Botenanstalt" veröff'entlicht worden. Ich entnehme dem Aufsatz noch 
Folgendes : „Die Boten, welche der , Ordnung' sich unterwerfen zu wollen erklärt 
haben, sollen aufgeschrieben werden, in einer durch das Loos bestimmten Reihen- 
folge, und in dieser dann reiten. Sie sollen allein berechtigt sein, Briefe und 
Gelder auf der Venediger Strasse zu befördern und deswegen für 300 fl. Bürg- 
schaft stellen. Die Zahl der eingeschriebenen Boten war anfänglich 8 ; fünf 
Jahre später wurden sie auf 6 herabgesetzt. Der erste Bote, der nach der Ord- 
nung abritt, war Hans Schwarzenburger (auch in Bd. I Nr. 704 genannt), näm- 
lich am , ultimo Martzo' 1555. Er kam wieder am 20. April ; er hatte also in 
Venedig eine Woche gerastet. Der zweite war Jörg Suitter, ritt weg am 7. April 
und kam wieder am 26. Der dritte war Peter Tuiringer, ritt weg am 1. Nov. 
und kam wieder am 21. Nov.; am 26. Dez. 1555, und kam wieder am 16. Januar 
1556. Wer seinen Ritt nicht in der vorgeschriebenen Zeit vollendete, wurde 
bestraft. Ritt einer ausser der Ordnung nach Venedig, so musste er auch so 
wieder herausreiten. Ob ausser oder in der Ordnung, beim Abgehen sowohl 
als beim Ankommen zahlte jeder Bote in die Botenbüchse 8 Kreuzer. Aus dem 
so Ersammelten werden in Unglücksfällen den Boten Unterstützungen gewährt. 
Im Laufe der Jahre erfuhr die Ordnung mannigfache Veränderungen und Zu- 
sätze. Nach Rathsbeschluss vom 3. März 1562 soll kein Venediger Bote mehr 
als 2 Pferde mitnehmen und keinen fremden Boten ,der in der Ordnung nit 



G eschichtliches. 177 

Die Liste von 1508 weist folgende Augsburger auf: 

Ulrich Fugger; 

Wilhelm und Konrad Rehlinger; 

Georg Rem (gestorben 1511, 11. Januar in Venedig^); 

Andreas Grander ^); 

Georg Höchstetter ^); 

Anton Welser und Konrad Vöhlin; 

Andreas Weiss*); 

Leonhard Pimmel^); 

Wilhelm Lindimer (? Lindiner); noch 1515 im Fondaco*^); viel- 
leicht auch 

Wolfhard Schwarz (oder Nürnberger?); 

Jakob Dalazagna = Talmazinger (?); 

Erasmus Pariomet = Parmet (?) ^). 

Jedenfalls sehen wir die hervorragendsten Geschlechter hier 
vertreten, die zum Theil dann auch in der Liste der Consuln wieder- 
kehren, während im Verzeichniss von 1646/47 nur folgende wenige 
davon aufgeführt sind: 

Anton Fugger; 

Georg Honolt^); 

Anton Pepfenhauser '') ; 

Emmerich Weiss, von dem es aber fraglich, ob er derselben 
Familie Weiss angehört, wie jener Andreas Weiss; 

Johann Baptist Schorer^^), der Sohn des am 10. April 1637 in 
Venedig verstorbenen, wohl einem Memminger Geschlecht ent- 
stammenden, 1629 von Augsburg nach Venedig geflüchteten 
Raymund Schorer ^ ^) ; 

Alexius Egger, der Schwager des vorhergehenden^^); 



begriffen' . . . Nach Beschluss vom 27. März 1582 sollen 7 Ordinariboten sein. 
Kann einer nicht reiten, so reitet der nächste eingeschriebene. ,Von jedem Unz 
der Postbrief soll ihnen 6 Kreuzer gegeben werden, und sie darneben verbunden 
sein, was sie sonst ausserhalb der Postbrief von Waaren oder Anderem, das 
man nach dem Gewicht zu lohnen pflegt, mitnehmen, sich auch mit 7 Kreuzer 
für das Pfund genügen zu lassen'. Die zu leistende Bürgschaft wird auf 500 fl. 
erhöht. Nach Beschluss vom 17. April 1590 , sollen die Venediger Ordinari und 
extraordinari Botten nit mer als mit 3 rossen reuten'; am S.Januar 1598 er- 
laubte der Rath mit 4 Rossen zu reiten. Am 20. April 1602 wird die Zahl der 
Ordinariboten auf 12 erhöht". Weitere Beschlüsse nach 1602 hat Kränzler nicht 
gefunden. — ^) bestattet in S. Giovanni e Paolo. — ^) „der letst seines Namens 
in Augspurg" gest. 24. Aug. 1531, bestattet zu Öt. Annen in Augsburg. Prasch, 
Epitaphia Augustana (1624) 1, 279. — =*) cf. Bd. 1 Nr. 653 n. 21a. _ *) der 
„1496 von Maximilian I. das Wappen mit dem Luxen erhielt"; Stetten, Gesch. 
der adeligen Geschlechter in Augsburg S. 314. — ') cf. Stetten S. 290. — 
*) s. Thomas, Register etc. S. 54. — ') welche Familie im 17. Jahrh. in Augs- 
burg vorkommt; cf. Stetten S. 443. - **) Stetten S. 302. - ») cf. Stetten 
S. 444 und Prasch 1, 295. — '") cf. Zapf, Augsburgische Bibliothek (1795) 
Bd. 1 S. 424. — ") ebda. S. 246 u. 423. — '^) cf. Zapf I, 245-247: „eigentlich 
aus Lindau gebürtig, ward 1626 nach Venedig in's Eberz'sche Haus (Geschäft) 
geschickt, heirathete dort eine Tochter Raymund Schorer's, gieng aber 1643 
von Venedig hinweg nach Augsburg". 

12 



178 



Geschichtliches. 



Johannes Amauser (cf. unten); 
Balthasar Ertel (Nürnberger?). 

Hingegen finden sich unter den Consuln nun eine ganze ausser- 
ordentlich grosse Menge Augsburger: 
1509—12 Leonhard Sulzer i); 
1515 — 16 Johann L auginger ^) ; 

1517 und 1539, 1540 Georg Uttinger, wohl als Vertreter der 
Handelsgesellschaft Endris Rem & Cie.^); 

1524 Marcus Ulstätt und aus der nämlichen Familie: 

1556 und 1564 Sebastian Ulstätt, auf dessen Veranlassung Lucas 

Linder (gleichfalls aus Augsburg) das grosse Capitolare I der 

Naz. Alem. zusammenstellte *) ; 
1592—93 Karl Ulstätt; 
1598 Johannes Ulstätt; 
1602 David Ulstätt, der 1548 (oder ein früherer?) vom Dogen 

S. Francesco Donato zum Cavalier von S. Marco ^) gemacht 

worden ist; 
1626—27 Christoph Ulstätt. Ferner 

1525 Jakob Welser und aus derselben (?) Familie: 
1581 und 1582 Marcus Welser; 
1527 Ludwig und 1531 Raphael Langenauer ^) ; 
1528—29, 1530, 1532, 1537, 1538, 1549, 1550 Philipp Walther'); 
1532, 1533, 1534, 1535 Anton Menhardt»); 

1536 Gerhard Hang"); 

1537 Pandulf Her wart; 
1546—47, 1551, 1553, 1556, 1560, 1563, 1567, 1572, 1575, IS' 

Johannes Amauser (Amhauser^*'), Anhauser); 

^) cf. Stetten S. 316 u. Augsburger Hochzeitsbuch hrsg. von F. Warnecke 
(1886) S. 13. - 2) ebda. S. 183; cf. Hochzeitsbuch S. 14-18. — ^) Wenigstens 
schickt Lucas Rem 1536 u. 1538 seine Söhne zu ihm und 1543 ^übernahm von 
ihm (Jörg Uttinger) der Diener Rems Hans Hartlieb Bücher und Cassa in Vene- 
dig" ; cf. GreifF, Tagebuch des Lucas Rem S. 32, 64, 67, 72. Wiederholt wird 
Jörg Uttinger in den Lehrbüchern über das „Zwifach Buchhalten etc." eines 
Johann Gottlieb (1545/46) oder Wolfgang Schweicker Senior von Nürnberg (1549) 
und im ,Libro Mercantile' des Domenico Manzoni (1564) aufgeführt — ein Zeichen, 
wie bekannt er in Venedig war; cf. Thomas. Sanuto p. 218 Nr. 349. — ■*) cf. Vor- 
wort zu Bd. I S. XIV. - ^) Stetten 193, Hochzeitsbuch S. 51. — ") cf. Prasch I, 
280 und 287; cf. Dimitz, Gesch. Krains III, 227. — ') Nach Cod. Cicogna 
3100 im Museo Civico Correr wird 1552 ein Philipp Walther ,aus Augsburg" in 
Venedig ermordet. — *) cf. Stetten S. 442 und Augsb. Hochzeitsbuch S. 41. — 
9) cf. Stetten S. 442 und Augsb. Hochzeitsbuch S. 40. — '") So lautet die Form 
in Cod. Cic. 3100 des Museo Civico Correr (,Copia der Brief etc.' ; cf. oben Vorwort 
S. XIV und später die Consuln-Liste), sowie bei Stockbauer a. a. 0. S. 57, 60, woraus 
Milesio , Amauser' gemacht ; trotzdem scheint fast die Form Anhauser die richtige 
zu sein, die sich als ,Anhuser' in einem Schreiben des Strassburger Rathes vom 
Jahre 1568 an die damaligen Cottimieri (cf. später Urkunden zum „Anhang") 
und als Annhauser in dem Vertrag zwischen Hans Paulus von Hörwarth und 
seinen Creditoren vom 3. Januar 1576 (Zeitschr. des bist. Ver. f. Schwaben 1882 
S. 151) findet, aus welcher zugleich hervorgeht, dass Hanns Annhauser der Factor 
Herwarths in Venedig war, wofern, wie ich nicht zweifle, beide Persönlichkeiten 
wirklich identisch sind. 



Geschichtliches. 179 

1551—52 Ulrich Waiblinger i) ; 

1553 Hieronymus Gienger^) (freilich auch ein Ulmer Geschlecht); 

1554 (und 1560?) Karl Rehlinger; 

1555 Sigmund Ehen (Ehern) 3); 

1557 Narciss Lieber (eigentlich aus Ulm)*); 

1560 Hieronymus Rem^) und 

1562 Abraham Rem; 

1574 Johannes Eisfogel''); 

1584—85,1590, 1591 (1595?) Johannes, 1635—36 Georg, 1643—44 
Ludwig und 1703—08 Erasmus Hopffer^); 

1589, 1590 Daniel Widholz»); 

1591 Marcus Manlich^); 

1599, 1600, 1614 Lorenz Craffter (gestorben 1616 am 26. Januar 
in Venedig, 72 J. alt)i«); 

1603—04 und 1612 Georg Walther; 

1610—11, 1615—16 Robert Amhauser (Reformirt) i'i) ; 

1612, 1615 — 16 Johann von Stetten; 

1614 und 1617 Christ. Eisfogel (?); 

1628—29, 1639—41 Emmerich Wais (= Weiss? Reform.) ^i); 

1637—38 Peter Linder (?); 

1642 Joh. Bapt. Schorer (Reform.) ^ 2); 

1645 — 46, 1649 — 1651 Anton Pepfenhauser ; 

1651-53 Joh. Jak. Burkhard (?)^^); 

1653—55 Daniel Bachmayer 1^) und Paul Pecchlen (=Böckhlin?) ^^) ; 

1659 — 62 Joh. Leonh. Schorer; 

1670—72 Melchior und 

1679 — 82 Johannes Langenmantel )Protest.) '^); 

1676 Gabriel Mangolt (? cf. später); 

1682—88 und 1703—1709 Philipp Albrecht Rad (Protest.), ge- 
storben 17. Juli 1712, 78 J. alt^^); 

1715—20 Daniel Amman (Protest.), schon 1713 in Venedig^«), 
auch 1723 im Fondaco^»), gestorben 1764 ^o); 

1720—22 Joh. Gg. Herm. Lucker (?); 



1) Prasch I, 189. — ') Augsb. Hochzeitsbuch S. 36. — ') Prasch I, 151 
u. Stetten S. 194. — *) Stetten S. 264 u. Hochzeitsbuch S. 62. — ^) Prasch I, 152 
und Hochzeitsbuch S. 64. - ") cf. Prasch IH, 90. — ') Stetten S. 291. — 
**) cf. Prasch II, 46. — ®) bekannte Augsb. Familie; cf. Prasch I, 49 u. 271; 
Hochzeitsbuch S. 52. — ^") bestattet in S. Bartolomeo ; cf. Hochzeitsbuch S. 44. 

— >') Elze, Gesch. S. 40. - '^) ebda. S. 60. — ") wenigstens bei Prasch I, 287 u. 
III, 57 n. 80 kommt diese Familie vor. — '*) cf. Elze bei Thomas, Milesio S. 86 Anm. 

- '*) Stetten S. 443. — '") cf. Zapf. Augb. Bibliothek I, 354 u. Elze, Gesch. S. 56 ; 
ein .lohann David Langenmantel wird auch 1677 als Deputirter der nach Italien 
handelnden Augsburger Kaufleute bei Erneuerung des Vertrages wegen der 
Rottfuhren mit Schongau erwähnt. Oberbayer. Arch. X, 107. — ") cf. Elze, 
Gesch. S. 1)6 ; Zapf 1, 376, bestattet als Protestant auf dem Lido. — ^^) Elze, 
Gesch. S. 111. — '^) Elze bei Thomas, Milesio S. 85; über das Geschlecht s. Stetten 
S. 319. — ^*') bestattet auf dem protest. Kirchhof S. Cristoforo della Pace ; Elze, 
Gesch. S. 82. 



180 Geschichtliches. 



1722—31 Johann Beck (Protest.), 1715 Kaufherr^), seit 1720 mit 
Schwestermüller associirt^), gest. 9. März 1753, 70 J. alt^); 

1731 — 35 Samuel Rudolf Kleinschmid (Protest.), 1720 Kaufherr, 
noch 1754 in Venedig^); 

1740 — 47 Joh. Konr. Schwestermüller (Protest.), schon 1716 in 
Venedig, 1720—42 mit Joh. Beck associirt, gest. 16. Okt. 1751, 
60 J. alt*); 

1747_53 Gottfr. Friedr. Amman (Protest.), 1733 Kaufdiener i), 
1745 Kaufherr, noch 1750 in Venedig^). 

Ausser einzelnen schon Genannten sind ferner in Venedig 
folgende Augsburger bestattet*^): 

Georg Rem, gestorben 1511''); 

Johannes Sitzinger, gestorben 19. April 1512^); 

Johann Ulrich Linck, Patricier, gestorben 26. Febr. 1566 (?)^); 

Johann Christel, gestorben 31. Okt. 15701"); 

Marcus Hatitze, Patricier, gestorben 1578^); 

Johann Singer, Bote, gestorben 1582^); 

Paul von Stetten, Patricier, gestorben 15. Juli 1579^); 

Georg Stenglin, gestorben 22. Juli 1591, 17 J. alt^i); 

Raymund Imhof, Sohn des Hieronymus Imhof i'^), Bürgermeister i^), 
gest. 8. Dez. 1591, im 44. J. ^), Gemahl der Regina BimeP*); 

Johann Herzel, gestorben 7. Sept. 1593, 60 J. alt^); 

Tobias Hopfer, gestorben 19. Dez. 1593, 24 J. alt^^); 

Christoph Christel, gestorben 27. Okt. 1636, 24 J. alt 9) (Sohn 
des 1573 genannten?) i*^); 

Raymund Schorer, gestorben 1637 (10. April, cf. oben)^''); 

Georg Lottner, gest. 22. April 1658, 70 J. alt 9) (bei Van-CöUn?); 

Hermann Lucchner (Luckner?), gest. 28. Dez. 1659, 24 J. alt ^) 
(bei Pecchlin (Böcklin?) und Sorer); 

Georg Christoph Mangolt, gestorben 1663 1**); 

Johann Christoph Hochaicher (bei Hopfer und Bachmayer), ge- 
storben 23. Nov. 1678. 63 J. alt^»); 

Jakob Schneider, gestorben 6. Mai 1718, 38 J. alt^»); 



n 



i 



^) Elze, Gesch. S. 63 u. 112. Diese Angaben bedeuten immer, in welchem 
Jahre der Betreffende die Kirchenordnung der evangelischen Gemeinde in Venedig 
als 'Kaufdiener oder als Kaufherr unterzeichnet hat. — ^) best, auf S. Cristoforo ; 
cf. Elze S. 63, 83 und bei Thomas, Milesio S. 85. - *) Elze S. 63 u. 118 und 
bei Thomas, Milesio S. 85. — *) bestattet auf S. Cristoforo ; cf. Elze S. 82 und 
112 fF. und bei Thomas, Milesio S.. 86 Anm. — ^) Elze S. 64 u. 117. — «) Hiebei 
sind auch die nicht ausdrücklich als Kaufleute Bezeichneten aufgeführt. — 
') bestattet in S. Giovanni e Paolo. — ®) bestattet in S. Francesco della Vigna. 

— ») bestattet in S. Bartolomeo. — i«) ebenso ; cf. Bd. 1 Nr. 707 und Stetten 
S. 443. — ^') ebenso; cf. Stetten S. 302. — ^^) ,des Jüngeren", der sich in 
Augsburg niedergelassen s. Stetten S. 176. — ") 1589 s. Oberbayer. Arch. X, 93. 

— '*) cf. Augsburger Hochzeitsbuch S. 77. — '*) nicht 1543 oder 1544, wie 
es in der Abschrift Cicogna's (s. Grabschrift Nr. 25) heisst; bestattet in S. Bar- 
tolomeo. — '") cf. Bd. I Nr. 709. - '') Zapf I, 423. - '«) bestattet in 
S. Bartolomeo; cf. Zapf 1, 354. — ^') bestattet in S. Bartolomeo. — '^") bestattet 
als Protestant am Lido. 



M 



Geschichtliches. 181 

Friedrich Pfauz (Prot., 1736 Kaufdiener, 1753 Kaufherr), gestorben 
13. Nov. 1778, im 64. J.^) und seine Gemahlin Ernestine Euphro- 
syne Pfauz, gest. 28. Sept. 1780^); ferner ohne Angabe des 
Todesjahres : 

Johannes Haider ^) ; 

Marcus Fugger ^). 

Von sonstigen mit Venedig in Handelsverbindung stehenden 
oder dort selbst verkehrenden Augsburgern seien noch erwähnt: 

Lucas Sitzinger 1516*); 

Ambrosius und Johann Höchstetter vor 1530^); 

Melchior Hainhofer 1563^); 

Christoph Pleinger '') , Vertreter von Daniel und Georg Hopfer, 
1573«); 

Sebastian Pfaffenberger (und Georg Federlein?) 1573^) und Ludwig 
Walther (1569—1571)1«); 

Hans Paul von Hörwarth vor 1576, in welchem Jahre (3. Januar) 
dieser zu Augsburg seinen Creditoren u. A, „die camer numero 36 
im teutschen hauß zu Venedig sambt der vahrnus und dem 
gewelb daselbsten, dergleichen was ime Hanns Annhauser, sein 
factor, und andere alda noch zu thun schuldig seien, frey 
bezahlungs weiß " abtritt ^ ^) ; 

Anton und Philipp Revial (Brüder) 160212); 

(Christoph Georg Mair 1605— 1608?) i^); 

Joh. Farckhet 1624 i*); 

Ludwig Hopfer als Vertreter von Hieronymus Marcus Ulrich Hogfer 

16401^); 

Marx Huber 1642—164516); ferner 

Sigmund Mangolt, Bruder des Gg. Chr. M., c. 1659— 66 i^); 

Hopfer und Bachmair, schon 1679 associrt^«), 1705 — 14 i^), der 

letztere in Verbindung mit Lucker 1719—1729 20); 
Joh. Gg. Herm. Lucker allein 1734—1741^1); 
Gust. Ad. Amman 1706 22); 



') bestattet auf S. Cristoforo delle Face; cf. Elze S. 115, 64 u. 82. — '') be- 
stattet in S. Bartolomeo. — ^) bestattet in S. Lio. — *) s. Ant. Tucher's Haushalt- 
buch in der ßibl. des literar. Ver. zu Stuttgart Bd. 134 S. 129. - ») Bd. I Nr. 699; 
aus der bekannten Familie ; cf. Hochzeitsbuch S. 33. — *) cf. Stetten S. 293. 
In Cod. Cicogna 3468 Mus. Civ. Corr. findet sich ein Schreiben des Augsburger 
Rathes an die ,Frocuratores super rationibus camerarum' in Venedig über eine 
Schuldforderung des M. H. gegen einen ,Leo Hebreus Veronensis'. — '') s. Bd. I. 
Nr. 709 u. Augsb. Hochzeitsbuch S. 77. — ^) s. Hochzeitsbuch S. 74 u. Frasch I, 283. 
«) s. Bd. I Nr. 709. — '") Bei diesen war 1569—71 Karl Hörmann aus Augs- 
burg (aus dem Kaufbeuren'schen Geschlecht) in Lehre; cf. L. Brunner, Aus dem 
Bildungsgange eines Augsb. Kaufmannssohnes aus dem Schluss des 16. Jahrh. 
in der Zeitschr. d. histor. Ver. f. Schwaben 1874 S. 144. — ") 5 Herwarthische 
Urkunden mitgetheilt von Hans Herwarth von Bittenfeld in der Zeitschr. d. 
histor. Ver. f. Schwaben 1882 S. 151. - '^) Bd. I Nr. 716; cf. Frasch II, 1. — 
") Zapf I, 351. - '*) s. Grabschrift Nr. 5. - ") Bd. I Nr 743. - '«) Zapf I, 314. 
— '') cf oben S. 178 u. Zapf I, 354. - "») s. Grabschrift Nr. 25. — ^*) Elze, Gesch. 
S. 109-111. — 2°) ebda. S. 112-114. - ^0 ebda. S. 114-116. - ") ebda. S. 108. 




182 Geschichtliches. 

Hans Albr. Dimpfel 1707—1721 1), von 1722—1732 associirt mit~ 
Hermann aus Meramingen ^) ; 

Jak. Gottl. Winklei 1735 -1740 3); diese alle wohl Protestanten, 
wie auch die folgenden: 

Hieronymus Sulzer, 1719 Kaufdiener, 1722 Kaufherr^); 

Matth. Langenmantel, 1721 Kaufdiener, 1733 Kaufherr, noch 1736 
in Venedig^); 

Joh. Jak. Habissreitinger, 1714 Kaufdiener, 1745 Kaufherr, noch 
1751 in Venedig*^); 

Paul Moriz Rachel 1726, 1745 und 1748^); 

Balthassar von Hösslin 1741, 1751 und 1773 »); 

Joh. Jak. Gutermann 1745 und 1768'^); 

Bened. Adam Liebert ohne Jahr^*^); ferner 

Sam. Dav. Kleinschmid 1763 in Venedig ^^); 

Friedrich Pfauz jr. 1780—1795 in Venedig i^). 

Endlich in neuester Zeit mehrere Glieder der Familie 

Benz: Christian, 1781 Kaufdiener, 1843 in Venedig gest. ^^); Lud- 
wig, 1794 Kaufdiener, 1810 Unterzeichner der ev. Organisations- 
akte; Paul, 1790 Kaufdiener, 1831 in Venedig gest. ^2); ferner 

Sam. Ludw. Burry, 1762 Kaufdiener, 1818 in Venedig gest.^^); 

Gottl. Christ. Haid, 1757 Kaufdiener, 1815 in Venedig gest.^^). 

Christ. Jak. v. Koepff, 1781 Kaufdiener, 1838 in Venedig gest.^^^). 

Nicht minder lebhaft als Augsburg nahmen die übrigen 
schwäbischen Städte noch immer an dem Handel nach Venedig Theil. 

Zum Beleg, dass „die von Augsburg westlich gelegenen 
schwäbischen Städte auch während dieses Zeitraums fortfuhren, einen 
von Augsburg unabhängigen, durchaus selbstständigen Handel auf 
Italien (und, wie wir hinzufügen dürfen, besonders nach Venedig) 
zu führen", verweist Falke ^*) auf eine kaiserliche Urkunde vom 
Jahr 1522, worin „kraft älterer Verordnungen bestimmt wird, dass 
der neue Weg, welchen die Stadt Kempten durch den Kemptner 
Wald, den vorher nur Saumrosse begehen konnten, jetzt auch für 
Fuhrwerke erbaut hatte, von jetzt an als die Hauptstrasse des 
Handels durch Tirol nach Italien dienen und niemand mehr den 
Nebenweg von Kempten auf Vils zu diesem Zwecke gebrauchen 
soUe". 

So finden wir Kaufb euren in der Liste von 1646 vertreten 
durch : 

Kaspar Mangolt, der später nach Basel übersiedelte^^); ferner in 
der Liste der Consuln durch 



') Elze, Gesch. S. 108-113; cf. Zapf I, 299. - "") Elze, Gesch. S. 113—114. 

— 3) Zapf I, 525. — ") Elze S. 63. — ') ebda. 63 u. 115. - ') ebda. S. 64 u. 118. 

— ') Elze S. 64 u. 117. - «) ebda. S. 64 u. 112. - «) ebda. S. 65. - ^o) Elze 
S. 65. - 1') ebda. S. 120. - '^} ebda. S. 123—125. — '^) ebda. S. 91 Anm. - 
1*) Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 1859 S. 616. — '*) cf. oben S. 148 
und Elze S. 56. 



Geschichtliches. 183 

Matthias Lauber von Laubenfeld (Prot., geb. 27. Jan. 1627) 1666 
—1669, 1673— 75; 1664 bereits iniFondaco, gest. 26. Dez. 1710 1) 
und dessen Bruder Joh. Christoph Lauber, gest. 27. Jan. 1711, 
70 J. alt ^). Ausserdem war aus Kaufbeuren die Familie 

Heinzelmann, welche an der Entwicklung der protestantischen 
Gemeinde Venedigs grossen Antheil genommen hat und min- 
destens seit Anfang des 18. Jahrhunderts in Venedig vertreten 
war, zuerst durch Joh. Gg. H., 1714 Kaufherr, dann durch 
Joh. H., 1715 Kaufdiener, 1753 u. ff. Consul, 1765 (23. Mai) 
in Venedig gestorben, und dessen Söhne Joh. Konr. , 1750 
Kaufdiener, 1768 Kaufherr, 1810 gestorben; Gg. Dan., 1768 
Kaufherr, 1816 gest.; Sigm. Christ. 1754, 1768; Joh. Gg. Jak. 
1760, 1768; Seb. Wilh. 1773, 1768, 1816 gest. 3). — 

Aus Kempten waren die Kaufleute: 
Felix Fehr, Prot., 1706 Kaufherr, 1731-1735 Consul, 1768 in 

Venedig gestorben^); die Firma bestand aber weiter und hiess 

später (von 1779 an bis wenigstens 1785) Felix Fehr und 

Gwinner (aus Stuttgart) ^) ; 
Joh. Konr. Seutter, Prot., 1717 Kaufherr«); 
Matthias Mellin, Prot., 1729 Kaufherr, 1757 in Venedig gestorben'); 
Christ. Ludw. Brombeis, Prot., 1711 Kaufdiener, 1746 Kaufherr, 

1764 in Venedig gestorben'); 
Otto Phil. Zeller, Prot., 1728 Kaufdiener, 1754 Kaufherr, 1774 

in Venedig gestorben'); 
Matth. Föhr, Prot., 1750 Kaufdiener, 1754 Kaufherr, 1757—1760 

Wendelin Luc. Dickh,' Prot., 1721 Kaufdiener, 1769 Kaufherr^); 

Hieronymus Hau, Prot., 1744 Kaufdiener, seit 1754 wenigstens 
Kaufherr, bis 1790 in Venedig ^^); 

Johann Michael Weitnauer, Prot., 1783 mit Elhardt associirt, ge- 
storben 1802^1); 

Hieronymus Elhardt, Prot., 1754 Kaufdiener, gestorben 1800^^), 
vielleicht Sohn des 1776 verstorbenen Gabriel Elh.^^); 

Gg. Jak. Daumiller, Prot., 1793-95 in Venedig ^4); 

Jak. Karrer, Prot., 1795 Kaufdiener, 1810 Unterzeichner der 
evangel. Organisationsakte ^*); 

Jak. Zäberlein, Prot., geb. 1764, 1769 Kaufdiener, 1810 Unter- 
zeichner der ev. Organisationsakte, gest. 1820 in Venedig ^^). — 



') Elze S. 56, 66, bestattet am Lido. — ^) bestattet am Lido. — ') s. Elze, 
Gesch. S. 6.S— 65, 74 u. fF. — ") bestattet auf S. Cristoforo, Elze S. 63 u. 82; 
cf. Ph. J. Karrer, Beschreibung von Kempten (1828) S. 94. — *} Elze S. 121—123. 

— ') Elze S. 63 u. 112; cf. Karrer, S. 186. - «) bestattet auf S. Cristoforo 
s. Elze S. 64 u. 82. - ') Elze S. 64 u. 119; Karrer S. 81. - **) ebda. S. 65 u. 121. 

- 9) ebda. S. 65, 118 u. 125; Karrer S. 94. — ") ebda. S. 65 u. 123. — ") ebda. 
S. 65. — ") ebda. S. 82. - ") ebda. S. 124-125. — '") ebda. S. 91. — '*) ebda. 
S. 91 u. 92. 



184 



Geschichtliches. 





Aus Memmingen waren wohl imter den in der Liste 
1508 genannten Kaufleuten: 

Leonhard Miner ^) und 

Hieronymus Hais (= Heuss? cf. unten); 
in der Liste von 1646 : 

Georg Zoller (1660 in Augsburg) ^) und 

Raymund Schorer^). 

Unter den Consuln waren wohl Memminger: 

1567 Anton Schorer; 

1571 Leonhard Hermann (cf. nachher); 

1637—1638 Georg Zoller; 

1657—1659 Franz Pilgram^); 

1735—40 Benedict Hermann, Prot., 1710 Kaufdiener, 1722 asso- 
ciirt mit Dimpfel, vom Kaiser später geadelt, gest. in Venedig 
1782^); und aus derselben (?) Familie Joh. Mich. Hermann 
1747-53 Consul. 
Bestattet sind in Venedig ferner aus Memmingen: 

Johann Wilhelm Hügel, Prot., 1716 Kaufdiener, 1736 Kaufherr, 
gest. 1768, 9. August, 69 J. alt 6); 

Joseph Friedrich Heuss, Prot. (geb. 14. Dez. 1716), 1740 Kauf- 
diener, 1753 Kaufherr, gest. 1770, 9. Sept.'); 1766 associirt 
mit Schalkhauser, 1743 — 54 auch mit Jastram (a. Portsmouth); 

Michael Bauer, Prot., 1783 s). 
Ferner werden erwähnt: 

Johann Jakob Mayr, Prot., 1757 Kaufherr, gest. 1795 (Pin Venedig)^); 

Veit Ludwig Laminit, Prot., 1746 Kaufdiener, 1769 Kaufherr, 
1775—87 associirt mit Reck»); 

Joh. Kleiber, Prot., 1769 Kaufherr i»); 

Joh. Wolfgang Schifflin, Prot., 1769 Kaufdiener, wenigstens 1779 
Kaufherr ^ ^) ; 

David Kerler, Prot., 1793 Kaufdiener, 1810 Unterzeichner der 
Organisationsakte, gestorben 1812 in Venedig^'). — 

Ziemlich zahlreich ist Ulm vertreten. 

In der Liste von 1508 erscheinen folgende Ulmer: 
Ludwig Rottengetter, wohl aus der früher ^^) erwähnten Familie; 
Johann Rorer; 
Nikolaus Gregk ^^) und wahrscheinlich 



^)'cf. Schorer, Chronik von Memmingen (1660) S. 62. — ^) cf. Schorer 
Vorwort und Karrer, Memminger Kronik S. 122 ; cf. Zapf I, 248 u. 424 ; nach 
Grabschrift Nr. 12 hätte es bereits seit 1524 ein Familiengrab in S. Bartolomeo 
gegeben. — ') cf. oben bei Augsburg S. 177. — *) nach Elze S. 56; doch gab 
es auch eine Nürnberger Familie gleichen Namens ; cf. Roth 1, 353 u. II, 83. — 
*) bestattet auf S. Cristoforo, s. Elze S. 82 u. 83; cf. Karrer, Memminger Kronik 
S. 105, 120, 227. — ^) bestattet auf S. Cristoforo; cf. Elze S. 63, 82, 115-120. — 
') bestattet auf S. Cristoforo, s. Elze S. 64 u. 82. - «) Elze S. 64. — ») ebda. 
S. 65, 122-124. - '«) ebda. S. 65. — ") ebda. S. 65 u.l23. - '^) ebda. S. 91. 
— '') cf. oben S. 63. — ^^) cf. Kembeck , Zur Gesch. der Familie Greck in 



Geschichtliches: , 185 

Georg Besserer fPexa); 

in der Liste von 1646: 
Johann Chechel (= Kechel, Prot.^); 

in der Liste der Consuln: 
1551—1553 Albert Schad^); 

1557 Narciss Lieber, der später nach Augsburg übersiedelte'); 
1558—1559, 1562, 1565 David Adelhart, der am 12. Juli 1570 in 

Venedig, 40 J. alt, gestorben ist*); 
1571 Johann Heinrich Gienger (oder Augsburger?)-''); 
1633—1634 Jakob Kechel; 

1642 Kaspar Kechel (schon 1622 in Venedig)^); 
1695—1702 Johann Georg Kechel, noch 1723 im Fondaco'); 
1710 — 1712 Daniel Friedrich Weichmann (Weickhmann?), schon 

1706 in Venedig, noch 1723 im Fondaco^); 
1715—1720 Georg Matthias König, Prot., schon 1711 in Venedig, 

1746 dort gestorben 9); 1747—65 hiess die Firma: G.M. Königes 

Erben i"). 

Bestattet in Venedig sind ferner noch folgende Ulmer: 
Jodocus (Jobst) Schad, Sohn des Daniel Schad, gest. 22. März 1584 

(oder 1. April 1585?) im 20. J.^i); 
Hieronymus Kechel und seine Gattin Magdalena, gest. 1622 1^); 
Georg Weichmann, gest. 23. Juli 1660, 23 J. alt^^). 

Ausserdem führt Elze noch folgende Kaufleute aus Ulm auf: 
Wolfg. Gottl. Schellenegger, Prot., 1715 Kaufherr, auch 1716 in 

Venedig ^^)] 
Joh. Jak. Merck, Prot., 1710 Kaufdiener, 1720 Kaufherr, gestorben 

1723 nach dem 22. März^^); 
Jakob Müller, Prot., 1708 Kaüfdiener, 1720 Kaufherr i*); 
Matth. Lud. Kiechel, Prot., 1736 Kaufdiener, 1745 Kaufherr i^); 
Joh. Jak. Firnkranz, Prot., 1745 Kaufdiener, 1757 Kaufherr, 

gestorben 1797 ^^). — 

Wenn in der Liste von 1508 unter ,Lunardo da Norlin' nicht 
ein Nürnberger Leonhard Nördlinger zu verstehen ist, wäre auch 
Nördlingen damals in Venedig vertreten, was später nur sehr 
spärlich der Fall gewesen zu sein scheint — obwohl es an der 
grossen Handelsstrasse Augsburg — Nürnberg lag, „auf welcher der 
levantische Handel von Venedig nach dem Norden zog" ^^). Ich finde 
eigentlich nur einen Christoph Spinabac (?), gest. 7. Jan. 1574 im 



I 



den Württembergischen Vierteljahrsheften 1879 S. 56. — *) s. Elze S. 56. — 
2) cf. Dieterich, Beschreibung der Stadt Ulm (1826) S. 195. — ') cf. oben S. 179. 
— ") bestattet in S. Lio. — *) cf. Dieterich S. 194. — ") s. Grabschrift Nr. 33. — 
') cf. Elze S. 66 und bei Thomas, Milesio S. 85. - ') s. Elze S. 109 und bei 
Thomas S. 85. — ») bestattet auf S. Cristoforo, s. Elze S. 82 u. 111. - '") Elze 
S. 117—120. - ^') bestattet in S. Bartolomeo. — ^^) s. Elze S. 63 u. 111. ~ 
") ebda. S. 63 und bei Thomas, Milesio S. 85. — ") Elze S. 63. — '*) ebda. 
S. 64. — '") Beyschlag, Gesch. der Stadt Nördlingen S. 36. 



186 , Geschichtliches. 

56. J. ^), und Johann Gabriel Doppelmayr, Prot., 1723 Kaufherr. 
1726 mit Esterlin associirt, bei Elze 2) erwähnt; 
ebenso einige wenige aus Stuttgart: 
Johann Georg Stahl, Prot,, 1717 Kaufdiener, 1722 Kaufherr, 

1753 — 1759 Consul, in oder bei Venedig gestorben^); 
Job. Christ. Gwinner, Prot., 1769 Kaufdiener, 1775 wenigstens 
Kaufherr, 1779 — 85 associirt mit F. Fehr*). 
Aus Ludwigsburg verzeichnet Elze ^) 
Joh. Heb. Dannenberger, Prot., 1753 Kaufdiener. 1760 Kaufherr, 
noch 1769 in Venedig. 

Dass auch kleinere Orte noch eifrig am Handel mit Venedig theil- 
nahmen, mag das Beispiel von Schwäbisch-Gmünd beweisen, das, 
wie es in einer alten Beschreibung ^) heisst, zwar an keinem schifF- 
reichen Wasser gelegen, keine grosse Landstrasse, keinen Kornbau, 
keinen Weinwachs besessen, aber sich bestrebt habe, mit Kauf- 
mannschaftsgewerben in fremde Länder zu handeln: „sonderlich mit 
Handwerken, Segisschmidt, Paternoster, Augstein (= Bernstein), 
Christallen, Bein und Holzwerk, die mehrertheils in Lisabona, Italia, 
Venedig, Maylandt, Lyon u. s. w. verführt, dagegen andere Wahr 
heraus gebracht werden". 

Genannt werden ein Jakob Hörn und ein Lucas Uschall, welche 
dem im Jahre 1552 nach Venedig reisenden Daniel Ecklin von Aarau 
Empfehlungsbriefe dahin mitgaben, wie auch ein Dr. Balthasar Brunch 
an einen „dazumal zu Venedig wohnhaften" (aber nicht genannten) 
Kaufmann von Schwäbisch-Gmünd ''). Eben daher waren vielleicht 
auch die in der Liste von 1646 aufgeführten Erben des Georg Schmit 
und Tobias und Georg Schmit, sowie der Consul Matthaeus Schmid 
1623—25 8). _ 

Auch Biberach stand noch immer in Geschäftsverbindung mit 
Venedig, wie folgende Biberacher beweisen, welche die Kirchen- 
ordnung der dortigen evangelischen Gemeinde unterzeichneten: 
Emanuel Ludwig Gauy 1717 als Kaufherr''); 
Joh. Sigm. Natter 1735 als Kaufdiener, 1753 als Kaufherr, ge- 
storben 17731«). u 
Desgleichen Ravensburg, woher vielleicht 11 
Andreas Aigler 1561 ConsuP^) und Gottfried Eichler 1672— 73 ~*' 

Consul» 1); 
Joh. Georg Specht, Prot., 1706 Kaufherr, gest. 1751 in Venedig 1^); 
Hier. Mich. Schürnbrand, Prot., 1708 Kaufdiener, 1717 wenigstens 



') bestattet in S. Sebastiano. — ^) Gesch. S. 63 u. 113 und bei Thomas. 
Milesio S. 86. - ") bestattet auf S. Cristoforo , Elze S. 63 u. 82. - ') Elze 
S. 65, 122, 123. - ■*) Gesch. S. 64 u. 121. — «) J. Frischlin's, s. Birlinger in den 
Württembergischen Vierteljahrsheften 1880 S. 26. — ') s. Feyerabend, Reyßbuch 
1584 fol. 399'. - «) cf. Bd. I Nr. 369. — ") Elze S. 63 u. 64. — '") bestattet 
auf S. Cristoforo, s. Elze S. 64 u. 82. — ") cf. Eben, Versuch einer Geschichte 
der Stadt Ravensburg S. 521. — '') bestattet auf S. Cristoforo, s. Elze S. 63 
und 82. 



Geschichtliches. 187 

Kaufherr, 1735—1740 Consul, gest. 7. Juni 1750, 68 J. alt, in 
Venedig^). — 

Aus Leutkirch war 
Job. Jakob Deller, seit 1670 im Fondaco etablirt, 1673 — 1675, 

1688—1694 und 1695—1702 Consul, 22. Dez. 1707, 63 J. alt, 

in Venedig gestorben ^), und 
Johann David Weber, Prot., 1791 Kaufdiener, 1810 Unterzeichner 

der evang. Organisationsakte, gestorben 1847^). — 

Isny ist namentlich durch die (protest.) Familie Eberz ver- 
treten, die freilich auch in Lindau, Memmingen und Augsburg zu 
finden"*). Als Angehörige dieser Familie erscheinen in Venedig: 
1573 Kaspar Eberz s); 

1640 und 1646 Georg Eberz der Aeltere^); 

1646 Georg Eberz (der Jüngere) und Daniel Eberz '') ; ein gleich- 
namiger starb 18. Nov. 1629, 55 J. alt, in Venedig^); ferner in 
der Liste der Consuln: 
Jakob Eberz 1544 — 1545 und 1549 — 1551; ein gleichnamiger 

starb 3. Dez. 1644, 18 J. alt, in Venedig «); 
Johann Hieronymus Eberz 1664—1666 und 1669 — 1670; 
Georg Christ. Eberz 1675—79 (1683, Aug. noch in Venedig) ^). - 

Aus Lindau werden aufgeführt: 
Müller, Prot, (um 1650)^0); 
Jakob Bensperg, Prot., in Venedig wenigstens seit 1712, 1720 — 22 

Consul, gest. 25. Febr. 1739, 71 J. alt^i); 
Joh. Gg. Bensperg, Prot., 1733' Kaufdiener, 1739 Kaufherr, noch 

1760 in Venedig 12). 

Joh. Heinr. Enderlin, Prot., 1720 Kaufdiener, 1739 Kaufherr, 
6. März 1752, 45 J. alt, in Venedig gestorben i^); 

Andr. Riesch, Prot., 1736 Kaufdiener, 1749 Kaufherr i^); 

Erhard Riesch, Prot., 1736 Kaufdiener, 1789 — 91 wenigstens mit 
Wagner associirt, 1794 allein, seit 1801 Consul, gest. 25. Nov. 
1810 in Venedig 15). 

David Egg, Prot., geb. 3. Jan. 1743, gest. 21. Juni 1802 i«'); 
Jak. Schweicker, Prot., 1780 Kaufdiener, 1810 Unterzeichner der 

evang. Organisationsakte, 1839 in Venedig gestorben i^); 
Joh. Ludw. Schweicker, Prot., 1793 Kaufdiener, 1810 Unterzeichner 

der evang. Organisationsakte, 1850 in Venedig gestorben ^ ^) ; 



') bestattet auf S. Cristoforo, s. Elze S. 68, 82, 83. — ^) Elze S. 66; 
bestattet, obwohl Protestant, in S. Bartolomeo. — ') Elze S. 90 u. 91. — '') cf. Zeit- 
schrift des historischen Vereins von Schwaben XI, 26 ; Stetten S. 444, Elze S. 56 
und Schorer S. 25. — ■') Bd. I Nr. 709. — ") ebda. Nr. 743. - ') ebda. Nr. 748. 

— **) bestattet in S. Bartolomeo. — ') s. Sterberegister von S. Bartolomeo. — 
'") Elze S. 56. — ") cf. Elze S. 110-115; bestattet auf S. Cristoforo. - '^) Elze 
S. 64 u. 119. — 1») bestattet auf S. Cristoforo, s. Elze S. 64. — ") Elze S. 64. 

— '*) Elze S. 87 Anm. 3. — '") bestattet auf S. Cristoforo. — ") Elze S. 91. 




188 Geschichtliches. 

Joh. Jak. Siri, 1799 Kirchenältester, mit seinen zwei Söhnen 
Jak. Gottfr. (gest. 1832 in Venedig) und Joh. (gest. 1847 ebendort) : 
sämmtliche 1810 Unterzeichner der evang. Organisationsakte ^). 

Ausser Betracht lassen wir die Schweiz, die zu Beginn dieses 
Zeitraumes allerdings noch zu Deutschland gerechnet wurde, wie 
aus einzelnen Verfügungen an die Visdomini (z. B. von 1518 und 
1536) hervorgeht^), und z. B. St. GaUer Leinwand^), Freiburgische 
Tücher ^) noch immer unter den Einfuhrartikeln begegnen. Frei- 
lich steht dahin, wie weit die Schweizer selbst aktiv an diesem 
Handel mehr betheiligt waren — Namen sind uns aus dieser Zeit 
nicht bekannt geworden. Dass sie später nicht mehr als zu Deutsch- 
land gehörig betrachtet wurde, ist bei dem Falle Mangolt 1649 
ausführlicher besprochen worden. 

Wenden wir uns den Rhein hinab zu Strassburg. Dies ist 
in der Liste von 1508 vertreten durch: 
Friedrich Brechter ^); 
Matthaeus Ingolt^); 

Anselm Johann^), wozu als vierter — in dem Verzeichniss der 
ersten Miether der Gewölbe vom Jahre 1508 wird das mit „Nr. 25" 
bezeichnete ausdrücklich „den vier Strassburgern" zugewiesen'^) 
— vielleicht Chimento in Compagnie mit Ziegler (?) gehört 
oder Stephan Kappler. | 

Als Faktor der Ingolt in Venedig wird später Hans Albrecht Arm- 
bruster genannt, der 1568 Consul und vielleicht noch 1589 in Venedig 
war ^). Sonst sind aus späterer Zeit keine Namen von Strassburgern 
überliefert, und aus gelegentlichen Bemerkungen in der Streitfrage 
des Jahres 1649 scheint hervorzugehen, dass die Strassburger damals 
kaum mehr in sehr regem Verkehr mit Venedig gestanden '-*). 

Aus Colmar nennt Elze ^*^) 
Gg. Frdr. Faber, Prot., 1755 Kaufdiener, 1760 Kaufherr, noch 
1775 in Venedig. 

Etwas regeren Verkehr mit Venedig unterhielt vielleicht noch 
Frankfurt, auf dessen Anschluss man in Nürnberg 1649, wie es 
scheint, besonderes Gewicht legte. 

In der Liste von 1508 dürften aus dieser Stadt sein: 
Johann Brun ^ ^) ; 
Nikolaus Rayner (?) ^ ^) ; 

^) Elze S. 85 u. 91. - 2) Thomas, Register zum Capitular S. 33 u. 36. - 
3) cf. ,Tariffa' und unten S. 197. — ") s. Bd. 1 Nr. 676. — ^) cf. Code historique 
et diplomatique de la ville de Strasbourg (1843) t. I, p. II, p. 282. — '^) ibid. 
p. 283. — ') s. Bd. I Nr. 658. — ") Zeitschrift für Baiern Jahrg. 2 Bd. 3 (1817) 
S. 354. Ein Albr. A. mit seinem Sohn Daniel wird nämlich von Samuel Kiechel 
1589 erwähnt („Reisen", hrsg. v. Hassler in der Bibl. des literar. Ver. Bd. 86 
S. 462). — ') cf.Bd. I S. 448. - ") Gesch. S. 64 u. 79. - ") wenigstens eine 
Frankfurter Familie am Ausgang des 15. Jahrb.; cf. Archiv für Frankfurtische 
Geschichte, Neue Folge, III, 165. — ^') cf. Stetten S. 443. 



I 



•4 



Geschichtliches . 189 

Johann Soth oder Scoth, d. h. wohl Schott (?), auch 1506 schon 
genannt ^). 

Aus der nämlichen Familie wären dann anzuführen: 
1573 Tobias und Abram Sot, deren Vertreter Christoph Mercart^). 

Ferner ist zu nennen: 
1640 Joh. Phil, und Nikolaus Fleischbein (Prot.) ^), vertreten durch 
Christ. Rottenhofer (aus Nürnberg), der später (1 649) als Schwieger- 
sohn des Letzteren erwähnt wird^). Die nämlichen werden in 
der Liste von 1646 aufgeführt, wo ferner aus Frankfurt Avohl 
Jakob Stengel*). 
Unter den Consuln wären dann Frankfurter gewesen: 
Sebastian Soth 1537, 1539; 
Martin Abt 1595 s); 
Joh. Phil. Fleischbein 1630—1632; 
unter den in Venedig Bestatteten: 

ein anderer Johann Fleischbein, gest. 3. Mai 1631, 26 J. alt^); 
Phil. Ludw. Fleischbein von Cleeberg, gest. 3. Nov. 1674, 28 J. alt ''); 
Justiuian Buker, Prot., gest. 19. Dez. 1803, 41 J. alt«). 

Ausserdem wüsste ich hier nur noch anzuführen, was Kriegk ^) 
aus einem 1558 geschlossenen Geschäftsvertrag zwischen dem Frank- 
furter Patrizier Kraft Stalburg und dem Hagenauer Patrizier Jakob 
von Botzheim mittheilt. Es heisst darin: „Unsere gemeinsame 
Kammer im Teutschen Haus zu Venedig sol uf dismal also beruhen 
und in Bedacht sten, ob man die wieder verkaufen oder fürbass 
behalten wolle". 

Wie nothwendig aber hier überall noch genauere Recherchen 
über die Betheiligung der einzelnen Städte sind, zeigt recht deutlich 
das Beispiel Kölns, über dessen fortdauernde Beziehungen zu Venedig 
wir dank den Nachforschungen Ennen's besser unterrichtet sind als wie 
über irgend eine andere Stadt. Mit Recht hebt derselbe hervor, dass 
der Fondaco im 16. Jahrhundert noch immer eine grosse Anziehungs- 
kraft für die Kölner behalten. In der Liste von 1508 finden wir: 
Gotthard (Michercheni) ; 
Anton Paffend or p ^''); 

einen Peter ^^) und einen Hermann ohne weitere Bezeichnung; 
,in den 30er Jahren stand Gottfried Hittorf mit den Venetianern 
in lebhaftem Handelsverkehr" ^2); 



') Bd. 1 Nr. 639, 642, 644; über die Frankf. Familie Schott s. Mittheilungen 
für Frankfurtische Gesch. IV, 171. — «) Bd. I Nr. 709. — ») Elze, Gesch. S. 56. — 
*) Bd. 1 Nr. 761 (wo gesagt wird, er habe sich lange Zeit im Fondaco auf- 
gehalten). — •■*) nach Siebmacher's Wappenbuch V, 2 p. 12. — *) bestattet in 
S. Bartolomeo. — ') bestattet in S. Canciano; fränkisches Geschlecht cf. Kneschke, 
Neues allgemeines deutsches Adels-Lexikon (1859 ff.) Ill, 276. — ^) bestattet auf 
S. Cristoforo. — ') Deutsches Bürgerthum im Mittelalter S. 451. — '") cf. Arnold 
von Harff's Pilgerfahrt, hrsg. von E. v. Groote, S. 41. — ^') den Elze freilich, 
aber meines Erachtens ohne Grund, für einen Peter Van-Cölln (aus Aachen) hält, 
Gesch. S. 41 Anm. - ^^) Ennen S. 117. 



190 Geschichtliches. 



m 



n 



1554 im Januar zogen Vitus Kleinhans und Matthias Lederer mit 
einer Waarensendung nach Venedig; 

1561 finden wir in Venedig den Kaspar Westerburg und Lubbert 
Koch; um dieselbe Zeit trieben Heinrich Helman und sein Sohn 
Carl in Venedig kaufmännische Geschäfte ^) ; die von ihnen im 
Fondaco benützte Kammer sollten 1562 die schon gegen 8 Jahre 
in Venedig Geschäfte treibenden Brüder Weinhold und Johann 
Mohr erhalten; 

1578 finden wir Sebastian Ritz als Faktor von Andreas Polster; 

1580 Heinrich Sob; 

1581 Simon de König; ^ 
1583 Kaspar Rumpf als Vertreter der Firma Kaspar von Wedig, H 

Gisbert von Gir und Göddert von Wedig in Venedig; ' 

1597 wird Peter Gabry als ein in Venedig Handel treibender 

Kölner Kaufmann angegeben. 

„Auch im 17. Jahrhundert bestand ein nicht unerheblicher 

Handelsverkehr zwischen Köln und Venedig. Von den Kaufleuten, 

welche von Zeit zu Zeit Waarensendungen nach Venedig expedirten, 

werden genannt: Heinrich und Jakob de Grote, Nikolaus Spilleurs ^), i 

Peter de Berges, Anton Gierath, Hermann von Wedig, Jakob Greuter, jfl 

Hermann Rheinfelden, Philipp Dore, Johann von Bolandt, Franz " 

Brassart, Anton Tonet und Simon Borel" ; wozu wir noch hinzufügen 

können: 

1605 die Gebrüder Holländer^); 

1607 Baptist Bergis^); 

1608 Jakob Hootschliger ^). 
„In Venedig selbst finden wir," fährt Ennen fort, „theilweise 

als Eigenhändler, theilweise als Faktoren: 
1627 Johannes de Colonia; 

Franz Haltermann, 1627 in Venedig gestorben; 
David und Johann Ulstatt, die 1626 in Venedig für Hermann 

Rheinfelden Kristallgläser kauften und dieselben zu Schiff nach 

Amsterdam schafften; 
Kaspar Frickhausen, der in Venedig heirathete; 
Nikolaus, Paulus und Nicasius Vivien 1631; 
Johann Baptist Mora 1633; 

Paulus Ramaecker 1643 (oder aus Aachen? cf. unten); 
Balthasar Van-Cölln 1643, in welchem Jahre er (oder sein Sohn?) 

am 16. Januar in Venedig, 20 J, alt, gestorben''); 1640 wird 

als sein Vertreter im Fondaco Gio. Borgetti genannt ^) ; 
Kaspar Van-Cölln 1644; 
Ferdinand Van-Cölln 1646; 
Abraham Van-Cölln 1649. 

Freilich ist bei den letzteren nicht sicher, ob sie nicht der 




') cf. oben S. 153. - ^) cf. oben S. 160 Anm. 1. — ») Bd. I Nr. 721. - *) ebda. 
Nr. 723. — *) ebda. Nr. 728. — ^) bestattet in S. Bartolomeo. — ^) Bd. I Nr. 743. 



Geschichtliches. 191 

ursprünglich Aachener Patrizierfamilie gleichen Namens angehören, 
von welcher ausserdem in der Liste von 1646 Johann und Peter 
Van-Cölln aufgeführt werden, wie unter den Consuln: Franz Van- 
Cölln 1541 — 1543 und später der schon genannte Abraham Van- 
Cölln 1655—57, 1662—64 und 1669—70, Haupt der reformirten 
Gemeinde ^). 

Ferner darf Abraham Spillieur hier nicht übergangen werden, 
und gegen Ende des 17. Jahrhunderts finden wir noch einen Franz 
Bourel (Verwandten des oben genannten Simon Borel?) aus Köln, 
der 23. März 1699 im 73. J. in Venedig gestorben ist ^). 

Aus der Nachbarstadt Aachen sind ausser den schon genannten 
Gliedern der Familie Van-Cölln noch anzuführen^): 

Peter Cupp; Daniel Hagen; Johann Van-Cölln; Gotthard Gra- 

vingen 1607; ferner^) 
Matthias Van-Cölln 1624; 
Kaspar Ingelbrecht 1632; 
Paulus Ramaecker 1645 (cf. oben); 
Jodocus Pelser 1648. 

Von den übrigen Städten Nord- oder Niederdeutschlands sind 
mir nur folgende wenige Nachrichten über Handelsverbindungen mit 
Venedig bekannt geworden. 

Aus Hamburg werden bei Elze^) als Unterzeichner der 
Kirchenordnung der evangelischen Gemeinde aufgeführt: 

Joh. Koning (Koninck), 1729 Kaufherr, 1736 — 44 mit Stahl associirt, 

gestorben 1746 6), und (sein Sohn?) Richard, gest. 1777^); 
Konrad Martens, geb. 10. Jan. 1704, 1732 Kaufdiener, 1743 Kauf- 
herr, gest. 1. Jan. 1786, dänischer Consul in Venedig*); 
ferner aus Berlin: 
Sigmund Streit, Prot., 1710 Kaufdiener, 1715 — 52 Kaufherr, 

gest. 1775 in Venedig^), und 
Friedr. Ludw. Streit, Prot., 1737 Kaufdiener, 1757 Kaufherr bis 
wenigstens 1765 ^*'). 
Ob Danzig nach jenem Gesuch von 1597 die Beziehungen zu 
Venedig weiter gepflogen hat, vermag ich nicht anzugeben ^^). In 
eifrigeren stand wenigstens am Anfange dieses Zeitraumes noch 
Breslau, wie schon daraus hervorgeht, dass im Januar 1527 eine 
nach Wien an König Ferdinand abgeordnete Gesandtschaft des 
Breslauer Rathes um Aufhebung des Niederlagsrechtes der Wiener 
,für die Handlung g3n Venedig" sich verwenden sollte ^^). Mit 
Namen zu nennen wäre hier nochmals jener 



') cf. Elze, Gesch. S. 41—43. — ^) bestattet in Sa. Marina. ~ =>) cf. Bd. I 
Nr. 724 u. ff. - '') ebda. Nr. 767. — V^esch. S._63 u. Ö4. -- «) bestattet auf 
S. Cristoforo, s. Elze, Gesch. S. 03, 115, 116. — ') best, ebda., s. Elze, Gesch. 
S. 82. - «) best. ebda. Elze S.63-, 83. - ») best. ebda. Elze S.63, 71, 82. — ">) Elze, 
Gesch. S. 64, 79. — ") cf. oben S. 143. — '^) Klose's Darstellung der inneren 
Verhältnisse der Stadt Breslau 1458 — 1526 in den Script, rer. Silesiac. t. III 
p. 409 (cf. 411). 



192 Geschichtliches. 

Konrad Sauermann, dessen Schuldforderung (von 6300 Dukaten) 
, Wolfgang Wiener Breslauscher Bürger in Venedig auszahlen 
sollte* ^); ferner (ob Kaufmann, wird nicht gesagt) 
David Forst, der Sohn eines Georg Forst, 25. Mai 1590, 24 J. 

alt, in Venedig gestorben und bestattet^); ferner 
Christ. Wilh. König, Prot., geb. 10. April 1699, 1716 Kauf- 
diener, 1746 Kaufherr, gest. 18. Okt. 1760 3). 
Aus Zittau in dem benachbarten Sachsen waren 
Joh. Jak. Hartig (?), in der Liste von 1646 genannt^); und 
Joh. Phil. Hering, der wenigstens 1707 — 18 in Venedig etablirt 
war ^) ; 

aus Lengenfeld im Voigtland nennt Elze *^) 
Dan. Frdr. Wolff, Prot., 1742 Kaufdiener, 1753 Kaufherr, noch 
1775 in Venedig; 
aus Gräfe nthal in Thüringen^) 
Frdr. Sam. Wenndrich, Prot., 1753 Kaufdiener, vor 1755 Kauf- 
herr, gest. 21. Nov. 1775. — 

Wir beschliessen diesen Rundgang mit Nürnberg, das auch 
jetzt wieder wie in früherer Zeit neben Augsburg am meisten am 
Handel mit Venedig betheiligt erscheint. Ich möchte an dieser 
Stelle auf die Notiz aus dem Jahre 1649**) hinweisen, dass die 
deutschen Kaufleute, welche „am meisten nach Venedig gehandelt, 
zum Merkzeichen vor Alters die Venedische arma oder insignia 
S. Marci (d. h. den Löwen des heil. Markus) an ihren Häusern in 
Stein inalboriren" Hessen ^). 

In der Liste von 1508 begegnen wir folgenden Nürnbergern: 
Anton Kolb (auch 1515 im Fondaco)^^); 
Leonhard EysfogeP^); 
einem Friedrich ohnr J-]amiliennamen ; 
Joh. Imhof nebst Söhnen ^ ^) ; 
Franz und Joh. Baumgartner; 
Zacharias Stahl ^ ^) ; 
Jobst Memminger ^'*^); 
Wolfhard Schwarz {?)^^); 
Hieronymus Foith (?); 




*) Klose a. a. 0. p. 137. — ^) in S. Giovanni e Paolo. — ^) bestattet at 
S. Cristoforo, Elze S. 64. — *) nach Angabe von Herrn Pfarrer Elze. — ^) Elze, 
Gesch. S. 109-111; cf. S. 117 u. 119, wo zum Jahre 1748 und 1757 ein Christn. 
Aug. und ein Gottfr. Benj. Hering aus Zittau als Kaufdiener genannt werden. 
«) Gesch. S. 64 u. 122. — ') ebda. S. 70 Anm. 2. — «) Bd. I Nr. 761 S. 453. - 
®) In Nürnberg erinnere ich mich selbst dieses Wahrzeichens an einem Hause 
der Adlerstrasse und am Viatishaus; cf. Festing, Ein Gang durch Nürnberg 1882 
S. 19 u. 21. — ^*') cf. Thomas, Register etc. S. 81 und Lochner, Die Personen- 
namen in Albr. Dürer's Briefen aus Venedig (1870) S. 33. — *^) cf. oben S. 79. 
- 12) cf. Lochner a. a. 0. S. 25 u. ff. - '^) cf. Bd. I Nr. 645, wo er als ,civis 
Venetus' bezeichnet wird; cf. Siebmacher V, 1 p. 16. — ^*) cf. Roth I, 345. — 
") ein Wolflfgang Schwarz war 1504 Genannter; cf. Roth, Verzeichniss aller Ge- 
nannten des Grössern Raths (1802) S. 53; derselbe wird bei Sanuto IX, 257 erwähnt. 



Geschichtliches. 193 

Sebald Reicht); 

ferner in der Liste von 1578: 
Leonhard Hermann (oder Augsburger?); 

in der von 1646: 
Bartolomaeus Viatis (wohl der Sohn des 1558 nach Nürnberg 

übergesiedelten Venetianers gleichen Namens) ^) und Martin 

Peller, als deren Vertreter 1640 Peter Cresser genannt wird^); 
Lorenz, Horatius und Wolfhard Gutbrod, der letztere gest. 27. Nov. 

1649, 55 J. alt-^); 
Balthassar Ertel (Oertel?)^); 
Christoph Rottenhoffer, 1640 Vertreter für den Frankfurter Nicol. 

Fleischbein *^) ; 
Christoph Führer '^) ; 
Wilhelm Imhof; 
Joachim Hendel ^) ; 
Pandulf, Jacob, Joachim und Georg Fin (Fynn?)^), der letztere 

auch 1640 schon im Fondaco^*'); 
Johann Gast, gestorben 1649, 21. Juli in Venedig ^^). 

Eine grosse Anzahl Nürnberger ist dann auch unter den Con- 
suln zu finden: 

1505 Franz Hirschvogel; 

1506 Sebald KneisseP^); 
1508—1512 Sebald Grundlach (?)^^); 



^) wenn unter diesem, wie kaum zu bezweifeln, der ,Sinisbaldo Rizzo, 
zu verstehen, der unter den Miethern der neuen Gewölbe erscheint; (Bd. I 
Nr. 658) ; cf. Anton Tucher's Haushaltbuch , hrsg. von Loose in der Bibliothek 
des literar. Vereins Bd. 134 S. 58. — ") ^der 1538 in Venedig geboren, 1550 
arm und gänzlich mittellos nach Nürnberg kam und hier zuletzt eine wohl- 
habende Wittwe heirathete, die seine letzte Dienstherrin gewesen war. Durch 
Handel mit Semisch-Leder , Straussenfedem , Färbereien, vorzüglich mit Lein- 
wand, schwang er sich so empor, dass er gegen Ende des Jahrhunderts als 
einer der reichsten Kaufleute in Deutschland galt und ein Vermögen von weit 
über eine Million Gulden hinterlassen haben soll. Seinem Schwiegersohne Martin 
Peller baute er, nachdem er für sich ein stattliches Haus an der Barfüsser- 
(jetzt Museums-) Brücke vollendet hatte, in Nürnberg am Aegidienplatz das 
berühmte Peller'sche Haus, das Muster eines glänzenden Bürgerhauses aus dem 
16. Jahrh. und zugleich der sprechende Beweis von der Herrschaft des italie- 
nischen Geschmackes in Oberdeutschland" ; Falke in der Zeitschr. f. deutsche 
Kulturgesch. 1859 S. 613. Der Hofraum namentlich erinnert lebhaft an den 
Fondaco in Venedig. Gestorben ist Bartholomäus Viatis — übrigens nur ein 
Beispiel für manche andere nach Deutschland eingewanderte Venetianer — 
1624 in Nürnberg; cf. Vulpius, Kuriositäten Bd. V S. 550. - ^) Bd. I Nr. 748. 

— *) bestattet in S. Bartolomeo ; cf. oben S. 169. Ein 1642 verstorbener Lorenz 
G. aus Steyr liegt begraben auf dem S. Johannis-Kirchhof in Nürnberg; s. Gugel, 
Norischer Christen Freydhöfe Gedächtniss (1682) Bd. I S. 35 und Trechsel, Er- 
neuertes Gedächtniss des Nümb. Johannis-Kirchhofes (1736) S. 603. — ') cf. Roth 
1, 351. — *) cf. oben S. 189; cf. Siebmacher, V, 2 p. 9. — ') cf. Gugel a. a. 0. 
I, 12. - ») cf. Roth I, 332. — ») ebda. II, 52 u. Siebmacher, Wappenbuch V, 2, 
p. 14. - ^°) Bd. I Nr. 743. — ") bestattet in S. Bartolomeo; cf. Gugel 1, 83 u. II, 128. 

— >2) cf. Roth I, 339. - ") Gundlach? cf. Roth I, 327. 

13 



194 



Geschichtliches. 



1513—1516 Ulrich Mayer (?) i), 1518 - 14 mit Stephan Rigler (?) 2); 

1518—1519 Johann von Wimpfen (?)3); 

1520—1522 Veit Wittich (?)^); 

1526, 1580, 1531 Johann Futach (Füterer?)^); 

1528-1529 Moritz Fischer«); 

1548—1549 Stephan Fenzel'); 

1556 Georg Freidel (Friedel?) 8); 

1556—1557 und 1561 Bernhard Pflanzer (Flänzer?) "); 

1557—1558 Sebald Hendel; 

1564, 1568 Georg Fenzel; 

1566, 1602 Bernhard Noettel^«); 

1573, 1576—1577, 1588 Horatius Fenzel; 

1587 Heinrich Imhof; 

1588 Martin Peller; 

1589 N. NoettePi); 
1594 Michael Imhof; 
1596—1597 Eberhard Seutter (?)^^) und Johann Schopper (?); der 

letztere auch 1607—1609, 1617: 
1605—1606, 1620—1622 Wolfhard Gutbrod; 
1610—1611 Adam Hendel; 
1633—1634 Joachim Hendel; 
1645—1646, 1655—1657, 1662—1664, 1666—1669, 1672—1673 

Peter Cresser, Prot., 1640 Vertreter von Viatis und Peller, 1684 

in Venedig gestorben ^ ^) ; 
1647 — 1649 Joh. Joach. Hendel und Christ. Rottenhofer, der letztere 

auch 1651—1653; 
1649—1651 Tobias Martin Peller, Prot.i*); 
1657—1659 Franz Pilgram (?)^^) und Joh. Wolfhard Auracher^^), 

der letztere auch 1664—1666, 1679—1682; 
1669 Joh. Christoph Welsch (?)i*'); 
1675—1679 Balthassar Ertel (?); 

1709—1712 Georg Christ. Brückner i^), noch 1723 im Fondaco^«). 
Begraben aber liegen in Venedig ausser den schon genannten 
noch folgende Nürnberger: 

Sebastian Unterholzer der jüngere, gest. 1564^''); 

ein Bartholomäus (Barthelmess?), gest. 14, Sept. 1578, 16 J. alt 2*^); 

Horatius Fin (?), gest. 29. Sept. 1591, 50 J. alt 2"): 

Joachim Imhoff, gest. 3. Juni 1595, 20 J. alt^o); 



t 



1) cf. Roth II, 256. - ') Friedr. R. war 1498 Genannter; cf. Roth, Ver- 
zeichniss S. 49. — =*) Roth II, 262. - *) ebda. 117. — ') cf. Ant. Tucher's Haus- 
haltbuch S. 177. — «) cf. Roth II, 251. — ') cf. Gugel I, 78. — «) ebda. 172. — 
«) Flenzer im 17. Jahrh. in Nürnb.; cf. Roth II, 251. - ^°) cf. Roth I, 348. — 
11) Kiechel, Reisen a. a. 0. S. 463. — '^) cf. Roth II, 100 u. 244; aber auch in 
Augsburg, Kempten und Lindau kommen Seutter vor. — ^^) cf. Elze S. 59. — 
") ebda. S. 56. - '^) cf. Roth I, 353 ; II, 83 u. Verzeichn. aller Genannten S. 90 
u. 101 (zu 1569 u. 1593); oder aus Memmingen? Elze S. 56. — ^''') ein Balth. 
W. war 1625 Genannter; cf. Roth S. 116. — '') cf. Roth II, 41. — '') Elze bei 
Thomas, Milesio, S. 85. — ") cf. oben S. 173. - ^'^) bestattet in S. Bartolomeo. 



Geschichtliches. 195 

Tobias Fin, gest. 7. Juli 1616 im 24. J. i). 

Jonas Miller, gest. 5. April 1659, 53 J. alt 2); 

Karl Friedrich Volkamer von Kirchensittenbach , gest. 9. März 
1707, 25 J. alt^); 

Michael Foliant, gest. 2. Juli 1739, 50 J. alt^); 

Joh. Andr. Seitz, gest. 1. April 1759, 26 J. alt 5); 

Joh. Karl Schweyer (Sohn des Karl Magnus Schweyer), Prot., 
geb. 1691, schon 1720 in Venedig etablirt, 1723 im Fondaco*^), 
gest. 4. Sept. 1759'^), und seine Gattin Magdalena geb. Forster, 
gest. 30. April 1771 '); vielleicht deren Schwager: 

Martin Pius Forster, gest. 22. Okt. 1787 im 22. J. '). 

Endlich verzeichne ich noch folgende, anderwärts als mit 
Venedig in Handelsverbindung stehend erwähnte Nürnberger: 

1506, zur Zeit, als Albrecht Dürer sich in Venedig aufhielt und 
von ihm in seinen Briefen genannt ^) : Bernhard Hirschvogel ; 
Kastell Fugger (mit dem Reh); Sebastian und Franz Imhof; 
Bernhard Holzbeck; Andreas Künhofer; 

1507 Joh. und Ambrosius Schütz und Georg FröscheP); 

1507, 1516 und 1517 Georg Spengler i«); 
1507 und 1512 Hans Imhof's Sohn^i); 
1509 Kaspar Letscher^^); wozu 

Anton Tucher selbst noch zu zählen; ferner 

Angelus Säur, der zwischen 1530 und 1540 einen lebhaften Tuch- 
handel mit Venedig betrieb ^^); 

1575 Paul Tucher 1*); 

1607 Jakob VaPS); 

1609 Jesaias Clivan (Cliver)!^); 

um 1650 Familie Haid, Prot.i^); 

1675 Joh. Lor. Schweyer ^^), zu dem später Karl Magnus Schweyer 
in die Lehre kam, der selbst wenigstens 1706 — 1714 als Kauf- 
herr in Venedig erscheint ^^) und der Vater des oben genannten 
Joh. Karl Schweyer war; 

1689 Hanns Wolff und Emmerich Auracher, bei denen Hans 
Tieffrer aus einer Villacher Familie als Kaufdiener eintrat ^^); 

1707—12 Joh. Thom. Rottenhoffer ^i); 

1719 Joh. Adam Fleischer, Prot., der auch 1723 als Compagnon 



') bestattet in S. Bartolomeo; 1613 Genannter; cf. Roth, Verzeichn. S. 110. 

— ^) cf. oben S. 173. — ') bestattet als Protestant am Lido. — ^) bestattet in 
S. Canciano. — *) bestattet auf S. Cristoforo ; cf. Sterberegister von S. Barto- 
lomeo. — ") B. Elze, Gesch. S. 80 Anm. 5 u. 113 und bei Thomas, Milesio S. 86. 

— ') bestattet auf S. Cristoforo. — ") cf. Quellenschriften für Kunstgeschichte 
Bd. 3 S. 3 ff., 186 ff. — «) Bd. I Nr. 643. — '«) ebda. Nr. 645; cf. Ant. Tucher's 
Haushaltbuch S. 43, 131, 154. — i') Ant. Tucher's Haushaltbuch S. 53 u. 96. - 
^^) ebda. S. 69. - ") Falke in d. Zeitschr. f. d. Kulturgesch. 1859 S. 11. - '') cf. Bd. I 
Nr. 710. - 1*) ebda. Nr. 723. — '") ebda. Nr. 729 ; cf. ,Addenda' zu Bd. I. — '') nach 
Elze, Gesch. S. 56. - '«) Elze S. 80 Anm. 5; cf. Roth H, 99 (1684 Genannter). 

— 19) Elze S. 80, 109-111. — ^o) cf. Zeitschrift für Baiern Bd. 3 Jahrg. 2 (1817) 
S. 357 und Roth II, 103, 104; oben S. 172. — "') Elze S. 108—111. 



196 



Geschichtliches, 




von Zimmermann genannt wird, mit dem er wenigstens bis 

1728 associirt war^); der letzteren Familie gehörte vielleicht 

der 1743 — 46 genannte Joh. Matth. Zimmermann an ^). 

Endlich sind aus einigen Orten der Umgegend von Nürnberg 

noch folgende Kaufleute als mit Venedig in Verbindung stehend zu 

erwähnen: aus Feucht: 

Joh. Mich. Wagner, Prot., geb. 6. Dez. 1685, 1722 in Venedig 
etablirt, auch 1723 im Fondaco, 1747 oder 1753 stellvertreten- 
der Consul, gestorben 30. März 1767 in Venedig^); 
Joh. Sal. Wagner (?), Prot., 1719 Kaufherr^); 

aus Wendelstein: 
Seb. Schalckhauser, Prot., geb. 11. Okt. 1701, 1722 Kaufdiener, 
1735 Kaufherr, 1743—66 mit Hügel, bis 1754 auch mit Jastram 
associirt, 1762 (?) Consul, gest. 22. Dez. 1774 in Venedig^); 
Joh. Konr. Reck, Prot., geb. 3. März 1721, 1759 Kaufdiener, 176^ 
Kaufherr, 1775 — 87 mit Lamminit associirt, gest. 11. Dez. 1801 
in Venedig^). 

Im Anschluss hieran mögen noch genannt werden: 
Konrad Ster aus Windsheim, 1557 — 1558 Consul, wahrscheinlich 
11. Juli 1568 in Venedig gestorben''), und Sebastian Ster, 
1573 in Venedig 8). 

Bei dieser Uebersicht ist nicht einmal ganz berücksichtigt jenes 
Sterberegister von S. Bartolomeo und das Verzeichniss der jungen 
Kaufleute oder Lehrlinge, „Diener und anderer Recommandirten, 
welche von Anno 1705 an in die evangelische Gemeinde auf- und 
angenommen wurden"^), deren Zahl sich von 1705 bis 1797 auf 
nicht weniger als 573 belief — allerdings ein sprechender Beweis 
dafür, dass Venedig selbst im vorigen Jahrhundert noch „als einer 
der besten Plätze für die praktische Ausbildung junger Kaufleute" ^), 
als Hochschule des Handels galt. — 

Was ferner die Waaren betrifft, welche den Gegenstand des 
deutsch-venetianischen Handels in dieser Zeit bildeten, so geben jene 
früher erwähnten Tarif- und Handelsbücher uns darüber den besten 
Aufschluss. Sie sind im Wesentlichen dieselben, wie in früherer Zeit, 

Spezereien, Baumwolle, Seidenwaaren, Glassachen bildeten noch 
immer die Hauptausfuhrartikel der Deutschen aus Venedig ^^); und 
wie früher brachten diese die „Erzeugnisse der Natur oder de& 



1) Elze, Gesch. S. 63, 114 und bei Thomas, Milesio S. 85. - '-) Elze S. 116, 
117. _ 3^ bestattet auf S. Cristoforo, s. Elze S. 71, 82 und bei Thomas, Milesio 
S. 85. - ^) Elze, Gesch. S. 63. — ') bestattet auf S. Cristoforo, s. Elze S. 71 
Anm. 2 und S. 82, 83 Anm. 3. — '') best, ebda., s. Elze S. 65, 91 Anm., 122- 124. 
— ') best, in S. Bartolomeo. — *) Bd. 1 Nr. 709; gest. 1576 und in Augsburg 
begraben: cf. Prasch 11, 97. — ') Elze S. 108 u. ff. — '") Paolo Paruta, bist. 
Venetiana lib. XI nennt als solche ,speciarie, gottoni et moltre altre merci'; 
cf. Falke, Oberdeutschlands Handelsbeziehungen zu Südeuropa im Anfang des 
16. Jahrh. in der Zeitsclirift für deutsche Kulturgeschichte 1859 S. 610. 



Geschichtliches. 197 

Fleisses" von Deutschland^), Eisen, Stahl, Gold, Silber, besonders 
aber Leinwand, Tücher, Pelzwerk und allerlei Kramsachen, nach 
der Lagunenstadt. 

So werden in der ,Tariffa' von 1572 als „hereinkommende 
Güter im Teutschen Hauss" aufgeführt^): Tele d. i. Leinwat 
(Leinwand) und zwar: Ochsenbrucker (aus Osnabrück), Praunawer 
(Braunau in Bayern), St. Galler, Cosch witzer (Konstanz), Kemptner; 
Rupfen (aus Werg), Zwilch „geschmitzter. Bayerischer, Münchner", 
Pairischer Peyeri ^), Piachen oder grob Rupfen; Merze oder Kramerey : 
Ambra oder Augstein, Antimonio (Spiessglas), Zinober, Quecksilber, 
Bruckischer (Brügge?) Atlas, Thuch aller Sort, Carise aller Sort 
(Kirsey, gekörperte Sarsche?), Friseto (Organsinseide), Tepich und 
Razi (= arazzi, Tapeten), Farben aller Sort, Barchet, Grana (Ker- 
mesbeere) und Palver davon, Zera (Wachs), Federn zu Betten, 
Tafelmessing, Messingdraht, Leuchter, Hültzewerk (Holzarbeiten?), 
Blech, Kupferdraht, Zon (Stangen), Röt damit man ferbt, Yeriol 
(= Vetriuola, Mauerkraut oder Vitriol?), Spongrün (Grünspan), 
Zucker, Spiga (Aehren? Lavendel?) und Terrarossa, Risigal(lo) (Rausch- 
gelb, Schwefelarsenik) und Arsintico (Arsenik), Zaffero (Saffara? 
mineralische Mixtur zum Blaufärben des Glases) undBibergail, Marche- 
seta (Schwefelkies), Lidre Hosenfehl (Lepre? Hasenfelle), Messer, 
Scheermesser, Tischtücher, Facoli (Fazzoli, Taschentücher), Veladi, 
Baumwollne Schleier, Kölnisch Gold (Golddraht?), Glunffen (Glufen? 
Heftlein), Börtlein, Fingerhut, Hefftlen, Scheeren, Augengläser, 
Spiegel, Pfeifen, Schellen, Paternoster, Elfenbein, Federkiel, Bürsten, 
Wetschgertaschen (Hängetaschen, Felleisen), Zeloni, Püxen, Schlösser, 
Bertoeli (= Bandelle, Thür- oder Fensterbeschläge), Kupferne und 
messingne Kessel, Arrabrustgarn und -fusti (Stangen), Goldschmied- 
tiegel. Ferner Zinn und Blei; Schön- und Fech(Pelz-)werk : Conini 
oder Kinla-Belg (Kaninchenfelle), Vari oder aller sort Fech, Cebelini 
oder Zobel, Armelini oder weisse Hermla, Pulgari (Bulgari) oder 
gewerckte Kalbsfel, Grissi zoe grob Loden-Tuch, Martori oder Maeder 
(Marder), Loue zeruieri oder Luchsfei, Weisse und rothe Füchsfelle; 
Cuori oder Ochsen-, Küh- und Kälberhäute; Pani oder Tuch und 
Dapecerey: Santoni, Poloni, Friseti, Sarsse (= sarze, sargie, grobes 
Wollen-Tuch), Dopleti und Doploni (Futterbarchent), Cordeladi 
(Cordelats, feiner Wollenzeug), Tapedi, Tapecerey aller Sort, Carise; 
Largado oder Larget; Cremes; Serwitz (Zirbitzer, eine Drogue aus 
der Zirbelnuss); Eisen; Stahl; Ciodi oder eiserne Nägel, Rame oder 
Kupfer, Verge di Rame oder Kupferzon (Kupferstangen); Englische 
Woll, Lin e Stopa zoe Flachs und Werck (Werg), Safran. 

') Ranke, Zur venez. Gesch. S. 29. — ^) S. 25 u. fF. Aehnlich im früher (oben 
S. 124) erwähnten Cod. germ. 4032 der hiesigen Staatsbibliothek. — ') In Schmeller's 
Wörterbuch (neue Aufl. von Frommann) 1, 224 aus Cgm. 4032 citirt, aber nicht 
erklärt; eben daher und aus anderen Hilfsmitteln, wie auch Joh. Ulmann's brauch- 
barem Wörterbuch für Kauf leute (Wien 1879), habe ich die in Klammem beigesetzten 
Erklärungen entnommen; freilich bleiben noch manche Ausdrücke unauffindbar 



l98 



jreschiciltliches. 



Als Güter, welche „hinweg und hinaus gesandt werden 
vom Teutschen Hauss", werden aufgeführt ^) : Piper oder Pfeffer; 
Specerei, Troge: Lang und kurz Canel (Zimmt), Negel (Nelken) 
und Fusti, Capelleti von Negel (die Köpfe der Nelken), Muscatnus, 
Mazis (Muskatblüthe) , Imber (Ingwer), Zucker, Riobarbero (Rha- 
barber), Irios (Veilchenwurzel), Myra; Incenso (Weihrauch), Aloue; 
Endigo, Alon (Alaun) oder Lume di Rocha; Schwebel, Gallas (Gall- 
äpfel). Seyden aller sort (als solche werden später aufgeführt: Rocha 
Dopia, Rocha Crespa oder Maremola, Isoila, Wallona, Belladona oder 
Wallona Primati, Belgrada, Dechora, Ricolica, Salina Fior di Morea, 
Roche Capitoni oder Strusi, Bolicia, Castrauana, Canneri, Ardassa oder 
Ardasina, Mamadea oder Ablac, Vicentiner, Bassaner feine, Gewerckte, 
Veroner Näh- und Stickseide, Veroner geferbte, Vicentiner Stib-, Pello- 
und Näh-, Stesi oder Filetseide). Ferner feine Tuch ; Daffet roh und 
gefärbt; Rochen Leder, Corduani (Saffian), Filadi di Goton. Ferner 
Fruti oder Fastenspeiss : Mandel, Feigen, Carobe (Johannisbrod), Wein- 
beer, Cibeben (Rosinen), Maroni (Kastanien), Capari (Kappern), Li- 
moni, Uva di Candia oder Rosin- Weinbeer, Pomi (Granatäpfel), 
Olive, Senavro, Naranzi (aranci. Orangen), Citroni; Oglio (Oel); Seife. 
Ferner Tuch- und Seidengewand: Resteigno d'oro, goldene und silberne 
Thuch, Sammet, Damast, Atlas, Ormasin, Zendeldort, Stattzendel, 
Postzendel (verschiedene Arten), Carisse, Zambeloti, Wollentuch; 
Goton oder Baumwoll, Schreibpapier; Comini (Kümmel); Malvasier 
und Wein; Merze oder Krämerey^); auch Gläser; Gemacht Werck 
von Holz oder Messing; Gesalzen Fisch, Hausen-Blattern (Blasen), 
Fischbein u. dgl.; Frucht so aus Soria und Alexandria kommen: 
Datoli, Pesteygi e Pignoli (Zirbelnüsse); Formasi oder Käs. — 

Dasselbe wie von den Waaren gilt von den Wegen, auf denen 
dieser Handel sich von Deutschland nach Venedig bewegte. Im 
Wesentlichen blieben auch sie die nämlichen — abgesehen von 
einzelnen, durch die fortschreitende Kultur hervorgerufenen Ver- 
besserungen, auf die hier nicht eingegangen werden kann. Mehr 
und mehr kamen nun auch hiefür gedruckte Hilfsmittel auf: Reise- 
beschreibungen von Deutschland, Italien, worin die hauptsäch- 
lichsten Strassen ausführlich angegeben wurden. 

In der Schrift des Guilhelmus Gratarolus ,De regimine iter 
agentium' (von 1553) ^) finde ich folgenden Weg von Basel nach Venedig 
verzeichnet: Basel — Laufenberg — Schaffhausen — Constanz — Dednang 
— Isne — Kempten — Reitte(n) — Ferrerberg — Nazoret — Innsbruck — 
Stain(ach) — Brennerberg — And (?) — Brixen — Botzen — Solotoren 



^) S. 40 u. fF. — ^) Hier werden zum Theil dieselben Waaren aufgeführt, die 
oben als deutsche Einfuhrartikel genannt wurden, weil sich manche der in Venedig 
und im Fondaco etablirten deutschen Geschäftshäuser solche aus Deutschland 
kommen Hessen und dann selbst weiter expedirten, da jene monopolistischen 
Tendenzen der Regierung nicht mehr so streng wie im Mittelalter aufrecht er- 
halten werden konnten. — ^) Ausgabe von 1591 in der ,Ars peregrinandi' fol. 175. 



Geschichtliches. 199 

(Salurn) — Trient — Burg (Borgo)— Hospital — Cobel (Kofi) — Bassan(o) 
Castel Franc — Mestres' — Venedig; dann als eine andere Route: Basel 
— Liechstal^ Zoffingen — Lucern — Uri — Gottardberg — Pellinsona — 
Loners (Lavis) — Ferres (Varese) — Mailand — Cremona — Brescia — 
Verona — Vicenza — Citadella — Castelfranco etc. 

Neumaier von Ramssla gibt in seiner „Reise durch Welsch- 
land" (1622) zwei „ordinari" Wege von Deutschland nach Italien 
an^): 1) von Strassburg durch die Schweiz; 2) von Augsburg durch 
Tirol, den er folgendermassen näher anführt: von Augsburg über 
Landsberg oder Spötingen (Stötting) — Romenkessel und Schöngaw — 
Kloster Rotenbusch (Rotenbuch) — Ambergau — Erthal (Ettal) — Parten- 
kirch — Mittenwald — Seefeld — Zirl — Inspruck— Schönberg— Matterach 
(Matrey) — Steinach — Lueg — Brenner — Gossensäss — Sterzing — Peiser 
in der Aw — Brixen — Clausen — Colmar(Collniann)— Blumau — Botzen — 
BransoP) — Neumarck— Salurno— S. Michael — Nevis (Lavis) — Trient 
— Perschen (Persine) — Lavego (Levico) — II Borgo — Spitaleto — Grigna 
— Clause — Carpeney (Carpane) — Bassano — Castelfranco — Tervis — 
zu Wasser nach Venedig. 

Ebendenselben Weg in umgekehrter Reihenfolge mit einigen 
anderen Zwischenstationen finden wir in Martin Zeiller's ,Itinerarium 
Germaniae' zum Jahre 1629^): Venedig — Mestre — Treviso — Castel- 
franco — Carpenedo — Cisimont oder Cismon — Kobel — Primolano — 
Grino — Burgo — Levegno — Persien — Trento — Naves — S. Michel — 
Salurn — Neumarckt — Franzuol— Potzn — Startz (Sterzing) — Clausen 
— Brixen — Beisser — Im Sack — Mauls — Stertzing — Griess — Stainach 
— Mattern (Matrey) — Inspruck — Cirle — Seefeld — Clausen — Scheidnitz 
(Scharnitz) — Mittenwald — Partenkirchen — Kienberg — Ettal— Ober- 
und Unter- Ammern — Bayerisch Soya (Bayersoyen) — Rotenburg — - 
Schöngaw — Landsperg — Augsburg — Zussmarshausen — Günzburg — 
Ulm. 

Als näheren Weg bezeichnet ZeiUer gleich darauf die Route: 
Ulm — ■ Memmingen — Grünenbach (Grönenberg) — Kempten — Nessel- 
wang — Füssen — Nazaret — Yms — Landeck — Meran — Tramin — 
Trient. 

Diese Strasse mögen namentlich die Strassburger gewählt 
haben, wenn sie nicht über Basel durch die Schweiz zogen. Als 
Stationen auf dem Wege Strassburg — Ulm verzeichnet Zeiller*): 
Oberkirch — Noppenau — Kniebiss — Freudenstatt — Schopf loch — 
Eyingen — Rotenburg — Derendingen — Reutlingen — Minsingen — Blau- 
beurn — Ulm. 

Zeiller gibt auch sonst über die Verbindungswege zwischen 
den Hauptplätzen in Deutschland selbst genaue Auskunft und viele 
Details, so eben über die Strecke Strassburg — Basel oder Nürnberg — 



^) S. 1 u. ff. — 2) j)^g Qj^g -werden alle Wahren, so man aus Deutschland 
nach Venedig, und von Venedig nach Deutschland schicket, niedergelegt." — 
^) S. 340; cf. oben S. 97. — *) ebda. S. 269. 




200 Geschichtliches. 

Augsburg, Prag — Regensburg und Augsburg, Ulm — Lindau, Passau — 
Innsbruck u. s. w. Wir wollen nur noch zwei oder drei Routen 
ausführlicher verzeichnen, welche aus esterreich nach Venedig 
führten. 

Von Wien führte den Reisenden (z.B. im Jahre 1622) der Weg^) 
über Gunderstorff — Draesskirchen— Salenau — Neustatt— Neukirchen — 
Glockenitz — Schaidwein — Sämring — Spital — Mürzzuschlag — Langen- 
wang — Kriegle — Kienberg — Mörtzhoffen — Kapffenberg nach Brück. 
Von hier aus konnte man den Weg entweder ^) in weiterer Entfernung 
über Berneck — Rötelstein — Fronleuten — Pekach nach Graetz (Graz) 
fortsetzen und von da folgende beschwerliche Route einschlagen: 
Muereck — Rackerspurg (Radcony) — Pettau — Veistritz — Gonnawitz — 
(Lindeck) Hoheneck — Cilly — Sachsenfeld — über die Sann — Fraintz 
(Franz) — über den Trojanerberg — Glogowitz — Potpeth (Podpetch) — 
durch den Fluss Feistritz — Dregeml — Laybach — Ober-Laybach — 
Kruscheza — Pirnbaumer Wald — Haudisch (Haidenschafft) — Görtz — 
über den Isonzo — Lazeney (Lucinico) — Gradisca — Oppoliano (Popo- 
gliano) — Palma — Muscoli — Cervignano — auf dem Canal in den Taglia- 
mento — Caorle — Porto de Piave — Venedig. Oder^) man schlug von 
Brück aus den näheren Weg über Leoben — Michael — Margareth — 
Knitelfeld — Judenburg — Feistritz — Unzmarkt — Scheifling — Neu- 
markt — Friesach — St. Veit — Klagenfurt nach Villach ein. Hier ver- 
einigte sich dieser Weg mit jener anderen, wichtigen, von Norden 
kommenden Strasse, die^) von Salzburg über Hall — GoUing — Werflfen 
— Rastat— den Tauern — Gweng (Tweng) — Mautterdorff — S. Michel 
— Katzberg — Reinbach — Gmünd — Spital — Paternion nach Villach und 
von da über Arnolstein — Terle — Klein Tärvis — Mal Borgetto — Ponte 
Fella — Ponte Chiusa — Venzon — Gemona — Portogruar — Concordia — 
Caorle nach Venedig führte. 

Diese Route Salzburg — Gemona — Venedig scheint in jener Zeit 
besonders auch von den Nürnbergern benutzt worden zu sein. Wie 
jener Paul Tucher (1575) seine Waaren von Antwerpen über Nürn- 
berg — Salzburg nach Venedig schickt ^), so finden wir auch in Meder's 
Handlungsbuch mehrfach diese Strecke erwähnt. 

Aehnlich reiste Samuel Kiechel im Jahre 1586*^) von Wien über 
denSemmering — Villach — Uhelesteinf Arnoldstein?) — Pontabl — Venzon 

— S. Daniel— Valvison (Valvasone) — a la Motta — a la Foschetta nach 
Venedig. Den Rückweg aber nahm er im Jahre 1587^) überPadua — 
Margera — Meisters — Castelfranco — Carpones — Kobl— Bourgo— Trient 

— Nöevis (Lavis) — Neyenmarck — Bozen — zur Clausen — zum Sack 
(„ein einige herberg") — zum Lueg („auch ein einzechtige herberg") — 
Inspruck — Sehfelld — Bartenkürch — Amberga (Ammergau) — Schon- 
gau — Landsperg — Augspurg — Zusmarshausen — Görzberg — Ulm. 



M cf. Zeiller S. 300 u. ff. ; cf. oben S. 98. - ^) ebda. S. 327 u. ff. — 
8) ebda. S. 568. — ") ebda. S. 570; cf. oben S. 99. — ^) cf. Bd. I Nr. 710. — 
«) Reisen, Ausg. von Hassler (Bibl. d. lit. Ver. Bd. 86) S. 144 ff. — ") ebda. S. 463 ff. 



Geschichtliches. 201 

Hans Greorg Ernstinger reiste 1593^) von Innsbruck ebenfalls 
über Wilthan (Wilten) — Matray — Steinach — Lueg — Cottensass 
(Gossensass) — Sterzing — Peisser — Brichsen — Clausen — Colman — 
Pluemau — Botzen — Brontzol — Neumarckht — S. Florian — Salurn — 
S. Michel — Nevis — Trient — Fersen — Levigo — Burgo— Gringo — Kofi 
— Primolano — Bassano — Cittadella — ßimine — Padua — Lucefusina auf 
der Brenta nach Venedig und von dort zurück^) überMagera — Maestre 
— Terviso — Carnudo — Feltre — Gringo nach Trient u. s. w. 

Von Interesse ist Ernstinger's im Jahre 1595 unternommene 
Heise, die er in Linz antrat und in folgender Weise fortsetzte^): 
Ebersperg (Ebelsberg) — Anfelden — Gschwent — Kemeten — Crembsegg 
— Cr embsmünster — Claus — Preysegg — D urnbach — Windischgär sten 

— Spittäl — Piern — Lienzen (Liezen) — Enss — Rottenman— Triebn — 
über den Tauern — S.Johann — Zehhthoff — Muerbruggen (Moederbruck) 

— S. Georgendorf — Oberzeyring — Scheif ling — Huntsmarckht (Unz- 
markt)'*) — Neumarkht — Tirnstain(Dürnstein)— Friessach— Melbling— 
St. Veit — Tautzenberg — Ciagenfurt — Landtscron — Villach — Vodraun 
(Federaun) — Zärlstein — Törl — Klain Ter vis — Pontafel — Chiusa — 
Venzon (Peischldorf) — Clemona — S. Daniel — Duride (Turrida) — 
Valvasona — S. Vito — Porto a Cruara — zu Wasser nach Venedig. 

Seltener hören wir dagegen von der Route durch das Am- 
pezzo-Thal. Und doch ist es gerade diese, welcher bis heute zur 
Erinnerung an den alten Verkehr geradezu der Name der ,Strada 
d'AUemagna' geblieben ist. Noch heute liest man an den Meilen- 
steinen derselben diesen Namen, der lebhafter als Anderes das 
Andenken an die alte Zeit, die Vorstellung an unsere vordem nach 
Venedig ziehenden Kaufleute wachruft. 

Wer einmal in solchen Gedanken diese Strasse hinabgezogen 
ist, der wird dann auch sicher seine Schritte zum ,Fondaco dei Tedeschi' 
am Rialto lenken, der für jeden deutschen Besucher Venedigs über- 
haupt eine „Sehenswürdigkeit" unter den vielen Schätzen der Lagunen- 
stadt sein sollte — als eine Stätte, die zwar, wie bereits Eingangs 
erwähnt, nicht, wie so manche andere deutsche Handelskolonie 
früherer Zeit im Ausland, von gewaltigen Kämpfen und glorreichen 
politischen Siegen unserer Kaufleute zu erzählen hat, die aber 
wahrlich nicht minder glänzendes Zeugniss ablegt von deren Unter- 
nehmungslust, deren Rührigkeit und Tüchtigkeit, die hier in fried- 
licher Arbeit Jahrhunderte lang goldene Früchte für die deutsche 
Heimath gezeitigt hat. 



') Raisbuch, hrsg. von Walther in der Bibl. des literar. Ver. Bd. 135 
S. 31, 35 fF. — 2) ebda. S. 63 ff. - ") ebda. S. 66. — ") gehört vor ScheifUng. 



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Liste der Consuln 



der 



deutschen Kaufmannschaft im Fondaco 

1492-1753. 



1^0^ 



I 



A-ls das Wertlivollste in der ganzen mehrerwähnten „Beschrei- 
bung des Deutschen Hauses in Venedig" durch G. B. Müesio ^) möchte 
ich die darin mitgetheilte Liste der Consuln der deutschen Kauf- 
mannschaft oder der „Deutschen Nation" im Fondaco von 1492 an 
bezeichnen, da sie mit ein Hülfsmittel ist, festzustellen, welche deutsche 
Familien von dieser Zeit an noch persönlich am Handel mit Venedig 
Theil nahmen. Freilich muss ich sogleich hinzufügen, dass dieselbe 
weder vollständig noch korrekt ist. Für die spätere Zeit von 1647 an 
hat dies schon Th. Elze nachgewiesen, indem er aus den Original- 
protokoUen authentische Verbesserungen und Zusätze ( — 1753) zu 
Milesio's Liste hinzufügen konnte '"*). Und was die frühere Zeit be- 
trifft, so bin ich in der Lage, wenigstens für mehrere Jahre die 
Ungenauigkeit Milesio's festzustellen. In einer Handschrift der Samm- 
lung Cicogna's im Museo Civico Correr zu Venedig Nr. 3100 befindet 
sich ^) (in Abschriften) eine Anzahl von Briefen der deutschen Con- 
suln von 1548 — 1560, welche zum grössten Theil datirt und mit 
den Unterschriften der Consuln versehen sind. Die Liste, die sich' 
hieraus ergibt, stimmt nun keineswegs mit der bei Milesio. 

Ich dachte zuerst daran, nur diese Verbesserungen hier mit- 
zutheilen. Aber die Erwägung, wie wichtig und von allgemeinerem 
Interesse doch diese Liste ist, und die Hoffnung, die von Milesio 
gar sehr verunstalteten und verstümmelten Namen der Consuln 
wenigstens theilweise in besserer deutscher Form geben, bei Vielen 
auch den Heimathsort hinzufügen zu können, haben mich zu einem 
Wiederabdruck der ganzen Liste samt den Verbesserungen und Zu- 
sätzen Elze's bewogen. Freilich bei vielen Namen blieb alle Mühe, 
die richtige Form und die Heimath zu ermitteln, umsonst; mögen 
Andere, Kundigere hier mit ihren Forschungen einsetzen. 

Nach Milesio's Angabe wurden die' ersten Consuln, deren es 
zwei waren, wie früher erwähnt worden ist'^), 1492 (am 2. April oder 
am 2. Februar) eingesetzt, und ihre Amtsdauer währte zuerst 6 Monate 
— und zwar wie aus den unten mitgetheilten Angaben zu den Jahren 



') Veröffentlicht von G. M. Thomas in den Abhandlgn. d. k. bayer. Akad, 
d. Wiss. I. Kl. Bd. XVI, Abth. II (1881); cf. Vorwort zu Bd. I §. VII. — ') ebda. 
S. 98—100. — ') cf. Vorwort zu Bd. I S. XIV. - *') cf. oben S. 89. 



206 Liste der Consuln der deutschen Kaufmannschaft im Fondaco 1492 — 1753. 

1557 — 1560 hervorzugehen scheint, von Ende April bis Ende Oktober. 
Doch lässt sich ein sicherer Schluss daraus nicht ziehen, da manchmal 
auch eine Stellvertretung eintreten konnte. Jedenfalls war Wieder- 
wahl gestattet, da dieselben Namen öfters hintereinander begegnen. 
Ursprünglich hiessen diese beiden von der deutschen Kaufmannschaft 
selbst gewählten Vorsteher von jener gemeinsamen Abgabe (Cottimo), 
von welcher früher^) die Rede gewesen ist, ,Cottimieri'; und so 
unterschreiben sie sich auch in den vorhin erwähnten Briefen als 
,Cottimieri' oder ,Cottemieri' oder ,Cottomieri della Nation Alemana' 
oder ,theitscher Nacion'. An einer anderen Stelle ^) heisst es einmal : 
,Die 15 Decembris 1539 aldidi (= uditi) m. Zorzi Uthiner (Uttinger) 
insieme con altri marcadanti Alemani, deputati al cothimo'. Selbst 
1605 findet sich noch^) der Ausdruck ,signori capi sive cottimieri 
di fontego', obwohl damals der venetianische Senat bereits seit __ 
längerer Zeit — nach Milesio^) seit dem 13. Juli 1587, nach Elze al 
seit dem 23. August 1578 ^) — die Bezeichnung ,consoli' anwen- ^ 
dete. Dass wahrscheinlich 1578 über die Greschäftstheilung der 
beiden Consuln eine Verfügung getroffen wurde, ist früher bereits 
erwähnt worden*^); 1604 wurde in einem Generalkapitel beschlossen, 
dass das Amt derselben künftig zwei Jahre dauern sollte ^). — Sonst 
gibt Milesio keine weitere Notizen über diese Vorsteher, deren Liste 
lautet, wie folgt. 



') cf. oben S. 89. - ^) In Cod. Cic. 2795 (Mus. Civ. Corr.) - dem vo 
Thomas theilweise veröffentlichten Capitolare dei Visdomini — f. 82'. — ') s. Bd. 
Nr. 721. - '') Thomas S. 66. — ') cf. oben S. 90. — «) cf. oben S. 139. - 
') Milesio S. 67. 



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1492. Guido (Veit) Imhof (Nürnberg) ') und Jakob Keyfferer (?). 

1493. Jakob Keyfferer (?) und Sebastian Imbof (Nürnb.). 

1494. Stephan Keyfferer (?) und Jeremias Imhof (Nürnb.). 

1495. Stephan Keyfferer und Guido (Veit?) Imhof (Nürnb.). 

1496. Stephan Keyfferer und Johann Toller (Vöhlin aus Augsburg?). 

1497. Dieselben. 

1498. Stephan Keyfferer und Franz Imhof (Nürnb.). 

1499. Stephan Keyfferer und Peter Imhof (Nürnb.). 

1500. Johann Heller (Frankfurt) und Stephan Käser (Salzburg). 

1501. Marcus Mülich (Augsb.?) und Stephan Käser (Salzb.). 

1502. Johann Stibig (Laibach?) und Robert Lasser (? Salzburg, bei Mi- 

lesio: Leser). 

1503. Dieselben. 

1504. Dieselben. 

1505. Johann Musauer (Regensburg) und Franz Hirschvogel (Nürnb.). 

1506. Johann Musauer (Regensb.) und Sebald Kneissel (Nürnb.). 

1507. Dieselben. 

1508. Sebald Grundlach (Gundlach? Nürnb.) und Leonhard Sulzer (Augs- 

burg, bei Milesio: Sultar). 

1509. Dieselben. 

1510. Dieselben. 

1511. Dieselben. 

1512. Dieselben. 

1513. Ulrich Mayer (Nürnb.?) und Stephan Rigler (Nürnb.?). 

1514. Dieselben. 

1515. Johann Lauginger (Augsb.) und Ulrich Mayer. 

1516. Dieselben. 

1517. Johann Scheilner (?) und Georg Uttinger (Augsb.). 

1518 (27. Mai). Johann von Wimpfen (Nürnb.?) und Blasius Moser 
(Salzb.?). 

1519. Dieselben. 

1520. Konrad Weiss (Augsb.?) und Veit Wittich (Köln? Nürnb.?). 

1521. Dieselben. 

1522. Dieselben. 

1523. Pandulf Schneyker (?) und Christoph Moser (?). 

1524. Pandulf Schneyker und Marcus Ulstett (Augsb,), 

1525. Pandulf Schneyker und Jakob Welser (Augsb.). 



1) Da die Namen bereits früher bei den betreffenden Städten angeführt wurden, ist es 
wohl nicht nöthig, hier nochmals die Belege für die Heimathsorte anzugeben, wiewohl ich 
gleich hier bei dem ersten Consul nachtragen muss, dass nach Koth's Verzeichniss aller Ge- 
nannten des Grossem Raths in Nürnberg (1802) S. 49 der Vorname richtiger Veit lautet. 



208 Liste der Consuln der deutschen Kaufmannschaft im Fondaco 1492 — 1753. 



1526. 
1527. 
1528. 
1529. 
1530. 
1531. 
1532. 
1533. 
1534. 
1535. 
1536. 

1536 



1537. 
1538. 

1539. 
1540. 
1541. 

1542. 
1543. 
1544. 
1545. 
1546. 
1547. 
1548. 



1549, 

1549. 
1550. 
1551, 

1551. 
1552. 
1553, 



1553. 
1554. 
1555. 
1556, 

1556, 



Pandulf Schneyker und Johann Futach (Füterer? Nürnb.). 

Ludwig Langenauer (Augsb.) und Friedrich Zankenried (?). 

Philipp Walther (Augsb.) und Moritz Fischer (Nürnb.). 

Dieselben. 

Johann Futach (Füterer? Nürnb.) und Philipp Walther (Augsb.). 

Johann Füterer (Nürnb.) und Eaphael Langenauer (Augsb.). 

Anton Menhardt (Augsb.) und Philipp Walther (Augsb.). 

Anton Menhardt (Augsb.) und Achatius Tegernseer (München). 

Anton Menhardt (Augsb.) und Hadrian Huber (?). 

Anton Menhardt (Augsb.) und Achatius Tegernseer (München). 

Sebastian Unterhölzer (München - Nürnberg) und Gerhard Haug 
(Augsb.). 

m. V. = 1537, 21. Februar, werden als Cottimieri genannt Sebastian 
Soth (Schott aus Frankfurt?) und Philipp Walther in Cod. Cicogna 
3100 des Museo Civico Correr zu Venedig im Register „Zue den 
geschrifften im Canzelo und Ledlen", Rubrik: ,Obligatione, accordi, 
scritti et procure'. Milesio nennt zum Jahre: 

Pandulf Herwart (Augsb.) und Philipp Walther (Augsb.). 

Philipp Walther (Augsb.) und Sebastian Unterholzer (München- 
Nürnb.). 

Georg üttinger (Augsb.) und Sebastian Soth (Schott? Frankf. ?). 

Georg Üttinger (Augsb.) und Johann Heder (? Nürnb.). 

Franciscus Van-Cölln (Aachen) und Erasmus Matschperger (Salz- 
burg). 

Dieselben. 

Dieselben. 

Jakob Eberz (Isny) und Erasmus Matschperger (Salzb.). 

Dieselben. 

Johann Amhauser (Augsb.) und David Ott (Innsbruck- Augsb.?). 

Dieselben. 

und David Ott. Beide unterschreiben 
1548 ,per la Comon Nation Alemana'; 
Cod. Cic. 3100 Copia der brieff etc. 



Stephan Fenzel (Nürnb.?) 
noch am 15. November 
s. Ven. Mus. Civ. Corr. 
fol. 19; fol. 20. 

6. August, unterschreibt Stephan Fenzel, während bei Milesio ge- 
nannt sind zum Jahre: 

Jakob Eberz (Isny) und Philipp Walther (Augsb.). 
Dieselben. 

7. März. Johann Anhauser (Augsb.) und Jakob Eberz (Isny); (Cod. 
Cic. 3100 fol. 20'); bei Milesio: 

Albert Schad (Ulm) und Ulrich Waiblinger (Augsb.). 

Dieselben. 

18. April. Hieronymus Gienger (Augsb.) und Albert Schad (Ulm) 

, Cottimieri della nation Allemana et per nome di essa' (Cod. 

Cic. 3100 fol. 24) ; bei Milesio : 
Joh. Amhauser (Augsb.) und Hieronymus Pinfer (? Ginger?). 
Karl Rehlinger (Augsb.) und David Ott (Innsbr. ?). 
Sigmund Ehen (Augsb.) und David Ott. 
6. März. Georg Freidel (Nürnb.) und Sebastian Ulstatt (Augsb.) 

,Cottimieri' (Cod. Cic. 3100 fol. 31 und 33). 
6. April. Bernhard Pflanzer (Flänzer aus Nürnb.?) und Sebastian 

Ulstatt (Augsb.). (Cod. Cic. 3100 fol. 26.) 



1 



Liste der Consuln der deutschen Kaufraannschaft im Fondaco 1492 — 1753. 209 

1556, 28. Juli. Bernhard Pflanzer und Joh. Amhauser (Augsb.). (Cod. 
Cic. 3100 fol. 36.) 

1556, 19. Okt. und 10. u. 12. Dez. Bernhard Pflanzer und Sebastian 

ülstatt. (Cod. Cic. 3100 fol. 36'-40'.) Diese auch bei Milesio 
genannt zum Jahre 1556. 

1557, 14., 30., 31. März und 8. Mai. Bernhard Pflanzer und Martin 

Fogler (Nürnb.?). (Cod. Cic. 3100 fol. 42—45.) 
1557, 14. und 21. Mai, 3., 23. Juni, 8., 18. Juli etc. bis 30. Okt. Sebald 
Hendell (Nürnb.) und Narciss Lieber (Ulm- Augsb.). (Cod. Cic. 
3100 fol. 45'— 57'.) Diese auch bei Milesio zum Jahre 1557. 

1557, 10. Nov. - 1558, 23. April. Sebald Hendell und Konrad Star (Winds- 

heim). (Cod. Cic. 3100 fol. 58' -64.) 

1558, 6. Juni — 28. Okt. Konrad Ster (Windsheim) und David Adelhardt 

(Ulm). (Cod. Cic. 3100 fol. 64'— 69.) 

1558, 10. Nov. - 1559, 20. Mai. David Adelhardt (Ulm) und Kaspar 

Renff (?). (Cod. Cic. 3100 fol. 70-76.) 

1559, 2. Juni— 10. Nov. Hans Maroldt (München?) und Kaspar Renff (?). 

(Cod. Cic. 3100 fol. 77-81.) Milesio nennt statt dessen: 

1558. Joh. Amhauser und Sebald Hendell. 

1559. Joh. Amhauser und David Adelhardt. 

1560, 12. Jan. — 23. Mai. Hans Amhauser und Hans Maroldt. (Cod. 

Cic. 3100 fol. 81'— 82'.) 
1560, 13. Juni — 17. Sept. Hans Amhauser und Hieronymus Rem (Augsb.). 
(Cod. Cic. 3100 fol. 83'— 86'.) Milesio nennt zum Jahre: 

1560. Karl Rehlinger (Augsb.) und Joh. Maroldt (München?). 

1561. Bernhai-d Pflanzer und Andreas Aigler (Ravensburg?). 

1562. David Adelhardt (Ulm) und Abraham Rem (Augsb.). 

1563. Joh. Amhauser und Abraham Gigler (Ziegler aus Landshut?) 

1564. Sebastian Ulstatt (Augsb.) und Georg Penzel (Nürnb.). 

1565. Sebastian Sessal (?) und David Adelhai-dt (Ulm). 

1566. Kaspar Renff (? Rempff bei Milesio) und Bernhard Noettel (Nürnb.). 

1567. Joh. Amhauser und Ant. Schorer (Memmingen). Beide wenigstens 

bis 1568, 2. April. Cf. Schreiben des Strassburger Rathes an 
dieselben (Vened. Mus. Civ. Corr. Cod. Cic. 3468 Original) im 
Anhang. 

1568. Joh. Albrecht Armbruster (Strassb.) und Georg Fenzel. 

1569. Kaspar Renff und Peter Hateberg (?). 

1570. Kaspar Renff und Peter Ozenpener (?). 

1571. Leouhard Hermann (Memmingen?) und Joh. Heinrich Gienger(ülm?). 

1572. Joh. Amhauser und Christoph Neahoöer (?). 

1573. Kaspar Renff und Horaz Fenzel (Nürnb.). 

1574. Joh. Eisfogel (Augsb.) und Christoph Hoffer (Villach, bei Milesio 

Hopfer). 

1575. Joh. Amhauser und Daniel Folmar (? später Volmar). 

1576. Kaspar Renff und Horaz Fenzel. 

1577. Dieselben. 

1578. Joh. Amhauser und Christoph Hoffer (Villach). 

1579. David Ott (Innsbruck- Augsb.) und Christoph Hoffer. 

1580. Kaspar Renff und Berthold Wideman (Salzb.?^ Villach?). 

1581. Kaspar Renff und Marcus Welser (Augsb.). 

1582. Marcus Welser und Hieronymus Ott (Innsbr.- Augsb. ?). 

1583. Hieronymus Ott und Daniel Volmar (?). 

U 



210 Liste der Consuln der deutschen Kaufmannschaft im Fondaco 1492 — 1753^ 



1584. Joh. Hopfer (Augsb. oder Hoffer a. Villach?) und Jakob Oper- 

mann (?). 

1585. Dieselben. 

1586. Christoph Ott (Innsbr.- Augsb.?) und Thomas Kargh (Regensb. ?)► 

1587. Heinrich Imhof (Nürnb.) und Thomas Kargh. 

1588. Horaz Fenzel (Nürnb.) und Martin Peller (Nürnb.). 

1589. Hieronymus Ott und Daniel Widholz (Augsb.). 

1590. Joh. Hopfer und Daniel Widholz. 

1591. Joh. Hopfer und Marcus Manlich (Augsb.). 

1592. Daniel Volmar (?) und Karl Ulstatt (Augsb.). 

1593. Dieselben. 

1594. Christoph Ott und Michael Imhof (Nürnb.). 

1595. Joh. Huper (Hopfer?) und Martin Abt (Frankfurt?). 

1596. Eberhard Seutter (Nürnb. ? Kempten ?) und Joh. Schopper (Nürnb. ?) 

1597. Dieselben. 

1598. Christoph Heibig (?) und Joh. Ulstatt (Augsb.). 

1599. Matthäus Ainech (Heineke?) und Lorenz Craffter (Augsb.). 

1600. Hieronymus Ott und Lorenz Craffter. 

1601. Marcus Manlich (Augsb.) und Joh. Yidman (Villach). 

1602. David Ulstatt (Augsb.) und Bernhard Noettel (Nürnb.). 
1603 — 1604^). Jonas Gangmeister (?) und Georg Walther (Augsb.?). 
1605—1606. Christoph Ott und Wolfhard Gutbrod (Steyr-Nürnb.). 
1607—1609. Joh. Schopper (Nürnb.?) und Elias Hupper (?). 
1610 — 1611. Robert Amhauser (Augsb.) und Adam Hendel (Nürnb.). 

1612. Georg Walter (Augsb.?) und Joh. von Stetten (Augsb.). 

1613. Joh. Vidman (Villach) und Joh. Heinhauser (?). 

1614. Lorenz Craffter (Augsb.) und Christoph Eisfogel (Augsb.?). 
1615 — 1616. Robert Amhauser (Augsb.) und Joh. von Stetten (Augsb.).. 
1617. Joh. Schopper (Nürnb.?) und Christoph Eisfogel (Augsb.?). 
1618-1619. Joh. Vidman und Friedrich Bergh (?). 

1620—1622. Wolfhard Gutbrod (Nürnb.) und Georg Reiter (Innsbr.). 

1623—1625. Joh. Vidman und Matthäus Schmid (Schwäbisch-Gmünd?). 

1626—1627. Hieronymus Ott und Christoph Ulstatt (Augsb.). 

1628—1629. Georg Reiter (Innsbr.) und Emmerich Wais (Weiss? Augsb. ?). 

1630—1632. Octavius Ott und Joh. Philipp Fleischbein (Frankfurt a. M.).. 

1633—1634. Jakob Kechel (Ulm) und Joachim Hendel (Nürnb.). 

1635—1636. David Ott und Georg Hopfer (Augsb.). 

1637—1638. Peter Linder (Augsb.?) und Georg Zoller (Memmingen). 

1639 — 1641. Emmerich Weiss und Maximilian Han (Salzb.). 

1642. Kaspar Kechel (Ulm) und Joh. Baptist Schorer (Augsb.). 

1643 — 1644. Hieronymus Ott und Ludwig Hopfer (Augsb.). 

1645 — 1646. Anton Pepfenhauser (Augsb.) und Peter Cresser (Nürnb.). 

1647, vor 15. Aug. — 1649, 19. Juni. Joh. Joachim Hendel (Nürnb.) undi 

Christ. Rottenhoffer (Nürnb.) ^). 
1649, 9. Juni — 1651, 24. Januar. Anton Pepfenhauser (Augsb.) und 

Tobias Martin Peller (Nürnb.). 
1651, 24. Jan. — 1653, 26. Aug. Christ. Rottenhoffer (Nürnb.) und Joh.. 

Jakob Burkhard (Augsb.?). 



1) Von hier ab betrag, wie oben erwähnt, nach Milesio (bei Thomas S. 62) die Amts- 
daner eigentlich zwei Jahre. 

2) Diese und die folgenden von Elze in den , Verbesserungen ..." festgestellt bei 
Thomas, Milesio S. 98. 



Liste der Consuln der deutschen Kaufmannschaft im Fondaco 1492—1753. 211 

1653, 16. Aug. — 1655, 23. Sept. Daniel Bachmayer (Augsb.) und Paul 

Pecchlin (Böcklin? Augsb.). 
1655, 23. Sept. — 1657, 22. Aug. Peter Cresser (Nürnb.) und Abraham 

Van-Cölln (Aachen). 
1657, 22. Aug. — 1659, 21. Dez. Franz Pilgram (Memmingen? Nürnb.?) 

und Joh. Wolfhard Aur acher (Nürnb.). 
1659, 21. Dez. — 1662, 17. Jan. Franz Christ. Ambtmann (Klagenfurt) 

und Joh. Leonhard Schorer (Augsb.). 
1662, 17. Jan. — 1664, 22. Jan. Peter Cresser (Nürnb.) und Abraham 

Van-Cölln (Aachen). 
1664, 22. Jan.— 1666, 20. Sept. Joh. Wolfhard Auracher (Nürnb.) und 

Joh. Hieronymus Eberz (Isny). 
1666, 20. Sept. — 1669, 26. Febr. Peter Cresser (Nürnb.) und Matthias 

Lauber (Kaufbeuren). 

1669, 26. Febr.— 1670, 15. Dez. Abraham Van-Cölln (Aachen) und Joh. 

Hieronymus Eberz (Isny), an dessen Statt, da er verreist, 1669, 
14. Aug.: Joh. Christ. Welsch (Nürnb.?). 

1670, 15. Dez.— 1672, 22. Dez. Joh. Christoph Pommer (Wien) und 

Melchior Langenmantel (Augsb.). 

1672, 22. Dez. — 1673, 2. Aug. Peter Cresser (Nürnb.) und Gottfried 

Eichler (Ravensburg?). 

1673, 2. Aug. — 1675, 4. Dez. Matthias Lauber (Kaufbeuren) und Joh. 

Jakob Deller (Leutkirch). 
1675, 4. Dez.— 1679, 18. Okt. Balthasar Ertel (Nürnb.? Augsb.?) und 

Georg Christoph Eberz (Isny) , an dessen Stelle , da er verreist, 

1676, 8. Juli: Gabriel Mangolt (Augsb.?). 
1^379, 18. Okt.— 1682, 13. Mai. Joh. Wolfhard Auracher (Nürnb.) und 

Joh. Langenmantel (Augsb.). 
1682, 13. Mai — 1688, zwischen 1. und 15. Mai. Franz Christoph Ambt- 
mann (Klagenfurt) und Phil. Albert Rad (Augsb.). 
1688—1694. Joh. Jakob Deller (Leutkirch) allein 0. 
1695—1702. Joh. Georg Kechel (Ulm) und Joh. Jakob Deller. 
1703—1708. Phil. Albert Rad (Augsb.) und Erasmus Hopffer (Augsb.). 
1709. Georg Christoph Brückner (Nürnberg) und Phil. Albert Rad 

(Augsb.). 
1710 — 1712. Gg. Christ. Brückner und Daniel Friedr. Weichmann (Ulm). 
1713—1714. Joh. Jakob Pommer (Wien) und Joh. Martin Streng (?). 
1715 — 1720, 4. April. Georg Matthias König ^) (Ulm) und Daniel Amman 

(Augsb.). 
1720, 24. April— 1722, 15. Sept. Joh. Georg Herm. Lucker (Lindau, 

Augsb.?) und Jakob Bensperg (Lindau). ^ 

\1TI, 15. Sept.— 1731, 1. Mai. Joh. Pommer (Venedig) und Joh. Beck 

(Augsb.). 
1731, 1. Mai -1785, 8. Sept. Felix Fehr (Kempten) und Rudolf Klein- 

schmid (Augsb.). 
1735, 8. Sept. — 1740, 18. Mai. Benedict Hermann (Memmingen) und 

Michael Schürnbrand (Ravensburg). 
1740, 18. Mai - 1747, 17. Mai. Joh. Konrad Schwestermüller (Augsb.) 

und Lorenz Jakob Mehling (Partenkirchen?). 



J) Nach Milesio S. 71, aus dem auch die folgenden Namen — 1716. 
*) Die folgenden wieder nach Elze. 



212 Liste der Consuln der deutschen Kaufmannschaft im Fondaco 1492 — 1753. 



1747, 17. Mai— 1753, 31. Juli. Gottfried Ferdinand (Friedrich ?) Amman 
(Augsb.) und Joh. Mich. Hermann (Memmingen), an dessen Stelle 
später, z. B. 1753, 30. April, erscheint: Joh. Mich. Wagner 
(Feucht bei Nürnb.). 

1753, 31. Juli — ? Johann Heinzelmann (Kaufbeuren) und Johann Georg 
Stahl (Stuttgart) '), 



1) Hiemit schliesst die Reihe bei Elze in den „Verbesserungen etc."; in seiner „Gesch. 
der Protest. Bewegungen etc." erwähnt er freilich (S. 83 Anm. 2), dass Stahl — 1759, dann 
Seb. Schalckhauser (von Wendelstein bei Nürnb.) 1762 — ?, und (S. 87 Anm. 3) Erhard Eiesch 
(V. Lindau) seit 1801 Consuln der Deutschen Nation in Venedig gewesen. 



I 



m 



m. 



Grabschriften 



Deutsclien in Venedig. 



^^ 



n 



Der Sammlung von Grabschriften in Venedig verstorbener und 
bestatteter Deutscher, die ich dem Nachlasse Cicogna's entnehmen 
konnte^), möchte ich folgendes Wenige vorausschicken. 

Emmanuele Antonio Cicogna entstammte einer kretischen, nach 
dem Falle von Candia nach Venedig übergesiedelten, Familie und 
wurde hier im Jahre 1789 geboren. Zu Udine erzogen, erhielt er 
später einen Sekretärsposten beim Appellationsgericht in Venedig, lebte 
aber vor Allem bis zu seinem im Jahre 1868 erfolgten Tod seinen 
Büchern und historischen vaterländischen Studien. Als Hauptfrucht der 
letzteren sind neben seinem ,Saggio di bibliografia Veneziana' (1847) 
die ,Inscrizioni Veneziane' zu bezeichnen, deren erster Band 1824 
erschien, denen noch 5 weitere (der letzte sechste in 2 Abtheilungen) 
folgten bis zum Jahre 1853. Aus welchem Grunde die Fortsetzung 
des Werkes unterblieb, ist mir nicht bekannt: auch so darf es als 
eines der inhaltreichsten und werthvoUsten Werke zur Geschichte der 
Stadt bezeichnet werden. Vorgearbeitet und vorbereitet hatte Cicogna 
Alles zur Weiterführung, indem er in sauber geschriebenen Heften die 
Inschriften jeder Kirche mit fortlaufenden Nummern zusammengestellt 
und bei den umfangreicheren die Anmerkungen in einem besonderen 
Hefte beigefüg hat. Diese Hefte ,Fascicoli' in einzelnen , Schede' (Cahiers) 
befinden sich heute in der reichen ca. 5000 Nummern zählenden 
Handschriftensammlung, die Cicogna sammt seiner grossen Bibliothek 
von ca. 40,000 Bänden dem Museo Civico Correr in Venedig ver- 
macht hat''*). Freilich nicht als abgeschlossen, nicht als druckreif 
kann diese Fortsetzung bezeichnet werden, denn noch fehlt Manches, 
was er beim Drucke hinzugefügt hätte, wie aus den bereits ver- 
öffentlichten Bänden zu entnehmen ist. lieber die von ihm befolgte 
Methode, die auch für die nachfolgenden Grabschriften Geltung hat, 
äussert er sich im Vorwort zum ersten Band seines Werkes^) fol- 
gendermassen : 

Der Eintheilung der Inschriften nach Klassen oder nach Materien 
(Stand und Verhältnisse der Personen) oder nach Epochen (chrono- 
logisch) oder nach dem Alphabet der Familien, wie sie von Anderen 

*) cf. Vorwort zu Bd. I S. XV. — ^) Ich entnehme diese Angaben wie das 
Vorhergehende dem Nekrolog auf Cicogna von A. Sagredo im Archivio Storico 
ItaUano Ser. 3» t. VII (1868) p. 208 ff. — '») S. 25. 



216 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 



gewählt worden sei, habe er die nach den Kirchen und den öffent- 
lichen und privaten ertlichkeiten vorgezogen — allerdings nur mit 
Rücksicht auf die Subscribenten im Interesse einer grösseren Mannig- 
faltigkeit und Abwechslung. „Jeder Kirche schicke ich in aller 
Kürze deren Geschichte voraus, mich auf das beschränkend, was aus 
den Inschriften über Rechte, Privilegien und Schmuck der Kirche 
u. s. w. erhellt, und auf das, was die Zeit ihrer Erbauung und ihrer 
verschiedenen Restaurirungen betrifft, welch' letztere wichtig sind, um 
die Ursache des Verlustes vieler Steine zu erfahren. Ich trete alsdann 
in die Kirche ein und, meist mit der rechten Seitenwand beginnend^ 
hernach auf die linke übergehend und mit dem Fussboden schliessend ^)y 
führe ich mit fortlaufender Nummer die Steine auf, die ich finde^ 
wobei ich die Zahl der Zeilen (durch senkrechte Striche) und alle Ab- 
kürzungen des Originals wiedergebe . . . Hierauf verzeichne ich kurz 
den Platz, wo jede Inschrift sich befindet. Daran schliessen sich jene 
Inschriften, die ich nicht selbst gesehen, deren Kenntniss ich viel- 
mehr aus anderen Werken geschöpft, welche selbst auch, sowie deren 
Verfasser (nebst den Varianten, wie noch hinzuzufügen ist) genau 
angegeben sind. An's Ende setze ich die Inschriften, die ich ausser- 
halb der Kirche in der Nähe anderswo, an privaten oder öffentlichen 
Plätzen, befinden oder befanden; dann folgt noch ein alphabetisches 
Namensverzeichniss über die Inschriften jeder Kirche und endlich 
ein erklärendes Verzeichniss der vorkommenden Abkürzungen." Des 
weiteren verbreitet sich Cicogna noch über die Anmerkungen, die 
er jeder Inschrift beizufügen sich bemühte und die eine Fülle werth- 
vollster historischer Notizen aller Art enthalten, manchmal sogar 
das Mass des Nothwendigen nicht unbedenklich überschreiten^). 

Er entschuldigt sich dabei noch, dass er manche Inschriften 
ohne Erläuterung habe lassen müssen; und wenn wir nun näher 
zusehen, so finden wir das meist bei den Grabschriften der Deutschen 
unterlassen. Dies ist aber für den Venetianer um so mehr zu ent- 
schuldigen, als wir selbst leider nicht immer in der Lage sind, hier 
zum Ersätze dafür einzuspringen ^). 

Es fehlt demnach bei den Inschriften, die ich unten mittheile, 
wenn man sie mit diesen Bemerkungen vergleicht, namentlich die 
Einleitung über die Kirche selbst, sowie die Uebersicht über die Ab- 
kürzungen und das alphabetische Namensverzeichniss, Dafür habe ich 
selbst eine Liste der häufigeren und wichtigeren Abkürzungen und ein 



^) .cominciando per lo piü suUe pareti a diritta, indi seguendo a sinistra, 
e poi sul pavimento scorrendo . . . .' — ^) Dies hat auch ganz richtig Gius. 
Tassini erkannt, der im Archivio Veneto Bd. 11, 12 u. 17 in sehr verständiger 
Weise angefangen hat, die Vorarbeiten Cicogna's mit einigen Kürzungen heraus- 
zugeben — eine sehr erspriessliche Arbeit, die meines Erachtens fortgesetzt zu 
■werden verdiente. — ^) Die verbesserten deutschen Namen und sonstige erläu- 
ternde Bemerkungen habe ich in Klammern denen Cicogna's hinzugefügt. Voran- 
geht jeder Inschrift der Fundort, d. h. die Nummer des ,Fascicolo' und der 
jScheda' Cicogna's, sowie des Eintrages bei der betreffenden Kirche. 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 217 

chronologisches Verzeichniss der Inschriften hinzugefügt. Im Uebrigen 
habe ich Cicogna's Original getreulich wiedergegeben, wobei nur 
noch ein Punkt zu erwähnen ist. In den gedruckt vorliegenden 
Bänden hat Cicogna bei allen Inschriften durchgängig grosse Buch- 
staben angewendet; dies ist bei den anderen, handschriftlichen aber 
nicht der Fall. Ob er beim Abdruck dasselbe Verfahren beobachtet 
hätte, weiss ich nicht. Da er darüber auch, soviel ich sehe, keine 
Andeutungen hinterlassen hat, blieb nichts übrig, als sich genau an 
die Vorlage zu halten, wo grosse Buchstaben nur am Anfang u. s. w. 
gewählt sind. Der Gleichheit halber habe ich die wenigen deutschen 
Grrabschriften, die sich in den veröffentlichten 6 resp. 7 Bänden der 
Inscrizioni fanden und die ich der Vollständigkeit zu liebe hier 
nochmals wiederzugeben für gut hielt, in derselben Weise, d. h. nicht 
mit durchgängig grossen Buchstaben abdrucken lassen, was übrigens 
der Uebersichtlichkeit sicher zu Statten kommt, und habe dabei 
auch das von Cicogna angewendete v in u umgeändert. 

Eine weitere Inschrift habe ich selbst zufällig einmal in der 
Kirche S. Maria ai Frari (beim Staatsarchiv) gefunden; und endlich 
verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn Pfarrers Dr. Elze die 
Kenntniss einer Inschrift aus S. Croce bei Serravalle auf der Strasse 
nach dem Cadore, welche diese Sammlung beschliesst. 

Mit Ausnahme von 2 — 3 Nummern sind es also Grabschriften 
auf Deutsche (nicht bloss Kaufleute), die in Venedig gestorben und 
bestattet sind. Ueber den Werth dieser Inschriften ist es wohl 
nicht nöthig, viel hinzuzufügen : Jeder wird leicht erkennen, dass sie 
für die deutsche Familiengeschichte von hohem Interesse und nicht 
geringer Bedeutung sind. 



ut 



n 



Abkürzungen. 



A.D. 
A. 0. 
A. R. 
A. R. 
A. S. 
D. = 
D.D. 
D.D. 
D.M. 
D.O. 
D.O. 
D. T. 
D. V. 
F. = 
F.F. 
F.I. 
H. F. 
H.M. 
H. M. 
H.M. 
H.M. 
I. F. 
L. B. 
M. D. 
M. F. 
M. H. 
M. P. 
M. P. 
O.E. 
O.E. 
P. = 
P.C. 
P. F. 
P. F. 
P.P. 
Q. = 
R. E. 



0. M. = AI Domino Ottimo Massimo (?). 
R. = Anno Originis Redemptoris i). 
N. = Anno Redemptoris Nostri. 

S. = Anno Reparatae Salutis (cf. Cicogna Inscr. Venez. 1. 1 
R. = Anno Salutis Reparatae. 
Dominus . Domino . Dedicat. 
= Dedicaverunt. 

D. = Donum Dedit. Dedicavit (?). 
= Domino Magistro. 
M. = Deo Optimo Maximo. 
M. S. = Deo Optimo Maximo Sacrum. 
0. M. = Deo Trino Optimo Maximo i). 
et T. S. = Deo Vni (oder Vno) et Trino Sacrum '). 
Filius . Fecit. 
= Fieri Fecit . Fratres. 

— Fieri Jussit. 
= Hoc Fecit (Fecerunt). 
F. C. = Hoc Monumentum Fieri Curavit. 
F. C. C. = Hoc Monumentum Fieri Curaverunt. 
P. = Hoc Monumentum Posuit. 
P. C. = Hoc Monumentum Poni Curavit (Curaverunt). 

= Jussit Fieri. 
= Liber Baro. 
= Magnifici Domini. 
C. = Monumentum Fieri Curavit. 
= Monumentum Hoc. 
= Monumentum Posuit (Posuerunt). 
P. = Monumentum Posuerunt. 
B. Q. r- Ossa Ejus Beate Quiescant2). 
B. Q. C. = Ossa Ejus Beate Quiescant? 
Posuit . Parenti . Patrj. 
= Poni Curavit (Curaverunt). 
= Poni Fecit oder Positum Fuit. 
M. = Poni Fecit (Positum Fuit) Monumenttun. 

— Posuerunt. 
Quondam. 
= Romanae Ecclesiae. 



1) So nach Herrn Pfarrer Dr. Elze in Venedig aufzulösen. 

2) So aufzulösen nach Prof. G. M. Thomas, dessen ich hier nicht ohne Wehmuth gedenke. 
Denn während des Druckes dieser Arbeit, welche eine Ergänzung zu seinen, von uns so oft 
citirten, Publikationen sein soll, ist derselbe aus dem Leben geschieden. 0. E. B. Q. ! 



112 



R. S. H. — Reparatae Salutis Hominum (?) 

T. P. H. M. S. = Testamente Patris Hoc Monumentum Statuere. 

T. S. = Trinitati Sacrum i). 

T. S. E. L. = Trinitati Sacrum Et ? i). 

V. F. = Vivens Fecit. 

V. M. = Virgine Maria. 

XPO = Christo, 
co.'evang. (alt.) = comu evangelü (oder como dell' evangelio) „auf der rechten Seite des 

Altars" (alt. = in alto, oben). 
c. epist. — como dell' epistola „auf der linken Seite des Altars". 



Arr. = Arrigoni2), eine Abschrift der von M. Luciani (cf. unten) gesammelten Inschriften in 
S. Giovanni e Paolo, im Besitze des Grafen Orosio Arrigoni befindlich (Manuscript). 

Berg. — Bergantini, Gius. Giacinto Maria, Sammlung der Inschriften in Sa. Maria de' 
Servi. (Mss.) 

Col. = Coleti, Gian Domenico (t 1798), Sammlung der venetianischen Inschriften. (Mss.) 

Gurti — Curti, Rocco (t c. 1770), ,Inscrizioni sacre e profane . . . di Venezia.' (Mss.) 

Grad. = Gradenigo, 4 Bände Grabschriften ,appartenente alla libreria de' nobili Gradenigo 
della contrada di Sa. Giustina' (aus der Mitte des 18. Jahrh. ?). Mss. 

Luc. = Luciani, Marcantonio, Sammlung der Inschriften in S. Giovanni e Paolo aus dem 
Jahre 1521 (nur in handschriftlichen Kopien erhalten, wovon eine bei dem Senator 
Pietro Gradenigo unter den 4 Bänden Grabschriften Grad, cf vorhin). 

Martinelli ^ Martinelli, Domenico, 11 ritratto overo le cose piü notabili di Venezia (1. Aus- 
gabe von 1684 cf. unten Grabschrift Nr. 3 ; neue Ausg. 1705). 

Mosch. — Moscliini, Giannantonio, Guida per la cittä di Venezia 1819. 

Palfero ~ Palferus, Johannes Georgius (ein Deutscher), Memorabilia Venetiarum monu- 
menta .... vor 1635. (Mss. „Erste allgemeine Sammlung für Venedig".) 

Scradero = Scradero oder Scradeo , Lorenzo , Monumentorum ptaliae . . . libri 4. Helm- 
stadt 1592. 

Svayer = Sammlung von ,Inscrizioni sepolcrali Veneziane', welche .apparteneva alla libreria 
di Amadeo Svayer' (t 1791). Mss. 

Zucch. = Zucchini, Tomm. Arcangelo, Nuova cronaca Veneta . . . 1785. 

Nicht erwähnt finde ich bei Cicogna die beiden folgenden Namen: Antonelli und 
Corrier (s. unten Grabschrift Nr. 84). 



J) So nach Herrn PfaiTer Dr. Elze in Venedig aufzulösen. 

2) Die folgenden Abkürzungen und Erklärungen sind theils den handschriftlichen Be- 
merkungen Cicogna's in den ,Fascicoli', theils seinem Vorwort zu Bd. I der Inscrizioni 
pag. 11—18 entnommen. 



i 



\i 



^p 



n 



Cicogna. Scheda 498 fasc. 5. Chiesa de' SS. Apostoli n. 53. 
D. 0. M. I Sepulchrum Joannis Pauli Jager | pauperum praesidentis 
ac ecclesiae procuratoris | et pro posteris suis | Obyt die ascensionis Do 
mini | anno Domini \ MDCCXII. 

In mezzo di seguito linea capp. Comaro. (Jäger aus?) 



2. 

Cic. 498 fasc. 6. SS, Apostoli n'»74. 

Mors certa incertum mortis genus. Constantino ab Amin Marchiacö 

nobili Germano natione gente virtutibus eruditione clarissimo viro. ho- 

mini ad omnem summam laudem nato nisi eum e medio gloriae curri- 

culo immatura mors summo cum suorum ac bonorum omnium luctu ac 

moerore eripuisset Obiit anno S. MDLXXIX. idibus martii aetatis suae 

anno duodevicesimo. 

Palfero. Palf. ommette : certa, ma suU' autoritä del Gradenigo, benchö posteriore, 
ve la posi io. Coleti copiö male : duodecimo. (v. Arnim.) 



3. 

Cic. 498 fasc. 5. SS. Apostoli n. 76. 

D. 0. M. S. 1 Quem vides sarcophagum viator cineres servat nobilis 

aeque ac strenui adolescentis Joannis Von der Deiken Saxonis dioecesis 

Bremensis qui dum Latio omni illustrato Venetias ut patrios lares repe- 

teret advenisset felix inopine morbo oppressus annum agens secundum 

supra vigesimum decessit . cuius piis manibus frater Henricus pie paren- 

tans boc fieri monumentum curavit . Obiit anno salutis MDXCIl pridie 

Kai. novemb. 

Martinelli. Martinelli (ediz. 1684) h il primo a riferirla ; altro dice : si ritrovano 
in questa chiesa le ceneri di un nobile di Sassonia con la seg(uente) 
mem(oria). (Vermuthlich aus dem niedersächsischen Geschlecht Von der 
Decken, über welches s. Schmersalü im „Hamburgischen Magazin" 1752 
Bd. 9 S. 619 ff.) 





4. 

Cic. 498 fasc. 5. SS. Apostoli n. 78. 

Dum adhuc ordirer succidit me Joannem Gullielmum de GoUen 

Friburgensem Briscoium dominum in Kischeimb Ftbalme Bach etc. die 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 221 

IX. martii MDCLXXVI quem peregrinantem in terris ut portum caeli 
invenirem in aquis statuit voluntas Dei. Disce ex me terrae viator ubique 
vivere ut peregrinus caeli . quod gratae memoriae monumentum dilecto 
patrui suo poni curavit illustriss. dominus Gervasius Gullielmus a GoUen 
sacrae Cesareae regiaeque maiestatis actualis aulico et appellationum con- 
siliarius intimusque secretarius . anno Domini MDCLXXVI . die XV. Oc- 
tobris . Amico operis executore Francisco Matthia Kircboffer de Kirchoffen 
Veronensi protonotario apostolico et canonico Boemiae. 

Martinelli. ,E all' incontro dell' altra' dice Martinelli. Curti legge ,Ethalme' 
per : Fthalme. (Das Erstere vielleicht richtig und mit Bach zu vereinigen; 
Kircheimb wohl = Kirchheim. Yon Gollen seit 170G österr. Freiherren; 
cf. Kneschke, Neues allgem. deutsch. Adels-Lexikon 1859 ff. HI, 276.) 



Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 4. 

D. T. 0. M. I Altare hoc erectum fuit süpt | frat.^^ SS. Rosarii nat. 
Ger.*® nee | non elee.^^ pio.m Ger.™ hab.™ hie Ven.i^ | incip. | D. Joe. 
Nellebach C.« | D. Joe. Parcet V. ] D. Josa Maier S. | sind. | D. Crist." 
Gaff et TOhe.mo Koch | MDCXXIIII. 

Deipa V. M. 1 ad finem produt. | D. Baltasa.° Wideman C." | D. 
Wolegi.o Fiebig V. | D. Casp.» Faul. S. | sind. | D. Leon.d« Six. et Casp.° 
Krenchle [ MDCXXV. 

Sul muro c. evang. alt. dell' Annunciata in capella. Era la capella e l'altare 
della Nazione Germana. (Cf. die folgende Nummer über die Abkürzungen 
C. = gastaldo, V. = vicario, S. = scrivano, Sind. = sindicis. Die zuletzt 
genannten Namen finden sich zum Theil in etwas anderer Gestalt in einem 
Dokument vom 18. Oktober 1629 in der .Mariegola dei Pistori' (Mus. Civ. 
Corr. IV n. 5 fol. 99') und zwar in dieser Reihenfolge : Baldisera Vidiman, 
Gasparo Fai, Giacomo Sander, Zuanne Cleber, Bolfo Fiebigh, Adamo Sarf, 
Gasparo Tungher, Marco Freigher. Es waren also Bäcker ; ob deren Zunft 
den Altar gestiftet oder eine andere Vereinigung Deutscher in Venedig über- 
haupt, vermag ich nicht zu entscheiden ; cf. oben S. 135. Von den zuerst Ge- 
nannten ist Joh. Farcet = Farckhet ein Augsburger Kaufmann (cf. Langen- 
mantel , Historie des Regiments . . Augspurg 1725 Register der Herren 
Kauff leuthe), ebenso vielleicht Wilhelm Koch ; Christoph Gaff ein deutscher 
Wirth des ,Aquila nera' in Venedig; cf. Sterberegister von S. Bartolomeo 
unten zu 1609, Okt. 5, 1622, 1638, Aug. 7.) 



6. 

Cic. 199 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 5. 

In tempo fu gastaldo Gasparo Krenckle | Giovanne Kon vicario 
Gulielnio Kock scrivano | Michiel Teffinger et Giovane Vnsel sindici | 1610. 

In detta capella su quadro. E il quadro collanascita della Madonna c. evangelü. 
(cf. oben S. 134.) 

7. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 9. 
Sepoltura | de' bastazi | di Fontico. 

Del sec. XVIII allorchfe si rifece il pavimento. Gradini capp. S. Nicolö. La 
antica inscrizione diceva: Sepulture (V) de bastasi in fontico di Todeschi 
anno dorn. MDCXXV. (Grabstätte der Träger des Fond.) 



222 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 



8. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 14. 
Monumentum | domus | Teutonicae. 

Del sec. XVIII allorche si rifece il ]pavimento. Verso i gradini alt. S. Fran- 
cisco Xaverio e tutti santi. (Die Gruft der Deutschen Nation; cf. oben 
S. 135 und unten Nr. 27.) 

9. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 20. 
Successoribus | Hertz | . 

Del sec. XVin etc. wie bei 8. AI pilastro. 

10. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 31. 
Elisabeth Man | 1753. 

Capp. maggiore; di flanca c. evang. 



11. 



Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeoln. 44. 

Anno MDLXXIX | XV. die iulii obiit | nobilis et magnifi | cus do- 
minus Pauluti I US a Stetten patriti | us Augustanus . 1 Beati qui in Do- 
mino I moriuntur. 



Gradenigo. Per error Coleti 16 per 15. ZuccM non ha l'epoca principiando 
con: magnificus. Curti dice: dominus Paulus An. Steten; Svayer: Pau 
lutius a Stetten. 



12. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 49. 
Quod I Justo Sorer et success. | P. F. M. 



anno MDXXHII XVEI 
iulii I ubi maiorum plerique | in quo | Emanuel et Gottofridus | fratres 
amantissimi | Alexius pronepos et frater ] fratrib. uxori sibi | et successorib. 
1 P.C. I anno MDCL | die XIX mensis augusti. 

Gradenigo. Svayer male: Soror. Curti dice: 1700 invece di 1650. (Schorer 
aus Memmingen-Augsburg.) 



4 




13. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 52. 

Joannes Cristei ] Augustanus | mercator integer | hoc sepul. | iacet 
obiit pridie cal. | Novemb. MDLXX. 

Gradenigo. (Statt Cristei jedenfalls zu lesen Cristei ; cf. oben S. 180.) 



Grabschriften von Deutschen in Venediff. 



223 



14. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 53. 

Marcus Hantze | Danielis F. | patricius Augustanus | hie situs est 
Gloria | soli Deo | anno MDLXXVIII. 

Gradenigo. Nel mss. Svayer dopo ,Danielis F' si legge : Joannis patricius ec. 



15. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 54. 

Bartholomaeus Nurimbergensis | cuius pater alter | Bartholomaeus 
Nur I imberg. erat mer | cator ille tarn | integerrimus | heu mors iu- 
venem | indolis nob. | XVI annos at | tingentem rapuit | MDLXXVIII 
XTTTT sept. | hocq. pia mater fi | eri curavit. 

Gradenigo. Svayer per errore nel secondo luogo dice ,Nur | bimer' e ,non' 
invece di:nob., cloe nobilissime o nobilis. (Barthelmess ?) 



16. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 55. 

D. V. et T. S. 1 Siste viator pedem Joachimi Imhoff | Joan. F. patricii 
Norimberg. corp. hac | urna clauditur cui in N. iun. R. S. H. | A.MDXCV. 
pmatura mor : erep : iu | veni gne avitae familiae suae vir | tutum 
aemul : cum vix . A . XX . Juliana | Geuder mater nato filio dulciss. I. F. 
soror I isq. moestiss . germano desiderio | luct. sui pub. test. H. M. F. C. C. [ 
Mors tua Christe mihi vita est | victoria regnum: 
Labe mea morior sanguine viso tuo. 

Gradenigo. In Zucchini: I per T cioe Trino e cosi copiö Coleti. Zucchini: 
Inchoff; Svayer: Inhoff, e Gradenigo: Imhoff; e cosi va bene essendo 
cognome noto anche per Jac. Wilhel. Imhoff che diede alla luce varie 
opere. Nel mss. si legge : con, ma forse errore per cor. cioe corpus, gne 
cioe genere. Coleti 1 ommise e Zucchini fece gnae; Svayer dice: avita 
per avitae; Curti: egre invece di gne; a vitar invece di avitae. Svayer: 
Gerderi e Grad. Geuderi, Zucchini Geuder. Svayer dice: I. F., ma Gra- 
denigo e Zucchini F solo; Curti: corp. 



Cic. 499 fasc. 2. 



17. 

S. Bartolammeo n, 56. 



Christo . Hopfer civi | Vilacho optima in | dolis . obiit aetatis | suae 
anno XXXXVIII | men. IUI | sibi suisq. heredi | bus anno Domini [ 
MDXCin men | marzo | die VI. 

Gradenigo. jHopfer' Graden., Svayer: Hofer. Svayer III invece di Dil; 
Svayer MDXCIIII ; Curti 49 e 3 e 1594. (Hoffer oder Hofer aus Villach, 
gestorben 7. März 1594 nach dem Sterberegister von S. Bartolomeo.) 



18. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 57. 

Johannes Herzel sem .... mercator Augustanus obiit in XPO aetatis 
suae anno LX, in cuius memoriam moestiss. eius filius Joannes Herzel 



224 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 



hoc posuit monumentum sibi suisq. anno Dm MDXCIII mensis septT 
die VII. 

Gradenigo. Sem . . . cosi nei due mss., Col. 1' ommise. ,Senior' dice Curti. 
(Dies jedenfalls richtig.) 



19. 



Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 58. 




Georgias Stenglinus Augustanus obiit in XPO aetatis suae annorum 
XVII . in cuius memoriam optimus eius parens hoc erexit monumentum 
ann. Domini MDXCI . mensis iulii die XXII. | Resurget frater tuus . lo : XI. 



Gradenigo. Curti ann. 18. 



20. 



Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 59. 



ßaymundus Imhoff Hier. F. Augustanae Vind. reip. consul patri 
cius . Vix . A . XLIII . M . VI . D . XVII . A . Chr . MDXCI . dec . VIII . Regina 
Pimlina uxor marito incomparabili moest. P. C. | Expecto donec veniat 
immutatio mea. 

Gradenigo. ,Consui' il mss. Grad, e Svayer ; Col. disse : consü. Coleti: Priulina. 
Curti : oonsul patritius. (Gest. 3. Nov. 1591 cf. Sterberegister v. S. Bartolomeo ; 
vermählt mit Reg. Bimel 7. Okt. 1578; cf Augsb. Hochzeitsbuch, hrsg. v. 
F. Warnecke S. 77.) 



Hl 

itri- Am 



21. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 60. 

Sepultura illustriss .D.D. Joan . Georg . Vngua . L . Baro , in Sonnech . 
Germani et ipsius haeredum obiit anno MDLXXXIII . XIX . maii. 

Grad. Liberi Baronis cioe ; Curti dice : Vngnad. Bar. (Job. Gg. v. Ungnad 
von Sonneck, Sohn des berühmteren Haus Ungnad; cf Dresser, Ungna- 
disohe Chronik ri»n2] S. 107; nach dem Sterberegister von S. Bartolomeo 
gest. am 28. Mai.) 

22. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 63. 

Abrahamus Behm patricius Augustanus qui vixit et in Christo obiit 
die XXm. M. octob. 

Grad. Coleti ,pie' per : qui. (Rem? cf. oben S. 179, 209.) 



23. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 64. 

Siste viator perlege: 

Corpus terra tuum est charis lego nomen amicis. 
Solve preces aniraae quisquis amicus ades. 
Joan. Vdalrico Georgius Henichius frater moestiss. sibi et haere- 
dibus P. C. obiit anno MDCXII. die XI. mensis augusti. 

Grad. ,Tuum' lo dice Curti, gli altri : tutum o : tegit. Dopo ,ades' trovo in 
Grad. ,Parcati pientiss. mii' che no so cM si attribuisca; ma gli altri 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 225 

lo omettono; dopo ,ades' Curti dice : parenti pientiss. filii Joann. Udalrico 
e Georgias Henricus (forse Henicliius). — Dann noch eine Randbemerkung : 
Scradero (o Scradeo) p. 30(5 del suo libro monumentonim Italiae an. 1592 
riferisce quest' inscrizione cosi : , JoannesUldaricus Linckius patric. augustan. 
anno domini MDLXVI Februarii die XXV pie hie obiit. Clausit Joannes 
Uldricus Linckius annos undenos bis agens hie sua fata pie Augustae 
civis ter quingentesimus annus. Ille fuit Christi sextus et undecimus'. 
E credo che questa inscrizione riferita dallo Scradero fosse in luogo de 
quella che ho riportata io, essendo naturale che sia stata rifatta nel 1612 
quando anche il fratello volle esser colä sepelito ; e questo fe il caso che 
presto fede allo Scradero, benche nel riferire le inscrizioni sia alquanto 
inesatto (vedi anche il Foscarini Lett. Ital. p. 18ö). (Linck a. Augsburg.) 



24. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 65. 
Rarus gemmar. cognitor hoc lapide premitur Conradus Bau Au- 
gustanensis mercator. Andreas Bau de Norimberga e vita decessit anno 
MDXXIX die IV. maii. Fratres lugubres posuere MDXXX IL iunii. 

Grad. Inperfetto il mss. Grad, in questa inscrizione, ho seguito Moschini 
e Coleti; dopo l'anno MDXXIX ,Bais' dice Curti. Curti dice: 1,523 8. Aug 
(Baier? oder Weiss?) 

25. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 66. 

Tobias Hopfer civis Augustanus optimae indolis qui obiit anno 

salutis MDXXXXIIII Erasmus Hopfer et Mathias Bachmayer restaura- 

runt anno salutis MDCLXXVIIII. 

Grad. Curti: 1543. (Nach dem Sterberegister v. S. Bartol. starb ein gleich- 
namiger Hopfer am 29. Dez. 1593.) 

26. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 67. 

Joannes Haider hoc sub lapide quiescit cui videre solem dedit Au- 

gusta Vindelicorum diem ultimum urbs Veneta. Vix . satis nam bene 

nee male cuiquam . si vivitur vivit filii f. nunc .... bis .... 

certo incertus est dibus . unum hoc mihi hodie praesta crastino 

quod tibi optatiss . sperabis. 

Grad. E tal quäle in Grad., ne fe possibile intendere di piü. Coleti dice: 
cuiquam filii moestiss. F. unum ec, e sfogge cosi ogni difficoltä. Curti: 
quiesco primum qui videre solem degit augusta — tutti errori e cosi 
tutto segue: . . . urbs Veneta vix sat : nam bene : male cuiquam si vivit: 
vix : vivitur filii e . . nimium I nunc ibis certo incertus et redibus unum 
hoc mihi hodie praesta crastino quod tibi mutatis sperabis. 

27. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 68. 
Monumentum hoc domus Theutonicae municipes mortalitatis me« 
mores in hospita Venetiarum urbe suis posuerunt certum post fata hospi- 
tium A. 0. R. MDCXLIX. Exornaverunt A. MDCLXXXI. 

Grad. Oggi in luogo di questo abbiamo veduta Tindicazione al n. 11 (cf. oben 
Nr. W). Era dietro l'altare della Madonna de' 7 dolori su d'un monumento 
nel cui mezzo vedesi scolpita fra fogliami in bronzo la dicta inscrizione ; 
fe riportata anche daZuccliini. (Die der deutschen Nation gehörige Gruft 
cf. oben S. 135). 

15 



226 



Grahschriften von Deutschen in Venedi». 



28. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo ii. 70. 

Joseph Miller Jacobi filius merc. sibi et suis vivens posuit anno 
Domini MDCXXVII. 



Grad. ,Milles' dice Curti. 



29. 



Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 76. 

Georgias Reiter merc. Oenipontanus vir pietate et prudentia clarus 
qui diu Venetiis degit Omnibus gratus cunctis beneficus adeo ut ad pias 
causas ex facultatibus validis per se partis ultra scuta decem milia ero- 
gaverit . tandem corporali morbo oppressus mente semper libera dedit 
Doiparae laudes vivendo coelebs e vita evolavit anno MDCXXXVIII 
lU Kai. Novembris in humanis fuit annis .... 

Q-rad. Era all' alt. deir addolorata. E anche in Zucchini con poca differenza. 
Coleti fece X con Zucchini per III e mise poi : annis LXI di suo Capriccio 
e ommise : tandem cori)orali morbo oppressus. , Vivendo celebs abüt et ad 
vitam evolavit anno Domini' Curti, e: annis LXIY. (Nach dem Sterbe- 
register von S. Bartolom. gest. am 29. Okt. ica7.) 



30. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 79. 

Ingenuo iuveni Jodoco Schad natione Germano patricio Vlmensi 
praematura morte abrepto aetatis suae annum agenti XIX cum mensibus 
VI. diebus IX. anno Christi Salvatoris supra millesimum quingentesimum 
octuagesimo quarto die XXII Martii. Filio desideratiss. parentes moestiss. 
Daniel reip. Vlmensis duumvir cum coniuge Regina amoris ergo FF. 





Grad. Era all' alt. di s. Mattia appostolo. (Im Sterberegister von S. 
tolomeo unter dem 1. Apiil 1585 verzeichnet.) 



31. 



Bar 



Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 84. 

D. 0. M, Conrado Stoer Conr. F. mercatori 
honestiss. parentibus oriundo Sebastianus ep. de 
MDC . . . quinto idus . . . vixit ann .... 



celeberr. Winshemiae 
se benemer. obiit anno 




Grad. CoLeti empi i vacuo MDCXV; idus octobris ann. LIIII. Quell' ,ep' e 
un errore certamente. Curti dice : fi-atri, e aggiunge : l'ann. 15K.S quinto 
idus iulii cum vixisset annos XLII. (Ster aus Windslieim; cf. oben S. 196.) 



32. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartola mneo n. 91. 

Dum pars illa mei melier coelestia carpit 
Gaudia subiecta clauditur altera humo. 

Reddita utraque mihi spondam redivivus in ipsis 
Perfruar aeterna prosperitate Bei. 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 227 

Nobili atque modesto adoles. | Vito Lagkhner | Franciscus pater 
patritius senatoi-q. | Viennes filio cariss. modestiss. | FF. vixit ann. XVI, | 
■mens. X. dies XVI | obiit ann. M.Ü.L.X.V.I | die XXX. mens. mar. 

Curti. .Mausoleum in atrio januae ecclesiae' dice Curti (cf. oben S. 171). 



33. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 08. 

Ma^°. dno Chechel merc. Ger", et Magd^. ] uxori eius filius Casparus 
sibiq. ac successor. sepulcrum hoc perpetue FF an. 1622. 

Curti. ,Forse dominico' Curti. (Kectel a. Ulm; cf. oben S. 185.) 

34. 

Cic. 499 fasc. 2. S. Bartolammeo n. 103. 

Thobias Fin Q. Joannis Norimbergensis hie cineres in empyreo 
-animam P. C. sie et postei-um suorum. Obijt anno salutis M.D.CXVI. die 
VII. Julii aetatis vero XXIIII. 

Curti. (cf. oben S. 195.) 



Cic. 499 fasc. 4. S. Beuedetto n. 15. 

D. 0. M. I Carolus . Colloredus . comes | ordinis . Teutoniei | eques . et 
magnus . eommendatarius . in . Austria | e . secretiori . eonsilio . Caesaris . 
legatus . in eins . exercitu | propra . agminis . pedestris . tribunus | Italico . 
in hello . et . adversus . Borussorum . regem | strenue . versatus | legatione . 
ad . Russos . ac . Britannos \ prudentissime . functus ] A. MDCCLXXXVI. 
"VII. cal. nov. | annos . natus . LXIX. j mortalia . hie . omnia . deposuit | 

Pavimento in mezzo la chiesa. (C. Borrom. CoUor., geb. 31. Juli 1718, des 
Deutsch-Ordens Land-Comthur der Bailei Oesterreich, Oberst e. Infanterie- 
Regiments; cf. des heil. Rom. Reichs (ieneal. u. Schemat. Calender auf 
1788 S. 35). 

36. 

Cic. 499 fasc. 8. S. Canciano n. 6. 

Divo Maximo epis. ] Jo. Paulus Martinus Ludovicus | Bertoldus 
"Christophorus et Davit | Vidmani fratres | familiae requie hie constituta | 
patriis votis obvii ] DD | MDCXXXIX. 

Cappella S. Mas.simo sul rauro cor. evang. (Die Söhne des in Nx\ 37 genann- 
ten Joh. Vidman aus Villach; cf. oben S. 172.) 



37. 

Cic. 499 fasc. 8. S. Canciano n. 7. 

Joanni Vidimano | filii | paternae benefieentiae | memores | sacelio 
■extructo | P. P. obiit MDCXXXIV. 

Capp. S. Massimo sul muro cor. epist,- (cf. Nr. 3ö.) 



228 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 



38. 

Cic. 499 fasc. 8. S. Canciano n. 17. 

Joanni Spangler mex'cat". Alemano 1 qui magis mercatus i pietate- 
et religione quam comercio | maesti nep^^. M, H. posuere nee non po- 
steris | obyt V. idus augusti MDCCLXXXIII | etatis suae LXVIII. 

Pavim. altar. cuor di Gesü al confession. (Aus SalzbixrgV cf. oben S. 175.) 



39. 

Cic. 499 fasc. 8. S. Canciano n. 30. 
Sepulchrum familiae | Chenigshaven ! 1752, 
A' gradini alt. S. Anton. 



40. 

Cic. 499 läse. 8. S. Canciano n. 54. 

David Otti Nobili Alemano viro optimo mercatori fiäeliss. Baduaria. 
uxor moestiss. sibi posterisque tumulum hunc fieri curavit. Obiit anno 
aetatis suae LXXII. salutis humanae vero MDLXXIX. 

Palfero. Coleti malamente : Danieli pro David, Ott pro Otti. A Davit Otto 
Anton Francesco Doni intitnla (poco dopo il I56n) ,Nova opinion del Doni 
sopra le imprese amorose e militari ec' V. Attavanta del Doni p. l+, 
Firenze 1857, publicata per cura del Cav. Lazari. (Ott aus Innsbruck- 
Augsb. ; cf. oben S. 173.) 



Cic. 499 fasc. 8. 



41. 

S. Canciano n. 80. 



D. 0. M. I Conrado Filgerio patri optimo nee non ] integerrimae matrfc 
Elisabeth posterisq. | ut sibi | Matthaeus filius statuit monuraeutum 1 III.. 
idus octob. M.D.C.XXV. 

Gradenigo. 

42. 

Cic. 499 fasc. 8. S. Canciano n. 82. 

Ossa I Philippi Ludovici Flaisbain | a Cleeberg. 
obiit die IH. novembris 1 MDCLXXIIII. 



aetat, XXVIIl 



Gradenigo. (Fleischbein von Cleeberg, fränkische Familie in Frankfurt &M- 
cf. Kneschke, Adels-Lexikon III, 276 und oben S. 189.) 



43. 

Cic. 499 fasc. 8. S. Canciano n. 84. 

Jo. Georgius Regatsinig | mercator Villachensis | amicorum delicium; 
egenorum solatium | hie situs est. 1 Vir sane pius ubiq. muniticus | vereq.. 
Germanus aevo dignus ] oceumbit | anno sal. MDCXCV. aetat. XLIV. 

Gradenigo. (Regatsnig a. Yillach ; cf. oben S. 172.) 



ri 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 229 

M 

Cic. 499 fasc. 8. S. Canciano n. 88. 

Amantes filii amato | patri Michaeli Archperger 1 sibi posterisq. 
■suis 1 posuere requiem | anno MDCLXXXI. 

Grad Svayer: Aichperger. Curti ha Tanno 1739 invece di 1681. Graden, 
nella copia fatta dal Curti ha MDDXXXIX (?) ma rorigiuale: MDCLXXXI. 

45. 
Cic. 499 fasc. 8. S. Canciano n. 89. 
Basti : Roder | et sui here. et succ. l'ano 1 MDCLXVII. 
Grad. Col. 1666. 

46. 
Cic. 499 fasc. 8. S. Canciano n. 91. 

Michael Foliant a Norimbergh. | Sanctae matris ß. E. ] filius | obiit 
VI. non. iulii ] anno MDCCXXXIX aetat. suae. L. 
Grad. Svayer: Foliant. 

47. 

Cic. 500 fasc. 2. Chiesa de' SS. Ermagora e Fortunato detta S. Marcuola n. 38. 

Joa. Adulph. Hasse | praeclaro harmoniae magistro | natoMDCXCIX] 
■defuncto MDCCLXXXIIII | nomine gratae posteritatis | D. D. D. 1 Fran- 
<}iscus Sal. Kandier | MDCCCXX. 

Sul pavimento in mezzo . . (Nach dem authentischen Zeugniss Kandler's in 
seinen ,Cenni storico-critici intorno alla vita ed alle opere del cel. com- 
positore di musica Gio. Ad. Hasse detto il Sassone (Venedig 1820) ist 
Hasse (geb. 1699 in Bergedorf bei Hamburg) gest. am 16. Dez. 1783.) 

48. 

Cic. 500 fasc. 6. S. Feiice n. 25. 

Hanc domum ultimam | cunctis Balthassar Vidmamis | vir optimus 
•sibi I suisque eredibus adhuc | vivens praeparavit | anno salutis | 
MDCXXXIV. kal. may. | Anüent . co . Laurentio | Ambrosio patre et filiis | 
Oirardi instauratam | anno salutis MDCCXXXXII. 

In mezzo a dritta sotto le panche. (co. = condam?) 

49. 

Cic. 500 iasc. 7. S. Fosca n. 34. 

Hie iacet | illmus D: Caietanus L: B: de Widmann D. in ] Raper- 
schuang consil: S:™i Elect. Bavariae et | eiusdem in Anglia ablegatus 
aetatis XXXXI | obyt XEI Xbm MDCCXIII. 

In mezzo. (Frdr. Caj. v. Widnmann auf Rapperszell, Kurbayer. Regierungs- 
rath in Araberg; cf. Knesclike, Adels-Lexikon IX, 565.) 



230 



l^aDscnmtenvon ™e^ enedig. 



50. 

Cic. 501 fasc. 7. S. Giacomo dall' Orio n. 11. 

D. 0. M. I Francisco . Georgio . May | Vindebonensi t religione . pie- 
tate . probitate | spectatissimo | Franciscus . Xaverius . ac . Petrus . Leo- 
poldus I F. F. de Victorinis | avunculo . beneficentissimo | moerentes | mo- 
numentum . hoc . P. C. | obiit idib. apr. an. MDCCCVIII | aetatis . suae . LXX.. 

Di faccia altare S. Sebastiano. (cf. oben S. 171.) 



51. 

Cic. 501 fasc. 11. S. Giov. Crisostomo n. 34. 

Huius templi procurator Joannes Stainauser Germanus sibi suisq^ 
piissime M. P. an. Domini MDXXI. XXVI. ian. 
Palfero. (Aus Salzburg? cf. oben S. 174.) 



52. 

Cic. 502 fasc. 1. Chiesa de' SS. Giovanni e Paolo, detta S. Zanipolo e Cap- 
pella d5 Madonna della Pace. 

Sepultura de i ligado [ ri de fontico 1 MCCCCLXXII. 

Pavimento gradini capp. S. Alvise. Vera innanzi altra inscrizione che fii 
cassata e forse era questa che trovo nel mss. : ,ligatores de fontico 
Theotonicorum posuerunt pro se MCCCCLXXII' e fu per awentura cam- 
biata traducendola in italiano a maggior intelligenza. (Gruft der deut-,j 
sehen Ballenbinder des Fond. ; cf. oben S. 20.) 



53. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 120. 

Genere e virtutis nominibus | excellenti iuveni Ludovico Alt [ de- 

Salisburga Germano qui | die XVITI. ianuarii anno autem | a Christo natö 

M.D.L.XXXV. I aetatis suae XIX. pie ex hac vita | excessit Ludovicus Alt 

pro I tempore iunior dictus pater | eius superstes moestus civis ] predictae- 

civitatis filio unico | dilecto | = In .' Christo . omnes . vivificabuntur. 

Capella de' Morti a Croce in mezzo. La lapide dice : e, Palferi scrisse : et. 
(Die Inschrift ist jetzt noch sichtbar , hat lauter grosse Buchstaben und 
nach : delicto noch : F. F. ; cf. oben S. 174.) 



54. 



Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 166. 



Vratis- 
morb» 
officiü 



D. 0. M. S. 1 Egregio iuveni Danieli Forst Germano 1 apud 
laviä Silesiae nato que | in cursu virtutis ad optima tendentem 
oppressit filio unice charo j Georgig Forst parens moestissim9 qui 
istud poti9 ab illo sibi olim | pollicebatur cü lachrimis posuit. | 

I Scio quod redemptor me9 vivit | 
pro se et suis heredib^ M.P.C. | Obiit pie an. salu. MDXC. maii XXIX. [ 
aetatis suae XXIIII. 

Capella maggiore un poco in fianco. Palferi male : Forest. 




Grabschriften von Deutschen in Venedig. 231 

55. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 173. 

Sepultura . di . ligador ] de . fontego . di . Todeschi ] adi . primo . 
marzo. 1428, 

Gradini deir altare, capella Trinitä. (Aelteres Begräbniss? cf. oben Nr. 52.) 

56. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 180. 

Annae Huobergerin uxori dilectiss. qua cum | vixit unanimiter 
annos III . menses IX . dies IX . | ac etiam Joanni Jacobo filiolo men- 
sium IUI . I et dier. X. immatura heu morte matrem sequuto | Georgius 
Federlein mercator Germanus | coniunx et pater moestiss . doloris sui | 
testimonium et sibi et posteris suis | sarcophagum posuit | anno salutis 

M.DLXVII. 

Capella Trinitä in mezzo. Lo scultore fece: flUiolo, suui, suuis. Palf. erro 
nel cognome dicendo : Huobergeim e Federich. (cf. Bd. I Nr. 709 u. oben 
S. 181.) 

57. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 211. 
Joanis et Margaritae Peringer | ac posteror. | 1683. 27. ianiiarii. 
Navata di faccia l'Organo. 

58. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 229. 

D. 0. M. I Joanni Trentini patri | Angelae Bugie matri | Bartholo- 
raaeus filius ] sibi suisque P. 

Pavimento nel antico capitolo allato alla Sagrestia. (Eine zum Theil jetzt 
hier in München lebende, wohl aus Trient stammende Familie.) 

59. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 321. 

MCCCCV adi XXII marzo 1 obiit Petrus dictus Haler de Norum- 
bergo 1 requiescat in | pace. 

Dal mss. Luciani e Gradenigo; era in S. Orsola. Arrigoni: Norimbergo. 
(Haller; cf. oben S. 76.) 

60. 
Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 338. 

Anno dni MCCCCXXXVI. die vero | XVII mensis Septembris obiit 
honorabilis ] vir Georgius Bauliaw^ civis | et mercator de Wratislavia | 
cuius I corpus hie requiescit. Orate pro eo. 

Mss. Lnciani e Gradenigo; era in chiostro. (cf. oben S. 72.) 



232 



Grabschriften von Deutschen in Venediar. 



61. 
Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 389. 
Hic iacet honorabilis vir Christophorus Cisenhuter | mercator de 
Kurembergo qui obiit anno Domini ] MCCCCXVI; mensis augusti XXI. 
cuius anima requiescat in pace . amen. 

Luc. e Grad.; era in chiostro. (Zu lesen wohl Eisenliuter; cf. oben S. 7(i.) 



62. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 403. 

MCCCXCVI. adi primo septemb. | Hic iacet nobilis vir dns Coran- 

rado Incuria de Norimbergo cuius | anima | requiescat in pace. 

Luc. 6 Grad. ; era in chiestro. Goleti credette bene di cangiare e dire: Con- 
radus de Incuria. ,Conradus in Curia' Svayer. — Auf einem nachträglicli ein- 
gehefteten Zettel femer: ,Nella Mariegola di S. Cattarina dei sacchi che 
ho . . . sec. XIV vi e fra casuali lett. E. : S. Eigo Incuria Norimbergo 
nob. in fontegho ; e circa 1390, codice mio 278() ; e alla lettera N. : S. ßigo 
Incuria todescho in fontego.' (Koni. Imhof ; cf. oben S. 75.) 



63. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 431. 

Pasche coniug. cariss. immatura morte extincte Nicolaus Franc- 

fordie maritus mestiss. suis et sibi V. F. an. MCCCCLXXXI. 

Luc. e Grad. ; era in S. Orsola. Ait. : Francfordia. La Eubrica del mss. dice: 
Francfordia sive Fontana; e quindi vedere se in Tedesco Francfordia 
vuol dir Fontana o se e passato in un Fontana questa sepultura. — Spätere 
Notiz : e Francfordia stampatore in Venezia. Vedi la mia Mariegola dei 
stampatori. (Nicolaus aus Frankfurt, der bekannte Buchdrucker.) 



64. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 449. 
Conradus Gruober de Eatisbona et Joannes de Vlma pro se et suis 



heredibus posuerunt. 

Luc. e Grad. ; era in S. Orsola. 



, Gruber' Coleti e Svayer. 



65. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 462. 
D. M. Stephano Landolti Ratisponen. integerr. tabelioni summo 
Helisabeth. coniunx cariss. amanter posuit. MCCCCLXXI. adi XXV. martii. 
Luc. e Grad.; era in S. Orsola. Arrigoni: D. I. M. 



66. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 489. 
MCCCCLVII adi XXIII de mazo . Questa 6 la sepultura de maistro 
Martin pistor de Weillehorn e tutti sui heredi. 

Luc. e Grad. ; era nel Cap. grande. Coleti lesse : Weillerhoin. (Wohl Weilheim.) 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 233 

67. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 539. 

Georgias Ren Germanus Augustensis .... pacifice a labore quiescit 
anno salutis MDXI. die XI. ianuarii aetate XXXVIII. 

Luc. e Grad. ; era in S. Orsola. Arr. : Vindel. in vece dei punti. ,Augustanus' 
costitui Coleti. Svayer ,Vinder pose nei punti. ,Rem' Scradero (dies rich- 
tig; cf. oben S. 177). 

68. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 546. 
Sepultura D. Joannis Rocfas de Francforth et suis MCCCLXXVIII. 

Luc. e Grad. ; era nel Chiostro. Ait. 1478 (dies richtig ; cf. oben S. 68 über 
Joh. Rauchfass). 

69. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 562. 

Anno Domini MCCCCL . VIII. die mensis iunii obiit D. Joannes 
Speringer civis Ratisponensis cuius anima requiescat in pace. 

Luc. e Grad. ; era nel Chiostro. 

70. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 594. 

Anno Diu. MCCCCLVIIII. die V. maii. obiit honorabilis vir dn"s. 
Fridericus Timchel de Salispurg. cuius anima requiescat in pace. amen. 

Luc. e Grad. ; era nel Chiostro. Arr. 1469 ; Arr. Tunchelde (dies richtig : 
Tunkl a. Salzb.; cf. oben S. 56 u. 173). 

71. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo n. 598. 
Sepultura heredum de domino Petro Vendelin de sancta Fuscha. 
Luc. e Grad. ; era in S. Orsola. (Buchdrucker Wendelin y) 



72. 

Cic. 502 fasc. 1. SS. Giovanni e Paolo. Beilagenheft, wo zuletzt ein .Elenco 
delle Sepulture o senza inscrizioni o colle inscrizioni logorate in modo 
da non potersi leggere che esistevano sia nella chiesa sia nei cimiteri 
e chiostn od altri luoghi della chiesa di S. Giov. e Paolo, tratte dal 
Mss. del P. M. Luciani e dal Mss. Gradenigo, poste per ordine alfabetico.' 
Darunter : 



Erchel — 



v' fe la sepultura d. Andreae Erchel in terra jacens est in claustro immediate 
iuxta gradus porte in claustri {»ic) que est apud sanctam Mariam de Pace 
alterq. vero dm Martini Martini Erchel . senza epitafflo nel Chiostro. 



234 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 



Cic. 502 fasc. 1. 
Helier-Plun. 



73. 



SS. Giovanni e Paolo. Beilagenheft (cf. Nr. 72). 



Ewi sepoltura d. Georgii Plun (Blum; cf. oben S. 68) de Francforth et d. 
Gasparis Heller (Heller, gest. 1502 ; cf. oben S. 68) de Francfordia con due 
epitaffl, ma questi non sono riportati dal Luc. 



74. 

Cic. 502 fasc. 10. Chiesa di S. Leone detta Lio n. 3. 

D. 0. M. S. I Hie Situs est nobilis et | iuvenis vir Georgias Aura- 
cherus | S. Caesai'eae maiestatis minister natus | Styriae in Austria supe- 
riori V. Octobris | anno M.DC.V. denatus Venetiis | X. aprilis anno 
MDCXXVIII. etatis suae XXIIi: 

Sopra la porta laterale che segne (quella a dritto intemo). Dopo ,Venetiis' 
non si legge altro colpa la bussola (wegen der Thürbekleidung). Ma da' 
mss. abbiamo il rimanente. (cf. oben S. 170.) 



75. 

Cic. 502 fasc. 10. S. Lio n. 23. 

Hic iacet David Nadelhart mercator Germanus civitatis 
aetatis suae annorum XXXX obiit XII, mens, iulii MDLXX, 
Palfero. (Adelhart; cf. oben S. 185.) 



Vlmae 



76. 

Cic. 502 fasc. 10. S. Lio n. 31. 
D. 0. M. Marco Fuchero patr. Augustano. 
Palfero. (Fugger.) 

77,. 

Cic. 503 fasc. 13. S. Maurizio n. 9. 
D. 0. M. I Hic . quiescuht | Stephani . B. de Lottinger 1 Lotharingl | 
augg. Austr. Caesarum | Genuae . Mediolani . Venetiis | consulis . quae- 
storis . consultoris | cineres | e. D. Gemini ani . aede ] Ludovicae . de . Colle | 
sororis . F. cura | translati I an. MDCCCVII \ oblt. an. MDCCCIV ] Augg. 
et . civibus | aeque . carus. 

Pavimento alla porta dirimpetto di fianco l'altare di N. D. 



78. 

Cic. 505 fasc. 12. S. Eustachio detta S. Stae n. 25. 

D. 0, M. Joanni Milier Alemano civi Roterpurgensi summae fidei 
ac probitatis viro Justina uxor moestiss. Andreas et fratres filii pientiss. 
ex T. P. H. M. S. Vixit annis LXX. obiit X. id. Martii MDLXXIII. 

Palfero. T. P. H. M. S. = ,testamento patris hoc monumentum statuere' o 
simile. (Miller aus Rottenburg oder Rothenburg?) 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 235 

79. 

Cic. 1592 fasc. 6. S. Francesco della Vigna n. 184. 

Ossa M. D. Vincentii Saler cum uxore carissima | Obiit anno Do- 
mini MDCXIV. aetatis suae 1 LXXXII. 

Gradenigo, Palfero. (Sailer?) 



80. 

Cic. 1592 fasc. 6. S. Francesco della Yigna n. 220. 

Vuolfango Lindeman Germano in humanis indole decora immaturo 
funere rapto fratres Ingubres pientissimi posuere anno MDIX. kal. Fe- 
bniarii. Sed et vos vita fugaci fruentes parati venite ad nuptias. Regent 
in aeternum. 

Gradenigo, Palfero. Grad. : Lindemar e Palfero : Vindemann sembra se non 
che e ambigua in quest' ultimo la prima lettera; le parole ,sed et vos 
ec' e ,regent ec' sono trasposte nel mss. Grad, e Palfero; saranno allu- 
sive allo stemma od altro che sarä stato sculto nella sepoltura. Dopo 
, decora' Curti pone : poUenti , dopo ,fruentes' pone : memores e ,venire 
non: venite, ,regnat' non ,regent'. Grad. ,MD. IX Kai.' non: MDIX. Grad.: 
Lindemar, indole decora polenti, sedet nos vita fugavi fruentes memores 
parati vivere ad nuptia (con errori). (Aus Augsburg?) 



81. 

Cic. 1592 fasc. G. S. Francesco della Vigna n. 234. 

Joannes Sitzinger de Augusta mihi posterisq. posito paterna pie- 
täte contegor hoc tumulo | MDXII die XIX aprilis. 

Graden. , Palfero. Palfero lascia fuori : paterna pietate. ,Setzinger' Curti. 
(cf. oben S. 180.) 

82. 
Cic. 1592 fasc. 10. Confratemita delle Stigmate di S. Francesco, in campo, n. 4. 

D. 0. M. I Mattio Spangler | requiescat in pace ] amen | obiit li 23 
Xb^ I anno Domini \ MDCCLXVII. 

Attomo i capitelli di tre colonne in mezzo la chiesetta (?). Sul pavimento a 
sinistra. (Aus Salzburg? cf. oben S. 175.) 



83. 

Cic. 1593 fasc. 8. S. Stefano protomartire n. 43. 

Sepoltura | della fraternita | de pistori maestri e | lavoranti Ger- 
manici | in tempo de ser ] Zuanne de Lovin | gastaldo e compagni ] MDXI. 

Pavimento alt(are) concezion dopo l'organo. Femer in fasc. 9 die Bemerkung: 
Anche questa (inscrizione) e modema. — (Etwas ausführlicher berichtet 
über diese Inschrift Gradenigo in den ,Iscrizioni sepolcrali ed altre 
nelle chiese di Venezia' t. II n. 21: Altare di S. Caterina. Nel piano della 
Chiesa davanti al detto Altare vi h l'Arca de Pistori Tedeschi con la 
seguente Iscrizione volgare (folgt dieselbe wie oben). (Grabstätte der 
deutschen Bäcker-Meister und -Gesellen ; cf. später im Anhang S. 272.) 



236 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 



84. 



Cic. 1593 fasc. 8. S. Stefano protomartire n. 74. 



In tempo de M. Zuan Peco | gastaldo F. I. | MCCCCLXXIIII. 

Alt. S. Michaele Arcang. Ferner in fasc. 9: Nota in Gradenigo dice sepol- 
tura de' Calegheri Todeschi vedi n. 207 (cf. folgende Nr.). F. F. dice 
Antonelli Manoscritto; E. I. Corrier. (Gruft der deutschen Schuhmacher- 
Meister (?); cf. spätei im Anhang; statt 1474 vermuthlich zu lesen 1483.) 



85. 

Cic. 1503 fasc. 8. S. Stefano protomartire n. 207. 

MCCCCXXXVI adi XIII de luio . sepoltura de Tedeschi lavoranti 
calegheri. 

Gradenigo. — Femer in fasc. 9 : vedi n. 74 (oben Nr. 84; Grabstätte der deut- 
schen Schuhmacher-Gesellen). 



86. 

Cic. 509 fasc. 6. Isole. Lido. Inscrizioni nel cimiterio degl' Inglesi, Ale- 
manni ec. n. 5. 

Sub hoc marmore conditur | illustrissimus et excellentissimus do- 
minus I dn. Ferdinandus | L. B. a Decenfeld | ser. Yen. reip. conductus 1 
ser. electori Palatino a consiliis intimis | et eiusdem consil. bellici praeses I 
natus est 31 decembris anno MDCXXIX | denatus 25 aprilis anno MDCCX ' 
hie suam expectat Anastasin | prout pius prudens fortis et constans | et 
immortalitate dignus eheu | saxum hoc erigi curabunt ex fratribus nepotes. 

Sul prato lungo la Cavana (term. techn. Schifferplatz) alla chiesa di s. Nicolö. 
(Grabstätte des blinden Frhrn. Ferd. v. Degenfeld, ältesten Sohnes des 
bekannten venetian. , 1653 gestorb. , Generals Christoph v. Deg. ; cf. A. 
Graf Thürheim, Chr. M. v. Degenfeld und dessen Söhne (Wien 1881), wo 
auch (S. 101) dieselbe Insclu:ift mit folgenden Varianten : dn. fehlt; Degen- 
feld et; electoris; ej. regiminis praes. ; est fehlt, ebenso zweimal anno; 
heic statt hie; quondam st. prout; et und eheu fehlen; curarunt.) 



87. 



Cic. 509 fasc. 6. Isole. Lido n. 9. 



I 



Sta viator | hie iacet | illustrissimus dominus Matthias Lauber | 
S. Caes. mai. a consiliis in mereibus dirigendis | nationiq. Grermanicae 
quae degit | hie Venetiis suo tempore fuit ] eonsul meritissimus | natus 
Kaufbeira 27. ianuarii MDCXXVII \ et denatus | MDCCX 26. Decembris 
die Sti. Stephani | Venetiis | animae requiem preeare et lucem 1 perpetuam. 



Vicina (von n. 



(cf. oben S. 183.) 



88. 

Cic. 509 fasc. C. Isole. Lido n. 11. 

D. 0. M. I et ae. m. maxime generosi ] Caroli Friderici Volcamer | 
Akirghensittenbaeh | qui 1 ex antiqua et splendidissima | patritiorum No- 
rimbergensium stirpe | ortus | virtute insignis probitate singulari | eru- 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 237 

ditione clarus exstitit | post varia itinera ] virtutis causa cum fratre huo 
usque per acta 1 tandem Venetiis veram patriam petiit et invenit | an» 
MDCCVII. IX mart. Vixit annos XXV. D. X. ] frater et soror bene- 
merenti non sine lacr. ] H. F. 

Vicina (von n. 87). (Volkamer von Kirchensittenbach ; cf. oben S. 195.) 



89. 

Cie. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo. Inscrizioni nell' antico Cimiterio della 
Nazion Tedescha n. 1. (cf. Anm. zu Nr. 112.) 

Georgius Zacharias Hagen | Ratisbonensis | Venetiis rebus humanis 
ereptus | A. R. S. MDCCLXVIII. V. iduum febr. | vixit A. LVII. M. III. 
D. I I soror ac fratres | dilectissimo fratri posuerunt — 



loh. XI. XXV. lesus dicit . ego sum resurrectio j et vita . qui 
credit in me etiam si | mortuus fuerit vivet. 

Era sul suolo nel cimiterio. (cf. oben S. 169.) 



90. 

Cic. 159i fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 2. 
D. 0. M. S. I Anna Catharina Hav 1 Hieronymi pictor. et Senator. 
Campodunens. | filia | nata A. R. S. MDCCXXII. die XXI. ianuar. | pie de- 
cessit 1 Venet. MDCCLXVII. die XXII. Octobr. ] 0. E. B. Q. C. 

Ivi (cf. Nr. 89). (Hau aus Kempten; cf. oben S. 183.) 



91. 
Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 3. 
D. 0. M. I Job. Guilielm. Hügel | Memmingensis ] vir eximiae pie- 
tatis et religionis 1 mortalitatem exuit Venetiis | aetatis suae annorum 
LXIX anno Domini MDCCLXVIII | D. IX. august. | Patruo optimo bene- 
merenti 1 Vitus Ludovicus Laminit. | ex sorore nepos haeres \ grati animi 
raonumentum | pos. 

Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben Nr. 184.) 



92. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 4. 
Josephus Fridericus Heuss ] Memmingensis 1 natus die XIV. mensis de- 
cembris | annoMDCCXVI | obiit die IX. mensis septembris 1 annoMDCCLXX. 
Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben S. 184.) 



93. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 5. 
Magdalenae . Forsterae | Jo . Caroli . Svaieri | Norimbergensis [ uxori . 
integerrimae ] studio . rei . familiaris | caritate . in . pauperes 1 morum . 



238 GraDscnmten von T^ufschen in Venedig. 

suavitate ] spectatissimae filii . moerentes | matri . dulcissimae | pietatis . 
caussa | monumentum . poss | vixit. A. LXXVIII. M. XI. D. XXV | obiit 
A. MDCCLXXI. prid. Kai. mal | — In te Domine speravi. 

Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben S. 195 und unten Nr. 97.) 

94. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 6. 
Martino . Pio . Porstero | Norimbergensi | optimae . indolis . adoles- 
centi I qui . morbo . gravissimo | immature . sublatus . est | Carolus . Forste- 
rus I filio . dilectissimo | cum . lacrymis | M. P. | Vixit A. XXI. M. X. D. X. ] 
obiit XI. cal. nov. MDCCLXXXVII. 

Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben S. 195). 

95. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 7. 

Amadeo . Svaiero . Veneto | Jo . Caroli . Norimbergensis filio ] mo- 

rum . honestate . praestanti | litterarum . studio . ac bibliotheca | locupleti | 

sibi . amicisque . instructa | eruditionis . laudem . adepto | Qui . vixj. A. 

LXV . D . XVI . mor . MDCCXCI . die XXVIII . dec | fratres moerentes { M. P. 

Ivi (cf. Nr. 89). (Der Utterarisch bekannte Amadeo Svayer = Amadeus Schweyer, 
Sohn Joh. Karls Schw. (Nr. 97); geb. in Venedig 12. Dez. 1727 nach Elze, 
Gesch. etc. S. 8ö Anm. 5.) 

96. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 8. 

D. 0. M. I Pratri optimo | Johanni Michaeli Svayer | nato Venetiis 
D. XII. mart. [ MDCCXXV | denato D. XXX. septembr. | MDCCCV ] 
bocce bonae memoriae et amoris | monumentum posuit | eius frater. 

Ivi (cf. Nr. 89). (Ebenfalls Sohn Joh. K. Schw. (Nr. 97) ; cf. Elze, Gesch. S. 80.) 

97. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 9. 
D. 0. M. I Jo. Carolo Svaier | Caroli . magni . filio ] Norimbergensi' 
singulari . pietate . probitate | commerciorum . prudentia | praedito | moe- 
rentes . filii . parenti . optimo | M. P. | Vixit annos LXVIII. | menses . V 
dies XXVII | obiit prid . non . sept | aerae Christ . an . MDCCLIX. — 

Opus iustitiae | pax. 
Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben S. 195 und Nr. 93.)| 

98. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 10. 

Christoph . Guilielm . de Roenig | nat . Breslav . Siles . D . X . april . 

MDCXCIX I denat . Venet . D . XVIII . octobr . j MDCCLX | H. M.F.C. 

Beat . defunct | sobrin . et cons . | Christoph . Ludovic . Brombe . . . 

Ivi (cf. Nr. 89). (Koenig a. Breslau und Brombeis a. Kempten ; cf. oben S. 192 
und 183. 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 



239 



99. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 11. 

A. I D. 0. M. I Qui giace \ Giustiniano Buker | cittadino . nativo . di 
Francfort . sul . Meno 1 visse | anni . XLI | probo . cittadino . inercatanto . 
onorato ] amoroso . marito | mori | l'anno . MDCCCIII . il giorno . XIX 
decembre | Cecilia . moglie . amante | afflitta | eresse | questo monumento 
alla . di . lui . memoria . ed . al . suo . dolore . 



Ivi (cf. Nr. 89). 



100. 



Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 12. 

D. 0. M. I Marito . ac , patri optimo | Joanni . Conrado . de . Reck 1 
nato . Wendelstein . D . III . mart . 1 MDCCXXI . | denato . Venet . D.XI, 
decembr. ] MDCCCI . | vidua . ac . liberi . moestissimi ] grati . animi | hocce . 
gratitudinis . pietatisque | monumentum . posuerunt . 

Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben S. 196.) 



101. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n, 13. 

D. 0. M. S. i Memoriae . Friderici . Pfauz | Augustan i Vixit . A 
LXIII . M . II . D . V . I pie decessit A . R . S . MDCCLXXVIH . idibus 
novembr. | vidua filii filiaeque |H.M.P.C.10.E.B.Q.| 

Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben S. 181.) 



102. 

Cic. 1594 fasc. 2, Isole. S. Cristoforo n. 14. 

D. 0. M. S. I Ad . latus . mariti . optimi | hie . quiescunt . ossa | Er- 
nestinae . Euphrosinae I Pfauz | August . ex . stirpe . Gullmann | pie obiit. 
A . R . S . MDCCLXXX . IV . cal . octobr | Vixit . A . LI . M . VIII . D . | 
VII I matri dulcissimae 1 moerentes titulum posuere | filii filiaeque | 



Joh , XI . XXIV . I credimus quod sit resurrectura | in resurrectione 
Ultimi diei. 

Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben S. 181.) 



103. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole, S. Cristoforo n.l5. 

Regina . Catharina . Reck | nat . D . XV.novemb. MDCCLXVI | mor- 
tales . exuvias | deposuit | D . IV . aprilis . MDCCXC ] digna . fuit . intel- 
lectus . maturitate | et morum . venustate I coelitum . consortio | hoc . pie- 
tatis . monumentum | posuere | parentes afflictissimi. 

Ivi (cf. Nr. 89). (Verwandt wohl mit J. C. v. Reck aus Wendelstein; 
cf. Nr. 100.) 



240 



rrabschriften von Deutschen in Venedig. 



104. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 16. 

D. 0. M. S. I Johanna . Regina . Lamminit | nata . Heinzelmann | pie 
tatena . et . animum | in . divina . voluntate . acquiescentem ] in . morbo [ 
quo . ad . obitum per . III . fere . annos I afflictabatur | ferendo . egregie | 
declaravit ] obiit . Venet . A . S . R . MDCCLXXII | D . XXIX . Februar | 
Vixit . A . XXIV . D . XVIII ] coniugi dilectissimae | maritus maestiss | 
Vitus Ludovicus Lamminit | pos. | 

Ivi (cf. Nr. 89). (Laminit aus Memmingen; cf. oben S. 184.) 



105. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole, S. Cristoforo n. 17. 

D.O.M. S. I Sebastiano . Schalkhauser | nato . Vendelsteini Noricor. | 
A . R . S . MDCCI . D . XI. octobr | denato Venetiis 1 MDCCLXXIIII . D . 
XXII. decembr | Johannes . Conradus . Reck 1 ex . sorore . nepos | memo- 
rem . beneficiorum . animum | testaturum |M.P.|O.E.B.Q.C.| 

Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben S. 196.) 



106. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 18. 

David Egg j vir bonus mercator ingeniosus | civis singulari in pa- 
triam | pietate ornatus 1 natus est Lindavii | III . non . ian . MDCCXXXXI1I| 
Venetiae | adolescentulum | humaniter excipiunt | iuvenem fovent | virum | 
honoribus bonisque adauctum | in patriam dimittunt | aetate provectiorera | 
Venetorum amicorum desiderium | ad oras pelagi Adriatici | reducit | 
Venit videt amplexatur suos | sed eheu | mors praematura et inopinata | 
eripit eum amplexui suorum | et hie tumulus condit ossa sacra | obiit 
XL caL iul. MDCCCII. | T . S . E . L . 

Ivi (cf. Nr. 89). 



107. 



Cic, 1594 fasc. 2, Isole, S, Cristoforo n. 19. 



D. 0. M. I Felicita de Reck | filia et soror optima | nat. Venet. die 
IV. mensis Febr. | MDCCLXXXII | obiit die XXVI mensis septembr | 
MDCCLXXXVII I hoc bonae memoriae et pietatis monumentum | mater 
ac fratres i moerentes dicarunt. 



Ivi (cf. Nr. 



(cf. Nr. 100.) 



108. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 20. 

Siste pedem hospes ! hie terrarum angulus | sepulturae dicatus | quo 
moUiter reeubent ossa | Germanorum | pietatis autem quod cernis simu- 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 241 

lacrum | ad . rei memoriam | aere nationis Germanicae erectum | A.E.N. 
MDCCXIX I Georgio Matthia Koenigio ] et Daniele Ammano | consu'ibus. 
Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben S. 135 und unten S. 248.) 

109. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 21. 

D. 0. M. I Hic iacent cineres | ill. Conradi Martens | civis Hambur- 
gensis | S. M. Eegis Danorum | apud | sereniss. Venetam remp. | consulis 
generalis . | de mercatura per annos L. | in hac urbe opt. meriti | natus 
A . MDCCIV I die X ian. obiit A . MDCCLXXXV ] die XVI. aug. \ una 
cum I Maria Doran | optima coniuge . nata Lond . | A . MDCCXIX. die 
rV. mart. | pie denata A . MDCCLXXXVI | die I. ian. | in . grati . animi 
erga parentes ] memoriam | monumentum hoc | filii moerentes posuere | 
simulq. sibi ipsum destinavere | suaeq. familiae | 

Nee minus | Mariae Elis. Konig | Guil. Conradi Martens | dilectis- 
simae uxoris | nata A . MDCCXLVIII | die XX april. | et decessa A . 
MDCCLXXXV I die XXVIII nov. 

Ivi (cf. Nr. 89). (cf. oben S. 191.) 

110. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 22. 
Johann . Michael . Wagner ] Feuchto . Noricus . [ ex . hac . vita . 
ad . beationem . | translatus . est . | Venet . A . S . R . MDCCLXVII . D . 
XXX. mart. 1 vixit . A . LXXXI . M . III . D . XIII . | patri . et . socero . 
optimo . 1 hoc . luctus . et . pietatis. | monumentum. | filii . filia . ac . gener . 
moerentes . posuere . 

Joh. V. XXIX. Qui . bona . fecerunt . | in . resurrectionem . | vitae . 

provenient. 

Ivi (cf. Nr. 89). (Wagner aus Feucht bei Nürnberg; cf. oben S. 196.) 

111. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 23. 
D.O.M.S. I Hieron". Wagner | nat . Venet . | A. S . R . MDCCXXV. 
IV . iduum . mart . 1 denat . MDCCLXXVII . XIV . calend . octobr | ma- 
rito . ac . patri . optimo | hocce . bonae . memoriae . pietatisque | monu- 
mentum I moerentes . dicarunt | vidua . et . X . liberi | 



Credo . resurrectionem . carnis ] et . vitam . aeternam . amen . 

Ivi (cf. Nr. 89). (cf. Elze, Gesch. S. 64; Gemahl der in Nr. 112 genannten 
M. S. Heinzelmann.) 

112. 

Cic. 1594 fasc. 2. Isole. S. Cristoforo n. 24. 
D. 0. M. I Hic iacet | Maria Sibilla Wagner | nata Heinzelmann | 
quae | origine Germana | nativitate Veneta | moribus praeclara familiae 

16 



242 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 



decus 1 annis LX mens. VI vixit | Venetiisq. die XXI. ap. MDCCLXXXIX 
obiit I cui I matri optimae benemeritae | lugentes liberi | hocce bonae me- 
moriae et pietatis | M. P. P. 

Ivi (cf. Nr. 89). (cf. Elze S. 74 und Nr. 111.) 



Zu diesem Fascikel 2 gehört dann ein eigener Fascikel Noten , dem folgendes Blatt von 
Cicogna's Hand vorn eingeheftet ist: 

,Cimitero della Nazione Alemana.' 

Con decreto 11 Febbrajo 1719 erasi assignato luogo separato alla Nazione Alemanna 
per dar sepoltura a'suoi morti fuori del viso romano CattoUco. La stessa Nazione de' Tedesclii 
implorö nel 1759 che nel luogo stesso potessero esser anche sepolti i flgli di questi, fossero 
fanciulli od adulti, brama che dal Senato fu soddisfatta con decreto di quell' anno il di 
21 Aprile. 

Vedi nel codice 2983 num 7. consulto circa il diritto della Naziou AUemana di far 
sepellire qualunque defunto senza differenza d'etä. 

Die Noten selbst lauten folgendennassen: 
ad 1. 2. 3. 4. (oben Nr. 89—92). Queste quattro lapidi, ch'erano nel cimeterio degli Accatolici 

in S. Cristoforo, le vidi e copiai nella bottega del tagliapietra Parrocco al Malcantore. 

Ve n'eran di piü, ma furon tutte segate e poste ad altri usi. Ognuna era in marmo 

bianco con fregio e dintomo e ognuna con istemma gentUizzio. 
ad 1. (89). Nella prima lo stemma era segato via. 

ad 2. (90). Aveva per istemma un braccio armato con una spada in mano coUa punta all insu, 
ad 3. (91). stemma cera gru (Kranich). 

ad 4. (92). stemma un capretto rampante (ein aufrecht stehendes Böckchen), 
queste 5. 6. 7. 8. 9. e seguenti (93 u. ff.) le vidi nell' orto del coltissimo e amatissimo delle 

patrie cose e antichitä S. David Weber a S. Eufemia, ov' ha la fabbrica di Cremor di 

Tartaro (gereinigter Weinstein) e colori, ed erano in S. Cristoforo, raccolte da lui onde 

non vadano disperse. 

Quella di Amadeo Svajer (95) la donö al Seminario (patriarcale) — quelle altre le 

fa ora (l'aprile 1820) segare e porle sul muro intomo. 
ad 7. (95). e in fine va cosi. MDCCXCI. Michel et Benedictus fratres .... moerentes monu- 

mentum. Autore e il cav. Morelli. 
ad 8. (96). II fratello era Benedetto Svajer. 
ad 9. (97). di questo e autore Tab. dalle Laste come rilevasi alla p. 58 delle sue lettere in 

quella scritta al Viviani in data 2 genn. 1760 (vedi ediz. Keccadinisiano). Ma vi ö quäl che 

differenza : ecco come sembra ch'egli l'habbia dettato. D. 0. M. | Joanni Carolo Svayer I 

Norimbergensi I singulari pietate flde I commerciorum prudentia predita moerentes fllii 

parenti optimo | vixit annos . . . M . . . D . . . obiit c . . . 
ad 20. (108). Questa dovrebbe esser la prima, ma la vidi solo oggi 22 giugno 1820 e la piede- 

stallo sopra cui era un framento di simulacro della Pietä. 
ad 21. 22. 23. 24. (109—112). Queste 4 lapidi le vidi e copiai oggi 12 febb. 1823. Elle sono 

a pian terreno della casa in S. Canciano abitata dalli Signori Celini e sono di ragion 

del Sig. Martens. Vi son scolpiti stemmi con altri omati marmo di Carrara. 



™ 



113. 

Cicogna. Inscrizioni Veneziane tom. I pag. 80. Sa. Maria de' Servi n. 161. 

M^CCCCXXIII . Die XI Augusti . 1 obiit . Augustinus . Valteri . As- 

purgensis 1 textor . de confinio Sei . Salvatoris . Eius | anima . requiescat . 

in pace. 

Agostino Valter da Ausburgo e il piü antico ch'io trovi nelle veneziane in- 
scrizioni indicato come festere e tessitore di panni di seta . . . Non e 
difficile che da lui discenda la famiglia Valter che qui abita tuttavia, 
della quäle abbiamo avuto un pievano a s. Leonardo . . . Questa (inscri- 
zione) e in Palf. e Berg. 



Cic. Inscr. Venez. 1. 1 p. 249. 
Bernhardus Sixt . Germanus 
vens paravit | an. MDCXXX. 
Sixt. Dal Moschini. 



114. 

La Croce n. 36. 

hunc sibi et . heredib. 



I tumulum I vi- 



► 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 243 

115. 

Cic. Inscr. Venez. 1. 1 p. 265. S. Gregorio n. 18. 

D. 0. M. Joannes Sacher Germ.'^^ orig.^ patria Venetus hie cor- 
poris cineres commisit amicor. preces pro iii expectäs . Obiit anno MDCCIII . 
die pmä Februarii aetatis suae ano LXXI. 

Sacher. Dal Gradeuigo« 

116. 

Cic. Inscr. Venez. 1. 1 p. 335. Sa, Marina n. 7. 

Hie requiescunt | ossa Francisci Bourel | Coloniae Agrippinae nobili 
familia nati | qui hac in urbe | plenam innocentiae et liberalitatis merca- 
turam | diu fecit | Eius heredes ] Gabriel et Franciscus Joseph | hoc aman- 
tissimo patruo | sibiq. ac posteris suis 1 monumentum posuere | Obiit | anno 
MDCIC I decimo kalendas Aprilis ] aetatis vero suae \ anno LXXIII. 

Ho veduta e confrontata io stesso suUa pietra questa inscrizione gittata sul 
suolo. Corregio quindi il mss. Gradenigo e Svayer che dicono ,Bonver 
6 il mss. Coleti che ha: Bonwel. II Necrologio concorda coli' epigrafe, se 
non che nel 2i marzo segua la morte non nel 23 che dalla pietra si deduce. 
(cf. oben S. 191.) 

117. 

Cic. Inscr, Venez. t. IV p, 221. S. Sebastiane n. 47. 

Parca mihi teretem cessat devolvere fusum . 
Quis locus in terris? Protinus astra petam . 
Candenti mihi hie tumulus servabit marmore structus 
Ossa sed insignis fama superstes erit. 



Christophoro Spinabac nob. Nerlingensi integerrimo viro patriq. 
opt. Fusca uxor et filii moestiss. sibi et post. p. Vixit an. LVI. Obiit 
VII. Id. Januarii anno Dom. MDLXXIIII. 

Era nel chiostro sul pavimento. La traggo dal Palfero e dal Gradenigo. 
Uno de' mss. Gradenigo e il Sajanello lessero ,Spinabec' anziehe .Spina- 
bac'. Palfero ommette ,viro'. Era un ricco e reputato negoziante in 
Venezia (a. Nördlingen; cf. oben S. 185). 

118. 

Cic. Inscr. Venez. t. IV p. 221, S. Sebastiano n. 48. 

I. Corint. XV Sicut in Adam omnes moriuntur ita per Christum 
omnes vivificabuntur. Philipp. I Mihi vita Christus est et mors lucrum. 



Pietate singulari morum suavitate et rarissimis virtutibus ornatus 
iuvenis Isaac Vnterholzer praeclari viri Georgii civis Salispurgensis piae 
memoriae fil. In Christo obdormivit an . sal . MDLXXII . die XV . mens . 
Decembris . aetat . suae XXI. 

Anche questa (cf. Nr. 117) stava di seguito nel Chiostro. Si ha nei manu- 
scritti. H Palfero ommette le citazioni I Corint. XV e l'altra Philipp I.; 
dice ,et morum' e jVnterholtzer'. üna delle copie Gradenigo ha ,Septemb.' 
invece di Decembns. Famiglia questa pure di negozianti. (cf. oben S. 175.) 



244 



■Grabschriften von Deutschen in Venedig. 



119. 



Cic. Inscr. Venez, t. IV p. 221. S. Sebastiano n. i9, 

Psal XXVI. I Credo videre bona Domini | in terra 
Job. XIIII. I Tu qui solus potes facere | mundum de immundo 
semine operi | manuum tuarum porriges | dexteram. 



viventium | 
conceptum 



Thomas Vnterholzer Alemanus civis Salispurg . et mercator vir sin- 
gulari virtute et prudentia praeditus atq. supra quam dici potest pientiss. 
anno aetatis suae XLIII. committens seipsum Deo ad meliorem vitam 
transivit die XXVI. Martii an. MDLXVIII. 

Sul suolo nel chiostro. Di essa non potei copiare che i soli motti della s. 
Scrittura; il rimanente era spezzato e perduto. üna delle copie Gradenigo 
legge ,prudentia et virtute', e ,Allemanus' e ,XXVI mensis Martü' . Pal- 
fero ommette le citazioni ,Psal. XXVI' e l'altra ,Job. XIIII', ommette 
.XLÜI' e ,die'. (cf. oben S. 175.) 



120. 
Cic. Inscr. Venez. t. IV p. 222. S. Sebastiano n. 50. 

Job. XIX I Scio quod Kedemptor meus vivit et in novissimo die de 
terra surrecturus sum et rursum circumdabor pelle mea et videbo Deum 
quem visurus sum ego ipse et oculi mei conspecturi sunt et non alius. 



Sebastianus Vnterholzer Seb. civis Norimberg. f. anno aetat. suae 
XXI pie obiit die XIX. Novembr. anno MDLXIIII. 

Di~seguito (cf. Nr. 119) sul pavimento. La traggo da' soliti manoscritti. II 
Palfero lasciö fuori ,Job. XIX'. Dice ,rursus', e ,sunt non alius' ; ommise 
,Seb.' e disse ,fecit' invece di f. cioe ,filius' e ,anno Dei'. Uno de' mss. 
Gradenigo ,Redentor' . . . e poi ,in came mea videbo'. (cf. oben S. 175.) 



121. 

Cic. Inscr. Venez. t. IV p. 222. S. Sebastiano n. 51. 

Oportet corruptibile induere incorruptionem et mortale hoc induere 
immortalitatem . Paulus ad Corinthios cap. XV. j 



Georgio Elsenhaimer Germano Jo . civis Salispurg . f. iuveni rara 
indole ac vitae supra aetatem integerrimo fratres eius moestiss. H. M. P. 
Vixit annos XVII. mens. VII Obiit MDLXXVII. 

Sul suolo an che questa colle precedenti (cf. Nr. 117—120) in chiostro. Palfero 
ommette ,hoc', e la citazione , Paulus' ec, dice ,vita' e chiude: ,Moestis- 
simi monumentum hoc viventes posuerunt anno Domini 1577 vixit annos 
17 mens. 7.' üna copia Gradenigo dice ,Enselhaimer', altra dice .Elsen- 
haimer'. II metodo che mostrano queste cinque lapidi di preporre de' 
motti tratti dalle sacre pagine il vedremo in varie lapidi di acattolici, le 
quali giä erano nel cimitero dell' Isola di s. Cristoforo (cf. Nr. 89—112). 
(cf. oben Nr. 174.) 



Grabschriften von Deutschen in Venedig. 245 



122. 

Venedig. S. Maria dei Frari nach eigenem Augenschein, 

D. 0. M. I Jo . Bernardo Jegher | Mognntise Patritio | Morum inte- 
gritate | rei militaris Scientia et Virtute 1 Praeclarissimo | Venetarum Le- 
gionum Duci | Filia eius moestissima | Posuit | Et Sibi Suisque Heredibus | 
Paravit | Obyt XV Marty MDCCXXXVEI 1 ^tatis LXXXVH. 

Darunter noch das Wappen, Linkes Seitenschiff nach den Stufen neben 
dem Chor. 



123. 

An'der Dorfkirche von Sa. Croce bei Serravalle (Strasse nach dem Cadore) nach 
gefälliger Mittheilung des Herrn Pfarrers Dr. Th. Elze. 

Paulus Imhoff patritius | Norimbergi . Quod estis | fui . et quod sum 
eritis I Migravi die VII men | sis Julii MCCCCLXXVIII. 



\^^ 



Ich lasse die Inschriften nun noch in chronologischer Ordnung folgen , wobei ich die 
Nummer der obigen Reihe in Klammem beisetze und solche mit doppelter Jahreszahl wieder- 
holt verzeichne. 



1396 Imhof, Konrad (62). 

1405 Haller, Peter (59). 

1416 Eisenhuter, Christ. (61). 

1423 Walther. Aug. (113). 

1428 Ligadori (55). 

1436 Calegheri lavoranti (85). 

1436 Bauliaw, Georg (60). 

1450 Speringer, Joh. (69). 

1457 Martin (66). 

1459 Tunkel, Friedr. (70). 

1471 Landolt, Steph. (65). 

1472 Ligatores (52). 

1474 (1483?) Calegheri (84). 
1478 Rauchfass, Joh. (68). 
1478 Imhoff, Paul (123). 
1481 Pascha, Gem. d. Nicolaus a. Frank- 
furt (63). 
1509 Lindeman, Wolfg. (80). 
1511 Pistori maestri e lavoranti (83). 

1511 Rem, Gg. (67). 

1512 Sitzinger, Joh. (81). 
1521 Stainhauser, Joh. (51). 
1524 S(ch)orer, Justus (12). 
1529—30 Baier (? Weiss) (24). 
1544 (?1593) Hopfer, Tob. (25). 
1564 Unterholzer, Seb. (120). 
1566 (?) Linck Joh. Ulr. (23). 
1566 Laghkner, Veit (32). 

. 1567 Huobergerin, Anna (56). 
1568 Unterholzer, Thom. (119). 
1570 Adelhart, Dav. (7.5). 
1570 Cristel, Joh. (13). 

1572 Unterholzer, Isaac (118). 

1573 Miller, Joh. (78). 

1574 Spinabac, Christoph (117). 

1577 Elsenhaimer, Gg. (121). 

1578 Hantze, Marc. (14). 

1578 Barthelmess (15). 

1579 Arnim, Const. v. (2). 
1579 Ott, Dav. (40). 

1579 Stetten, Paul. v. (11). 

1583 üngnad, Joh. Gg. v. (21). 

1584 (1585) Schad, Jobst (30). 

1585 Alt, Ludw. (53). 
1590 Forst, Dan. (54). 

. 1591 Stenglin, Gg. (19). 
. 1591 ImhoflF, Raymund (20). 

1592 Von der Deiken (Decken), Joh. (3). 

1593 Herzel Joh. (18). 

a. 1593 (?) Hopfer, Tob. (25). 
. 1593 (1594) Hoffer, Christn. (17). 
. 1595 Imhoff, Joach. (16). 

1610 Altarbild in S. Bartolomeo (6). 

1612 Linck, Joh. Ulr. (23). 

1614 Saler (Sailer?), Vinc. (79). 
. 1615 (?) Stoer, Konr. (31). 

1616 Fin, Tob. (34). 

1622 Kechel (33). 
. 1624—25 Altar in S. Bartolomeo (5). 
. (1625) Bastazi (7). 
. 1625 Filgerius, Konr. (41). 

1627 Miller, Jos. (28). 

1628 Auracher, Gg. (74). 
1630 Sixt, Bernh. (114). 

. 1634 Vidman, Balth. (48). 
. 1634 Vidman, Joh. (37). 
. 1638 (1637) Reiter, Gg. (29). 

1639 Vidman (36). 

1649 Gruft der Nazione Alemana in S. 
Bartolomeo (27). 



89. 

90. 

91. 

92. 

93. 

94. 

95. 

96. 

97. 

98. 

99. 
100. 
101. 
102. 
103. 
104. 
105. 

106. 
107. 
108. 
109. 
110. 
111. 
112. 
113. 
114. 
115. 
116. 
117. 
118. 



1650 S(ch)orer (12). 

1667 Roder (45). 

1674 Fleischbein v. Cleeberg, Phil. Lud- 
wig (42). 

1676 Von Collen, Joh. Wilh. (4). 

1679 Hopfer, Tob. (25). 

1681 Gruft der Nazione Alemana in S. 
Bartolomeo (27). 

1681 Archperger, Mich. (44). 

1683 Peringer, Joh. u. Marg. (57). 

1695 Regatsnig, Joh. Gg. (43). 

1699 Bourel, Frz. (116). 

1703 Sacher, Joh. (115). 

1707 Volkamer, Karl Friedr. (88). 

1710 Degenfeld, Ferd. v. (86). 

1710 Lauber, Matthias (87). 

1712 Jäger, Joh. Paul (1). 

1713 Widmann^ Cajetan (49). 
1719 Protest. Friedhof (108). 

1738 Jäger, Joh. Bernh. (122). 

1739 Foliant, Mich. (46). 
1742 Widmann, Balthass. (48). 

1752 Chenigshaven (39). 

1753 Man, Elisab. (10). 

1759 Svayer, Joh. Karl (97). 

1760 Koenig, Christoph Wilh. (98). 
1767 Wagner, Joh. Mich. (lio). 
1767 Hau, Anna Kath. (90). 

1767 Spangler, Matthaeus (82). 

1768 Hagen, Gg. Zach. (89). 
1768 Hügel, Joh. Wilh. (91). 

1770 Heuss, Joh. Frdr. (92). 

1771 Forster, Magdalena (93). 

1772 Lamminit, Johanna (104). 
1774 Schalkhauser, Seb. (105). 

1777 Wagner, Hieron. (111). 

1778 Pfauz, Frdr. (101). 
1780 Pfauz, Emestine (102). 
1783 Spangler, Joh. (38). 

1785—86 Martens, Konr. mit Gemahlin 
(109). 

1786 Colloredo, Karl (35). 

1787 Forster, Mart. Pius (94). 
1787 Reck, Felicitas von (107). 

1789 Wagner, Maria Sib. (112). 

1790 Reck, Regina Kathar. (103). 

1791 Svayer, Amadeus (95). 

1801 Reck, Joh. Konr. v. (100). 

1802 Egg, Dav. (106). 

1803 Buker, Justin. (99). 
1805 Svayer, Joh. Mich. (96). 

1807 Lottinger, Steph. (77). 

1808 May, Frz. Gg. (50). 
1820 Hasse, Joh. Adolf (47). 



Ohne Jahi'eszahl: 

119. Behm, Abr. (22). 

120. Erchel, Andr. (72). 

121. Fugger, Marc. (76). 

122. Gniber, Konr. (64). 

123. Haider, Joh. (26). 

124. Heller, Kasp. (73). 

125. Hertz (9). 

126. Johannes (64). 

127. Plun (Plum), Gg. (73). 

128. Trentini, Joh. (58). 

129. Vendelin, Peter (71). 

130. Monumentum domus Teutonicae (8). 



hki 



Beilage I. 

Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig bestatteten 
Deutschen von 1580—1765. 

Nicht ohne anfängliches Widerstreben und nur gegen die Ver- 
sicherung, dass es mir lediglich um die Kenntniss der deutschen 
Namen zu handelsgeschichtlichen und statistischen Zwecken zu thun 
sei, wurde mir von dem ,Parocco' der Kirche San Salvatore während 
der allerletzten Tage meines letzten Aufenthaltes in Venedig die Er- 
laubniss ertheilt — dann aber auch zu jeder beliebigen Tageszeit — 
die Sterberegister der Kirche S. Bartolomeo durchzugehen, die in der 
Sakristei der erstgenannten Kirche aufbewahrt werden und auf deren 
Wichtigkeit mich Herr Pfarrer Dr. Elze aufmerksam zu machen die 
Güte hatte. Diese ,libri de' morti', mit dem Jahre 1580 beginnend, sind 
schmale (ca. 10 cm breite) Bände in Papier in klein Folio und ver- 
zeichnen ausser dem Todestag und dem Namen noch das Alter der ver- 
storbenen Person, die Dauer der Krankheit und Anfangs meist diese 
selbst oder die Todesursache, sowie den behandelnden Arzt oder die 
behandelnden Aerzte. Bei den Deutschen wird ziemlich regelmässig vom 
Jahre 1653 oder Bd. II an (der bis 1765 reicht) auch angegeben, wer 
die Leiche bestatten Hess. Alles dies habe ich, wenn auch mit einigen 
Abkürzungen, wiedergeben zu sollen geglaubt. Leider sind die deut- 
schen Namen oft wieder so verderbt und verunstaltet, dass man den 
wirklichen kaum ahnen kann. Möglich daher auch, dass einer oder 
der andere gar keinen Deutschen bezeichnet ; ich habe aber lieber einen 
mehr als zu wenig aufnehmen wollen. Die Wichtigkeit dieses Ver- 
zeichnisses wird man, hoffe ich, gleichwohl nicht verkennen, und es 
ist nur zu bedauern, dass ähnliche Sterberegister nicht auch aus 
der früheren Zeit sich erhalten haben. Mehr als die beiden ersten 
Bände durchzugehen, erlaubte die Zeit nicht; doch dürften die 
folgenden Bände wohl auch nur wenige Deutsche mehr enthalten. 

S. Bartolomeo war jedenfalls die Kirche, in welcher die meisten 
der in Venedig verstorbenen Deutschen — und zwar nicht blos Kauf- 
leute — bestattet wurden^). Erst im Jahre 1649 2) (25. Nov.) wurde 
aber von der „Deutschen Nation" zu diesem Zwecke in der Kirche 
eine eigene Gruft erworben, in welcher dann Männer und Frauen, 



') cf. oben S. 135. - ^ ebda. ; cf. Milesio S. 69, Elze S. 52. 



248 Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580 — 1765. 



Katholiken und — Protestanten ihre letzte Ruhestätte fanden. Aller- 
dings offiziell durfte es keine Protestanten geben ^) und der katholische 
Geistliche nahm die Beisetzung vor. Erst mit dem Ende des 17. Jahr- 
hunderts kam es, wie Elze aktenmässig berichtet, darüber zu Reibereien 
und Streitigkeiten^). Am 12. Oktober 1684 sollte ein angesehener 
evangelischer Kaufmann Peter Cresser (aus Nürnberg) in S. Bartolomeo 
beigesetzt werden, aber „das von unbekannter Seite aufgehetzte Volk 
widersetzte sich dem und verlangte, dass die Leiche nach dem Lido 
gebracht werden sollte", wo nach Elze alle protestantischen Deutschen 
und Fremde, die nicht Mitglieder der „Deutschen Nation" waren, be- 
stattet wurden. Sein Name fehlt in der That in der nachfolgenden 
Liste, während der einer am 13. November 1689 verstorbenen Ballen- 
binderswittwe Baldauf sich darin vorfindet, welche, obwohl Lutheranerin, 
in Folge schriftlicher und ausdrücklicher Erlaubniss der Sanitätsbehörde 
in der Gruft der Deutschen Nation zu S. Bartolomeo beerdigt wurde ^). 
Aehnliche Anstände gab es bei der Beerdigung des am 22. Dezem- 
ber 1707 verstorbenen Kaufmannes Johann Jakob Deller aus Leutkirch, 
die „auf besonderen Befehl der Avvogadori di Comun hin" *) ebenfalls 
in der Nationalgruft zu S. Bartolomeo erfolgte. Dann scheint allerdings 
auch das Einschreiten der venetianischen Behörden (wofern deren Unter- 
stützung wirklich angerufen worden !) nichts gefruchtet zu haben. Wie 
1707 ein Ballenbinder des Fondaco wegen „verdächtiger Religion" auf 
dem Lido bestattet wurde, so geschah es auch in dem Zeitraum 
von 1710 — 1718 mit einigen anderen hervorragenden protestantischen 
Kaufleuten des Fondaco, bis endlich die Protestanten durch ein Dekret 
des Senats vom 11. Februar 1719 die Erlaubniss erhielten, einen 
eigenen Friedhof einzurichten. Am 4. März desselben Jahres wurde 
dann zu diesem Zweck „vom Kloster der Augustiner-Eremiten auf 
der Insel S. Cristoforo della Pace ein Stück Grund gekauft und am 
11. März der Kauf und die Anlegung des Friedhofes an diesem Orte 
von der Sanitätsbehörde im Auftrage des Senats endgültig bestätigt. 
Am 8. August ward als erster auf diesem Friedhofe der verstorbene 
Ausgeber ^) im Fondaco , Joh. Heinrich Calenbach aus Westhausen 
bei Hildburghausen, beerdigt" ^), der auch im Sterberegister von .S Bar- 
tolomeo verzeichnet ist, wie auch darnach noch andere Protestanten 
neben den in S. Bartolomeo bestatteten Katholiken. 



1) cf. Elze S. 52 u. fF. — ^) S. 59. — ^) Elze S. 59. - ") Elze S. 66. — 
") .spenditore' wohl besser „Wirthschafter". — ®) Elze S. 67 und 68. 



m 



Catastico di S. Bartolamio in S. Salvadore. Libro de' Morti vol. 1 1580 — 1653, 

1 f. 6. 1582, Okt. 23 ^). Christophoro Todescho, pistor gia et hora mer- 

cadante, morto in la osteria del s(igno)r Zorzi. 
f. 6. 1582, Okt. 24. M. Zuane Singher, corier d'Augusta, d'anni 80 

amalato dalla giozza ^) gia giorni 5. 
f. 7. 1582, Nov. 26. M. Lionardo Todescho , portiner del fontigho di 

Todeschi, di anni 38 incircha, malato gia giorni 10 da febre. 
f. 8. 1583; Mai 28. M. Zan Zorzi üniotto gentilhuomo Alamanno, di 

anni 20 , malato gia giorni dieci , da vavole ^) et febre , visita(to) 

per li ecc(ellent)i el sig'^- Zuanni Aliä (Allan?) franzese, el sig^- Don 

Zelini el Negroni et el sapio (?). (üngnad cf. oben S.224 Nr. 21.) 
5 f. 8'. 1583, Okt. 6. Morse il sig^- Jacomo de behcze (?) Alemano di 

anni 24 in circa, amalato di febre gia giorni 35. 
f. 11. 1585, April 1. Morse il mag(nifi)co m. Justo Scate (?) Allemano 

di anni 20, amalato gioi'ni quatordici di petecchie *) et mazuccho'^), 

visitato d'ecc(ellen)te Maripello. (Schad a. Ulm cf. oben s. 226 Nr. so.) 
f. 11'. 1585, Aug. 30. Morse Otto (ütto?) Wolfardo Thedesco di anni 

trenta, e stato amalato giorni 13 di febbre continua nel osteria di 

S. Giorgio. 
f. 12. 1585, Sept. 17. Morse m. Franc(esc)o Allemano nella osteria 

di S. Giorgio di febbra continua, e stato amalato un mese di eta 

anni vinti. 
f. 15. 1586, Aug. 5. Morse m. Domenico Gilberto, mercante Trentino, 

di anni 46 e stato amalato un mese di febbre continua. (Zilberti 

cf. oben S. 173.) 
10 f. 15'. 1587, März 14. Morse Maria et Madalena, figlia di m. Leonardo 

Todesco al Aquila (Leonhard Egger cf. unten S. 284) di giorni quattro di 

mal nascente ^). 
f. 18'. 1588, Mai 25. M. Pangratin Todescho de anni 50, oste de 

l'ostaria del S. Zorzi, amalato di febre circa giorni 15. (Pancratius 

Hochgesang cf. unten S. 28 t.) 



1) Im Original wird das Datum meist in dieser Form vorgetragen : Adi 2i Ottobrio 
1582 etc. , wobei Januar = Gennaro oder Zener , Februar = Febbrajo , März = Marzo, April = 
Aprile, Mai = Mazo oder Maggio, Juni = Zugno oder Giugno, .Juli = Luio oder Zuglio, August 
= Agosto, September = Settembre oder Settembrio, Oktober = Ottobrio, November — Novembre, 
Dezember = Decembre. Der besseren Uebersicht wegen habe ich die obige kürzere Form gewählt. 

2) Schlagfluss. 

3) = vajuole, Blattern. 
*) Scharlach? 

5) ,mal mazzuco termine de' maniscalchi (Hufschmiede) ,Letargia, malattia del cavallo 
e del l)ue' Boerio ; sonst finde ich nirgends eine Erklärung dieser Krankheit, welche also eine 
Art „Starrkrampf-' zu sein scheint. 

6) ,nascenza morbosa, piceolo enflato (Geschwulst), ciccione (Blutgeschwür) simile, 
che venga di per sfe in alcuna parte del corpo' Boerio. 



250 Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580 — 1765. 

f. 19'. 1589, Juli 14. Mori m. Mattio EflFenbergher di anni 30 To- 

desco di morte subitana. 
f. 20. 1589, Sept. 2. Morse Zuanne Eberbai (?) Todesco, mercante di 

fontego, de anni 44, ammalato gia giorni 22 di febre. (Eberz?) 
f. 21'. 1590, Mai 29. Morse Domicelo Fiei-stier Thodesco d'anni vinti, 

ammalato da febre gia dieci giorni. 
15 f. 22'. 1591, April 5. Morse Christofolo Eberslauter (?) di anni 23, 

amalato gia giorni 15 da febre et affano nel cor. 
f. 23. 1591, Mai 26. Morse Marchio Piria Todescho di anni 28, 

amalado gia giorni 22 da febre petechie. 
f. 23. 1591, Mai 28. Morse m. Lunardo sta (?) Todescbo di anni 30 

incircha, amalato gia giorni 15 da febre mal di macucbo. 
f. 24. 1591, Sept. 25. Morse Giorgio Todescho, amalado za giorni 

10 da febre, di anni 50. 
f. 24. 1591, Sept. 29. Morse signor Oratio Fes Todescho, mercante de 

fontego de anni 50, amalato de mal de piera gia gorni 15 ; et vene 

tre congi-egation S. Silvestro , S^- Maria Mater Domini , S. Anzoli 

per li preti. (Fens? Fin aus Nürnberg? cf. oben S. 194.) 
20 f. 24. 1591, Nov. 3. Morse il signor Rimondo Incuria, merchante 

Allemano, de anni 44, amalato gia giorni 10 da febre et mal di 

pietra; et vene li 4 congregation S. Silvestro, S*^- Maria Mater 

domini , S*°- Anzolo , S^^- Maria Formosa. (imhoff a. Augsb. cf. oben s. 224 

Nr. 20.) 

f. 25. 1592, Jan. 16. Morse Stefano, fio del signor Giacomo Cheler 

Allemano, di anno 7, amalato di febre et spasemo ^) gia giorni 10. 
(Keller oder Heller?) 

25. 1592, Jan. 19. Morse m. Giacomo de Bendit (?) Alemano 
di anni 23, amalado da febre sta giorni 10. 

26. 1592, Mai 15. M. Jacomo Cheler, Allemanno marcante, di anni 
39, amalado gia giorni 13 da febre et pettechie. 

28. 1593, Sept. 7. Morse il s»"- Zuanne Ercel Todecho (sie) di anni 
60 incircha, amalato da febre continua gia giorni 12. (Herzel a. 
Augsb. cf. oben S. 223 Nr. 18.) 

28'. 1593, Dez. 29. Morse il s. Tobia Hopfer, marcante di fontego 
di Todeschi, di anni 24, amalato di febre gia giorni 12. (Hopfer 
a. Augsb. cf. oben S. 225 Nr. 25.) 

29. 1594, März 7. Morse il mag(nifi)co sig^- Cristoffero Hoffer, 

mercante del fondego di anni 50, di febre et punta ^) in giorni 10. 

(Hoffer a. Villach cf. oben S. 223 Nr. l*^.) 

31. 1594, Nov. 8 (? corr.). Dholfram (Pholfram?), mercante Ted., 

d'anni 56; giorni 20 ^). (Wolfram?) 

31. 1595 , Febr. 8. Bartolo , fio di M. Francescho de Ambroso 

Zucher, de anni 3, amalato da febro anni 2. 

34. 1595, Nov. 17. Zuanne Garbo Alemano de anni 26; zorni 4. 

38. 1596, Juli 17. Si negorno il signor Zorzi Todescho di etta di 

anni 19 incirca et il Sig. Zorzi Alemano di etta di anni 20. 
f. 37, 1596, Dec. 28. Paulina, fia del s. Zua(n) Checher Allemano, di 

anni 8. (Kechel a. Ulm cf. oben S. 185.) 
f. 37. 1597, Jan. 2. Cristofolo, fio del s. Zuan Chechel Alemano di 

anni 1 '/2 ; giorni 10. 



f. 
f. 
f. 

25 f. 

f. 

f. 

f. 

f. 
30 f. 



1) = spasima, Reissen, Krampf. 

2) Seitenstechen. 

3) Von hier ab wird die Krankheit nicht mehr regelmässig und die Dauer derselben 
ohne den Zusatz ,amalato' angegeben. 



i 



Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580 — 1765. 251 

f. 40'. 1598, Sept. 16. Giorgio Hubner anni 36 ; giorni 11. 

f, 41. 1598, Nov. 20. Giovanni Fridericbo, fio dil s. Zuanne Checbel 

anni 9 : giorni 14. 
35 f. 42. 1599, März 17. Piero, fio del q(uondam) M. (?) Bagoci Trentin 

anni 30. 
f. 42. 1599, März 17. Gasparo di m. Zorzi Fizer, ligador di fontego 

mesi 6. ' 

f. 43. 1599, Juli 9. Si ha :negato Antonio Koeg (Toeg?) Todescho 

anni 13. 
f. 43'. 1599, Sept. 25. Zorzi Todescho, canever dil fönt, anni 28 

giorni 25. 
f. 44'. 1599, Nov. 28. Maria, fia di m. Zuanne Todescho, anni 2 

giorni 30. 
40 f. 44'. 1599, Dec. 25. S"^- Zuanne Todescho anni 27; subito morto. 
f. 45'. 1600, Febr. 25. S^- Zuanne di Alberti Alemano anni 23 

giorni 15. 
f. 47'. 1601, Jan, 26, Francescho Teodorico a Burch anni 26; un mese 
f. 48'. 1601, Mai 19. Vittoria, fia di M. Zuanne Gregen, zorni 13. 
f. 48'. 1601, Aug. 11. Madna- Orsa, relitta del q(uondam) s. Zorzi 

Chricher, d'anni 75. 
45 f. 50. 1602, März 25. Giov. Adamo Chretoler Todescho anni 26 

giorni 15. (Chrestoler= Christeller V) 
f. 50. 1602, Aug. 19. Ellena, fia di m. Zuanne Tiphinburger (Tiphin 

lauter?) nascente, 
f. 50'. 1602, Sept. 8. Magno, fio di m. Zuanne Tiphinburger (Tiphin 

lauter?), anni 2^/2; giorni 10. 
f. 53'. 1603, Mai 30. Lodovico Stengher anni 28; giorni 4; visitato 

dal medico Parisano. 
f. 55'. 1603, Dec. 19. Felipo Kini (Trini? Prini?), merchante Todescho, 

anni 80; mesi 2. 
50 f. 56. 1604, Febr. 17. Zuane di Minichausen Alemano anni 20; 

giorni 20. (Münchhausen ?) 
f. 56'. 1604, Sept. 16. Adamo Obman Alemano anni 30; vis. dal 

Santorio. 
f. 58'. 1605, März 3 (8?). Carlo Haisler mercante di fontego anni 40; 

anni 2. Vennero 3 Congregation. (a. Wien ; cf. oben S. i7i.) 
f. 58'. 1605, Mai 8. Margarita, fia di s. Cristofolo Gaf Todescho, 

anni 2 ; mese 1. 
f. 61. 1605, Sept. 25. Zorzi Paur Tedesco anni 35; giorni 5; Santorio. 
55 f. 64'. 1607, Mai 28. Matio Uster Alemano anni 41 ; 3 settimane. 
f. 64'. 1607, Juni 18. David Gais Todescho, fio de Giacomo (?), anni 25; 

mesi 10. 
f. 66. 1608, Jan. 23. Maria, figlia di Zorzi Todescho, di mese 15. 
f. 66. 1608, April 8. Zuane e Giacomo, fio de m. Adamo Todescho; 

giorni 18. 
f. 68'. 1608, Dec. 10. Agustin Todescho anni 25; giorni 12. 
60 f. 70. 1609, Okt. 5. Anna et Catterina, figlia di Cristof. Gaf, oste 

all' Aquila negra, di mese 2. 
f. 71. 1610, März 13. Barbara, moglie del s. Giovanni Aider (Haider?), 

oste al Leon biancho, anni 46 ; mesi 5, 
f. 72. 1610, Juli 15. Antonio Reder, conduttier Todesco, di anni 38 ; 
caduto giii d'un alta finestra. 



252 Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580 — 1765. 



f. 

65 f. 

f. 
f. 

f. 
f. 

70 f. 

f. 
f. 

f. 

f. 

75 f. 

f. 

f. 

f. 

f. 

80 f. 

f. 

f. 

f. 
f. 
85 f. 
f. 
f. 



f. 
90 f. 
f. 
f. 
f. 
f. 



73'. 1610, Sept. 25. Chilianno Haehr Todesco pellegrino a. ^) cino- 
vanta (?). 

79. 1612, Dec. 12. Bortolamio Caiger Todesco a. 20. 
82'. 1614, März 9. Bolf. Stainder (?), ligador de fontego, a. 72; 
casGado de una scala. 
88'. 1615, Okt. 27. Zuanne Caf Todesco a. 36; g. 12. 

89. 1616, Jan. 26. S""- Lorenzo Crafter, mercante in fontego della 
nation Germanica, a. 72 ; tre mesi ; visitato da Marinelli e Ragoza. 
(a. Augsb. ; cf. oben S. 179.) 

90. 1616; März 7. Maria, moglie di missier Christoffolo Sacher To- 
deseha, a. 45. 

90'. 1616, März 28. Mad^- Barbara, moglie di m. Adamo Axel, 
a.30 incirca; amal. anm4; visit. da Zuanne Stocbemaier. (Stockmaier?) 

90'. 1616, April 28. Hieri sera intorno 22 höre fü ammazzato et 
mori subito Christoforo Prukner a. 36, corriero di Soia ^) della 

92. 1616, Juli 7. Tobias Fien a. 25; g. 8; Belessario Galdaldino ^). 

(Pin oder Fynn a. Nürnb. ; cf. oben S. 227 Nr. 34.) 
92. 1616, Juli 30. Francesco Härder (?) a. 26; g. 8; Marinelli et 

Benzon. 
96. 1618, Jan, 4. Giorgio Vuolffegan di Esinberg (Winberg?) Ale- 

mano a. 27. 

97'. 1618, April 13. Zan Carlo Rix (?) a. 25 ; a. 6. 

100'. 1619, Jan. 3. Sara, fia de m. Lodovico Todesco, nasente. 

106. 1620, Sept. 27. Vrbano da Viena a. 50 ; g. 10. 

107'. 1621, Mai 23. Filippo Frizesof (?), bastaso de fontegho, a. 46; 

g. 3 ; Sforza. 

108. 1621, Juli 24. Sebastian Sven (?) Alemano a. 74; g. 8. 

109. 1621, Okt. 17. Giovanni Erbole Alemano a. 19; g. 18. 

110. 1622, April 2. Zorzi Arting a. 42; g. 50. 

111. 1622, Aug. 14. Donna Caritä, moglie de m. Zuanne Bergman 
Alemano, a. 48 ; g. 9; Benzon. 

112'. 1622, Nov. 1. D. Maria, moglie de m. Cristoforo Gaff, oste 
all' Aquila negra, a. 50 ; g. 28. 

113'. 1622, Dez. 25. Alessio de Alessii da Trento a. 75 ; g. 27. 
114. 1623, Febr. 10. Zuanne da Broda Trentino a. 40 ; g. 12. 
120'. 1624, Aug. 12. Francesco Griaga (?) Trentin a. 40 ; g. 8. 
125. 1626, Aug. 14. Sebastiano Weitershaim Alemano a. 24. 
126'. 1627, März 16. Mattio Piler Todesco in fontego a. 60; g. 8; 
Benzon. 

126'. 1627, März 29. Andrea Maffatti Tedesco, figliolo del q(uondam) 
Zuanne; mesi 6. 

127. 1627, Juli 5. Helia Hupper a. 52 ; a. 2. (i607-i609 Consui; cf. oben S. 210.) 
130'. 1629, April 18. Giacomo Zell Thodesco a. 20. 
131. 1629, Mai 8. Fedricho Ebrzi (?) a. 32. (Eberz?) 
133'. 1629, Sept. 10. Andrea Stercin Todescho a. 18 ; g. 15. 
136. 1629, Nov. 18. Daniel Eberz a. 55; g. 8. (a. Isny; cf. oben S. 187.) 
136. 1629, Nov. 27. Bulfardo Guetprott a. 55 ; g. 6. (Gutbrod a. Steyr ; cf. oben 

S. 193.) 



1) Behufs Eaumersparniss kürze ich von hier ab: a. = anni; g. = giorni; m. = mesi, 

2) Baiersoien bei Schongau. 

3) An dieser letzten Stelle wird — aber nicht regelmässig — der behandelnde Arzt mit 
oder ohne Zusatz wie ,medico' oder ,visitato da' aufgeführt. 



Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580 — 1765. 253 

95 f. 136'. 1629, Dez. 24. Zuanne Strubel a. 24 ; mesi 4. 
f. 156'. 1631, April 3. Dominio Trentin a. 20. 
f. 157. 1631, Mai 3. Zuane Flaispan Todescho a. 26; g. 5; di un 

bubone SOtto sequestrato. (Fleischbein a. Frankf. ; cf. oben S. 189.) 
f. 160'. 1631, Juli 27. Vldrigo Paimagen (?) Tod. a. 50; g. 5. 
f. 165. 1634, Nov. 19. Mag»- sig^- Michiel Tach, mercante Alemano, 

a. 42 ; g. 31 ; Santorio, Benzon et Artigio. 
100 f. 166. 1635, Aug. 29. Lunardo Comiperler a. 14; g. 8. 

f. 167. 1636, Juni 24. Maria, figlia del Christian Ott Tod., mesi 10. 
f. 167'. 1636, Okt. 27. Christofolo Chistel Todesco a. 24; medico To- 

deSCO. (Christel a. Augsb. ; cf. oben S. 180.) 
f. 170. 1637, Okt. 25. Pietro Zuanne Vancholen a. 19; a. 1; Artigio 

Alemano. (Van-Cölln a. Aachen; cf. oben S. 191.) 
f. 170. 1637, Okt. 29. Giorgio Raiter (a. Innsbr. ; cf. oben S. 173.) a. 64; 

g. 7 ; Artigio. 
105 f. 171'. 1638, Aug. 29. Christofolo Gaff oste a. 65; mese 1; Artigio. 
f. 172'. 1639, Febr. 10. Vielmo, figlio dil s. X. Gio. Juster Tod., a. 7. 
f. 175. 1640, Sept. 15. Zaccaria Schueccart (Schueuart?) Todescho, 

lavorator da bocali, a. 22 ; Artigio. 
f. 175'. 1640, Okt. 30. Christofolo Pacher Tod. a. 23 ; g. 5 ; Artigio. 
f. 177. 1641, März 30. Maria, fia di m. Zuanne Pagogher (?) Ted., a. 3. 
110 f, 177'. 1641, Mai 20. Zuanne, fio di m. Zuanne Pagogher, a. 2. 
f. 177'. 1641, Juni 6. Anna Maria, figliola di m. Lunardo Hibler 

(Aibler?) Ted. pittor, di mesi 2. 
f. 179. 1642, Mai 6. Mag^o- s^- Enrico Mandroche (?) Alemano 

a. 21 ; g. 15 ; m. Artighio. 
f. 179'. 1643, Jan. 16. Baldiss^- Van Collen a. 20; g. 30; m. Artighio 

e Bota. (a. Köln ; cf. oben S. 190.) 
f. 182'. 1644, Dez. 3. Giacomo Ebrez a. 18; g. 8; m. Artighio. (Eberz 

a. Isny; cf. oben S. 187.) 
115 f. 184. 1645, Sept. 1. Zuanne Maier dai remessi ^) d'anni 45; g. 20; 

m. Artighio. 
f. 185. 1646, März 20. Tobia dai remessi Tod. a. 26 ; a. 1. 
f. 186'. 1646 , Sept. 8. Giacomo Giovanni , figliolo del s. Michiel 

Miller, subito nato. 
f. 188'. 1647, Nov. 10, Massimilian Haan q(uondam) Lunardo (a. Saizb.; 

cf. oben s. 174.) a. 45; g. 40; visitato dal medico Valenzi Hebreo. 
f. 191. 1648, Okt. 21. Giorgi Gierol. Coles Alamano a. 24. 
120 f. 192'. 1649, Juni 20. Christofolo Baiardi Trentino a. 38; g. 14; m. 

Hebreo Balenz. 
f. 192'. 1649, Juli 21. Gio. Gast Todesco d'anni 60 incirca; g. 8; 

visitato dalli medici Molinetto et Trivellin. (a. Nürnb. cf. oben S. 193.) 
f. 196'. 1651, Sept. 1. Nicolo Buster d'anni 80 circa, amalato da 

vecchiagia mesi 3 circa, visitato dal medico Hebreo detto Chebeghe ; 

et lui Buster per esser venuto a Venetia giovine, non si sä di che 

paese preciso egli si sii ; ma vien detto che sii Bavaro ; sta in 

Venetia da anni 72 in qua. 
f. 197. 1651, Sept. 19. Dominico Coler Todesco sartor d'anni 30 in- 
circa, amalato da febre maligna g. 15 circa, visitato dal medico 

Hebreo detto Chebeghe. 



1) laorar de remesso = impiallaceiare, mit Holzibelegcn, oder — intarsiare, mit Holz 
einlegen ; cf. Boerio. 



254 Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580—1765. 



Vol. II 1653—1765. 



f. 1. 1653, Aug. 5. Lunardo Ghigen, fio di D. Gierol. Todesco da 

Villaco, d'anni 27 circa, amalato da febre giorni 15, visitato dall' 

medico Brani. 
125 f. 1. 1653, Aug. 9. Andrea Han, mercante di Salzsburgo (cf. oben S. 174), 

d'anni 45 incirca, amalato da febre maligna e petecchie giorni 15. 

Visitato dal Medico Otto Alemano. 
f. 3. 1654, Juni 17. Francesco, fio di Giacomo Briö da Trento, d'anni 

20 circa, hieri sera alle höre 23 circa fu assalito da un suo inimico, 

che lo trucidö con undeci ferite, e mori subito. 
f. 9. 1657, Jan. 4. Cattarina, q(uondam) Zuatone Auser (Hauser?) 

Todesco, d'anni 85 circa, amalata da vecchiagia e caduta la seconda 

volta di percossia giä mesi disdotto. Visitata dalli medici Molina 

e Cabibi Hebreo. La fa sepelir D. Lorenzo Onzelt, suo germano e 

credono comissario. , 

f. 12'. 1658, April 22. Giorgio Lottner d'Augusta d'anni 70 circa, 

infermo giä mese 4 d'apoplesia e cattaro senza medico. Lo fa 

sepelir il S^- Vancolen (a. Aachen) di fontico. 
f. 12'. 1658, Mai 14. Lion, figliolo di M. Marcello Maltingner, di mesi 

18 circa, amalato da spasemo giorni 8 circa. Visitato dal medico 

Folis. Lo fa sepelir il d. suo padre. 
130 f. 13. 1658, Aug. 31. Lorenzo Onzelt calegher d'anni 68, amalato da 

una caduta con febre continua mesi uno. Visitato dal medico 

Molina. Lo fa sepelir Pietro Onzelt, dicono suo nepote. 
f. 13. 1658, Okt. 9. Dominico Cester Todesco d'anni 60 circa, amalato 

da febre continua senza medico mesi tre. Lo fa sepelir la scola^) 

amore Dei. 
f. 15. 1659, April 5. II s^^- Giona Miller di Nolimbergo (sie) d'anüi 

53 circa e ricade la seconda volta giä giorni sei : lo visitö il medico 

Moresini. Lo fä sepelir il s'^- Baidissera Ertel per esser giovene di 

sua Camera in fontego. 
f. 16. 1659, Sept. 10. Zorzi Pauer Todesco di anni 24 incirca, giersera 

e venuto da Roma ä höre 24 et a tre höre e morto per il sangue 

che li e uscito da naso. Lo fanno sepelir li suoi compagni. 
f. 16. 1659, Sept. 17. Michiel Cibech, Todesco da Baviera, di anni 24, 

amalato da febre continua giorni otto in circa, visitata dal medico 

Molina. Lo fä sepelir il s^'- Zuanne Rostt Todesco, suo compatrioto. 
135 f. 16'. 1659, Okt. 3. Maddalena Milarin Todesca di anni 30 incirca, 

amalata da febre e cataro mesi 3 incirca , visitata dal medico 

Romano. La fä sepelir sua madre. 
f. 16'. 1659, Dez. 28. Ermann Lucchner d'Augusta d'anni 24 circa, 

amalato da febre maligna giorni 10 incirca, visitata dal medico 

Trivelino. Lo fä sepelire D. Giacomo Paflfler, comesso de Signori 

Pecchlin (Böckhiin ? cf. oben s. 179.) et Sorer. 



1) Die Bruderschaft der Bäcker? oder Schuhmaoher? oder? 



Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580 — 1765. 255 

f. 18. 1660, Juli 23. Giorgio Waichman d'Olmo (Weickmann; cf. oben S. iss) 

d'anni 23 cii'ca, amalato da febre continua giorni otto circa; 

medico Vallencino. Lo fa sepelir la Nation Alemana. 
f. 18'. 1660, Okt. 20. Cbristoforo Martini Alemano, portinaro di 

fontego de Todeschi, d'anni 28 circa, amalato da febre continua 

giorni 15 circa; medico Trevelin. Lo fä sepelir la Natione. 
f. 22'. 1662, Juni 16. Zuanne, fio di Mattio Echelpac; g. 2; suo padre^). 
uo f. 24. 1668, Mai 27. Anna, consorte di M. Zorzi Hens, a. 50; g. 8 ; 

Medico Ebreo; suo consorte. 
f. 25'. 1663, Nov. 8. Giorgio Christoforo Mangolt a. 42; g. 20; m. 

Trivillin; Sigismondo Mangolt suo fratello. (a.Augsb. ; cf. oben S. i8o u. I8i.) 
f. 25'. 1663, Nov. 13. Armano Raididel da Vienna a. 24; g. 15; m. 

Mussato ; s^- Dominico Zannini. 
f. 27'. 1664, Sept. 8. Zuanne, fio di m. Zuanne Hilleprant, a. 23; g. 7 ; 

Dolfin e Monsü francese; suo padre. 
f. 28. 1664, Okt. 13. Zuanne Trane (?) Todescho a. 25; g. 8; Ber- 

nardo Gherin, suo cognato all' Aquila Nera. 
145 f. 28. 1664, Okt. 22. Gio. Leonardo Sorer, mercante Alemano (Schorer 

a. Augsb. ; cf. oben s. 179) a. 35 ; g. 18 ; Florio e Liarca ; Mattio Lauber 

(a. Kauf beuren; cf. oben S. 183) SUO COmpagnO nel negotio. 
f. 29. 1665, April 26. Gio. Batt(ist)a, f. d. ßJrtolo Gnuff m. 10; 

m. 1 ; sua madre. 
f. 29'. 1665, Mai 17. Zorzi Aiz Todesco a. 55; un mese; medico 

todesco Aldimarsi; Zuanne Puceni Todesco suo camerata. (Hais?) 
f. 31. 1666, April 20. Gio. Christoforo Ginuag Allemano a. 21; g. 8; 

Trivilin e Blanchenbach ; Mattia Lauber di fontico. 
f. 31'. 1666, Aug. 2. Anna, fia di m. Michiel Arson Tod., a. 12 ; g. 14; 

Blanchinbach ; suo padre. 
150 f. 33'. 1667, Okt. 10. Lorenzo Heipech Tod., camerier all' Aquila 

negra, a. 36; Mussato; fa sepelir D° Bernardo Gering, patron dell' 

ostaria sudetta. 
f. 35. 1668, Sept. 3. Christi ano Naiderich (Naidovich?), cuogo in fontico 

de Tod., a. 22; mesi 3; Blanchinbach; la Natione stessa. 
f. 36. 1669, Febr. 13. S. Pandolfo e Sebastiane Fesch a. 54; g. 24; 

Blanckenbach; Gio. Giac. Tegelar suo paesano. 
f. 87. 1669, Juni 6. Gio. Fedrigo Videnmarcher di Aisnoch (Eisenach?) 

d'anni 22 incirca, amalato da febre maligna et flusso giorni 34 

incirca. • Visitato dal ecc(ellentissi)mo Moreo. Per esser eretico et 

morto impenitente si manda alli lochi ordinarii ^). 
f. 38'. 1670, Febr. 15. Adamo Recher, a. 36 , di Boemia, heri sera 

cade in aqua et si anegö; li suoi Patroni. 
155 f. 41. 1671, Aug. 12. Giov, Hilebrant, ligador di fontego, a. 68 

g. 4 ; Musitelli ; sua consorte. 
f. 41. 1671, Okt. 9. Feiice conte di Lodron e castel Romano a. 37 

Sig. Mai'chese Capra suo nepote. 
f. 41'. 1672, April 26. Henrico Lodovico Luz Tod. a. 28; g. 21 

Otton ; Bern. Gerin (?) oste all' Aquila Nera. 
f. 41'. 1672, Mai 22. Giacomo Snaider, canever di fontico, a. 24 

g. 10; Musitelli; la nation Alemana. 



1) Ich lasse von hier ab die Worte ,amalato' (visitato dal) .medico', ,lo fa sepelir' wieder weg. 

2) auf den Lido ; cf. oben S. 248. 



256 Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580 — 1765. 



f. 41'. 1672, Aug. 7. Michiel, figliolo di M. Iseppo Belin, bastago in 

fönt. d. Tod.; a. 5 ; m. 5; Musitelli; suo padre. 
160 f. 42. 1672, Okt. 21. Gäo. Corado Alemano a. 30 ; g. 8 ; Locatello ; la 

Nation per caritä. 
f. 42'. 1673, Jan. 16. Daniel Guntertuendorf a. 22 ; g. 2; Otton; si 

sepelisce per l'amor di Dio. 
f. 47'. 1676, Aug. 26. Anna Maria, figlia del S. Mattio Lauber, a. 7; 

g. 18; Ben; suo padre. 
f. 50'. 1677, Sept. 22. Vitto Ernesto Vieh (Wich?) a. 21; g. 9; Za- 

netti et Florio; S. Cristoffolo Eberz. 
f. 52'. 1678, Aug. 8. Gotfredo Adamo Maichel di Gratz a. 45; g. 8; 

Ben; Pietro Cortelli suo patrone. 
165 f. 53'. 1678 , Nov. 23. Gio. Cristoffalo Hochaicher d'Agusta a. 63 ; 

g. 26; Gilberto; SS. Offer et Pacmagier. (magier = mayer ; Hopfer u. Bach- 

mayer a. Augsb. ; cf. oben S. 181.) 

f. 60. 1681, Aug. 9. Giacomo Cheldeman, bastaso in fontico, a. 60; 

m. 4 ; Ben ; la scola de bastasi senza capitolo. 
f. 61'. 1682, März 2. Ulderico Hiselfelder a. 25; g. 15; Ben; Filippo 

Rad (a. Augsb. ; cf. oben S. 179) SUO corrispondente. 
f. 64. 1683, Juli 18. Giovanni fio di d« Giovanni Thechel Tod. ; a. 3; 

m. 1 ; m. Vetto Pferchert (?). 
f. 64. 1683, Aug. 28. Gio. Giorgio Pagier (Payer?) a. 24; g. 14; 

Alberti ; S. Giorgio Christofolo Hebertz (Eberz ; cf. oben s. ist) suo 

padrone. 
170 f. 64'. 1683, Nov. 30. Maria, fia di Bastian Egrettamagier m. 6 

suo padre senza cap. 
f. 65'. 1684, März 3. Margarita Roser vedoa a. 83 ; g. 8; Gio. Bohem 

Mattio Lauber con capitolo. 
f. 69. 1684, Sept. 4. Lodovico, fio di m. Bastian Egertmagier, g. 20 

suo padre senza capitolo. 
f. 70. 1686, März 7. Paulo Chercil, a. 26; g. 9; Stafetta; la scola 

de calegheri Todeschi senza capitolo. 
f. 72', 1687, März 6. Leonardo Ruepprecht a. 21; g. 9; Alberico e 

Ben; Mattio Lauber mercante di fontico de Tod. 
175 f. 75'. 1687, Sept. 17. Pietro da Piera della Pieve di Condino, diocese 

di Trento, a. 34; g. 12; Bonamin; suo germano con capitolo. 
f. 81'. 1689, Okt. 15. Daniel Balth(asar?) Todesco a. 40; sua consorte 

senza capitolo. 
f. 82'. 1689, Nov. 13. Margarita, consorte del s. Daniel Baldauf 

(cf. oben s. 248.) , a. 40; g. 18; Ben; M. Adamo Porer ligador di fönt, 
f. 84'. 1690, Sept. 23. Zuanne, fio di Michiel Miler soldato Tod. ; m. 3 

(si sepelisce) per l'amor di Dio. 
f. 88'. 1693, Febr. 6. Andrea Maria, consorte di s. Martin Parisent, 

hoste all' Aquila nera a. 37; m. 3; Bohem Todescho; suo consorte. 
180 f. 88'. 1693, März 5. Gio. Alberto, fio di Fil. Giac. Mizel Tod., g. 12; 

suo padre senza capitolo. 
f. 89. 1693 , Aug. 1. Michaele Masser Tod. a. 60 ; g. 2 ; suo nipote 

senza capitolo. 
f. 89. 1693, April 16. Adamo, fio di m. Bastian Egertmagier, a. 6 ; suo 

padre senza capitolo. 
f. 89'. 1693, Sept. 20. Giacomo Grassei, mercante di fontico, d'anni 

63 ; m. 2 ; Bohem ; la sua Natione con capitolo. 



Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580—1765. 257 

f. 92. 1694, Dez. 29. Giov. Giacomo Sigman, spendidor di fönt., a. 77; 

la nation Alemana con capitolo. 
185 f. 95'. 1696, Nov. 2. Eegina, figlia di Henrico Vagman (Wagmann?) 

pittor, a. 1; m. 6; suo padre senza capitolo. 
f. 97. 1697, Okt. 1. Zorzi Caufmegir (Kaufmeyer?) di nation Alemana 

a. 50, portinaio di fonticho di Tod. ; g. 8 ; morto nel sodetto fon- 

tico; Ben. Lo fanno sepelir i suoi patroni con capitolo. 
f. 97'. 1697. Okt. 15. Maria Ponte Todescha a. 62; m. 1; Franceschi; 

suo figlio con capitolo. 
f. 99. 1698, Nov. 18. Antonio Maria, fio del s. Gio. Carlo Herzhauser, 

q. Vito Giovanni ; m. 2 ; suo padre con capitolo. 
f. 99'. 1699, Febr. 2. Zuanne, fio di Filippo Mizel, ligador in fönt. d. 

Tod., subito nato; suo padre senza capitolo. 
190 f. 99.' 1699, Febr. 2. Maria, fia di Filippo Mizel, subito nata; suo 

padre senza capitolo. 
f. 100 1699 , Juni 13. Cattarina Elisabetta Cleme Todescba a. 18 ; 

m. 1; Musitelli; sua sorella senza capitolo. 
f. 100'. 1699, Dez. 19. Elena Lucia, fia di s. Gio. Carlo Herzhauser, 

a. 8; suo padre senza capitolo. 
f, 104. 1701 , Sept. 1. Elena, fia di s. Gio. Carlo Herzhauser, m. 9 ; 

suo padre senza capitolo. 
f. 105', 1702, Nov. 14. Cattarina, fia di Simon Giovanelli, speditor 

di fönt, di Tod.; m. 8; suo padre senza capitolo. 
195 f. 106'. 1703, März 6. Paulina, relicta del q(uonda)m Domenico 

Easchir (?) , a. 42 ; m. 3 ; D. Gio. Batt*- Ceriol suo commissario con 

capitolo. 
f. 113. 1705, Mai 24. David Feher Todesco, ligador in fontico de 

Todeschi, d'anni 30, ammalato da febre maligna gia giorni 5, visi- 

tato dal medico Been e per quanto si puö sapere e di religion 

sospitta; fanno sepellir li suoi parenti al Lido. 
f. 115. 1706, April 30. Meneghina del q(uondam) Maffio Flutardi 

(Hutardi?), relita del q(uondam) Michiel Hartong, d'anni 80; m. 4; 

Giovanni Miller commissario con capitolo. 
f. 115'. 1706, Aug. 6. Daniel, fio di altro Daniel Snor, m. 8; g.6\ 

suo padre (con) prete e zagho ^). 
f. 119'. 1707, Dez. 22. II S^- Giov. Giac. Deler d'anni 63, uno de 

colleggiati della nation Allemana del fontico de Todeschi privileg- 

giata, ammalato da febre e mal d'orina giorni 12; visitato dall' 

ecc™^- medici Alberti et Arteman (Hartmann?); fanno sepellir li sig"- 

COnSOli della Nation sudetta con capitolo. (Deller a. Leutkirch ; cf. oben 

(S. 248.) 

200 f. 125. 1709, Sept. 16. Tomaso Laider callegher a. 46; g. 10; Freschi, 
Lo farä sepellir la scola dell' Anontiata de Todeschi in San SamueP) 
(con) prete e zago. 

f. 128. 1710, Okt. 28. Gio. Zorzi, fio di s. Iseppo Fessel Todesco, 
g. 15; suo padre con prete e zago. 

f. 128. 1710, Dez. 26. II s^- Mattia Lauber de Laubenfeld, conseglier 
di comercio di S(ua) M(aest)a Ce(sare)a, d'anni 84, uno de collegiati 
della Natione Alemana del fontico de Todeschi privileggiato , am- 
malato da febre e mal d'orina giorni 20 incirca; visitato dall' 

J) = chierico cf. Boerio. 

2) Die Bruderschaft der deutschen Schuhmacher; cf. später im Anhang. 

. K 17 



258 Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580 — 1765. 



ec(.mo. Medice Behm; fä sepellix* il S'^- Gio. Christofolo Lauber, uno 
fratello, della Natione sudetta al Lido. (cf. oben s. i83). 

f. 128'. 1711, Jan. 27. S^- Giov. Christofolo Lauber d'anni 70; amma- 
lato g. 4 dalla percossia; fanno sepellir sua consorte e nipote al Lido. 

f. 134. 171-^, Juli 17. Filippo Alberto Kad (a. Augsb.; cf. oben s. 179) 
a. 78 , mercante in fontico de Tod. , ammal. da febre e rottura ^) 
g. 4 ; med. Giov. Behm ; fa sepellir il s"^- Giac(om)o Benspergh al 
Lido. 
205 f. 139. 1714, April 20. Giustina, fia di m. Gioachin Frac, bastazo di 
Font., g. 18; suo padre (con) prete e zago. 

f. 139'. 1714, Mai 31. Gio. Gasparo Hosler (corrigirt) Todescho, giovane 
del s'^- Gio. Sola, a. 22 ; g. 10 ; Fehx ; s. Gio. Sola con capitolo. 

f. 148'. 1717, Juni 27. Elisabetta, cons(orte) di Stefano Smit (Schmit?), 
bastaso di fönt, de Tod., a. 23; g. 5; Fez (?); suo marito (con) prete 
e zago. 

f. 151. 1718, Mai 6. II S"^- Giacomo Sneider d'Augusta (Schneider?) 
d'anni 38 ; ammalato da febbre et infiammatione ^) g. 56 ; vis. d. 
Bem et Lodovici; fa sepellir il Sig. Giacomo Benspergh al Lido. 

f. 152'. 1718, Dez. 31. Bartolo Pelizari, sottocogo del fontego de Tod. 
a. 36; colica con estinuatione m. 3; vis. dal Fehx; fa sepellir il 
sigr. console della Natione Alemanna con capitolo. 
210 f. 154. 1719, Aug. 8. Gio. Henrico Colmbach (Caienbach s. oben s. 248) di 
Coburgo di religion sospetta d'anni 34 incirca; ammalato di febre 
maligna gia giorni 14 incirca; visitato dall' ecc*^- Fez; fa sepellir 
il console ä S. Cristofolo de la Face nel luoco destinato. 

f. 159. 1721, März 3. Matteo, fio di m. Gabriel Paxmid, ligador di 
fönt.; g. 14; fa sepelir suo padre (con) prete e zago. 

f. 166. 1725, Jan. 12. E capitato alla riva del fontigo de Tod. il 
cadavere di S. E. il S. Co. Federigo Luigi Eevenston (? Reventiov?), 
Camerier di S. M. Reale di Danimarca, d'eta anni 25 ; ammalato da 
variole g. 17 ; morto in Padova , medico ßoella di detta cittä. ; quäl 
cadavere il capitato qui con un barchiello in una cassa impegolata 
e lastrata di ferro ') , e detto cadavero fu posto in deposito in 
fontigo de Tod. d'ordine del mag(istra)to ecc(ellentissi)mo della sanitä 
per dover esser spedito in Danimarca sua patria. 

f. 174. 1730, Jan. 28. Pasqua Elexempamber (?) a. 50; g. 11; Bene- 
detti; suo marito con capitolo. 

f. 197. 1738, April 5. Antonio Elesampamber (?), fio d. s. Erolamo, 
a. 21; Fontana; suo padre con capitolo. 
815 f. 200. 1739 , Febr. 25. Illnio- s'^- Giacomo Benspergher (Benspergh a. 
Lindau; cf. oben S. 187), mercante di fontico de Tod.; Luteran d'anni 71 
incirca, amalato da una ernia "*) intestinale g. 4 ; M. Paison ; mori 
all' höre 24; si sepelisce a S*o- Cristofolo. 

f. 203. 1740, Jan. 16. Antonio ßizer a. 70 ; S. Pietro Santorini ; sua 
figlia con capitolo. 

f. 22^7'. 1746, Sept. 5. Giovanni Conich a. 47; m. 5; m. Steffani; si 
sepelisce nel luogo solito de protestanti. (König?) 

f. 231'. 1747; Nov. 17. Domenico Valt a. 44; amore Dei. 



1) Bruch. 

2) Entzündung. 

3) ..in einer verpichten, mit Blech beschlagenen Kiste" 
i) Bruch. 



Verzeichniss der in S. Bartolomeo zu Venedig best. Deutschen 1580 — 1765. 25P 

f. 234'. 1748, Nov. 23. Paula Frizele a. 72; m. 1; amore Dei. 
220 f. 235. 1749, Juni 16. Agata Miller a. 68. 

f. 236. 1749, Nov. 8. Maddalena q. Mattio Echelpach rel(itta?) del 

q. Zuanne Ries a. 88; con capitolo. 
f. 237'. 1750, Jan. 8. Giro!, e Giorgio Elesempamer a. 68; suo figlio 

con capitolo. 
f. 238, 1750, Juni 7. Michiel Arnbrand (Schümbrand a. Ravensburg; cf. oben 

S. 187) a. 68; g. 4; Francesco Hisperger; nel luogo solito de prote- 

stanti. 
f. 243. 1751, Okt. 16. Gio. Corrado Westermiller (Schwestermüller a. 

Augsburg; cf. oben s. 180) a. 60; Paitton ; nel luogo solito de protestanti. 
225 f. 244. 1752, März 6. Zuanne Enrico Lencberlin (Enderiin a. Lindau; 

cf. oben s. 187) a. 45 ; nel luogo solito de protestanti. 
f. 248. 1753, März 9. Zuanne Beccber (Beck a. Aagsburg; cf. oben S. i80) 

a. 70; Francesco Bonajuti; nel luogo solito de protestanti. 
f. 254'. 1756, Mai 19. Cristofolo di Giorgio Hail m. 9 ; senza capitolo. 
f. 260'. 1758, Nov. 1. Cecilia q(uondam) Girolamo Elesempanber, 

a. 50; con capitolo. 
f. 261'. 1759, April 1. Gio. Andrea Seitz Tedesco di Norimberg 

a. 26 ; Scarmolin ; nel luogo solito de protestanti. 
230 f. 262'. 1759, Juli 29. E arrivato alle ore 20 dalla Follina^ in una 

cassa il cadavere del q(uondam) Gio. Giorgio q(uondam) Filippo 

Sthal a. 64; nel luogo solito de protestanti. (Stahl a. Stuttgart; cf. oben 

S. 186). 

f. 273. 1763, Nov. 11. Giovanni di Giorgio Enrico Hail a. 5; g. 10; 

Nomicö; nel luogo solito de protestanti in S. Cristofalo. 
f. 274'. 1764, Nov. 19. Giorgio q(uondam) Girol. Elesempamber; a. 57 

(visitato) dair Oglio (?); con capitolo. 

1) (Comune nel Veneto, provinc. di Treviso'. 



i^6o 



n 



Beilage II. 

Verzeichniss deutscher Fastenprediger in Venedig. 

„S. Bartholomaei Kirche, allda in der Fasten, wie Henznerus 
schreibet, Teutsch geprediget wird" berichtet Martin Zeiller in seiner 
„Raiß- Beschreibung durch's Welschland" ^). Eine Liste solcher 
deutscher, meist aus Deutschland stammender, Fastenprediger in 
S. Bartolomeo findet sich, worauf mich Herr Comm. N. Barozzi 
aufmerksam zu machen die Güte hatte, in einer Handschrift der 
Sammlung Gradenigo (Nr. 25) des Museo Civico Correr in Venedig, 
die den Titel führt : ,Raccolta di alcuni predicatori ed oratori che 
decorarono gli pulpiti della cittä di Venezia'. Die Liste beginnt auf 
dem ersten Blatt mit dem Jahre 1711 und geht mit Unterbrechungen 
bis 1776; auf dem folgenden Blatt werden noch mehrere Namen 
aus dem 15., 17. und 18. Jahrhundert, wie es scheint, nachgetragen. 
Ich lasse jedoch die Ordnung, wie sie die Handschrift aufweist. 

^) Itinerarium Italiae 1640 cap. 3 f. 65. Die citirte Stelle steht in Pauli 
Hentzneri Itinerarium Germaniae, Galliae, Angliae, Italiae (1617) zum Jahre 
1599 pag. 228. 




lei 



Predicatori in tempo di Quadragesima S. Bartolomeo, 

1711. D. Gio(vanni) Franc(esc)o Erel di Baviera. 

1712. R(everen)do D. Giovanni Erel di Baviera. 

1713. D. Giovanni Franc(esc)o Erel sudetto. 

1718 (sie). P. Fran(cesc)o a Puero ') Jesui Tedesco in questo e nell' anno 
seguente dell' Ordine Jerolimino (sie). 

1715. P. Fedele . . Professore della Provincia di Siria ^). 

1716. P. Eligio Liberse per li Tedeschi. 

1717. D. Z(an) Francesco Antonio Erti (?) Bavarese. 

1721. — 

1722. — 

1723. P. Cornelio Flores, Riformato, per la Nazione Alemana. 

1724. P. Cornelio Froller, Riformato, per i Tedeschi. 

1725. P. Cornelio Herer, Riformato, per i Tedeschi. 

1726. P. Fortunato, Capuccino, per la Nazione Alemana. 

1727. — 

1728. — 

1729. P. Giuseppe Lovina, Gesuita. 

1742. P. Gio(vanni) Antonio Kraus per li TodescM, Riformato. 

1743. P. Gio(vanni) Antonio da Bolzan per li Todeschi, Riformato. 

1750. Per li Todeschi P. Concordio da Piciardi, Riformato. 

1751. Per li Todeschi P. Concordio da Milan, Riformato. 

1752. P. Concordio da Milan per li Todeschi. 

1753. P. Concordio da Milan o da Tiliano, Riformato. 

1754. R. P. Eligio d'Annania ^) Cappuccino della Provincia della Stiria. 

1755. P. Adefonso da Monaco per la Nazione Tedesca. 

1756. P. Adefonso sudetto da Baviera, Cappuccino. 

1757. R. P. Franc(esc)o Reggio, Cappuccino della Provincia di Baviera. 

1758. P. Franc(esc)o Regii da Rieda *) nella Baviera, Capuccino. 

1759. P. Sisenando (sie) da Landshutz ^), Capuccino, Tedesco. 

1760. R. F. Primus Buel, Capuccino, Tedesco. 

1761. R. F. Primo da Bologna, Capuccino, per la Nazione Tedesca. 

1762. R. F. Primo da Bologna, sudetto. 

1763. P. Emiliano da Badia, Teologo Capuccino. 

1764. P. Emiliano sudetto. 



1) cf. unten S. 262, wo derselbe gleichfalls zu 1718 und 1719, aber als P. Franc, a Pueco 
aufgeführt ist. 

2) Zu lesen ,Stiria' wie später? 
ä) Anagni? 

♦) Ried. 

6) Landshut. 



262 



Verzeichniss deutscher Fastenprediger in Venedig. 



1765. E. P. Engardo da Marano ^), Capuccino. 

1766. E. P. Engardo da Marano, Capuccino sudetto. 

1767. E. P. Massimino Eiformato. 

1768. E. P. Massimino Tedesco Min(orita) Eif(ormato). 

1769. P. Massimino sudetto. 

1770. E. P. Alberto Sprene Minor(ita), Eiformato. 

1771. II M. E. P. Alberto Todesco, Eiformato. 

1773. II E. P. Teodoro Prov(encia)le da Brixinone ^) nel Tirol, Capuccino. 

1774. II Edo. P. Teodoro Todesco da Brissinone, Eiformato. 

1775. II E<io- P. Teodoro da Bressanon, Eiformato Tedesco. 

1776. II Jldo. p. Alberto da Eppanio ^) Minor(ita) Eiformato per li 

Todeschi. 



Dann auf dem folgenden Blatt: 

1446. F. Teodoro di Alemagna, Lettore Eremitano. 

1447. F. Teodoro sudetto predicö il primo Gennaro ed anco la Quaresima. 
1452. F. Arigo dal Brabante, Lettore Agostiniano, la Quaresima agli 

Alemani. 
1454. F. Jodoco di Alemagna la Quaresima, Agostiniano Lettore. 
1695. P. Didaco da S. Iseppo, Gen. Carmelitano per li Tedescbi. 

1699. P. Placito Interingler Benedittino. 

1700. P. Placido Interinger per la Nazione Alemana. 
1706. P. Franc(esc)o Majer da Passavia, Gesuita per li Alemani. 

1718. P. Franc(esc)o a Pueco^) Chesu Todesco, eremita di S. Gerolamo. 

per la nascione (sie) Alemana. 

1719. P. Franc(esc)o a Puecö Clesü (sie) Todesco per la Nazione. 



1) Meran? 

2) Brixen.J 

3) Eppan in Tirol? 
*) cf. oben S. 261. 



Ui 



Anhang: 

Zur Geschichte deutscher Gewerbe- 
treibender in Venedig. 



l 



I 



^ 



(b^ 



JJie welthistorische Bedeutung Venedigs als politische und als 
Handels-Grossmacht, sowie die Grundlage dieser Weltstellung sind zu 
bekannt, als dass man darüber viele Worte verlieren dürfte, ohne 
befürchten zu müssen, oft Gehörtes oder Gelesenes zu wiederholen. 
Auch die Bedeutung Venedigs als „Kulturstaat" haben Andere zu 
würdigen nicht unterlassen, so insbesondere G. M. Thomas in seiner 
Festrede^): „Die Stellung Venedigs in der Weltgeschichte". Kurz 
und bündig weist er hin auf den Einfluss, den diese Handelsstadt, 
die Petrarca als „emporium orbis", Bessarion als „alterum Byzantium" 
bezeichnet^), in der Geschichte des Völkerverkehrs, des Völkerrechts 
und der Handelsgesetzgebung, im Seewesen, in der Finanzwirthschaft, 
im Geld- und Münzwesen, in der Frage über Ansässigmachung und 
Aufnahme in die Bürgerrolle, über Gewerbeschutz und Gewerbefreiheit, 
ferner auf die Wissenschaft im Allgemeinen, auf Länder- und Völker- 
kunde insbesondere, auf die Geschichte der Literatur, auf das Archiv- 
wesen, die Statistik (wie wir mit J. Burckhardt^) hinzufügen wollen), 
die Geschichtschreibung, auf Kunst und Kunstgewerbe lange Zeit 
hindurch ausgeübt hat. Ein anderer Einfluss kommt dabei weniger 
zum Ausdruck, der aber vielleicht nicht minder bedeutsam ist und 
hier etwas mehr betont werden mag — ein Einfluss auch kultur- 
geschichtlicher Art, das Wort nur noch in einem etwas engeren, 
spezielleren Sinne gefasst : ich meine den Einfluss, den die Lagunen- 
stadt auf die Gestaltung des Lebens anderer Völker ausgeübt, die 
Rolle, die Venedig in der Geschichte der Sitte gespielt hat. 

Um es mit einem Worte auszudrücken: Venedig ist für das 
Mittelalter und lange Zeit darüber hinaus, vielleicht bis zum Ende 
des vorigen Jahrhunderts, das „Paris" der neueren Zeit in gutem 
und freilich auch in — schlimmem Sinne gewesen — ein Vergleich, 
der so nahe liegt, dass man sich nicht wundern darf, ihn auch ander- 
wärts von Anderen ausgesprochen zu finden. 

„Venedig" , sagt z. B. Falke in ähnlichem Sinne in seiner 
Geschichte des deutschen Handels'*), „war für Wien damals, im 

^) zur Vorfeier des allerhöchsten Geburts- imd Namensfestes K. Ludwig II. 
in der k. bayer. Akad. der Wiss. am 25. Juli 1864. — ^) Thomas a. a. 0. S. 16. 
— ä) Die Kultur der Renaissance in Italien (1. Aufl.) S. 69. — *) Bd. II (1860) S. 33. 



266 



Anhang. 



15. Jahrhundert ganz besonders, die Stadt der Moden, die Quelle 
des Luxus, woher die Reichen und Vornehmen nicht nur die Seiden- 
und Sammt-, die Gold- und Silberstoffe bezogen, sondern auch das 
Geschmeide." Und wenn er zum Beweise hiefür eine Urkunde vom 
Jahre 1490 anführt, durch welche einem Wiener Kaufmann von 
Kaiser Friedrich III. verschiedene Mauten u. s. w. im Betrage von 
1500 Gulden überwiesen werden, die der Kaiser für ein in Venedig 
bestelltes und erkauftes Halsband von Gold „mit Diamanten, Balesen 
und Perlen" schuldete — so können wir auf eine nicht minder charak- 
teristische Notiz in den Protokollbüchern des venetianischen Senates 
hinweisen, aus welcher hervorgeht^), dass der nämliche Friedrich für 
die burgundische Braut seines Sohnes Maximilian im Jahre 1477 
Seiden- und Sammtstoffe in Venedig ankaufen Hess. Aber auch 
bereits im Jahre 1303 erhält die „Königin von Deutschland", wohl 
Elisabeth, die Gemahlin Kaiser Albrechts L, Geschmeide aus Vene- 
dig^), und dergleichen mag noch unzählige Male vorgekommen sein. 
Es schiene mir eine dankenswerthe , aber freilich auch mühsame 
und nicht eben leichte Arbeit, dieses Thema noch weiter zu ver- 
folgen und den Einfluss Venedigs besonders auf unsere süddeutschen 
Reichsstädte nach dieser Seite hin einmal näher zu untersuchen. 

Venedig war aber auch — und zwar in späterer Zeit nach dem 
Mittelalter trotz seines politischen Niederganges vielleicht noch mehr, 
wie früher — ähnlich eben wie das moderne Paris, die Stadt der Ver- 
gnügungen, wohin man reiste, um sich zu unterhalten, sich zu 
belustigen, sich zu amüsiren. 

Wenn dies im Mittelalter weniger der Fall war, so rührt dies 
nur daher, weil man damals überhaupt weniger reiste. Ausser 
den politischen und militärischen Reisen und Zügen der Fürsten 
und Gesandten und neben den Reisen der Kaufleute und Studenten 
kannte das Mittelalter eigentlich nur noch eine Art von Reisen: 
die zu religiösen Zwecken, insbesondere die Pilgerreisen nach dem 
Orient, nach dem heiligen Land. Reisen im heutigen Sinne, des 
Vergnügens halber, um neue Länder und Gegenden zu sehen, kannte 
man damals nicht oder nur höchst selten ^). Gerade für jene Pilger- 
reisen nun aber spielte Venedig eine ausserordentlich wichtige Rolle. 
Denn von hier aus pflegte man die Reise nach dem Orient anzu- 
treten, hier schiffte man sich zumeist ein, hieher kehrte man nach 
glücklich zurückgelegter Fahrt zurück, und kaum einer unter all' den 
Palästinafahrern, welche bei Röhricht und Meissner '^) aufgezählt sind, 
dürfte sich finden, der nicht wenigstens einmal die Lagunenstadt 



') s. unten Nr. 65. — ^) s. unten Nr. 1. — ^) Selbst des „böhmischen Herrn 
Leo von Rozmital (Schwagers des Böhmenkönigs Georg Podiebrad) Ritter-, Hof- 
und Pilgerreise durch die Abendlande 1465 — 67" (hrsg. von Schmeller in der Bibl. 
des liter. Ver. Bd. VI), wo „die Schaustellungen des erlöschenden Ritterthums 
und die Genüsse eines von Hauptstadt zu Hauptstadt wechselnden Hoflebens" 
mit besonderer Vorliebe geschildert werden, wurde unter einem anderen Titel 
unternommen. — *•) Pilgerreisen nach dem heiligen Lande (Berlin 1880). 



Anhang. 267 

berührt und dort einige Tage verweilt hätte, um alle die Schätze 
anzustaunen, welche dem bewundernden Auge des Fremden sich 
hier in dieser merkwürdigen Stadt darboten. 

In der That sind denn auch Alle des Lobes voll über die Stadt, 
ihre Lage, ihre Pracht, ihren Glanz, ihre Sehenswürdigkeiten, ihre 
Verfassung. „Venedig erschien zu Ende des XV. Jahrhunderts wie 
das Schmuckkästchen der damaligen Welt" ^), es war das „Wunder 
jener Zeit" ^). Statt vieler möge nur des einen Felix Fabri Lobspruch 
auf Venedig hier mitgetheilt werden: Er rühmt es geradezu als die 
schönste und kostbarste Stadt, die er in der ganzen Christenheit, 
wie ausserhalb derselben gesehen, und als das Wunderbarste und 
Merkwürdigste auf der Welt überhaupt ^). Und gleich vielen Anderen 
bekennt er seine Unfähigkeit, die Stadt nach Gebühr ganz und voll 
preisen zu können*), führt dann aber doch die einzelnen Punkte 
an, welche nach seiner Meinung den Ruhmeskranz Venedigs aus- 
machen. Er zählt deren dreizehn auf, obwohl es deren noch viele 
andere gäbe: 

1. die wunderbare Lage, Gründung und Erbauung der Stadt, 

2. die Menge der Bevölkerung, 

3. das geordnete, stetige Regiment in Verbindung mit den 
Charaktereigenschaften der Venetianer, 

4. die grosse Ausdehnung der Herrschaft, 

5. die Menge der Kirchen und gottesdienstlichen Gebäude, 

6. die grosse Anzahl der Reliquien, 

7. die Kostbarkeit der Kirchenschätze, 

8. den Ueberfluss an Lebensmitteln, 

9. die Bewegung des Handels, 
10. die pompösen Festlichkeiten, 

IL die Weisheit der Staatsmänner und Leiter der Regierung, 

12. den Besuch fremder Fürsten und die zahlreichen Ordens- 
kapitel, 

13. die grossen Privilegien und Vergünstigungen, welche ver- 
schiedene Päpste der Stadt und ihren Bewohnern verliehen. 



') Burckhardt a. a, 0. S. 62. — ^) Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom im 
Mittelalter (2. Aufl.) Bd. VII S. 693. — ^) Evagatorium, hrsg. von Hassler in der 
Bibl. des liter. Ver. Bd. IV S. 398 : Venetiana urtis est vetustior et pretiosior cunctis 
civitatibus quas ego vidi, tam in Christianitate quam extra, nee vidi quid- 
quam mirabiUus hac urbe, nihil curiosius perspexi, et in nuUo loco diutius niansi 
hospes. — ^) Quis hanc clarissimam et florentissimam urbem, cujus immensa fama 
et gloria per se toti notissima exstat orbi, describet ad plenum? Aehnlich 
z. B. Pietro Casola in seinem ,Viaggio a Gerusalemme' (Ausgabe von 1865, p. 6, 
citirt von Molmenti, La storia di Venezia nella vita privata p. 166): — non e 
possibile dire nö scrivere pienamente la belleza, la magnificentia, ne la riccheza 
della citta de Venezia; und ein Jahrhundert später Paul Henzner (1599) in seinem 
.Itinerarium Germaniae, Galliae, Angliae, Italiae' (Ausgabe von 1617, p. 217): 
,Venetiae urbs . . . nostro aevo omnium celeberrima opulentissimaque, cujus 
tanta magnificentia ac dignitas, ut etiam illi qui hanc perlustrarunt, admirari 
eam potius quam dignis laudum eloquiia celebrare queant.' 



268 



Anhang. 



Fabri scliliesst dann das Lob Venedigs mit folgender poetischer 
Verherrlicliung, die „einer seiner Landsleiite" ^) gedichtet habe: 



Dum niare Delphinos, dum coeli clara tenebunt 
Sidera, dum gratos tellus dabit humida fruges, 
Dum genus humanum sua deget saecula terris, 
Splendor erit toto Venetum celeberrimus aevo. 



Dieselben Verse ^) finden sich auch in jener berühmten Hand 
Schrift Hartmann Schedel's ^) der hiesigen Staatsbibliothek, dem ,liber 
antiquitatum', in welcher Schedel Notizen aller Art über die von ihm 
besuchten Städte Deutschlands und Italiens, Inschriften u. s. w. zu- 
sammengestellt hat. Fol. 198 bringt auch er einen längeren Passus 
, Landes inclitae urbis Venetiarum', den er damit beginnt, dass er 
die Lagunenstadt Rom an die Seite stellt, der „ehemaligen Herrin 
der Welt" , mit der jene an Ruhm und Grösse der Herrschaft und 
glorreicher Thaten wetteifern könne. 

Rom war in der That vielleicht die einzige Stadt, welche in 
Bezug auf den Fremdenverkehr mit der Lagunenstadt sich messen 
konnte, und dies allerdings erst, seitdem es mit dem Beginne des 
15. Jahrhunderts nach der Rückkehr der Päpste aus der avignonesi- 
schen Gefangenschaft wieder der Mittelpunkt der Papstherrschaft 
geworden war und unter deren Einfluss aus Schutt und Trümmern 
heraus allmählich zu neuem Glanz erstand, insbesondere aber dann 
mit dem Wiedererwachen des Alterthums, wie früher, die „klassische 
Stadt der Welt" ^) wurde. 

Aber wir werden nicht fehl gehen, wenn wir den Eindruck, 
den die Siebenhügelstadt mit ihren noch halb verfallenen Plätzen 
und Ruinen auf den Fremden machte, mehr als den grossartiger 
Erhabenheit bezeichnen, die man, wie ja selbst noch heutigen Tages, 
in Scheu und Ehrfurcht betrat. „Rom war und ist noch das archi- 
tektonische Theater der Weltgeschichte selbst, und die monumentale 
Stadt des Abendlandes voll feierlicher Majestät" °). 

Anders die Lagunenstadt. Hier pulsirte frisches fröhliches Leben, 
hier konnte man sich ganz und voll der Lust, dem Genüsse hingeben, 
wie dies ja auch das Volk selbst that, das die herrschende Adels- 
aristokratie mehr und mehr von der Theilnahme an den öffentlichen 
Angelegenheiten wegzudrängen und auszuschliessen verstanden hatte. 
Sehr treffend hat Lübke^) auf den ursächlichen Zusammenhang des 
„ lieber wiegens des materiellen Genusslebens" in Venedig mit jener 
Thatsache, mit der politischen Bedeutungslosigkeit der unteren Klassen, 
aufmerksam gemacht, wie andererseits auch kein Zweifel darüber be- 
stehen kann, dass das Festhalten an diesem Grundsatz „Panem et 



n 



^) ,quidam ex nostris carmine in eorum laudem futuram cecinit dicens'. — 
^) Andere Lobsprüche auf Venedig von verschiedenen Autoren in gebundener und 
ungebundener Rede s. in Nicolai Reusneri Leodini Silesii de Italia (1595) lib. 11 
p. 28 u. ff. - 3) Cod. lat. 716. - ') Gregorovius a. a. 0. Bd. VIII S. 112. — 
^) Gregorovius Bd. VII S. 693. — ^) Geschichte der italien. Malerei Bd. I S. 510. 



Anhang, 269 

Circenses für das Volk" den Todeskeim der Republik in sich trug. 
Lange Zeit aber noch hat gerade dieser äussere, theilweise aus jenem 
Genussleben resultirende , Glanz den Ruhm det Republik und der 
Stadt nach Aussen hin aufrecht erhalten. Noch im 16. Jahrhundert, 
auch nach der Entdeckung Amerika's „trat die Weltstellung der Stadt 
glänzend und grossartig vor Augen" ^); noch lange Zeit und, wie schon 
erwähnt, in späterer Zeit erst recht war Venedig ,sede principalis- 
sima del piacere' ^), das ,paradisus delitiarum' ^). 

Was Wunder, dass eine solche Stadt nun auch viele Leute von 
auswärts anlockte , die dort ihren Lebensunterhalt in irgend einer 
Weise zu finden bestrebt waren? Deutschland aber stellte dazu ein 
besonders zalilreiches Kontingent. Neben den Kaufleuten im Fondaco 
und den deutschen Bediensteten desselben erscheinen deutsche 
Gewerbetreibende aller Art ^), insbesondere Bäcker und Schuh- 
macher, wie wir deren ja bereits unter den „Grabschriften von 
Deutschen" und ebenso in der Liste der in S. Bartolomeo bestatteten 
Deutschen Mehrere erwähnt gefunden haben. 

Was zunächst die Bäcker betrifft, so ist es eine alte Ueber- 
lieferung, dass schon im 10. Jahrhundert deutsche Bäcker in Venedig 
sich angesiedelt hätten. Und zwar wird erzählt^), dass die vene- 
tianische Regierung 34 Oefen für sie auf der Insel S. Elena bei 
Venedig habe bauen lassen, wo sie ehedem meist den Zwieback 
(,il biscotto') für die Seemannschaft zu backen hatten. Worauf sich 
diese Ueberlieferung stützt, vermag ich nicht anzugeben. Dann soll 
sich — und dies ist glaubwürdiger — um die Mitte des 12. Jahr- 
hunderts eine Anzahl von Graubündnern in Venedig als Zuckerbäcker 
niedergelassen haben, welche mehr und mehr Landsleute nach sich 
gezogen und mittelst bedeutender Summen das Recht erkauft hätten, 
ihre Waaren feilbieten zu dürfen *^). Aus einem Dokument des Jahres 
1402 (Dez. 20) ') erfahren wir, dass die in Venedig weilenden deutschen 
Bäcker „schon seit langer Zeit" eine Bruderschaft errichtet hatten, 
welche sich in der Kirche S. Filippo e Giacomo versammelte. Daselbst 
besassen sie einen eigenen Altar, an welchem Messen gelesen wurden 
und Gottesdienst gehalten wurde, wie das bei solchen Bruderschaften 
der Brauch war^). Da einige „Uebelgesinnte" gegen die Statuten 



I 



') Ranke, Zur venezianischen Geschichte S. 30. — ^) ,Ritratto della vita 
civile dei Veneziani nel 1565' Lettera d'incerto autore a Camillo Paleotto citirt bei 
Molmenti a. a. 0. p. 173. — ^) Hentzneri Itinerarium . . . (1617) p. 218; cf. Reusner, 
Italiae lib. II p. 28. — ") cf. Lebret, Geschichte von Italien Thl. IX (Halle 1787) 
S. 548. — •') 8. Zeitschr. für Baiem Bd. 3 Jahrg. 2 (1817) S. 347. — ") Sprecher, 
Gesch. der RepuVjlik der drei Bünde im 18. Jahrh. Bd. II S. 148. — ') s. unten 
Nr. 47. — **) cf. Venezia e le sue lagune vol. I p. 1 pag. 181 : ,ogni arte aveva 
11 suo luogo di ritrovo, sotto la protezione di un Santo, in onore del quäle si 
celebravano solenni sacre funzioni. I luoghi di ritrovo, quäle maggiore e piü 
splendido, quäle minore, si chiamavano scuole ... Le corporazioni o fraglie 
delle arti, se non erano rieche e non avevano scuola propria, si adunavano in 
una chiesa, dove possedevano un altare e lo mantenevano. Le principali avevano 



270 



Anliang. 



und Regeln der Bruderschaft sich aufzulehnen gewagt, erbitten sich 
die Vorsteher der Bruderschaft vom Rathe der Zehn die Erlauhniss, 
gegen solche Ruhest^er einschreiten zu dürfen. 

Genauer wird dann 20 Jahre später diese Bruderschaft als die 
der deutschen Bäcker-Gesellen bezeichnet und dieselbe vom Rathe der 
Zehn am 23. Juli 1422 gewissermassen von Neuem bestätigt^). Die 
Bäcker-Meister Venedigs hatten nämlich kurz zuvor das Ansuchen 
gestellt und durchgesetzt, dass die drei damals bestehenden Bruder- 
schaften der Bäckermeister, der lombardischen und der deutschen 
Bäckergesellen zu einer einzigen vereinigt oder richtiger die der 
Bäckergesellen aufgehoben würden ^). Mit Erfolg widersetzten sich die 
deutschen Bäckergesellen diesem Beschluss, traten für ihre eigene 
Bruderschaft ein, welche lediglich fromme religiöse Zwecke verfolge, 
und erhielten unter dieser Voraussetzung und mit der Bedingung, 
dass in ihre Matrikel nichts aufgenommen werde, was das Gewerbe 
selbst betreffe, dass sie vielmehr hierin den Vorständen der Innung der 
Bäckermeister Gehorsam leisten würden, die Erlauhniss, nach wie vor 
in der Kirche S. Filippo e Giacomo ihre Bruderschaft zu versammeln. 

Gerade diese Separat-Bruderschaft der Bäckergesellen spielte 
dann über 100 Jahre später eine wichtige Rolle **). Auch hier, wie 
unter den übrigen in Venedig sich aufhaltenden Deutschen^), hatte 
nämlich die lutherische Lehre Eingang und begeisterte Anhänger ge- 
funden. Bereits im Dezember 1527 sah sich die Innung der Bäcker- 
meister zu Beschwerden und Massnahmen gegen die deutschen Bäcker- 
gesellen veranlasst ^), da diese ihren Verpflichtungen nicht nachkom- 
men, ihre Arbeit nicht verrichten wollten, sich überdies unterstanden 
hätten, ein Kapitel zu berufen und die Meister vor dasselbe zu 
laden, sowie sogar mit Auswanderung zu drohen — also, modern 
ausgedrückt, eine Art Strike in Scene gesetzt hatten, welchem ver- 
muthlich damals schon religiöse Motive zu Grunde lagen. 

Solche führten dann ausgesprochenermassen 16 Jahre später 
zur Aufhebung der Bruderschaft der deutschen Bäckergesellen. Offen 
rühmten sich dieselben, wie aus einem interessanten Aktenstück vom 
19. September 1543^) zu entnehmen, der Erfolge von Luther's Lehre 
in Deutschland und versuchten, wie es scheint, mit Gewalt, durch 
Unbotmässigkeit , Einstellung der Arbeit und Thätlichkeiten , die 
Meister zur Annahme der „ketzerischen" Lehre zu zwingen. Diese 
aber, vertreten durch den Vorsteher der Zunft und einen besonderen 



l'una e l'altro'; cf. Sagredo, A., Sülle consorterie delle arti edificative in 
Venezia (Venedig 1857) S. 54 u. ff. Die gerade für die folgende Darstellung 
wichtigen Fragen der Stellung der religiösen Bruderschaft zur Zunft oder Innung 
bedürften aber noch genauerer Untersuchung; cf. Schanz, G., Zur Gesch. der 
deutschen Gesellenverbände (1877) S. 69 ff. und Neuburg, C, Zunftgerichtsbar- 
keit und Zunftverfassung vom 13, — 16. Jahrh. 1880, — ') s, unten Nr. 56. — 
^) s. Nr, 55. — ') Ob sie da noch in S. Filippo e Giacomo ihren Sitz hatte, 
wird nicht erwähnt; s, Nr. 77. — *) cf. oben S. 157 u. ff. — ^) s. unten Nr. 75, 
— «) s. Nr. 77. 



Anhang. 271 

Ansschuss, beschlossen daraufhin, die Bruderschaft der Bäckergesellen 
aufzuheben, die Haupträdelsführer zu bestrafen und vom Bäckergewerbe 
in Venedig auszuschliessen. Als Schuldige wurden bezeichnet: 

Paul Faistele Pixmoester (?), in Arbeit zu S. Apostolo^); 

Johannes Vechst zu S. Raphael und 

Anton Stonz, dessen Gefährte zu S. Trovaso; 

Vincenz in der Calle longa; 

Jakob Nirombergher (Nürnberger oder aus Nürnberg?) in der 
Calle longa; 

Michael Steirer zu Sa. Maria Zobenigo; 

Leonhard Lanz in der Frezzaria; 

Heinrich Vozle in der Calle longa; 

Georg Cusmoer zu S. Pantaleon; 

Christoph Cuoco ,ai do Ponti'; 

Johannes Stegman (?) in ,Rio Terrao'; 

Johannes Stete in ,Rio Marin'; 

Six zu S. Cassan; 

Balthassar in ,Ruga Gaiuffa (Giuffa)' ; 

Marcus in der Calle longa ; dazu ein Schuhmacher Jakob, der das 
Amt eines Predigers bei ihnen versah. 
Die übrigen Bäckergesellen sollten gehalten sein, sich in die Innung 
der Bäckermeister aufnehmen zu lassen, so dass es, auch zu reli- 
giösen Zwecken, künftig nur eine einzige Genossenschaft geben solle. 
Die ,Provveditori alle Biave', denen das Bäckereiwesen unterstellt 
war, genehmigten diese Beschlüsse, empfahlen jedoch die Schuldigen 
der Gnade der Zunft ^). 

Ueber 100 Jahre, heisst es dann in einem*anderen Dokument^), 
blieb es bei dem, was hier festgesetzt war. Im Jahre 1660 finden 
wir dann aber doch wieder eine Genossenschaft deutscher Bäcker- 
gesellen mit einem Vorsteher (Gastaldo), und zwar reklamirte oder 
vertheidigte dieselbe damals das Eigenthumsrecht an das Bäcker- 
Spital zu S. Samuele, wie es scheint, gegenüber von Ansprüchen, 
die von italienischer Seite darauf erhoben wurden^). Wie es näm- 
lich in dem eben erwähnten^), von den italienischen (lombardischen) 
Bäckergesellen im Jahre 1685 verfassten, Schriftstück heisst, waren 
sowohl die deutschen Bäckermeister, die früher die Mehrzahl ge- 
bildet, mit der Zeit weniger geworden, als auch hatte sich die Zahl 
der deutschen Bäckergesellen verringert, während die der italieni- 
schen Meister und der (lombardischen) Gesellen bedeutend gestiegen 
war. Und sie blieben, führen eben die letzteren aus, nicht wie die 
Deutschen, die meist wieder in ihre Heimath zurückgekehrt seien, 
nur kurze Zeit in Venedig, sondern nähmen hier mit ihren Familien 
ständig ihren Wohnsitz. Wohl möglich, dass sie eben deshalb nun 
auch die Deutschen aus dem Besitze des Spitales zu verdrängen 



^j Ueber die Oertlichkeiten s. Tassini, G., Curiositä Veneziane (3* ediz. 

1882). — ^) 8. unten Nr. 78. - =") s. Nr. 86. - ") s. Nr. 84. 



272 



Anli; 



ang. 



suchten — ähnlich wie 1568 die deutschen Schuhmacher in Venedig 
ihr Spital gegen italienische Ansprüche zu vertheidigen hatten ^). 
Ist Tassini's Notiz ^) , dass dieses Spital der deutschen Bäcker zu 
S. Samuele bereits 1433 gegründet worden, richtig, dann konnten 
sich die Deutschen 1660 allerdings mit gutem Grund auf die Ver- 
gangenheit berufen; aber, wie es scheint, ohne Erfolg. 

Nach Tassini ^) hätte dann auch in der Kirche S. Stefano unter 
dem Titel der „Geburt der Jungfrau Maria" eine Bruderschaft 
deutscher Bäcker(meister ?) bestanden. Doch gibt er darüber leider 
nichts Näheres und insbesondere nicht an, wann dieselbe etwa er- 
richtet worden. Soviel ist sicher, dass, wie wir aus einer Inschrift 
wissen^), im Jahre 1511 in dieser Kirche S. Stefano eine gemein- 
same Grabstätte für die deutschen Bäckermeister und Bäcker- 
gesellen erworben wurde, als ,Zuanne de Lovin' Zunftvorsteher war. 
Nach S. Stefano wurde allerdings auch im Jahre 1529 (am 31. Jan.) 
die Zunft der Bäckermeister verlegt '^), nachdem dieselbe vorher 
mehrfach mit ihrem Versammlungslokal gewechselt. 1423 und 1426 
wird als solches die Kirche S. Salvatore genannt ^) , 1426 aus- 
nahmsweise (?) S. Bartolomeo *^), 1462 (oder 1468) S. Filippo e Gia- 
como^), 1491 und 1527 S. Giovanni e Paolo ^); später endlich 
(1591) S. Samuele^). — Worauf sich eine andere von Cecchetti jüngst ^°) 
mitgetheilte Inschrift an einem Hause neben der Kirche S. Apol- 
linare (Aponal im Dialekt) vom 2. März 1508 aus der Zeit des 
nämlichen, eben genannten Zunftvorstehers bezieht, ist nicht er- 
sichtlich. Sie lautet: 

NEL TEMPO . DE • SER • ZVANE • DE • LOVIN- 

PISTOß • A • S • APONAL • — GASTALDO • 

E COMPAGNI • M • D • VIII • ADI • 11- 

DE • MARZO • 

Vielleicht bestand hier ein zweites Spital für die deutschen 
Bäcker, oder ein gesondertes für die Bäckermeister. 



^) cf. unten und Nr. 82. — ^) ,Edifici di Venezia distrutti o volti ad uso 
diverso . . .' (1885) p. 45. — ^) s. oben S. 235 Nr. 83. — *) Ven. Mariegola dei 
Pistori im Mus. Civ. Corr. f. 37' (im Staats-Archiv f. 46') : 1528 (m. V. = 1529) 
ultimo Zener. ,Clie la Scuola de nostri pistori, che al präsente se congrega e se 
aduna in Zuan e Polo, questa sia trasferida in S. Stefano logo nostro . . .' — 
^) ibid. f. 22 (resp. 27) : 1423, 17. Maji. ,Cum scbola seu universitas confra- 
trum schole Sancte Marie pistorum de Venetiis egeret aliquo loco seu hospitio, 
in quo habiliter diebus congruis et debitis possit pro commoditate sua se redu- 
cere et congregare confratres suos in unum remedio animarum suarum juxta 
ritum aliarum scbolarum et se reduxisset ad ecclesiam Salvatoris videlicet ad 
quoddam hospitium infrascriptum ipsius ecclesie . . .' — ^) ibid. f. 13: , Parte 
presa in pien capitolo in la chiesia de san Bartolomio, non possendose redur 
in luogo de san Salvador al luogo deputado di pistori per certa cason . . .' 
— ') ibid. f. 16 (20). - ®) ibid. f. 20: 1491, 29. Mazo ,Congredado el capi- 
tolo al luogo suo deputado a San Zan e Polio' und unten Nr. 75. — ®) ibid. 
f. 78 (89) 1591, 13. Oct. — ^°) im Archivio Veneto t. 29 p. 302. 



Anhang. 273 

Nichts Näheres ist auch bekannt über das Stärkeverhältniss 
der deutschen Bäckermeister, die ja in früherer Zeit die Mehrzahl 
in der Innung gebildet haben sollen, zu den übrigen nichtdeutschen. 
Nur aus dem Jahre 1471 ist ein Verzeichniss der Bäckerläden der 
beiden Stadtviertel ,Rialto' und ,S. Marco' erhalten ^), aus welchem 
zu entnehmen, dass damals von 22 Läden in jenem mindestens 6, 
von 17 in diesem Stadtviertel 8 in deutschen Händen waren. Im 
Viertel ,Rialto' werden genannt: 

Ugolinus aus Ulm, der im Bezirk S. Cancian seinen Laden hatte; 

Konrad aus Konstanz zu S. Cassan; 

Peter aus Augsburg zu S. Simeon (,in Rio Marin'); 

Justus Spiera (?) zu S. Pantaleon; 

Ugolinus aus Bayern zu S. Rafael; 

Georg aus Ulm zu S. Barnaba. 

Die im Viertel von S. Marco genannten sind: 

Peter aus Ulm zu S. Domenico; 

Demetrius aus Agram zu S. Zaccaria; 

Heinrich aus Nürnberg zu S. Zan del Tempio; 

Zan de Lovin ^) zu S. Antonin; 

Hermann aus Nürnberg zu S. Maria Formosa ,in Calle longa'; 

Johann aus Brunneck zu S. Salvador ,in Cofanaria' ^) ; 

Paul aus Augsburg zu S. Lucca; 

Georg aus Augsburg zu S. Moise; 
wobei aber nicht ausgeschlossen ist, ob nicht noch einige andere 
der dort aufgeführten Bäckermeister Deutsche waren, wie z. B.: 

Zan de Maganza (Johannes aus Mainz?) zu S. Marcuola ,in Rio 

Terra') im Rialto-Viertel), 

Das waren also Privatbäckermeister, über die ganze Stadt 
vertheilt, die aber unter der Oberaufsicht der venetianischen Be- 
hörden, speziell der ,Provveditori alle biave' standen^). 

Davon zu scheiden ist das offizielle Backhaus der Regierung, das 
„Deutsche Beckenhaus " in der Nähe des Arsenals, über dessen Ent- 
stehung mir gleichfalls nichts bekannt geworden ist. Ich finde nur ^), 
dass nach Sanuto 1473 zu S. Martin „an der Riva des Canals" 32 neue 
Oefen für die Herstellung der ,Biscotti' um 8000 Dukaten errichtet 
wurden. Später, im 16. und 17. Jahrhundert, thun deutsche Reisende 
dieses Backhauses gelegentlich Erwähnung. So Samuel Kiechel (Ende 
1586), der folgendes darüber schreibt**): „Am heimgöhn (vom Arsenal) 
nach der herrlaerg wurden wür in der herrn (von Venedig) bachaus 



') cf. Cecchetti a. a. 0. p. 299-300. — ^) Wohl identisch mit dem vorhin 
genannten jgastaldo' von 1508 u. 1511 und daher wohl ein Deutscher. — ') ,cofFoneria 
(cofaneria) deve significar un luogo a S. Marco, dove si costruivano o vendevano 
portavano cofani, speci di cassette o di ceste coperte un po' arrotondate'. Brief- 
liche Mittheilung des Herrn Dir. Cecchetti. — *) cf. Cecchetti, La vita dei 
Veneziani nel 1300, im Archivio Veneto t. 29 p. 294 u. ff. — •') Gallicciolli, 
Delle Memorie Venete antiche p. I § 319. — ') , Reisen* (Bibl. des liter. Ver, 
Bd. 86) S. 158. 

18 



274 Anhang. 

gefiiert, in wölchem bei 48 öfen und manigmal 80, mehr und wehniger, 
personen dorinnen schaffen, wölches durchaus teütsche böckhen sein, 
und würt kein ander brot do gebachen dan pöscoten, wölches harrt 
und 2mal ingelegt würt, ein groser vorrath von brot und ganze 
häufen mehl gleich als düe kreidenberg do gesehen werden, und 
kompt solches brot alles uf ihre, der herrschaft schif und gallea, 
düe marinari, sclaven und andere, wölche doruf sein, domitt zu 
speisen." 

Aehnlich Martin Zeiller in seiner ^Raiß-Beschreibung durch's 
Welschland" ^): „Ferners ist auch das Teütsche Beckenhauß nahend 
dem Arsenal zu sehen, darinn 44 Backöfen seyn, wie Pflaumerus 
schreibet, vnd vns der Meister darüber berichtet hat; wiewol 
Megiserus von fünff'tzig Meldung thut. Besagter Meister war von 
Saltzburg, vnd hatte, neben genügsamen Essen vnnd Trincken, 
monatlich viertzig Venedische Pfund, eins zu zwantzig Schilling, 
vnd ein Schilling für zwölff Pfenning, in gemeiner Zahlung, gerechnet. 
Wird von lauter Teutschen Beckenknechten versehen, deren jeder 
Brods genug, vnd täglichen achtzehen Schilling oder Soldi, vnnd 
also schier ein Pfund Gelts hat. Sie haben Handmühlen das Meel 
auszubeutein, welches von Treviso dahin gebracht vnnd darauß eine 
sehr grosse Summa Biscott gebachen wird." — 

Schliesslich verzeichne ich noch einige sonst gelegentlich er- 
wähnte deutsche Bäcker in Venedig: 

1425 Claus Walther aus Augsburg, „Peckenknecht" ^); 

1443, Juli 5, Bernardus und Ugolinus, Gesellen bei einem Bäcker 

Michael, den sie ermordet^); 
1450, Okt. 23, Martin aus Ulm, Bäcker zu S. RaphaeH); 
1455, Febr. 28, Johannes Gomborus zu S. Giovanni Crisostomo ^) ; 
1457 Martin, Bäckermeister aus Weilheim (?), bestattet in S. Gio- 
vanni e Paolo ^); 
1490, Juni 18, Johannes de Erb, Bäckergeselle, mit einem ,Ja- 
cobus Bertoldus a biscotis' des Todschlages beschuldigt an einem 
deutschen Bäcker(-Meister?) Jakob zu S. Feiice '^); 
1629, Okt. 18, Balthassar Vidiman (Wideman), Kaspar Fai (Faul), 
Jakob Sander, Johann Cleber, Wolf Fiebigh, jAdam Sarf, 
Kaspar Trungher, Marcus Freigher ^). — 

Neben den deutschen Bäckern verdienen in erster Linie genannt 
zu werden die deutschen Schuhmacher. 

Dass ihre Zahl in Venedig keine geringe gewesen, beweist schon 
der Umstand, dass auch sie und vielleicht noch früher als die Bäcker 
in einer Genossenschaft oder Innung vereinigt erscheinen. Wenigstens 



^) Jtinerarium Italiae' (1640) f. 66. — ^) s. unten Nr. 57. - ^) Venedig, 
Staats- Archiv. Quarantia Criminale. Parti vol. 4 fol. 7'. — *) ebendaselbst fol. 12. 
— ") s. unten Nr. 63. — *) s. oben S. 232 Nr. 66. — ^) Ven. St.-A. Quar. Crim. 
Parti vol. 6 f. 32'. — ^) Ven. Museo Civico Correr. Mariegoia dei Pistori f. 99'; 
cf. oben S. 135 Anm. 3 und S. 221 Nr. 5. 



Anhang. 275 

l)erufen sich diese in der oben erwähnten Eingabe vom Jahre 1402^) 
eben auf das Beispiel der ,schola cerdonum Theutonicorum', die in 
der Kirche S. Stefano sich versammle. In der That lesen wir in 
einem späteren Dokument vom 10. Okt. 1483 ^), dass der Rath der 
Zehn am 15. Juli 1383 den deutschen Schuhmachern die Errichtung 
einer ,societas' (Bruderschaft) erlaubt habe, die als Patronin die 
,Virgo Maria Annunciata' erwählte. Und aus dem nämlichen Jahre 
1383 ist uns dann im Original der Vertrag erhalten, den im Namen 
aller in Venedig wohnenden deutschen Schuhmacher Konrad aus 
Böhmen im Bezirk S. ApoUinare, Heinrich von Nürnberg zu S. Pa- 
terniano, Friedrich aus Bayern zu S. Silvestro, Peter aus Böhmen, 
Georg aus Ulm zu S. Paterniano, Nikolaus aus Freiburg zu S. Cassan 
mit dem Kapitel von S. Stefano über die Erwerbung einer Gruft 
und eines Altars in dieser Kirche für ihre Zunftgenossen und über 
die Abhaltung von Messen gegen Entrichtung einer bestimmten 
Summe am 25. November 1383 abschlössen^). 100 Jahre später 
(am 10. Okt. 1483) wurde dieser Vertrag erneuert und modificirt '^), 
nachdem durch eine Verletzung desselben von Seite des Klosters 
ein längerer Streit zwischen diesem und den Schuhmachern aus- 
gebrochen war. Genau und ausführlich werden hier die einzelnen 
Punkte — Kapelle mit Altar, Gruft und Begräbnissplatz, Messen 
und Gottesdienst für die verstorbenen Zunftgenossen, Geldentschädi- 
gung von Seite der letzteren — erörtert, worüber man sich ver- 
ständigte. 

Als Vertreter der deutschen Schuhmacher werden hier genannt 
ausser dem Anwalt der Zunft, dem Doktor der Medizin Cosmus aus 
Böhmen (Boyemus?), Meister Johann Frank (oder Frey? Franchus) 
aus Nürnberg zu S. Moise, Meister Franz Roner aus Heilbronn (Al- 
brun?) zu S. Apostoli als Stellvertreter für Meister Johann Peter aus 
Feldkirch zu S. Angelo, Meister Stenzel aus Sambor in Russland 
(d. h. Galizien, ausdrücklich als Deutscher bezeichnet) zu S. Martino, 
Meister Johannes aus Weissenburg zu S. Cassan, Meister^ Jakob 
Fogaizlingen (?) zu S. Pantaleone als Stellvertreter für Meister Johann 
Heremberth (?) zu S. Maria Formosa °). 

Nur dies mag noch aus jenen Verträgen und zwar aus dem 
älteren von 1383 erwähnt werden, dass der Altar, welcher der Zunft 
gehörte, früher der hl. Ursula, später dem hl. Nicolaus von Tolentiuo 
geweiht war. 

Dem entsprechend finden wir unter den Grabschriften aus 
S. Stefano auch zwei, die sich auf die deutschen Schuhmacher be- 
ziehen •*): die eine aus dem Jahre 1436 besagt, dass am 13. Juli 



^) s. unten Nr. 47. — ^) s. unten Nr. 66. — ') Es ist wohl nicht nöthig, 
die Bestimmungen des Vertrages hier im Einzelnen wiederzugeben, da er unten 
im Wortlaut folgt; s. Nr. 42. — ■*) s. Nr. 66. — ') Sowohl diese, wie die vor- 
herigen Namen zeigen, dass Lebret's Angabe (Gesch. v. Italien Thl. IX S. 548), 
das Schusterhandwerk sei beinahe ganz den Graubünduern überlassen worden, 
nicht zutrifft. - «) cf. oben S. 236 Nr. 84 u. 85. 



276 Anhang. 



n 



dieses Jahres eine Grabstätte für die deutschen Schiihmachergesellen 
errichtet worden, die andere scheint sich auf die deutschen Schuh- 
macher(-Meister ?) zu beziehen und würde mit den Angaben in der 
Urkunde vom Jahre 1483 übereinstimmen, wenn man die Zahl 1474 
als verschrieben für 1483 ansehen dürfte ^). 

Ausserdem aber besass die Genossenschaft ein Spital bei 
S. Samuele , von dem Tassini ^) behauptet, dass es im 14. Jahr- 
hundert gestiftet, 1482 erweitert und 1659 restaurirt worden sei. 
Das letztere ist sicher richtig; denn ich selbst habe an einem 
Hause Nr. 3127 und 3128 der heute sogenannten ,Calle Crosera'' 
(zwischen S. Stefano und S. Samuele), das durch einen Schuh als 
Abzeichen und ein Kapital mit Maria Verkündigung sich als das 
Spital der Schuhmacher kennzeichnet, folgende noch gut erhaltene 
Inschrift gefunden: 

D. 0. M. 

FU RESTAURATO IL PRESENTE HOSPITALE 

DE CALEGHERI TODESCHI SOTTO 

IL GOVERNO DI MISTRO ZVANE MESTICH 

GASTALDO ET SOPRAINTENDENTE DELLA 

FABRICHA CON LASSISTENZA DI MISTRO 

CHRISTOFFOLLO MENSORI SOPRASTANTE 

ALLA MEDESIMA 

CON CONSENTIMENTO DEL CAPITOLO GENERAL 

ADI PRIMO OTTOBRE MDCL Villi. 

Dass der Besitz des Spitales in den 60er Jahren des 16. Jahr- 
hunderts für die deutschen Schuhmacher durch die italienischen 
gefährdet war, habe ich bereits erwähnt ^). Wir erfahren dies aus 
einer interessanten Urkunde vom 2. April 1568*), in welcher die 
Schuhmacher Strassburgs, vertreten durch den Bürgermeister 
Johannes Hammerer und die Rathsherren Johannes Braun und 
Christoph Kolleffel aus der Zunft der Schuhmacher, sich energisch 
für dieses Spital ihrer deutschen Genossen in Venedig verwenden 
und die damaligen Cottimieri der deutschen Kaufmannschaft im 
Fondaco, Johann Amhauser und Anton Schorer, zu ihren Bevoll- 
mächtigten ernennen, Alles zu thun, um den deutschen Genossen in 
Venedig jenes Spital zu erhalten. Dass diese Bemühungen von 
Erfolg begleitet waren, zeigt eben die Restaurationsinschrift von 
1659. Ein paar weitere Notizen aus den Jahren 1593 und 1685^), 
dieses Spital betreffend, beziehen sich auf, wie es scheint, un- 



^) Ven. St.-A. Catastico del Convento di S. Stefano, Process Nr. 431 finden sicH 
femer die beiden folgenden Notizen : ,1590 Ricevute del Sagrestano di S. Stefano 
a calegheri Todeschi di soldi contati a conto di un livello di ducati 54 annui 
che pagano alla sagrestia; 1599 Dimanda de padri per el detto libello alli 
calegheri. Difesa de medesimi non esser tenuti'. Leider wird nicht angegeben, 
wofür dieser Pachtzins zu entrichten war. — ^) Edificii di Venezia . . . p. 44. — • 
3) cf. oben S. 272. — ") s. unten Nr. 82. — *) s. Nr. 83 und 85. 




Anhang. 277 

erlaubte Benützung desselben durch deutsche Kaufleute. — Endlich 
wiederum noch einige Namen von deutschen Schuhmachern zu den 
bereits genannten: 

1359, Januar 11, Martinus calegarius zu S. Apostoli^); 

1403, Okt. 23, Meister FrizeP); 

1408, März 15, Petrus sutor zu S. Sofia 3); 

1440, Aug. 3, Anzelinus calegarius'^); 

1459, April 28, Marinus aus Laibach bei S. ApoUinare ^) ; 

1484, Okt. 4, Johannes Her, quondam Pasqualis de Vana'^); 

1657, Jan. 4, Lorenz Onzelt, der am 31. August 1658 in Venedig 
starb und von seinem Nefi'en Peter Onzelt in S. Bartolomeo 
bestattet ward '') ; 

1686, März 7, Paul Chercil, von der Bruderschaft (schola) der 
deutschen Schuhmacher in S. Bartolomeo beigesetzt^); des- 
gleichen 

1709, Sept. 16, Thomas Laider^). ~ 

Zahlreich scheinen aus Deutschland auch Wollarbeiter nach 
Venedig gekommen zu sein. Denn von dem (1566 gegründeten?) 
Spital derselben auf dem sogenannten ,Campo Businello' oder ,della 
Lana' (wo heutigen Tages die Kirche Gesü e Maria) spricht Tassini ^°). 
Er berichtet, dass in jenem Jahre (1566) ein gewisser ,Voltier de 
Voltier, gastaldo di Thodeschi dell' Alemagna Alta, et della scuola 
de m^- S*^- Maria di Carmeni' (d. h. wohl ein gewisser Walther) zu 
Protokoll gegeben habe, die Genossenschaft (die sich also in der Kirche 
Maria dei Carmini versammelt zu haben scheint) besitze bei S. Croce 
an einem Platz, genannt ,el businello', einige kleine Häuser und ein 
Lokal mit drei Kammern, welche „wir Deutschen mit unseren Fa- 
milien bewohnen". Auch die ,Cronaca Veneta sacra e profana' ge- 
denkt nach Tassini dieses Spitales der deutschen Weber, welches 
dieselben an dem bezeichneten Platze von den ,Procuratori sopra gli 
Ospitali' gemiethet hatten. Am Eingang des ,Sottoportico Secondo 
della Lana' ist nach Tassini noch heute das Abzeichen der deutschen 
Weber und unterhalb desselben eine Sigle A T sichtbar, die er 
wohl richtig mit ,Arte Tessitori' auflöst ^^). 



^) Ven. St.-A. Signori di Notte al Criminal. Processi vol. 3 f. 59. — 
2) cf. unten Nr. 48. — ') s. Nr. 50. - ") Ven. St.-A. Cons. dei 10 Misti vol. 12 
fol. 6G. — ") Ven. St.-A. Giudici di Petizion Estraordinario Nodari Nr. 25. — 
*) wohl auch ein Deutscher ; erwähnt im Testament des deutschen Buchdruckers 
Johann Herborth aus Seligenstadt (cf. Archivio Veneto tom. 29 p. 412). — 
') s. oben S. 254. - ») s. oben S. 256. - ») s. oben S. 257. — ^°) Curiosita 
Veneziane (3^ ediz. 1882) p. 324. — '') In einer Handschrift des Museo Civico 
Correr (Cod. Cicogna 3249 fasc. 19) betitelt , Ospitali e case date da abitare 
per carita' circa 1560 (diese Zahl von Cicogna beigesetzt) findet sich fol. 29' 
bei S. Croce folgende Bemerkung: ,Hospedal di Todeschi di Alemagna alta, 
govemato da uno Anderlin (= Enderlin) et uno Zorzi, tesser da panni, et 
maestro Anzolo de Francesco, tesser da panni, habitano in dicto luogho — Corte 
di San Marco con alcune case lequal sono date per amor de Dio per la ditta 
«cuola de S, Marco a poveri d'essa'. 



278 Anhang. 

Folgt hieraus, dass die deutschen Wollarheiter meist im Be- 
zirk S. Croce wohnten, so wird man nicht fehlgehen, wenn man 
jene Deutschen, welche, fast 100 an der Zahl, im Januar 1407 eben- 
dort einen grossen Auflauf machten, auch für Wollarbeiter hält^). 

In einem Aktenstück des Rathes der Zehn vom 8. Januar 1410^), 
das vielleicht von dem nämlichen Tumult und Aufruhr der Wollen- 
weber gegen ihre Meister handelt, werden folgende Deutsche er- 
wähnt: Symon Scrunitor, Anechinus Claichen Daxia (von Hessen?), 
Petrus de Salistot (Seligenstadt?) de Alamanea alta, Conradus Fisser 
(Fischer?), Artraannus de Franchfort de Alamanea alta, Gerardus 
de Cologna nepos magistri Juliani, Cul (?) Daxia, Erardus sive 
G-erardus de Vilacho sive Frixach (Friesach?). 

In einem anderen Aktenstück des Rathes der Zehn vom 7. Juni 
1447^) wird deutscher Barchentarbeiter (fustanearii) gedacht, die 
auch eine Genossenschaft gebildet und demnach in grösserer An- 
zahl längere Zeit in Venedig scheinen vertreten gewesen zu sein. 
Ob deren Genossenschaft identisch ist mit jener der Wollarbeiter,, 
vermag ich jedoch nicht anzugeben. 

Für einen deutschen Seidenweber hält Cicogna den am 11. Au- 
gust 1423 gestorbenen, in S. Maria de' Servi bestatteten Augustin 
Walter aus Augsburg, der freilich in der Grabschrift nur einfach 
als ,textor' Weber bezeichnet ist'^). — 

Daneben kommen nun aber noch eine Menge anderer deutscher 
Gewerbetreibender in Venedig vor, die vielleicht allerdings nur 
vereinzelt vorübergehend sich dort aufhielten, vielleicht aber auch 
in grösserer Zahl daselbst vertreten und ähnlich corporativ ver- 
bunden waren. So werden z. B. erwähnt: 

1335 und 1336 zwei deutsche Seifensieder Konrad und Berthold ^); 
1369, Juni 19, ein deutscher Schmied Gerardus bei S. Moise''); 
1403, Okt. 23, zwei deutsche Töpfer Christoph und sein Bruder 

Konrad ^) ; 
1415, Juni 28 und 29, ein deutscher Schachtelmacher (Drechsler? 

bussolarius) Georg aus Laibach ^); 
1459, April 30, ein deutscher Goldschmied (aurifex) Meister Rigus 

aus Köln bei S. Cassan ^); 
1501, März 8, deutsche Paternostermacher Georg, Sohn Martins, 
mit Sohn Johann und JustuS; Sohn eines gleichnamigen Vaters, 
die auf 20 Jahre ein Privileg für die alleinige Verfertigung 
von Paternoster erbaten und erhielten ^°). — 




^) s. unten Nr. 49. — ^) s. Nr. 51. — ^) s. unten Nr. 62; die italienischen 
Barchentarbeiter trennten sich damals von den deutschen, weil sie sich nicht 
vertragen konnten, und erlangten die Erlaubniss, eine Zunft oder Genossenschaft 
(congregacio) für sich zu bilden. — •*) s. oben S. 242 Nr. 113. — ^) s. unten Nr. 7 
und 9. — ') Ven. St.-A. Sign. d. notte al Crim. Proc. vol. 4 fol. 96'. — ^) s. unten 
Nr. 48. — ^) s. Nr. 53. — ») Ven. St.-A. Giud. d. Petiz. Estraord. Nodari Nr. 25. 
— ^°) s. unten Nr. 73. 



Anhang. 279 

Andere Deutsche kamen nach Venedig, um theils im Dienste 
der Republik, theils in Privatstellungen ihren Unterhalt zu 
finden. So wird von dem Dogen Francesco Foscari und seinem Sohne 
Jacopo berichtet ^), dass sie sich , mit Vorliebe deutsche Diener ge- 
halten zu haben scheinen , wie denn ausser den im Prozesse gegen 
Jacopo Foscari genannten Kaspar und Peter auch noch ein dritter 
deutscher Diener, Namens Johannes, in den Kriminalakten zum 
13. Nov. 1450 vorkomme" ^). Andere Diener von Privatleuten werden 
z. B. 1360, Juni 9 (Leonhard); 1369, März 2 (Nikolaus aus Wien, 
Konrad und Konrad aus Köln); 1392, Juli 20 (Johannes); 1432, 
Aug. 30 (Heinrich aus Wien) genannt^). 

Dahin gehören ferner Andere, welche als Boten oder als Ballen- 
führer von Venedig nach Flandern, Deutschland u, s. w. erscheinen: 
so 1341, Juli 14 ein Petrachinus aus Böhmen (Ballenführer)*); 
1344, Dez. 30 ein Konrad (Bote)^); 1346 ein Marcus aus Wien 
(Bote)^); 1358 ein Petrus aus Wien, Christoph, Jakob Piloto aus 
Venzone (Ballenführer) ''). 

Im öffentlichen Dienste der Republik treffen wir Deutsche ver- 
einzelt bei einzelnen Behörden ^), wozu auch z. B. deutsche Sensale 
oder andere Bedienstete im Fondaco zu rechnen sind ^) , besonders 
zahlreich aber als Söldner oder als Söldnerführer. Namentlich in 
älterer Zeit, im 14. Jahrhundert, werden deren viele in den Proto- 
kollen des Senats aufgeführt, insbesondere wenn sie aus irgend einem 
Grunde Urlaub zur Rückkehr in die Heimath verlangten. So z. B. ^^): 
1338, Juni 29, ein Corradus^^); 

1346, Dez. 31, Johannes Bistoch de Hengellem (Ingelheim?), Reiter- 
führer in Treviso^^), und sein Verwandter Henricus de Garlem- 
both als Stellvertreter ^^) ; 

1347, Mai 24, Petrus de Hes, Reitersmann in Treviso ,de banderia' 
(Schwadron?) Bistochi ^*) ; 

1348, Aug. 18, Guarnerius de Gostrop, Reiterführer in Treviso; 
sein Stellvertreter Helf de Vremestisp ^ ^) ; 

1350, März 23, Conradus de Säulen, Reiterführer in Treviso ^*^); 



*) cf. R. Senger, Historisch-kritische Studien (1874) S. 92 und oben Bd. I 
Nr. 411 Anm. 1. — ^) In den ,Parti' der ,Quarantia Criminale' (Ven. St.-A.) vol. 4 
f. 11 habe ich bereits zum 12. Okt. 1450 folgenden Eintrag gefunden: ,Ut haberi 
possit veritas istius fractionis carceris mulierum, Johannes Theotonicus domicelus 
Serenissimi domini ducis, Nicolaus Furlanus . . . retineatur'. — *) s. unten Nr. 26, 
32, 43, 58. — ") s. Bd. I Nr. 101. — *) s. unten Nr. 17. — ") s. Nr. 19. — 
'') s. Bd. I Nr. 176—177. — «) so 1343, Juni 2 einen Georgius Theutonicus 
custos capitum sexteriorum (Ven. St.-A. Grazie vol. 9 f. 93'). — ®) cf. Bd. I 
Nr. 45, 64, 65, 185, 186, 190, 546; Predelli, Regesti dei Commemoriali lib. III 
Nr. 404, VI, 28. — ^") Den grössten Theil der folgenden Namen hat Cecchetti 
im Archivio Veneto tom. 29 p. 31 n. 4 mitgetheilt, andere habe ich selbst ge- 
funden; ich glaube sie hier alle aufführen zu sollen, da man der Namens- 
forschung gerade in neuerer Zeit erhöhte Aufmerksamkeit zuwendet. — ' ') Ven. 
St.-A. Grazie vol. 7 f. 81'. — ^^) »contestabile equestre'. — '^) Ven. St.-A. Senate 
Misti t. 23 f. 67. — '") ebda. t. 24 f. 15. - ") ebda. t. 24 f. 94; Cecchetti liest 
Holf de Vremestrop. — ") Ven. St.-A. Senate Misti t. 26 f. 9. 



280 Anhang. 






1350, Sept. 4, Albertus Suzii, Reitersmann in Treviso^); Okt. 4 
Rom de Auspurch desgleichen^); Okt. 21 Henricus de Hetueg 
desgleichen ^) ; 

1351, Jan. 14, Pangracius, Reiterführer in Treviso^); Sept. 29 
Johannes de Chruch, Reitersmann in Treviso ^'') ; Dez. 17. Gual- 
terius Operger, früher Soldat in Capodistria ") ; 

1352, Jan. 21, Ensedisio de Smisfort (?) ^) ; Mai 3 Anes de Gon- 
dolio ^) ; 

1353, Febr. 9, Johannes de Sprichich, Neffe oder Enkel (nipote)^^ t. 
des Henricus de Gorstorph (Gostrop ? cf. oben) ^) ; ^^H^l 

1361, Jan. 28 und Okt. 12, Vilichinus de Raderoden i«); ^"^ 

1370, Mai 1, Hermanus de Zürich, ,stipendiarius in bastita (Bollwerk) 
inferiori contra Tergestum (Triest)' ' ^); Mai 19 Fuschinus, Reiter- 
führer in Treviso^^); Sept. 10 Henricus de Monacho, ,sub ban- 
deria Jacobi a Schanellis' in Treviso^^); 
1373, Okt. 30, Rabotus, Reiterführer in Treviso^^); 
1377, Okt. 6, Vigilasius de Salzburg, ,caporalis equestris' in Tre- 

viso ^^); 
1389, Sept. 19, Roboth de Engestorp, Reiterführer in Treviso^*^). 
Andere mögen auf der venetianischen Flotte gedient haben ^''); 
mit Vorliebe scheint man, wie anderwärts ^^), deutsche Geschütz- 
meister und Bombardiere in Venedig in Dienste genommen 
zu haben, so 1453^^); 

1484, Febr. 25, wird ein Meister Petrus aus Rotenburg (,de Rutim- 
burgo in re bombardaria et fortificatione fortiliciorum praestan- 
tissimus') nach Crema geschickt ^^); 
1496, Mai 4, wird ein Maistro Federico da Cologna (Cöln?), Bom- 
bardier, mit 7 Dukaten Besoldung monatlich angeworbene^); 
1504 ein Meister Marcus Seiler mit 10 Dukaten monatlich e^); 



1) Ven. St.-A. Senato Misti t. 26 f. 44'. — ^) ebda. f. 47' (?). — =*) ebda. 
f. 46'. — ') ebda. f. 49'. - ^) ebda. f. 67'. — ") ebda. f. 76. - ') ebda, 
f. 79'. - ^) ebda. f. 95. — ») ebda. f. 106'. - i") ebda. t. 29 f. 43 u. 30 
f. 28; bei einigen in den dazwischen liegenden Jahren erwähnten Deutschen 
hat Cecchetti den Charakter nicht angegeben, weshalb ich sie nur hier auf- 
führe. Es sind: 1352, Febr. 18, Simonino Paycher (Misti t. 26 f. 107'); 1354, 
Mai 6 und 1355, Mai 18, Simonio Dupacher oder De Upachier, aus Burgund, 
vielleicht identisch mit dem vorhergehenden (Misti t. 27 f. 1 u. 9'); 1359, Sept. 29, 
Corrao de Aspich (Misti t. 29 f. 27); 1361, Juni 28, Rinaldo de Motrenberg 
(Misti t. 30 f. 6') ; 1364, Sept. 12 u. 1366, Sept. 13, Corrado de Husbach (Misti 
t 31 f. 77 ü. 32 f. 14); 1365, Juli 1, Pietro de Valecli (Misti t. 31 f. 102'); 1370, 
März 2 u. 1371, Okt. 19, Arnoldo de Stromburg und Peroto de Valat (identisch 
mit dem vorigen?) (Misti t. 33 f. 95' u. 138'); 1370, Okt. 20, Federico de Auers- 
burg (Misti t. 33 f. 84'); 1371, März 11, Themale di Metheiich u. Leopoldo de 
Staym (Misti t. 33 f. 96'). - '') Ven. St.-A. Senato Misti t. 33 f. 53. — '^) ebda, 
f. 56', _ 13) ebda. f. 74. — ") ebda. t. 34 f. 69'. — '^) ebda. t. 36 f. 42. - 
'«) ebda. t. 41 f. 35'; s. unten Nr. 44. — ^') 1360, Nov. 30 wird z. B. ein Mat- 
thaeus aus Laibach ,marinarius, qui utitur in galeis' erwähnt; s. unten Nr. 25. 
^^) cf. Decker, Gesch. des Geschützwesens in Europa (1822) S. 45. — ^^) Ven. 
St.-A. Senato Terra vol. 3 f. 65'. - 2°) ebda. vol. 9 f. 59. — 'i) ebda. vol. 12 
f. 139'. — 22) ebda. vol. 15 f. 29'. 



Anhang. 281 

1507, Juni 4, ein Meister Johann aus Augsburg^); 
ferner jener Meister Hieronymus, der „seit langer Zeit in venetiani- 
schen Diensten" 1544 in Cattaro an die Spitze einer Geschützschule 
gestellt wurde, den Crove und Cavalcaselle mit dem gleichnamigen 
Erbauer des Fondaco irrthümlicherweise identifizirt haben ^). 
Wieder Andere fanden bei den Befestigungsarbeiten (?) am 
Lido oder in Malamocco Beschäftigung (1356 und 1375)^). Früh 
schon und früher vielleicht als anderwärts bediente sich die Republik 
auch deutscher Bergleute zu militärischen Zwecken'^). Ein inter- 
essanter Beleg hiefür ist der Vertrag vom 16. Januar 1364, den ein Ab- 
gesandter des Dogen Lorenzo Celsi mit vier Grubenarbeitern (Meistern) 
in Kuttenberg in Böhmen abschloss, welche mit einem Schmied oder 
Zimmermann und zwanzig Gesellen gegen eine monatliche Löhnung 
von 400 Goldgulden und freie Kost für die Dauer der Arbeiten sich 
bereit erklärten, im Dienste der Republik auf der damals rebelli- 
schen Insel Kandia Minirarbeiten u. s. w. vorzunehmen •''). — Andere 
deutsche Bergleute kamen, um in den Bergwerken von Friaul, be- 
sonders in den neuentdeckten Quecksilbererzlagen von Tolmein und 
Idria, auf eigene Rechnung ihr Glück zu suchen, und erhielten von 
der auch hier den Deutschen entgegenkommenden Regierung auf ihren 
Wunsch mancherlei Vergünstigungen (z. B. 1493 und 1494)'^), 

Eines ähnlichen Wohlwollens hatten sich wieder andere Deutsche 
zu erfreuen, die ihre speziellen Kenntnisse im Interesse der Republik 
verwerthen wollten, wie dies z. B. in der für Venedig wichtigen Er- 
richtung von M ü h 1 e n öfters geschehen zu sein scheint. Denn wenn 
G. M. Thomas hierüber einige Dokumente aus dem Jahre 1494 für 
einen Hans Felber aus Ulm veröffentlicht hat, der sich erbot Wind- 
mühlen zu errichten ''), so findet sich Aehnliches auch schon viel früher, 
indem bereits im Jahre 1323 einem deutschen Ingenieur (ingenerius) 
gleichfalls mit Namen Johannes, vom Grossen Rath die Erlaubniss 
ertheilt wird, gegen Entgelt einen ähnlichen Versuch mit Ausführung 
seiner Erfindung, einer besonderen Art von Mühlen, anzustellen^). 

Gar manche von diesen nach Venedig gekommenen Deutschen 
beschlossen dann nach längerem Aufenthalt und längerer, oft 20- bis 
30jähriger Dienstzeit, für immer in der Lagunenstadt zu bleiben, 
und erlangten da auch das Bürgerrecht, wurden entweder 
Bürger ,de intus' oder ,de intus et extra', worüber Le Bret fol- 
gende Erläuterung gibt^). „Jener wurde nur zu einigen geringen 



I 



') s. unten Nr. 74. — ^) s. unten Nr. 76, 79, 80 und oben S. 113-115. — 
^) s. unten Nr. 22 u. 41. — *) s. Fischer, Gesch. des teutschen Handels (1797) 
Thl. II S. 523 über die Berufung deutscher Bergleute nach England (1452), 
Schottland und Frankreich. — ") s. unten Nr. 29 und Romanin, Storia documentata 
di Venezia t. III (1855) p. 220. — «) s. unten Nr. 70-72; cf, Yen. St.-A. Senato 
Misti vol. 57 f. 148, 164, 203, 242 und Senato Terra vol. 6 f. 91'. - ') Zur 
Quellenkunde des venetianischen Handels und Verkehres in den Abhandlgn. der 
bayer. Akad. d. Wiss. I. Kl. Bd. XV Abth. I S. 217. -- ») s. unten Dok. Nr. 4 
u. 5. — ®) In seiner „Staatsgeschichte der Republik Venedig" Thl. I S. 610 ff. 




282 Anhang. 

inneren Diensten der Stadt fähig, durfte einige Künste und Hand 
werke ausüben und wurde mit einem geringen Maasse von Abgaben 
belegt. Ein Fremder hingegen, der Bürger ,de intus et extra' wurde, 
erhielt nicht nur die inneren bürgerlichen Rechte, sondern wie die 
Eingeborenen die Freiheit der venetianischen Schifffahrt und das 
Recht, an allen Orten, wo die venetianische Handlung durch Ver- 
träge gewisse Rechte und Vortheile erlangt . . . der Handlung zu 
obliegen. Das allgemeine privilegirte Bürgerrecht (also ,de intus 
et extra') genossen (nach der Schliessung des Grossen Rathes) alle 
Fremde, welche in Venedig wohnten und 25 Jahre dem Fürsten 
(Dogen) den Tribut bezahlt hatten." 1313 verordnete der Senat ^), 
dass die in Venedig geborenen Kinder von fremden Nichtbürgern 
Bürger ,de intus' sein sollten, wenn sie 12 Jahre beständig in Venedig 
gewohnt hätten; blieben sie weitere 6 Jahre, sollten sie zugleich 
Bürger ,de extra' sein. Nach der Pest von 1348 gestattete man das 
Bürgerrecht allen Fremden, welche mit ihren Familien nach Venedig 
kämen, sich allda zwei Jahre aufhielten und die bürgerlichen Bürden 
mit trügen. Im Jahre 1382 wurde die Zeit des Aufenthaltes in 
Venedig auf 8 Jahre festgesetzt, um Bürger ,de intus' zu werden, 
15 aber wurden zum Bürgerrechte ,de extra' erfordert. So wurden 
systematisch Fremde herangelockt und herangezogen: „mit Anfang 
des 15. Jahrhunderts hatten die Fremden bereits das Fette des 
Landes in Händen" ^), und da sie, wie es heisst, im Unglück den 
Staat eilends wieder verliessen, machte man die Erlangung des 
Bürgerrechtes schwerer und unterstellte sie einer Prüfung durch 
die obersten venetianischen Behörden. 1407 aber ertheilte man das 
innere Bürgerrecht wieder ohne Bedenken solchen Fremden, welche 
in Venedig eine geborene Venetianerin heiratheten und sich daselbst 
mit ihrer Familie niederliessen. Am Anfang des 16. Jahrhunderts, 
als „die Handlung merklich abzunehmen schien, setzte man, um den 
Fremden zu schmeicheln, für das innere Bürgerrecht 8, für das 
äussere 16 Jahre des Aufenthaltes in Venedig fest". 

Früh schon werden derartige Bürgerverleihungen an Deutsche, 
insbesondere in den ,Libri Commemoriali' erwähnt, die ich hier ver- 
zeichnen will, ohne Angabe, ob sie das Bürgerrecht de intus oder 
auch de extra erhielten: 

1321, Januar 15, ein Guarnerius (Werner); 

1324, Juli 24, Philipp von Passau; 

1330, Mai 24, Franziscus dei Letelli aus Trient; 

1332, April 19 und 21, ein Friedrich (merciaio, Krämer); 

1335, Okt. 26, Nikolaus Reich, genannt Todeschinus, Sohn eines 
Albertus ; 

1340, Nov. 29, Heinrich Splecher, Sohn des Odoricus^); 

1361, Nov. 2, Konrad und sein Bruder Jakob Dal Pe*); 



^) cf. Lebret a. a. 0. — ^) Lebret ebda. S. 6n. — ^) Diese sämmtlich in 
lib. III der Commem. n. 30, 60, 193, 308, 432, 433, 518. — *) Commem. lib. TI n. 274: 



Anhang. 283 

1368, Mai 24, Bernhard, Sohn Michaels, ,panchogolo' (= fornaio 

Bäcker?)!); 
1368, Juni 2, Donatus Brazadellis ,quondam Amici' aus Trient; 

1370, Mai 19, Bartholomaeus , Sohn Bertholds, dal Piede (?) aus 
Bruneck ; 

1371, Mai 28, ein Bäcker Johannes; 

1374, Mai 29, Jordanus, Sohn des Odoricus, aus Bozen !); 

1382, Sept. 13, Nikolaus Stulpo, Sohn Friederichs ^); 

1384, Okt. 27, Johannes Dorus, Sohn Rudolphs aus Basel ^); 

1386, Sept. 14, Heinrich Spiera (aus Speyer?)*); 

1392, Juli 20, ein Johannes^); 

1439, Mai 10, Heinrich Bemp, Sohn des Nicolaus, aus Hebern (?) ^) etc. 

Unter den persönlichen Vorzügen der Venetianer hebt Felix 
Fabri besonders ihre ausserordentliche Massigkeit im Essen und 
Trinken rühmend hervor, indem er hinzusetzt, dass die Schenken 
eigentlich nur für die Deutschen, Waadtländer, Sklaven und Andere 
bestimmt seien ^). Es mag das zwar übertrieben erscheinen, aber 
wir wissen in der That, dass es den Venetianern im Allgemeinen 
durch Gesetz verboten war, in den Osterien oder Schenken Wein 
zu trinken^). Damit hängt es dann wohl auch zusammen, dass 
die Wirthschaften vielfach von Ausländern geführt wurden. Im 
Jahre 1454 wurde sogar offiziell festgestellt, dass die „Tabernen" 
und „Osterien" Venedigs zum grösseren Theil (ehemaligen?) deut- 
schen Dienstleuten und solchen aus Ferrara und Florenz überlassen 
seien ^). Wiederholt begegnen wir denn auch solchen deutschen 
Schenkwirthen , die daneben gerne als Dolmetscher vor Gericht 
u. s. w. verwendet wurden !®), Mehrfach wurde freilich der Wein- 
ausschank von Deutschen, besonders im Bezirk von S. Moise, 
ohne Erlaubniss der Regierung betrieben !!). Ebenso befanden sich 
die grösseren Gasthäuser oder Herbergen vielfach in deutschen 
Händen, wie dies eben der Besuch Venedigs durch Deutsche, be- 



') Dieser, wie die folgenden vier in Commem. lib. VII n. 429, 432, 571, 629, 
745. — 2) Yen. St.-A. Senate Misti vol. 37 f. 108'. - «) ebda. vol. 39 f. 17 ; die 
beiden letzteren finden sich nicht in den Commemoriali, wo von da an derartige 
Einträge, wie es scheint, wegblieben. — *) s. unten Dok. Nr. 43. — ^) s. unten 
Nr. 46. — ") 8. unten Nr. 59. — '') Evagatorium lib. III in der Bibl. des liter. Ver. 
Bd. IV S. 407 : In cibo et potu, ut prudentes decet, ultra quam credi potest, sunt 
temperati, ne per ingurgitationem et ebrietatem mercandi usus impediatur aut 
Status politiae turbetur. Tabernas non habent, nisi quas pro Teutonicis et Sclavis 
et Vadienis et scortis sustinent ... — ®) s. Cecchetti im Arch. Veneto t. 30 
p. 297. — ^) Ven. St.-A. Notatori di Collegio vol. 17 f. 14' : Cum, sicut exposuit 
circumspectus secretarius noster Ludovicus Beaziano, taberne et hostarie Venet, 
pro majori parte concesse fuerint fachinis Theotonicis, Ferariensibus et Floren- 
tinis. — '") So werden erwähnt 1343, März ein Nicolaus ad minus (de minuto) 
s. unten Nr. 15; 1359, Mai 31, 1360, Jan. 16, 1362, Mai 19 ein Johannes de 
minus, s. unten Nr. 24, 27, 28 (cf. Cecchetti a. a. 0. p. 307 Anm. 6) ; 1414 ein 
Armanus de Alemanea, olim hospes ad cabaletum (das heutige ,Cavaletto') Ven. 
St.-A. Grazie vol. 20 f. 95'. — ^*) s. unten Nr. 6. 



284 Anhang. 



m 



sonders durch die Palästinafahrer, wünschenswerth machte. Gerade 
den Berichten der letzteren verdanken wir die Kenntniss einer An- 
zahl solcher deutscher Gasthäuser und ihrer Besitzer. „Ritter und 
Kaufleute", heisst es bei Röhricht und Meissner darüber^), „logirten 
im Spiegel, im Weissen Löwen, im Schwarzen Adler, gewöhnlich aber 
im Deutschen Hause, das sonst St. Georg, zur Flöten oder Pollten, 
auch zur Trinität genannt wird. Hier in diesem Hause, als dessen 
Wirthe Peter Ugelheimer aus Frankfurt (der 1488 gestorben ist, 
wie wir hinzufügen können^), Meister Johannes, später Nicolaus 
Frigg und Pancratius Hochgesang (gestorben 25. Mai 1588, 50 Jahre 
alt ^), genannt werden, waren (wenigstens zur Zeit Felix Fabri's, wie 
hinzuzusetzen ist) Wirth, Wirthin, Knechte und Mägde deutschen 
Ursprungs ; kein fremdes Wort wurde in dieser Herberge , die bei 
S. Bartolomeo lag*), gesprochen, und, wie (von Fabri) erzählt wird, 
selbst der vierbeinige Wächter des Hauses, ein stämmiger Hund, 
schnüffelte nichtdeutsche Reisende , Bettler und Hunde sehr bald 
heraus und hielt sie alle von der Schwelle zurück." Bemerken wir 
hiezu noch ergänzend, dass als Wirth des „Weissen Löwen" (der 
gleichfalls „auff S. Bartholomeus Platz gelegen war" ^) 1610 (März) 
ein Johann Aider (Haider?) genannt wird^), und als Wirthe des 
„Schwarzen Adlers" in späterer Zeit folgende Deutsche erscheinen: 
1587, März, Leonhard Egger''); ferner seit 1605, Mai oder 1609, 
Okt.— 1638, Aug. 29, wo er, 65 Jahre alt, stirbt: Christoph Gaflf^); 
dann 1664, Okt. — 1672, April, Bernhard Gering^); endlich 1693, 
Febr., Martin Parisent ^'^). 

Besonders beliebt und besucht von Deutschen scheint am Aus- 
gang des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts das Gasthaus des 
Peter Pender gewesen zu sein, das zugleich mit dem „Weissen 
Löwen" und „St. Georg" auch 1528 und 1531 noch ausdrücklich 
von der Regierung als Absteigequartier für die nicht im Fondaco 
wohnenden Deutschen bezeichnet oder bestimmt wird^^). Hier bei 
Peter Pender, der bereits 1487, Dez. 16 als Zeuge in Venedig er- 
scheint^^), und dessen Gasthaus ebenfalls bei S. Bartolomeo lag ^^), 
logirte 1497 Herzog Bogislaus von Pommern^*); hier stieg 1499 
der Gesandte Kaiser Maximilians ^^), 1500 und 1503 der ungarische 
Gesandte ab^^); hier wohnte 1506 Albrecht Dürer ^''); und wieder- 
holt wird der Mann in den Tagebüchern des Marino Sanuto ge- 



^) Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande (1880) S. 11; cf. oben 
S. 13 u. 155. — ') cf. oben S. 69. — ^) cf. oben S. 249. — *) cf. Marino Sanuto, 
Diarii (Ausg. der Deputazione Veneta) tom. III p. 1433. — ^) Feyerabend, Reissbuch 
1584 f. 32'; cf. Sanuto, Diarii III p. 1539. - «) s. oben S. 251. — ^) s. oben 
S. 249 und Röhricht, Pilgerreisen S. 11 Anm. 7. — «) s. oben S. 251-253. - 
9) s. oben S. 255. - '") s. oben S. 256. - '') s. oben S. 155 und Bd. I Nr. 698 
und 700. — '2) s. Bd. I Nr. 577. - '^) s. Sanuto, Diarii III, 630: 1500 adi 
14 Avosto. Vene Piero Pender, tien caxa in questa terra a San Bartolomeo, 
per alozar Todeschi. — ^■') s. Röhricht S. 11 Anm. 6. — ^^) Sanuto II, 1216. — 
^') ebda. III, 587; IV, 766. — ^') s. Lochner, Die Personennamen in Albrecht 
Dürer's Briefen aus Venedig (1870) S. 49. Damit widerlegt sich Thausiag's 



Anhang. 285 

nannt, bald als Wirth, bald als Vertreter der Deutschen und als 
ihre und der Regierung Vertrauensperson, der mehr als einmal den 
gegenseitigen Verkehr vermittelt ^). 

Nicht minder treö'en wir ausserhalb Venedigs in den um- 
liegenden Städten deutsche Wirthe, die wohl mit Rücksicht auf die 
zahlreichen nach Venedig ziehenden deutschen Landsleute an solchen 
Durchgangsstationen sich niedergelassen hatten: z. B. in Treviso, wo 
schon in den 40er Jahren des 14. Jahrhunderts ein Johannes und 
in den 60er Jahren ein Sebastian Rem aus Augsburg zu finden ^) ; in 
Mestre, wo vor 1437 ein Johannes de Cologna^); in Padua, wo 1442 
Stephan (aus Köln?) als ,hospes ad varotas' (zum Eichhörnchen?)^) 
genannt wird. 

Endlich ist noch eines Gewerbes zu gedenken, welches Deutsche 
in der Lagunenstadt betrieben — und zwar ohne Rücksicht auf 
deutsche oder italienische Kunden! — das der — Langfinger! Die 
Akten der venetianischen Polizeibehörde ,Signori di Notte al Criminal' 
enthalten eine ganz erkleckliche Anzahl von Verurtheilungen und 
Bestrafungen deutscher Diebe, die aus allen Gegenden Deutschlands 
nach Venedig kamen, um auf diese Weise in der Weltstadt ihren 
Unterhalt zu finden, ja, was interessant genug ist, zu förmlichen 
Gesellschaften sich vereinigten, um das Geschäft mit besserem Erfolge 
zu betreiben und den Gewinn hinterher zu theilen^). 

Wenn ich im Anschluss hieran der Juden gedenke, so geschieht 
es theils wegen der verachteten, fast ehrlosen Stellung, die sie be- 
sonders im ausgehenden Mittelalter in Deutschland einnahmen*^), und 
die sie wohl vielfach mit zur Auswanderung nach dem gastlicheren 
Italien und Venedig einlud — theils weil sie auch hier mehr durch 
gewerbsmässiges Ausleihen von Geld, als durch wirklichen Handel 
ihre Existenzmittel zu beschaffen pflegten. Es wird behauptet, dass 
gerade deutsche Juden zuerst in grösserer Zahl und zwar bereits 
seit der Mitte des 12. oder sicher doch im 13. Jahrhundert nach 
Venedig zum ständigen Aufenthalt gekommen seien '''). Freilich war 



ganz irrige Vermuthung in den Quellenschriften für Kunstgeschichte Bd. III 
S. 195 Anm. 31. — ^) Diarii II. 440, 688, 735; VII, 622. - ^) s. unten 
Nr. 34 u. flF. - «) Yen. St.-A. Grazie vol. 23—24 f. 206 (cf. Kiechel, Reisen 
a. a. 0. Bd. 86 S. 152). — *) varoter — vaiaio, Kürschner, von vajo, varo; s. unten 
Nr. 60 (cf. Fabri Evag. a. a. 0. Bd. IV S. 390). — ^) Ich theile unten aus den 
wenigen Bänden, die ich hiefür durchgehen konnte (s. Vorwort zu Bd. I S. XII) 
eine Anzahl Verhöre und Verurtheilungen solcher ergriffener deutscher Diebe 
mit, die auch wegen der Notizen über die angewandten Torturen und die 
Strafmaasse von Interesse sind. — ") cf. Stobbe, Die Juden in Deutschland 
während des Mittelalters (1866) S. 174, 193. - ') cf. GalliccioUi, Delle Memoria 
Venete antiche (1795) lib. I § 872—990 (tom. IT p. 278—326), der aus einem 
Manuscript von Pietro Vanzi eine Menge urkundlicher Notizen zur Geschichte 
der Juden in Venedig niitgetheilt hat; femer s. G. Wolf, Aktenstücke zur 
Gesch. der .luden bei Steinschneider, Hebräische Bibliographie, Bd. I S. 16 u. ff.; 
Lebret, Gesch. von Italien Th. IX S. 558 u. ff. ; Graetz, Gesch. der Juden 2. Aufl. 
Bd. IX (1877) S. 42 u. ff. ; und (Lattes in dem Werk :) Venezia e le sue lagune 



286 Anhang. 



^ 



auch hier dann ihr Geschick ein sehr wechselndes, das an dieser Stelle 
nicht bis in alle Einzelheiten verfolgt werden kann. Wenn sie im Jahre 
1366 aus dem nahen Mestre nach Venedig berufen wurden, um Leih- 
banken zu errichten im Interesse der Armen, so beweist dies, dass sie 
vorher sich vorzugsweise dort aufgehalten haben, oder schon einmal 
dorthin verwiesen worden waren. Dann wurde ihnen im Jahre 1373 (oder 
1375) der Aufenthalt in Venedig auf fünf Jahre förmlich gestattet und 
■diese Bewilligung öfters und auf länger gegen Erlegung einer jähr- 
lichen Summe von 4000 Dukaten wiederholt; 1386 ihnen sogar auch 
eine Begräbnissstelle am Lido eingeräumt, bis dann im Jahre 1394 
(Aug. 27) ihreVerbannung aus Venedig beschlossen wurde. D.h. es wurde 
ihnen wieder Mestre als Wohnsitz angewiesen und nur ein 14tägiger 
Aufenthalt in Venedig verstattet und zugleich während desselben das 
Tragen eines gelben ovalen Fleckes auf der Brust vorgeschrieben — 
Bestimmungen, die, weil wiederholt umgangen, wiederholt erneuert 
wurden, z. B. 1409 mit dem weiteren Verbot, Synagogen (Gottes- 
dienst) in den gemietheten Häusern zu halten ^). 1443 verbot man 
ihnen auch das Unterrichtgeben im „Spielen, in Künsten, in Wissen- 
schaften und Sprachen, im Tanze, in der Musik und im Singen". 
Hingegen wurde ihnen 1463 die Niederlassung in allen Städten der 
Republik und 1508 auch wieder das Wohnen in Venedig auf 5 Jahre 
erlaubt, 1516 endlich ihnen ein eigenes Quartier, der „Ghetto", zu- 
gewiesen. Nach neuerlichen Verbannungen und Zurückberufungen 
gaben sie sich 1534 eine festere Organisation, bildeten eine Gemein- 
schaft, Universitä, welche aus drei Abtheilungen bestand : deutschen 
Juden, morgenländischen oder Levantiner, abendländischen oder 
Ponentiner Juden. Schon hieraus erhellt, wie zahlreich stets die 
deutschen darunter müssen vertreten gewesen sein. 

Was speziell noch ihr Verhältniss zum Fondaco betrifft, so 
scheint aus einem Dokument vom 26. Juni 1329 ^) hervorzugehen, 
dass sie damals, wie andere deutsche Kaufleute, in demselben ver- 
kehren mussten. In späterer Zeit war das jedenfalls anders. Wir 
lesen ^), dass im Jahre 1665 die ,Avvogadori di Commun' den 
Juden den Zugang zum Fondaco gestatteten, die deutschen Kaufleute 
desselben, die ,Nazione Alemana' aber hiegegen, weil gegen das alte 
Herkommen, protestirte und es auch erwirkte, dass am 24. März 1668 



(1847) tom. I p. II Append. pag. 103 u. fi. Hieraus die oben folgenden Angaben. 
— ^) Dieser Beschluss steht auch im Capitolare dei Visdomini del Fontego dei 
Todeschi (Ausgabe von G. M. Thomas 1874) S. 137 cap. 244 mit der die spätere 
Zeit verrathenden Ueberschrift ,Ebrei non faciano sinagogi fuori del ghetto'. 
Dass man übrigens, wie so oft, auch hier in Venedig von einzelnen Bestim- 
mungen ausnahmsweise dispensirte, zeigt Dokument Nr. 68 unten vom 4. Mai 
1491, worin auf den Wunsch des Kaisers Maximilian einem jüdischen Diener 
desselben, Samuel, das Tragen des Abzeichens erlassen wurde. Im Uebrigen 
werden in unserem Urkundenanhang nur wenige deutsche Juden in Venedig er- 
wähnt: 1390, März 2, ein Robertus aus Nürnberg (Nr. 31), 1421 ein Rüben und 
Ysaak aus Deutschland (Nr. 54), 1467, Juni 8, ein Haym Rappe in Mestre 
<Nr. 64). - 2) s. Bd. I Nr. 82. — ') Milesio bei Thomas S. 52, 53. 



Anhang. 287 

der Senat allen Juden den Zugang zum Fondaco verbot und sie 
bei etwaigen Geschäften an die Vermittlung der Christen verwies. 
Eine Ausnahme wurde nur hinsichtlich der jüdischen Aerzte gemacht. 
Stets ja hatten sich die Juden in dieser Kunst besonders aus- 
gezeichnet; die jüdischen Aerzte waren auch in Venedig 1395 von 
der. Verbannung ausgenommen worden ^), und selbst zum Fondaco 
hatten die Consuln der Nazione Alemana ausnahmsweise z. B. im 
August 1648 dem jüdischen Doktor David Valenzin mit Rücksicht 
auf sein Wissen und seine Tüchtigkeit den ungehinderten Zugang 
und den freien Verkehr im Fondaco ausdrücklich gestattet ^). 

In der That wird der nämliche Doktor Valenzin oder Valenzi 
(Valenz) nebst einem anderen Chebeghe (Cabibi) unter den behan- 
delnden Aerzten einige Male (so zum Jahre 1647, Nov. 10; 1649, 
Juni 20; 1651, Sept. 1; 1657, Jan. 4; 1663, Mai 27) im Sterbe- 
register von S. Bartolomeo aufgeführt ^). Daneben dann auch meh- 
rere andere deutsche Aerzte: so ein Johann Stockmaier (1616, 
März 28)*), ein ,Artigio' (1634, Nov. 19; 1637, 1638, 1640, 1642— 
1645)5), ein Otto oder Otton (1653, Aug. 9; 1672, April 26; 1673, 
Jan. 16, wohl derselbe)^), ein ,Aldimarsi' (1665, Mai 17)'^), und 
wohl auch ein Blankenbach (1666, April 20, Aug. 2; 1668, 1669)') 
und ein ungenannter (1636, Okt. 27) ^). 

Diese eben erwähnte Klasse von deutschen Gewerbetreibenden 
in Venedig — wenn dieser Ausdruck erlaubt ist — mag uns den 
Uebergang bilden zu einer anderen Gruppe, welche ihrer kultur- 
geschichtlichen Bedeutung nach an erster Stelle hätte genannt werden 
sollen: den deutschen Buchdruckern, die „in der blühenden Welt- 
handelsstadt, vom Geiste des Humanismus und der Renaissance erfüllt, 
herrliche Werke schufen" ^). Venedig war nach dem Urtheil eines 
kompetenten Forschers auf diesem Gebiete ^°) als der unbestrittene 
„Mittelpunkt des Buchhandels in Italien von vorneherein die vor- 
nehmlichste Kolonie des deutschen Buchdruckers, als solche Lyon 
noch überragend". Und in der That: welch' eine stattliche Reihe 
deutscher Buchdrucker ist nur in den Jahren 1469 bis 1530 in den 
Annalen von Panzer verzeichnet! Zuerst 

1469 jener Johannes von Speyer, der die neue Erfindung über- 
haupt nach Venedig verpflanzte ^ ^) ; dann 

1470 sein Bruder Wendelin aus Speyer; 

1470 Christoph Waldarfer aus Regensburg; 

1471 Johann von Köln und Johannes Manthen de Gherretzem 
(Gerresheim bei Düsseldorf?) (1473); 



^) Gallicciolli a. a. 0. § 900 S. 289. - ^) Milesio bei Thomas S. 52, 53. — 
3) s. oben S. 253—255. - *) s. oben S. 252. — *) ebda. S. 253. — ^) ebda. 
S. 254-256. — ^) ebda. S. 255. - ») ebda. S. 253. — ") Hase, Die Koberger. 
2. Aufl. S. 293. — i**) Hase a. a. 0. - '') cf. Falkenstein, Geschichte der 
Buchdruckerkunst (1840) S. 212 u. fl".; R. Fulin, Documenti per servire alla storia 
della tipografia Veneziana im Archivio Veneto t. 23 p. 84 u. flP. Im Folgenden 
verzeichne ich nur aus Panzer das Jahr des ersten Druckes. 



288 '' Anhang. 

1471 Adam (de Ambergau?), Franz Renner aus Heilbronn und 
Nicolaus aus Frankfurt^), ,quondam domini Arigini'^); 

1472 Leonhard Aurl (Corrector?); 

1473 Albert von Stendal; 

1474 Adam von Rottweil; 

1476 Johann de Hallis oder Leoviller; 

1476 Bernhard Maler oder Pictor aus Augsburg, Peter Löslein 
(1483) aus Langenzenn und Erhard Ratdolt (1478) aus Augs- 
burg ; 

1477 Theodoricus de Reynsburch (Regensburg?) und Raynaldus 
de Novimagio^); 

1478 Leonhard Wild, ,quondam ser Girardi' aus Regensburg ^) ; 

1479 Georg Walch; 

1480 Johann Lucilius Santritter aus Heilbronn '^); j^^^J 

1481 Johann ,dictus Magnus' Herbort aus Seligenstadt^); ^H^l 

1482 Johannes de Rheno (?); ^^P™l 

1482 Hermann Lichtenstein aus Köln*^); 

1483 Johann aus Nördlingen; i 

1484 Konrad Stachel aus Blaubeuren in Verbindung mit Andreas j 
Corvus, ,burciensis de Corona' (aus Kronstadt in Siebenbürgen) \ 
und Martinas, ,burciensis de Czeidino' (Szegedin?) ''); 

1487 Johann Emmerich ,de Udenhem' oder aas Speyer (1494); 
vor 1487, Dez., Peter Ugelheimer aus Frankfurt^); 

1496 Johann Hammann aus Landau, genannt Hertzog^); 

1497 Caspar aus Köln (?) ^^) und Peter Lichtenstein aus Köln^^); 
1502 Johann Rymann ,de Oringaw' (?) und Johann Michiel, 

,budorensis' aus Portz bei Köln^^); 

1515 Wolf gang Maegerli aus Salzburg und Jakob aus Strass- 
bürg (?)"); 

1516 Johann Oswald aus Augsburg; 
1519 Johann Phiroben und Johann Divineur; 
1527 Cornelius Adelkind (?). 

Hiezu mögen noch folgende deutsche, mit Venedig in direkter" 
Verbindung stehende oder dort selbst verweilende Buchhändler 



^) Der seiner 1481 in Venedig verstorbenen Gattin Pascha, sowie sich selbst 
in der Kirche S. Giovanni e Paolo eine Grabstätte errichtete; cf. oben S. 232 
Nr. 63. — ') Fulin a. a. 0. p. 100 Nr. 2 (1478 , März 14). — ') Da derselbe 
1484 (cf. Panzer) ausdrücklich als Teoteutonicus bezeichnet wird, ist hier 
unter ,Novimagio' wohl Speyer gemeint. — *) cf. Fulin a. a. 0. p. 135 Nr. 87 
(1498, Nov. 14). — ^) gestorben 1484, Okt. 8; über sein am 4. Okt. 1485 ver- 
fasstes Testament cf. Cecchetti im Archivio Veneto tom. 29 p. 410. — ") gestorben 
vor 3. Sept. 1494; cf. Fulin a. a. 0. p. 115 Nr. 31. - ^) cf. Fulin a. a. 0. p. 136 
Nr. 90. — ^) cf. Motta a. a. 0., oben S. 69 ; Cecchetti a. a. 0. hält ihn freilich 
nur für einen Buchhändler. — ^) Fulin a. a. 0. p. 119 Nr. 40; bei Panzer zum 
Jahre 1501 aufgeführt. — i") Fulin p. 128 Nr. m (April 18); cf. p. 149 Nr. 125 
(ad a. 1502), Sept. 29, wofern wirklich Köln gemeint ist. — ") cf. Fulin p. 181 
Nr. 195 (ad a. 1515), Jan. 14. - ^^) Fulin p. 147 Nr. 119 (Febr. 17). - ^^) ,Giacomo 
di Argentina' Fulin p. 183 Nr. 198 (Juli 25). 



Anhang. 289 

aus dem Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts erwähnt 
werden : 

1484 Peter aus Venzone ^) , Kaspar aus Cilli (?) ^) , Peter TJgel- 
heimer aus Frankfurt, Ludwig Linder, Sohn Konrads, aus 
Augsburg ; 
1496 Stephan Roemer und Kaspar Grosch^); 

1500 Anton Kolb aus Nürnberg^), der hier als Herausgeber des 
grossen Planes von Venedig des Jacopo de' Barbari wohl noch- 
mals genannt werden darf; 

1501 Anton Koberger und sein Vetter Hans^); 
1501 Sebastian Hyber aus Krakau*^); 

1513 Leonhard Alantsee aus Wien*"). 

Die eben genannten Männer versetzen uns in jene Zeit, wo 
ein Albrecht Dürer in Venedig weilte , dessen Name uns zugleich 
jene Männer in Erinnerung bringt, die — um nur einige wenige zu 
nennen — wie ein Augustin Hirsvogel (1534) ^) oder der Maler 
Michael Herr (vor 1620)^), des Goldschmieds Christoph Ritter 
Sohn Paul Hieronymus (gestorben 1679 in Venedig)^), der Musiker 
Hans Leo Hasler (1584) ^*'), sich des Studiums halber für kürzer 
oder länger nach der berühmten Lagunenstadt begaben, um sich dort 
in ihrer Kunst oder in ihrem Handwerk auszubilden und zu vervoll- 
kommnen, die daher an dieser Stelle der Vollständigkeit wegen 
nicht unerwähnt bleiben dürfen. 

Vergessen wir endlich auch nicht, dass seit dem Jahre 1256 
die Deutsch-Ordens-Ritter hier in Venedig in der Kirche S. Trinitä 
ein Ordenshaus besassen, welches von 1291 — 1309 sogar das Haupt- 
haus des ganzen Ordens war und bis 1595 im Besitze des Ordens 
blieb ^^). Und gedenken wir endlich in diesem Zusammenhange noch- 
mals des Fondaco dei Tedeschi mit all den vielen Deutschen, die er 
in sich und um sich versammelte: dann müssen wir wahrlich staunen, 
wie überaus zahlreich die Spuren ehemaligen deutschen Lebens sind, 
die uns — theils dem Auge des Forschers in den Bibliotheken und 
Archiven verborgen, theils dem freien Blick des Beschauers an 



^) ,mercator librorum', genannt im Testament Johann Herborts aus Seligen- 
stadt; cf. Arch. Ven. t. 29 p. 411. — ^) ,de Zelacho mercator librorum de confinio 
S. Patemiani', wo die Buchdrucker vor Aldus Manutius ihre Werkstätten und 
die Buchhändler ihre Verkaufsstellen hatten; Cecchetti a. a. 0. — ^) Fulin 
p. 119 Nr. 40. - ") Fulin p. 142 Nr. 105 (Oct. 30); Sanuto, Diarii t. III p. 1006: 
,1.500 adi 30 Ottobre per la Signoria fu fato una termination che, avendo An- 
tonio Colb, merchadante Todesco, fato con gran spexa far stampar Veniexia, 
quäl si vende ducati 3 l'una, che possi trarle di questa citä et portarle senza 
pagar dacio'; cf. oben S. 192. — *) Hase S. 292, 294 u. flf. - ') bei Panzer. 
— ') s. C. Friedrich, Augustin Hirsvogel als Töpfer (1885) S. 6Q und Johann 
Neudörfer's Nachrichten von Künstlern und Werkleuten (hrsg. von Lochner in 
den Quellenschriften für Kunstgeschichte Bd. X S. 152 — 154). — *) Neudörfer 
a. a. 0. S. 202. — ») ebda. S. 204. — '") ebda. S. 216. — '') s. Tassini, Edifici 
di Venezia ... S. 71; Flamin. Cornelius, Ecclesiae Venetae (1749) Decas VII 
tom. V pag. 1 u. ff.; Job. Voigt, Geschichte Preussens . . . (1830) Bd. IV S. 70 
u. ff., 251 u. ff.; cf. unten Nr. 31. 

19 



290 



Anhang. 



Ort und Stelle noch heute sichtbar — auf Schritt und Tritt in 
Venedig entgegentreten. Ihnen nachzugehen, gewährt meiner Empfin- 
dung nach einen eigenen Reiz. Denn einerseits werfen sie mannigfach 
neues Licht auf das Leben unseres Volkes in früherer Zeit, anderer- 
seits rücken sie die wunderbare einzigartige Lagunenstadt uns näher, 
die so durch unendlich viele Fäden mit unserer Geschichte und 
unserer Vergangenheit verknüpft erscheint. 




^ 



fi 



Dokumente zum Anhang. 



1303, Nov. 1. Der Doge mit seinem Kleinen Rath beantragt, dass der 
Gesandte der Königin von Deutsehland Edelsteine für dieselbe 
zollfrei ausführen dürfe. 

1303 kalendis Novembris. Volumus esse inter 40 pro faciendo 

gratiam domine regine Alemanie ^), quod absolvatur ejus nuntius a datio 

quarundam zoiarum que portabantur ei; quod datium est librarum 19 

vel circa. 

Ven. St.-A. Graz. 2) 2 f. 50' = 1 f. 58. 



1304, Jan. 18. Aehnlieh (wie Nr. 1) für den Neffen des Kaisers be- 
treffs zollfreien Transportes von Wein nach Padua. 

1303 (m. V.) die decimo octavo Januarii. Pro facienda gratia nepoti 

illustris regis Alemanie ^) de amforis duabus vini portandis Paduam sine 

datio pro suo usu. 

Ven. St.-A. Graz. 2 f. 52' = l f. 61. 

3. 

1319, März 15. Auf Verwendung Friedrichs des Schönen wird eine 
Partie Fische (Härjnge?), welche von einem gen. Wiener für 
deutsehe Studenten nach Bologna geschickt, aber unterwegs auf- 
gehalten worden war, vom Grossen Rath wieder freigegeben. 

1319 die 15 Marcii. Cum quidam dominus Henricus Sandoli de 
Viena mitteret per quemdam suum nuncium certam quantitatem piscium 
vocatorum atengi *) in duabus botis ^) ad partes Bononie causa donandi 



1) Elisabeth, Albrecht's I. Gemahlin. 

2) Ueber die Abkürzungen u. s. w. sehe man das Vorwort zu Bd. I. 

3) Wohl Johann Parricida von Schwaben. 

*) Undeutlirli , oder acengi (V) , über welche Fischart ich ebensowenig etwas finden 
kann. Nahe liegt die Konjektur: arengi (Häringe), die bekanntlich schon damals auch einen 
Handelsgegenstand bildeten. 

5) bctta, Tonne. 



292 1319—1334. 

quibusdam Teutonicis studentibus Bononie, et capitaneus riperie Marchie') 
invenerit dictum piscem et miserit Venecias ad officiales de contrabanis, 
qui habent eas pro perditis : capta fuit pars ad preces domini regis Federici 
de Alemania, quod fiat gratia de dicta pisce, quod totum restitui debeat^ 
et sunt officiales de hoc contenti inquirendo bene , quod aliud non esset 
in botis, quam pisces, et est etiam captum per 40. 

Yen. St.-A. Magg. Cons. (Aw. di Com.) Nept. f. 76'. 



4-5. 

1323, Jan. 27 und 29. Der Grosse Rath bewilligt einem gen. Deutsehen 
eine bestimmte Summe für die probeweise Errichtung von Mühlen.. 

1322 (m. V.) die 27 Januarii. Cum quidam Teuthonicus ingenerius 
offerat et promittat facere fieri molendina multum artificiose in hac terra,, 
et dicat quod multa fieri poterunt, que macinabunt ad sufficientiam terre, 
et cum eo rationatum sit et appareat satis verisimile quod dicit secundum 
dictum nostrorum qui locuti sunt cum eo ; et ut videri possit certituda 
facti, offerat se facere probationem : capta fuit pars, quod possit expendi 
usque ad libras octo grossorum pro experientia antedicta, que dentur in 
manibus dominorum Leonardi Aymo et Philippi Bellegno, qui faciant fieri 
dictam probationem. 

1322 (m. V.) die 29 Januarii. Cum captum fuerit in isto majori con- 
silio die 27 mensis presentis, quod quidam magister Joannes Teuthonicus, 
inzenerius molendinorum, debeat facere unum molendinum et commissum 
sit nobilibus viris dominis Leonardo Aymo et Philippe Belligno, quod 
possint expendere usque ad libras octo grossorum pro experientia dictorum 
molendinorum et in dicta parte non fiat mentio de provisione dicti ma- 
gistri Joannis, si fecerit dicta molendina: capta fuit pars, quod addatur 
dicte parti, quod dominus dux, consiliarii et capita de quadraginta et 
predicti domini Leonardus et Philippus Belligno habeant plenam liber- 
tatem et bayliam ^) de providendo dicto magistro Joanni, si dictum opus 
erit bonum et utile pro communi, secundum quod justum fuerit et eis 
videbitur vel majori parti eorum ; et quod factum et provisum fuerit per 
eos vel majorem partem eorum sit firmum, sicut factum esset per istud 
consilium et firmatum. 

Durchstrichen. Yen. St.-A, Magg. Cons. Fronesis f. 103'. 



1334, Juni 5 (und Nov. 24). Straferlass für eine wegen verbotenen: 
Weinverkaufs verurtheilte gen. Deutsehe. 

1334 die 5 Junii. Quod fiat gracia Malgarite (sie) Theotonice, con- 
demnate per justiciarios veteres in libris 30 soldis 12^|2 . . . . pro eo quod 
dicunt ipsam vendidisse vinum ad furatula(m). Et officiales dicunt quod 
majus impedimentum habent de furatulis que fiunt in Sancto Moyse^ 

1) d. i. der ,Marca Trivigiana' (Treviso). 

2) = ,potestas, auctoritas' Ducange. 



1334-1336. 293 

•quam in aliquo alio loco. Sed habito respectu ad ejus paupertatem, 
sunt content!, corigendo ipsam in aliquo, quod dominatio faciat, sicut 
placet. 

Capta in majori consilio die 24 Novembris 1334. 

Ven. St.-A. Graz. 5 f. 49'; f. 54 ebenso für einen ,Henricus Theotonicus 
Sancti Moysi' 1331 die 12 Sept. ; capta 1331 (m. V.) 10. Febr. ; desgleichen Graz. 6 
f. 27 1335 (die 21 Julii?) für einen ,Otto Teutonicus', aber ohne , Capta'. 



1335, Mäpz 24. Antrag auf Zurückgabe confiscirten Holzes an 
einen gen. deutsehen Seifensieder. 

1335 die 24 Marcii tercie indicionis. Quod fiat gratia Conrado 
Theotonico de contrata Sancti Hermacore, fideli nostro laboratori saponis, 
cui accepta fuerunt circa 6 plaustra lignorum domesticorum per famulos 
justicie veteris, que habebat in domo propria babitacionis sue: quod in- 
specta conditione facti dicta ligna restituantur sibi. Et justiciarii veteres 
dicunt, quod in capitulari eorum inter cetera continetur, quod illi qui 
faciunt saponem non possunt habere nee comburere alias lignas quam de 
Ystria et ab Ystria ultra, facientes illa ibi emi et inde conduci, et quod 
dictum consilium est bonum, et bonum est quod observetur ; nichilominus 
dominatio faciat, sicut placet. 

Ohne Capta. 

Ven. St.-A. Graz. 5 f. 67'. 

8. 

1335, Okt. 28. Strafeplass (beantragt) für einen wegen unerlaubter 
Gesehäftsvepmittlung vepuptheilten gen. Deutschen. 

1335 die 28 Octubris. Quod fiat gratia Siboto Teutonico, qui nescit 
linguam Latinam, quod propter ejus conditionem et considerata qualitate 
negocii absolvatur libere a pena librarum 100, quam sibi petunt capita 
sexteriorum, pro eo quod unus custos ipsorum retulit eis inposuisse sibi 
penam ordinatam, quod permitteret se circari ^) existendo in hostaria An- 
tonii Sabadino; quam impositionem pene non intellexit in lingua nostra, 
nee etiam arma habebat, cum sit antiquus et forensis et homo bone con- 
dicionis; cum capita sexteriorum respondeant, quod de facilli potuit in- 
currere ipsam penam propter ejus condicionem, et quod contenti sunt, 
quod fiat sibi dicta gratia. 

Ohne Capta. 

Ven. St.-A. Graz. 6 f. 38. 

9. 

1336, Januap 30. Gleichen Inhalts wie Nr. 7. 

1335 (m. V.) die penultimo Januarii. Quod (similis) gratia fiat Ber- 
toldo Teothonico, condempnato per justiciarios veteres in soldis 40 par- 
vorum pro valore lignorum sibi in domo inventorum, que de Istria non 

1 = cercari? (sich in Dienst nehmen lassen?) 



294 



1336-1340. 



erant nee comburrere potest secundum ordinem; et justiciarii veteres 
dicunt, quod non potest dicta ligna in domo tenere, quia facit saponem, 
et secundum ordinem ipsum condempnarunt; et quod dominatio faciat, 
sicut placet. 

Ohne Capta. 

Yen. St.-A. Graz. 7 f. lO'. 

10. 

1338, Juni 7 (und 1339, März 15). Rückgabe beschlagnahmter Waaren 
an einen aus Rom zurückkehrenden Deutschen. 

1338 die 7 Junii. Quod fiat gratia Paulo Teotonico pauperi pere- 
grino, qui nuper de Roma revertebatur ad propria, quod sibi libere resti- 
tuantur certa seta et flores cinamonum ^) sibi accepti per scaraguaytas ^). 
Et (officiales de) catavere dicunt, quod ipsi libenter restituissent predicta, 
sed non possunt, quia valent ultra libras decem, et quod non solvunt ali- 
quod datium, et quod credunt .... quod dicta gratia sibi fiat. 

Capta in 40 15 Marcii 1339. 

Yen. St.-A. Graz. 7 f. 88. 



11. 



4 



1340, April 24 (Mai ^6 u. 9). Straferlass für einen wegen Einführung 
von Silber- und Goldgeräthe verurtheilten gen. deutschen Juden. 

1340 die 24 Aprilis. Cum Samisso Judeus Teutbonicus, qui nuper, 
ut dicit, venit de Alemania Venecias causa eundi ad partes Jerusalem, 
et dum in septimana sancta esset in canali Sancti Marci super quadani 
navi pro eundo ad partes Cipri et inde peregrinatum , supervenerunt fa- 
muli officii de catavere et acceperunt ei quatuor centuras *) argenti , sex 
coclearia ■*) ai-genti, sex cyatos argenti, unam buchetam ^) auri, sex para- 
xides ^) argenti , duos nappos argenti, unum buchaletum argenti, et qua- 
tuor cutellos furnitos de argento, que omnia postea recomparavit ab ipsis 
officialibus pro octuaginta duchatis auri; de quibus gratiam et miseri- 
cordiam petit, quod restituantur eidem, sicut peregrino, qui ibat ad dictas 
partes Jerusalem. Et (cum) dicti officiales dicant quod predicte res argenti 
fuerunt invente absconse in quadam valice et quod portabantur contra 
ordines; et conpatiendo deliberaverunt ei ad incantum pro libris 8 gros- 
sorum, et valebant 16 vel circa; et quod jam denarii sunt divisi et positi 
in comune per ser Johannem Maurocenum, qui die sequenti exivit de 
officio, qui tunc erat camarlengus, et quod Judei non sunt peregrini: 
considerata condicione facti vadit pars, quod dicti denarii accepti per 
dictos officiales, ut est dictum, restituantur dicto Samisso Judeo. 

Am Ranck Capta in 40, 6 Maji. 

Capta in majori consilio 1340, 9 Maji indictione 4 ^), 



Yen. St.-A. Graz. 8 f. 56i 



1) Zimmt. 

2) „Scharwächter". 

3) = cintura, Gürtel. 

4) = cochlearia, Löffel. 

5) = bocchetta, Schliesse (?) 

6) = parascides i. e. catinos, Napf, Schüssel. 

7) Muss 8 heissen. 



1342. 295 



12—13. 



1342, Juli 6 und 13. Verhandlung im Senat über die von einem 
gen. Deutsehen in Serravalle eingelegte Berufung gegen seine 
Veruptheilung in einer Streitsache mit einem Wirth in Treviso. 

1342 die 6 Julii. Ser Petrus Arimondo, ser Mapheus Bembo, ser 
Andreas Mauroceno, officiales appellacionis Tarvisii. 

Visa et diligenter examinata hac questione vertenti inter Nicolaum 
Ragatinum Theotonicum, habitatorem Serravalis, ex una parte agentem, 
et Joannem hosterium, habitatorem Tarvisii, se ex altera defendentem, et 
Omnibus et singulis scripturis, juribus et instrumentis ab utraque parte 
in judicio productis et super hiis omnibus cum salariatis nostris habita 
deliberatione solempni , videtur dictis officialibus ex eo presertim . quod 
dictus Nicolaus id quod petebat se obtulit probaturum et nichil probavit, 
et quia non probante dicto Nicoiao de ipsius voluntate delatum fuit 
juramentum supradicto Joanni, qui sacramento firmavit se nichil debere 
dicto Nicoiao: quod male fuerit appellatum et bene judicatum per domi- 
num Petrum de Labertinis, vicarium viri nobilis ser Petri de Canali, olim 
potestatem et capitaneum Tarvisii, et quod ipse Nicolaus condampnetur 
in expensis legittime taxatis, sicut debet de jure. 

21, 18. 

(Antrag des:) Ser Jacobelus Bragadino caput 40, consentiente sibi ser 
Johanne Gradonico capite de 40. Capta, quod sapientes deputati super 
appellationibus Tarvisii examinent testes, quos producere voluit Nicolaus 
Teotonicus in facto appellacionis, interposite per eum ad nos a sententia 
lata contra eum et in favorem Joannis Teutonici per ser Petrum de Ca- 
nali, tunc potestatehi Tarvisii, et dicta eorum potestati faciant in scriptis 
et dicant quicquid velint et postmodum venietur huc et fiet, sicut videbitur. 
-22 (21), de non 1, non sinceri 7 (8): Dass dieser Autrag bei zweimaliger Ab- 
stimmung angenommen zeigt die neue Verhandlung vom 

1342 die 13 Julii. Ser Petrus Arimondo, ser Mapheus Bembo, ser 
Andreas Mauroc(eno), officiales appellationis Tarv(isii). 

Visa et diligenter examinata etc. fast wörtlich gleich mit dem vorhergehen- 
den Dokument. 

53, de non 2, non sine. 20. 

Yen. St. A. Sen. Misti 20 f. 67 u. G9. 



14. 

1342, Okt. 27. Rückgabe aufgehaltenen Geldes an einen jungen in 
Padua studirenden gen. Deutschen. 

1342 die 27 Octubris. Quod fiat gratia Rodulfo Teuthonico Scolari 
in Padua, quod pezias tres argenti, quas sibi fecerat aportare pro ex- 
pensis faciendis in studio, impeditas per officiales argenti, dum de hie 
Paduam portarentur, restituantur eidem, cum dicti officiales dicant, quod 
famulus dicti Scolaris pure et simpliciter portabat, ordinem ignorando. 

Ohne Capta. 

Yen. St.-A. Graz. 9 f. 6.5. 



296 



1343-1346. 



15. 

1343, Mäpz 15. Strafnaehlass (beantragt) für einen gen. deutsehen 
Gastwirth in Venedig. 

1343 15 Marcii. Quod fiat gratia Nicoiao Teuthonico, hospiti ad 
minus super plateam Sancti Marci, condempnato per officiales de cata- 
vere in soldis 16 grossorum propter salem grossum maris de Sardinia 
circa staria quatuor, ut dicunt, sibi inventum in domo sua per eoi*um 
famulos, quem non presentavit salinariis maris, ut est ordo sub pena 
Unius grossi pro omni denario valoris dicti salis. Quem salem habuit a 
quibusdam marinariis forensibus, qui, ut dicit, descenderant in suo hospicio 
et, non babentes unde solverent, dictum salem sibi taliter dimiserunt 
et aliquas alias etiam suas res. Et cum officiales dicant ipsum Nicolaum 
esse purum et pauperem bominem, intuitu pietatis de dicta condemp- 
nacione solvere debeat soldos 100 et a reliquo misericorditer absolvatur. 

Olme Capta. 

Yen. St.-A. Graz. 9 f. 82. 

16. 

1344, Sept. 27 und 28. Bewilligung einer Summe von 250 Dukaten 
für Geschenke an die Schwester des Königs von Sicilien. 

1344 die 28 (?) Septembris. Quod pro honore nostri dominii possit 
provideri in donis isti domine sorori domini regis Sicilie ^), que vadit ad 
maritum in Alamaniam, in ducatis 250 auri in rebus que domino, con- 
siliariis et capitibus de 40 videbuntur convenire, cum talia possint respon- 
dere utiliter et honorifice, tam ex parte Sicilie quam Alamanie, quo vadit. 

Die 27 Sept. capta in 40, die eodem capta in majori consilio. 

Yen. St.-A. Graz. 10 f. 60. 



17. 
1344, Dez. 30. Straferlass (beantragt) für einen gen. deutschen Boten. 

1344 die penultimo Decembris. Quod fiat gratia Conrado Teutho- 
nico, cursori ad viagium Flandrie, condempnato per officiales Rivoalti in 
libras 30 sol(idos) 2, quia contra formam capitularis ipsorum officialium 
ipse de brachiis 14 panni sibi aportati de partibus Flandrie in ballis 
mercatorum dedit, consensit et vendidit uno suo amico, qui eum roga- 
verat prout dicit: considerata condicione facti a dicta condempnatione 
totaliter absolvatur. 

Ohne Capta. 

Ven. St.-A. Graz. 10 f. 75'. 

18. 

1346, März 3. Der Senat besehliesst, dem (Burg-)Grafen von Nürn- 
berg mittheilen zu lassen, dass er unbesorgt nach Venedig 



1) Elisabeth, die Tochter Friedrich 's und Schwester Peter's von Arragonien-Sicilien 
und seit 1328 Gemahlin Stephan 's, des zweiten Sohnes Ludwig 's des Bayern; cf. Lebret, Gesch. 
Von Italien Thl. IV S. 71. 



1346—1356. 297 

kommen und in's heilige Land fahren könne, obgleich ep einmal 
ippthümlieh venetianische Waapen aufgehalten hatte. 

1346 die tercio Marcii. Capta. Cum ambaxatores nostri, qui va- 
dunt ad dominum ducem Austrie'), scripserint nobis quod comes de Norim- 
bergo ^) louutus eis fuerat, quod intendebat venire Venecias et ire ad 
sepulcrum, set dubitet quia quondam tempore intromitti fecit certas bailas 
nostroi'um fidelium credendo quod essent aliorum, quas postmodum scivit 
quod erant nostrorum et fecit eas restitui, sicut inventum est modo per 
nostros provisores, qui examinaverunt factum: vadit pars quod dictus 
comes libere et securo possit huc venire et de hinc transire ad sepulcrum, 
cum et nostri ambaxatores predicti dicant quod receperunt ab eo magnum 
honorem. 

Yen. St.-A. Sen. Misti 23 f. 48. 

19. 

1346, Mäpz 31 (und Appil 11). Stpafeplass füp einen gen. deutsehen 
Boten. 

1846. Capitanei postarum. Quod fiat gratia Marco de Vienna, 
qui aportavit litteras ambax(iatorum?) et in sua reversione cum litteris 
nostris . quas portabat nostris amba\(iatoribus) , acepte fuerunt sibi per 
custodes capitaneorum postarum libr(ae) 17 de seta sine buleta, quas 
dicti capitanei dicunt esse ammissas; et quia de hoc nullum dacium ve- 
niebat et est pauper homo, intuytu pietatis ei libere restituantur. 

Capta in 40 ultimo Marci; 1346 die 11 Aprilis capta in majori 

consilio. 

Yen. St.-A. Graz. 11 f. 67. 

20. 

1350, Aug. 27. Bestpafung eines gen. Deutsehen [aus Melk wegen 
Diebstahls. 

1350 die 27 Augusti. Angelus Theothonicus de Meles ') {sie) ductus 

in Camera tormenti coram dominis de nocte, interrogatus de furtis et malis 

comissis per ipsum Veneciis, nichil voluit confiteri; et quia erat multum 

suspectus de furto, fuit positus ad tormentum sive lapidem, ubi stetit 

per bonam horam. Tandem petiit deponi, dicens velle dicere veritatem; 

et depositus dixit et fuit confessus, quod sunt forte sex dies quod ipse 

applicuit Venecias e(t) continue hospitabatur in hospitio Maroni Sancti 

Marci 

Yen. St.-A. Signori di Notte al Criminal. Processi vol. 2 fol. 13. 



21. 

1356, Juni 30 und Sept. 11. Bestpafung eines gen. Salzbupgeps wegen 
Diebstahls. 



1) Leopold V 

2) Johann; cf. Müllner, Annalen der Stadt Nürnberg Bd. I bis 1350 (Nümb. 1836). 
3 Melk? 



298 1356. 



n 



1356 indictione 10 die Veneris ultimo mensis Junii, Otto Teo- 
tonicus, qui fuit de Salceporgh, vagabundus, ductus coram dominis de 
nocte ad cameram tormenti et, ante quam exponeretur tormento, fuit 
interrogatus ut diceret veritatem de furtis et malis per ipsum Veneciis 
comissis et in districtu. Et quoniam nesciebat linguam latinam, fuit in- 
terrogatus per interpretem id est per Blasium de Cividali, custodem ad 
officium de nocte in sexterio Sancti Marci, dato eidem interpreti sacra- 
mento de veritate dicenda. Qui Otto Teotonicus dixit nulum furtum neque 
malum fecisse. Et cum non diceret veritatem foretque suspectus de 
furto facto ser Francisco Contar(eno) Ei90, campsori in platea Sancti 
Marci, fuit expoliatus et ligatus ad cordam tormenti absque lapide et 
tiratus superius et nolendo aliquid dicere fuit sibi data una saccuta ') et 
tunc peciit deponi, asserens velle dicere veritatem. Et tunc depositus de 
tormento non dixit aliquid quod videretur consonum veritati et propterea 
fuit iterato tiratus superius. Qui statim peciit se deponi, quia volebat 
confiteri veritatem; et tunc depositus de tormento nicbil dixit. Et cum 
nichil velet dicere foretque nimia suspicio contra ipsum, fuit mandato 
dominorum predictorum remotus ab ipso tormento et statim positus sup- 
pinus super teracium ^) cum renibus superius et ibi cum lardone ^) accenso 
fuit pergotatus *) ; et dum pergotaretur isto modo , statim peciit remo- 
veri ab inde, asserens quod volebat dicere veritatem. Et tunc remotus 
ab ipso tormento dixit et fuit confessus, quod bodie in bora prandii 
ipsa iverat ad quamdam tabulam cujusdam campsoris in platea Sancti 
Marci, cujus nomen ygnorat, ostendendo velle cambire monetas pro uno 
ducato et tunc numerante campsore monetas quas ipse ei dederat, ipse 
cum animo comittendi furtum, posuit manum in quodam ordegno^) ligni 
quem nescit an sit platena ") vel nombratoria '^), et inde furtive accepit 
tres ducatos auri 

11. Sept. Strafmass: Verlust des linken Auges. 

Ven. St.-A. Sig. di Notte al Crim. Proc. 3 f. 13. 



22. 
1356, — (Juli 26). Erwähnung deutscher Arbeiter am Lido. 

1356, 9 indictione. Quod fiat gratia Nechino ') de Cologna, capiti 
Theotonicorum , qui laborant ad litus, condempnato per potestatem Pu- 
pille in libr. 25 parvorum quia vendebat vinum 

Capta in 40 26 Julii. 

______ Ven. St.-A. Graz. 13 f. 85'. 

1) = saccata, sacchata eine Torturart, der „Expansion" oder „Elevation" entsprechend, 
über welche vergl. Wächter, C. G. , Beiträge zur deutschen Geschichte, insbesondere Gesch. 
des deutschen Strafrechtes (Tübingen 1845) S. 102. 

2) = terazzo, jener eigenthümliche venetianische Fussboden aus Marmorstückchen und 
Cement; cf. Boerio. 

^) „Speck" ; cf. Boerio. 

i) percotar = pillottare , eigentlich (wie mir mein Freund Dr. Buzzati in Venedig er- 
klärt) „den Braten mit brennendem Speck begiessen" ; cf. Boerio. 

5) in senso di vase, scodella' (Napf), Mittheilung des Herrn Dir. Cecchetti. 

6) lieber diesen Ausdruck habe ich nichts finden können. 

7) Wohl statt Henichino. 




1358—1359. 299 



23. 



1358, März 2, 9 und Juni 27. Bestrafung gen. Deutscher wegen 
Diebstahls. 

1358 mense Marcii die secundo intrante. Magister Nicolaus dimi- 
cator '), qui fuit de Alemanea et nunc habitator Clugie, suspectus de ali- 
quibus frixaturis ") acceptis done Benevenute merQarie S. Juliani gesteht 
erst nach mehrmaligen Folterversuchen die 9 mensis Marcü, quod die primo 
mensis presentis, dum foret simul cum Nicbele Teotonicho de Marborgi, 
hora circa tercias ipse ivit simul cum ipso ad stacionem unius femine, 
que vendit frixaturas in mer^aria, quas idem Nicbele volebat emere. Et 
dum forent ad stacionem ipsius mer^arie, fecit ostendi frixaturas et, 
ostensis multis ex ipsis, ipse furtive et animo et proposito furtum comit- 
tendi accepit unam frixaturam de duobus brachiis albam, quam frixa- 
turam postea dicta die, quia ipsa magistra a frixaturis cognovit ipsum, 
restituit sibi ipsam frixaturam .... 

Nota quod 1358 mense Junii die 27 intrante per judices de proprio 
predictus fuit sententiatus idem magister Nicolaus dimicator ad frustan- 
dum ^) et bullandum *) et d(ominus) Bertucius Bocassio protulit sententiam. 

Yen. St.-A. Sig. di Notte al Crim. Proc. 3 f. 59. 



24. 
1359, Mai 31, Juni 26 und Juli 5. Verurtheilung deutscher Diebe. 

1359 indictione 12 die ultimo Maji. Georgius Theotonicus de Boemia 
suspectus de furto . . . quia ignorabat linguam latinam, fuit interrogatus 
per Johannem Todescum, hospitem de minus, interpretem . . . tiratus su- 
perius et fuit sibi data una sacbata .... fuit confessus, quod ipse simul 
cum aliquibus suis sociis . . , recessit de Alemania et omnes venerunt 
Venecias ad festum ascensionis et babuerunt simul tractatum et pactum 
omnes simul per omnem modum quem ipsi possent furari in Veneciis et 
incidere bursas et in ecclesia Sancti Marci et omne et totum quod ipsi 
possent furari dividere inter se et unusquisque accipere partem suam et 
in suum usum converti 

Participes furti: Mices qui dicitur Nicolaus de Polä (?), Nicolaus 
et Paulus de Driga (?) , Johannes de 01eme9 ^) et Petrus de Jerme (?), 
omnes de Boemia. 

Post hec .... die 26 Juni coram inclito domino duce Georgius Theo- 
tonicus predictus . . . cum ibi essent duo capita centurarum argenti, duo 
annuli et una vera ®) auri, una corda de paternostris et modicum sete de 
Grana, dictus für vidit et recognovit esse illas res quas furtive subripuit. 



') „Fechtmeister?" Vermuthung des Herrn Dir. Cecchetti. 

2) = fregiatura .guamimento, fomitura d'abiti' Tommaseo. 

8) = flagellare Ducange. 

*) ,ferro candenti reos innrere' Ducange. 

*>) Olmütz. 

'') = virga, Stange ; cf. Ducange. 



300 1359—1360. 

Et ibi statim per ser Nicolaum et ser Johannem de Polin extimatores 
comunis extimate fuerunt dicte res duc. 17. 

Mense Julii die 5 per judices de proprio fuit sententiatus fidem 
Georgias ad suspendendum per gulam, ita quod moriatur. 

Yen. St.-A. Sig. di Notte al Crim. Proc. 3 f. 66'. 



25. 

1360, Nov. 30. Verhandlung über die Ermordung eines gen. Deutsehen 
durch einen anderen Deutsehen. 

1360 die ultimo Novembris. Processus et inquisicio (facta) de man- 
dato Serenissimi domini, domini Jobannis Delpbino, dei gratia incliti 
Veneciarum ducis, de morte et super facto mortis Nicolai Teutonici Sancti 
Petri, de cujus morte inculpatus est Mateus de Lubiana, marinarius 
Sancti Samuelis. 

Nicolaus Todescus laborat ad manganum ^) Sancti Leonis et moratur 
in contrata Sancti Petri a cä Copo, juratus dicere veritatem, qui conque- 
rendo coram domino Bertucio Cornario domino de nocte dixit, quod beri 
bora tercia campane vel circa cum esset in contrata Sancti Samuelis et 
descendebat de curte dacba Maureceno, ubi moratur quedam venderigula^), 
quidam nomine Matbeus Teotonicus qui utitur in galeis, qui moratur 
in dicta contrata Sancti Samuelis, ibi prope sine aliqua causa et sine 
aliquibus verbis cum uno cultello magno .... percussit et vulneravit eum 
super capite a latere sinistro, uno ictu de talio^) cum effuxione sanguinis. 
Die Nachbarn aber zeugen gegen ihn , dass er die Frau (Maria) des Matheus mit ,0 putana 
Maria bastarda' den Mann mit ,becbo', geschimpft habe u. s. w. Da er am 21. Januar 
an der "Wunde stirbt, wird Matheus am 23. Sept. ,libere absolutus'. 

Yen. St.-A. Sig. di Notte al Crim. Proc. 3. f. 86'. 



26. 

(1360, Juni 9 und) 1362, Mai 6. Verhandlung über die Ermordung eines 
gen. Deutsehen. 

1360 indictione 13 die nono Junii. Processus . . . super facto 
mortis Leonardi Theotonici percussi et vulnerati uno ictu de punta *) in 
corpore in latere dextero, stricto et profundo cum plaga et sanguine, de 
cujus morte inculpatur Martinus de Sorto, qui utebatur cum barcbis 
de Padua. 

Leonardus Tbeotonicus vagabundus, olim familiaris ser Laurentii 
Superantio Sancti Samuelis, dixit quod, dum ipse Leonardus dicta die (in 
vigilia s. Antonii de Padua) fecisset forum ^) de quadam barcha causa 



1) ,macchina, sotto cui si lustrano le tele' Boerio. 

2) venderigola = revendicola, rivenditrice, Trödlerin, Krämerin; ct. Boerio. 

3) = taglio, Messerschneide. 

*) = puncta, acumen, pointe Duc. 
.mercatum, precium' Duc. 



1360-1364. 301 

eundi Paduam cum certis aliis Teotonicis et hora media noctis dicti 
diei ivisset Rivoaltum, ubi manent barche Pad(uane?), dicens: ubi sunt 
isti barcaroli qui debent portare me Paduam? unus barcharolus . . . dixit 
ei: nos sumus hie. Et statim dictus Leonardus dixit ei: leva nos; et 
barcharolus respondit: non volumus, quia vos promisistis nobis solidos 8 
parvorum pro quolibet, et non vultis nunc dare nisi 6 ; et etiam patronus 
barche non est hie .... 

1362 die 6 Maji fuit sententiatus dictus Martinus ad perdendum 
manum dexteram et oculum sinistrum. 

Yen. St.-A. Sig. di Notte al Crim. Proc. 4 f. 13'. 



27. 
1362, Mai 19 und Juli 13. Bestrafung eines deutsehen Diebes. 

1362 die 19 Maji. De Rodulfo füre. 

Rodulfus Teotonicus de Orimbergo ^) . . . . fuit interrogatus per 
Johannem hospitem a minori interpretem, fuit confessus, quod ipse alias 
fuit familliaris ser Gratiani hospitis Sancti Marci .... 

Die 13 Julii sententiatus ad frustandum et bullandum. 

Yen. St.-A. Sig. di Notte al Crim. Proc. 4 f. 18'. 



28. 

(1360, Januar 16 und) 1362, Okt. 22. Desgleichen (wie Nr. 27). 

1359 (m. V.) die 16 mensis Januarii. Nicholaus Teotonicus depren- 
sus . . . cum pluribus rebus acceptis furtive de quadam domo Sancte Marie 
Jubanice, cum interpretaretur verba ipsius Johannes hospes de minus 
Sancti Marci. 

1362 mense Octobris die 22 sententiatus ad suspendendum per 

gulam, ita quod moriatur. 

Yen. St.-A. Sig. di Notte al Crim. Proc. 4 f. 25. 



29. 

1364, Januar 16. Vertrag des Abgesandten des Dogen mit böhmischen 
Bergleuten in Kuttenberg über deren Eintritt in venetianische 
Dienste auf der Insel Kreta. 

Pactum cum minatoribus. 

In nomine domini amen. Millesimo trecentesimo sexagesimo quaito 
die sexto decimo mensis Januarii in montibus Chuttinis ^) districtus et 
regionis Boemiae. Ibique providi viri magister Joannes dictus Scaffer ^), 

1) Wohl zu lesen ,Norimbergo'. 

2) Kuttenberg ; cf. Stemberg, umrisse einer Gesch. der böhmischen Bergwerke (181,6) 
Bd. 1 Abth. 1 S. 46 u. ff. 

3) Schaffer V 



302 1364. 

Conradus Valli, Hermanus Syralb et Henricus Syralb pactum firmaverunt 
cum domino Laurentio de Bicquis, nuntio illustris domini, domini Lau- 
rentii Celsi, dei gratia Venetiarum ducis, cum modis et conditionibus 
infrascriptis , videlicet: Quod praedicti quatuor magistri superius nomi- 
nati promittunt et sie juraverunt venire et ire cum uno magistro fabro 
et viginti aliis laboratoribus instructis in arte et laborerio subfossiouum 
et cavarum ad servitium praedicti domini duci et communis Venetiarum 
ad partes insulae Cretae, et ibi fideliter et quantum melius sciverint et 
poterint laborabunt et facient subfossiones , cavas et alia aedificia , in 
quibus erunt instructi et sicut fuerit impositum eis per dominum ducem 
praedictum vel ejus nuntios , ad honorem ipsius domini ducis et com- 
munis Venetiarum, et quod stabunt et erunt ad servitium praedictum 
pro illo tempore quod placebit domino duci praedicto. 

Et ex adverso praedictus dominus Laurentius, nuntius praedicti ducis 
domini, promittit nomine et vice praedicti domini ducis et communis 
Venetiarum praedictis quatuor magistris, quod habebunt et recipient a 
domino duce et commune Venetiarum praedictis pro suo soldo et labore 
et praedictorum fabri et viginti laboratorum florenos auri quadringentos 
in mense quolibet, et quod incipient lucrari praedictum soldum a die, quo 
se praesentaverint Venetiis cum omnibus laboratoribus coram domino 
duce Venetiarum praedicto, et quod ibunt cum navigiis domini ducis 
praedicti et sie redibunt. Verum postquam fuerint in loco, ubi fieri de- 
beat aliqua cava vel aliud opus, per ipsos, et inceperint laborare, debent 
habere expensas oris a domino duce et commune Venetiarum quousque 
compleverint opus quod inceperint, et de alio tempore debent esse in pro- 
priis expensis, habentibus ipsis tamen in casibus praedictis soldum prae- 
dictum, quod recipere debeant de mense in mensem. Et si contingeret 
quod per opera sua dominus dux praedictus aquireret civitates vel castra 
in insula supradicta, totum id quod praedicti magistri lucrati fuerint 
cum sociis suis de bonis mobilibus inimicorum domini ducis praedicti 
sit suum; remanente tamen in libertate domini ducis praedicti providendi 
eis et faciendi gratiam, sicut esset justum, eorum fide, meritis et labo- 
ribus consideratis. Etiam si, postquam fuerint Venetiis vel antequam in- 
cipiant laborare, insula praedicta haberetur et rediret ad obedientiam 
domini ducis praedicti, remaneat libertati ipsius domini ducis providendi 
eis , sicut sibi videbitur. Debent quoque magistri praedicti cum sociis 
suis, postquam fuerint Venetiis recipere pagam unius mensis, defalcando ^) 
primo florenos centum quinquaginta , quos habuerunt et receperunt in 
montibus Chuttis a supradicto nuntio domini ducis Venetiarum praedicti. 
Caeterum praedicti quatuor magistri debent esse fidejussores et quilibet 
ipsorum in solidum domino duci et communi Venetiarum praedictis pro 
Omnibus suis sociis de observando praedicta sub illa poena et punitione 
quae videbitur condigna ipsis non observantibus vel delinquentibus in 
aliquo contra praedicta et honorem domini ducis Venetiarum ; et de hoc, 
videlicet quod fideliter laborabunt et facient id quod erit honoris domini 
ducis et communis Venetiarum praedictorum et observabunt praedicta, 
praedicti quatuor magistri corporaliter juraverunt cum sociis suis. Item 
si tempore quo erunt ad servitium domini ducis praedicti aliquis ipsorum 
vel laboratorum deficeret, videlicet postquam fuerint praesentati coram 
domino duce praedicto , debent tanto minus percipere de soldo , quanto 



1) .deducere, subtrahere' Ducange. 



1364—1365. 303 

esset justum pro tempore quo aliquis deficeret. Insuper si dominus dux 
praedictus aquiret aliquam civitatem vel castrum per cavas praedictorum 
et praedicti cum sociis suis caperent aliquos inimicos, quod praedjcti ini- 
mici sie capti per ipsos sint eorum carcerati, hoc addito quod, si ex captis 
sie per ipsos dominus dux aut ejus nuntius voluerit aliquem, quod 
tunc teneantur dare illum vel illos qui requisiti forent per ipsum do- 
minum ducem vel ejus nuntium, percipientibus istis magistris cum sociis 
pro restauro illorum inimicorum, quos sie darent, id (quod) esset justum. 
In quorum quidem omnium fidem et evidentiam pleniorem praedicta 
celebrata, confirmata et jurata fuerunt in praesentia egregiorum virorum 
dominorum Proeopii, filii et vieegerentis domini Enderlini, urberarii ^) in 
montibus Chuttnis, et Harmani dicti patris, magistri curiae, praesentibus 
dominis Petro pat(re?), nunc seabino, et magistro Ludovico, rectore scolarum, 
et aliis et me Wenceslao Wazingz. ^) qui de voluntate partium praedicta 
scripsi etiamque roboravi; et sigillum domini Harmani, magistri curiae, 
praesentibus est appensum in testimonium omnium praemissorum. Cum 
autem sigillum supraseripti Harmani magistri curie, de quo superius fit 
mentio, deficeret, ut in hoc suppleretur, appensum fuit sigillum domini 
Proeopii supradicti. 

Commemoriali lib. 7 fol. 137' (Wiener Copie); cf. Piedelli Regesti lib. VII n. 125. 



30. 
1365, März 14, 21 und Aug. 25. Verurtheilung eines deutsehen Diebes. 

1365 die 14 Marcii. Henrieus de Colonia Theotonieus vagabun- 
dus . . . fuit confessus, quod modo sunt dies 15, quod ipse venit Vene- 
cias et mansit in una taberna prope Kivoaltum et hodie hora vespertina 
ipse, ubi stant domini officiales missetarie, et ibi, quia erant multe gentes 
ad stangatam ^), posuit manum in searsella ^) unius hominis ... et de ipsa 
accepit denarios in monetis quot potuit . . , 

Die vigesimo primo Marcii. Henrieus . . . sponte confessus est, 
quod modo sunt dies 15 vel circa quod, dum ipse foret in Veneciis simul 
cum Johane et Chozio Theotonicis ejus sociis et habuissent simul pactum, 
quod si aliquid possent furari conjunetim vel separatim, comunicare 
simul, quadam die hora vespertina ipsi tres iverunt in Rivoaltum, ubi 
venduntur sindones, et intrarunt stationem unius femine, que vendit 
sindones causa furandi .... 

1365 mense Augusti die 25 sententiatus ad perdendum ambos oculos. 

Ven. St.-A. Sig. di Notte al Crim. Proc. 4 f. 54'; f. 63 1365 (m. V.) Febr. 13 Verhör 
eines ,Renoldu8 de Viena' , 1366 April 29 Strafmass : beide Augen und die linke 
Hand; f. 63' an derti gleichen Tage gegen ,Martel Theotonieus, interrogatus 
per Michaelem de Boemia interi)retem' : linkes Auge und linke Hand; f. 77 1366 
(m. V.) Jan. 15 gegen ,Thomas Theotonieus' und ,Conradus de Francho', April 9: 
beide Augen; f. 77' 1366 (m. V.) Jan. 20 gegen ,Fredericus de Austria', März: 
linkes Auge und linke Hand. 



1) Zu lesen ,urburarii' oder ,urborarii' ; cf. Sternberg a. a. 0. H, 71 u. ff. (Duc. ,urba- 
rius, exactionis urbora nuncupatae collator'). 

^) corrigirt; Herr Gymn.-Prof. Rottraanner dahier vermuthet .Wazinger'. 
3) = stanghetta, Riegel, Gritter V 
♦) Geldbeutel. 



304 1365. 



31. 




1365, Sept. 2 und 15. Verhör und Geständniss eines gen. Deutsch- 
Ordensbruders und früheren Priors des Klosters S. Trinitä in 
Venedig über einen von ihm am Kloster verübten Diebstahl. 

Confessio fratris Joannis Eoliger Theutonici, qui derobavit mona- 
sterio de Trinitate. 

In nomine domini amen. Anno ejusdem nativitatis millesimo tre 
centesimo sexagesimo quinto indictione tertia Arimini tempore domini 
Ui'bani papae quinti die secundo mensis Septembris. Constitutus frater 
Joannes Roliger ordinis Alamanorum, olim gubernator ecclesiae de Tri- 
nitate de Venetiis coram venerabile viro, domino Jacobo de . ., reverendi 
in Christo patris et domini domini Angeli, dei et apostolicae sedis gratia 
episcopi Arimini, vicario generali, eidem delato sacramento per dictum 
dominum vicarium de veritate dicenda super iis de quibus idem dominus 
vicarius ipsum interrogabit. Qui frater Joannes suo sacramento ad inter- 
rogata respondendo sponte et ex certa scientia dixit et confessus fuit, 
quod ipse frater Joannes pignori posuit penes quemdam Bartholomaeum 
faeneratorem in Castro seu burgo de Mestre territorii Tervisini duo para- 
menta praesbyteri ad missam celebrandam deputata et unum librum pro 
duodecim ducatis pro solvendo cuidam famulo pro mercede sua ex eo, 
quia serviverat monasterio sanctae Trinitatis de Venetiis. Et iterum pig- 
nori posuit unum calicem paenes eundem faeneratorem pro octo ducatis. 
Item vendidit circa nonaginta staria frumenti pro pretio sexaginta duca- 
torum, de quibus solvit sexaginta libras parvorum pro expensis factis et 
necessariis pro dicto monasterio. Quae res et bona omnia supradicta 
erant et pertinebant ad dictum monasterium et de dicto monasterio ipse 
frater Joannes accepit. Similiter etiam dixit se accepisse argentum super- 
positum brachio sancti Matthiae Apostoli. Verumtamen dixit, quod dictum 
brachium non est semibracbium , videlicet a junctura manus supra 
usque quasi ad nodum brachii; quod argentum conflavit et minutatim 
incisit. Et iterum de dicto monasterio accepit duas cuppas ^) argenteas dicti 
monasterii. Iterum de dicto monasterio accepit viginti tres bullas au- 
reas; quod argentum, cuppas et bullas aureas secum exportavit et Ra- 
vennae pignori posuit dictas cuppas pro octo ducatis paenes quemdam 
Vitalem^) Ebreum faeneratorem^; et ibidem emit duos equos, quos secum 
Ariminum conduxit, et postea ibidem Arimini dictum argentum et dictas 
bullas aureas vendidit, videlicet dictas bullas pro pretio viginti sex duca- 
torum et dictum argentum pro pretio viginti duorum ducatorum, excepto 
aliquantulo de dicto argento et exceptis duabus de dictis bullis et uno 
sigillo argenteo, quod, quem et quas habet paenes se, et ibidem emit unum 
equum. Et dixit quod paenes Contium hospitatorem suum deposuit tri- 
ginta quatuor ducatos, de quibus dixit se rehabuisse viginti Bononinos *) ; 
et etiam idem hospitator expendidit de praedictis denariis pro expensis 
dicti fratris Joannis et suorum equorum. Item dixit se accepisse de dicto 
monasterio unam crucetam ^) parvam, in qua sunt reclusae aliquae parvae 



1) fehlt nisi? 

2) Kelch, Schale. 

3) = Lob? 

*) Bologneser Münze. 

5) = crocetta, kleines Kreuz. 



13Ö5. 305 

reliquiae, quam secum Arimimim portavit. Interrogatus si alii Theutonici, 
qui secum de Venetiis usque Ariminum venerunt, dederunt eidem auxi- 
lium, consilium et favorem in praedictis et pariter etiam de pi-aedictis 
fuerunt culpabiles, dixit quod non, quoniam ipse solus praedicta fecit et 
culpabilis fuit et est; et praedicti Theutonici praedicta sciverunt per 
dictum fratrem Joannem fore perpetrata, cum fuerunt Arimini, et quod 
unus ex dictis Theutonicis fuit famulus praedicti fratris Johannis forte 
per duos menses, alium vero cognoverat solum per aliquos paucos dies, 
ante cum modo noviter de civitate Venetiarum recesserit. 

Acta fuerunt omnia et singula suprascripta Arimini in domibus 
episcopatus Arimini in simalto (?) dictarum domorum prope scalas lapideas 
cortilis dictarum domorum praesentibus testibus ad praedicta vocatis et 
rogatis venerabile viro domino Petro de Arzune, canonico Ariminensi, 
Viviano domini Franciscbini judice de Raubotinis, Guidone magistri Tha- 
rini, Nicoiao Zicbini cali (?) ') et aliis pluribus de Arimino. 

Signi notarii locus. Ego Masius, filius quondam Henrici notarii de 
Arimino, imperiali auctoritate notarius et judex Ordinarius et nunc nota- 
rius et officialis praefati domini vicarii et ejus curiae episcopalis, bis 
Omnibus presens fui et rogatus scripsi meoque solito signo signavi. 

Dicta die constitutus in judicio Henricus et Amsi Theutonici coram 
sapiente viro, domino Bartholomaeo de Pistorio, magnifici domini domini 
Galeoti de Malatestis in civitate Arimini vicario generali, et eisdem et 
cuilibet ipsorum delato sacramento per dictum dominum vicarium de 
veritate dicenda super bis de quibus dictus dominus vicarius eos inter- 
rogabit. 

Qui Henricus respondendo ad interrogata per dictum dominum vi' 
carium dixit et sponte confessus fuit ex certa scientia, quod cognovit 
supradictum fratrem Joannem in civitate Venetiarum per aliquos dies, 
antequam ipse modo noviter cum praedicto fratre Joanne discessit de 
Venetiis; et etiam per duos dies steterat in monasterio Trinitatis de Ve- 
netiis cum dicto fratre Joanne, et secum venit in barcha, cum discessit 
de Venetiis, una cum supradicto Amsi et cum duabus meretricibus Theu- 
tonicis, et dictus frater Joannes pignori posuit duas cuppas argenteas in 
civitate Ravennae pro octo ducatis paenes quendam faeneratorem Hebreum; 
et ibidem emit dictus frater Joannes duos equos, et omnes praedicti vene- 
runt Ariminum, et ibidem idem frater Joannes tradidit eidem Henrico 
certam quantitatem argenti deorati et quamplures bullas aiireas, quod 
argentum et bullas venderet; et sie fecit, quia dictum argentum vendidit 
pro viginti duobus ducatis et dictas bullas pro viginti sex ducatis. De 
quibus denariis dictus frater Joannes emi fecit in civitate Arimini unum 
equum pro quatuordecim ducatis. Residuum vero dictorum denariorum, 
videlicet triginta quatuor ducatos dedit et deposuit, cum ipse fuit captus 
ista de causa mandato dicti domini vicarii, paenes Contium hospitatorem 
in dicta civitate Arimini, in cujus hospitio etiam dicti tres equi et etiam 
ad praesens dicti triginta quatuor ducati sunt paenes dictum Contium. 
Et quod nunquara scivit praedicta furta et derobationes fuisse commissas 
per dictum fratrem Joannem, nisi postquam ipse fuit in civitate Ari- 
mini; et quod de praedictis in aliquo non fuit culpabilis; et quod si 
dictus frater Joannes ipsum in aliquo de praedictis inculparet, mentiretur 



1) Undeutlich, calzV 

20 



306 1365-1369. 

tamquam malus homo; et aliud dixit se nescire de interrogationibus per 
dictum dominum vicarium. 

Amsi Theutonicus suo sacramento respondendo ad interrogata per 
dictum dominum vicarium dixit sponte et ex certa scientia, quod ipse fuit 
famulus supradicti fratris Joannis per duos menses vel circa in civitate 
Venetiarum et quod numquam scivit, quod dictus frater Joannes aliquid 
acciperet de bonis dicti monasterii sanctae Trinitatis; quoniam quicquid 
fecit dictus frater Joannes de praedictis rebus per ipsum subtractis et 
ablatis de dicto monasterio, sine con scientia, scientia et praesentia dicti 
Amsi fecit; et aliud de interrogationibus per dictum dominum vicarium 
dixit se nescire, nisi prout supra dixit et confessus fuit dictus Henricus. 

Signi notarii locus bic cadit. Et ego Masius quondam Henrici no- 
tarii de Arimino, imperiali auctoritate notarius et judex Ordinarius et nunc 
notarius et officialis supradicti domini vicarii, praedictis Omnibus interfui 
et ea rogatus scripsi meoque solito signo signavi. 

Millesimo trecentesimo sexagesimo quinto indictione tertia die decimo 
quinto mensis Septembris frater Joannes Eoliger Theotonicus ordinis sanctae 
Mariae Jerosolimitanae, alias prior ecclesiae sanctae Trinitatis de Venetiis, 
constitutus personaliter coram venerabile (sie), viro domino fratre Leu- 
poldo de Chyrpercb, provinciali totius Lombardiae, in camera tormenti 
dominorum de nocte ligatus et positus sub tortura cum duobus lapidibus 
ad pedes de mandato dicti provincialis, interrogatus ab eo quid fecerat 
et quid sciebat de illo frustro brachii beati Jacobi (sie) apostoli, quod de- 
ficit et videtur abscisum a frustro sive a parte illa quae remansit in mona- 
sterio praedicto, dixit et confessus fuit quod verum est, quod de anno 
praesenti in vigilia sancte Margaritae hora primi somni de nocte dictus 
frater Joannes instigatus spiritu maligno ivit ad sacrestiam dicti loci et 
inde accepit brachium beati Matthiae et portavit ipsum ad cameram suam 
in dicto loco et apperuit unam bussolam '), quae erat argento constructa 
circa dictum brachium, et inde accepit brachium et cum una sega dictum 
brachium segavit in duas partes, quarum unam partem, scilicet pars a 
latere cubiti, reposuit in argento per illam bussolam, unde acceperat, et 
alteram partem, scilicet a latere manus, ligavit in uno panno setae et 
ipsum die sequenti tradidit cuidam famulo provincialis, qui tunc erat in 
domo, ut ipsum ferret in Alemaniam, et pro parte sua traderet cuidam 
comiti Alberto de Outemgh'^), cui famulo dedit unum equum, qui consti- 
terat sibi ducatos decem et unum ducatum pro expensis famuli praedicti. 
Interrogatus quomodo vocatur ille famulus, dicit quod vocatus Is de 
Sofloth. Interrogatus si sciebat aliquid de hoc quod sibi dederat, dixit 
quod non, nisi quod bene dixerat sibi, quod erat una reliquia; nee ipse 
famulus jam sciebat, qualis i'eliquia esset. 

Commemor. lib. 7 (Wiener Copie) f. 248' ; cf. Predelli Regesti vol. Vn n. 230. 



32. 

1369, März 2. Verhandlung gegen gen. deutsehe Bedienstete in 
Venedig. 




1) = cista? cf. ,bussulus' Duc. 

2) Oettingen? da Pi-edelli im Original ,Outeingh' liest. 



1369-1370. 307 

1369 inensis Marcii die secundo. Capta. Quod pro habenda veri- 
tate istius quereile deposite per Masium de Ubriachis contra et adversus 
Nicolaum de Vienna, famulum Bandini Parisii, Coradum de Cologna, fa- 
muluni Gerardi Betinö, et Coradum Teotonicum, famulum Francisci Con- 
tareno, inculpat(os) intravisse domum ipsius Masii de nocte per fenestram 
malo modo, fiat collegium secundum quod per majorem ipsorum habeant 
libertatem tormentandi et examinandi predictos. Et cum eo quod postea 
habebitur, venietur huc et fiet sicut videbitur. 

Ven. St.-A. Quar. Crim. Parti 2 f. 72'. 



33. 

1369, Juni 19 und Juli 6. Verurtheilung eines gen. Deutsehen wegen 
Todtsehlages. 

1369 mense Junii die 19. Processus .... super facto mortis Coradi 
Theotonici, qui morabatur in curia nova, de cujus morte inculpatur 
Rodulfus in lingua Theotonica et Lant ^) in lingua latina (sie) ^). Da der 
Verwundete gestorben, legen Zeugschaft ab : Nicolaus Teotonicus Sancti Moysis in 
cuiia nova, Gerardus Theotonicus faber S. Moysis in curia nova. 

Mense Julii die 6 sententiatus ad suspendendum per guUam, ita 

quod moriatur. 

Ven. St.-A. Sig. di Notte al Crim. Proc. 4 f. 96'. 



34. 

1370, Mai 15. Der Augsburger Rath empfiehlt der venetianisehen 
Regierung den gen. Bevollmächtigten des Sebastian Rem behufs 
Erhebung der Hinterlassenschaft von dessen Gattin in Treviso. 

Eecommendatitie ^) ad ducem Venetiarum Sebastianum Remum con- 
cernentes ratione hereditatis in Tarvis(io). 

Potenti et magnifico ac excellentissimo domino, domino Venetie 
duci, nostro domino gracioso, magistri seu gubernatores consules tota- 
que civium universitas civitatis Augustensis ad quevis beneplacita para- 
tam voluntatem cum effectu. Notificavit nobis Sebastianus Rem, servitor 
ac fidelis vir et amicus noster specialis, quod domina Thomazia, uxor 
sua, in Tarvis(io) heu ex hac luce migravit, quare in propria persona 
ad vestram presenciam venire se disposuit, sed pronunc legittime impe- 
ditus misit ad celsitudinem vestram Ulricum dictum Winckler avun- 
culum suum, ut nomine suo petat bona uxoris sue. Quare supplicamus 
excellencie vestre, ut predictum Ulricum Winckler latorem presencium 
graciose promovere dignemini, ut sibi assignentur bona, que ex morte 
domine Thomasie prenominato Sebastian© Rem, servitori vestro, de jure 
cedere debent intuitu serviciorum saorum , que de multis annis vobis 
et universitati vestre fideliter exhibuit. Et quod nostra universitas tarn 



1) Oder Laut, was nicht zu unterscheiden. 

2) Umgekehrt heisst es später : ,Rodulfus Theotonicus S. Moysis in curia nova sive 
Lant in sua lingua' ; vermuthlich hiess der Mann Rudolph Lant (oder Laut). , 

3) Recom. — Tarvis. von späterer Hand. 



308 



1370. 




divitum quam pauperum pro vestre benignitatis benevolencia conabitur 
perpetuo deservire. 

Datum Auguste 18 (sie) kallen. Junii mensis 1370 ^). A magistratu 
Augustano concessae et expeditae 18. kal. Jun. 1370. 

Augsb. St.-A. Brfb. la pag. 92. 



35. 
1370, Mai 15. Aehnlleh (ef. Nr. 34) an den Podestä von Trevlso. 



In simili ^) ad superiorem in Tarvis(io). 

Nobili ac potenti viro domino, domino civitatis Tarvisii bonora- 
bili potestati, consules seu gubernatores universitatis civitatis Augustensis 
se promptes ad servicia cum effectu voluntatis. Ad vestram presenciam 
venit Johannes dictus Eeme, concivis noster, lator presencium, certus 
nunccius ac legittimus procurator Sebastiani patrui sui, civis Augustensis, 
mariti quondam domine Tbomasie bostene (?) ^) Tarvis(ii?), ad petendum 
et requirendum res et bona ipsius Sebastiani existencia et que exstabant 
penes dictam dominam Thomaziam, ejus uxorem, et que visa fuerint 
esse et extare penes eam tempore mortis ipsius domine Tbomasie et 
ante. Quare legalitati vestre supplicamus, ut eundem Jobannem dictum 
Beme, procuratorem prefati Sebastiani, graciose promovere dignemini, ut 
ad possessionem bonorum dicte Tbomasie ponatur et justicia de pleno 
sibi fiat de inpedientibus ipsum, parati semper vobis in similibus com- 
placere. 

1370 Augustae 18 kal. Junii ■*). 

Augsb. St.-A. Brfb. la pag. 92. 



36. 
1370, Dez. 9. Aehnlieh (ef. Nr. 35) an den Dogen Andrea Contarini. 

In simili reiteratae ad ducem Venetiarum. 

Nobili ac potenti domino, domino Andree Condarini (sie), duci 
Venecie, domino nostro gracioso, consules et gubernatores civitatis Au- 
gustensis servicia sua parata. Nobilitati vestre tenore presencium decla- 
ramus, quod Jobannes dictus Rem, concivis noster, coram sapientibus 
viris, judicibus Tarvis(ii), petivit res et bona, que extabant penes dominam 
Tbomasiam bostenam Tarvis(ii), quondam uxorem Bestiani (sie) dicti Eeme, 
patrui sui; cujus Sebastiani prefatus Johannes Rem legitimus procurator 
constitutus gravatur ex dilacione et prolongacione juris tum propter graves 
expensas tum eciam negligendo alia facta sua. Quare supplicamus lega- 
litati vestre, ut litteras vestras gratiosas destinare velitis domino civitatis 
Tarvis(ii) bonorabili potestati, quatenus judicibus suis injungat, ut Johanni 
dicto Rem , concivi nostro prenominato, fiat justicia de piano secundum 
libros et statuta civitatis Tarvis(ii), dilacionibus et prolongacionibus ob- 
missis, parati semper vobis et vestris in similibus et majoribus complacere. 

Datum Auguste quinto ydus Decembris anno septuagesimo. 
Augsb. St.-A. Brfb. la p. 93. 

1) = Idibus Madii ! Die Zahl wie das Folgende übrigens wieder von späterer Hand. 

-) In simili — Tarv. von anderer Hand. 

3) Zu lesen hosteiie (von hosterius gebüdet), Gastwirthin? 

*) 1370 etc. von anderer Hand. 



I 



1371-1372. 309 



37. 



1371 oder 1372 (Mai 26?). Der Augsbupger Rath ersucht die vene- 
tianisehe Regierung, die Hinterlassenschaft des Seb. Rem 5füp 
dessen Wittwe und den zu erwartenden Erben aufzuheben 
(cf. Nr. 38). 

A') magistratu Augustano reiteratae recommendatitiae ad ducem 
Venetiarum nomine Sebastian! ßemi puncto haereditatis. 

Nobi(li) ac potenti etc. consules, jurati etc. Nobilitati vestre tenore 
presencium declaramus, quod domina Lucia, relicta Sebastian! Eem, qui 
quondam consueverat morari bospes in civitate Tarvis(ii) (et) de bac luce 
nuper migravit, concivis vestra, est in spe propinqua gener ande prolis et 
vicina partui. Quare supplicamus serenitati vestre, ut res et bona prefati 
Kernen , que sub vestra dicione sunt posita, sub vestra tutela reserventur, 
donec prenominata a partu liberetur, quia ipsa una cum prole generanda 
marito suo predicto in rebus et bonis jure successit. Et si interim aliquis 
amicorum prenominati Kernen peteret illa bona , illum vel illos non ad- 
mittatis intuitu serviciorum nostrorum et juris, parati vobis et vestris 
in similibus et majoribus complacere. Dat. etc. 

Augsb. St.-A. Brfb. la p. 94. 



38. 

1372, Mai 26 (?) ^). Der Podestä von Treviso an den Augsburger 
Rath: in der Erbschaftsangelegenheit des Seb. Rem (ef. Nr. 37) 
sei es nöthig, dass der Vormund des Kindes persönlich in Tre- 
viso erseheine. 

Nobilibus et sapientibus viris, dominis consulibus civitatis Augu- 
stensis, Johannes Gradonico, civitatis Tarvis(ii) potestas, salutem et dilectionis 
affectum. Literas vestre nobilitatis die Mercurii ') 26 die Maji instantis 
recepimus super facto hereditatis bonorum quondam Sebastian! dicti Rem, 
olim habitantis Tarvisii. Quarum intellecto tenore sie duximus respon- 
dendum, quod orta prole domine in vestris literis nominate studeat tutor 
puer! vel puelle cum literis vestre nobilitatis coram nobis comparere legi- 
time, offerentes nos paratos sibi facere expeditum juris et justicie com- 
plementum. Datum Tarvisii 26 Maji ^). 

Preterea ad vestri informacionem significamus vobis, quod [oportet] 
secundum jura et ordines civitatis nostre tutor conficere debeat inven- 
tarium de bonis et hereditate defuncte persone et cum inventario per 
se vel procuratorem legitimum ad hec specialiter constitutum debeat 
comparere et cum instrumento tutele nee non cum literis vestri regiminis 
recommendantibus de bona fama notariorum qui confecerint. Interea 
parati ad quelibet vobis grata, 
Augsb. St.-A. Brfb. la p. 99. 

'; A — haered. von anderer Hand. 

2) Nachdem im Schreiben selbst dieses Datum als Ausstellungszeit eines Schreibens 
des Augsburger Rathes (vielleicht von Nr. 37) vorkommt , muss das vorliegende später 
datirt sein. 

3) Diese Angabe verweist auf das Jahr 1372. 



310 1372-1373. 



39. 



n 



1872. Der Augsburger Rath theilt dem Podestä von Treviso mit, 
dass über die Hinterlassenschaft des Seb. Rem (ef. Nr. 38) ein 
Vergleich erzielt worden. 

Litterae ^) ab urbe Augustana ad superiorem in Tarvis(io), nego- 
tium Sebastiani Remi puncto baereditatis esse amicabiliter compositum. 

Nobili ac potenti domino , domino civitatis Tarvis(ii) , honorabili 

potestati, consules jurati civitatis Aug(ustensis) servicia sua fidelia. Nobi- 

litati vestre tenore presencium notificamus, quod coram nobis in consilio 

nostro comparuerunt tutores et consangwinei proximi Sebastiani pueri, 

quem domina Lucia relicta Sebastiani dicti Eem, qui quondam morabatur 

in Tarvisio, concivis nostra ^), genuit post mortem patris, de quo eciam ante 

nobilitati vestre scripsimus ex una parte, et Jobannes Rem, concivis noster 

dilectus, ex alia parte ^). Tutores vero et mater et consangwinei proximi 

predicti pueri dicebant, quod idem puer patri suo Sebastiano Rem bone 

recordationis succedere debet in bonis et bereditate patris sui in Tarvis(io) 

et alibi sitis. Prenominatus autem Rem asseruit se esse in possessione 

bonorum predictorum. Ambas igitur partes cum consensu et voluntate 

utriusque partis concordavimus et ad pacificara concordiam duximus tali 

condicione, quod prefatus Jobannes Rem puero prefato a*) suis tutoinbus 

alia bona hie nobiscum sita et cum boc paratam pecuniam in recom- 

pensam bonorum in Tarvisio sitorum dare et assignare debet, quod et 

fecit. Quare supplicamus nobilitati vestre, ut prenominatum Jobannem 

Rem ad possessionem liberam predictorum bonorum in Tarvisio et sub 

dicione vestra sitorum admittatis et ipsum promoveatis, ut babeat liberam 

facultatem vendendi seu disponendi de predictis bonis, secundum quod 

visum fuerit sue utilitati congruere, et quod ipse et beredes sui deinceps 

pacifica gaudeant possessione ; in hoc nobis specialem gratiam vestram, 

de qua semper presumpnimus, ostendentes, parati vobis et vestris in simi- 

libus complacere. 

Augsb. St.-A. Brfb. la p. 56. 

40. 

1373, Dez. 19. Die Behörden von Treviso ersuchen den Augsburger 
Rath um Zeugenvernehmung in einer Streitsache zwischen einem 
gen. Bürger von Treviso und Johannes Rem (cf. Nr. 39), 

Nobilibus et sapientibus dominis, dominis honor(abilibus) consu- 
libus juratis civitatis Augustensis, amicis carissimis, judices ^) in Tarvis(io) 
ad civitatem Augustanam in causa Sebastiani Remi. 

Amici carissimi. Cum agitetur questio coram nobis inter Jacobum 
de Partanon®), babitator Tarvisii , seu ejus procuratorem ex parte una 
agentem, et Jobannem Rem de Augusta seu procuratorem suum ex 
parte altera se defendentem; in qua questione et causa producta sunt 
coram nobis capitula pro parte dicti Jobannis; que quidem capitula asse- 



1) Literae — compos. von anderer Hand. 

2) vestra ? cf. S. 309 Nr. 37. 

3) Diese Schreiben sind nicht bekannt. 
*) Zu lesen: et? 

5) Judices — Remi von anderer Hand. 

6) Pordenone. 



1373-1383. 311 

ritur probare velle per procuratorem Joli(annis) de Rem per testes vestre 

jurisdictioni subpositos. Quacirca amiciciam vestram presentium tenore 

rogamus, quatinus testes, quos idem Johannes seu ejus procurator coram 

vobis duxerit nominandos, citari facere placeat et velitis ipsosque exami- 

nari super capitulis et inteiTOgacionibus, quas vobis mittimus presentibus 

interclusas, prius eisdem de veritate dicendo prestito juramento, ipsorumque 

attestationes et dicta simul cum dictis capitulis et interrogacionibus nobis 

interclusas vestris litteris remittentes, parati etc. Insuper vos rogamus, 

quatenus vobis placeat interrogaciones presentibus interclusas secretas 

teuere et neutri ipsorum partium pandere, quia Tervisii talem consue- 

tudinem observamus. 

Pataleon Garbo Tarvis(ii) potestas. Ibi datum die decimonono De- 

cembris undecima indictione. 

Augsb. St.-A. Brfb. la p. 95. 

41. 

1375. Erwähnung deutscher Arbeiter in Malamoeeo. 

1375 13 indictionis. Cum, sicut exponit Peti'us de Locbo Theo- 

tonicus, existente ipso pro capite Theotonicorum, qui laborant in Matha- 

mauco comuni et non habende tunc aliquid ad laborandum, acceperit 

unam tabernam in Pelestrina a quodam, qui tenebat illam, et ipsam ta- 

bernam tenuerit quinque mensibus; quam accepit cum conditione quod 

de toto vino quod venderet deberet solvere dacium; et transactis dictis 

quinque mensibus officiales Mathamauci miserunt pro ipso Petro, quia 

volebant facere laborari et Theotonici sine ipso non poterant poni in 

ordine . . . 

Yen. St.-A. Graz. 17 f. 59. 

42. 

1383, Nov. 25. Vertrag zwischen den deutsehen Schuhmachern und 
dem Kloster S. Stefano in Venedig über Erwerbung einer Gruft, 
eines Altars u. s. w. für die ersteren in der genannten Kirche. 

In Christi nomine amen. Anno nativitatis ejusdem millesimo tre- 
centesimo octuagesimo tercio indictione sexta die vigesimo quinto mensis 
Novembris Venetiis in contrata Sancti Vitalis in domo habitationis Bar- 
tholamei Benedicto speciarii ') (?), presentibus providis viris Bertuccio a 
Türe, filio quondam Francisci, habitatore Venetiarum in contrata Sancti 
Samuelis, Benevenuto dicto Turlo, custode dominorum de nocte, et Petro 
a Türe, filio quondam ser (?) Nicole de contrata Sancti Vitalis, testibus 
rogatis et ad infrasscripta specialiter convocatis; ibique nobilis vir do- 
minus Franciscus Venerio quondam domini Belleti, habitator Venetiarum 
in contrata Sancti Samuelis, procurator monasterii fratrum capituli et 
conventus sancti Stephani de Venetiis ordinis fratrum heremitarum sancti 
Augustini, habens ab ipsis fratribus capitulo et conventu ad infrascripta 
omnia celebranda sufficiens mandatum — px*out patet quodam publico pro- 
curationis seu commissionis instrumento, facto scripto et publicato ac se- 
cundum mores et consuetudines civitatis Venetiarum complecto et roborato 

1) Orig. sparü. 



312 



1383. 



manu Nicolai de Ferantibus, ecclesie sancti Vitalis presbiteri et Vene- 
tiarum notarii, in millesimo trecentesimo octuagesimo tercio mensis Julii 
die 7 indictione sexta Rivoalti, a me notario infrascripto viso et lecto — 
procuratorio nomine dictorum monasterii fratrum capituli et conventus 
sancti Stephani predicti ac virtute dicte procurationis et comissionis 
sponte libere et ex certa scientia dedit tradidit et concessit Conrado de 
Boemia de contrata Sancti Apolinaris, Henrico de Norimbergo de contrata 
Sancti Paterniani, Frederico de Bavaria de contrata Sancti Silvestri, Petro 
de Boemia, Georgio (de) Ulmo de contrata Sancti Paterniani et Nicoiao de 
Frayburch de contrata Sancti Cassiani, omnibus cerdonibus et de socie- 
tate ac congregatione cerdonum Theotoni corum, habitantium civitatis Vene- 
tiarum, ibidem presentibus et pro se ac vice et nomine aliorum cerdonum 
dicte congregationis presentium et qui de futuro in congregatione et socie- 
tate erunt stipulantibus et recipientibus, quoddam pecium terreni seu 
territori vacuum, situm et positum penes portam sive hostium conventus 
dictorum fratrum et monasterii sancti Stephani, videlicet prope archas 
et sepolturas sonatorum cum plenisima vii'tute auctoritate et potestate 
possendi construere ac construi et hedifficari facere in ipso terreno seu 
territorio unam archam seu sepulturam , in qua possint et valeant poni 
et sepelliri omnia et singula funera omnium cerdonum Teothonicorum 
et personarum, qui ad presens sunt et in futurum erunt dicte societatis 
et congregationis. De quo quidem terreno seu de dicta archa et sepul- 
tura super ipso terreno construenda, idem dominus Franciscus Venerio 
procuratorio nomine predicto et virtute commissionis predicte promissit 
litem non movere vel inferre nee moventi vel inferenti consentire, sed 
ipsum terrenum et archam supra ipso hedifficandam deffendere guarren- 
tare et disbrigare^) a quibuslibet personis ipsum terrenum seu sepulturam 
impedire volentibus. 

Item ipse dominus Franciscus procuratorio nomine predicto et vir- 
tute dicte commissionis tradidit, designavit et concessit ipsis cerdonibus 
suprascriptis, pro se ac vice et nomine omnium cerdonum et personarum 
qui et que sunt et in futurum erunt dicte societatis et congregationis 
stipulantibus et recipientibus, unum altare situm et possitum in ecclesia 
Sancti Stephani predicti, quod ad presens vocatur altare sanote ürsule ') ; 
ita et taliter quod ipsi cerdones et ceteri de dicta societate et congre- 
gatione possint absque contradictione aliqua fratrum dicti monasterii et 
alterius cujuscunque persone facere et fieri facere ad ipsum altare unam 
pallam seu anconam beate virginis Marie cum hornatione aliorum sanc- 
torum. 

Item ^) idem dominus Franciscus procuratorio nomine quo supra 
fecit dare atque designari facere per fratres dicti monasterii et ecclesie 
Unum locum habilem, ubi ipsi et alii de dicta societate et congregatione 
erigerunt per medium dictum altare sine contradictione aliqua unam co- 
lonam lapideam et marmoream, super qua stare debeant tres cerei seu 
candelloti, qui debent ardere ad missam omnibus diebus dominicis et in 
aliis festivitatibus principalibus. 

Item ipse dominus Franciscus procuratorio nomine quo supra ac 
virtute dicte comissionis seu procurationis dedit tradidit et concessit ipis 



n 



hoc' 



1) .molestia et lite liberare' Ducange. 

2) Von späterer Hand ausgestrichen und darüber geschrieben : sancti Nicolai de Tolentino. 

3) übergeschrieben ,ua' und dem entsprechend weiter unten bei , principalibus' ,catum 
vacatum hoc „ungiltig". 



1383. 313 

cerdonibus suprascriptis , pro se ac vice et nomine omnium cerdonum et 
personarum dicte societatis et congregationis stipulantibus et recipientibus, 
unum banchum situm et positum in dicta ecclesia sancti Stepbani penes 
altare sancti Marci ')> in l^io bancho ipsi et alii de dicta societate et con- 
gregatione possint et valeant absque contradictione aliqua ponere et te- 
nere doplerios ^) cereos et candellas portandos et portandas ante et post 
quando aliquis de dicta societate et congregatione decesserit, pro sui de- 
votione. 

Item ipse idem dominus Pranciscus procuratorio nomine predicto 
ac virtute et potestate dicte procurationis et comissionis promisit et 
cum suprascriptis cerdonibus, ut supra stipulantibus et recipientibus, 
convenit, quod fratres monasterii capituli et conventus sancti Stepbani 
predicti tam presentes quam futuri celebrabunt semper omni anno pro 
animabus defunctorum et vivencium salute dicte societatis et congrega- 
tionis ad dictum altare, quod ad presens vocatur altare sancte ürsule '), 
super quo est construenda dicta pala de novo fienda, missas quinqua- 
ginta, dicendas et cellebrandas hoc modo videlicet: quinque in cantu, 
unam in festo sancte Marie de mense Augusti, unam in festo sancte Marie 
de mense Septembris, unam in festo omnium sanctorum *), unam in festo 
sancte Mai'ie a scolis de mense Februarii, et aliam in festo sancte Marie 
de mense Marcii — hoc tamen apposito quod illi de dicta congregatione 
notificent domino priori seu ejus locum tenenti una die ante illam diem 
qua debet celebrari missa dicenda in cantu ut supraque celebranda — alias 
vero missas quadragintaquinque qualibet die dominica ^). 

Et hec omnia et singula suprascripta idem dominus Franciscus 
fecit promisit et convenit, quia e converso suprascripti cerdones superius 
nominati, asserentes se ad hec celebrandum habere plenam libertatem 
auctoritatem et arbitrium ab omnibus et singulis in dicta sua societate 
et congregatione constitutis, promiserunt dare et solvere semper omni 
anno in festo sancte Marie de mense Augusti ") libras sexdecim pai'vorum ''). 

Et hec omnia et singula suprascripta promiserunt ipse partes sibi 
ad invicem vicissim solemnibus stipulationibus hinc inde intervenientibus, 
videlicet prefactus dominus Franciscus procuratorio nomine dictorum fra- 
trum suprascriptorum dictis cerdonibus superius nominatis, pro se et aliis 
de dicta societate et congi-egatione presentibus et futuris stipulantibus et 
recipientibus, et ipsi cerdones prenominati pro se et vice et nomine 
aliorum de dicta societate presentium et futurorum ipsi domino Fran- 
cisco, stipulanti et recipienti vice et nomine dicti monasterii fratrum capi- 
tuli ecclesie et conventus sancti Stepbani prelibati, suprascripta omnia 
et singula in presenti instrumento apposita et contenta attendere obser- 
vare et adimplere ac non contrafacere dicere opponere vel venire per se 
vel alium seu alios aliqua ratione vel causa de jure consuetudine vel de 
facto sub pena librarum quinquaginta parvorum Venetorum tociens per 
partem observantem aufferenda a parte contrafacente quotiens in singulis 
capitulis et clausulis in presenti contractu contentis fuerit contrafactum 



1) Von späterer Hand corrigirt in : dicti sancti Nicolai. 

2) Fackeln. 

3) 8. Urs. ausgestrichen. 

*) Ausgestrichen und von späterer Hand darüber geschrieben : in die omnium defunctorum. 
5) Darüber geschrieben ,Junü' ; hieher gehören wohl die am Ende des Dokuments bei- 
gefügten Worte: ,unam de mortuis prima die hine post festum sancte Anne'. 
*) von späterer Hand corr. : in die defunctorum. 
1) zwischen sexd. u. parvorum von späterer Hand eingefügt XXUI. 



314 1383-1389. 



n 



cum reffectione omnmin et singulorum damnorum expensarum et Interesse 

litis et cetera. Et predicta pena semel et pluries soluta vel non ac gra- 

tioxe remissa vel non, rata tarnen maneant omnia et singula in presenti 

instrumento sita posita et adjecta. Pro quibus omnibus et singulis atten- 

dendis observandis et firmiter adimplendis dicte partes, videlicet dictus 

dominus Franciscus procuratorio nomine predicto obligavit omnia dictorum 

fratrum monasterii capituli et conventus bona mobilia et inmobilia pre- 

sentia et futura, et dicti cerdones superius nominati obligaverunt omnia 

sua dicte societatis bona mobilia et immobilia tam habita quam habenda. 

De quibus omnibus suprascriptis ipse ambe partes nominibus predictis 

quibus supra rogaverunt me Odoricutn notarium infrascriptum, ut auten- 

ticum conficerem instrumentum, totiens in formam publicam redigendum 

quotiens ab ipsis partibus et altera ipsarum fuero requisitus. 

EGo Odoricus de Eobabelis quondam domini Jobannis, notarius pu- 

blicus ac imperiali auctoritate notarius, biis omnibus interfui ac rogatus 

scribere scripsi et in banc formam publicam redegi signumque meum con- 

suetum apposui. 

Yen. Mus. Civ. Corr. Cod. Cic. 3249 Nr. 22 Original. 



43. 

1385 — (und 1386 (?) September 14). Ein Deutseher, der seit 22 Jahren 
in venetianisehen Diensten, erhält das venetianisehe Bürgerrecht. 

1885. Cum, sicut exponit Henricus Spiera, qui fuit de Allemania, sunt 
anni 22 et ultra quod stetit et babitavit Venetiis, navigando cum navibus 
et galeis Veneciarum .... supplicetur humiliter, quod dignetur domi- 
nium ipsum recipere in civem Veneciarum de intus et extra . . . 

Capta in 40 (ohne Datum, vorher: 15 Novembris); 1396 ^) 14 Septembris 

capta in majori consilio. 

Yen. St.-A. Graz. 17 f. 211'. 

44. 

1389, September 19. Belohnung eines deutsehen Söldnerführers. 

1389 die 19 Septembris. Capta. Cum Robotb de Engestorp Tbeo- 
tonicus, fidelis noster, qui longissimo tempore stetit ad servitium nostrum 
et fuit comestabilis in Tervisio annis triginta vel circa, exponat quod est 
factus senex, ymo decrepitus et pauperimus in tantum ut se reduxerit ad 
hospitale Tervisii, ubi jam pluribus annis stetit, sicut potuit, sed cum 
magno incomodo et sinistro; et propterea humiliter supplicet dominio, qua- 
tenus dignetur providere sibi de aliquo emolumento, cum quo possit 
sustentare reliquum vite sue: vadit pars considerata fidelitate et optimo 
portamento suo, habito temporibus retroactis, quod habeat in Trevisio 
unam pagam pedestrem mortuam de vi vis ^), non augendo numerum stipen- 
diariorum, cum potestas Tervisii consulat, quod provideatur sibi de aliquo 
ad sustentationem vite sibi restantis. 
Yen. St.-A. Sen. Misti 41 f. 33'. 

1) Wohl verschrieben statt 1386. 

2) ,paga morta' significava un soldato inscritto nei ruoli, ma non presente nell' armata, 
,paga Viva' soldato inscritto e presente: schriftliche Mittheilung des Herrn Dir. Cecchetti. 



1390—1402. 315 



45. 



1390, März 12. Das Collegio entscheidet, dass alle die Juden betref- 
fenden Angelegenheiten von den .Supraconsules' zu erledigen seien 
und diese berechtigt sein sollen, Verkäufe behufs Befriedigung 
jüdischer Gläubiger vorzunehmen. 

1390 die duodecimo Marcii tercia decima indicione. 

Cum nobiles viri supraconsules venirent coram domino duce et con- 
siliariis, dicentes quod quidam Robertus de Norimbergo Judeus, qui habere 
debebat a commissaria quondam Jobannis Rizo libras circa duodecim gros- 
sorum pro denariis mutuatis ad usuram, petebat a dictis supraconsulibus, 
quatenus sibi placeret vendere tantum de possessionibus dicte cominissarie 
quam sufficeret ad solutionem fiendam dicto Judeo de dictis suis denariis, 
cum de bonis mobilibus nichil inveniri posset; et cum aliqua dubitatio 
verteretur inter dictos supraconsules, utrum eisdem supraconsulibus spec- 
taret vendere dictas possessiones pro dicta solutione fienda dicto Judeo 
an officio judicum proprii, audito capitulari supraconsulum , quod dicit 
quod facta Judeorum sint commissa supraconsulibus etc.: per dictum 
ducem et consiliarios consulte dictum fuit et terminatum, quod supra- 
consules possint vendere possessiones et proprietates cujuscunque persone 
pro solucione fienda Judeis prestantibus ad usuram , et quod ad aliud 
officium non spectabat vendere possessiones pro factis dictorum Judeorum. 

Yen. St.-A. Not. d. Coli. 9 f. 78. 

46. 

(1392, Juli 20.) Gewährung des venetianisehen Bürgerrechtes an 
einen gen. Deutschen. 

Cum, sicut exposuit Johannes Theotonicus, sunt 40 anni quod con- 
tinue stetit et habitavit Veneciis cum pluribus nobilibus, navigando cum 
Ulis in navibus et galeis ad multas partes, sed propter paupertatem non 
potuit teuere familiam nisi a tribus annis citra; et quia alias facta fuit 
quedam pars, quod forenses facientes se scribi ad officium provisorum 
comunis statim essent cives Venetos (sie) de intus, et, si habitassent Veneciis 
quinque annis, possent expediri pro civibus Veneciarum de intus et extra, 
quam partem dictus Johannes ignoravit; et propterea humiliter pecierit, 
quod non obstante ingnorancia sua de gratia constituatur civis Venetus 
de intus et extra: consideratis^predictis fiat sibi gratia, prout petit; et sie 
consulunt provisores comunis. 

1392 20 Julii capta in majori consilio. 

Ven. St.-A. Graz. 18 f. 36. 

47. 

1402, Dezember 20. Der Rath der Zehn gestattet den Vorständen der 
Bäckerinnung in Venedig, gegen Widerspenstige in der Bruder- 
schaft zu S. Filippo e Giacomo einschreiten zu dürfen (cf. Nr. 56) '). 



J) B. oben S. 269, 270. 



316 1402-1403. 

1402 die 20 Decembris indictione 11. Capta. Cum fuerit dominio 
nostro humiliter supplicatum pro parte subditorum fidelium nostrorum 
officialium scole pistorum Theutonicorum , commorantium in civitate 
nostra Venec(iarum), quod, cum jam diu per ipsos pistores Theutonicos sit 
creata quedam scola, que congregatur in ecclesia beatorum apostolorum 
Philippi et Jacobi, in qua habent altare proprium dicte scole, ubi ob 
devocionis fervorem quam plures solemnitates missarum et aliorum divi- 
noi'um officiorum sepissime cellebrantur; ac etiam si contingit aliquos 
pauperes mori non habentes unde valeant sepelliri, de elemosinis dicte 
scole per ejus officiales multipliciter errogantur ^) ; et quandoque accidat 
quod de dictis Theutonicis ipsius scole reperiantur aliqui, qui non ha- 
bentes fervorem caritatis nee aliis compatientes nituntur regulas et sta- 
tuta dicte scole infringere, nolentes ipsas aliqualiter observare, ex quorum 
protervitate pia opera cessant et de mente illorum qui sunt bene dispositi 
excidunt et reducerentur in nicbilum, nisi apponeretur remedium salutare: 
dignaremur de gratia speciali concedere officialibus dicte scole, qui sunt 
ad presens et qui per futura tempora erunt, quod tales sie reprobos et 
malignos et tanto pio operi adversantes possint amonere et compellere 
ad observandum ordines et statuta sue scole predicte et, nisi fuerint obe- 
dientes ad observantiam premissorum, possint dicti officiales illos expel- 
lere totalitär de dicta scola, ita et taliter quod neque beneficiis neque 
aliis emolumentis dicte scole possint ullatenus gaudere — nam similiter ex- 
titit, ut asserunt, per dominacionem nostram alias scole cerdonum Theu- 
tonicorum, que in ecclesia sancti Stefani congregatur, benignius elargitum — : 
vadit pars considerata devotione predictorum, qui ob dei reverenciam pro 
piis operibus antedictis hoc requirunt, fiat sibi gratia, sicut petunt. Et 
fuit capta per 4 consiliarios, duo capita de 10 et per duas partes et ultra 

totius consilii de 10. 

Yen. St.-A. Cons. 10 Misti 8 f. 81'. 




348. 



iltra M 

J 



1403, Okt. 23. Entscheidung der ,Giudiei del Petizion* in einer Streit- 
sache zwischen einem gen. Venetianer und einem gen. deutschen 
Töpfer zu Gunsten des ersteren. 

1403 die 23 mensis Octobris. Super questione vertente inter Ven- 
turinum Becino de confinio Sancte Sophie sive nobilem virum ser Michaelem 
Truno advocatorem, per omnes curias ascriptum, pro eo in curia Ordinate 
ex una parte petentem, et Conradum Theotonicum scutellarium, fratrem 
et magis propinquum quondum Cristofori Theotonici scutellarii olim fratris 
sui, ex altera respondentem, supradictus ser Venturinus petebat eidem 
Conrado, olim fratri et magis propinquo dicti quondam Cristofori, in bonis 
ipsius Cristofori ducatos 56 et grossos sexdecim ad aurum pro resto rerum 
et mercantiarum sibi Cristoforo datarum de sua appotheca, et petebat 
expensas hujus cause. Ex adverso autem dictus Conradus nomine quo 
supra dicebat verum esse, quod tempore, quo vivebat frater suus Cristo- 
forus, habuit et recepit ab ipso ser Venturino de plumbo et rebus suis; 
sed quantum restat habere, dicit nescire et etiam quod de bonis fratris 
sui nichil habet. Sed omnia bona fratris sui ablata fuerunt ante mortem 



1) „mit Geld unterstützt werden". 



1403—1408. 317 

et post mortem fratris sui per magistrum Fricel Theotonicum cerdonem, 
et quod domini judices super inde faciant, quod justum sibi fieri videatur. 
Unde prefati domini judices petitionum, videlicet Johannes Caucho, Fran- 
ciscus Foschari et Nicolaus Lauredano visis, auditis et diligenter intelectis 
petitionibus, responsionibus, juribus et allegationibus partium premissarum 
et testificationibus super inde in curia productis et publicatis, et omnibus 
que dicte partes dicere, producere et allegare voluerunt; et consideratis 
Omnibus que merito super inde considerari debuerunt; super hoc habito 
consilio diligenti, primo dato sacramento dicto ser Venturino Becino et 
eo jurante verum esse et habere debere, ut supra petebat: omnes tres 
concordes per sententiam laudum et arbitrium , per justiciam et eorum 
officium sententiando posuerunt in debitum prefatum Conradum Theoto- 
nicum, olim fratrem et magis propinquum dicti quondam Cristofori Theo- 
tonici scutellarii, mortui intestati ut asseritur, eidem ser Venturino Be- 
cino in quantum sunt dicti ducati quinquaginta sex et grossi sexdecim pro 
resto occaxione predicta, dantes etc. in bonis dicti quondam ser Cristo- 
fori Theotonici scutellarii' ubicumque poterunt reperiri. 

Yen. St.-A. Giud. d. Pet. Sent. a giiist. Busta 685 fasc. 12 fol. 3'. 



49. 

1407, Januar 26. Massregeln des Rathes der Zehn zur Bestrafungr 
von Deutschen, welche an einem Tumult sich betheiligt hatten. 

1406 (m. V.) die 26 Januarii indictione 15. Capita consilii de 10. 
Capta. Quia ista congregatio et pugna Teutonicorum, facta in Sancta Cruce, 
numero centum vel circa, posset inducere malam inconvenientiam, et bonum 
est punire delinquentes ac obviare talibus presumptionibus : vadit pars, 
quod examinetur et retineatur dona Maria Goldioso, in domo cujus habi- 
tant de istis Teutonicis qui fecerunt dictam adhunantiam, et similiter 
omnes alii qui videbuntur principales dictis capitibus de 10 vel majori 
parti. Et exnunc pro sciendo veritatem fiat colegium secundum usum, 
ut, si opportunum fuerit, presto possint capi et tormentai'i omnes illi qui 
videbuntur dicto collegio culpabiles vel majori parti. Et postea venietur 
secundum usum ad istud consilium et fiet sicut videbitur. 

Omnes de parte. Pro collegio suprascriptorum Teutonicorum. 

Ser Donatus Michael consiliarius, ser Petrus Gauro cap(ut) de 10. 

Ser Franciscus Cornario condam domini ducis inquisitor. Ser . . ad- 

vocator communis. 

Yen. St.-A. Cons. 10 Misti 8 f. 133'. 

50. 

1408 , März 15. Entscheidung der Giudici del Petizion in einer Streit- 
sache zwischen einem gen. deutschen Schuhmacher und einem 
gen. Sensal des Fondaco zu Gunsten des ersteren. 

Die 15 mensis Marcii 1408. Super questione vertente inter ser 
Petrum sutorem Sancte Sophie ex una parte petentem et ser Franciscum 
Bronicardo mesetam in fonticuTeotonicorum ex altera absentem supradictus 



318 1408—1412. 



n 



ser Petrus eidem ser Francisco prebuit ducatos septuagintasex pro resto 
ducatorum centumoctogintaseptem et pro resto rationis; et petebat ex- 
pensas factas in presenti causa. Ad que quidem pro dicto ser Francisco 
nullus comparuit contradicere: unde prefati domini judices peticionum, 
videlicet domini Bertucius Pisani, Petrus Trivisano et Sanctus Venerio, 
visa et audita peticione dicti ser Petri sutoris, et consultatis omnibus 
que merito superinde consultari debuerunt; superque eis omnibus habito 
consilio diligenti, cumque ipsis partibus esset terminus stabilitus pro die 
et hora presentibus; et ipse Franciscus fuerit in curia stridatus, ut moris 
est, et per se vel alium minime comparuit, primo dato sacramento ipsi 
ser Petro sutori, et ipso jurante verum esse et habere deberi ut supra 
petit: omnes tres concordes per sententiam laudum et arbitrium, per justi- 
ciam et suum officium sententiando possuerunt in debitum dictum ser 
Franciscum Bronicardo mesetam eidem ser Petro sutori in quantum sunt 
predicti ducati septuagintasex auri occassione premissa, condenantes ipsum 
ser Franciscum in expensis in hac causa factis, dantes terminum etc. sub 
pena carceris, sua absencia in aliquo non obstante. 
Am Rand: Non publicata. 

Yen. St.-A. Giud. d. Pet. Sent. a giust. Busta 685 fasc. 16 f. 30'. 



51. 

1410, Januar 8. Bestrafung deutscher Wollarbeiter wegen AuCru! 
gegen ihre Meister durch den Rath der Zehn. 

1409 (m. V.) die 8 Januarii. Advocatores comunis. 

Capta. Quod propter adunantiam, insultus et offensas ac vulne- 
rationes factas in civitate Venetiarum in novitate facta per laboratores 
artis lane contra magistros texarios per Symonem Scrunitorem, Anechinum 
Claichen Daxia ^) et Petrum de Salistot ^) de Alamanea alta, qui fuerunt 
principaliores adunatores vulneratores et insultatores in dicto facto, pro- 
cedatur per ea que dicta et lecta fuerunt contra eos et quemlibet eorum 
trium, ad punitionem ipsorum et terrorem aliorum .... Später ebenso ver- 
urtheilt Conradus Fisser^), Artmannus de Franckfort de Alamanea alta, Ge- 
rardus de Cologna nepos magistri Juliani, Cul Daxia ^), Erardus sive Ge- 
rardus de Vilacbo sive Frixach. 

Ven. St.-A. Cons. 10 Misti 9 f. 39' u. ff. 



52. 

1412 — (Juli 20 und 31). Straf erlass für einen gen. Deutschen in 
Padua, der fälschlich der Hehlerei an einem von seinem Verwand- 
ten verübten Diebstahl beschuldigt worden. 

1412 indictione quinta. Cum, sicut exposuit Baldus Theotonicus, 
habitator Padue, ipse ex eo, quia quidam Jacobus Malcorpo, cognatus 




II 



1) = d'Assia, von Hessen? 

2) Seligenstadt in Hessen V 

3) Fischer? 



1412—1421. 319 

uxoris ipsius Baldi, apportavit in domuin suam quadam nocte staria duo 
fabe et certas alias res, quas ipse Jacobus furatus fuerat, per potestatem 
nostrum Padue condemnatus fuerit, quod deberet frustari ter circum circa 
palatium Padue, et propter suam innocentiam, quia credebat res illas esse 
dicti Jacobi cognati uxoris sue et non quod eas furatus fuisset, suppliciter 
impetraverit gratiam nostram: captum fuit, quod dictus Baldus serviat 
duobus mensibus suis expensis, ubi et sicut deliberabit potestas noster 
Padue, et a dicta condemnatione libere absolvatur. Et sie consulit po- 
testas noster Padue attenta ejus paupertate. 

20 Julii capta in consilio de 40, ultimo Julii capta in majori consilio. 

Yen. St.-A. Graz. 20 f. 73. 

53. 

1415 — (Juni 28 und 29). Einem gen. deutsehen Sehaehtelmacher 
(Drechsler?) aus Laibaeh wird der Verkauf seiner Holzwaaren 
auf der Rialtobrüeke nur an Feiertagen erlaubt. 

1415 indictione octava. Intellecta devota supplicatione Georgii de 
Lubiana busolarii, fidelis nostri de contrata Sancti Silvestri, fiat et con- 
cedatur eidem, quod de diebus festivis tantum possit super ponte nostro 
Rivoalti vendere seu vendi facere de laboreriis ligneis, que ipse constituit 
in sua appotecha, sicut alii magistri de arte predicta vendunt, cum offi- 
ciales salis et Rivoalti asserant similes gratias aliis factas fuisse et quod 
usque parvum tempus pons ipse ita impedietur, quod vix per eum po- 
terit pertransiri. 

28 Junii capta in 40; 29 Junii capta in majori consilio. 

Yen. St.-A. Graz. 20 f. 111', 

54. 

1421 — (Dezember 17 und 22). Straferlass für einen gen. deutsehen 
Juden, der verurtheilt worden, weil er einem anderen nach dem 
Leben gestellt. 

1421 indictione 15. Cum, sicut nobis exponi fecit, Rüben quondam 
Ysach de Alemanea Judeus isto mense Junii elapsi inculpatus fuerit una 
cum Vita ^) de- Sicilia Judeo , injuriatus fuisse cum magistro Andree phi- 
sico , volens offendere dictum magistrum Andream in personam eo quia 
se fecerat Christianum et proinde propter placitare advocatorum nostri 
comunis condemnatus fuerit in consilio de 40 ad solvendum libras 1500. , . . 
fiat sibi gratia considerata paupertate sua, quod solvat libras 800 se- 
cundum consuetudinem officii advocatorum comunis et a residuo condem- 
nationis absolvatur. 

17 Decembris capta in 40; 22 Decembris capta in majori consilio. 



Yen. St.-A. Graz. 21 f. 57'. 



1) Lob ? 



I 



320 1422. 



55. 



n 



1422, Mai 13. Der Rath der Zehn genehmigt das Gesuch der Bäeker- 
meistep Venedigs, dass die drei bisher vorhandenen Bruder- 
schaften zu einer einzigen vereinigt würden. 

Modo de redrizzar ^) la scuola. 

1422 13 Mazo. Presa nel consegio di dieci. 

Che secondo la supplication, portä alla nostra signoria per parte 
di tutti i pistori della nostra cittade de Veniesia, e li sia concesso, che 
dell' arte soa de la pistoria, della quäle i dise, che l'e al presente tre 
fraternitade over scuole, zoe una di essi pistori, una de soi lavoranti 
Lombardi et una de lavoranti Todeschi, se fazza e se direga in una sola 
scuola over fraternitade, in la quäl sia et esser possa i pistori e lavora- 
dori soi de zascaduna condition et generation; et sia revocade et anni- 
chilade le scuole dei ditti lavoranti fin da mö ; siando obligadi il gastaldo 
e compagni della scuola dei ditti pistori i quali e et sarä per li tempi 
de ricevere et acceptar in la ditta scuola tutti quelli lavorenti dei pistori, 
i quali vorrä intrar in quella. E cosi conseia i nostri provededori dalle biave. 

Ven. St,-A. Mariegola dei Pistori f. 12 u. Mus. Civ. Corr. f. 10'. 



I 




56. 

1422, Juli 23. Der Rath der Zehn gestattet den deutschen Bäcker- 
gesellen ihre lediglich zu religiösem Zwecke gestiftete Bruder- 
schaft hei S. Filippo e Giacomo beizubehalten (cf. Nr. 55 und 47). 

Parte presa in conseio de 10 de far una fraterna 1422 a 23 Lugio. 

Cumciosia che per la information che avemo habudi per la suppli- 
cation porta a questo conseio [che] sia stä preso a 13 de Mazo novamente 
passado, che dei pistori e lavorenti soi, si Lombardi, como Todeschi, debbia 
esser ä una sola fraterna overo scuola in Venesia; e per questo i lavo- 
ranti Todeschi dei ditti pistori sia comparsi avanti i cavi de questo 
conseio, lamentandosi et digando, che zä, anni 20 over circa elli ottenne 
da questo conseio, che i podesse correzer et ammovir alguni pravi et 
maligni dei ditti Todeschi da una fraternitade over scuola fatta per lor 
avanti sotto vocabolo et titolo de Santa Maria in la giesia dei beadi 
appostoli Felippo e Giacomo, in la quäl elli ha 1' altar proprio della ditta 
scuola, et ottenne etiam de poder privar quei Todeschi, in caso che elli 
non volesse esser corretti; et elli abbia supplicado et supplichi i Todeschi 
della ditta scuola, che — cumciosia che in la sua matricola non se faccia 
mention alguna de 1' arte della pistoria, ma solamente se fä mention de 
cose, che spetta all' anime soe — nui se degnemo conciederli, che la sua 
ditta scuola overo fraternitade romagna et sia ferma, como la § stada 
fin ä mö — et questo solamente per le elemosine e devotion soe — et i 
detti cavi abbia vedudo et esaminada la matricola della detta scuola, in la 
quäl non i ha trovado, che se contegni cos' alguna, che aspetti a pistoria, 



1) Wohl = indirizarre, richten, wenden. 



1422-1425. 321 

ma solamente a salude delle anime, per la quäl cosa elli conseia, che la 
ditta fratex'nitade de' i Todeschi romagna ferma cum i modi e condition 
soi validi et usadi, si ampuö') che la ditta scuola per nissun muodo se 
impazzi de opera de pistoria overo che aspetti a pistoria; e l'anderä 
parte, che sia concesso ai ditti Todeschi , famei dei pistori , como conseia 
i ditti cavi. Veramente sia tegnudi e debbia i ditti Todeschi esser a 
commandamento et obbedientia del gastaldo et offitiali della scuola dei 
pistori, i quali sarä per i tempi, in i fatti che spetta all' arte della pi 
storia, sotto pena de soldi cento a zascadun che contrafesse et ciasche 
duna fiada; et similmente sotto pena de lire cento de pizoli per zasca 
duno de lor in suo beni proprii non osi far notar in la ditta soa matri 
cola algun capitolo ne far algun altra cosa che spetti all' arte della pi 
storia. Le quäl pene debbia scoder i nostri provedadori dalle blave, a 
i quali queste et le altre defferentie dei ditti pistori et famei soi sia 
commesse ad aldir et eseguir como a quelli parerä; habbiando i ditti 
provedadori parte delle ditte pene como delle altre del so offitio. Ma se 
i ditti Todeschi vorrä, intrare in la scuola over fraternitade de i suo 
maistri, possa questo far, et i ditti soi maistri sia tegnudi quelli acceptar, 
purche i sia homeni de bona condition, como fö preso e contiense in la 
parte predita presa adi 13 de Mazo passado. 

Ven. St.-A. Mar. d. Pist. f. 12' u. Mus. Civ. Corr. f. 10'. 



57. 

1425, Febr. 21. Der Augsburger Rath an Ulrich Artzt und Hans Her- 
wart in Venedig: sie mögen sieh für die Freilassung eines dort 
eingekerkerten gen. Augsburger Bäckergesellen verwenden. 

Ulrich Arzat. Hansen Herworten. 

Den ersamen bussunder lieben Ulrichen Arzat, unßm paumeister, und 
Hansen Herworten, auch unßm mitburger von Augspurg, ratgeben der 
stat zu Augspurg unser freuntschaft und alles gut zuvor. Ersamen lieben 
getreuen. Uns band wissen getan etlich unser lieb mitburger, wie das 
ain ir freund genannt Claus Walther, ein peckenkneht, gevangen sei als 
in der prysan^) ze Venedy. Hierumbe von betwegen der unßn so begern 
wir von euer freuntschaft und bitten eu, des ir wollend erfarn, in wel- 
licher maß oder wie desselben Glasen Walthers vancknuß gestallt oder an 
ir selbst sei, also ob darumbe zimlichen seie ze bitten; das ir denne die 
herschafft daselbst oder wa des notdurft sei bitten wollend von unßr 
dienste wegen, demselben Glasen Walther als darinne gnade zu beweisen, 
domit er unser geniesse oder ledig werden möhte der gevanknfiß. Wa 
wir das umb die herschaft und die iren beschulden unde verdienen mögen, 
wollen wir auch willig sein, wa sich das gebüret. 

Geben an Mittwochen vor dem Weißen Suntag. 



1) = ampö •= ancora; cf. Boerio. 

2) - prigione, Gefängniss. 



Augsb. St.-A. Brfb. 2 f. 221'. 



21 



322 1432--1442. 



58. 



n 



1432 — (August 30 und 31). Gewährung des venetianisehen Bürger- 
reehts an einen gen. Wiener. 

1432 indictione decima. Intellecta devota supplicatione Henrici 
Odorici de Viena, qui, sicut exposuit, jam annis viginti stetit et habitavit 
in hac civitate nostra Venetiarum in domo notabilium civium et nobilium 
nostrorum et aliquando in domo sua propria, auditaque responsione vi- 
rorum nobilium provisorum nostri comunis fiat eidem gratia, quod sit 
civis de intus tan tum civitatis nostre Venetiarum, faciendo de libris 200 
de imprestitis, sicut consulunt provisores predicti. 

30 Augusti capta in 40. 

31 Augusti capta in majori consilio. 

Yen. St.-A. Graz. 22 f. 34. 

59. 
1439 — (April 18 und Mai 10). Desgleichen (wie Nr. 58). 

1439 indictione 2. Intellecta devota supplicatione prudentis viri 
Henrici Bemp Nicolai de civitate Hebem ^) partium Alemanee, qui jam 
annis quindecim et ultra babitavit Venetiis et est dispositus hie vivere 
et mori, fiat gratia, quod sit civis de intus tantum, sicut bumiliter sup- 
plicavit, et sie consulunt provisores comunis. 

18 Aprilis capta in 40. 

10 Maji capta in majori consilio. 

Yen. St.-A. Graz. 23—24. f. 231. 

60. 

1442, Oetober 5. Der Nürnberger Rath an den Podestä von Padua: 
der Kaufmann Hermann Sehlüsselfelder, gegen den die Frau eines 
deutsehen Gastwirthes ;in Padua einen Proeess angestrengt, sei 
augenblicklich nicht in Nürnberg anwesend. 

Magnifico ac generoso domino Vittori, potestati Padue. 

Magnifice ac generöse domine, potestas benedigne. Obsequiosa com- 
placendi voluntate premissa. Sicuti nobis ob causam Margarethe uxoris 
Steffani de Colonia, bospitis ad varot(as?) in Padua ^), et Armanni cujusdam 
mercatoris, qui, nt asseritur, legitimus quondam Elisabeth, dicte Marga- 
reth amite, fuisse dicitur ^), etiam nobiscum commorantis, vestra scripsit 
et rogavit magnificencia , literas itaque ejusdem magnificencie vestre ho- 
norifice recepimus saneque intelleximus ac nostram propterea dilegentem 
fecimus inquisicionem. Et percunttati, quod quidem dictus Hermanus 
Slusselfelder noster concivis, qui dictam Elisabeth in uxorem habuit legi- 
timam et quem eciam predicta causa fertur concernere ^) , verum quia 





I 



1) undeutlich. 

2) Derselbe wird in den .Grazie' vol. 2.5 f. llo' zum Jahre 1444 erwähnt als ,pauperimus 
subditus noster Stefanus de Colonia, olim hospes ad varotas in Padua' (varotas hängt wohl 
zusammen mit varo, graues Eichhörnchen). 

^ Es fehlt wohl maritus. 
*) Lücke. 



1442-1447. 323 

idem Hermannus propter certa sua negocia absens est ad presens, unde 
postquam idem redierit, volumus ab ipso de causa predicta ulteriorem 
facere inquisicionem, et secundum quod causam in eo inveniemus, magni- 
ficencie vestre requisiti significare curabimus. 

Dat. feria sexta post Francisci anno etc. 42. Proconsules et con- 
sules etc. 

Nümb. Kr.-A. Brfb. 15 f. 320'. 

61. 

1444 — (Februar 8 und September 21). Einem gen. Geistliehen von 
Treviso wird erlaubt, den letzten Willen eines im Jahre 1427 
verstorbenen gen. Deutsehen nachträglich ratifieiren zu lassen. 

1444 indictione 8. Attenta devota supplicatione presbiteri Alexandri 
^e Tervisio, beneficiati ecclesie sancti Mauri de Koveredo districtus Ter- 
visii, per quam nobis exposuit, de 1427 in villa de Kippaprandecini ^) 
quendam Fredei*icum Theutbonicum in ejus morte suo ultimo testamento 
in presentia multorum testium dixisse et mentem suam declarasse et 
testando legasse uxori ejus duas equas et unam caretam et certa alia sua 
bona mobilia et in aliis suis bonis mobilibus et immobilibus suum be- 
redem instituisse Matheum ejus filium etatis annorum trium vel circa, 
hac conditione quod dicto Matbeo moriente in pupillari etate vel quando- 
cunque sine filiis dicta bona pervenire deberent in dictam ejus uxorem 
ipsa viduante in casta mente, et post ejus mortem dicta bona sive una 
possessio de Rippaprandencini pervenire deberent ad ipsam ecclesiam. 
Qae quidem ultima voluntas numquam fuit per notarium publicata nee 
redacta in publicam formam, propter quod, cum lapsus sit terminus, 
supplicavei-it sibi subveniri; et audita superinde responsione viri nobilis 
Victoris Barbaro, olim potestatis et capitanei Tervisii; fiat eidem pres- 
bitero Alexandro gratia, quod dictum testamentum sive dicta voluntas non 
obstante lapsu temporis possit relevari in publicam formam aliquibus in 
contrarium non obstantibus, ut jus suum consequi valeat, sicut humiliter 
supplicavit; et sie consuluit idem potestas et capitaneus Tervisii. 

Die 8 Februarii capta in 40. 

21 Septembris capta in majori consilio. 

Ven. St.-A. Graz. 25 f. 126, 

62. 

1447, Juni 7. Der Rath der Zehn genehmigt das Gesuch der italie- 
nischen Barchentweber um Errichtung einer eigenen Genossenschaft, 
nachdem sie von den Deutschen sich getrennt. 

1447, 7 Junii. Ser Franciscus Georgio, ser Jobannes Maripiero: 
■capita. 

Cum fustanearii Italici, qui se congregabant cum Tbeotonicis, se 
diviserint ab illis propter disparitatem morum et impetraverint a collegio 
dominorum provisorum comunis et justiciariorum veterum capitula sua 
separata, sed ipsi non possint se congregare sine licentia hujus consilii: 



1) Wohl das bei Raffelsberger , Lexikon aller Österreich. Staaten (Wien 1847) Bd. IV 
S. 2038 aufgeführte Cziva del Prandesin im Distrikt Treviso. 



324 1447-1467. 



n 



vadit pars quod dictis fustaneariis Italicis concedatur, quod possint se- 
redncere de per se, sicut poterant, quando erant uniti cum Theotonicis,- 
et facere snam congregationem cum ordinibus et capitulis, que sibi data 
sunt a provisoribus et justiciariis veteribus. 
De parte 13, de non 0, non sine. 0. 

Yen. St.-A. Cons. 10 Misti 13 f. 73. 

63. 

1455, Februar 28. Zeugenaussage eines deutsehen Bäckers in einem 
Proeess zwischen einem Deutschen und einem Diener der Avvo- 
gadori di Comun. 

1454 (m. V.) die 28 Februarii. Ser Johannes Gomborus, Theotonicus 
pistor de contrata Sancti Johannis Grisostomi, testis productus et exami- 
natus ad instantiam ser Andree Bernardi Theotonici, sie testificando dixit: 
Quod de die preeise non reeordatur, sed fuit de mense Januarii preteriti 
1454 quod ipse testis ivit una cum ser Andrea Bernardi Theotonico ad 
officium dominorum advocatorum, et ibi invenerunt ser Franciscum fa- 
mulum dictorum dominorum advocatorum et ipse testis dixit prefato ser 
Francisco multa et multa inter cetera, quod velet dare aliquid pro docte 
cujusdam filie ejus doctive, quam acceperat dictus Andreas in uxorem. 
ipso ser Francisco nesciente . . . 

Yen. St.-A. Giud. d. Pet. Estraord. Nod. Nr. 22 f. 9. 



64. 

1467, Juni 8. Der Nürnberger Rath verwendet sich bei der venetia- 
nischen Regierung für einen gen. Juden aus Nürnberg behufs 
Erlangung des Heirathsgutes von dessen Frau (aus ihrer ersten Ehe). 

Illustrissimo principi et domino, domino Cristoforo Moro, duci Vene- 
ciarum, domino nostro gracioso, spectabilibusque magnificis ac prepoten- 
tibus ejus consiliariis, dominis nostris, observandissime venerandis. 

Illustrissime princeps et domine, domine graciose, spectabilesque 
magnifici et prepotentes domini majores nostri precipui humili recommen- 
dacione premissa cum promptissima obsequendi vo^untate. Noveritis quod 
pridem coram nobis constitutus Eabbi Veifs ^) Hebreus, nostre Nurem- 
bergensis civitatis inquilinus, exposuit, quod Eacbil Hebrea in presen- 
ciarum sua conthoralis, quondam Rabbi Jacob Hebrei dicti ^) Reinschs 
Kebrei, in Krembsir civitate marchionatus Moravie domicilium foventis,. 
generi (?) ^) dum in humanis egebat conjunx, nonnullam peccuniarum 
summam, videlicet ducatos centum, ad eam ex donacione propter nupcias 
sibi per jam fatum quondam Rabi Jacob primum ejus maritum facta et 
elargita pleno jure spectantem et pertinentem , apud Rabi Haym Rappe 
Hebreum in Maysters vestris principatui et dominio subjectis sub fidei- 
commissio seu manu fideli ad octo annorum curriculum ultra depositos 
habuerit unacum lucro et commodo exinde reportato et acquisito, prout 




1) Wie mir Herr Dr. M. Grünbaum hier mittheilt, = Yeibsch (was selbst = Phöbus); 
cf. Wolf. Joh. Chr., Bibliotheca Hebraea (1715) I, 33; Zunz, Gesammelte Schriften (1876) II, 34. 
Haym später = Hayum. 

2) Undeutlich. 




1467-1483. 325 

habeat de presenti : nos humiliter precibus exortando, ut nostras ad dictam 
peccuniam adipiscendam et extorquendam ad vestras graciam et magni- 
ficentiam pi'omotoriales daremus epistolas. Unde precibus ejusdem Hebrei 
incole nostri acquiescere spopondimus. Quare vestram illustrissimam spec- 
tabilemque magnificenciam supplici precamur oramine, huic rei apud 
memoratum Rabi Haym Rappe Hebreum in Maysters percunctantem (?) ^), 
vestro imperio subjectum, operam dare efficacem adjutricisque manus suf- 
fragium, ut prefata Rachil Hebrea dictam peccuniarum ducatorum centum 
summam consequi valeat ipsam inbursando et in usus suos convertendo, 
prout magnificenciam vestram in hiis et ceteris quibusvis justitie zela- 
tores agnoscimus esse precipuum ; per hec etiam nos ad vestra obligabitis 
vota procul dubio reciproce promerenda. 

Dat. octava mensis Junii anno domini 1467. 

Proconsules et consules imperialis civitatis Nur(imbergensis). 

Nümb. Kr.-A. Brfb. 32 f. 132. 
65. 

1477, Mai 4. Der Senat verfügt, dass die von Kaiser Friedrich für 
die Braut seines Sohnes Maximilian (Maria von Bupgund) in 
Venedig anzukaufenden Seidenstoffe keinen Zoll zu zahlen haben« 

1477 die quarto Maji. Consiliarii. 

Cum Serenissimus dominus imperator missurus sit Maximianum (sie) 
filium suum imperatorium ad desponsandum novam nuptam suam, filiam 
condam illustrissimi domini ducis Burgundie, et pro honoranda hujus- 
modi profectione sua providerit, ut in hac civitate emantur infrascripti ^) 
pani sericei, veluti et cendadi, sitque omni respectu complacendum im- 
peratorie majestati et filio ejus: vadit pars, quod dicte res, qua solvunt 
tantum unum pro 100 de misetaria et totidem pro exitu, possint extrahi 
hinc et conduci per omnem ditionem nostram libere et sine ulla solu- 
tione dacii. 

De parte 132, de non 2, non sine. 1. 

Yen. St.-A. Sen. TeiTa 7 f. 16T. 

66. 

1483, Oetober 10. Neuer Vertrag zwischen dem Kloster S. Stefano 
und den deutschen Schuhmachern in Venedig wegen Ueberlassung 
einer Gruft, eines Altars u. s. w. (cf. Nr. 42). 

In Christi nomine amen. Anno nativitatis ejusdem millesimo qua- 
dringentesimo octuagesimo tertio indictione prima die decimo mensis Oc- 
tobris Venetiis in contrata Sancti Angeli in sacrario ecclesie sancti Ste- 
phani, ubi infrascripta omnia et singula in presenti instrumento contenta 
acta sunt presentibus venerabile domino presbytero Nicoiao quondam ser 
Joliannis Veneti, habitantis in contrata Sancti Moysi, et magistro Marco 
fabro lignario quondam ser Johannis de contrata Sancti Proculi et Mel- 
■chiore del Zante quondam ser Lodovici fabri lignarii in confinio Sancte 
Marine, testibus idoneis rogatis et ad infrascripta specialiter convocatis. 



1) Man erwartet einen Ausdruck für „verweilen" 

2) Die aber leider nicht aufgezählt werden. 



326 



1483. 



Cum ipsi summo et optimo deo nihil gratius sit generique hominum 
JTicundius , quam ipsum toto et animi et corporis habitu deum excollere 
et proximum ut se ipsum amare et unanimis omnibus in rebus bonestis 
mortales omnes deo placentes se devovere muthuis ultro citroque bene- 
fitiis super are contendentes : iccirco venerandi in Christo patres magister 
Paulus Venetus, sacre theologie professor monasterii et ordinis Heremi- 
tanorum, sancti Augustini capituli et conventus sancti Stephani Vene- 
tiarum prior, et magister Jacobus Nanus Venetus sacre theologie pro- 
fessor, et magister Ambroxius Laudensis sacre theologie profe&sor, et 
magister Stephanus Venetus sacre theologie professor, et magister Pas- 
qualis Venetus sacre theologie professor, et magister Secundus Contarenus 
Venetus sacre theologie professor, frater Alexander Papiensis bachalarius, 
frater Augustinus Perusinus bachalarius, frater Sabba Venetus lector, 
frater Leonardus de Humelia, frater Maurus Venetus biblicus, frater Jo- 
hannes Teutonic.us lector, frater Franciscus Venetus, frater Bartholomeus 
Venetus, frater Jacobus de Feraria, frater Johannes de Sancto Flore ^), frater 
Bartholomeus Papiensis, frater Johannes Mediolanensis, frater Hieronymus 
de Carmignola, frater Franciscus Venetus, frater Perutius Mediolanensis, 
frater Petrus Venetus, frater Egidius Venetus, frater Hieronymus Venetus, 
frater Nicolaus Venetus, frater Laurentius Venetus et frater Johannes 
Teutonicus, ceterique omnes ejusdem ordinis capituli et conventus fratres 
omnibus viritim et nominatim ter jam pulsata campanella, ut moris est 
convocandi dicti capituli, nominatis et convocatis de voluntate et con- 
sensu magnifici et generosi viri domini Michaelis de Lege, nobilis patricii 
Veneti, dicti capituli et conventus procuratoris, ut ipsi fratres asseruerunt, 
ex una parte et presertim dicti capituli et conventus sancti Stephani vice 
et nomine — ex alia vero parte, idest nomine et vice cerdonum Alemani- 
corum societatis et congregationis Annunciate Verginis Marie, nobilis et 
egregius vir sapiens dominus Cosmus Boyemus (?) -), Brixianus artium doctor 
ac studiorum humanitatis professor quondam utriusque medicine doctoris 
excellentissimi domini Johannis de contrata Sancti Jeminiani Veneti, dicte 
societatis procurator et syndicus, et magister Johannes Franchus de Nurim- 
bergo Alemanicus de contrata Sancti Moysi et magister Franciscus Roner 
de Albrun ^), Alemanicus de contrata Sanctorum Apostolorum , substitu- 
tus a magistro Johanne Petri Felchircho'*) Alemanico de contrata Sancti 
Angeli in aliis occupato ut dieitur, et magister Stencel de Russia de 
Sambur ^), Alemanicus de contrata Sancti Martini, et magister Johannes de 
Vaizamburgo") Alemanicus de contrata Sancti Cassiani, et magister Jacobus 
Fogaizlingen Alemanicus de contrata Sancti Panthaleonis , substitutus a 
magistro [a] Johanne Herembertho nunc absente de contrata Sancti Marie 
Formose , omnes ut asseruerunt a me infrascripto notario (instrumento ') 
constare